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Der vergessene Digiritter

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 / Het
Hikari "Kari" Yagami und Gatomon Koushirou "Izzy" Izumi und Tentomon OC (Own Character) Taichi "Tai" Yagami und Agumon Takeru "T.K." Takaishi und Patamon
08.04.2021
09.05.2021
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04.05.2021 2.370
 
Tai-

Die Morgensonne tauchte mein Zimmer in warmes Licht und durch die Fenster erkannte man bereits den wolkenlosen Himmel, der einen besonders heißen Sommertag ankündigte. Die Luft im Zimmer war schwül und ich sehnte mich nach frischer und angenehm kalter Luft. Der Gedanke daran ließ mich augenblicklich erschaudern und erinnerte mich an die Begegnung mit Frigimon vor einigen Stunden. Nach dem Kampf waren Agumon und ich völlig erschöpft ins Bett gefallen. Er war sofort eingeschlafen und lag noch immer friedlich schnarchend neben mir. Ich hatte hingegen kaum ein Auge zumachen können, da jede Position einen Schmerz durch meine rechte Schulter fahren ließ, sodass an Schlaf nicht zu denken war. Als ich von Frigimon weggestoßen wurde, war ich hart auf dieser aufgeschlagen und konnte das Ausmaß aufgrund des hohen Adrenalinpegels vorerst nicht einschätzen. Seitdem wir jedoch zuhause angekommen waren, schmerzte jede Bewegung und bereitete mir wahnsinnige Sorgen. Wie sollte ich so meine volle Leistung beim Fußball zeigen und die Talentscouts von mir überzeugen? Die ganze restliche Nacht sowie die frühen Morgenstunden zerbrach ich mir den Kopf darüber und hoffte, dass meine Schulter sich bis zum Spiel am nächsten Wochenende wieder erholen würde. Geschirrklappern drang aus der Küche und ich warf einen Blick auf Agumon, in der Hoffnung, dass er nicht wach wurde und sich noch ein wenig erholen konnte. Er hatte gut gekämpft, jedoch hatte ihn die Nacht merklich erschöpft. Seit unserem letzten Kampf war schon eine lange Zeit vergangen und die Digitationen hatten ihn viel Kraft gekostet. Mit meiner linken Hand strich ich ihm liebevoll über den Kopf und bedankte mich in Gedanken für seinen Einsatz. Langsam und leise versuchte ich mich aufzusetzen, konnte mich jedoch nicht davon abhalten kurz schmerzerfüllt aufzustöhnen als ein Stechen durch meine verletzte Schulter schoss . Um meinen Kreislauf einigermaßen unter Kontrolle zu halten, blieb ich noch einige Minuten auf der Bettkante sitzen, bis ich mich erhob und leise zu meinem Spiegel schritt. Mein Gegenüber hatte tiefe Ringe unter den Augen und zeigte in Gesamtheit die völlige Erschöpfung. Das Pochen in meiner rechten Schulter wurde im Stehen deutlich schlimmer, sodass ich mich umdrehte um sie genauer zu betrachten und erstarrte. Mein sonst so sonnengebräunter Rücken war auf rechter Schulterhöhe von blauen und lila Flecken übersäht. Der Anblick ließ mich zusammenzucken und ich starrte in meine weit aufgerissenen Augen, die mir im Spiegel entgegenblickten. Ich schluckte hart und wand mich vom Spiegel ab, um mir schnell ein Shirt überzustreifen und die Verletzung so gut es ging zu verstecken. Meine Eltern sollten von den Geschehnissen der letzten Nacht definitiv nichts mitbekommen. Eine kalte Dusche und ein paar Schmerzmittel würden mir hoffentlich zu einer schnellen Genesung verhelfen.

Kaltes Wasser prasselte auf meine pochende Schulter und linderte kurzzeitig den Schmerz. Meine Stirn hatte ich gegen die kalten Fliesen gelehnt und ließ das eiskalte Wasser meinen Körper hinablaufen. Es half nicht nur gegen die Schmerzen, sondern erfrischte mich ebenso von den schwülen und verschwitzten Nacht. Für einen kurzen Moment vergaß ich die Verletzung und auch die Begegnung mit Frigimon und stand einfach nur da und genoß das Geräusch des prasselnden Wassers. Irgendwann war mein Körper jedoch so runtergekühlt, dass es unangenehm wurde und ich das Wasser abdrehte. Ich stieg aus der Dusche und trocknete mich ab, wobei ich besonders sanft meine rechte Schulter mit dem Handtusch trocken tupfte. T-Shirt, Boxershorts und eine kurze Hose hatte ich mir bereitgelegt und schlüpfte hinein. Nachdem ich mir auch meine Haare trocken gerubbelt hatte, betrachtete ich mich im Spiegel und erkannte eine wieder halbwegs lebendige Person. Manchmal konnte eine Dusche wirklich Wunder bewirken. Im Schrank neben der Dusche fand ich ein paar Schmerzmittel und schluckte zwei Tabletten mit ein wenig Wasser hinunter. Meine Schulter fühlte sich aufgrund des kalten Wassers etwas betäubt an, sodass ich meinen rechten Arm auch wieder etwas besser bewegen konnte. Vielleicht war die Verletzung gar nicht so schlimm wie ich dachte. Aus der Küche drang die Stimme meiner Mutter begleitet von klappernden Geschirr. Ich verließ das Badezimmer und ging über den kleinen Flur in den Wohn- und Essbereich. Der Tisch war bereits für das Frühstück gedeckt und ich ließ mich auf einen Stuhl fallen, während meine Mutter mit einem Teller an den Tisch trat. „Guten Morgen mein Schatz. Wo ist denn Agumon? Schläft er etwa noch?“, fragte sie mich mit gerunzelter Stirn. Tatsächlich war es eher unüblich, dass ich vor Agumon am Tisch saß, da der kleine immer einen großen Appetit hatte. „Ehm..“, stotterte ich ein paar mal bis sich meine Zimmertür öffnete und Agumon verschlafen in das Esszimmer trat. „Ich habe so Hunger“, sagte er mit kratziger Stimme und rieb sich die Augen. Aus dem Augenwinkel sah ich wie meine Mutter mit einen glücklichen Grinsen den Teller auf den Tisch stellte und sich vor Agumon kniete. „Mein kleiner, du siehst aber besonders müde aus. Was hast du denn die ganze Nacht getrieben“. Mein Blick fiel auf Agumon und ich hoffe inständig, dass er nun nichts falsches sagen würde und hielt den Atem an. Seine grünen Augen richteten sich verschlafen auf meine Mutter und er blinzelte ein paar Mal. Ein lautes Magenknurren erfüllte den Raum und sowohl ich als auch meine Mutter fingen an zu lachen. „Na los Agumon, iss etwas“, sagte ich zu ihm und schob den Stuhl neben mir nach hinten, damit er Platz nehmen konnte. Meine Mutter trat ebenfalls wieder an den Tisch und füllte unsere Gläser mit Wasser, während wir schweigend unsere Teller beluden und zu essen begannen. Mit jedem Bissen spürte ich, wie mein Körper langsam wieder wach wurde und wieder zu Kräften kam. Das Klirren von Schlüsseln erweckte meine Aufmerksamkeit und ich schaute zur Wohnungstür durch die Kari mit Gatomon auf dem Arm trat. „Guten Morgen“, sagte sie mit einem breiten und verträumten Lächeln, wodurch mir mein letzter Bissen im Hals stecken blieb. Ich wollte gar nicht darüber nachdenken was sie und T.K. womöglich in der letzten Nacht getrieben hatten. Meine Mutter trat aus der Küche und begrüßte Kari mit einem sanften Kuss auf die Schläfe. „Hallo mein Schatz, hattet ihr einen schönen Mädelsabend?“. Ich beobachtete Karis Reaktion genau und ohne nur mit der Wimper zu zucken, tischte sie unserer Mutter eine erfundene Geschichte auf und setzte sich daraufhin ebenfalls an den Tisch. „Oh Kari, dein Mädelsabend muss ja ganz toll gewesen sein.“, sagte ich mit einem übertrieben ironischen Unterton. Karis Wangen liefen rot an und sie senkte schüchtern den Blick. Na super, da hatte ich wohl ins Schwarze getroffen. „Tai, hör auf“, flüsterte sie und blickte immer wieder in Richtung Küche, damit unsere Mutter nichts mitbekam. Langsam beugte ich mich über den Tisch näher zu ihr und flüsterte ebenfalls. „Ach ist das so? Und warum läufst du dann bitte rot an, wenn du an gestern Abend denkst. Ich sag’s dir, T.K. wird nur so ein Aufreißer wie Matt sein.“ Mit verschränkten Armen ließ ich mich zurück gegen die Lehne fallen. Der Instinkt eines Bruders irrte sich nie, davon war ich überzeugt. Bilder der beiden schoßen mir durch den Kopf und ich versuchte sie zu verdrängen. Würden die beiden wirklich soweit gehen, wenn Gatomon und Patamon dabei waren? Ich hoffte nicht. „Du hast doch keine Ahnung! Ich habe dir schon so oft gesagt, dass wir nur Freunde sind und da nicht mehr ist.“ Ihre Stimme nahm einen genervten Ton an und sie durchbohrte mich mit ihrem Blick. „Ich möchte doch einfach nicht, dass du verletzt wirst und irgendetwas bereust. Ich bin schließlich dein großer Bruder und muss auf dich aufpassen!“
„Ich kann auf mich selbst aufpassen“, zischte sie und wand den Blick ab.
„Naja, ihr wart ja offensichtlich so beschäftigt, dass ihr beide nicht mitbekommen habt, dass Izzy und ich versucht hatten euch zu erreichen. Wäre äußerst praktisch gewesen, da sich ein Portal aus der Digiwelt geöffnet hatte.“ Meine Worte ließen sie erschreckt zusammenzucken und ihre Augen weiteten sich. „Ein Portal aus -“ Gerade als Kari Weiteres in Erfahrung bringen wollte, betrat unsere Mutter wieder das Esszimmer und gesellte sich zu uns. Das Thema war also vorerst vom Tisch.

Nach dem Frühstück folgten Kari und Gatomon uns in mein Zimmer und ließen sich auf dem Bett nieder. Nervös nestelte Kari an ihrer Kette und machte sich merklich Sorgen. „Erzähl uns alles was gestern passiert ist“, erklang Gatomons Stimme, während sie Kari sanft über den Rücken strich. Ich zog meinen Schreibtischstuhl zu mir und setzte mich rittlings darauf, sodass ich meine Arme auf der Rückenlehne ablegen konnte. „Izzy rief mich gestern mitten in der Nacht an und erzählte, dass sich ein Portal aus der Digiwelt geöffnet hatte. Leider konnte er es nicht sofort schließen und vermutete, dass ein Digimon auf dem Weg in unsere Welt sei oder sich bereits hier befand. Agumon und ich hatten uns daraufhin sofort auf den Weg gemacht. Wir hatten Glück, da das Digimon erst nach unserer Ankunft aus dem Portal kam.“
„Welches Digimon war es denn?“, fragte Gatomon und fixierte mich mit ihrem Katzenblick.
„Frigimon. Aber es war deutlich stärker als es eigentlich hätte sein sollen. Als Greymon hatte ich keine Chance gegen ihn.“, beantwortete Agumon die Frage.
Mit einem Nicken bestätigte ich seine Antwort und fuhr fort. „Genau. Daraufhin ist Greymon zu Metallgreymon digitiert und-„.
„Aber Frigimon ist doch ein freundliches Digimon. Wieso hat es euch angegriffen?“, unterbrach Kari mich und sah mich fragend an. Langsam erhob ich mich und trat an meinen Schreibtisch, an dem ich die oberste Schublade aufzog. Dort lang die große Spritze, die ich in der Nacht aus Frigimons Rücken gezogen hatte und die so viele Fragen aufwarf. Meine Finger berührten die kalte Oberfläche und ich zog sie aus der Schublade. „Irgendjemand scheint den Digimon etwas zu verabreichen, sodass sie an Stärke gewinnen und bösartig werden.“, sagte ich und hielt Kari und Gatomon die Spritze hin. Beide rissen erschrocken die Augen auf und betrachteten sie genauer. In ihr war noch ein kleiner Teil der unbekannten schwarzen Flüssigkeit enthalten. „Das ist furchtbar. Wer quält die armen Digimon und aus welchem Grund?“, fragte Kari traurig und senkte den Kopf. Ich ließ mich neben ihr auf dem Bett nieder und legte tröstend einen Arm um sie. „Ich weiß es nicht. Izzy wollte die anderen zusammentrommeln, damit wir überlegen können, wie wir das herausfinden können. Gestern waren Agumon und ich alleine dort, aber wer weiß was beim nächsten Mal aus dem Portal schreitet. Wir müssen wachsam und allzeit bereit sein. Also solltest du bei deinem nächsten Mädelsabend erreichbarer sein“, betonte ich ironisch. Karis Kopf schoss in die Höhe. Sie starrte mich wütend an und schlug mir gegen meine verletzte Schulter. Was sich im Normalfall angefühlt hätte wie ein leichter Klaps, ließ mich nun schmerzerfüllt aufstöhnen und ich sank vom Bett runter auf meine Knie. Zitternd hielt ich meine Schulter fest, während Kari erschrocken aufsprang und sich neben mir niederließ. „Tai, was hast du?“, drang ihre besorgte Stimme zu mir durch. Tief durchatmend ließ ich meinen Kopf in den Nacken fallen und starrte einige Momente zur Zimmerdecke, um mich wieder zu beruhigen. „Nichts weiter. Ich bin gestern nur auf meine Schulter gestürzt“, erwiderte ich und blickte in Karis sorgenvolle Augen. Mit zwei schnellen Handgriffen hatte sie mir mein T-Shirt hochgezogen und warf einen Blick auf meine ramponierte Schulter. Hinter mir hörte ich wie sie und Gatomon scharf die Luft einzogen, als sie das Ausmaß der Verletzung betrachteten. „Tai…Deine Schulter sieht furchtbar aus. Damit solltest du dringend zum Arzt gehen“, riet Kari mir und Gatomon nickte zustimmend. Genervt riss ich mir mein T-Shirt wieder hinunter und versuchte die Sache runterzuspielen. „Quatsch! Das sind nur ein paar blaue Flecken. Wir haben durchaus größere Probleme als das. Wir sollten uns fertig machen. Izzy hat uns alle für 13 Uhr zusammengetrommelt.“ Kleinlaut verließen die beiden daraufhin mein Zimmer um sich vorher umzuziehen. Agumon saß noch immer auf dem Boden und betrachtete mich mit seinen großen grünen Augen, in denen ich ebenfalls Sorge erkennen konnte. „Mir geht es gut Agumon“, sagte ich und griff nach meinen Digivice und Handy.

Zwanzig Minuten später waren Kari, Gatomon, Agumon und ich am vereinbarten Treffpunkt im Park angelangt. Offensichtlich waren wir die letzten, da sich alle anderen bereits im Schatten eines Baumes niedergelassen hatten. Tatsächlich waren alle gekommen, was mir ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht zauberte. Letzte Nacht hatte ich kurzzeitig gezweifelt, weil wir niemanden erreicht hatten, aber scheinbar hatte dies eher an der unmenschlichen Uhrzeit gelegen. „Hallo Leute“, begrüßte ich die Gruppe und ließ mich neben Izzy ins Gras sinken. Mir entging nicht, dass Kari sich direkt neben T.K. niederließ und erneut Bilder in meinem Kopf auftauchten, die ich zu verdrängen versuchte. Mein Blick wanderte über die Gruppe und ich dachte zurück an die Zeit, in der wir gemeinsam Abenteuer in der Digiwelt erlebt hatten. Seitdem waren Jahre vergangen und wir hatten uns alle weiterentwickelt, jedoch hatten wir weiterhin regen Kontakt gehalten. Die meisten von uns besuchten noch die gleiche Schule, sodass man sich regelmäßig sah. Sora ergriff zu erst das Wort und wollte, dass wir die vergangene Nacht noch einmal genau schilderten. Izzy und ich erzählten erneut was passiert war und ich holte die Spritze hervor und reichte sie durch die Gruppe. Alle hörten uns aufmerksam zu und anhand ihrer Blicke konnte ich sofort erkennen, dass sie sich Sorgen machten. „Und wie sollen wir herausfinden, wer den Digimon diese Flüssigkeit verabreicht“, fragte Matt und zeigte auf die Spritze, die Joe gerade näher betrachtete. Izzy ergriff das Wort. „Ich habe das Portal heute früh analysiert und eventuell kann ich es replizieren, sodass wir dadurch in die Digiwelt gelangen. Dort sollten wir herausfinden können wer dafür verantwortlich ist. Aber dafür brauche ich Zeit, da es besonders komplex ist.“
„Und solange wir nicht in die Digiwelt gelangen, müssen wir die Digimon im Auge behalten, die durch die Portale kommen. Das bedeutet wir müssen zu jeder Zeit bereit für einen Kampf sein. Den letzten Gegner konnten wir zu zweit zurückschicken, aber wir wissen nicht was als nächstes kommt“, gab ich hinterher. Alle nickten zustimmend und entschuldigten sich, dass sie in der letzten Nacht nicht reagiert hatten. „Macht nix Leute. Hauptsache wir sind für den nächsten Kampf gewappnet“, erwiderte ich aufmunternd. Wir verbrachten noch einige Stunden gemeinsam mit unseren Digimon auf der Wiese und genossen den warmen Sommertag. Es beschlich mich jedoch das Gefühl, dass wir nicht mehr lange auf die nächste Begegnung warten sollten.
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