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Schwach

von strange
OneshotFreundschaft / P12 / Gen
Inko Midoriya Izuku Midoriya Katsuki Bakugo Mitsuki Bakugo
08.04.2021
08.04.2021
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Katsuki war gut. Seine Noten waren mehr als nur hervorragend. Seine Zeugnisse glänzten nahezu. Zumindest wenn man auf den Balken des Sozialverhaltens hinwegsah. Wer brauchte so einen Scheiß denn bitte auch schon? Er definitiv nicht.

Denn Katsuki war gut. Wirklich gut. Verdammt gut. Er war der Beste. Und der Beste von allen hatte nichts zu bereuen. Reue war etwas für Verlierer – Er war ein Gewinner. Er verlor nicht. Gegen nichts und niemanden. Wirklich nicht. Denn er war Katsuki Bakugo. Der Katsuki Bakugo.

Er bereute nichts im Leben. Er hatte keine Schuldgefühle. Für wen sollte er die bitte auch haben? Katsuki war niemanden etwas schuldig und so etwas wie eine Entschuldigung erst recht nicht.

Denn er war gut. Er musste gut sein. Das sagten sie doch immer. All seine Mitmenschen. Wie gut er war. Wie stark sein Quirk war. Wie schlau er war. Was für ein großer Held er werden würde.

Katsuki Bakugo war gut. Wirklich gut. Verdammt gut.

Und trotzdem kam dieses Gefühl in ihm auf, wühlte seine ganze Ordnung auf, hinterließ nichts als Unruhe und Unausgeglichenheit. Trotzdem verspürte er immer wieder dieses Bedürfnis etwas zu sagen. Zu ihr.

Der Mutter von Deku. Inko Midoriya.

Früher, als sie noch kleine Kinder waren, ohne Quirks, war er oft bei den Midoriyas zu Besuch. Seine Mutter hatte sich gut mit ihr verstanden. Vermutlich waren sie wohl so etwas wie Freunde gewesen. Und irgendwie, irgendwas machte sich in ihm bemerkbar, stach fürchterlich und pikste und drückte und schmerzte als er daran dachte, dass sein damaliges Verhalten wohl letztlich der Grund war, warum sich seine Mutter von der von Deku distanziert hat. Unfreiwillig. Ungewollt. Wegen ihm.

Weil er Deku abgelehnt hatte.
Weil er ihn von sich gestoßen hatte.
Weil er sich für etwas Besseres gehalten hatte.
Weil er sich von Deku distanziert hatte.
Weil er einfach nicht verstanden hatte, warum, warum, jemand, der eigentlich schwächer als er sein müsse, jemand, der quirklos war, trotzdem stärker als er war. Auf eine komplett andere Art und Weise. Eine die er damals nicht zu begreifen im Stande gewesen war.

Katsuki wusste nicht wie er damit hatte umgehen sollen. Jeder hat ihm gesagt, dass sie ihn um seinen Quirk beneiden, jeder hat ihn gelobt und geliebt und bewundert – und dann war da Deku. Quirklos, schwach, in der Nahrungskette unter ihm. Er hatte all das, woran Katsuki geglaubt hatte ins Schwanken gebracht, war immer da, wie eine Klette und obwohl es niemals so war, so hatte es sich für Katsuki angefühlt als würde Deku ihn verhöhnen, all seine Überzeugung zerstören, ihm sagen, dass es eben nicht nur einen starken Quirk bräuchte. Dass alles was die Leute ihm immer gesagt haben nicht stimmte. Dass alles, all die Bewunderung, all die Komplimente, all der Druck ein guter Held werden zu müssen, nicht der Wahrheit entsprach.

Denn Deku war fucking quirklos und stark. Vielleicht sogar gerade deshalb.

Es hatte Katsuki Angst gemacht. Er hatte es nicht verstanden. Er, Katsuki, hatte einen starken Quirk, also musste er er auch ein starker Held werden. Und Deku, Deku war quirklos und damit auch schwach. Er konnte gar kein Held werden. Das ... ging nicht. Konnte nicht gehen.

Alles was man ihm gesagt hatte, was man ihm tagtäglich eingeredet hatte bis er es selbst geglaubt hat, daran hat glauben müssen, weil alles andere keinen Sinn gemacht hatte und es stimmen musste – war das alles etwa eine Lüge gewesen? Alles, worauf er seine Berufslaufbahn, sein Leben aufgebaut hatte, bestand aus was? Geheuchelten Komplimente, gelogener Bewunderung und unechtem Lob? War es das? Die Last, die man ihm auf seine Schultern gedrückt hatte – Für was?

Als Katsuki Deku das letzte Mal gesehen hatte, hatte er ihm gesagt, dass er sich doch vom Dach stürzen soll und vielleicht im nächsten Leben einen Quirk bekommt.
Als er ihn das nächste Mal gesehen hatte, war Deku ein Schüler der Yūei – und hat im Eignungtest beim Werfen besser abgeschnitten als er.

Das war das erste Mal als er anfing wirklich Angst zu spüren. Es konnte nicht sein. War unmöglich. Deku war schwach und verdammt noch mal quirklos und er, er war stark mit einem Quirk. Trotzdem war Deku besser als er. Und Katsuki wusste, dass das nicht nur die Zahlen auf dem Gerät ausgesagt haben.

Das zweite Mal war schlimmer – sehr viel schlimmer. Es waren die Battle Trials. Katsuki musste ihn besiegen. Katsuki musste Deku deutlich machen, wer oben an der Nahrungskette stand, wer stärker war. Katsuki hatte zu gewinnen, weil er immer gewann, weil er gewinnen musste, weil alles andere keinen Sinn machte.

Katsuki hatte verloren. Schon wieder.
Seine Welt brach zusammen.

Er wusste nicht wie er damit umgehen sollte. Katsuki war immer der Stärkste gewesen, von jedem wurde er immer in diese Position gerückt, nach oben gestellt und er hatte es akzeptiert, genossen – was hätte er sonst tun sollen? Er hatte einen starken Quirk, also war er auch stark und würde ein noch stärkerer Held werden. Es machte Sinn. Es war das, was man ihm immer wieder eingetrichtert hatte.

Aber es war nicht so. Es war eine fucking Lüge gewesen, die Katsuki geschluckt hatte.

An der Yūei wurde ihm das klar. Weil er eben nicht der Stärkste war, weil er nicht den stärksten Quirk hatte, weil er nicht gelobt und bewundert wurde, weil er in Wahrheit fucking schwach war. Noch schwächer als Deku.

Denn Deku war niemals schwach gewesen.
Deku war immer stark gewesen.
Deku war immer besser gewesen.
Deku hatte nie auf ihn herabgeblickt.
Deku hatte zu ihm geschaut.
Und Katsuki hatte sich geweigert es zu sehen, weil es ihm Angst gemacht hatte.

Stattdessen hatte er diese Hilflosigkeit in Form von Wut und Aggression an Deku ausgelassen. Niemand hatte ihn an die Hand genommen, zu Seite gezogen und gesagt, dass es in Ordnung war schwach zu sein, egal in welcher Form, dass es in Ordnung war nicht stark zu sein, dass er nicht stark sein muss. Niemand hatte es ihm gesagt. Weil sie alle anders gedacht haben. Also fing Katsuki auch an so zu denken. Und damit auch Deku zu quälen.

Weil Deku ihm mit seiner ganzen Existenz das Gegenteil bewiesen hatte.
Weil Deku quirklos war.
Weil Deku eigentlich hätte schwach sein müssen.
Und weil Deku trotzdem immer der Stärkere von ihnen gewesen war.

Deshalb zerbrach nicht nur seine Freundschaft zu Deku, sondern auch die von Inko und Mitsuki und fuck, er hasste diesen Gedanken. Dieses ekelhaft, hartnäckige Gefühl, das alles, aber absolut keine Reue war, breitete seine Fänge wieder aus, umschlang ihn und drückte ihm noch mehr Luft aus den Lungen als dieses verdammte Schleimmonster es damals getan hatte. Damals ... als Deku versucht hatte ihn zu retten.

Er hasste dieses Gefühl. Weil er es nicht benennen konnte. Nicht benennen wollte. Es war nicht einzuordnen, es war sinnlos und komisch und eine pure Zeitverschwendung und nichts über das er sich Gedanken machen sollte, gar müsse, weil es sinnlos war und wahrscheinlich nur irgendeine Erkältung oder so war. Ganz sicher. Weil es einfach nicht sein konnte, nicht sein durfte. Weil Katsuki Bakugo nie auch nur annähernd so etwas wie ein schlechtes Gewissen hatte und es auch nie haben wird. Wirklich nicht. Warum denn auch?

Denn Katsuki war gut. Wirklich gut. Verdammt gut.

Katsuki hatte nie auch nur annähernd so etwas wie ein schlechtes Gewissen.

Katsuki bereute nichts im Leben.

Wirklich nicht.

Ganz sicher nicht.

Nur dieses eine Mal war er sich nicht so sicher.



.
.
.



「α/n:
Die Idee zu diesem Oneshot kam unerwartet und ungeplant. Um genau zu sein, war es einer der bekannten Ideen, die einem random unter der Dusche kommen und einen nicht mehr loslassen bis man sie geschrieben hat. Also habe ich mich gleich dran gesetzt gehabt und bin ein wenig stolz, dass ich es endlich mal geschafft habe, etwas durchzuziehen und dafür „nur“ drei Tage gebraucht habe, haha.
Was auch immer! Eigentlich versuche ich Nachworte so kurz wie möglich zu halten, aber ich glaube hier wird mir das kaum gelingen. :')
Manchmal habe ich das Gefühl, dass Katsuki wirklich sehr missverstanden wird. Denn ja, er war am Anfang wohl so ziemlich das größte Arschloch auf Erden und ja, seine Taten, Worte etc. werden auch durch Reue o.Ä. nicht ungeschehen gemacht – Der Schaden bleibt. Keine Frage. Aber: Niemand, wirklich niemand (!) wird „böse“ geboren. Niemand wird grundlos zu dem Menschen, der er/sie ist. Katsuki wurde von allen immer in den Himmel hoch gelobt, bewundert und geliebt. Der Fehler liegt hier an dem Umgang seiner Mitmenschen mit ihm. Ihm wurde Honig ums Maul geschmiert bis man's wieder auskotzen konnte. Wen verwundert es da denn bitte noch, dass seine Arroganz bis in den Himmel gereicht hat?
Mich zumindest nicht. Ich hab Katsuki am Anfang wirklich gehasst und verurteilt gehabt. Jetzt sehe ich alles aus einer anderen Perspektive und merke dass ich zu schnell geurteilt habe. Katsukis Selbstbewusstsein ist überraschend fragil. Seine ganze Überzeugung, er sei der Beste etc. stammt von den Menschen um ihn herum, die ihm das immer gesagt haben, schon seit klein auf. Und warum? Weil sein Quirk so stark war. Also war er auch stark. Und natürlich würde er zu einem starken Helden werden. Wurde jemals gefragt, ob er überhaupt Held werden möchte? [In seinem Fall war es sein Ziel, ja, aber es kommt nicht darauf an, was er will, sondern ob es seine Mitmenschen überhaupt interessiert hat, was er will / möchte.]
Dann kommt er auf die U.A. Natürlich schafft er die Aufnahmeprüfung – Schließlich ist er der Beste. Er muss es ja sein.
Dumm nur, dass er es nun mal nicht ist.
Und als ihm das klar wurde, fing für ihn eine Welt, seine Welt, an zu zerbrechen. Er hatte sein ganzes Leben in der Überzeugung der Beste zu sein, aufgebaut. Hatte sich durch die Meinungen und Anmaßungen anderer definieren lassen. Und dann? Dann wird er eines Besseren belehrt. Dann wird ihm die Wahrheit ins Gesicht geschlagen. Er war nicht der Beste. Er hatte Fehler, so wie jeder andere auch. Er hatte Schwächen, so wie jeder andere auch. Und er war vorallem nicht so perfekt, wie ihn jeder in seinem Umfeld dargestellt hat. Niemand hat jemals etwas anderes zu ihm gesagt. Nicht seine Mitschüler, nicht seine Lehrer, nicht seine Erzieher im Kindergarten und ja, auch nicht seine eigenen Eltern.
Katsuki hat lange gebraucht, aber er hat angefangen zu begreifen und zu reflektieren. Staffel 4, Folge 17 hat das zwar kurz, aber dennoch umso schöner verdeutlicht.
„If all you ever do is look down on people, you won't be able to recognize your own weaknesses.“ → „Wenn du immer nur auf andere herabsiehst, wirst du deine eigene Schwäche nicht erkennen.“ [ungefähre Übersetzung.]
Also wenn man das nicht character development vom Feinsten nennen kann, weiß ich auch nicht mehr weiter. Was ich eigentlich nur sagen will, ist folgendes: Katsuki hat sich beschissen benommen, keine Frage, und ja, das, was er Izuku angetan hat, ist nicht zu entschuldigen / rechtfertigen, aber es ist zu erklären. Natürlich macht es seine Handlungen nicht besser, aber es macht sie verständlicher. Und am allerwichtigsten: Katsuki sieht seine Fehler selbst ein. Er sieht ein, dass das, was er getan hat, falsch war. Er reflektiert sich selber. Und er bessert sich.
In BNHA sind die Heldenanwärter allesamt noch Kinder, die erst anfangen zu lernen und zu reifen und das ist wirklich etwas Schönes an BNHA. Man sieht selbst zu wie die einzelnen Charaktere anfangen zu reifen. [Drei Wörter, die ich zu sagen habe: MANGA KAPITEL 285—]

... Okay, das ist jetzt gefühlt länger geworden als der eigentliche Oneshot. Sorry dafür!
Ich hoffe nur, dass zumindest ein bisschen verständlich wurde, was ich sagen wollte / was der Hintergrund dieses Oneshots ist!

Allerliebste Grüße & bleibt gesund! ♡」
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