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Matteo und Sami

von jana3
GeschichteFamilie / P12 / Gen
Dr. Matteo Moreau Sami Matoub
06.04.2021
08.04.2021
9
9.762
5
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08.04.2021 1.213
 
In der Notaufnahme waren gerade Ben und Leyla im Einsatz. Sie waren ziemlich erstaunt als Matteo mit Sami auf dem Arm in den Vorraum stürmte. Leyla sah Sami nur kurz an und sagte dann: "Ben, mach die Liege fertig!"
Wenige Sekunden später war die Untersuchung auch schon in Vollem Gange. Zu Matteo sagte Leyla gleich zu Beginn: "Glaub nicht, dass du uns hier helfen musst. Heute seid ihr ganz normale Patienten." Obwohl es Matteo schwer fiel, mischte er sich nicht ein, sondern hielt einfach Samis kleine Hand, besonders während Ben ihm einen Zugang legte und Sami fest die Augen zukniff. "Das machst du echt mutig", versuchte Ben etwas auf ihn einzureden und war insgeheim sehr überrascht darüber, wie besorgt und ruhig Dr. Moreau war. So hatte Ben den Oberarzt definitiv noch nie erlebt.
Während die erste Infusion durchlief und Ben bei Sami blieb, nahm Leyla Matteo zur Seite. "Wir müssen die Blutergebnisse abwarten. Er bleibt erstmal hier, das verstehst du wohl am allerbesten." Matteo nickte nur. Ihm war alles recht, solange der Kleine bald wieder gesund war. Sami wurde auf die Kinderstation verlegt und schlief bald wieder ein. Währenddessen hielt Matteo es nicht aus, länger an seinem Bett zu sitzen - er entschloss sich dazu, zu schauen ob er nicht etwas tun konnte. Als allererstes sah er Vivi und Julia am Stationscounter lehnen und sich unterhalten. "Haben Sie nichts zu tun?", fuhr er die beiden im Vorbeigehen an. Vivi hatte bereits erfahren, dass Sami eingeliefert wurde und verdrehte nur die Augen. "Wie schnell sich ein Mensch doch wieder ändern kann...", brummte sie.
Matteo suchte sich hier und da kleine Beschäftigungen und setzte sich letztendlich sogar mit einem Stapel Patientenakten an den Tisch in Samis Zimmer. Nach einer Weile hörte er Samis Stimme: "Matteo, ich will nach Hause." Matteo drehte sich um und entdeckte auf dem Monitor sofort, dass sich Samis Werte bereits verbesserten. "Noch nicht", antwortete er. "Aber bald bestimmt. Du musst dich noch ein bisschen ausruhen."Sami sah Matteo mit seinen großen, dunklen Augen an und fragte: "Können wir trotzdem bald wegfliegen?" Matteo schluckte. Je nachdem wie Samis Blutwerte ausfielen, musste er ihn vielleicht enttäuschen. Dabei freute sich Sami schon so auf die Reise zu seiner Familie und auf den Spanienurlaub danach. Deshalb antwortete Matteo nur: "Mach dir keine Sorgen." Ehe Sami weitere Fragen stellen konnte, öffnete sich die Tür und Leyla betrat das Zimmer. Sie lächelte und Matteo wusste sofort, dass die Nachrichten nicht ganz schlecht sein konnten. "Wie geht es dir, Sami?", fragte sie zuerst. Sami nickte ein wenig und sagte: "Mein Kopf ist nicht mehr so schwer wie vorhin. Matteo sagt, wir können bald nach Hause." Leyla lachte. "Na wenn er das sagt...", sie zwinkerte Sami zu. Nun wandte sie sich auch an Matteo: "Er hat eine Lungenentzündung. So wie es aussieht wurde sie durch eine nicht ausgebrochene Masernerkrankung ausgelöst. Ihr seid aber so schnell hergekommen, das sollten wir gut in den Griff bekommen." Matteo atmete auf. Er hatte sich zwar schon etwas ähnliches gedacht, seine Sorge war aber dennoch groß gewesen. "Eine Nacht müsstest du noch hierbleiben, Sami", sagte Leyla und fügte hinzu: "Aber du warst ja schon einmal viel länger hier, also bin ich mir sicher, du schaffst das." Ohne darauf einzugehen, stellte Sami nun auch ihr die Frage, die ihn im Moment als einzige beschäftigte: "Können ich und Matteo am Samstag in den Urlaub?" Leyla lächelte. Matteo hatte ihr gegenüber zwar nur kurz angesprochen, dass sie zu Samis Eltern gehen würden, doch dass Sami den Aufbruch kaum erwarten konnte, war ihr klar. "Wenn du dich noch gut ausruhst und deine Medikamente nimmst, bin ich mir sicher, dass das geht. Du hast ja einen Arzt an deiner Seite.", sagte sie und lächelte Matteo verschmitzt zu. "Und was für einen.", ergänzte dieser.
Den restlichen Tag verbrachte Matteo bei Sami. Er war erleichtert darüber, wie man von Stunde zu Stunde sehen konnte, dass das Antibiotikum anschlug und es Sami immer besser ging. Obwohl er es schon einmal fast einen Monat lang geschafft hatte, alleine in einem Krankenzimmer zu schlafen, bestand Sami heute darauf, dass Matteo bei ihm blieb. Am Abend bekamen die beiden noch Besuch von den jungen Ärzten, die sich allesamt bemühten, sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr sie sich über den gewandelten Dr. Moreau wunderten. Zwar blieb er ihnen gegenüber weiterhin recht wortkarg, doch im Umgang mit Sami, merkten sie natürlich, was für ein gutes Team die beiden mittlerweile waren.

Am nächsten Tag war Samis Fieber deutlich gesunken und er wollte auch schon wieder ein bisschen essen. Ben erschien zur letzte Untersuchung und erklärte sich zufrieden. Nahchdem die Entlassungspapiere unterschrieben waren, ging es für Matteo und Sami nach Hause. Es war Mittwoch und Matteo hatte von Wolfgang Berger persönlich frei bekommen. Nun blieben nur noch drei Tage bis zur Abreise und während Sami auf dem Sofa lag und ein wenig fernsah, begann Matteo zu packen. Auch Samis Koffer wurde in Angriff genommen, wobei Matteo halb kopfschüttelnd, halb lachend alles herausnahm, was Sami bereits eingepackt hatte. Deine Winterstiefel wirst du im Urlaub wohl kaum brauchen.", erklärte er später.
Am Samstagmorgen war Sami wieder so gut wie gesund. Seine Medikamente hatte Matteo eingepackt, doch er hoffte, dass sie bald ganz ohne auskommen würden. Als sie am Flughafen ankamen fand Sami mal wieder alles sehr spannend. Er war ja schon einmal zusammen mit Matteo geflogen, aber es war doch immer wieder aufs Neue aufregend. Der Flug dauerte knappe drei Stunden und Sami verbrachte fast die ganze Zeit damit, gebannt aus dem kleinen Fenster zu schauen, wo außer Wolken die meiste Zeit über eigentlich nichts zu sehen war.
Als sie gelandet waren und ihre Koffer wieder hatten, machten sie sich auf die Suche nach Jean, der versprochen hatte, sie abzuholen. Schon von weitem entdeckte Matteo ihn und er zuckte zusammen als Sami plötzlich: "Saiiiiid!" rief und los stürmte. Jetzt erst bemerkte Matteo den Jungen, der neben Jean stand. Es war Said, Samis älterer Bruder. In Algerien verbrachten Sami und Matteo zwei schöne Wochen. Samis Eltern konnten es kaum glauben, wie fröhlich Sami war und vor allem, wie gut es seinem Bein ging. Zum Abschluss ihres Algerien-Aufenthaltes bedankten sich die Matoubs bereits zum gefühlt 2000. Mal überschwänglich bei Matteo, welcher nicht genau wusste, wie er mit so viel Emotionen und Überschenglichkeit umgehen sollte. Sami fiel der Abschied von seiner Familie zwar nicht besonders leicht, doch Matteo war sehr froh darüber, dass Sami nach wie vor bei ihm in Deutschland bleiben wollte und sich wahnsinnig auf den Urlaub in Spanien freute.
Dieser wurde auch wunderbar und Matteo kam so erholt ins JTK zurück, dass seine Kollegen den Glauben an die Menschheit beinahe völlig verloren.
Sami schien sein Leben ebenfalls zu genießen. Wieder zuhause angekommen erzählte er in der Schule begeistert von seinen Ferien, brachte in den Tagen danach zum ersten Mal Freunde mit nach Hause und schwatzte Matteo auch endlich ab, seine Anmeldung beim Fußballverein abzugeben. "Wehe du brichst dir die Beine - jetzt wo ich dir das Rechte so gut hinbekommen habe!", war der einzige Kommentar.
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