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Immer wenn wir uns sehen

von Torrie88
GeschichteLiebesgeschichte, Erotik / P18 / Het
08.04.2021
23.04.2021
7
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08.04.2021 4.093
 
1. Kapital: 60. Geburtstag


Ich war auf dem Weg zur zur Partylocation unseres Vater, der seinen 60. Geburtstag feierte. Auf dem Beifahrersitz in meinem Audi A4 saß mein 2 Jahre jüngerer Bruder Tobias, der auf seinem Schoss eine Schüssel „Herrencreme“ platziert hat.

Im Radio lasen sie uns gerade die Staunachrichten vor, als ich auf den Parkplatz vorfuhr. „Da seit ihr ja endlich!“, hörte ich schon die Stimme unserer Mutter Ulla, die geradewegs die Treppe runterkam und uns entgegen lief, während Tobias und ich aus dem Auto stiegen „Habt ihr auch an die Blumendeko gedacht, Julian?“
„Sind hinten im Kofferraum“, antwortete ich ihr und öffnete den Kofferraum. In meinem hinteren Teil des Autos stapelten sich Vasen über Vasen und jede Menge Blumen, die in Papier eingewickelt worden waren. Wortlos drückte mir meine Mutter zwei Vasen in die Hand. „Reinbringen!“, war ihr einziges Kommando. Ich seufzte auf.

Mein Bruder Tobias war bereits mit dem Nachtisch in der Location „Seeblick“ verschwunden. Der „Seeblick“ war eine atemberaubende Location. Man hatte einen traumhaften Blick über die Bucht und über den Stausee. Zur Seeseite war die Location mit einer 220 qm großen Panorama-Terrasse ausgestattet und geöffnet. So schön der Ort auch war, so teuer war es auch. Aber da unser Vater nur einmal 60. wurde, war dies im Budget meiner Eltern wohl drin. Bis auf den Nachtisch und die Deko hatten wir die Getränke sowie das Menü über das Catering laufen lassen. Es sollte heute Abend ein Barbecue geben und auf dieses Highlight freute ich mich schon seit Wochen. Als ich den riesigen Saal betrat, erblickte ich meinen Vater, der gerade wohl mit einem Mitarbeiter des Cateringservice sprach. Der DJ war auch bereits vor Ort und baute seine Musikanlage auf. Ich stellte die Vasen auf der Bartheke ab. „Na Juli, freust du dich heute Abend auf die Feier?“, begrüßte mich mein Vater Stefan, als er auf mich zukam und mir dann einen leichten Klaps auf die Schulter gab. „Besonders auf’s Essen“, gab ich grinsend die Antwort und mein Vater lachte.

„Wie viele Gäste kommen denn heute Abend?“, fragte Tobias, der die Herrencreme ebenfalls auf die Theke stellte. „Ca. 120 Gäste.“, brummte mein Vater, „ich hoffe, Rainer kommt auch mit seiner Familie.“ Rainer war der beste Freund meines Vaters. Die Beiden hatten zusammen Abitur gemacht, gemeinsam studiert, sogar gemeinsam gewohnt. Nach dem Studium war Rainer nach Hamburg gezogen, hat dort seine Frau kennen gelernt, geheiratet und mit ihr zwei gemeinsame Kinder bekommen. Soweit ich mich erinnere einen Junge und ein Mädchen.
„Sie werden bestimmt kommen.“, mischte sich nun auch unsere Mutter ein und tätschelte den Rücken von Stefan, „aber nun sollten wir die restlichen Vorbereitungen treffen.“

Gegen 19:30 Uhr trafen die ersten Gäste ein. Mein Vater hatte nicht nur die ganze Großfamilie eingeladen, sondern auch seine Arbeitskollegen, den Kegelclub, seine Nachbarn und seine Fahrradtruppe. Es wurde umarmt, gelacht und gequatscht. Meine Verlobte Verena würde erst später dazu stoßen. Sie war Krankenschwester und hatte Spätschicht. Verena und ich waren bereits seit 5 Jahren ein Paar. Oder waren es bereits schon 6 Jahre? Wir hatten uns damals auf einer Geburtstagsfeier einer gemeinsamen Freundin kennen und lieben gelernt. Nach 1 ½ Jahren waren wir bereits zusammen gezogen.

„Ich würde gerne kurz um Aufmerksamkeit bitten“, dröhnte schließlich die Stimme meines Vaters aus den Musikboxen. Er hatte das Mikrofone in der Hand und sofort wurden die Gespräche eingestellt. „Erstmal schön, dass alle den Weg hier zur Feier gefunden haben. Es freut mich sehr, euch heute Abend begrüßen zu dürfen.“, begann er seine Rede, „ich wünsche mir für heute Abend einfach nur Spaß, gute Laune und tolle Gespräche. Lob und Anerkennung für die Feier bitte an mich und für Kritik wendet euch bitte an meine Frau Ulla.“ Kurzes Gelächter.
Mein Vater grinste vergnügt. „Zudem habe ich erfahren, dass das Essen nun fertig ist. Daher würde ich sagen: Das Buffet ist eröffnet.“
Es gab kurzen Applaus. Da mir der Magen knurrte, schnappte ich mir schnell einen Teller und reihte mich in die Schlange der Hungrigen ein. Es gab verschiedene Salate, jede Menge Dips, Baguette und das wichtigste: Fleisch.
Ich ergatterte ein großes Stück Schweinefleisch und ließ mich damit an einem der runden Tisch nieder. Während des Essens spielte der DJ leise Musik im Hintergrund und ich hatte endlich Gelegenheit mich mit meinem Onkel Herbert zu unterhalten.

„Julian! Julian, komm doch mal kurz rüber!“, hörte ich persönlich meine Mutter nach mir rufen und zu sich winken. Ich blickte auf und konnte eine kleines Grüppchen gebildet von meiner Mutter, Tobias und einer jungen Frau. „Entschuldige Herbert. Meine Mutter braucht mich wohl“, entschuldigte ich mich bei meinem Onkel und erhob mich. Als ich zur Gruppe kam, harkte sich meine Mutter bei mir unter. „Julian, das ist Louisa. Rainer’s Tochter.“, stellte meine Mutter die junge Frau aufgeregt vor, die einen schokobraunen Korkenzieher-Lockenkopf hatte. „Hallo Julian“, sprach Louisa und ihre eisblauen Augen strahlend mich vergnügt an. Sie trug eine Skinny-Jeans und eine weiße Bluse mit einem grauen Cardigan. „Wir haben uns ja eine Ewigkeit nicht mehr gesehen“, grinste sie und überwand die letzten Meter zwischen uns und umarmte mich. Völlig überrascht von der Umarmung blieb ich wie angewurzelt stehen. Sofort stieg mir ein angenehmer Duft in die Nase. Wow, sie roch gut. Sie löste sich von mir. „Du erinnerst dich doch noch an mich, oder?“ Sie zwinkerte mir schelmisch zu.
Ich musste sie wohl ziemlich ratlos angeschaut haben und so sprang meine Mutter für mich in die Presche mit natürlich einer sehr peinlichen Erinnerung. „Erinnerst du dich nicht mehr vor 20 Jahren als wir mit Rainer, Claudia, Maik und Louisa im Ski-Urlaub waren und wir damals in der Hütte eingekehrt sind. Du bist in die Hütte reingekommen, hast dir den Schnee von den Ski-Schuhen geklopft und dabei den Halt verloren und vor Louisa’s Füßen gelandet und hast dabei noch versucht dich an ihr festzuhalten und stattdessen hast du noch ihr den heißen Kakao über ihr Oberteil gekippt.“, erzählte sie fröhlich in die Runde.
Nun viel es mir wie Schuppen von den Augen: Vor mir stand DIE Louisa. Mittlerweile bin ich 35 Jahre alt, Grundschullehrer und Louisa war früher eher ein etwas hässliches Entlein. Sie hatte damals eine fest Zahnspange getragen, trug damals eine Brille mit dicken Gläsern, ihre Lockenpracht war eher buschig gewesen und auch auf den Rippen hatte sie damals etwas mehr gehabt. Nun war aus diesem Entlein ein mittlerweile ansehnlicher Schwan geworden. Das musste ich zugeben. Ihre Zahnspange und die Brille waren verschwunden. Ihre Figur war schlank und sah sportlich aus.  Sofort schossen mir die vergangenen Bilder in den Kopf und eine leichte Röte stieg mir ins Gesicht. Aus den Augenwinkeln konnte ich sehen wie Tobi sich nur schwer das Lachen verkneifen konnte und haute ihm meinen Ellbogen in die Seite. „Mama, das ist doch peinlich!“, nuschelte ich verlegen. Louisa grinste ein wenig. „Solange du heute Abend kein Drink über mich auskippst, würde ich es riskieren und mit dir gleich anstoßen auf den 60. Geburtstag deines Vaters.“
„Ach Kinder, das hört sich doch gut an. Ihr habt euch doch so viel zu erzählen. Aber Louisa erzähl: Wie geht es dir?“
„Gut soweit, Ulla.“, begann Louisa zu erzählen, während ich immer noch in den Fängen meiner Mutter gefangen war. „Ich bin endlich mit meinem Facharzt durch und habe meinen Doktortitel und habe mich hier im städtischen Krankenhaus beworben. Sie werden mich einstellen und ich suche momentan eine Wohnung, aber der Wohnungsmarkt ist echt mau.“ „Du bist Ärztin?“, kam meine überraschte Frage und Louisa nickt, „welche Fachrichtung denn?“
„Chirugie”, kam die prompe Antwort von ihr.
Wir wurden kurzerhand unterbrochen, da mein Vater nun uns kam „Louisa!“, kam es überraschend von meinem Vater, „schön, dass du da bist. Wo ist denn dein Vater?“ Mein Vater Stefan umarmte Louisa und sie drückten sich. „Ich soll euch von ihm und meiner Mutter lieb grüßen, aber sie schaffen es nicht. Irgendein Notfall in der Kanzlei und auf der Baustelle.“ Mein Vater ließ sich seine Enttäuschung nicht ansehen, aber ich wusste, innerlich war er es. „Schade. Aber gut, so ist das in der Baubranche.“, seufzte er und lächelte Louisa zu. „Wir stoßen aber noch an oder?“
„Auf jeden Fall, Stefan.“, grinste Louisa.

„Louisa, hat gerade erzählt, dass sie bei unserem städtischen Krankenhaus eine Stelle als Ärztin bekommen hat“, unterbrach meine Mutter ihren Ehemann, „und sie sucht eine Wohnung. Ich weiß, es ist spontan, aber wir haben in unserem Haus das Dachgeschoss frei und wenn du möchtest, kann du dort einziehen. Du bist ja so was wie Familie. Oder hast du was dagegen, Schatz?“
„Ich würde mich freuen, wenn du zu uns ziehst, Louisa!“, stimmte mein Vater zu. “Bitte entschuldigt mich, da kommen noch weitere Gäste.“ und so schnell wie er gekommen war, verschwand er wieder.
„Also nimmst du das Angebot an“, fragte meine Mutter Louisa. „Gerne. Dann kann ich mich in aller Ruhe nach eine eigenen Wohnung umsehen.“, nahm Louisa das Angebot an. Meine Mutter strahlte und drückte sie. „Wunderbar. Die Details besprechen wir im Laufe des Abends. Ich gehe mal auch die Gäste begrüßen.“ Und schon war meine Mutter abgerauscht.
Ich wollte gerade die Konversation weiterführen, als ich Verena im Eingang sah. „Entschuldige mich kurz, Louisa“, sagte ich zu ihr und ging auf meine Verlobte zu. „Hey Schatz!“, begrüßte ich sie und küsste sie kurz, „wie war die Schicht?“
„Anstrengend, ich bin froh, dass ich jetzt Wochenende habe.“, antwortete Verena mir und ich nahm ihr die Jacke ab und hängte sie an die Gardrobe. Sie trug einen Jeansrock, silberfarbene Riemensandalen und ein blaues T-shirt mit einem V-Ausschnitt. Ihre blonden Haare hatte sie zu einem Pferdeschwanz gebunden.
Wir betraten zusammen den Saal und sie begrüßte meine Mutter. „Hallo Verena. Schön, dass du da bist.“ „Hallo Ulla. Schön, dich zu sehen.“
Meine Mutter zog Verena zu Louisa. „Verena, dass ist Louisa. Die Tochter von Rainer, dem besten Freund von Stefan.“

„Hi Verena. Schön, dich kennen zu lernen“, begrüßte Louisa meine Verlobte freundlich und reichte ihr die Hand. Verena zögerte kurz, reichte ihr aber auch die Hand. „Danke. Ebenfalls.“
Ich konnte sehen wie meine bald Ehefrau Louisa von oben bis unten musterte. Ich legte einen Arm um ihre Hüften. „Und ihr zwei seit zusammen?“, fragte Louisa höflich über das Offensichtliche nach. Meine Verlobte legte einen Hand auf meinen Bauch und schmiegte sich an mich. „Ja, seit sechs Jahren zusammen und seit einem Jahr verlobt.“ Sie lächelte mich verliebt an und ich gab ihr einen Kuss. „Wow, herzlichen Glückwunsch.“, lächelte Louisa uns an. „Danke.“
„Ich werde mir mal einen Drink organisieren.“, meinte Louisa schließlich, „entschuldigt mich.“ Sie nickte uns kurz zu und ging rüber zur Bar.
„Die Tochter von dem besten Freund deines Vaters, also?“, meinte Verena und schaute ihr nach. „Hübsch ist sie ja“
Ich bemerkte den unterschwelligen Ton. Da sprach wieder das kleine Teufelchen namens „Eifersucht“ aus ihr. Das Thema „Eifersucht“ war schon seit Jahren in unserer Beziehung ein Problem. Verena hatte sehr unter der Trennung ihrer Eltern gelitten und diese Angst trug sie auch in unsere Beziehung mit. Offenbar hatte sie auch Angst davor, dass ich sie verlassen würde. Jede andere Frau wurde immer mit Skeptik von ihr betrachtet und ihre Eifersucht ging mir zum Teil wahnsinnig auf die Nerven. „Schatz, du bist die schönste von allen.“, beruhigte ich sie und drückte sie kurz an mich, „das weißst du doch, oder?“
Jetzt lächelte sie ein wenig und dennoch sagte sie: „Dennoch. Diese Louisa ist bestimmt nicht ohne.“
„Magst du sie nicht? Du kennst sie doch gar nicht.“, antwortete ich ihr.
„Ich kenne solche Art von Frauen, Julian“, antwortete sie mir düster, „solche Frauen kommen immer unschuldig an und ehe man sich versieht, krallen sie sich die vergebenen Männer.“
„Jetzt hör auf zu spinnen“, antwortete ich ihr und rollte die Augen.
„Ich will nicht, dass du dich mit ihr triffst.“
Ich schnaubte und rollte die Augen. „Das habe ich auch nicht vor, Verena. Hör bitte auf dich so eifersüchtig zu verhalten.“
„Eifersüchtig?“, zischte sie leise, „hast du gesehen, wie die dich angeschaut hat?“
Ich seufzte. Wenn Verena eifersüchtig war, hatte ich kaum eine Chance mit ihr vernünftig zu diskutieren. Also versuchte ich sie zu beschlichten. „Ich werde mich nicht mit ihr treffen und jetzt lass uns nicht streiten. Dafür ist der Anlass und der Abend zu schade, ok?“ Ich griff nach ihrer Hand und drückte sie leicht. „Bitte!“
Ich sah ihr in die Augen und sie seufzte. „Ok, ja du hast Recht.“
Ich küsste ihre Stirn und nahm sie in den Arm. „Lass uns dir mal was zu essen organisieren. Du musst doch Hunger haben von der anstrengenden Schicht.“ Wir gingen gemeinsam zum Büffett. Für den restlichen Abend hielt ich einen gewissen Abstand von Louisa um Verena’s Eifersucht nicht weiter zu entfachten und blieb an der Seite meiner Verlobten. Wir feierten noch tief bis in die Nacht und Verena und ich fuhren erst in den frühen Morgenstunden zurück nach Hause.

Am nächsten Samstag ließ ich mich am späten Nachmittag bei meinen Eltern blicken. Wir saßen gerade gemütlich in der Küche bei einem Kaffee zusammen, als es klingelte. „Das wird sie sein“, kam es freudestrahlend von meiner Mutter, die nun zur Wohnungstür lief und diese öffnete. „Hallo Louisa!“, vernahm ich die Begrüßung, „schön, dass du da bist. Komm rein!“In nächsten Moment hörten ich Schritte und Louisa stand in der Küche. „Hallo Julian, hallo Stefan“, begrüßte Louisa mich und meinen Vater. Sie hatte dunkelblaue Jeans, weiße Sneakers und ein schwarzes T-shirt mit einem V-Ausschnitt an. Ihre Haare trug sie offen, sodass immer wieder eine Locke sich in ihr Gesicht verirrte. „Louisa, willkommen bei uns.“, sagte mein Vater, der nun aufstand und sie umarmte. „Schön, dass du unser Angebot angenommen hast und bei uns wohnst. Wir freuen uns!“ „Ja, vielen Dank.“, sagte Louisa und lächelte, „ich werde versuchen euch nicht so zur Last zufallen.“„Lass dir mit der Wohnungssuche Zeit. Nur nichts überstürzen.“, antwortete mein Vater. „Wo sind deine Koffer?“„Unten steht noch das Taxi.“„Julian, komm! Wir holen die Koffer hoch!“, forderte mein Vater mich auf. Ich erhob mich. „Hi erstmal!“, begrüßte ich Louisa lächelnd. Sie lächelte zurück. „Hi!“ Ich lief an ihr vorbei und folgte meinem Vater nach draußen vor das Haus. Der Taxifahrer holte gerade den vierten Koffer aus dem Wagen. Als ich den ersten Koffer anhob, wäre ich fast zusammengebrochen. Was hatte sie da eingepackt? Backsteine? Ich ging zwar möglichst regelmäßig ins Fitnessstudio und kann einige Gewicht durchaus stemmen, aber das Gewicht hatte es in sich. Ich spannte meine Arme an und hob den Koffer nun hoch. Als ich mich umdrehte, krachte ich fast Louisa zusammen. „Geht’s?, fragte sie mich und sah mich dabei schuldig an, dass sie den Koffer so beladen hatte. „Was ist da drin?“, fragte ich sie neugierig. „Medizinbücher. Ziemlich dicke Schinken, deshalb ist der Koffer so schwer.“, entschuldigte sie sich bei mir. Ich schnaufte kurz und dann schleppte ich den Koffer die Treppe zur Wohnung rauf und dann noch einmal hoch ins Dachgeschoss. Louisa folgte mir mit einem Rucksack, dahinter kam mein Vater. Als wir auf dem Absatz der Treppe im Dachgeschoss standen, hielt ich mich rechts und öffnete schließlich die Tür neben dem Badezimmer. „Hier ist dein Zimmer.“, sagte ich ihr und stellte den Koffer neben das vorhandene Bett. Es war klein, aber fein.„Komm Louisa, ich zeig dir alles!“, sagte mein Vater und führte sie rum, während ich mich wieder nach unten in die Küche begab, mich an die Küchenzeile lehnte und einen Schluck von meinem mittlerweile lauwarmen Kaffee nahm. Nach einigen Minuten hörten wir die Schritte auf der Treppe. „Also abgemacht?“, konnte ich Louisa hören und schon betraten die zwei die Küche. „Was ist abgemacht?“, fragte meine Mutter Ulla. „Louisa würde als Einstand gerne für uns heute Abend kochen.“, klärte mein Vater seine Ehefrau auf. „Ach, das ist ja eine reizende Idee.“, freute sich meine Mutter. „Du bist doch auch dabei, oder Julian?“, wandte sich Louisa an mich. „Ich würde ja gerne, aber ich habe Verena versprochen heute Abend mit ihr essen zu gehen.“„Ein  ,Nein` akzeptiere ich nicht“, widersprach mir Louisa und schob ihre Unterlippe vor. „Komm schon, es wird was wirklich Leckeres geben. Bitte!“ Meine Eltern sahen mich erwartungsvoll an.Ich seufzte. „Von mir aus.“ Louisa strahlte und schon hatte ich ihre Arme um meinen Hals und sie drückte mich. Sofort stieg mir ihr blumiges, angenehmes Parfüm in die Nase und ihreHaare kitzelten meine Nase. „Schön, ich freue mich. Bring doch Verena einfach mit.“ Sie ließmich los, um sich einen Stift und Zettel aus einer Schublade zu holen und den Einkaufszettelzu schreiben.
„Wir sehen uns heute Abend.“, verabschiedete ich mich von meinen Eltern und fahre nach Hause.An der Wohnungstür schloss ich die Tür auf und öffnete sie. „Verena?“, rief ich in die Wohnung hinein, „Schatz? Ich bin Zuhause.“ „Ich bin im Bad.“, bekam ich die Antwort zurück. Ich schob die Wohnungstür mit dem Fuß, hängte meine Jacke an die Garderobe und zog die Schuhe aus. Dann ging ich um die Ecke, Richtung Badezimmer. Verena steckte erst den Kopf aus dem Bad, kam aber dann, die nassen Haare in einem Handtuch wickelnd und statt einem Oberteil nur reinen BH tragend, zu mir gelaufen. Sie gab mir einen Kuss auf den Mund. „Wie war es bei deinen Eltern?“, fragte sie mich, während sie das Handtuch vom Kopf löste und sich ihre blonden glatten Haare vorneübergebeugt frottierte. „Gut. Wir sind heute Abend bei denen zum Essen eingeladen.“ Sie atmete laut aus und richtete sich auf. Ihre nassen Haare fielen ihr ins Gesicht, während sie diese hinter das Ohr strich. „Wir gehen doch jeden Sonntagabend da hin, heute ist Samstag.“ „Ja, dass stimmt. Aber heute soll es wohl was sehr leckeres geben“, sagte ich ihr. Das Louisa am Herd stehen würde, verschwieg ich lieber. „Eigentlich hatte ich mich auf ein Essen nur mit dir gefreut.“, seufzte Verena und sah mich etwas enttäuscht an. Ich nahm sie in den Arm und sagte ihr leise. „Ich mache es wieder gut – heute Abend. Im Bett.“ Ich löste mich von ihr und sie grinste wohlwissend. „Okay, gib mir kurz Zeit mich fertig machen.“ Sie küsste mich zärtlich und verschwand im Badezimmer. Ich hörte den Fön und seufzte. Er hörte sich an als würde ein Jet das Bad als Landeband missbrauchen.

Pünktlich gegen 18 Uhr standen wir bei meinen Eltern an der Haustür. Ich klingelte und die Tür surrte. Als wir die Treppe hinaufstiegen, öffnet mein Vater die Wohnungstür. „Kommt rein!“, begrüßte er uns und als ich die Wohnung betrat, schnupperte ich. Es roch jetzt schon fantastisch.
„Julian! Schön, dass du da bist!“, hörte ich die Stimme von Louisa, die gerade aus der Küche kam. Sie trug eine weinrote Kochschürze und hatte ihre Locken zu einem Zopf gebändigt. Sie kam auf mich zu und umarmte mich. Im nächsten Augenblick kam Verena durch die Tür und sah unsere Umarmung. Sie räusperte sich. Sofort ließ Louisa mich los und strahlte Verena an. „Verena! Schöne Überraschung. Toll, dass du da bist. Ich habe gekocht. Ich hoffe, du hast Hunger.“
Ich wagte es nicht meine Verlobte anzuschauen, stattdessen ging ich in die Küche, aber ich konnte ihren säuerlichen Blick in meinem Rücken spüren. „Hallo Louisa.“, begrüßte sie diese mit süßer Stimme, „danke für die Einladung.“
Ich setzte mich auf die Küchenbank und Verena setzte sich neben mich. Meine Eltern und Tobi saßen bereits am Tisch.
Sie wandte sich zu mir und flüsterte mir ins Ohr. „Hast du gewusst, dass sie heute kocht?“
Auch wenn ich nicht viel vom Lügen halte, schüttelte ich den Kopf. „Das Essen ist auch gleich fertig.“, sagte Louisa und stellte eine große Schüssel Salat auf den Tisch. „Was gibt es denn?“, fragte ich neugierig und nahm ihr die Teller ab, die sie auf den Tisch stellen wollte. „Selbstgemachte Lasagne und Salat.“, erklärte ich sie mir und reichte mir das Besteck. Ich verteilte alles auf den Tisch. „Ich bin Vegetarierin.“, kam es nüchtern von Verena. Louisa sah betroffen aus. „Oh, entschuldige Verena. Das wusste ich nicht.“
„Schon gut“, kam es von Verena trocken, „ich esse einfach etwas Salat.“ Lousia sah mich hilfesuchend an, doch ich zuckte nur mit den Schultern. „Das geht schon in Ordnung.“, antwortete ich und war erleichtert, dass der Backofen piepte und die Lasagne fertig war. Louisa verteilte die Lasagne und mein Vater goss uns den Wein ein.
Als ich den ersten Bissen von der Lasagne nahm, war ich überrascht. Ich hatte bisher noch nie so eine gute, leckere Lasagne gegessen. Auch den restlichen Familienmitglieder ging es ähnlich. Nachdem die komplette Auflaufform leer gegessen war, lehnte ich mich gegen die Bank. „Louisa, das war hervorragend.“, lobte sogar mein Vater ihre Kochkunst. Louisa goss sich noch einen Schluck Wein ein. „Das Geheimnis ist der Rotwein in der Soße.“, grinste sie und nahm einen Schluck. Sie hatte bereits gerötete Wangen.
Verena hatte kaum ihren Salat angerührt. „Schmeckt es dir nicht, Verena?“, fragte Louisa nun leicht besorgt. „Alles gut“, antwortete Verena und gab ein gequältes Lächeln von sich, „ich habe vorhin schon etwas gegessen und nicht großen Hunger.“ Ich konnte an der Nasenspitze meiner Freundin lesen, dass die Aussage gelogen war, aber ich wollte sie auch nicht in eine unangenehme Lage bringen. Louisa schien die Aussage zu glauben. „Das nächste Mal koche ich etwas vegetarisches, versprochen.“ „Lieber nicht“, hörte ich meine Verlobte flüstern und ich stieß ihr meine Ellenbogen in die Seite und sah sie mahnend an.
„Super, ich freue mich auf das nächste Mal.“, lächelte Verena Louisa zu und legte ihre Gabel beiseite.
„Dafür hoffe ich hast du Hunger auf Nachtisch. Es gibt selbstgemachtes Bananeneis mit Schokostreuseln.“
Louisa stand auf, räumt den Tisch ab und servierte uns ihren fantastischen Nachtisch.
„Wann fängst du eigentlich im Krankenhaus an?“, fragte Tobi Louisa, nachdem er seinen Nachtisch aufgegessen hatte. „Am 01. Nächsten Monat“, teilte Louisa ihm mit, „sie wollten mich zwar schon eher haben, aber ich musste noch einiges wegen dem Umzug organisieren und konnte daher nicht vorher.“
„Du wohnst hier?“, kam die überraschte Frage von Verena und Louisa nickte. „Ja, aber nur vorübergehend, bis ich ein eigene Wohnung gefunden habe.“
„Davon hast du mir gar nichts erzählt, Julian“, wandte sich meine Verlobte nun an mich und sah mich vorwurfsvoll an. „Das liegt auch daran, dass wir uns die letzte Woche kaum gesehen haben wegen deiner Schicht.“, verteidigte ich mich schwach. Verena runzelte die Stirn, erwiderte aber nichts.
„Oh keine Sorge, ihr werdet nicht merken, dass ich da bin.“, lachte Louisa und ich konnte sehen wie meine zukünftige Ehefrau ihr einen vernichten Blick zuwarf.
„Wir sollten langsam nach Hause.“, meinte ich schließlich, „ich muss meinen Unterricht noch vorbereiten.“ Verena nickte. „Ja, du hast Recht. Danke für das Essen, Louisa.“
Wir erhoben uns. Ich gab meiner Mutter noch einen kurzen Kuss auf die Wange und schlug kurz mit Tobi und meinem Vater ein. Louisa brachte uns zur Tür. Im Flur half ich Verena in ihre Jacke, während Louisa an der Wohnungstür wartete, die sie uns offen hielt. „Wir sehen uns die Tage?!“
„Bestimmt.“, verabschiedete ich mich von ihr und Verena nickte ihr nur schweigend zu.

Kaum saßen Verena und ich in meinem Auto platzte es aus Verena vor Eifersucht raus. „Julian, ich möchte, dass du nicht zu deinen Eltern fährst, solange diese Person bei euch wohnt.“
Ich fedelte mich in den Verkehr ein und zeigte meiner Zukünftigen einen Vogel. „Spinnst du? Das sind meine Eltern. Ich werde mir das nicht von dir verbieten lassen, dass ich sie besuche.“
„Aber ich will nicht, dass dir Louisa die ganze Zeit über den Weg läuft und dir schöne Augen macht.“, fauchte Verena.
Ich blieb an einer roten Ampel stehen und sah meine Verlobte an. „Erstens: Es wird zwangsläufig nun mal passieren, das wir uns begegnen und zweitens: hat Louisa durch das Krankenhaus Schichtdienst und drittens: Nur du kannst mir schöne Augen machen.“ „Dann besuche Sie, wenn sie Spätschicht hat oder fahr abends hin, wenn sie Nachtschicht hat.“, verlangte Verena von mir ohne auch nur mein drittes Argument wahrgenommen zu haben. Ich stöhnte innerlich auf. Verena’s Eifersucht trieb mich noch irgendwann in den Wahnsinn. Es brachte aber nichts nun selbst aufbrausend zu werden.
„Hör zu: Du weißt doch, dass du mir da vertrauen kannst. Ich liebe nur dich!“ Ich beugte mich zu ihr und gab ihr einen  Kuss auf die Wange, bevor ich nun die grüne Ampel mitnahm.
„Und was ist, wenn sie unsere Beziehung kaputt macht“, sagte Verena und sah mich leicht verzweifelt an. „Das wird nicht passieren.“, antwortete ich ihr zuversichtlich. „Und jetzt lass uns nicht weiter darüber sprechen, sondern den restlichen Abend genießen.“

„Okay, gute Idee.“, stimmte Verena mir nun etwas besänftigt zu.

Das in den nächsten Wochen es turbulent zugehen würde, hatte ich bis dahin nicht kommen sehen.
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