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Still Into You

GeschichteRomance, Freundschaft / P12 / Het
Hinata Shouyou Iwaizumi Hajime Kageyama Tobio OC (Own Character) Oikawa Tooru
07.04.2021
06.05.2021
8
9.978
4
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Dieses Kapitel
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08.04.2021 1.202
 
Vor drei Jahren...



War es denn nicht etwas zu viel von jungen Menschen, wie Himawari, verlangt, dass sie sich im zarten Alter von siebzehn Jahren schon dafür entscheiden sollten, was sie denn nach ihrem Schulabschluss für den Rest ihres Lebens machen wollten?

Der Karrierebogen, den ihre Klassenlehrerin Frau Kurosaki in der letzten Unterrichtsstunde des ersten Schultags nach den Frühlingsferien ausgeteilt hatte, lag noch immer unangetastet vor Himawari, welche mit zusammengezogenen Augenbrauen das Blatt vor sich auf dem Tisch anstarrte. Das Klassenzimmer der 2-4 war Großteils leer, nur diejenigen unter ihren Mitschülern, denen noch außerschulische Klubaktivitäten bevorstanden, verbrachten die Mittagspause mit Essen und Plaudern.

„Hima, sieh mal, ich glaube, Tobio will etwas von dir.“

Es war die Stimme ihrer besten Freundin, die sie aus ihren Gedanken riss. Natsumi saß vor ihr und deutete zur Eingangstür, hinter der ihr jüngerer Bruder hervorlugte. Tobio war gezwungenermaßen auf der Karasuno Oberschule gelandet, nachdem er durch die Aufnahmeprüfung der prestigeträchtigen Shiratorizawa Akademie gefallen war. Aber Karasuno war - wie Himawari fand - auch ganz okay. Früher einmal hatte das schulische Volleyballteam sogar große Erfolge erzielt, was nicht zuletzt ihrem ehemaligen Ass zu verdanken war. Himawari nahm an, dass es bei Tobios Auftauchen um genau dieses Thema ging.

„Du kannst ruhig reinkommen, Tobio. Meine Klassenkameraden beißen nicht“, meinte Himawari lächelnd und winkte ihren Bruder zu sich. Dieser zögerte, betrat dann aber den Raum und verbeugte sich höflich in die siebenköpfige Runde. Vor allem ihre Mitschülerinnen musterten den Schwarzhaarigen neugierig (sehr zur Missgunst der Jungen), doch dann wandten sie sich wieder ihren eigenen Angelegenheiten zu.

„Hallo, Miyamura“, begrüßte er Natsumi knapp und blieb neben Himawaris Tisch stehen.

„Zeigst du mir, wo die zweite Sporthalle ist? Montags trainiert dort das Volleyballteam, richtig?“, fragte Tobio und umklammerte mit den Händen fest den Träger seiner Schultasche. Himawari nickte, stopfte den Karrierebogen und ihr Federmäppchen in ihren eigenen Rucksack und erhob sich anschließend. Die Geschwister verabschiedeten sich von Natsumi und verließen anschließend gemeinsam das Klassenzimmer.

Auf dem Weg zur Sporthalle wollte Himawari von ihrem Bruder wissen, wie sein erster Schultag denn so gelaufen war, doch wie üblich war Tobio sehr wortkarg, deshalb gab er keinen weiteren Kommentar von sich, als zu sagen, dass alles ganz okay war. Himawari seufzte, tätschelte aufmunternd Tobios Rücken und meinte, dass er schon noch Anschluss finden würde. Es lagen ja schließlich noch drei Jahre an der Karasuno vor ihm.

„Da wären wir. Hier um die Ecke ist ein Getränkeautomat, und hinter der Sporthalle sind die Umkleidekabinen und Lagerräume der Sportklubs. Der Kapitän des Volleyballteams heißt Sawamura Daichi. Er geht in die dritte Klasse und ist ein wirklich guter Kerl, deshalb hab keine Angst davor, dich an ihn zu wenden, wenn du etwas brauchst, okay?“ Himawari blieb vor der Treppe in die Sporthalle stehen und legte die Hände auf Tobios Schultern. Ihr Bruder richtete den Blick stur auf den Boden und Himawari konnte sich gut vorstellen, was gerade in seinem Kopf abging.

„Hey! Sieh deine ältere Schwester an, wenn sie mit dir spricht“, tadelte die Schwarzhaarige den Jüngeren, welcher ihrer Anweisung brav folgte.

„Hör mal, Tobio. Ich weiß, dass du dir Sorgen darüber machst, ob du in dieses Team passt, aber du gehst jetzt nicht mehr auf die Kitagawa Daiichi. Hier hast du die Möglichkeit, noch einmal von vorne anzufangen.“

„Aber was, wenn dieses Team auch nicht mit mir mithalten kann?“, sprach Tobio seine Bedenken laut aus. Es war das erste Mal, dass er seine Sorge Himawari gegenüber äußerte. Die Älter ließ eine Hand sinken und hob die andere auf Tobios Kopf, um ihm mit den Fingern die Haare zu zerzausen. Beleidigt verzog ihr Bruder das Gesicht, ließ die geschwisterliche Schikane aber über sich ergehen.

„Ach, Tobio, du solltest echt mal deine Einstellung ändern. Ich hab dich lieb, aber du als Sportskanone müsstest ja wohl am besten wissen, dass die Arroganz des Einzelnen früher oder später das Rückgrat des ganzen Teams brechen wird. Lerne deine neuen Kameraden erst einmal kennen und höre dir an, was sie zu sagen haben - dann kannst du noch immer entscheiden, ob du das hier wirklich willst.“

„In... In Ordnung. Danke, Hima.“

Da wurde Tobio ja direkt verlegen! Himawari grinste und ließ von dem Jüngeren ab. Weil die Aktivitäten des Geschichteklubs, in dem sie Mitglied war, immer donnerstags stattfanden, verabschiedete sie sich von Tobio, den sie wahrscheinlich erst wieder beim Abendessen sehen würde, und ging zu den Schließfächern im Eingangsbereich der Oberschule, um ihre Schuhe zu wechseln. Bevor sie das Gebäude verlassen konnte, entdeckte sie Daichi und zwei andere Jungs, welche ebenfalls im Volleyballteam waren, Tanaka Ryuunosuke und Sugawara Koushi. Himawari beeilte sich, zu den dreien aufzuschließen, und rief nach Daichi.

„Oh, hallo, Himawari. Schön, dich zu sehen - wie waren deine Ferien?“, fragte Daichi lächelnd. Himawari kannte den Kapitän des Volleyballteams etwas besser, weil Natsumi in der ersten Klasse ein halbes Jahr mit ihm zusammen war, bis sie realisiert hatte, dass sie auf Mädchen stand. Daichi hatte diese Tatsache als Trennungsgrund besser aufgenommen, als Natsumi erwartet hatte, deshalb gab es auch keine Anspannung zwischen ihnen.

„Viel zu kurz, wie immer“, antwortete sie ehrlich. „Kann ich kurz unter vier Augen mit dir sprechen?“

Daichi stimmte zu und bat Koushi und Ryuunosuke, schon einmal zur Sporthalle zu gehen, dann richtete er seine Aufmerksamkeit auf Himawari.

„Ich hatte dir doch erzählt, dass mein Bruder ab heute auf die Karasuno geht, richtig?“

„Ah, stimmt. Tobio, richtig?“

Himawari nickte.

„Genau. Es ist so... Tobio wartet in der zweiten Sporthalle, weil er gerne eurem Team als Zuspieler beitreten möchte. Ich will dich nicht darum bitten, ihn wegen mir aufzunehmen, sondern vielmehr darum, ihm - trotz des ersten Eindrucks, den er dir vermitteln wird - eine Chance zu geben. Mein Bruder wurde, als er in der Mittelschule war ‚König des Spielfelds‘ genannt. Zwar streite ich nicht ab, dass Tobio wohl ein überdurchschnittlich guter Volleyballspieler ist, doch den Spitznamen hat er nicht wegen seines Talents bekommen.“

Betroffen ließ Himawari den Blick sinken, als die Erinnerungen an jenes Volleyballspiel ihre Gedanken füllten.

„Bei seinem letzten Spiel in der Mittelschule haben sich seine Kameraden gegen ihn gestellt und sein Zuspiel verweigert, sodass er auf die Bank verbannt wurde. Mein Bruder... Ihm mangelt es an Teamgeist. Er erwartet, dass sich seine Kameraden an sein Zuspiel anpassen, weil er glaubt, nur so könnten sie gewinnen. Zwar ist es wahr, dass Tobios Team in der Vergangenheit nie ein Spiel verloren hat, doch die Kluft zwischen ihm und seinem Team wurde dadurch immer größer.“

Himawari wusste, wie sehr Tobio seinen Spitznamen verachtete, denn er verband ihn unweigerlich mit dem Verrat durch seine Kameraden. Er würde es nie zugeben, doch die Ausgrenzung hatte ihn mehr verletzt, als ihm lieb war. Sie ballte die Hände zu Fäusten und verbeugte sich tief vor Daichi. Sie konnte ihrem Bruder die Last, welche auf seinen Schultern lag, nicht abnehmen. Doch als ältere Schwester war es ihre Pflicht, ihm zumindest den Weg frei zu räumen, sodass er nicht ins Schwanken geriet.

„Bitte gib Tobio die Chance, jemanden zu finden, der seine Bälle annehmen kann, damit in Zukunft jeder Sieg, den er erringt, ein aufrichtiger Sieg ist, auf den er stolz sein wird!“

Ja - in einer Sache war sich Himawari ganz sicher: Wenn Tobio auf die Überholspur wollte, dann brauchte er dazu das Team der Karasuno Oberschule.
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