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K-Area

GeschichteDrama, Sci-Fi / P16 / Gen
Daesung G-Dragon Seungri T.O.P Taeyang
08.04.2021
24.04.2021
5
6.434
 
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09.04.2021 1.785
 
Tom Parker saß hinter seinem dunkelbraunen Mahagonischreibtisch und schrieb. Dieses herkömmliche Szenario zeigte sich häufig in den letzten Monaten, und selbst wenn Raum und Boden wechselten, die Einrichtung tat dies kaum. Tom Parker mochte seine Möbel minimalistisch, wie auch dessen Funktionalität. Das weite, eine ganze Wand einnehmende Fenster fing genug Licht von draußen ein, um nervende Lampen zu vermeiden, der Schreibtisch war geschmeidig und mit Glasplatten dekorbestückt, eine einzelne Kommode stand direkt gegenüber der Eingangstür, der Stuhl replizierte exakt die Wölbung der Bein-/ und Rückenform mit seinem weichen, rot getönten Neuroleder. Die einzigen individuellen Gegenstände in diesem Zimmer im zweiundvierzigsten Stockwerk waren die beiden Pflanzen links und rechts der dunkelbraunen Kommode. Zwei kleine Bäume mit bemerkenswert hellgrünen Blättern und sauberen, dünnen, sich hochrankendem Holz. Tom Parker hatte sie aus Süd Amerika bestellt. Er hatte ein brillantes Auge für das Rare und Exotische, und er wusste zu verhandeln. Andere Sammler seines Milieus hatten ihn bereits beauftragt, mehr dieser Schönheiten kommen zu lassen, denn natürlich kommunizierte Tom Parker nicht die exakten Vegetationsareale, wo diese Pflanzen im Süden verblieben. Seine Augen suchten die kleinen Bäume, ihr kontinuierliches Ranken beobachtend und mit der Arbeit seines Privatgärtners zufriedenseiend. Sein Füller stoppte seinen Schwung über dem weichen Papier, und Tom Parker bemerkte die hochkriechende Konzentrationslücke. Nicht, dass es ungewöhnlich nach Stunden der Arbeit wäre, aber es signalisierte, dass es Zeit für seine Geheimwaffe war.
Er drückte einen Knopf auf dem Pad zu seiner Rechten. „Grünen Tee, bitte. Und die üblichen Beilagen.“
„Sofort auf dem Weg, Mister Parker“ antwortete das Pad höflich und nicht zu rauschend. Tom Parker wählte nur das beste Equipment für sein Office.
Er lehnte sich im ergonomischen Stuhl zurück und suchte das Draußen. K-Area lag direkt vor ihm. Es war dessen buchstäbliche Seele, eines der seltenen Gebiete ohne die quadratischen Halbhäuser und improvisierten Bunker. Die Wolkenkratzer hatten von der Katastrophe kaum gelitten, und ihre damals verursachen Unstimmigkeiten und Brüche wirkten auf Tom Parker artistisch und liebenswert. Die Leuchtreklamen blinkten, und Autos sausten wie kleine Käfer zwischen den langen Hochhäusern der Stadt. Vom Höchsten der Stadt, direkt gegenüber bemerkte Tom Parker zwei helle, zu ihm starrende Augen. Tom Parker begann bereits, sich auszumalen, wie das Leben in diesem Turm verglichen zu seinem sein könnte, bevor er sich von der Realität überschwemmen ließ, dass es seine im Fenster gespiegelten Augen waren. Und da war er: helles Haar, ein perfektes Gesicht, eine cremefarbene Jacke über einem Shirt, rauchfarbene Nadelstreifenhosen und perfekt sitzende Schuhe aus schokoladenbraunem Neuroleder. Und nebenher wusste Tom Parker auch, wer in dem Wolkenkratzer gegenüber lebte. Dessen Besitzer ließ dort seine Kunden von Übersee nieder. Was für eine Platzverschwendung. Diese Schönheit in ein Hotel zu verwandeln. Eine der wenigen unroyalen Benehmen der K-Area Bourgeoise, von welcher Tom Parker gehört hatte.
Die Tür öffnete sich behutsam hinter ihm. Tom Parkers Blick driftete zur Linken und sah durch das Fenster, wer hereinkam. Eine süße junge Frau in einem Maidkostüm, der Rock nicht zu kurz, doch die Beine vorteilhaft herausstellend. Ihre Augen huschten schüchtern unter dem schwarzen Pony, der Rest der Haare war offen, gerade und scheinend. Tom Parker bewunderte die Weise wie sie auf ihre Äußerlichkeiten zu achten schien. Das Tablet in ihrer rechten Hand wackelte leicht während sie die Tür schloss und näher an den Tisch trippelte. Tom Parker kam ebenfalls hin und nahm Platz.
„Entschuldigen Sie dich Unterbrechung, Mister Parker“, entschuldigte sie sich rasch, dann tat sie ein glänzend silbernes Tee Service neben Tom Parker auf den Tisch. Eine Hand in einem schneeweißen Handschuh goss dampfenden goldenen Tee in die filigrane Tasse und stellte sie auf die hölzerne Oberfläche eines Untersetzers. Eine Platte arrangierten Biskuits mit schönen Mustern und Dekorationen folgte. Tom Parker ließ sie ihre konzentrierte Arbeit beenden, vollführt von seiner rechten Seite. Doch als die Maid ihre Hand zurückziehen wollte, griff er nach ihrem Handgelenk und zog es vor zum Tisch. Ein erschrockener Laut entfuhr ihr, bevor ihr Kopf, vom Ruck mitgezogen, nahe zu Tom Parkers stoppte.  
„Du nanntest mich Mister? Ich dachte, du trägst eine Maiduniform. Wusstest du es nicht? Es heißt Master, nicht wahr?“
Er senkte seine Stimme und brachte seine Lippen nahe an ihr hübsch geformtes Ohr.
„Du bist neu hier? Sie haben dich nicht richtig eingewiesen?“
„Nein, nein, Master Parker, ich bin nicht allzu neu hier. Es ist mein Fehler, entschuldigen Sie.“ Sie kicherte, doch drehte ihr Gesicht nicht zu ihm. Er konnte nur ihr kleines Ohr zwischen den schwarzen Haarflüssen sehen.
„Ich könnte denen eine Lektion erteilen.“ Er lehnte sich ein wenig vor und brachte ihr Ohr noch näher zu seinen Lippen. „Das ist ein ungewöhnliches Vorkommnis. Du scheinst das erste Mal hier in meinem Office zu sein. Allein. Mit mir.“ Er wählte die Worte mit langsamer Spannung, streckte den Moment. Aber die junge Maid bewegte sich nicht einmal ein wenig. Ein weiteres Kichern kam von ihrer statischen Pose.
„Master Parker, ich wollte kein großes Unbehagen bereiten. Verzeihen Sie. Ich verspreche meine Verbesserung, sodass Sie mit meinem Service zufrieden sein können.“
Zwischen den Haarstreifen konnte Tom Parker ihr Lächeln sehen. Es war wirklich hübsch, doch es bewegte sich nicht ein Stück, blieb in der professionellen Maske auf dem Make-up bedeckten Gesicht. Nicht ein Hinweis auf irgendeine Art von Affektion. Er suchte danach. Seufzend ließ er ihr Handgelenk los und die Maid richtete sich wieder auf.
„Fein. Geh wieder zurück an die Arbeit. Und lass dir nicht so viel Zeit mit dem Service das nächste Mal. Es ist eine Frage der Routine.“
„Es tut mir leid. Und vielen Dank, Master Parker. Genießen Sie Ihren Tee.“
Die Maid bewegte sich verbeugend rückwärts zur Tür und verließ das Office. Tom Parker hörte die Tür zuschlagen und gab sich selbst einen Moment für Unfokussiertheit.
Frauen. Sie zeigten nie ein Zeichen von Affektion, schienen nie Wünsche oder Ziele zu haben, sie waren nie interessiert daran, was im Raum vor sich ging. Tom Parker dachte stets, sie hätten ein Gedankensystem, zu komplex es zu erklären oder gar zu zeigen. Doch jetzt, nachdem die Jahre vorbeigezogen waren, wunderte er sich, ob sie möglicherweise bloß nicht in der Lage waren einen Funken Innenleben zu entwickeln.
Eine Glocke vom Pad unterbrach seine Gedanken. Sich sammelnd drückte Tom Parker einen weiteren Knopf um das Intercom zu aktivieren.
„Parker?“
„Es ist die elektronische Rezeption. Wir haben einen Anruf von einer verborgenen Nummer.“
„Haben Sie ihn beantwortet?“
„Allerdings. Und er sagte, wenn Sie nicht den Anruf annehmen, würde er…“
„Sagen Sie es.“
„Es tut mir leid, Mister Parker. Er würde Ihrer Mutter eine elektroromantische Lektion erteilen.“
Stille.
„Es tut uns leid Sie zu belästigen, Mister Parker. Doch wir dachten…“
„Keine Sorge. Dies klingt ziemlich spezifisch. Ich denke, ich werde demnach meine Mutter retten. Stellen Sie ihn durch.“
Ein Klicken, und der akustische Hintergrund der Padgeräusche veränderte sich von sauberem Nichts zu billigem Rauschen.
„Du weißt schon, dass meine Mutter emigriert ist und ihre Daten geändert hat, oder nicht?“
„Sorry, ich konnte mich nicht zurückhalten. Du bist immer so ernst. Und außerdem wollte ich mich mit meinem Humor von dir identifizieren lassen.“
„Was, wenn ich nicht geantwortet hätte? Diese Belästigung könnte ein kindischer Streich sein.“
„Selbst wenn es so wäre, würdest du den Anruf annehmen. Du nimmst die Anrufe immer an. Aber du kriegst nicht viele. Deswegen tust du es ja.“
Tom Parker lehnte sich zurück. Er war es eindeutig. Die Geräusche, die Stimme, der Humor. Sie passten. Aber die Methode tat es nicht.
„Warum also rufst du an?“ Tom Parker konnte nicht direkt fragen, wieso der Kerl riskierte, zurückverfolgt zu werden. Aber er hoffte die Nachricht deutlich gemacht zu haben, und dass verstanden werden würde, was er meinte.
„Oh, kein Grund. Ich habe dich schrecklich vermisst und hoffte, dich und deine wunderschönen Pflanzen wiederzusehen. Was dagegen, wenn ich vorbeischaue? Du würdest deinen besten Freund nicht zurückweisen, nicht wahr?“
Es war als würden die Worte extra verdreht ausgewählt werden. Nichts von alledem passte überhaupt. Er wollte sich nie treffen, vermisste überhaupt nie jemanden und zeigte nie Interesse an Tom Parkers Kollektionen. Und er würde nie ein Wort wie Freund benutzen, oder sogar bester Freund.
„Natürlich nicht. Meine Pflanzen vermissen dich ebenfalls. Ebenso wie meine Mutter.“
„Du hast es gesagt! Hast du gelacht?“
„Ich kann nicht aufhören mich zu schütteln.“
„Ich bin mir sicher, du witzelst. Du bist so trocken wie dein Wein.“
„Du weißt, dass alles andere nicht mein Stil ist.“
„Zumindest darüber kann ich mir sicher sein.“ Das Pad lachte in einer hohnhaften Manier, und Tom Parker fühlte das Blut durch ihn strömen. Er wunderte sich immer, wie dieser Kerl es schaffte, einen solchen Effekt bei ihm zu erzielen.
„Ich komm vorbei. Um sechs. Störts dich, wenn ein Kumpel mitkommt?“
Tom Parkers Augenbrauen zuckten. Was passierte nun? Die einzigen Menschen, dessen Zwischenhalt hier er sich vorstellen konnte, waren so mächtig und beschäftigt wie er selbst. Dies würde ein Meeting von Ernsthaftigkeit und Wichtigkeit bedeuten. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, dass genau der Kerl am anderen Ende der Leitung über die letzten Monate ein gewöhnlicher sozialer Typ geworden war. Es würde einfach nicht passen. Er musste sehr darauf zählen, dass es um die Person ging, die ihm als erste in den Sinn kam.
„Was auch immer. Ich hoffe nur, die Person, die du vorstellst, hat einen Hauch von Kultur.“
„Ich denke so. Zumindest könnt ihr beide über teure Kleider reden. Und traditionelle Dinosaurier-Scheiße-Kunst.“
Also stimmte es.
„Ich erwarte dich. Und benimm dich dieses Mal. Du verschreckst ständig mein Personal. Selbst meine Pflanze können mit deiner merkwürdigen Attitüde nicht umgehen.“
„Ich verstehe nicht, warum du diese Langeweiler angeheuert hast. Ich mache mir Sorgen um dein soziales Umfeld. Ist das der Grund, warum du so trocken wie deine Pflanzen bist?“
„Du machst dich über meinen Lebensstil lustig.“
„Natürlich, du Genie.“
„Du kannst ihn nicht verändern. Mach daraus keine Mission.“
„Ich weiß, dass du ihn nicht loslassen kannst. Aber ich mag dich trotzdem. Kann es kaum erwarten, dich zu sehen.“
Auflegen. Stille.
Die Situation war mehr als verwirrend. Tom Parker war ziemlich sicher, was zu erwarten war: Dieser höllenloch-erzogene Junge. Und nicht einer, sondern zwei Kumpel, welche beide ebenso überrascht sein würden wie Tom Parker über die Umstände und die Abruptheit. Und der Junge würde eine seiner Geschichten erzählen, die sie involvierte, Dinge zu tun und eine spezifische KI dies nicht bemerken zu lassen. Doch warum alle sie vier zur selben Zeit? Hatte der Größenwahn offiziell Besitz ergriffen?
Tom Parker nahm einen Schluck seines Tees. Er war kälter geworden als sonst während einer Unterhaltung. Er seufzte. Nun würde sogar seine Konzentration nicht ihr übliches Level erreichen. Worauf ließ er sich hier ein? Aber einen neuen Tee zu bestellen würde nicht helfen. Stattdessen wählte er eine Nummer auf dem Pad.
„Miss Cord? Halten Sie mich heute nach sechs Uhr frei.“
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