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Still Into You

GeschichteRomance, Freundschaft / P12 / Het
Hinata Shouyou Iwaizumi Hajime Kageyama Tobio OC (Own Character) Oikawa Tooru
07.04.2021
06.05.2021
8
9.978
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30.04.2021 1.286
 
„Sag mal, Kageyama... Wie beschissen ist dein Immunsystem eigentlich?“

Tooru klang am anderen Ende der Telefonleitung nicht weniger deprimiert als Himawari. Diese lag – die Wangen angeschwollen, die Nase verstopft und die Augen tränend – in eine dicke Decke gewickelt in ihrem Bett und griff mit der freien Hand nach dem fünfzigsten Taschentuch an diesem Tag.

„Ha, hah... Für jemanden, der so falsch lächelt, bist du ja ganz schön direkt–“ Ein Niesen. Dann noch eines. Und ein drittes. Himawari hatte sich wirklich auf das Treffen mit Tooru in Tokio gefreut. Die Haupstadt war zwar mit dem Zug eine Stunde entfernt, doch der Zuspieler der Aoba Johsai hatte so sehr von einem Restaurant geschwärmt, in dem das Essen von Robotern serviert wird, dass Himawari den Weg gerne auf sich genommen hätte.

„Das hast du dir bestimmt eingefangen, weil du letzte Woche auf dem Schulfest in diesem dünnen Maid-Kostüm rumgelaufen bist“, warf er ihr an den Kopf. Himawari seufzte und steckte den Kopf aus ihrem Kokon aus Stoff und Federn.

„Aber ich hab‘ doch so niedlich ausgesehen“, verteidigte Himawari ihre Kleiderwahl.

„Ja, das schon, aber du siehst doch, was wir jetzt davon haben.“

Oh, Tooru fand also auch, dass sie niedlich ausgesehen hatte? Das wunderte sie. Himawari schätzte den Älteren nicht als jemanden ein, der auf Cosplays stand. Aber bitte. Sinn und Zweck des Treffens hätte ja sein sollen, einander besser kennenzulernen.

Jemand klopfte an ihrer Zimmertür, deshalb bat Himawari Tooru einen Augenblick zu warten.

„Komm rein!“, rief sie und wenige Sekunden später steckte Tobio den Kopf in ihr Zimmer.

„Ich fahre mit Mama und Papa in den Supermarkt. Möchtest du auch etwas?“

„Haben wir noch Eistee?“

„Mensch, Hima – das Zeug muss dir doch mittlerweile durch die Adern fließen... Ich sehe mal nach, ansonsten kaufen wir welchen. Ich hab‘ mein Handy dabei, wenn etwas sein sollte.“

Himawari lächelte ihren Bruder an. „Okay, hab‘ dich lieb.“

„Ich dich auch. Bis später.“

Der Jüngere schloss die Tür hinter sich und Himawari hielt ihr Handy wieder ans Ohr.

„Sag mal, Kageyama, weiß Tobio eigentlich, dass wir heute nach Tokio fahren wollten?“

Tja, das war wohl wirklich ein schwieriges Thema, das Tooru da ansprach. Es war nicht so, dass sie ein großes Geheimnis daraus machen wollte. Und ihren Bruder anzulügen kam absolut nicht in Frage. Aber weil Tooru nun mal Tooru war, und Tobio nun mal Tobio, und die beiden Jungen ja nicht so wirklich gut aufeinander zu sprechen waren, hielt Himawari es für besser, dem Jüngeren vorerst nichts zu erzählen von als was auch immer man die Beziehung zwischen ihr und dem Zuspieler der Aoba Johsai beschreiben konnte. (Als Freundschaft? Wohl kaum. Eher als Bekanntschaft, auch, wenn dieser Begriff altmodisch war.)

„Nicht so ganz. Ich habe ihm gesagt, dass ich ein Geburtstagsgeschenk für meine Freundin Natsumi kaufen will. Das stimmt auch, weil ich dich sowieso gefragt hätte, ob du noch mit mir einkaufen gehst. Aber dich habe ich nicht erwähnt.“

„Denkst du, dass Tobio ein Problem damit hätte?“

„Interessiert dich das denn? Machst du dir wirklich so viele Gedanken darüber, was Tobio von dir hält?“, fragte sie ganz direkt. Irgendwo musste sie ja anfangen, und Himawari fand, wenn sie wirklich mit Tooru zurechtkommen wollte, dann musste sie früher oder später wissen, ob etwas – und wenn ja, was – zwischen den beiden Zuspielern vorgefallen war.

„Mir ist egal, was er von mir hält. Aber vielleicht fühlt er sich von dir hintergangen, wenn er erfährt, dass du dich mit dem Feind verbrüderst.“

Ein schwaches Lachen verließ Himawaris Lippen.

„Übertreib‘ doch nicht, Oikawa... Ich bin wirklich müde. Ist es in Ordnung, wenn ich mich am Nachmittag bei dir melde?“

„Na klar. Schlaf gut, Kageyama, und träum was Schönes. Am besten natürlich von mir!“

„Nein, danke. Ich fühl mich schon krank genug  – auf Albträume kann ich verzichten.“

Himawari legte auf und blickte lächelnd auf den Bildschirm ihres Handys, auf dem der Name des Zuspielers angezeigt wurde.

*

„Geht’s dir schon besser?“

Tobio betrat Himawaris Schlafzimmer, in dem sie sich nach dem Mittagessen wieder zusammengerollt hatte. Der Jüngere setzte sich neben die Beine seiner Schwester auf deren Bett und reichte ihr eine Tasse Kräutertee. Nicht unbedingt Himawaris Lieblingssorte, aber ihre Mutter war der Meinung, dass Eistee nicht die richtige Wahl bei einer Erkältung war.

„Ein wenig, ja.“

Vielleicht war es die Tatsache, dass Hima nicht vollständig bei Sinnen war. Aber seit sie von ihrem Nickerchen am Vormittag aufgewacht war, musste sie andauernd daran denken, ob sie Tobio nicht doch von Tooru erzählen sollte. Früher oder später musste sie das Thema ja sowieso ansprechen.

„Tobio, wie fändest du es eigentlich, wenn ich Oikawa treffen würde?“

Anstatt auch nur ansatzweise aus allen Wolken zu fallen, starrte Tobio seine Schwester ein paar Sekunden lang an, dann neigte er fragend den Kopf zur Seite.

„Redest du von einem Date?“

„Gott, nein – nichts liegt mir ferner, als das. Aber mich interessiert, wie er so abseits des Spielfeldes ist. Du kanntest ihn doch damals privat auch nicht so gut, oder?“

Tobio stimmte mit einem Kopfschütteln zu. „Ich glaube, so richtig weiß nur Iwaizumi, wie Oikawa tickt. Hast du heute Morgen mit ihm telefoniert? Ich habe nicht gelauscht, aber als ich aus meinem Zimmer in die Küche gegangen bin, habe ich gehört, wie du von einem falschen Lächeln gesprochen hast. Und ich weiß, dass Oikawa auf dem Schulfest war. Wolltest du mir nicht erzählen, dass du Kontakt mit ihm hast, weil du Rücksicht auf meine Gefühle genommen hast?“

Himawari schwieg. Tobio wurde oft falsch eingeschätzt, nur die wenigsten Leute, die ihm begegneten, ahnten, wie viel emotionale Intelligenz wirklich in ihm steckte. Aber Himawari hatte schon immer gewusst, was für ein schlauer Junge ihr Bruder war, denn er durchschaute sie mindestens genauso gut, wie sie ihn.

Tobio seufzte.

„Das ist nett von dir, Hima, aber wenn du wirklich mehr über Oikawa wissen willst, dann musst du dir deine eigene Meinung über ihn bilden, und dich nicht von meinen Erfahrungen mit ihm beeinflussen lassen. Ich sage nur, dass für Oikawa niemals etwas über dem Volleyball stehen wird. Er schätzt Freundschaften nicht so, wie du es dir vielleicht erhoffst.“

Ja, den Eindruck hatte Himawari schon gehabt, als sie das Spiel zwischen der Karasuno und der Seijo verfolgte. Bis auf Hajime schien Tooru die Beziehung zu seinen Mitspielern strikt auf das Volleyballspielen zu beschränken. Konnte sich so eine Persönlichkeit auf einer Wellenlänge mit jemandem wie Himawari befinden, die gerne wertvolle Bande schloss und ihr größtes Vertrauen jenen schenkte, denen sie nahe stand, und die sie gerne mochte?

Tobio beugte sich zu Himawari und legte eine Hand auf ihre Stirn. „Fieber hast du zum Glück noch immer keines, aber wenn du dich morgen auch noch nicht besser fühlst, bliebst du am Montag noch zuhause, hat Mama gesagt.“

Himawari nickte, während Tobio sich erhob, um anschließend das Zimmer zu verlassen. Sie griff nach ihrem Handy auf dem Nachttisch und öffnete einen neuen E-Mail-Verlauf mit Tooru.

Betreff: Unser Nicht-Date

Ihr fahrt doch bestimmt zum Oberschul-Turnier, oder? Ich fahre auch nach Tokio, um Tobios Team anzufeuern. Gehen wir danach in das Roboter-Restaurant? Tobio weiß jetzt, dass wir Kontakt miteinander haben. Es ist in Ordnung für ihn.

Sie schickte die Mail ab. Fünf Minuten später bekam sie eine Antwort.

Betreff: Aw: Unser Nicht-Date

Aw, du bist ja ganz verbissen darauf, das Treffen nicht als Date zu bezeichnen! Willst du meine Gefühle verletzen?

Wohl eher sein Ego. Himawari verdrehte die Augen, dann las sie weiter.

Ich mach nur Spaß. Ich freue mich schon darauf, dich zu sehen. Und richte unserem süßen Tobio doch mein herzliches Dankeschön aus, dass er sich so kampfunwillig geschlagen gibt! :D

Betreff: Aw: Aw: Unser Nicht-Date

Also, so langsam kann ich richtig nachempfinden, weshalb dich Iwaizumi-san immer schlagen will.
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