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Kleines

OneshotDrama, Angst / P18 / Het
Negan OC (Own Character)
09.04.2021
09.04.2021
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Ich sah aus dem Fenster. Meinen Blick konzentrierte ich auf die entfernten Bäume, um mir den Anblick der Beißer zu ersparen, die als zusätzliche Abschreckung an den Zaun gekettet waren. Ich verabscheute diesen Anblick, aber ich beschwerte mich nicht, war doch mit dieser Aussicht ein eigenes Zimmer verbunden. Sauberkeit, Strom, fließendes Wasser, Privatsphäre. Das war purer Luxus.
Wieder fühlte ich seinen Atem, der über meinen Nacken und meine Schultern strich. Also stand er immer noch hinter mir.
„Was willst Du noch, Negan?“
Er schnaubte belustigt, wieder streifte sein Atem meine Haut unterhalb des Haaransatzes, und eine Gänsehaut breitete sich von dort in alle Richtungen aus.

„Was ich noch will? Ernsthaft, Kleines?“ Ich konnte das Schmunzeln in seiner trägen Stimme hören.
Stille breitete sich aus und ich wartete darauf, seine sich entfernenden Schritte zu hören. Es blieb still und sein regelmäßiger Atem kitzelte weiter meine Haut.
Ich wollte ruhig bleiben, nein eiskalt. Ich wollte mir nichts anmerken lassen. Doch je länger diese gespannte Stille zwischen uns hing, desto weniger gelang es mir die kühle Fassade aufrechtzuerhalten.
Ein Schauer lief meinen Rücken vom Atlas bis zum Steißbein hinab und setzte sich bis zu meinen Fußsohlen fort. Hatte er es bemerkt? Warum verschwand er nicht endlich, damit ich wieder entspannen konnte?
Wieder dieses belustigte Schnauben. Ihm entging leider gar nichts.

„Falls Du Deine Meinung änderst, weißt ja, wo Du mich findest“, flüsterte er in mein Ohr, blieb aber weiter an Ort und Stelle, strapazierte meine Willenskraft. Ich ballte meine Fäuste. Ein leises, feuchtes Schmatzen verriet mir, das er sich wie so oft über die Lippen geleckt hatte, wenn er nachdachte.
Scharren, Schritte die sich entfernten. Endlich. Ich schloss meine Augen und atmete aus. Ohne es zu bemerken hatte ich die Luft angehalten. Wie lange? Ich konnte es nicht sagen.
„Weißt Du eigentlich, wie sehr es mich angemacht hat? Wie sich die Gänsehaut über deine Schultern und Deine Arme ausgebreitet hat. Ganz ohne, dass ich Dich berührt habe. Geiler Scheiß.“ Die letzten Worte hatte er sehr langsam gesprochen, und sehr leise.
„Wie gerne hätte ich in dem Moment Deinen Kopf an den Haaren ganz langsam nach hinten gebogen und Deine traurig glänzenden, roten Augen geküsst.“ Ich verspannte mich wieder. Wagte es nicht über die Schulter zu sehen, ob er wieder näher kam.

„Es sind Deine Augen, weißt Du, Deine Augen. Fuck. Wenn ich die sehe, möchte ich sie unbedingt wieder zum Strahlen bringen.“ Und wieder hielt ich die Luft an, verkrampfte meine Fäuste.
„Du solltest nicht zu lange warten, bis Du wieder in den Sattel steigst, Kleines. Es wird nicht einfacher.“ Eine Träne löste sich aus meinem Augenwinkel und hinterließ ein langsame, kalte, feuchte Spur entlang meiner Nase, hing einen Moment an meiner Lippe, bis meine Zunge reflexhaft vorschnellte und die Träne verschwand.

„Siehst Du, das meine ich. Diese Träne. Ich würde sie hinfort küssen, die und jede weitere. Ich küsse gerne. Die Narben, auch die würde ich küssen. Jede einzelne. Du weißt, dass ich sie gesehen ab, alle.“ Seine Stimme klang jetzt wieder näher, oder täuschten mich meine überreizten Nerven?
„Ich möchte Dich festhalten während Du schläfst und Dich wärmen. Jeden Quadratzentimeter Deines Körpers erkunden, wenn Du wach bist und nicht zulassen, dass Du Dich noch Mal fürchten müsstest.“ Ich schlang meine Arme um mich, um das Zittern zu unterdrücken, das wieder durch meine verkrampften Muskeln lief.
„Fuck!“ Presste er durch seine Zähne. Er stand erneut direkt hinter mir.
„Und ich will Dich dort auf dem Bett unter mir. Ich will Deinen abgemagerten Arsch auseinanderziehen und mich in Dich schieben und, Fuck, ich will jeden Gedanken, jede Erinnerung an dass, was Dir zugestoßen ist, aus Dir heraus ficken, denn es macht mich krank, Dich so zu sehen, Kleines.“
Seine Wut hing greifbar zwischen uns in der Luft, schwer und heiß.
Er schnaufte wieder.
„Scheiße, Entschuldige, dass ich das gesagt habe, nach allem … Du weißt schon. Das war unsensibel von mir.“ Schweigen.
„Ich gehe dann jetzt.“ Schweigen. Schritte. Das leise Knarzen des Türknaufs.

„Bleib. Bitte.“
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