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Matteo und Sami

von jana3
GeschichteAllgemein / P6 / Gen
Dr. Matteo Moreau Sami Matoub
06.04.2021
08.04.2021
9
9.762
3
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08.04.2021 834
 
Die nächsten Wochen verstrichen und Samis ersten Sommerferien rückten immer näher. Matteo arbeitete, Sami ging zur Schule und in ihrer freien Zeit veruchte Matteo, dem Jungen so viel Spaß wie möglich zu bereiten. Sie gingen zusammen in den Zoo, wo Sami begeistert von einem Tiergehege zum nächsten rannte; sie gingen ins Kino und schauten irgendeinen Film, bei dem Matteo zwar nur mit Mühe die Augen offen hielt, sich aber über Samis Faszination freute. Auch ein Heimspiel von RB Leipzig besuchten sie im großen Stadion. Sami war völlig hin und weg und strahlte: "Matteo, wenn ich groß bin will ich auch so Fußball spielen!" Er schaffte es auch tatsächlich, Matteo zu überreden, mit ihm zum Fußballtraining bei einer Erfurter E-Jugend vorbeizuschauen, wo auch einige von Samis Klassenkameraden spielten. Voller Enthusiasmus trainierte Sami ein paar Mal mit und erzählte einmal voller Stolz von seinem ersten Tor. Doch zu seiner Enttäuschung wollte Matteo ihn noch nicht fest im Verein anmelden. "In einer Woche sind doch schon Ferien und wir sind eine ganze Weile weg. Da lohnt es sich noch nicht." Im Hinblick auf die großen Ferien und darauf, seine Familie wieder zu sehen, hielt sich Samis Betrübtheit dann aber  doch in Grenzen. Matteo hatte mit den Matoubs schon alles vereinbart: In knapp zwei Wochen würden Sami und er den Flieger nach Algerien nehmen.
Auch die nächste Woche verging und am Wochenende schleppte Sami bereits einen Koffer aus dem Keller und begann zu überlegen, was er auf jeden Fall mitnehmen wollte.
Am Abend beschloss Matteo, Elly anzurufen. Er erzählte ihr von dem geplanten Trip und Elly berichtete von ihrem neuen Forschungsprojekt. "Euren nächsten Urlaub könnt Sami und du doch in Boston planen.", schlug sie zum Abschluss vor und Matteo versprach lächelnd, es sich zu überlegen.

Am Dienstag, fünf Tage vor der Abreise, kam Matteo gegen 10 Uhr aus dem Klinikum nach Hause. Sami hatte bereits Ferien und die Tagesmutter war da. Sie erzählte ihm, dass Sami noch schliefe. Das wunderte Matteo etwas, denn normalerweise stand der Kleine spätestens um 8.30 Uhr hellwach im Badezimmer.
Er wartete noch eine Weile und beschloss dann, einen Blick ins Kinderzimmer zu werfen - wer wusste schon, was Sami vielleicht wieder anstellte. Doch als er ins Zimmer sah, lag Sami tatsächlich noch im Bett und das Tageslicht fiel bereits durch die Rollläden. In diesem Moment schlug er die Augen auf und flüsterte: "Matteo, mein Kopf ist so schwer und alles tut weh." Matteo runzelte die Stirn und trat ins Zimmer. Er sah Sami genauer an und bemerkte sofort, wie blass er war. "Was ist denn los?", fragte er besorgt und fasste ihm an die Stirn - sie war glühend heiß. "Bleib mal liegen", murmelte Matteo und ging aus dem Zimmer. Er holte das Fieberthermometer aus dem Schrank, wobei er sich nicht erinnern konnte, wann er das zum letzten Mal benutzt hatte. Tatsächlich hatte Sami ziemlich hohes Fieber und konnte die Augen kaum offenhalten. Zum Glück hatte Matteo seine Tasche aus der Klinik dabei und konnte das Kind zumindest einmal abhören und ihm in die Ohren und den Hals schauen. "Können wir jetzt nicht wegfliegen?", fragte Sami leise. Matteo versuchte optimistisch auszusehen und sagte: "Bestimmt, du musst einfach schnell wieder gesund werden." Er beschloss erstmal abzuwarten, wie sich Samis Lage entwickelte und kochte zunächst Tee. Essen wollte Sami nichts, was fürs erste in Ordnung war. "Kannst du was vorlesen?", fragte Sami und Matteo schnappte sich das Buch, was auf dem Nachttisch lag. Vorlesen war mittlerweile zu einer täglichen Routine geworden. Er legte sich neben Sami und begann zu lesen. Irgendwann bemerkte er, dass Sami eingeschlafen war. Er hatte sich dicht an Matteo gekuschelt und atemte tief und gleichmäßig. Für einen kurzen Moment beobachtete er den Kleinen und musste lächeln. Dann spürte auch Matteo wie müde er eigentlich von seinem Bereitschaftsdienst war und beschloss, auch ein paar Minuten die Augen zu schließen - wenn er aufstand, würde er Sami ohnehin nur wecken.
Aus ein paar Minuten wurde allerdings etwas länger. Matteo wachte auf, weil Sami ihn antippte. Etwas verwirrt musste er erst kurz verstehen wo er war. Doch dann blickte er auf Sami, der noch immer neben ihm lag. Erschrocken musste Matteo feststellen, dass es Sami noch viel schlechter zu gehen schien als zuvor. Er zitterte am ganzen Körper und sein Gesicht war ganz rot. Noch einmal befühlte Matteo seine Stirn, die nun brennend heiß war. "ich glaube wir fahren in die Klinik", sagte er entschieden. Sami murmelte etwas, das klang wie: "Ich will nicht wieder ins Krankenhaus.", doch das half natürlich nichts. Ohne weiteres trug Matteo Sami, der noch immer in seine Bettdecke gewickelt war, aus der Wohnung und direkt ins Auto. Er musste sich eingestehen, dass er sich wirklich Sorgen machte. Sami gegenüber wollte er sich das allerdings auf keinen Fall anmerken lassen. "Alles wird gut", beruhigte er ihn, während sie bereits auf dem Weg zur Klinik waren.
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