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Harry Potter Kolumne

von Demelza
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
09.04.2021
03.10.2022
92
84.132
51
Alle Kapitel
671 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
23.09.2022 1.632
 
Unterrichtsstile-und Methoden: Wer ist der beste Lehrer in Hogwarts?


Diese Frage ist natürlich schon unzählige Male gestellt und auch beantwortet worden. Und auch wenn einige Artikel und Listen zu diesem Thema zu sehr ähnlichen Ergebnissen kommen, ein paar Unterschiede gibt es trotzdem.  

Zu Beginn möchte ich einmal sagen, dass ich keinen Hintergrund als Lehrerin habe. Ich arbeite weder in diesem Beruf, noch studiere ich auf Lehramt oder habe gute Bekannte, die als Lehrer arbeiten. Ich selbst habe auch vor einem Jahr mein Abitur gemacht und gehe daher auch nicht mehr zur Schule. Die Einschätzungen in diesem Kapitel basieren also rein auf Erfahrungen aus Schülersicht.

Zuerst einmal sollte man sich hier die Frage stellen, was einen guten Lehrer überhaupt ausmacht. Er sollte den Schülern etwas beibringen. Das wäre mal die Grundvoraussetzung. Und manche Lehrer scheitern ja schon daran. Dann kommt es auch noch darauf an, wie man den Schülern etwas beibringt.

Hogwarts ist eine Zauberschule, daher sollte der eigentliche Unterricht auch einen gewissen Stellenwert in den Büchern einnehmen. Und gerade in den späteren Büchern bekommt man auch immer mehr Einblicke in einzelne Unterrichtsstunden und kann sich so auch ein Bild von den unterschiedlichen Lehrern machen. Trotzdem kann man längst nicht bei jedem Lehrer und jeder Lehrerin wirklich etwas zum Unterrichtstil sagen. So wirklich kann man das nur bei den Professoren McGonagall, Flitwick, Sprout, Snape, Slughorn, Trelawney, Raue-Pritsche, Binns, Hagrid, Firenze, Lockhart, Lupin, (Fake-)Moody und Umbridge sowie bei Madame Hooch.

Bei den meisten Lehrern läuft der Unterricht nach einem sehr ähnlichen Muster ab: Erst wird das Thema der Stunde vorgestellt, falls in dieser Stunde nicht einfach nur ein Thema weitergeführt wird, dann dürfen die Schüler selbst ran. Der Unterricht von McGonagall, Flitwick, Sprout und Raue-Pritsche läuft ziemlich genau nach diesem Muster ab. In Kräuterkunde arbeiten die Schüler meist zusammen an einer Pflanze. In Zauberkunst scheint es im Übungsteil ähnlich zuzugehen wie im Kunstunterricht an Muggelschulen, wo sich die Schüler, während sie arbeiten auch miteinander unterhalten dürfen, solange sie eben noch arbeiten. Trotzdem scheint Flitwick seine Schüler immer recht gut im Griff zu haben. Es wird nie erwähnt, dass ihm die Schüler auf der Nase herumtanzen würden. Im Gegenteil: Es wird ab und an erwähnt, dass Flitwick seine Schüler immer sehr gut durch die Prüfungen bringt und bei allen Schülern recht beliebt ist oder zumindest respektiert wird. Bei Professor McGonagall scheint es in der Übungsphase dagegen eher leiser zuzugehen. Was neben ihr als Lehrperson auch am Fach selbst liegen könnte, da Verwandlungen als die schwerste Art der Magie gelten, die in Hogwarts unterrichtet wird. Vielleicht ist es daher auch gar nicht so einfach möglich, sich währenddessen zu unterhalten.

Auch der Unterricht von Snape und Slughorn läuft in den Grundzügen gleich ab: Sie geben den Trank der Stunde vor und die Schüler brauen ihn nach Rezept, während der Lehrer durch die Reihen geht und die Zwischenergebnisse begutachtet. Während Snape die Anweisungen an die Tafel schreibt, scheinen die Schüler das Rezept bei Slughorn aus dem Buch zu lesen. Da sich beim Tränkebrauen auch mal Dampf bilden kann, was das Lesen an der Tafel besonders für die hinteren Reihen schwierig machen kann, ist Slughorns vorgehen ist, vielleicht sogar das bessere. In der Interaktion mit den Schülern unterscheiden sich Snape und Slughorn aber dann doch: Während Snape die Schüler für Fehler gerne mal vor der ganzen Klasse bloßstellt und – zumindest Gryffindors – für korrekte gebrauchte Tränke nicht einmal lobt, hält sich Slughorn eher mit Kritik zurück. Allgemein scheint bei Slughorn aber eine weniger angespannte Stimmung im Unterricht zu herrschen als bei Snape. Snapes Unterrichtsstil ändert sich nicht groß, als er später Verteidigung gegen die dunklen Künste unterrichtet. Auch hier ist er sehr sparsam mit Lob und sehr freigiebig mit Kritik, wobei Kritik nicht unbedingt hilfreiches Feedback bedeutet.

Trelawney stellt ebenfalls erst das Thema der Stunde vor und lässt die jeweilige Wahrsagemethode dann von den Schülern selbst anwenden. Währenddessen geht sie herum und hört sich einzelne Versuche an oder macht selbst Vorhersagen. Das mag kein schlechtes Vorgehen sein, es sei denn sie sagt für Harry jedes Mal seinen Tod voraus. Firenze scheint mehr Wert darauf zu legen, den Schülern ein Verständnis für die Art des Wahrsagens der Zentauren zu vermitteln, als ihnen wirklich die Methoden beizubringen. Bei ihm ist es eher ein: „So wird es übrigens gemacht, aber das ist nichts, das ihr selbst lernen könnt oder müsst.“ Statt ein: „So und so macht ihr es.“

Lupin und Hagrid erklären das passende Vorgehen erst im Laufe der Stunde. Wobei Hagrid hier deutlich weniger souverän auftritt und scheinbar auch die Gefahren unterschätzen kann, die von einem Geschöpf ausgehen. Lupin dagegen zeigt am Beispiel eines Schülers sehr genau, wie man beim Geschöpf der jeweiligen Stunde vorgehen muss. Zumindest, wenn die Stunde mit dem Irrwicht stellvertretend für die weiteren Stunden stehen kann.  

Madame Hooch scheint die einzelnen Schritte ebenfalls erst nach und nach zu erklären. Allerdings scheint sie nicht unbedingt in der Lage zu sein, erfolgreich einzugreifen, wenn ein Schüler seinen Besen noch nicht unter Kontrolle hat.  

Moody zeigt auch gerne einen Fluch nach dem anderen für die ganze Klasse und erklärt dann näheres dazu.

Die einzigen Lehrer, die wirklich aus dieser „erst Thema erklären, dann Schüler selbst zaubern lassen“ ausbrechen sind Binns, Umbridge und Lockhart. Binns redet einfach die ganze Zeit. Allerdings ist sein Fach auch ein rein theoretisches, da gibt es nichts, was man praktisch machen könnte. Trotzdem müsste der Unterricht nicht so dermaßen trocken sein. Lockhart liest im Grunde nur aus seinen eigenen Büchern vor und lässt einzelne Szenen nachspielen. Und Umbridge lässt einfach nur das Buch lesen.

Beim klassischen Frontalunterricht unterscheiden sich die Lehrer insgesamt nur sehr wenig. Unterschiede gibt es hier höchstens in der Art, wie sie mit den Schülern umgehen und welche Stimmung im Klassenzimmer herrscht.

Neben dem bloßen Vermitteln des Stoffes spielt bei Lehrern aber auch immer noch eine gewisse menschliche Komponente eine Rolle. Denkt mal an eure Schulzeit, egal ob ihr noch zur Schule geht oder nicht, wer sind oder waren eure Lieblingslehrer und warum. Und welche Lehrer waren insgesamt bei den Schülern beliebt und welche eher nicht. Die beliebten Lehrer – zumindest in meiner Schule – waren nicht die, die eine Klasse nicht im Zaum halten konnten und denen man auf der Nase herumtanzen konnte; aber auch nicht die strengen. Bei uns Schülern waren hauptsächlich die Lehrer beliebt, die den Grad zwischen ernsten und lockeren Momenten geschafft haben; bei denen es auch immer mal wieder lockere Momente gab, in denen es auch mal wirklich witzig wurde und in denen man auch mal einfach so einen Kommentar abgeben konnte oder in denen der Lehrer mal eine Anekdote erzählt hat, egal ob zum Thema oder Off-Topic. Gleichzeitig konnten diese Lehrer den Stoff aber auch vermitteln und das meist auch so, dass jeder es verstanden hat und wenn es wieder Zeit wurde, um vom lockeren Off-Topic-Teil zurück zum Stoff zu gehen, dann ging das auch schnell und meist ohne Probleme. Und diese Lehrer hatten die Klasse auch im Griff. Da gab es keine übermäßig viele Zwischenrufe oder Privatgespräche unter Schüler. Für mich zumindest war der Unterricht dann auch immer interessant. Oder zumindest interessant gemacht, wenn möglich auch untermalt mit Beispielen in Form von Bildern, Audiostücken oder kurzen Videos.

Von Snape wird ja gerne behauptet, bei ihm würde man etwas lernen, weil er streng ist und seine Klasse unter Kontrolle hat. Ja, er hat seine Klasse unter Kontrolle. Aber das heißt nicht automatisch, dass man bei ihm mehr lernt als bei anderen Lehrern. Ich hatte auch den Typ Lehrer, bei dem es im Unterricht mucksmäuschen still ist und bei dem jeder still ist und aufpasst. Aber anders als bei Snape wurde man bei diesen Lehrern nicht dafür fertig gemacht, wenn man einen Fehler gemacht hat. Man wurde einfach auf den Fehler hingewiesen und der Fehler wurde verbessert, gleichzeitig wurde aber auch gesagt, dass der Fehler nicht schlimm war, weil man es wenigstens versucht hat. Was bei diesen Lehrern überhaupt nicht ging, war sich keine Mühe zu geben. Aber diese Sorte Lehrer ist eher McGonagall und nicht Snape. Eine Klasse oder auch nur einzelne Schüler in Angst und Schrecken zu versetzen, sorgt nicht für eine gut Lernatmosphäre.  

Im Punkt, dem Lehrer auf der Nase herumtanzen, ist Harrys Klasse aber kein guter Indikator dafür, wie gut ein Lehrer die Klasse im Griff hat, denn so etwas wird so gut wie nie erwähnt. Nicht einmal bei Lockhart oder Hagrid und die wären da noch die wahrscheinlichsten Kandidaten, dass das bei ihrem Unterricht passiert.

Abgesehen mal von Lockhart, Umbridge, Snape und Hagrid, die aus verschiedenen Gründen keine wirklich guten Lehrer sind und Binns, der seinen Unterricht einfach falsch gestaltet, sind alle Lehrer zumindest in Ordnung. Die Hauslehrer und Slughorn werden als der solide Lehrertyp beschrieben, der weder besonders beliebt noch verhasst ist, sondern einfach seinen Job gut macht. Lupin dagegen wird klar als der Lehrer beschrieben, den beinahe jeder Schüler mag, was natürlich auch so beabsichtigt war. Von allen Lehrern, die man in den Büchern so erlebt, passt Lupin am besten zu der Beschreibung eines beliebten Lehrers aus meiner persönlichen Erfahrung weiter oben. Angesichts der Tatsache, dass JKR selbst mal als Lehrerin gearbeitet hat und Lupin ganz klar als sympathisch und als guten Lehrer darstellen wollte, sagt das auch einiges darüber aus, was für JKR einen guten Lehrer aus macht.

Insgesamt kann man sagen, dass alle Lehrer mit Ausnahme von Lockhart, Snape, Umbridge und Hagrid, einen guten Job machen. Wen man jetzt als den besten von ihnen ansieht, ist dann eine Frage des Einzelnen, sowohl bei den Lesern als auch bei den Schülern im Buch. Selbst Trelawney hat ja Fans. Und bei den Lesern gibt es bei der Frage „Wer ist der beste Lehrer?“ ein recht ausgeglichenes Rennen zwischen McGonagall und Lupin, wenn man sich die Artikel und Listen dazu so ansieht.
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