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Wege der Magie

OneshotFreundschaft, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Severus Snape
07.04.2021
07.04.2021
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Hallo meine lieben Leser! :D

Und hier nun ein weiterer Beitrag zum Projekt „Wochen-Challenge“, von Sira-la. ^^

Die Verfahrensweise von dem Projekt ist wie folgt:
Sira-la postet jeden Samstag einen Prompt unterschiedlichster Art für die nächste Woche, zu dem man dann genau eine Woche Zeit hat etwas dazu zu schreiben und am folgenden Samstag dann hochzuladen.

Der Prompt für diese Woche lautet:
Kalenderwoche 14:
Ostern ist der Tag der Auferstehung, wie jeder weiß. Damit, dass plötzlich deine Stofftiere "auferstehen" und lebendig werden, hättest du aber nie in deinem Leben gerechnet.

Zu der Geschichte ist noch zu sagen, dass Severus hier im Grundschulalter ist. :)


Nun aber genug der langen Vorrede!
Viel Spass beim Lesen



Vlg Lady Duchess :)



Titel: Wege der Magie

Leise vor sich hinweinend, kauerte er sich noch mehr unter der Decke zusammen und drückte den schon ziemlich abgegriffenen und alten Teddy fest an sich.

Es war ein schlechter Tag gewesen.

Nicht nur, dass er in der Schule wieder von den zwei schlimmsten Jungs aus seiner Klasse Prügel bezogen hatte, nein, nachdem er seine Hausaufgaben erledigt hatte und seiner Mutter bei einer Tasse Tee Gesellschaft leisten wollte, war sein Vater nach Hause gekommen.
Zornig, verärgert und nicht mehr ganz nüchtern. Wie eigentlich immer.

Er hatte sich versucht davon zu schleichen, doch sein Vater hatte ihn bemerkt und ihn mal wieder beschimpft. Vor seiner Mutter.
Diese hatte ihn verteidigt, aber das war definitiv das Falsche gewesen.
Wutentbrannt hatte sein Vater ausgeholt und seine Mutter geschlagen.

Ihr, wie so oft, helfen wollend, hatte er sich schützend vor sie gestellt und dadurch den nächsten Schlag abgefangen.

Wut, aber vor allem Hass, war in ihm dabei aufgestiegen.
Diesmal so stark, dass er für wenige Sekunden nicht wusste was geschah.

Erst als urplötzlich einige Gläser zersprangen und zwei Vasen in der Nähe zu Boden fielen, schien er wieder bei Verstand zu sein.

Magie.

Genauer: seine Magie.
Diese hatte auf seine Wut reagiert und war unkontrolliert aus ihm herausgebrochen.

Fasziniert und geschockt zugleich, bekam er die Quittung dessen auch sofort zu spüren.

Er hatte nicht mal bemerkt, wie ihn sein Vater schließlich wütend gepackt und ihm eine äußerst schmerzhafte Ohrfeige verpasst hatte, die ihn wieder vollständig in die Realität zurückbrachte.

Danach hatte auch endlich seine Mutter reagiert, sich nun schützend zwischen ihn und seinen Vater gestellt und ihn mit einem sehr eindringlichen Blick auf sein Zimmer geschickt.
Nur zu gern war er dieser stummen Aufforderung nachgekommen.

In seinem Zimmer angekommen, hatte er die Tür geschlossen und erst dann den brennenden Tränen vor Schmerz und der Verzweiflung nachgegeben.

Dann fing der Streit seiner Eltern an.
Sich nicht darum scherend, dass er Einiges davon vernahm und es wieder einmal um ihn ging, taten die Worte einfach nur weh.

Um selbst nichts mehr davon zu hören, hatte er sich in seinem Bett verkrochen, wie so oft die Decke über den Kopf gezogen und sich möglichst klein gemacht und zusammengekauert.
Nicht zum ersten Mal hatte er den Gedanken, dass er sich wünschte nie geboren worden zu sein.

Als er endlich bewusst den starken und nun pochenden Schmerz in seiner linken Wange wahrnahm, rannen weitere Tränen über sein Gesicht.
Um Trost zu finden und die Welt um sich herum zu vergessen, hatte er den alten und abgegriffenen Teddy fest an sich gedrückt und fühlte sich mit diesem Freund ein wenig besser.
Auch, wenn es nur ein altes Stofftier war, war es der einzige Freund, den er hatte.
Ihm konnte er alles erzählen und dieser würde ihn sicher nie enttäuschen.


Die Stimmen seiner Eltern waren jetzt so laut vernehmbar, dass er wusste, dies war nur möglich, wenn sie sich anschrien.

Den alten Teddy noch fester an sich pressend, kniff er nun auch noch die Augen fest zu, um so diese endlose Tirade auszusperren.
Dennoch drangen immer noch Wortfetzen an sein Ohr.
Sich wünschend, ganz weit weg zu sein, versuchte er sie auszublenden, konzentrierte sich auf etwas Schönes und nach einer Weile glitt er langsam in einen unruhigen Schlaf hinüber.



Irgendetwas weckte ihn.

Nur langsam ins Bewusstsein zurückkehrend, war da irgendetwas, was seinen Schlaf störte.

Diesem seltsamen und fremden Gefühl nachspürend, dauerte es etwas, bis er die Quelle dessen gefunden hatte.

Irgendetwas Weiches und Zartes berührte ihn sacht an der Wange.

„Mum?“, fragte er vorsichtig und unsicher, bekam aber keine Antwort darauf.
Doch diese sachte Berührung blieb.

Verwirrt darüber, kämpfte er sich nun vollends zurück ins Bewusstsein und versuchte mühsam seine Augen zu öffnen.
Nach ein paar Augenblicken gelang ihm dies auch.

Das Erste was er um sich herum wahrnahm, war Dunkelheit.
Dann die beinahe drückende Stille.
Also musste es sehr spät sein, wenn seine Eltern sich nicht mehr stritten und wahrscheinlich ebenfalls in ihrem Bett lagen.

Kurz dauerte es etwas bis sich seine Augen an das Dunkel gewöhnt hatten und er um sich herum wenigstens Schemen erkennen konnte.
Die Umrisse von den Pfosten seines Bettes, sein Nacht- und Kleiderschrank in der Nähe, das Fenster.
Es schien eine bedeckte Nacht zu sein, in der man nichts außerhalb der Fenster erkennen konnte. Oder es war Neumond.
Er wusste es nicht.

Da er sein Fenster erblicken konnte, musste ihm auch seine Bettdecke vom Kopf gerutscht sein, unter die er sich doch geflüchtet hatte.

Enttäuscht darüber, griff er nach dieser, wollte sie wieder über seinen Kopf ziehen und weiterschlafen, als er zum wiederholten Male diese zarte Berührung im Gesicht wahrnahm.

Nun sichtlich irritiert, lenkte er seinen Blick dorthin und schreckte augenblicklich vor Überraschung und mit einem lautlosen Schrei, zurück.

Entsetzt, krabbelte er einen Wimpernschlag später, blitzschnell, rückwärts bis zum Ende seines Bettes und starrte entgeistert auf das, was dies ausgelöst hatte.

Mit rasendem Herzschlag, hektischem Atem und weit aufgerissenen Augen sah er es einfach nur an.

Es vergingen mehrere Minuten bis er sich dazu durchringen konnte, etwas zu sagen, oder besser zu stottern: „Du…du…Das gibt es nicht! Du bist…Du bist nur ein Kuscheltier und Kuscheltiere sind leblose Gegenstände!“, versuchte er sich selbst zu überzeugen ohne das verantwortliche Etwas auch nur eine Sekunde aus den Augen zu lassen.

Zu seiner absoluten Verblüffung und entgegen jeder Vorstellung seufzte sein Gegenüber leise und schwer auf, sah ihn dann an und sprach leise: „Nein, es ist keine Einbildung, Severus! Ich bin tatsächlich lebendig!“, und sah ihn direkt an.

„Dass…das…Nein, das ist nicht wahr!“, erwiderte er immer noch geschockt.

„Doch es ist wahr, Severus! Du selbst hast mich als deinen besten Freund auserwählt und mir alles von dir berichtet! Die Sage oder der Mythos, dass Kuscheltiere und Spielzeug nur an Weihnachten lebendig werden, stimmt, aber es gibt auch Ausnahmen!“, erklärte das, nun, lebendige Plüschtier.

„Aber wie…?“, fragte er erneut und konnte es immer noch nicht glauben.

Ein weiteres, kleines Seufzten war zu vernehmen, als der Teddybär sagte: „Das ist kompliziert zu erklären. Für den Moment reicht es, dass ich da bin, um dich zu trösten und zu beschützen.“, kam die Antwort.

Nun nicht mehr ganz so unter Schock stehend, musterte er den sprechenden Teddybären eindringlich, obwohl er ihn in- und auswendig kannte.
Nachdem er ihn vor über drei Jahren in einer Muggel-Mülltonne gefunden hatte, hatte er ihn zunächst gereinigt und dann in seinem Zimmer wie einen Schatz gehütet.
Und er hatte ihm in den letzten drei Jahren alles über sich und was so in seinem Alltag geschah, erzählt, als ob er mit einem echten Freund reden würde.

Neugier stieg auf einmal in ihm auf und er fixierte den alten Bären.
Träumte er das vielleicht nur?
Immerhin geschahen oft seltsame Dinge in Träumen!

Nicht sicher, ob er diesen Gedanken laut äußern sollte, beobachtete er den Anderen genau.

Dieser kam auf einmal näher, was ihn zusammenzucken und seine Gedanken wieder auf das hier und jetzt lenken ließ.

„Bist du vielleicht eine Art Geist, der nur durch das Stofftier mit mir spricht, damit ich nicht weglaufe?“, fragte er nach einer kurzen Überlegung.

Sein Gegenüber antwortete ihm: „Nein. Du weißt ganz genau, dass ich kein Geist bin. Ich bin da, weil du es dir so sehr gewünscht hast.“

„Ich habe mir nichts gewünscht.“, kam die prompte Entgegnung.

Der alte Teddybär lächelte auf einmal und erwiderte: „Du hast es nicht laut ausgesprochen, aber dein Herz wünscht sich nichts sehnlicher als einen lebendigen Freund!“

Er quittierte diese Antwort mit Schweigen.

Sicherlich hatte er es sich gewünscht. Mehr als einmal! Und immer wieder war nichts passiert.
Immer wieder war er in dieser Hölle, die sich Zuhause nannte, erwacht und immer wieder aufs Neue hatte er sich jemanden gewünscht, der ihn beschützen und trösten würde.

Den Blick etwas senkend, war er hin- und hergerissen.
Fasziniert davon, dass die Legende um lebendige Kuscheltiere und Spielsachen tatsächlich wahr war, konnte er es dennoch nicht glauben.
Er wollte es, aber er konnte es nicht.

„Doch du kannst!“, sprach auf einmal der alte Teddybär leise in seine Gedanken hinein, was ihn wiederum zusammenzucken ließ und fühlte im nächsten Moment wieder diese sanfte, sachte Berührung auf seiner Wange.

Sich nun direkt in die Augen blickend, verharrte er und brachte kein Wort hervor.

Erst etwas Warmes, dann ein Hauch Kühle an seiner Wange fühlend, horchte er dann in sich hinein und stellte überrascht fest, dass auf einmal die pochenden Schmerzen verschwunden waren.

Verblüfft, sah er sein Gegenüber an und wagte es nun kaum zu atmen.

„So ist es doch viel besser, oder?“, fragte ihn nun der Teddybär und lächelte ihn wiederum an, während er langsam seine rechte Pfote von seiner linken Wange entfernte.
Zu keiner Antwort fähig, schwieg er.
Es war einfach unfassbar!

Der Ausdruck auf dem Gesicht des Bären war nun tief und liebevoll, als er sprach: „Ich weiß alles über dich, Sev! Du wünschst dir so sehr einen Freund und auch, wenn ich nicht für immer bei dir sein werde, werde ich solange bei dir bleiben, bis du diese Person gefunden hast!“, schwieg und lächelte ihn nun sanft an.

Hastig überlegend, formte sich eine Frage in seinem Verstand, aber noch ehe er diese laut aussprechen konnte, ergriff der Andere erneut das Wort und erklärte weiter: „Aber für heute solltest du lieber wieder schlafen gehen! Dein Tag war lang und anstrengend genug gewesen!“, und ein trauriges Lächeln umspielte mit einem Mal seine Mundwinkel.

Dann fuhr der Teddybär fort: „Wann immer du möchtest, können wir miteinander reden. Allerdings nur, solange niemand anderes in der Nähe ist oder uns beobachtet.“
Der Andere unterbrach sich erneut und setzte dann viel leiser und erheblich trauriger hinzu: „Und ich werde dich trösten, wann immer du es brauchst oder möchtest. Kein Kind hat so etwas verdient!“, und schwieg nach dieser Aussage.
Sein Gegenüber musste nichts weiter erklären.

Mit trübem und resigniertem Blick erwiderte er nichts darauf.

Aber das musste er auch nicht.

Im nächsten Moment umarmte ihn plötzlich dieser alte Bär fest und vermittelte ihm so das Gefühl von Geborgenheit, und vor allem Sicherheit.
Wie automatisch schloss er seine kleinen Arme um dieses Plüschtier, genoss diese Geste der Zuneigung und des Verständnisses, und schloss die Augen.

So sah er nicht, wie der alte Bär erneut traurig lächelte, sanft und zärtlich über seinen Rücken strich und er dann nur noch eine alles überwältigende Müdigkeit spürte.

Mit dem Gefühl von Wärme, Akzeptanz, ja, Zuneigung und Liebe ließ er sich fallen und versank, ohne dass er es richtig bemerkte, erneut in einen tiefen Schlaf. Diesmal ohne irgendwelche Alpträume.



Sein treuer Freund jedoch hielt ihn die ganze Zeit über fest, legte ihn dann behutsam zurück aufs Bett und deckte ihn zu.
Anschließend legte er sich neben den kleinen Jungen und nahm ihn wieder liebevoll in den Arm.
Er würde sein Versprechen gegenüber Severus halten.
Er würde ihm Beistand, Trost, Hilfe, Freund und Familie zugleich sein.
Auch, wenn eigentlich nichts die Geborgenheit und Liebe einer Familie ersetzen kann.
Aber manchmal war das Leben einfach so.

Severus noch einmal musternd, strich er ihm noch einmal zärtlich über die Wange und schloss nun ebenso die Augen, um auch ein wenig Schlaf zu bekommen.



-Ende-
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