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Lebenswert

OneshotAngst, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Itachi Uchiha Shisui Uchiha
07.04.2021
07.04.2021
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I never minded being on my own, then something broke in me and I wanted to go home to be where you are.

(Wish that you were here – Florence and the Machine)



Shisui war es nie sonderlich wichtig gewesen, ob er lebte oder starb. Auf Missionen übernahm er häufig die schwierigsten und gefährlichsten Aufgaben und stürzte sich zwar durchaus bedacht, aber ohne große Rücksicht auf seine eigene Sicherheit in den Kampf. Was machte es schon, wenn er starb? Er war nur einer von vielen – einer von vielen Shinobi im Dienste Konohas und auch nur einer von vielen ANBU, austauschbar, ersetzbar. Sein Leben war nichts Besonderes, nichts Wertvolles und es gab auch niemanden, der ihn vermissen würde, wenn er nicht mehr wäre. Was kümmerte es Shisui also, ob er lebte oder starb. Er fühlte sich ohnehin nicht lebendig, außer im Angesicht von Kampf und Gefahr. Wenn das Adrenalin durch seine Adern schoss, sein Herz schneller schlug, sein Blut kochte und seine Sinne geschärft waren; wenn er das Klirren von Waffen hörte, das Surren von Kunai und Shuriken und das Zischen von Chakra – dann fühlte er sich lebendig. Dann hatte sein Leben einen Wert und einen Sinn: töten, bevor man getötet wurde. Er gestand es sich nur selten ein, doch er liebte den Kampf. Die Angst in den Augen seiner Gegner, wenn sie ihn erkannten. Die Macht und die Überlegenheit, die allein sein Name mit sich brachte, geschweige denn seine Fähigkeiten...

Seine Kameraden hatten ihm, einfach weil sie es gewohnt waren, aber auch, weil er der Anführer dieser Mission war, die Vorhut und damit gefährlichste Position überlassen. Normalerweise war Shisui vor einem Kampf die Ruhe selbst – kühler Kopf, ruhiger Puls und scharfe Sinne – doch jetzt spürte er bereits wie sein Herz pochte. Und als die ersten Wachen in Sicht kamen, fing sein Puls an zu rasen, in seinen Ohren rauschte es und er spürte einen unangenehmen Druck in der Magengegend, beinahe war ihm schlecht. Er konnte nur an eines denken. Itachi. Wie ein Echo hallte sein Name mit jedem Herzschlag in seinem Geist wider. Itachi.
Fast wäre er zusammengezuckt, als Elster ihm fragend eine Hand auf die Schulter legte. Er riss sich zusammen, nickte und gab ihnen mit der Hand stumme Anweisungen. Sie rückten weiter vor, geräuschlos wie die Schatten, in denen sie sich bewegten, näher an die Wachen heran, die im Gang patrouillierten. Stopp, teilte Shisui seinen Kameraden mit. Sie hielten inne und warteten, bis eine der beiden Patrouillen um die Ecke verschwunden war, dann schlugen sie zu. Ihr Feind hauchte lautlos sein Leben aus und während Amsel ihn geräuschlos auf dem Boden ablegte, drangen die anderen mit Shisui an der Spitze weiter vor. An der Biegung hielten sie erneut inne und Shisui riskierte vorsichtig einen Blick um die Ecke. Verdammt! Die Wache hatte ihn gesehen. Jetzt galt es keine Zeit zu verlieren und zu verhindern, dass sie den Rest des Anwesens alarmierte. Shisui stürmte vor und schnitt der Wache die Kehle durch, bevor sie einen Laut von sich geben konnte, doch er übersah den zweiten Wachposten, der sich in einer Nische verborgen hatte. Sein Schwert schnitt tief in Shisuis Schulter und das Blut lief ihm heiß den Arm hinab. Itachi. Er wandte den Kopf, verbannte dem Mann ins Reich des Tsukuyomi und überließ es seinen Kameraden ihn zu töten. Sein Herz schlug viel zu schnell, panisch wie ein gefangener Vogel, bei dem Tempo würde er in wenigen Minuten verblutet sein. Itachi. Er fluchte lautlos, während er das erstbeste Verbandsmaterial aus seiner Gesäßtasche zog und auf die stark blutende Wunde drückte. Sie tat nicht weh, doch das war eher ein schlechtes Zeichen. Grundsätzlich galt, je geringer der Schmerz, desto tiefer der Schnitt und tiefer bedeutete meist auch gefährlicher. Da er seinen Arm kaum bewegen konnte, ging Shisui davon aus, dass Muskeln und Sehnen durchtrennt worden waren, im schlimmsten Fall auch Nerven. Er zog sich in die Nische zurück, in der sich zuvor die Wache verborgen hatte und lehnte sich erschöpft an die Wand. Er war müde und das war kein gutes Zeichen. Amsel und Kranich drangen weiter ins Innere des Anwesens vor. Elster blieb bei Shisui zurück und übernahm die Versorgung seiner Wunde. Sie war nicht als Iryonin ausgebildet worden, besaß in ihrem Team aber die besten medizinischen Kenntnisse und Shisui wusste, dass sie auch über grundlegende Heilfähigkeiten verfügte. Aber es wäre gefährlich dieses Jutsu jetzt anzuwenden. Das grüne Chakra wäre durch die überwiegend dünnen Papierwände wie ein Leuchtfeuer zu sehen. Es musste warten. Itachi. Shisui hatte nie zuvor wirkliche Angst empfunden, doch als Itachis Name erneut in seinem Innersten widerhallte, wurde ihm klar, dass es genau das sein musste, was er empfand – Angst. Der rasende Puls, noch bevor der Kampf überhaupt begonnen hatte, das Rauschen in den Ohren und der Druck im Magen… Shisui hatte zum ersten Mal Angst um sein Leben. Ist das normal? Fühlen die anderen auch so? Warum- Doch die Antwort darauf kannte er natürlich schon. Sie war omnipräsent, schon seit er zu dieser Mission aufgebrochen war. Itachi. Und trotzdem verstand Shisui es nicht so recht.

Er und Itachi führten keine Beziehung, sie hatten bloß eine Affäre und das auch erst seit wenigen Wochen, zwei oder drei vielleicht. Alles hatte angefangen mit Itachis sechzehntem Geburtstag, denn nun, da er langsam ins Mannesalter kam – nicht das Itachi je wie ein Kind gewirkt oder sich so verhalten hätte – fiel es Shisui auf einmal unglaublich schwer zu ignorieren, wie umwerfend sein junger Cousin war. Sie hatten vorher nie viel Kontakt miteinander gehabt, hatten kaum mehr als eine Handvoll Worte bei Clanversammlungen gewechselt und Shisui hatte auch nie wirklich einen Gedanken an Itachi verschwendet, doch plötzlich konnte er seinen Blick nicht mehr von ihm abwenden. Und Itachi – dem hochbegabten Wunderkind, das nun kein Kind mehr war – war das selbstverständlich nicht entgangen. Vor Kurzem hatte er nachts, verborgen im Schatten, vor Shisuis Haustür auf ihn gewartet und dafür, dass Itachi vermutlich noch Jungfrau gewesen war, hatte er eine Menge Entschlossenheit, Schneid und Geschick gezeigt, die Shisui überrascht und nachhaltig beeindruckt hatten. Seitdem hatten sie viele Nächte miteinander verbracht, tatsächlich konnte Shisui sich nicht daran erinnern, ob er in den letzten beiden Wochen überhaupt auch nur einmal ohne Itachi neben sich aufgewacht war. Sie redeten nicht viel miteinander, oft waren sie mit anderen Dingen beschäftigt, doch offensichtlich hatte der Kontakt zu Itachi deutlichere Spuren hinterlassen, als Shisui geahnt oder überhaupt für möglich gehalten hätte. Während seine Sinne langsam schwanden, stiegen Bilder vor seinem inneren Auge auf. Itachi, wie er friedlich neben ihm schlief, wie sein Haar im Licht der Morgensonne schimmerte, wie seine Augen aufleuchteten, wenn er ihn ansah und wie Itachi ihn am letzten Morgen angelächelt und zum Abschied geküsst hatte… Ich will nicht sterben. Klar wie ein Messer schnitt dieser Gedanke durch den betäubenden Nebel, der Shisuis Sinne trübte. Ich will nicht sterben. Shisui biss sich auf die Lippe, bis er Blut schmeckte. Der kurze Schmerzimpuls und der metallische Geschmack auf der Zunge klärten zusätzlich seine Sinne. Ich muss hier raus. Die Mission war jetzt egal, Amsel und Kranich würden sie schon erfolgreich zu Ende führen, wenn sie vorsichtig waren, aber er durfte nicht hier bleiben, nicht, wenn er überleben wollte.
Er gab Elster ein Zeichen und sie liefen den Weg zurück, den sie gekommen waren. Sie lief voran, ihre Waffen im Anschlag und tötete, wer immer ihren Weg kreuzte. Shisui hatte genug damit zu tun sich auf den Beinen zu halten und möglichst zu verhindern, dass sein Blut zu Boden tropfte und eine mehr als deutliche Spur hinterließ. Als sie das Anwesen endlich verlassen hatten, versagten ihm im Schatten der ersten Bäume die Beine und er stürzte zu Boden.
„Shisui-senpai.“, entfuhr es Elster unwillkürlich und sie kehrte schnell an seine Seite zurück, um ihn zu stützen.
„Keine Namen während der Missionen.“, ermahnte Shisui sie mit schwerer Zunge, während sie mit ihm durch die dunkle Nacht dahinflog.
„Verzeihung Senpai. Haltet durch, wir sind gleich im Versteck.“

In der kleinen Höhle angekommen, zögerte sie keinen Moment. Sie lehnte ihn gegen die Felswand, ließ das grüne Chakra aufflammen, riss den Verband von seiner Wunde und begann zusammenzufügen, was durchtrennt worden war.
„Mach nur das Nötigste, damit es aufhört zu bluten.“, wies Shisui sie an. Mit der unverletzten Hand griff er in seine Beintasche und zog die Dose heraus, in der er die verschiedenen Pillen aufbewahrte, die einem Shinobi während seiner Mission zur Verfügung standen. Wenn Elster die Blutung gestillt hatte, brauchte er unbedingt eine der blutbildenden Pillen, um den Verlust auszugleichen, den er erlitten hatte. Während er wartete, schloss er die Augen und lehnte den Kopf gegen die kühle Felswand, seine Gedanken wanderten fast augenblicklich zurück zu Itachi. Wie samtig und weich sich sein Haar zwischen seinen Fingern anfühlte, wie zart seine Haut unter seinen Lippen war, wie gut es sich anfühlte ihn zu küssen, wie glücklich er war, wenn er ihn ansah… Hätte er diese Verletzung erlitten, bevor er Itachi kennengelernt hatte, hätte er die Mission dann fortgeführt? Hätte er riskiert in Erfüllung seiner Pflicht zu sterben? Vermutlich schon. Er hätte das Risiko zu Verbluten als weniger wichtig eingestuft als das mögliche Scheitern der Mission. Doch mit Itachi war etwas in ihm erwacht, das er zuvor nicht gekannt hatte... mehr als bloßer Überlebensinstinkt – der Wille zu Leben. Er wollte nicht sterben, ohne noch einmal dieses Lächeln gesehen, ohne noch einmal diese Lippen geküsst zu haben. Er wollte leben, um nachts Itachis Körper zu spüren und morgens neben ihm aufzuwachen, um das Funkeln in seinen Augen zu sehen und seine sanfte Stimme zu hören… Ist das… Liebe?  Was auch immer es war, das er empfand, es war es wert, dafür zu leben.


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Was ist wohl Shisuis Deckname? (Keine allzu schwierige Frage, ich weiß)
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