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The mermaid's secret

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12 / Mix
Anamaria Captain Jack Sparrow Elizabeth Swann James Norrington OC (Own Character) Will Turner
08.04.2021
08.04.2021
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3.082
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Ahoi -
schön, dass ihr euch hierher verirrt habt.
Insbesondere nachdem ich wirklich, wirklich schlecht darin bin, mir eine Kurzbeschreibung aus den Fingern zu saugen, ich lass lieber direkt die Geschichte sprechen.
In diesem Sinne hoffe ich sehr, dass es euch gefällt, was ich hier fabrizieren werde; fertig bin ich noch nicht, aber ich hoffe, euch so alle 1-2 Wochen ein Kapitel servieren zu können. Je nachdem, ob die Uni da mitspielt, fürchte ich.
Alles, was ich aus irgendeinem Grund doch nicht so toll recherchiert habe und Stellen, wo ich doch Tippfehler mal übersehe, bitte ich zu verzeihen - ich geb mir Mühe, aber ich überseh' natürlich auch mal was.
In diesem Sinne - habt Spaß, wenn ihr mögt freu ich mich natürlich über Rückmeldung und wir hören uns erst wieder am Ende der Geschichte, außer ich hab was ganz wichtiges zu sagen, dann schreib ich vielleicht doch nochmal ein Vorwort. Wir werden sehen.
Alles Liebe und bis dann,
Lady Watson



Kapitel 1


Auf dem Handelsschiff war es lausekalt dafür, dass sie eigentlich in Richtung Karibik unterwegs waren. Und die Kleidung, die sie bei ihrem überstürzten Aufbruch mitgenommen hatte, war dem ganzen definitiv weder gewachsen noch angemessen, wenn man ehrlich war – aber so richtig hatte Amanda eben nie damit gerechnet, dass sie sich irgendwann in ihrem Leben auf einem Schiff wiederfinden würde, dass sie ans andere Ende der Welt bringen sollte.
Erst recht nicht in den Momenten, in denen sie Stoffe für neue Kleider ausgewählt hatte, wenn sie mit ihrer Mutter beim Schneider gewesen war – da war es sehr viel eher darum gegangen, in der neuen Ballsaison einen Heiratskandidaten an Land zu ziehen. Was sogar funktioniert hatte dieses Jahr, das musste man den Kleidern lassen, denn an ihrem Verhalten gegenüber dem Viscount Plantagenet konnte es nicht gelegen haben und schon gar nicht daran, dass sie auch vier Jahre nach ihrem Debüt immer noch beim Tanzen auf jeden Zeh trat, der sich auch nur in ihre Nähe wagte.
Bei der Erinnerung an Theodore Plantagenet, dem viel zu stark gepuderten Viscount aus York schüttelte sie unwillkürlich den Kopf. Er war mit Grund dafür, dass sie ihr Zuhause jetzt hinter sich ließ und völlig allein die Reise ins Unbekannte antrat – und so plötzlich und heftig die Veränderung war, empfand sie doch unerwartet wenig Trauer bei dem Gedanken daran.
Die Situation war zu surreal, als dass sie wirklich daran glauben konnte, ihre Familie wahrscheinlich nie wiedersehen zu können und zu abenteuerlich, als dass sie nicht auch aufgeregt war und sich viel mehr auf das Bevorstehende als das Zurückliegende konzentrierte.

Etwa ein Jahr später

Stich um Stich entstand eine kleine Blüte auf dem Seidenstoff. Blüte um Blüte um Blüte stickte sie auf den Saum des Kleides. Den Raum nur noch von einigen von der Decke hängenden Laternen erhellt arbeitete Amanda sich verbissen durch den Saum des Abendkleids.
Nur noch drei Tage, bis sie fertig sein musste und ihr taten jetzt schon die Finger weh. Seufzend sah sie von der Handarbeit auf und warf einen Blick aus dem Fenster. Warmer Regen prasselte auf die Wege dort draußen, doch um die Uhrzeit waren sowieso nicht mehr viele Leute unterwegs, als dass es wirklich jemanden gestört hätte. Wenigstens war im Moment niemand außer ihr im Laden, das hieß, auch niemand, der sie anherrschte, dass sie weitermachen sollte, als sie das Kleid einen Moment beiseite legte, um das Fenster ganz aufzumachen und für einen Moment die Luft von draußen zu genießen.
Es war immer noch irritierend, wie warm es trotz des abendlichen Regens in Port Royal war, und dass, obwohl sie mittlerweile über ein Jahr hier lebte.  Seufzend schloss sie das Fenster schließlich wieder, als ein Trupp Soldaten vorbeikam, und nahm das mal als Zeichen, dass sie wohl besser wieder an ihre Arbeit gehen sollte, wenn sie irgendwann auch mal fertig sein wollte.
Wenigstens den Saum heute noch fertigmachen sagte sie sich, den Saum schaffst du noch bevor du dich nachher noch mit diesem Bastard treffen musst. Reflexartig kontrollierte sie noch einmal, ob der Beutel mit dem Geld auch wirklich sicher in der Tasche ihres Kleides verstaut war. Ja, da war er. Gut, also weiterarbeiten, sonst würde das Loch, was dieses Treffen leider gleich in ihre Kasse reißen würde, so schnell nicht gestopft werden können.
Sie hatte sich gerade wieder hingesetzt, als sie erneut draußen schnelle Schritte hörte, diesmal begleitet von lautem Rufen. Viel war nicht zu verstehen, aber das „Pirat“ hatte sie deutlich gehört. Die Geräusche waren kaum verklungen, da schien der nächste Trupp an der Schneiderei vorbei zu marschieren und sie ließ die Handarbeit doch wieder sinken.
Herrgott, es musste bald elf Uhr nachts sein, doch selbst zu solchen Zeiten mussten die Soldaten mit ihrem Wahn, an jeder Ecke einen Piraten zu vermuten, natürlich für ordentlich Lärm sorgen, der definitiv beim Arbeiten störte.
„Noch so was und ich ruiniere das Kleid, weil ich mich nicht konzentrieren kann.“ Knurrte sie, mehr zu sich selbst.

„Und das wäre natürlich wirklich schade drum, entsprechend will ich auch gar nicht lange stören.“ Sagte da eine Stimme vom Eingang her und sie fuhr herum.
„Das werdet ihr auch nicht, wenn ich ihnen verrate, wo der gesuchte Pirat ist, dann dürfte nämlich auch bald wieder Ruhe herrschen.“ erwiderte sie mit hochgezogener Augenbraue und Blick auf den Piraten, der sich soeben in ihr Geschäft geschlichen hatte.
„Oder aber ich verstecke mich im Hinterzimmer, die Soldaten suchen noch ein Weilchen, sehen ein, dass sie jegliche Spur verloren haben, gehen wieder auf ihren Posten und ich schleich mich zum Hinterausgang raus, aye?“ Der Pirat grinste und fischte einen Beutel mit Münzen aus seinem Mantel. Tja, das würde das Loch in der Kasse natürlich auch kompensieren. Nur leider konnte sie unmöglich riskieren, zu dem Treffen zu spät zu sein, wenn sie noch ein wenig länger in der Stadt bleiben wollte. Und genauso wenig konnte sie im Zweifelsfall einen Piraten allein im Laden lassen, wenn sie ihre Arbeit als Näherin hier behalten wollte.
„Tut mir ja leid für euch, aber das wird nichts. Raus hier oder ich muss euch verraten.“ Sagte sie als und presste die Lippen zusammen.
„So sehr ich es auch bewundere, dass ihr keine Angst zu haben scheint, aber ihr scheint zu vergessen, dass ich ein Pirat bin, Verehrteste.“ Der Pirat steckte den Beutel mit den Münzen wieder weg und ging ein paar Schritte auf sie zu. „Ich könnte auch genauso gut andere Mittel anwenden, um euch zu überzeugen.“ Ganz beiläufig schob er den Mantel so beiseite, dass der Blick auf eine Pistole freigegeben wurde. „Also, haben wir einen Deal?“
„Ihr mögt mich bedrohen, aber wenn ich schreie, wird euch das nicht viel nützen.“ So ganz konnte sie das Zittern in ihrer Stimme nicht verbergen, aber sie zwang sich, dem Piraten weiterhin geradewegs in die schwarz umrandeten Augen zu sehen. Wenn er dich töten wollte, wäre das schon passiert, sagte sie sich und umklammerte die Kante der Ladentheke, so fest, dass ihre Knöchel weiß hervortraten.
„Also, was muss ich tun, damit ihr niemanden reinlasst, solange ich hier bin? Gehen kann ich jetzt nicht mehr.“ Der Pirat verdrehte die Augen und ließ den Mantel wieder über die Pistole fallen. „Ich bin sicher, wir können zu einer Einigung gelangen.“
Sie schwieg einen Moment um nachzudenken – und ihren schnellen Herzschlag wieder halbwegs unter Kontrolle zu bringen. Leider durchaus effektiv davon unterbrochen, dass jemand an die Tür klopfte.
„Na das war ja zu erwarten.“ Der Pirat schien mehr genervt als überrascht und war mit einem Mal in Bewegung, schon stand er neben ihr. „Ich gehe dann jetzt mal in dieses Hinterzimmer, wenn es euch nichts ausmacht.“
„Aufmachen!“ Tönte es da von der Tür her.
„Wärt ihr so gut?“ Der Pirat grinste und schob sich an ihr vorbei zur Tür, in genau dem Moment, in dem die andere aufflog und einige Soldaten, angeführt vom Commodore, den Laden betraten.
„Erschießt ihn.“ Gab dieser gelassen den Befehl und der Pirat fluchte und rannte aus dem Raum, noch während die ersten Schüsse hagelten.
„Halt! Sie können doch nicht einfach – sind sie wahnsinnig?“ Amanda musste sich hinter den Tresen ducken, um nicht selbst getroffen zu werden. Die hatten sie ja wohl offenbar nicht mehr alle, und wenn sie nicht aufpasste, würden die hier noch alles durchsuchen wollen und sie befragen, dabei hatte sie dafür nun definitiv keine Zeit – ihr Blick fiel auf die Tür, durch die der Pirat eben verschwunden war. „Verdammte Soldaten.“ Murmelte sie und rannte noch vor ihnen durch die Tür ins Hinterzimmer, von dort nach draußen und hinein in die Nacht.

„Habt ihr so schnell Gefallen an meiner Gesellschaft gefunden?“ keine drei Straßenecken weiter war sie wieder in die Arme dieses verdammten Piraten gelaufen – heute hatte sie aber auch gar kein Glück.
„Mir wäre es lieber, gar nicht erst eure Bekanntschaft gemacht zu haben.“
„Ach, und deshalb verfolgt ihr mich?“
„Ich verfolge euch nicht, ich fliehe wegen euch aus meinem eigenen Laden um noch pünktlich zu…“ sie stockte. Verdammt.
„Ach, ihr habt also noch etwas vor? Habt ihr mich deshalb so schnell verscheuchen wollen?“ Natürlich hatte das sofort sein Interesse geweckt, was auch sonst. Sie hätte es besser wissen müssen.
„Wohin wolltet ihr denn?“ bohrte er weiter, als sie, anstatt zu antworten, um die Ecke spähte, um zu sehen, ob sie verfolgt wurden – natürlich wurden sie das.
„Wir müssen hier weg.“ Zischte sie also anstatt einer Antwort und lief kurzerhand an ihm vorbei, mehrere Straßen weiter und in den Hinterhof einer Taverne. Erst zwischen leeren Weinfässern, die der Wirt immer im Hinterhof abstellte, bevor sie morgens abgeholt wurden, drückte sie sich in den Schatten und hielt inne. „Habt ihr einen Liebhaber?“ Der unsäglich nervige Pirat war ihr wie selbstverständlich in ihr Versteck gefolgt. „Oder handelt ihr mit Schmugglern um verbotene Ware für euren Laden zu beschaffen?“
„Es ist nicht mein Laden. Und ich habe keinen Liebhaber.“ Unwillkürlich fuhr sie mit der Hand noch einmal in die Tasche ihres Kleides – dem Piraten traute sie alles zu. Aber der Geldbeutel war noch da.
„Eine Liebhaberin vielleicht?“ Sie zog die Hand so hastig aus der Tasche, dass das Geld verräterisch klimperte. Der Pirat grinste so breit, dass seine Goldzähne im Licht der Laterne an der Ecke auffunkelten.
„Ihr bezahlt jemanden, damit er den Mund hält, hab ich recht?“
„Und warum ist man hinter euch her, wenn ich fragen darf?“ gab sie zurück, ohne auf seine Frage einzugehen – er wusste ohnehin schon, was die Antwort war.
„Oh, nichts weiter, nur ein kleiner Besuch bei einem alten Bekannten. Und die Tatsache, dass ich Pirat bin, fürchte ich – das mögen die hier nicht so gerne.“
„Was für ein Bekannter?“ fragte sie, ohne, dass es sie wirklich interessierte, den Blick auf die Tür zur Küche der Taverne geheftet. Wenn sie ihn am Erzählen hielt, würde er vielleicht endlich aufhören, so viele Fragen zu stellen.
„Ein Lord Ferrer, seid ihr mit ihm bekannt?“ Tja, das war sie in der Tat. Was ihr etwas zu langes Schweigen auf die Frage wohl auch verriet. „Es ist doch wohl nicht etwa seine Frau, die ihr…?“
„Würdet ihr wohl endlich still sein.“ Fauchte sie und schlug halbherzig in seine Richtung. Als Antwort kam nur ein leises Lachen.
„Ich hatte euch für eine Näherin mit etwas mehr Mut als gut für sie ist gehalten, aber da scheine ich ja gehörig falsch gelegen zu haben – verraten sie mir eigentlich noch ihren Namen, jetzt, da wir gegenseitig unsere dunkelsten Geheimnisse kennen?“
„Ich weißt so gut wie nichts über sie, außer, dass sie anscheinend etwas von Lord Ferrer wollten.“ Der Pirat hob schuldbewusst die Hände, aber das Grinsen verschwand dennoch nicht aus seinem Gesicht.
„Ich heiße Amanda.“ Gab sie schließlich nach und ließ dabei den Nachnamen wohlweislich aus – wenn es nicht anders ging, kappte sie den Teil, der sie noch mit England verband, gern, um nicht auch noch ihre Familie ein zweites Mal in Schwierigkeiten zu bringen. Es reichte, dass sie selbst anscheinend mal wieder bis über beide Ohren in einem Problem steckte, von dem sie keine Ahnung hatte, wie es zu lösen war.
„Captain Jack Sparrow, angenehm.“ Der Pirat streckte ihr eine Hand hin, die sie mit erhobener Augenbraue nahm.
„So, und der Mann, dem sie gleich eine Menge Geld geben wollen, ist da drin, ja?“ Er nickte in Richtung der Taverne.
„Ich hab zu lange in die Richtung gesehen, oder?“ sie seufzte.
„In der Tat. Und sie haben uns beide, ohne zweimal zu überlegen, hierhergeführt, als sie eben losgerannt sind."  

„Jack Sparrow, im Hinterhof einer Taverne, die schon auf zehn Fuß Entfernung nach Rum stink. Warum überrascht mich das nicht?“
„Tut mir wahnsinnig leid.“ Jack warf einen halbherzigen entschuldigenden Blick in ihre Richtung, dann wandte er sein unvermeidliches Grinsen dem neuen Commodore und seinem Soldatentrupp zu.
„Ihr habt uns gefunden, wie schön – jetzt seid ihr dran mit verstecken, aye?“
Amanda hätte den Kopf gegen das Weinfass neben sich schlagen mögen. Von allen Piraten war sie auch noch an einen solchen Sprücheklopfer geraten. Großartig.
„Nehmt sie beide fest.“ Der Commodore war nicht im Geringsten von Jacks Spruch beeindruckt.
„Aber – “ Amandas Herz hatte einen Schlag ausgesetzt, als er „beide“ gesagt hatte.
„Ma’am, sie haben versucht, einem Piraten zur Flucht zu verhelfen, darauf steht ebenso der Galgen wir auf Piraterie.“
„Halt, halt, ihr sagt versucht, aber sie hat es doch auch recht erfolgreich getan, oder?“ schaltete sich Jack ein, der gerade als erster in Handschellen gelegt wurde.
„Würdest du wohl die Klappe halten?“ fauchte Amanda wütend in seine Richtung, während sie dem Idioten auf die Finger schlug, der ihr Handschellen anlegen wollte.
„Ich habe niemandem zur Flucht verholfen, es war eine…Verkettung unglücklicher Umstände.“
„Das kann der Richter entscheiden.“ Der Commodore wandte sich zum Gehen.
„Bringt sie weg.“ Einer der Soldaten packte sie, und wollte Amanda mit sich zerren, da ertönte ein Rumpeln hinter ihnen, und sie konnte sich gerade noch so eben wegducken, als ein ganzer Stapel Weinfässer, der neben ihnen auf einen Karren geschichtet gewesen war, polternd zu Boden fiel und alles in ihrem Weg mit sich riss. Das Bild von Jack, der sich ganz entspannt direkt neben ebenjenem Stapel hatte festnehmen lassen, blitzte in ihrem Kopf auf – das war anscheinend seine Version eines Fluchtversuchs.
„Haltet sie!“ brüllte in dem Moment auch der Commodore, der auf dem Absatz umgekehrt war, doch da war sie schon um eine der Ecken verschwunden. Eine Kutsche parkte dort, der Kutscher einige Meter weiter mit einer jungen Frau beschäftigt, aber die Pferde noch angeschirrt. Kurzentschlossen hielt sie darauf zu und kletterte, so gut das mit gefesselten Händen ging, auf den Kutschbock – wo Jack natürlich schon saß. Schon fielen hinter ihnen die ersten Schüsse.

„Da seid ihr ja.“ Bemerkte er zufrieden und schnalzte mit den Zügeln. Die Pferde setzten sich sofort in Bewegung, viel zu spät erst merkte der arme Kutscher, was da vor sich ging.
„Wo fahren wir hin?“ rief sie gegen den Fahrtwind an.
„Zum Hafen, was dachtet ihr denn?“ kam die Antwort. Wieder hagelte es Schüsse, Hufe klapperten hinter ihnen. Ihre Verfolger holten auf. „Könnt ihr fahren?“
„Was?“ Sie sah entgeistert auf ihre gefesselten Hände, dann zu Jack – der die Handschellen schon längst irgendwie losgeworden war. „Seht ihr, ihr habt mir erfolgreich zur Flucht verholfen. Werdet nur nicht langsamer!“ Mahnte er noch, dann hatte sie bereits die Zügel in der Hand und der Pirat neben ihr war mit gezücktem Degen auf den Beinen, dann auf dem Dach und damit außerhalb ihres Sichtfeldes. Verzweifelt versuchte sie, alles an Erinnerung an ihren früheren, mehr aufgezwungenen als gewünschten Reitunterricht hervorzukramen. „Als Lady musst du in der Lage sein zu Reiten, wie willst du sonst deinen Mann auf seinen Ausflügen begleiten?“ sie hatte die Stimme ihrer Mutter mit dem weichen französischen Akzent förmlich im Ohr. Was wenig hilfreich war, aber glücklicherweise schienen die Pferde auch selbst begriffen zu haben, dass das jetzt gerade kein guter Zeitpunkt für Gemütlichkeit war.
„Da vorne links!“ hörte sie Jack hinter sich schreien, und verdrehte die Augen – dass es links zum Hafen ging, wusste sie selbst, die Frage war, wie sie das den Pferden beibrachte. Sie umklammerte die Zügel und zog vorsichtig mal links. Kleines Ruckeln in die richtige Richtung.
„Lass das, verdammt!“ kam es von oben – anscheinend stand Jack immer noch auf dem Kutschendach und kämpfte, der Geräuschkulisse nach zu urteilen, dort mit irgendjemandem. Sie wagte es nicht, sich umzusehen und starrte verbissen auf die Straße und die Pferde vor sich.

Irgendwie, mehr schlingernd und ruckelnd als fahrend bekam sie die Kutsche um die Kurve gelenkt und betete, dass Jack nicht vom Dach gefallen war – nein, die Geräusche da oben blieben gleich und diesmal kam auch keine Beleidigung in ihre Richtung geflogen. Da, jetzt konnte sie schon das Wasser im Mondlicht glitzern sehen und den hölzernen Pier, auf den ein paar Laternen goldene Lichtkreise warfen – und da waren Schiffe, eine ganze Menge Schiffe, den Lichtern nach zu urteilen. Eins von ihnen lag weiter draußen – von ihm war, bis auf eine einzelne Laterne und die Silhouette gegen den Nachthimmel, die immer deutlicher wurde beim Näherkommen, nichts zu sehen.
Dann, plötzlich, verdrängte eine neue Panikwelle das Adrenalin, das Amanda bisher erfasst hatte – sollte sie die Kutsche gleich einfach anhalten? Zu welchem Schiff mussten sie überhaupt? Wie nah waren die Verfolger? Immer näher kam das Wasser und damit der Moment der Entscheidung.

„Spring!“ kam es da von oben von Jack, gefolgt von mehr Degengeklirr und einem Schrei, dann Krachen.
„Was??“
Spring!“ Schritte, dann sprang Jack vom Dach wieder auf den Sitz neben sie. „Komm jetzt!“ Er nahm ihr die Zügel weg, schnappte sich kurzerhand ihre Hand und zog sie mit sich – sie kamen hart auf den Holzbohlen auf, ein stechender Schmerz zog durch ihren Knöchel und Jack fluchte neben ihr, dann war er wieder auf den Beinen und sie folgte ihm ohne nachzudenken zum Ende des Piers – ein kleines Beiboot lag dort, das konnte sie erkennen, und irgendjemand saß bereits darin.

„Das ist unsere Fluchtmöglichkeit? Ein Ruderboot?“
„Nein, das ist unsere Fluchtmöglichkeit.“ Jack half ihr in das kleine Boot und warf noch einen kurzen Kontrollblick auf ihre Verfolger, die jetzt erst das andere Ende des Piers erreicht hatten, dann zeigte er auf das Schiff, das soweit ab im Dunkeln gelegen hatte. Es dauerte nur wenige Minuten, bis sie das Schiff erreicht hatten und an Bord geklettert waren, Jack und Amanda als erste. Müde und frustriert, aber dennoch neugierig sah sie sich an Deck um, während die Crew um sie herum die Arbeit aufnahm und das Schiff in Bewegung brachte, raus aus dem Hafen von Port Royal und aufs offene Meer. Sie drehte sich wieder zu Jack um, der die Arme ausbreitete.
„Willkommen auf der Black Pearl, meine Liebe.“


~tbc~
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