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Weltenbummler

von Juzo-chan
GeschichteRomance / P16 / Het
Drachen Zauberer & Hexen
08.04.2021
03.05.2021
7
10.621
 
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2 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
12.04.2021 1.354
 
Hey Leute,

hier ist nun das erste richtige Kapitel der Story.
Ich hoffe, dass es euch gefällt.

LG Juzo-chan

PS: Das nächste Kapitel wird es am Donnerstag geben ; )

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Kapitel 1: eine seltsame Stadt

„Kannst du die Bücher bitte zurück ins Regal stellen?“, fragt die freundliche Stimme meiner Großtante.
„Ja, klar.“, antworte ich und nehme mir die drei Bücher vom Beistelltisch, um sie zurück an ihren eigentlich Platz zu bringen. Es dauert nicht lange und schon steht jedes der Bücher wieder an seinen Platz und kann vom nächsten Gast leicht und problemlos gefunden werden. Der kleine Laden meiner Großtante ist eine Mischung aus Bibliothek und Café. Es ist ein gemütliches, kleines Lokal und wird recht gut besucht, dennoch ist die Arbeit hier entspannt zu meistern. Mittlerweile ist es später Nachmittag und das Café wird in nicht einmal einer halben Stunden schließen. Das heißt, dass jetzt alles für den Feierabend vorbereitet werden muss. Es müssen die liegen gelassenen Bücher wieder zurück geräumt werden und die Sitzgelegenheiten wieder in Ordnung gebracht werden, also Kissen aufschütteln und zurück auf ihren Platz legen. Während dies meine Aufgaben sind, räumt meine Tante den Thekenbereich mit den Kuchen, Keksen und belegten Brötchen und Broten auf. Sie wird dann die Kasse machen und den Umsatz des Tages in ihr kleines Notizbuch eintragen, während ich schnell durchfege und die Rollos herunterlasse. Danach werden wir uns gemeinsam auf den Weg nach Hause machen.
Ich helfe meiner Tante erst seit einigen Wochen in ihrem Café. Ihre Aushilfe ist vor kurzem recht spontan in eine andere Stadt gezogen und da ich mir ohnehin eine Auszeit nehmen wollte, helfe ich meiner Tante nun in ihrem Café bis sie eine neue Aushilfe gefunden hat. Ich bin vor etwa 3 Wochen hier angekommen und habe schnell bemerkt, dass diese Stadt wirklich… sehr speziell ist. Beinahe alles hier hat einen Bezug zur Märchenwelt. Es gibt keine Straße – kein Geschäft, das diesen Bezug entgangen ist. Das Café meiner Tante beispielsweise heißt „Märchengarten“ und ist sogar passend zum Namen eingerichtet. Die Tische und Stühle sind Gartenmöbel aus weißem Metall mit fein verzieren Rückenlehnen. Die Wände sind in einem hellen Blauton gestrichen und der Boden ist mit Steinboden ausgelegt, als würde man auf einer Terrasse sitzen. An einer Wand hat ein Malermeister einen Wald gemalt, der sogar ziemlich realistisch aussieht. Vor den Wänden, an denen keine Bücherregale stehen, wurden sogar Steinzäune angebracht. Überall stehen Minibäume in großen Töpfen oder Blumentöpfe herum. Sitzt man in diesem Café, hat man wirklich das Gefühl auf der Terrasse eines großen Gartens zu sitzen. Auf dem Marktplatz der Stadt gibt es sogar einen riesigen Brunnen, dessen Steinfigur drei zueinander gewandte Feen darstellt. Dort stehen sie auf einem Bein, das andere nach hinten gehoben und die Hände, zu einer Schale geformt, nach vorne haltend. In den Händen befinden sich die Fontänen, sodass es so aussieht, als würde das Wasser aus ihren Händen entstehen und heraussprudeln.
Als ich in meiner ersten Woche in dieser Stadt an der alten Steinmauer vorbeikam, habe ich eine Infotafel gesehen. Neugierig habe ich mir diese durchgelesen. Natürlich hatte auch diese etwas mit Märchen zu tun. Auf der Tafel stand, dass diese Stadt einst erbaut wurde, um die Menschen vor den bösen Geschöpfen zu schützen. Diese Mauer sollte durch einen Zauber eine Art Schutzkuppel errichten und die Menschen im Inneren schützen. Einmal bin ich Abends am Marktplatz vorbeigegangen und habe gesehen, dass die drei Feen nur am Tage schön und anmutig erscheinen, nachts sehen sie durch die Beleuchtung erschreckend und bösartig aus. Als ich meine Tante darauf ansprach, erzählte sie mir die Legende der Entstehung dieser Stadt. Sie soll vor Jahrhunderten gegründet worden sein, um die Menschen vor dem Bösen der magischen Wesen zu schützen. Ein mächtiger Zauberer soll einen Schutzzauber um die Stadt gelegt haben, wodurch ihre Einwohner in Sicherheit leben konnten. Soweit also dasselbe, wie auf der Infotafel. Aber meine Tante erwähnte auch, dass die Leute der Stadt früher mehr oder minder bekannte Jäger waren. Aber keine normalen Jäger, die im Wald nach Hirschen, Wildschweinen und so etwas jagen. Stattdessen sollten sie Hexen, Werwölfe, aber auch Feen, Einhörner, Drachen und all diese Märchenfiguren gejagt haben. Das ist aber schon Jahrhunderte her und außerhalb dieser Stadt kennen wohl nur noch wenige diese Legende.

Zufrieden lasse ich mich auf mein Bett fallen, als wir wieder zu Hause angekommen sind. Eigentlich ist es das Gästezimmer meiner Tante, aber solange ich hier bin, ist es mein Zimmer. Mein Blick geht durch den Raum. Es ist schlicht und neutral eingerichtet. Allerdings habe ich mir bereits ein paar Bilder auf die Kommode, eine Vase mit Blumen hingestellt, einen flauschigen Teppich auf dem Boden gelegt und natürlich mein Bettzeug bezogen und Kissen auf das Bett gelegt. So wirkt es zumindest etwas persönlicher, wenn auch nicht ganz so, wie mein Schlafzimmer in meiner eigenen kleinen Wohnung. Aber es ist ja auch nur für eine relativ kurze Zeit mein Zimmer und nicht auf Dauer.
An dem Bücherregal, welches gefüllt ist mit den Büchern meiner Tante, bleibt mein Blick hängen. Es ist voll mit Märchenbüchern, aber es stehen auch ein paar andere Bücher darin. Ich hatte ziemlich schnell ein selbstgemachtes botanisches Buch darin gefunden. Als ich es in der Hand hatte, um es mir anzusehen, kam meine Tante zufällig in das Zimmer. Sie erklärte mir, dass es ihr Hobby sei Pflanzen zu sammeln, zu pressen, diese in solche Bücher einzukleben und die Seiten zu beschriften. Es stehen – neben den Namen auf Latein und Deutsch – die Blüte- und Erntezeiten, wo sie zu finden sind und Besonderheiten dabei. Es ist wirklich erstaunlich, was sie alles über Pflanzen weiß. In diesem Buch sind Pflanzen eingeklebt, von denen ich nicht einmal wusste, dass es sie gibt. Ein paar kenne allerdings auch ich: Maiglöckchen, Lavendel und Eisenkraut. Bei dem Maiglöckchen steht dazu in roter Schrift „giftig“ als deutliche Warnung. Generell ist dieses Buch mit viel Liebe und Sorgfalt gefertigt und zeigt ihre Leidenschaft für dieses Hobby nur zu deutlich.
Da ich keine Ahnung habe, was ich nun machen könnte, stehe ich auf und gehe zum Bücherregal herüber. Mit meinem Blick gehe ich die Buchrücken entlang. Unter den unzähligen Märchenbüchern fehlt wohl nichts. Es sind alte europäische Märchen dabei, moderne Märchen, Märchen aus dem asiatischen, russischen, amerikanischen und afrikanischen Raum und natürlich auch die komplette Sammlung der Märchen aus 1001 Nacht. Ich habe bereits meine Hand an einen Buchrücken gelegt, als mir ein kleines Büchlein in den Blick fällt. Neugierig lasse ich das Buch los und nehme mir stattdessen das andere. Es ist deutlich kleiner und schmaler, als die anderen Bücher. Es scheint auch nicht so richtig in dieses Regal hineinzupassen. Außerdem steht kein Titel auf dem dunkelbrauner Ledereinband. Von der Neugier gepackt, öffne ich das Buch. Überrascht stelle ich fest, dass es per Hand geschrieben wurde. Einen Moment glaube ich, dass es das Tagebuch meiner Tante sein könnte, dann aber bemerke ich die verschiedensten Unterschiede zwischen den Handschriften, weshalb ich das Buch in der Hand behalte. Schnell bemerke ich, dass es eher einem Bericht gleicht, statt einem Märchen.
>Und doch geht es auch hier um Märchenfiguren.<, geht es mir durch den Kopf, als ich ein Bild von einem Drachen und Zauberer sehe und im Text Wörter wie „Magie“, „Ritter“, „Zauberer“ und „Jäger“ finde. Doch ein Wort kommt häufiger vor, dass ich zuvor noch nie gehört habe – also zumindest nicht in einem Märchen – „Weltenbummler“. Schnell habe ich die erste Seite gelesen. Auch auf der nächsten Seite kommt „Weltenbummler“ mehrfach vor. Diese Geschichte ist anders, als ich es aus anderen Märchen kenne. Normalerweise helfen Märchenwesen den Menschen oder Menschen müssen diese Wesen, wenn sie beispielsweise böse oder hinterhältig sind, überlisten, doch in diesem Buch ist es anders. Dort werden die Menschen als die Bösen und Grausamen dargestellt, die die magischen Wesen der Märchen angreifen und töten. Und das schon auf den ersten beiden Seiten. Es ist also aus einer anderen Sicht geschrieben. Irgendwie passt dieses Buch nicht in diese Stadt, die zwar von Märchen stark geprägt ist, aber die Menschen stets als gut darstellt. Vom Buch in den Bann gezogen, lasse ich mich schließlich wieder auf das Bett fallen und beginne es nun richtig zu lesen.
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