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Still Into You

GeschichteRomance, Freundschaft / P12 / Het
Hinata Shouyou Iwaizumi Hajime Kageyama Tobio OC (Own Character) Oikawa Tooru
07.04.2021
06.05.2021
8
9.978
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06.05.2021 1.331
 
Himawari konnte spüren, wie sich die irritierten Blicke des Karasuno-Teams in ihren Rücken bohrten, doch Toorus Blick nun auszuweichen, kam nicht in Frage. Sonst fühlte er sich nur wieder überlegen, und Himawari wollte das Ego des Zuspielers nicht unnötig füttern.

Der Ältere sah an Himawari vorbei zu Tobio, welcher sich ebenfalls umgedreht und das Gesicht zu einer angespannten Grimasse verzogen hatte. Unwohlsein machte sich in Himawari breit, denn bis auf Tobio und Natsumi wusste niemand davon, dass Himawari und Tooru sich miteinander angefreundet hatten, und Toorus Aussage trug nicht unbedingt dazu bei, dass sie sich weniger Gedanken darüber machte, das das Team nun dachte.

Ausgerechnet Kei war es, der die unangenehme Stille in gewohnter Rücksichtslosigkeit auf die Situation durchbrach. „Sieh‘ mal einer an – Aoba Johsais Kapitän steht auf unsere Aushilfs-Krähe.“

„Lass‘ gut sein, Tsukishima! Du siehst doch, dass sich Kageyama unwohl fühlt“, ermahnte Herr Ukai den blonden Erstklässler. Da sprach der Trainer wohl unbewusst von beiden Geschwistern, denn auch Tobio schien mit Keis Aussage überfordert zu sein. (Tsk, und was sollte überhaupt diese Bezeichnung? Aushilfs-Krähe! Dieser Lauch hatte vielleicht Nerven!) Der Einzige, dem das ganze nichts ausmachte, war natürlich Tooru selbst, der sich nun Natsumi zuwandte.

„Hey! Du musst Hima-chans Freundin sein. Natsumi – richtig?“

Miyamura, korrigierte die Braunhaarige den Zuspieler eindringlich.

„Ha, ha, klar doch. Freut mich, dich kennenzulernen. Ich bin Oikawa Tooru, aber Hima-chan hat dir bestimmt schon von mir erzählt. Nur Gutes, hoffentlich!“

Da war es wieder, dieses falsche Lächeln. Und langsam fing es wirklich an, Himawari zu stören. Sie erhob sich und drehte sich um, und auch Tooru richtete sich wieder auf und blickte herausfordernd auf die kleinere Schülerin hinunter. Himawari öffnete den Mund, um  Tooru zu Recht zu weisen, doch sie kam gar nicht dazu, denn Iwaizumi Hajime tauchte aus dem Nichts auf und schlug Tooru mit der Faust auf den Kopf.

Jammernd krümmte sich der Zuspieler zusammen und fluchte leise vor sich hin.

„Hatte ich dir nicht gesagt, dass du dich zusammenreißen sollst, Scheißkawa? Belästige Kageyama gefälligst nicht!“, motzte Hajime aufgebracht. Dann wandte er sich Himawari zu und verbeugte sich.

„Es tut mir so leid. Dieser Vollidiot hat absolut kein Feingefühl.“

Was er nicht sagte! Himawari verschränkte die Arme vor der Brust und seufzte. „Ist schon in Ordnung, wirklich. Ich weiß zu schätzen, dass du ihn einbremsen willst, Iwaizumi-san, aber da kann man glaub‘  ich nichts mehr machen.“

Schmollend rappelt sich Tooru auf. „Also wirklich, Iwa-chan, das tut doch weh!“

„Hat er verdient...“ Es war Tobio, der diese Worte leise hinter Himawaris Rücken murmelte. Die Ältere der Kageyama-Geschwister ahnte, dass die angespannte Stimmung nicht verfliegen würde, solange Tooru  anwesend war, deshalb sah es Himawari als ihre Pflicht, die Situation zu entschärfen.

„Oikaw–...Tooru, bitte geh‘ jetzt.“ Jetzt wieder darauf zu bestehen, einander beim Nachnamen zu nennen, wäre nur peinlich.

Der Ältere freute sich überhaupt nicht darüber, dass Himawari ihn wegschickte – das erkannte sie an seiner ausdruckslosen Miene, doch er schien auch zu verstehen, dass sie ihre Meinung nicht mehr ändern würde.

„Aber das Roboter-Restaurant steht noch, oder?  Heute Abend nach dem letzten Trainingsspiel?“, fragte er. Klang da etwa ein unsicherer Unterton in seiner Stimme mit? Unsicherheit war wohl das letzte Gefühl, von dem Himawari erwartet hätte, dass es der Zuspieler verspüren konnte.

„Ja. Ja, natürlich.“

Sie blickte Tooru nach, welcher von Hajime von der Karasuno-Gruppe weggeschliffen wurde, dann drehte sie sich zum Volleyballteam um. Wie von der Tarantel gestochen wirbelten das Team und Natsumi herum und starrten unbeteiligt aufs Spielfeld, als hätten sie die letzten fünf Minuten nichts gehört und gesehen, nur Tobio sah noch immer zu Himawari, als sich diese wieder hinsetzte.

„Hima–“

„Nicht jetzt, Tobio. Und ich will von dir nicht mehr hören, dass Tooru es verdient hat, von Iwaizumi-san geschlagen zu werden, hast du verstanden?“, tadelte die Ältere. Ihr Bruder schnaubte, dann verfolgte auch er wieder den Volleyball.

*

„Das vorhin tut mir leid. Ich glaube, ich habe den Bogen überspannt.“

Okay, das kam unerwartet. Himawari war mit dem Vorhaben auf Tooru zugesteuert, ihm endlich einmal ordentlich die Leviten zu lesen, aber die Ehrlichkeit des Zuspielers war nicht zu überhören, als Himawari nach dem letzten Trainingsspiel vor ihm stehen blieb. Die Schwarzhaarige seufzte und schob die Hände in die Taschen ihres dunkelblauen Hoodies.

„Das hast du wirklich. Konzentrier‘ dich in Zukunft bitte darauf, deine Gegner auf dem Spielfeld zu provozieren, und nicht Tobio und seine Freunde. Zumindest nicht, wenn ihr nicht gegen die Karasuno spielt.“

Sie ging neben Tooru in Richtung der nächsten Straßenbahn, mit der sie in den Stadtteil Akihabara fahren würden.

Tobio und seine Freunde, hm? Hätte nie gedacht, dass ich das mal zu hören bekomme.“

„Mensch, Tooru... Ist es denn so schwierig für dich zu akzeptieren, dass sich Tobio geändert hat? Endlich denkt er nicht mehr nur an sich selbst, sondern geht auf die Bedürfnisse seiner Kameraden ein. Das ist doch etwas, das gerade du schätzen solltest, oder?“

In der Straßenbahn ergatterten die beiden zwei Plätze nebeneinander.

„Aber doch nicht, wenn er mich dadurch übertrifft. Für mich sind dein Bruder und Ushijima Wakatoshi von der Shiratorizawa meine größten Rivalen. Daraus, dass sich Tobio jetzt so gefangen hat, ziehe ich nur Nachteile.“

Eine aufrichtige Antwort, mit der Himawari nicht gerechnet hatte. Sie war immer der Meinung gewesen, dass Tooru Tobio nicht ernst nahm und ihn nur als lästigen Klotz am Bein sah. Stattdessen stellte er ihn auf ein Podest mit einem der Top Drei Asse Japans – und sich selbst sah Tooru anscheinend nicht auf einer Wellenlänge mit den beiden. Und dennoch: Diese Begründung rechtfertigte Toorus Verhalten nicht. Sie boxte ihm mit der Faust schwach gegen den Oberarm.

„Das ist lächerlich, Tooru. Wenn du an die Spitze willst, dann verfolge dieses Ziel, weil du das Volleyballspielen liebst. Setz‘ dich doch nicht selbst so sehr unter Konkurrenzdruck!“

Wieder schmollte Tooru und blickte aus dem Fenster.

„Du hast ja keine Ahnung vom Leistungssport. Rivalitäten sind da ganz normal.“

„Das stimmt schon. Trotzdem bin ich der Meinung, dass man sich nicht mit anderen Menschen vergleichen, sondern stattdessen daran arbeiten soll, sich selbst ständig zu verbessen und zu übertreffen. Kannst du deinen eigenen Wert wirklich nur daran messen, wie gut oder schlecht du im Gegensatz zu deinen Konkurrenten bist?“

Keine Reaktion. Tooru, welcher sonst immer auf alles eine Antwort oder zumindest eine Verteidigung parat hatte, schwieg. Ausnahmsweise war es nun also Himawari, die triumphierend grinste. Diesen Moment musste man doch festhalten! Sie kramte nach ihrem Handy und hob es auf die Höhe des Gesichts des Älteren.

Tooru.“

Der Zuspieler drehte den Kopf zu ihr und Himawari machte einen Schnappschuss. Sie ließ die Hände sinken  und betrachtete Toorus Gesichtszüge, die im Licht der tief stehenden Sonne unglaublich entspannt waren. Kein falsches Lächeln, kein Schmollen, keine irritierte Grimasse. In diesem Moment war Tooru nicht mehr so unnahbar, wie Himawari immer geglaubt hatte.

„Was denn? Erst fotografierst du mich ungefragt, und jetzt starrst du mich an. Stehst du etwa doch auf mich, Hima-chan?“

Stehst du etwa doch auf mich, Hima-chan?

Toorus Frage brannte sich in ihren Verstand und vernebelte Himawaris Gedanken. Was das der Grund, weshalb sie vorhin eifersüchtig auf die Mädchen gewesen war, die Tooru umzingelt hatten? Oder weshalb sie immer lächelnd musste, wenn sie an ihn dachte? Doch weshalb ausgerechnet er?

Tooru war nicht sonderlich aufrichtig und er machte sich einen Spaß daraus, andere Menschen zu provozieren. Charaktereigenschaften, die Himawari abstießen. Aber zu ihr war er immer freundlich gewesen, es hörte ihr aufmerksam zu, wenn sie ihm etwas erzählte und obwohl die beiden in manchen Dingen unterschiedlicher Meinung waren, kamen sie gut miteinander zurecht. Sie hatte sich noch nie unwohl in seiner Gegenwart gefühlt, und obwohl Himawai noch immer nicht so ganz verstand, weshalb, bemühte Tooru sich, ihr gegenüber ein aufrichtiges Verhalten an den Tag zu legen.

„Hallo? Erde an Hima-chan? Dir hat’s wohl die Sprache verschlagen, hm?“

Tooru grinste, dann sah er wieder aus dem Fenster.

„Lass dir Zeit mit deiner Antwort. Ich warte auf dich.“
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