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Ferienlager -Romanze

von Miss-N
GeschichteRomance, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Alexandra Rietz Gerrit Grass
07.04.2021
11.04.2021
9
9.030
3
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07.04.2021 1.380
 
Sommerferien.

Endlich keine Schule mehr. Die Prüfungen waren durch, der Abschluss geschafft. Und mit 16 war sie endlich kein Kind mehr. Nach den Ferien würde es mit dem Abi weitergehen. Aber das war erstmal nebensächlich.
Das Feriencamp war ein Kompromiss zwischen ihr und ihren Eltern. Familienurlaub gegen Alleine mit Freunden wegfahren.

Die Koffer standen gepackt an der Tür. Es fehlten nur noch Kleinigkeiten.
4 Wochen ohne Eltern im Randgebiet von München bei der Ferienfreizeit.  
Das Telefon klingelte. Alex sah die Nummer ihrer besten Freundin auf dem Display und nahm ab. „Susi, wir kommen in einer Stunde.“ Rief sie aufgeregt ins Telefon. Sie hörte ihrer Freundin zu. Ihr Gesicht verdunkelte sich und sie knallte den Hörer auf. Susi hatte ihr abgesagt. Sie hatte sich am Morgen den Arm gebrochen und durfte nicht mitfahren.

Alex setzte sich traurig auf die Treppenstufen, die hoch zu ihrem Zimmer führten.
„Ich will da aber nicht alleine hin.“ Jammerte sie ihre Mutter an, die mitbekommen hatte, dass das Telefon klingelte.
„Ach komm, du wirst dort auch ohne Susi Spaß haben. Du hast dich doch so darauf gefreut.“
Alex seufzte und holte noch das kleine Kopfkissen und die Reiseverpflegung.
Dann fuhren sie los. Da sie Susi nicht mehr abholen brauchten konnten sie früher aufbrechen. Ihre Eltern hatten beschlossen, sie selbst aus Osnabrück nach München zu bringen. 650 Kilometer. Eigentlich wollte sie mit dem Zug dahin fahren, aber das hatten ihre Eltern rigoros abgelehnt. Von den Eltern gebracht werden, wie peinlich.
Als sie ankamen, sah sie, dass diese Vorliebe für Peinlichkeiten auch noch andere Eltern inne hatten.
Auf dem Parkplatz des Camps standen etliche Autos aus denen Kinder und Koffer ausgeladen wurden. Einige Kinder konnten es gar nicht erwarten, die Eltern endlich loszuwerden, andere klammerten sich weinend an Mama oder Papa.

Alex sah sich erstmal prüfend um.
Das Camp war am Stadtrand an einem Wald gelegen. Ähnlich den Ferienlagern, die man aus Filmen kennt. Dem Stil war es auch nachempfunden. Einen kleinen See gab es auch. Kleine Blockhütten dienten als Schlafhäuser, eine große Hütte diente als Speisesaal und Versammlungsraum, wo später auch die Begrüßung stattfinden würde. Sie hatte das Prospekt ausgiebig studiert. Sie hatte auch einen Plan gemacht, was sie alles machen wollen würde. In den kommenden 4 Wochen hatte sie jede Menge Zeit für alle möglichen Aktivitäten.
Alle Jugendlichen hatten vorweg einen Schlafplatz zugewiesen gekommen. Hütte 3, Bett 4 war Alex Bett. Ein Hochbett am Fenster. Das wusste sie.
Sie entdeckte ‚ihre‘ Hütte und schnappte sich ihr Gepäck. ‚Okay, Augen zu und durch.‘ Schnell verabschiedete sich von ihren Eltern und ging zu der Hütte und brachte ihren Koffer und die Reisetasche zu ihrem Bett.
Sie drehte sich noch einmal um und winkte ihren Eltern zu, die sich wieder auf den Weg nach Hause machten. Sie würden in den nächsten Tagen zu ihrem Urlaub nach Fuerteventura aufbrechen.

Eine Weile saß Alex auf ihrem Bett und ließ die Beine baumeln. Der Schlafplatz unter ihr war leer. Das wäre Susis gewesen.
Um 18 Uhr begann die Begrüßungszeremonie und sie machte sich auf den Weg zum Saal. Sie suchte sich einen freien Platz und setzte sich. Sie beobachtete die anderen anwesenden Jugendlichen. Augenscheinlich alle ihr Alter. Ein paar waren jünger, vielleicht 14/15, das war auch das Mindestalter, mit dem man teilnehmen durfte.
An der Wand saßen ein paar ältere Jugendliche, vermutlich so um die 18. Betreuer und Animateure wie sich später herausstellte. Die Erwachsenen, die ebenfalls dort saßen, gehörten fest zum Camp: Verantwortliche, Küchenpersonal, Sanitäter und „Anstandswauwaus“ wie Alex erheitert dachte.
Die Neuankömmlinge wurden begrüßt. Folgend wurden die Regeln des Camps nochmal erwähnt und Essens- und Ruhezeiten besprochen. ‚Wie im Knast.‘ lachte Alex still vor sich hin, prägte sich aber alles ein. Diese Infos standen auch in den Flyern.

Zuletzt wurden sie noch in Gruppen eingeteilt. Alex wurde der Blauen Gruppe zugewiesen. Letztendlich war es egal in welcher Gruppe sie war. Jede Gruppe hatte aber einen eigenen Betreuer, an den man sich bei Problemen wenden konnte. Es gab auch keine Bändchen, Schärpen oder T-Shirts, die einen mit der Gruppe identifizierten. Man konnte sich aber zum Ende der Ferienfreizeit ein Shirt mit der entsprechenden Farbe anfertigen lassen.
Nach der ersten Besprechung versammelten sich die Gruppen um sich kennenzulernen. Die blaue Gruppe bestand aus 7 Leuten, plus Betreuer. Außer Alex waren da noch Dominik und Raphael, Claudia und Sabine, Tanja und Melanie. Die anderen waren jeweils zu zweit angereist, Alex fehlte Susi in diesem Moment. Ihr Betreuer hieß Gerrit. ‚Komischer Name.‘ Dachte sie. Aber er war ein cooler Typ. Gefühlt riesig, an die 2 Meter. Von ihrer Warte aus gesehen noch größer. Aber er war nett. Er ging mit ihnen nochmal das „Protokoll“ durch, so nannte er die Regeln. Er erzählte ihnen, dass er vor dem Studium etwas Geld verdienten wollte und deswegen bei dem Ferienlager dabei war. Die Mitglieder der Gruppe stellten sich alle vor. Name, Alter, Wohnort. Na klar: Alex war die Außenseiterin. Sie kam von weit weg, die anderen aus ihrer Gruppe immerhin aus dem Gebiet Süddeutschland. Die anderen Kids zogen schon bald davon und erkundeten die Gegend.

Sie setzte sich mies gelaunt auf einen quer liegenden Baumstamm.
„Hey, es ist viel zu schönes Wetter um Trübsal zu blasen.“ Gerrit setzte sich neben sie.
Alex sah ihn an. „Ach, lass mich doch in Ruhe.“ Sie stand auf und ging weg.
„In einer…“
„...halben Stunde gibt es Abendessen. Ich weiß.“ Beendete sie seinen Satz. Das kleine Mädchen mit ihren langen blonden Haaren beeindruckte ihn irgendwie. Sie hatte schon die Regeln stumm synchron mit ihm aufgezählt. Nicht nachgesprochen, sondern mitgesprochen. Und sie war alleine da und hing nicht heulend in einer Ecke.
Es war das 2. Jahr, in dem er die Ferienfreizeit begleitete. Letztes Jahr die Lange Freizeit in den Sommer- und die Kurze in den Herbstferien. Er hatte viele Arten von Jugendlichen kennengelernt. Von 14 bis 17 durfte man am Camp teilnehmen. Manche 17jährige benahmen sich schlimmer als 8jährige und waren noch unselbstständiger. Und mancher 14jähriger Teenie war erwachsener als ein Betreuer. Beides war irgendwie gruselig. Von Muttersöhnchen über Streber, bis Oberchecker hatte er sie alle kennengelernt. Immerhin waren die meisten Kids, die am Sommercamp teilnahmen „normal.“
Keine Extrawürste, keine Sonderbetreuung, nur mal ein ruhiges Gespräch bei Heimweh, manche bei Liebeskummer, weil der Schwarm daheim war, manche wegen Zank mit der bestens Freundin oder dem besten Freund. Oder weil sie Unterstützung bei den Aktivitäten brauchten. Ein Mindestmaß an psychologischem Geschick war sinnvoll, wenn man als Betreuer dabei sein wollte.

Eine halbe Stunde später trafen sich die Gruppen Blau, Grün und Rot zum Essen. Eine halbe Stunde danach waren Gelb, schwarz und weiß dran.
Es gab schon erste Grüppchenbildungen. Nicht nur nach Farben, sondern auch so hatten sich Kleingruppen gebildet. Die, die Tretbootfahren wollten, die Karten-Spieler und die, die erstmal den „Stundenplan“ studierten. Sie wusste was sie machen wollte. Aber da Susi nun nicht dabei war musste sie umdisponieren. Das würde sie nach der Essenzeit in Ruhe machen.
Alex setzte sich zu welchen aus ihrer Gruppe, aber bei den Gesprächen war sie außen vor. Sie wollte morgen noch nicht Tretboot fahren, und auch nicht zum Schnitz-Lehrgang.
Sie schaute aus dem Fenster und aß schweigend ihre Nudeln. ‚Hoffentlich gibt es nicht jeden Tag Nudeln mit langweiliger Soße.‘ seufzte sie.
Die Gruppenbetreuer saßen zusammen an einem Tisch, abseits der jugendlichen Meute.
Nach dem Essen wurde schnell abgeräumt und sie mussten den Saal verlassen, damit die anderen Gruppen essen konnte.
Alex nahm sich beim Rausgehen noch einen Apfel und setzte sich draußen hin und biss ab.
„Nicht satt geworden?“ fragte eine sympathische Stimme, die plötzlich neben ihr auftauchte.
„Doch. Aber ein Apfel ist leckerer.“
Verwundert sah Gerrit sie an. „Okay.“ Er wurde gerufen. So verabschiedete er sich kurz und ging zu Dominik und Raphael.

Alex suchte das Sanitärgebäude und holte ihre Kulturtasche und machte sich schon mal bettfertig. Dann müsste sie nicht hin, wenn alle gingen. Um 22 Uhr war Zapfenstreich. Bisschen früh für eine Horde Teenager, aber naja.
Die Nacht war ruhig. Es war noch lange viel Gemurmel zu hören. Jeder wollte seine Eindrücke vom Tag kundtun.
Alex war ihre Planung nochmal durchgegangen. Morgen würde sie erstmal die Gegend erkunden. Den nahegelegenen Wald und das Gebiet um den See rum. Sie warf einen letzten Blick auf den dunkel werdenden Himmel, zog das Rollo runter und schlief dann ein.
 
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