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Eine "The Walking Dead" Geschichte: Das Tagebuch einer Verdammten

GeschichteHorror, Action / P16 / Gen
OC (Own Character)
07.04.2021
07.04.2021
1
2.055
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Hallo, viel Spaß mit dem ersten Kapitel meiner Fanfiktion, die da heißt: "Das Tagebuch einer Verdammten". Ich habe sehr, sehr lange für dieses Kapitel gebraucht. Nicht, dass es dadurch irgendwie besonders gut geworden ist - ich hoffe jedoch, dass es euch Spaß macht, es zu lesen. Ich suche übrigens noch sehr gerne einen Probeleser für das nächste Kapitel, sollte ich eines veröffentlichen. Ansonsten, lasst gerne einen Kommentar da. Liebe Grüße!
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Es war ein kalter, grauer Tag. Der Wind wehte durch die Bäume und die Äste tänzelten. Die Sonne konnte sich nicht durch die dichten Wolken kämpfen und so bot sich Adriana ein trostloses Antlitz ihrer Nachbarschaft. Vor wenigen Tagen wurde in und um die Rembrook Street, in der Adriana zusammen mit ihrem Vater und ihrem Bruder wohnte, eine militärische Sperrzone errichtet. „Zivilisten werden in diese Gebiete evakuiert. Dort, also hier, kann ihnen Schutz geboten werden, Mat“, erklärte Adrianas Vater. „Wir sind hier sicher“, versicherte er. Doch jetzt, wenige Stunden, nachdem die Soldaten aus der Sperrzone verschwunden sind, fühlte es sich nicht mehr sicher an. Adriana und Matthew waren auf sich gestellt und auch die Anwohner und einige flüchtige Zivilisten wurden zurückgelassen. „Sie werden bald wieder kommen“, murmelte Adriana vor sich hin, als sie aus dem Fenster des Esszimmers auf die Straße blickte. „Sie müssen!“ Adriana drehte sich zu Deirdre um. Deirdre war eine Schulfreundin von Adriana und sie fand bei den Ellis‘ Obdach, als die umliegenden Nachbarschaften zu einer Sperrzone zusammengeschlossen wurden. Fern von ihrer Familie. Adriana griff nach Deirdres Hand. Sie erkannte, dass ihre Freundin ängstlich war. Adriana hatte ebenfalls Angst, doch sie gab ihrem Vater ein Versprechen. Sie musste zunächst stark bleiben. „Natürlich, Dee, die lassen uns nicht in Stich.“ Adriana war sich im Klaren, wie hoffnungslos sie klangen musste. Doch Deirdre nahm diese Aussichtlosigkeit ihrerseits ohnehin nicht wahr. Sie war mit ihren Gedanken bei ihrer Familie. Und auch das wusste Adriana. Adriana hatte immerhin noch ihren Bruder um sich, doch Deirdre war allein. „Hör mal, Shipodah Falls ist groß. Rembrook Street wird nicht die einzige Sperrzone sein, die errichtet wurde. Vielleicht wird unsere Sperrzone mit einer anderen Zone zusammengetan und dort könnten deine Eltern sein“, erklärte Adriana.

„Und was ist mit Dad“, ertönte hinter Deirdre und Adriana eine Stimme.

„Er ist… dort, bei den Soldaten. Er ist in Sicherheit. Und kommt bald wieder.“

„Aber ich dachte, hier sei es sicher.“

Matthew trat vor zu den beiden Mädchen. Er war vielleicht erst zwölf Jahre alt, doch er war intelligent und Adriana konnte ihm nicht so schnell etwas vormachen. Das wurde Adriana in diesem Moment einmal mehr klar. Er hatte Recht. „Ja, Mat, aber er ist krank. Er hat diese… diese Krankheit, und sie ist gefährlich. Hier konnte man ihm nicht helfen und die Soldaten haben ihn mitgenommen“, erklärte Adriana, wohlwissend, dass ihre Erklärung womöglich mehr Fragen eröffnete, als sie beantwortete. „Klar“, murmelte Matthew und gesellte sich zu Adriana und Deirdre an das Fenster. Nun blickten sie alle drei aus dem Fenster. Kurz nachdem die Soldaten der Armee die Sperrzone verließen, begannen auch einige Zivilisten, das Lager zu verlassen. In der Rembrook Street selbst dürften nicht mehr allzu viele Anwohner geblieben sein. Gegenüber der Familie Ellis‘ wohnte ein altes Ehepaar und von denen wusste Adriana, dass sie noch dort waren. Doch die Rembrook Street war groß und es gab bestimmt noch mehr verbliebene Anwohner. Nur wie viele und wer, das blieb bisher noch unklar.

Bisher, denn eine Frau trat in das Sichtfeld der drei Kinder, die auf die Straße blickten. Sie ging den Gehweg entlang. Sie sah nicht krank aus. Das Gesicht war Adriana und Matthew bekannt.

„Das ist doch Misses Berg“, schlussfolgerte Matthew richtig.

„Ja du hast Recht“, antwortete Adriana, „Und wie es aussieht, will sie zu uns“.

Frau Berg war eine Einwanderin, soviel war Adriana und Matthew bekannt. Ihr Vater erzählte ihnen eines Tages mal von der Geschichte der Bergs. Doch viel haben sie sich nicht gemerkt. Irgendwann vor ein paar Jahren zog Frau Berg zusammen mit ihrem Ehemann, Herrn Berg, und ihren Söhnen in die Rembrook Street. Der Kontakt zu den Bergs war eher wage, nur Matthew unternahm einige Male etwas mit den Söhnen der Bergs. Sie waren Zwillinge. Die Bergs waren freundliche Menschen, soviel war klar, lediglich etwas unscheinbar. „Misses Berg kommt auf unser Haus zu, sie will zu uns!“ Das hatte Matthew richtig erschlossen. Frau Berg trat vor auf das Grundstück von den Ellis und erblickte dabei die Kinder, die aus dem Fenster schauten. Sie lächelte und deutete auf die Haustür. Adriana verstand die Geste und ging in Richtung Eingang. Matthew und Deirdre folgten ihr. Es klopfte kurz und Adriana öffnete die Tür.

„Hallo, Misses Berg“, grüßte Adriana ihre Nachbarin.

„Hallo Adriana, Hallo Matthew. Und Hallo… Wie ist dein Name“, fragte Sie.

„Das ist Deirdre. Sie kommt bei uns unter. Eine Freundin“, erklärte Adriana.

„In Ordnung. Hallo Deirdre. Wie schön, dass es euch gut geht“, sagte Frau Berg.

Das Gespräch verlief stockend. Es schien, als hätte Frau Berg ein Anliegen, sie wusste jedoch nicht so Recht, wie sie es ansprechen sollte. Einige Sekunden vergingen. Matthew und Deirdre sagten nichts, auch Adriana zögerte. Doch dann wollte Adriana das Gespräch zum Laufen bringen: „Gibt es irgendetwas, dass wir für Sie tun können, Misses Berg?“

„Lieb, von dir, dass du fragst. Ich dachte mir… Also, ihr könnt mich ab jetzt Petra nennen.“

Keiner der Kinder wusste etwas darauf zu entgegnen, also warteten sie darauf, dass Miss Berg sich und ihren Besuch erklärte. „Also…“, setzte sie an, „…wir, also ich und mein Mann, glauben, es wäre angebracht aufgrund der aktuellen Situation, dass die Nachbarn sich einmal versammeln und besprechen, wie es nun weitergeht. Jetzt, da die Soldaten abgezogen sind und wir auf uns alleine gestellt-“ Matthew seufzte laut. Es war eine Geste, Frau Berg zu unterbrechen. „Aber was reden Sie denn da, die Army kommt doch wieder!“ Adriana blickte über ihre Schulter und strafte Matthew mit einem strengen Blick. „Mat, zeig etwas mehr Respekt. Bitte entschuldigen Sie, Misses Berg.“

„Schon okay, Adriana. Ach und, Petra… Du weißt schon. Jedenfalls, ihr habt es ja sicher mitbekommen, dass einige der Nachbarn aus Angst oder aus Vorsorge oder weshalb auch immer verreist sind. Aber Einige sind noch da.“

„So wie Mister und Misses Davencomp von gegenüber“, sagte Adriana.

Frau Berg nickte zustimmend. „Also, kommt ihr heute Abend vorbei?“ Sich zu organisieren klang nach einem vernünftigen Plan aufgrund der aktuellen Situation. Also nickte Adriana zustimmend. „Schön.“ Dann schaute sich Frau Berg hinter den Kindern um, als suchte sie nach etwas. Oder jemanden. „Sagt mal, wo ist eigentlich Richard?“ Diese Frage brachte Adriana leicht außer Fassung. Was antwortete sie nun? Sie konnte die Wahrheit nicht sagen. Nicht vor Matthew. Adriana wusste nicht, wie sie es Frau Berg mitteilen sollte, ohne das Matthew etwas davon versteht. Dann wiederum hatte Matthew mehrmals unter Beweis gestellt, dass er nicht dumm und leicht zu belügen ist. Adriana versuchte, sich so kurz wie möglich zu fassen: „Er ist krank.“

„Oh Gott, das tut mir leid, Adriana. Matthew…“, Frau Berg fasste Adriana an die Schulter. Sie schien irgendwie aufgeschlossener gegenüber dieser ominösen Krankheit zu sein als es Adriana war. Das verwirrte sie. Oder hatte Miss Berg gesehen, was mit Richard Ellis geschah? „Adriana, warum ist sie so schockiert? Was geht hier eigentlich vor sich? Ihr tut so, als sei er tot-“ – „Sei still jetzt, verdammte Scheiße nochmal. Er wird wieder gesund“, fluchte Adriana lauthals. So laut, dass sie beinahe selbst erschrak, Frau Berg jedoch mit Sicherheit. „Miss Berg, was wissen sie über die Krankheit?“

„Nun ja, ich, äh-“ Ein lauter Schuss ertönte. Alle zuckten zusammen.

„Das war doch ein Schuss“, rief Deirdre.

„Von wo kam der her“, fragte Frau Berg.

Adriana ging an ihr vorbei die Treppe hinunter in den Vorgarten und sah sich hastig um. Frau Berg folgte ihr instinktiv. Dann sah Adriana zu ihrer rechten zwei Personen, die auf sie zu rannten. Sie kamen immer näher und als sie nahe genug waren, erkannte Adriana, dass einer von ihnen ein Gewehr bei sich trug. Sie blieb wie erschrocken stehen. „Mister Berg…“, murmelte sie schockiert, „Was… Was ist…“

„Leland, was ist passiert“, fragte Frau Berg ihren Ehemann angespannt.

Die beiden Männer blieben vor Miss Berg und Adriana stehen. Nun erkannte Adriana auch, dass der zweite Mann ein weiterer Nachbar, er wurde Harry genannt, war. Harry hielt das Gewehr im Anschlag und es schien, als schaute er angespannt auf einen fixierten Punkt. Einen Punkt nahe der militärischen Straßensperrung. Deirdre und Matthew traten nun zu den anderen hervor, sie blieben jedoch auf eine Handgeste Adrianas hin hinter Frau Berg und Adriana. „Harry…“, keuchte Herr Berg, „…hat einen Warnschuss abgebeben. Jemand ist an der Absperrung. Harry, das war vollkommen unnötig von Ihnen!“ Zuletzt fauchte Herr Berg regelrecht, seine Mahnung galt also Harry, der geschossen hatte. Doch Harry schien nicht zuzuhören, stattdessen entfernte er sich von der Gruppe und ging in Richtung der Barrikade. Die Eheleute Berg folgten ihm. Vorsichtigen Schrittes kamen die drei Erwachsenen dem Zaun immer näher und tatsächlich, es bildete sich eine menschliche Silhouette ab.

„Mat, Dee, ihr bleibt hier. Ist das klar“, wies Adriana die beiden an.

Anschließend eilte Adriana den anderen hinterher bis zu der Straßensperre. Herr und Frau Berg sowie Harry schienen sich um den Zaun versammelt zu haben, um jemanden, der auf dem Boden lag, zu begutachten. Sie murmelten wirres Zeug, halb außer Atem von dem Sprint zu der Barrikade war Adriana kaum konzentriert genug, zu verstehen, was die Erwachsenen dort redeten. „Heilige Scheiße, lebt er noch?“ Harry fragte die anderen Anwesenden. Doch niemand schien eine Antwort zu haben. „Der Junge ist vollkommen zugerichtet…“, erklärte Herr Berg, „…Herrgott, was, wenn Sie ihn getroffen hätten…“, er zeigte auf die Bauchdecke, „…er könnte schnell tot sein.“ Frau Berg trat vor zu dem Jungen, der verletzt am Boden vor dem Zaun lag. „Verdammt nochmal, er ist noch am Leben... mit Sicherheit!“ Sie kniete sich hin und versuchte, durch das Gitter nach dem Arm des Jungen zu greifen. „Hey, Junge, wach auf. Wach auf, komm schon. Würdet ihr mir bitte mal helfen? Checkt seine Atmung, irgendwas.“

„Öffne das Tor, Adriana“, bat Leland Berg sie.

Die mobile Straßensperre war leicht zu bedienen, es bedurfte nur eines Knopfdrucks und das Tor öffnete sich. Ein Glück, das jetzt bitter von Nöten war. Und so tat Adriana, worum ihr Nachbar sie bat und betätigte den besagten Knopf, damit das Tor sich öffnete. Langsam aber gleichmäßig rollte es immer weiter nach rechts bis genug Platz war, sodass Leland und Harry an den verletzten Jungen herankamen. Sie alle konnten nun versuchen, dem Verletzten zu helfen.

Doch bei genauerem Begutachten wurde es Adriana klar. Würde dieser Junge keiner vernünftigen, medizinischen Untersuchung unterzogen werden, würde er sterben. Diese Einsicht an sich ist nicht wirklich überraschend, jedoch hatte Adriana gesehen, wie es im Stadtzentrum von Shipodah Falls aussah, kurz bevor die Sperrzonen errichtet wurden. Sie war mit ihrem Vater dort. Es war die reinste Hölle. Adriana erahnte, dass dem Jungen kein Arzt zur Hilfe kommen würde, wenn nicht zufällig einer in der Nachbarschaft wohnte oder sich hier aufhielt. Der Junge würde sterben. „Miss Berg… Hören Sie auf. Hören Sie auf, sehen Sie ihn sich doch an“ – „Sei jetzt ruhig, Harry“. Herr Berg ergriff das Wort und kniete sich vor dem verletzten Jungen nieder. Er riss ihm das ohnehin beschädigte T-Shirt von der Brust. „Er atmet nicht mehr. Was… in Gottes Namen ist das?“ Ein langer Moment von Stille machte sich gegenwärtig, alle waren wie eingefroren als sie auf den Bauch des verletzten Jungen blickten. Eine üble, tiefsitzende Wunde zierte einen Großteil seiner Brust. Wie konnte der arme Junge so zugerichtet werden?

„Das… ist ein Biss“, brach Adriana das Schweigen. Alle schauten zu ihr auf.

Der darauffolgende Moment war wieder mit Schweigen durchzogen. Doch nur für kurze Zeit, denn Frau Berg schrie auf. Sie zog voller Schreck ihren Arm zurück, sie zuckte. Als Adriana und die anderen versuchten, zu erkennen, wieso, wurde es ihnen klar: Der verletzte Junge, der unabdingbar an seinen Verletzungen hätte erlegen sein müssen, saß nun mit aufrechten Oberkörper vor ihnen und er hatte Frau Berg verletzt. Er grölte wie ein Tier. Langsam hoben sich seine Arme und es schien, als wollten sie nach Frau Berg greifen, sich an ihr fest zerren. Dieser Anblick glich dem eines hungrigen Tieres auf der verzweifelten Suche nach seiner Beute. Es war grausam.

„Er, er…“, wimmerte Frau Berg, „…er hat mich gebissen.“
 
 
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