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In den Armen eines Engels

von Landrose
OneshotRomance, Schmerz/Trost / P18 / MaleSlash
Kaoru Nagisa Shinji Ikari
06.04.2021
06.04.2021
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Als er den Schalter betätigt, verschwindet das Licht und er ist plötzlich von Dunkelheit umgeben. Mit schleppenden Schritten und gekrümmtem Rücken geht er auf sein Bett zu und lässt sich unter die Decke gleiten, als läge dort der einzige Ort, der ihm Sicherheit geben kann. Er zieht die Knie ganz fest an seine Brust heran und presst die Augenlider zusammen. In seinen Händen hält er den kleinen schwarzen S-DAT, den er von früher besitzt. Auf dem hellblauen Display, der einzigen Lichtquelle in diesem fensterlosen Raum, wird das Lied Nummer 28 angezeigt. Er wird es unzählige Male hören, bis er es auswendig kennt. Jedes Instrument, jede Note, jedes Wort, ohne der Melodie leid zu werden. Auch jetzt ist es auf Repeat eingestellt.

Er wünscht sich, das Lied möge die Stimmen in seinem Kopf zum Schweigen bringen und ihn so schnell es geht in den Schlaf geleiten, damit er wenigstens für ein paar Stunden nicht von seinen Gedanken heimgesucht wird. Die Bilder blitzen jedoch grell und unbarmherzig vor seinen inneren Augen auf, und lassen ihn einen Schlag in seiner Brust spüren.

Er hatte damals doch nur Ayanami retten wollen, als er sich seinen Weg durch den Engel bahnte.

Dass er damit den Third Impact auslösen würde, konnte doch niemand ahnen. Am allerwenigsten er selbst.

Sie hatte ganz klein und in sich versunken gewirkt, als er sie durch die Schicht des Ungeheuers sah und immer und immer wieder ihren Namen gerufen, auf dass sie ihn hören und sich zu ihm drehen würde. Sie war nicht allein. Alles was sie tun musste, war seine Hand zu ergreifen. Er war hier. Nur für sie. Und er würde nicht ohne sie zurückkehren. Er würde sie nicht im Stich lassen. So ein Fehler würde ihm nicht noch einmal passieren. Nicht wie bei Asuka. Nein, dieses Mal würde er nicht zögern und alles daran setzen, sie zu retten. Egal, was aus ihm werden würde.

Es ist, als könne er die Berührung ihrer beiden Hände noch spüren, als ihre Finger schließlich ineinander griffen. Ayanamis Hand war so kalt und zart gewesen, aber hatte seine so stark gedrückt, dass er sich einen Moment fast sicher war, es schaffen zu können. Sie würden beide unversehrt zurückkehren und alles würde gut werden. Das Glück darüber, seine Freundin aus den Fängen des Engels gerissen zu haben, währte jedoch nur für den Bruchteil einer Sekunde. Er weiß nicht mehr, was genau geschah, außer dass er auf einmal von einem gleißenden Licht geblendet und es dann auf einmal schwarz um ihn herum wurde.

Er krümmt sich ein Stück mehr zusammen.

14 Jahre.
So lange hatte er offenbar ruhig geschlafen, während sich die Welt um ihn herum in Schockstarre befand. Verwestes Land, die Städte in Trümmern. Das sich immer weiter erstreckende blutrote Meer unter dem wolkenleeren Himmel. Wie eine klaffende Wunde. Die unzähligen Toten, Fremde und Freunde, die die Opfer seiner Rettungsaktion geworden waren.

Von alldem hatte er in all den Jahren nichts bemerkt, sondern nur friedlich wie eine Märchenprinzessin geschlafen. Aber hatte er insgeheim darauf gewartet von jemandem geweckt zu werden?

Wenn er gewusst hätte, was ihn erwartet, hätte er es wahrscheinlich vorgezogen im ewigen Schlaf zu verweilen.

Das erste was er sah, als er die Augen aufschlug, war, dass er von einer dicken, durchsichtigen Hülle umgeben war. Wie ein gläserner Sarg, aus dem man ihn nur widerwillig hatte aussteigen lassen. Wieso?

Warum war er nicht in der Hauptzentrale von Nerv, sondern auf einem Flugzeug? Das Wunder, ein langes Flugschiff, das wie ein seltsamer, knochiger Vogel dahinschwebte. Was war bloß geschehen? Er hatte Misato-san und Akagi-san nicht sofort erkannt, als er die beiden Frauen konzentriert auf dem Führungsdeck stehend sah. Beide wirkten so anders mit ihrer neuen, kämpferischen Aufmachung. Erwachsener. Eiserner. Misato-san trug ihre langen Haare zu einem Dutt unter einer Mütze gebunden und Akagi ihre jungenhaft kurz. Sie sprachen beide so gut wie gar nicht mit ihm. Seine Existenz schien ihnen ein schmerzhafter Dorn im Auge zu sein und folglich zogen sie es vor, ihn soweit es ging zu ignorieren, obwohl er doch so viele Fragen hatte. Wo war Ayanami? Ging es ihr gut? Und was war mit Asuka passiert? Wenn sie noch am Leben war, musste er sich unbedingt bei ihr entschuldigen!

Er beißt sich auf die Zähne, als er spürt, wie ihm Tränen aus den Augenwinkeln perlen.

Misato-san hatte ihm befohlen, nie wieder in einen Eva zu steigen. Und wenn er dies oder etwas anderes täte, dass sie glauben machen könnte, er würde eine Gefahr für alle darstellen, würde sie ihn umbringen.

Er und eine Gefahr für alle?

Sie hatte ihn angesehen, als sei er eine tickende Zeitbombe, und den Auslöser in ihrer Hand hoch gehalten. Damit würde der Choker, den er seither um seinen Hals trug, explodieren.
Wie hatte es nur so weit kommen können?

Misato-san ... Ayanami ... Asuka ...

Er fasst sich mit beiden Händen an den Hals. Der Chocker ist seit ein paar Stunden verschwunden. Kaworu-kun hat ihm diese Fessel abgenommen und sich selbst angelegt und ihn danach sanft und liebevoll angelächelt.

Er schluchzt schwer.

Kaworu war es auch, der ihn auf seine Bitte hin kurz davor über seine Tat aufgeklärt hat, als sie beide zu dem stürmisch-kalten Ort herabgestiegen waren, an dem die Katastrophe, der Third Impact, stattgefunden hatte.

Hätte ich doch nicht gefragt ...

Warum ist es nicht einfach ein böser Traum ...?

Könnte ich die Zeit zurückdrehen ...

Könnte ich doch verschwinden ...

Warum ...?


Das Atmen fällt ihm schwer, während die Tränen jetzt in Strömen über seine Wangen laufen. Er weiß nicht, wie er es mit Kaworu zusammen zurück in sein Zimmer geschafft hat. Vom Grauen über seine Schuld und sein Schicksal geschüttelt, hatte er nur unkontrolliert vor sich weinen können. Kaworu war die ganze Zeit bei ihm geblieben und hatte ihm nur still zugehört.

Es bestehe noch Hoffnung, hatte Kaworu-kun gesagt.

Er bat ihn, ihm zu vertrauen. Unmöglich. Wie sollte er jemals wieder jemandem vertrauen können, wo ihm doch Misato-san und Asuka, die Menschen, die ihm am nächsten standen, den Rücken zugewendet hatten, und Ayanami sich nicht einmal mehr an ihn erinnern konnte? Und mit seinem Vater hatte er außer dem abgebrochenen Gespräch vor ein paar Tagen auch kein weiteres Wort gewechselt. Er war wieder ganz am Anfang. Ungewollt. Verstoßen. Allein.

Auch wenn der Choker ihn nicht mehr einschnürt, spulen sich all die Erinnerungen von damals, als er gerade nach Neo-Tokyo gekommen war, und die letzten Momente mit Misato-san und Asuka auf dem Wunder, bevor er geflohen war, wie eine kaputte Filmrolle in seinem Kopf ab. Wenigstens hatte Asuka überlebt! Seine Sorgen um sie waren wie ein Ballast schwerer Steine von seinem Herzen gefallen. Sie war aufbrausend wie eh und je gewesen und hatte ihn eigentlich schlagen wollen. Die Scheibe, die sie beide voneinander getrennt hatte, war stark eingerissen gewesen. War es, weil er sie nach ihrer Augenklappe über dem linken Auge gefragt hatte? Warum reagierte sie wie ein verletztes Tier, das versucht sich zu schützen, und sagte ihm nicht einfach die Wahrheit?

Wenn sie sich doch ein wenig öffnen würde, wie damals, als sie mitten in der Nacht in sein Bett gekrochen war und ihr Schild ein wenig gesenkt hatte. Als sie ausnahmsweise ein wenig ohne Streit geplaudert hatten ...

Ihr damaliges Zusammenleben zu viert mit Misato-san und Pen-Pen erscheint ihm jetzt nur wie ein unwirklich schöner Traum.

Er zieht die Knie noch weiter heran und senkt den Kopf so weit nach vorne, dass er diese fast damit berühren kann. Seine Hände greifen in seine Haare und er hofft, wenn er nur eifrig genug den Kopf schüttelt, dass er die Bilder einfach herausschleudern und ganz leer werden kann. Nicht mehr denken, nichts mehr fühlen. Einfach nur schlafen. Lange, lange schlafen.

»...kun...?«
»Shinji-kun ...?«

»Hnn ...? « Der Angesprochene zwinkert kurz ein paar Mal mit den Lidern, bevor er seine Augen halbwegs öffnen kann. Sie sind ganz geschwollen.

»Ist alles in Ordnung?«

Shinji blickt in Kaworus besorgtes Gesicht, das schemenhaft von einer kleinen Laterne erleuchtet ist, die der Ältere in der Hand hält.

»Kaworu-kun ... Was machst du denn hier?«, fragt er mit kratziger Stimme.

»Ich hab dich bis über den Flur schreien hören ...«, antwortet Kaworu und sieht ihn intensiv an. »Und bin hierhergekommen, um nach dir zu sehen.«

»Ich ...« Shinjis Blick senkt sich irritiert zur Seite. »Ich hab geschrien? Wirklich ...?«

Die Lippen des Grauhaarigen formen ein sanftes Lächeln. »Du hast wohl einen Albtraum gehabt.«

»Und du... hast mich aufgeweckt?« Shinji sieht auf Kaworus Hand, die noch seinem Oberarm festhält, bevor er in dessen scharlachrote Augen aufschaut.

»Ja. Dein Gesicht war ganz verzerrt. Du schienst furchtbar zu leiden.« Shinji spürt noch den Druck auf der Stelle, als Kaworus Hand sich schon längst gelöst hat und ihm sanft über das Haar streichelt.

»I-ch ...«, eine zarte Röte steigt ihm ins Gesicht und er zieht die Augenbrauen zusammen, »E-es tut mir leid, dass ich deinen Schlaf gestört habe ...«

»Was sagst du denn da, Shinji-kun?« Kaworu legt den Kopf schief. »Du hast mich doch nicht gestört. Ich war einfach nur in Sorge um dich. Ich hätte mir denken können, dass das gestern ein bisschen viel für dich war und dich erst gar nicht alleine lassen sollen.« Bei seinen letzten Worten senken sich seine Augenlider entschuldigend und in seinem Gesicht spiegelt sich ehrliches Bedauern wieder.

»Nein, nein, mach dir keine Gedanken, Kaworu-kun!« Der Brünette rückt ein Stück zurück und richtet sich etwas auf. Sein Schlafanzug klebt unangenehm an seinem Körper und er merkt, dass auch seine Haare am Ansatz ganz nass von Schweiß sind. Er kann sich nicht an die Einzelheiten des Traums erinnern, aber er spürt noch ein dumpfes, beklemmendes Gefühl in seiner Magengegend. Wahrscheinlich hat er sich vor Angst wild auf der Matratze hin- und hergewälzt, während das Horrorszenario seinen Lauf nahm. Reflexartig greifen seine Hände an seinen Kopf und er beugt sich nach vorne. Da sind sie wieder, die Bilder, die er doch vergessen will. Sie reihen sich aneinander wie ein grausamer Film. Er beginnt zu zittern und wimmern. »Nein ... nein ...«

»Shinji-kun ...? « Kaworu stellt die Laterne auf den Boden, bevor er behutsam Shinjis Hände ergreift und versucht, diese von dessen Kopf zu lösen. »Shinji-kun«, redet er sanft, aber bestimmend auf ihn ein, »sieh mich an.«

Der Angesprochene schluchzt nur.

»Shinji-kun ...« Der Grauhaarige lehnt sich ein bisschen nach vorne, um den Jüngeren in die Arme zu nehmen. Shinji lässt es mit sich geschehen und vergräbt von Tränen geschüttelt sein Gesicht in Kaworus Brust. »Sssh ... ich bin ja da ...« Mit einer Hand streichelt er zärtlich über die kurzen braunen Haare. »Ich bin doch für dich da ...«

»Mein Kopf ... tut so weh ... Ich kann ... nicht mehr ...«, stößt Shinji angestrengt hervor.

»Du bist noch immer ganz durcheinander, du brauchst noch ein bisschen Zeit. Es wird alles gut werden. Ganz bald. Du musst dich jetzt nur ein wenig ausruhen.«, flüstert die helle Tenorstimme.

»Kaworu... kun ... « Als Shinji seine Arme erschöpft senkt, gleiten Kaworus Finger unter dessen Kinn und heben es an, damit der Brünette ihn ansehen muss. Die meerblauen Augen sind noch ganz undurchsichtig von den neu aufschwellenden Tränen, die kurz davor sind, sich über dessen rotgefleckte Wangen zu ergießen.

»Du musst jetzt ein wenig schlafen, Shinji-kun.« Kaworus Blick ist weich.

»Nein!« Die blauen Augen weiten sich vor aufkeimender Panik. »Dann träume ich nur wieder von den anderen... und dem Third Impact ...«

»Ich werde die ganze Nacht bei dir bleiben und deinen Schlaf überwachen.«

»Nein, nein! Ich sehe immerzu diese Bilder... Sie gehen mir nicht aus dem Kopf ... Ich muss andauernd an sie denken ... Ich ...« Die Tränen vernebeln endgültig seine Sicht, als seine Hände sich an Kaworus Hemd festkrallen. »Ich will nicht mehr ...«

Der Ältere blickt ihn einen kurzen Moment schweigend an. »Ich verstehe. Ich kenne eine Methode, mit der du dich für einige Zeit an nichts erinnern musst. Danach wirst du auch bestimmt ganz ruhig schlafen können.«

Shinjis Herz schlägt vor entfachter Hoffnung kurz lauf auf. »Was, wirklich? So eine Methode gibt es? Was ist es? Ein Medikament? Besitzt du etwa solch eine Medizin, Kaworu-kun?«

»Nein, es ist kein Medikament«, lächelt dieser verlegen, »Aber soetwas ähnliches, was auf die Lilim eine berauschende Wirkung hat. Es ist ... eine körperliche Betätigung. «

».... ein Sport?«

Kaworu zwinkert beim Anblick von Shinjis abwartenden großen Augen. »... So in der Art ...«

»Hm?«

Shinji spürt die weiße, zarte Hand über seine nasse Wange streicheln. »Wir müssen es beide zusammen tun, dann kann es etwas ganz Besonderes werden, aber ...« Kaworus Lächeln wird unsicher. »Kannst du mir dabei vertrauen, Shinji-kun?«

Shinji starrt ihn an. Am Abend zuvor hatte er ihn auf die gleiche Frage abweisend angeherrscht.

Kaworu vertrauen ...?

Das gelbliche Licht der Laterne fällt weich auf das schmale Gesicht des jungen Mannes, der vor ihm auf dem Bett sitzt, und dessen Blick liebevoll auf ihn gerichtet ist. In den letzten Wochen und Monaten haben sie beide viel Zeit miteinander verbracht.

Stundenlang Klavier gespielt. Die Sterne am Nachthimmel gezählt. Sich über Gott und die Welt unterhalten. Eine Verbindung zueinander aufgebaut, denn wenn Kaworu ihn nicht mögen würde, würde er doch nicht so oft mit ihm zusammen sein, oder?

Kaworu war wirklich immer da, wenn er ihn suchte. Beinahe, als würde er nur auf ihn warten.

Er hat ihm die Wahrheit über den Third Impact erzählt. Und dass alles wieder gut werden könnte.

Und er hat ihm mit Leichtigkeit den Choker abgenommen.

Vielleicht ist er doch nicht so allein wie er glaubt?

Shinji schaut in die warmen, roten Augen. Er braucht nicht noch mehr Beweise. »Ich vertraue dir, Kaworu-kun.«

Kaworus Lächeln ist vollster Freude. »Danke, Shinji-kun!« Dann nimmt er Shinjis Gesicht in seine Hände und küsst ihn leicht auf sein linkes Augenlid. »Weine nicht mehr. Ich werde dich alles vergessen machen.«

Die Röte schießt dem Jüngeren ins Gesicht. »W-was ...? Doch bevor er seine Frage zu Ende formulieren kann, hat sich bereits Kaworus Mund auf den seinen gepresst, sodass er vor Überraschung für einen kurzen Augenblick die Luft anhält. Er hat noch nie jemanden geküsst! Die fremden Lippen sind jedoch ganz weich und angenehm warm. Shinji schließt die Augen und schlingt seine Arme langsam um den Grauhaarigen. In seinem unteren Bauch macht sich ein feines Ziehen bemerkbar. Es ist zu lange her, seit er das letzte Mal jemanden umarmt hat oder in anderer Art und Weise angefasst worden ist, aber jetzt fließt dieses Verlangen nach körperlicher Nähe wie ein reißender Fluss durch seine Venen. Seine Hände halten sich noch fester an Kaworus Rücken fest, als er versucht, ihn noch ein bisschen näher an sich heranzuziehen. Der Ältere blinzelt erfreut und lässt zum nächsten Schritt ermutigt seine Zunge in Shinjis Mund gleiten. Der Brünette stöhnt leise auf, als ihre beiden Zungen aufeinandertreffen. Obwohl sich der feucht-warme Fremdkörper merkwürdig gut anfühlt, weiß er nicht so recht, wie er mit ihm agieren soll, bis Kaworu zärtlich den Rhythmus dirigiert. Langsam. Intensiv. Tausend Gedanken schwirren Shinji durch den Kopf, während er versucht, Kaworus sinnlichen Küssen zu antworten. Er hätte sich niemals vorstellen können, dem jungen Mann mit den geheimnisvollen Augen so nah zu kommen! Und dass es sich so toll anfühlen würde!

Kaworu öffnet einen Spalt seine Augen und lacht kurz durch die Nase, zufrieden über Shinjis vor zarter Erregung errötete Wangen. »Magst du Küssen?«

Der Brünette schluckt hart und zieht ertappt die Augenbrauen hoch. »Äh...«

»Hihi, du bist süß, Shinji-kun«, ein warmherziges Lächeln umspielt die Lippen des Grauhaarigen, bevor diese sich erneut Shinjis Mund zuwenden. Dieses Mal fordernder. Mit einem leichten Seufzen lässt er seine Zunge stärker kreisen und beugt sich mit seinem Oberkörper so weit nach vorne, dass Shinji sich rücklings in die Kissen fallen lassen muss. Kaworu hat den Unterarm neben seiner Schulter aufgestützt, um nicht sein ganzes Gewicht auf den Jüngeren zu verlagern. Mit der anderen, freien Hand streicht er über Shinjis Wange und Schläfe. Die weißen Daunenkissen scheinen ihn weich zu umfangen und Kaworus lange Ponysträhnen streifen sanft über seine Haut. Als Shinji unter den Küssen ein Auge zur Hälfte öffnet, sieht er, wie Kaworu sein Kinn und seinen Hals küsst und dabei die Hand unter seinen Schlafanzug schiebt. Seine Hand streichelt über seine Seite in Richtung Brustkorb und bis hin zu seiner Brust. Ihre Münder begegnen einander wieder, während der Ältere mit den Fingerspitzen mit leichtem Druck über Shinjis Brustwarze kreist.

»Nnngh ...« Der Brünette kneift die Augen zusammen, beschämt von der Erregung, die ihm diese Liebkosung verschafft. Als ob Kaworu seine Gedanken lesen könnte, beginnt dieser, die Brustwarze nun vorsichtig zu zwirbeln. Was für ein prickelndes Gefühl! Als Kaworu dann auch noch seine andere Brustwarze zart mit der Zunge umspielt und sich beide dadurch aufrichten, beißt sich Shinji mit einem unterdrückten Seufzen auf die Unterlippe.

Er sieht nicht, wie Kaworu kurz freudig lächelnd zu ihm aufblickt, bevor dieser seine Knie auf dem Bett abstützt und einige Küsse über seine Brust und seinen Bauchnabel, hinunter zu seinen Lenden platziert. Als Kaworu Shinjis weite Schlafanzughose herunterzieht, sticht ihm eine deutliche Beule in seinen Boxershorts entgegen.

»K-Kaworu-kun!«, stößt der Brünette vor Peinlichkeit berührt hervor und stützt sich mit hochrotem Kopf auf seine Unterarme auf.

»Mach dir keine Gedanken.« Der Ältere legt das erregte Glied mit seinen langen, schlanken Fingern frei und neigt den Kopf nach unten.

»N-nicht ...!«

Doch da leckt Kaworu schon über die Spitze, bevor er den Penis ganz in den Mund nimmt und langsam beginnt, an diesem zu lutschen. Shinjis Blut rauscht Richtung Süden. Kaworus feines, ebenmäßiges Gesicht ist ganz entspannt, während er genussvoll mit geschlossenen Augen seinen Kopf auf und ab bewegt. »Ka-Kaworu ... kun«, stöhnt Shinji leise und spürt, wie sich eine Welle der Wärme ihn im ausbreitet. Der Grauhaarige schnurrt hin und wieder vor sich hin, besonders, als die ersten Lusttropfen seine Zunge benetzen. Diese verleiten ihn dazu, sein Tempo peu a peu zu steigern.  »Ka-Kaworu ...kun ... Ha ...« Shinjis Atem geht schwer und ihm wird angenehm schwindelig. Kaworu bewegt noch einige Male mit kontrolliertem Druck stärker über seine Länge, bevor er sich dann mit einem gepressten Aufstöhnen ergießt.

Kaworu richtet sich auf und wischt sich mit den Fingerrücken dezent über die Lippen. Es fühlt sich noch ein bisschen salzig auf seiner Zunge an. »Du hattest ganz schön etwas angestaut, nicht wahr, Shinji-kun?«, lächelt er weich.

Der Angesprochene dreht den Kopf verschämt zur Seite und versucht das Schlafanzugoberteil soweit es geht nach unten zu ziehen, um damit seinen Unterleib zu bedecken. »D-das...«

»Hihi, schon gut. Hat es sich denn gut für dich angefühlt?«

Shinjis sieht den Grauhaarigen, der ihn erwartungsvoll weiter anlächelt, kurz aus dem Augenwinkel an, bevor sich seine Wangen zartrosa färben und er den Blick wieder abwendet. »... Hmmm... Ja ... «

»Schön«, strahlt Kaworu und beugt sich kniend hinüber zu dem Brünetten. Sein Atem streift Shinjis Ohr, als er flüstert: »Ich werde jetzt aber noch etwas mit dir machen, was sich noch viel besser anfühlen wird.«

Bei diesen Worten spannt sich der Körper des Jüngeren wie elektrisiert an. »W-was ...?«

»Keine Angst...«, küsst der Grauhaarige ihn auf die Ohrmuschel und lässt dann seine Zunge in den Gehörgang gleiten, »ich werde ganz sanft sein ...«

Shinji kneift die Augen zusammen und versucht das aufkommende Gefühl unter Kontrolle zu bekommen, dass durch die Liebkosung erneut entfacht wurde. Doch schon dreht Kaworu sein Kinn in dessen Richtung, um ihn auf einen leidenschaftlichen Kuss einzuladen. Shinji lässt es mich sich geschehen. Kaworus Küsse sind wie eine samtige Entwaffnung, die in seinem Kopf alles wolkenweich werden lassen. Wie automatisch wendet Shinji dem Älteren nun auch seinen Oberkörper ganz zu und breitet seine Beine ein Stück auseinander, um Kaworu eine bequemere Position zu ermöglichen. Er spürt, wie eine Hand des Älteren in seine Intimzone wandert und kurz über seine erneute Errgeung streift, bevor sie sich unter seinem Penis und den Hoden platziert. »Shinji-kun«, haucht er, »könntest du deine Beine etwas anwinkeln?«

»Hmm ... «, antwortet der Brünette leise und tut wie ihm geheißen. Bei der Vorstellung daran, was als nächstes passieren wird, beginnt sein Herz zu flimmern.

Kaworu beginnt vorsichtig mit dem Zeigefinger um seine Rosette zu kreisen.

»N-nicht ...!«, Shinjis Stimme ist zittrig.

»Entspann dich einfach...«, küsst Kaworu ihn sanft, »Shinji-kun ...«

»Hnng ...« Das Gefühl, als sich Kaworus Finger behutsam in sein Inneres vorantastet, ist im ersten Moment befremdlich, aber nicht unangenehm. Kaworus sinnliche Küsse lösen dazu außerdem wieder ein begehrendes Ziehen in seinem unteren Bauch aus. Allmählich entspannen sich auch seine angespannten Glieder und er seufzt leise zwischen ihren Küssen auf.
»
Gefällt es dir, Shinji-kun?«, fragt Kaworu leise und küsst ihn auf die Stirn, während er sich vorsichtig kraulend weiter vorarbeitet. Shinji hat die Augen geschlossen und atmet merklich ein und aus. Seine Haut ist ganz erhitzt. Kaworu betrachtet ihn zufrieden, bevor er seinen Finger aus ihm herauszieht, nur um ihn dieses Mal zusammen mit seinem Mittelfinger ein weiteres Mal in ihm verschwinden zu lassen. Shinji öffnet die Augenlider und stöhnt auf. »Ah ...! « Kaworu hat die Stelle gefunden, die ihm einen wohligen Schauer über den Rücken laufen lässt. »Ka-Kaworu-kun!«

»Fühlt sich das gut an?« Der Ältere sieht ihm tief in die Augen. »Du scheinst dich an meine Finger gewöhnt zu haben ...«

»Ja, aber ... «, presst Shinji unter Anstrengung hervor, während er sich versucht aufzustützen, »Warte! Hör auf!«
Kaworu hält inne und zieht seine Finger aus ihm heraus. »Alles in Ordnung?«

»Ja ... «, keucht der Brünette und spürt, wie sein Glied pulsiert. »Es geht die ganze Zeit bloß um mich und ob ich mich gut fühle ... Aber ich möchte, dass du dich auch gut fühlst ...«

»Shinji-kun ...«

Shinji setzt sich auf und blickt mit großen Augen zu dem Älteren hoch, der direkt vor ihm kniet. Seine Hände greifen an Kaworus Gürtel und öffnen die Schnalle, wonach er dessen schwarze Hose herunterzieht. Die blauen Augen staunen nicht schlecht, als sich in den eng anliegenden Boxershorts ein stattlich erregter Penis abzeichnet. Shinji schluckt kurz, bevor er sich daran macht, auch die Shorts nach unten zu ziehen. Mit zittrigen Händen umfasst er Kaworus Glied und lässt seine Finger mit Bedacht auf und ab gleiten. Als er mit dem Daumen leichten Druck auf die Spitze ausübt, entflieht Kaworu ein Stöhnen, was Shinji eine wohlige Gänsehaut bereitet.

Dass Kaworu so einen Laut von sich geben kann ...! Mach ich es richtig ...?

»Gut so, Shinji-kun ... Ah ... « Kaworus Wangen sind von einer zarten Röte gefärbt, als er mit einer Hand über Shinjis Kopf streichelt.

»Hnn ...«

Der Jüngere bewegt seine Hände rhythmisch rauf und runter, bis sich seine Handinnenflächen etwas feucht anfühlen und Kaworu sanft seine Hände in die seinen nimmt. »Danke, das reicht ...«, sagt er und die roten Augen wirken glasig. »Lass es uns jetzt zusammen tun ...«

Sobald sich Kaworus Lippen auf Shinjis Mund drücken, lehnt sich der Brünette zurück auf die Matratze. Ihre Küsse sind dieses Mal fahriger, impulsiver und Shinji kann nur daran denken, dass er den Grauhaarigen in sich spüren will.

Kaworu hebt Shinjis Becken an und führt seine Männlichkeit an das kleine Loch, während er mit heiserer Stimme fragt: »Darf ich, Shinji-kun?«

»Ja ...! Hnn ...« Der Jüngere krallt sich am Laken fest und presst die Lippen zusammen, als Kaworu langsam in ihn eindringt, begleitet von einem seichten, aber entzückendem Schmerz.

Kaworu presst vorsichtig weiter, ohne den Blick von dem Brünetten, in dessen Gesicht sich Pein und Lust wiederspiegeln. »Shinji-kun, ich bin jetzt ganz drin ...«

»... Ok ... «

»Ich beweg mich jetzt ...«

»Ok ... hnng ...« Eine Träne rollt reflexartig aus Shinjis Augenwinkel, als Kaworu das erste Mal zustößt.

»Shinji-kun ...«, flüstert der Ältere, bevor sich ein zweites Mal in ihn hineingleiten lässt.

»Hnn ...«

Kaworu küsst ihn leicht auf die dünnen Lippen und bewegt seine Hüften dann rhythmisch vor und zurück. Der anfängliche Schmerz und die Furcht vor den unbekannten Empfindungen vergehen mit jedem Stoß. Für Shinji ist es, als strömten nun eine weiche Welle der Wollust nach der anderen durch seinen gesamten Körper. Die knisternden Schaumkronen haben sich noch nicht ganz aufgelöst, da werden sie schon von der nächsten Welle eingeholt.

»Kaworu... kun ... « Shinji blickt mit halb geöffneten Augen zu dem Jungen über ihm auf. Kaworu kniet breitbeinig zwischen seinen Beinen und kreist kontrolliert seine Hüften, während er mit seinen Händen Shinjis Beine auseinanderdrückt. Die Haut seines feingliedrigen, schlanken Körpers erscheint im matten Licht noch heller als sonst. Fast, als wäre sie durchsichtig. Einige Haarsträhnen fallen ihm ins Gesicht und sein Atem geht schwer. Seine fiebrig funkelnden Augen sind nur auf Shinji gerichtet. Fast, als würde er ihn verschlingen wollen.

»Ist alles ok?«, keucht der Grauhaarige.

Als Antwort entflieht Shinji nur ein bejahendes Stöhnen. Kaworu lächelt milde.

»Kaworu-kun... Ich ...  « Der Jüngere beißt sich erneut auf die Unterlippe. Sein Penis ist stark erregt und er wird sich bald der aufwallenden Euphorie in ihm ergeben müssen.

»Ah, Ich ... Shinji... kun!«

Kaworu stößt noch ein paar Mal gezielt zu, bevor er sich mit einem erleichternden Aufstöhnen auf den Jungen unter ihm fallen lässt. Shinjis Klimax folgt kurz darauf und für einige Sekunden werden all seine Gedanken hinfort geschwemmt und pure Glückseligkeit übermannt ihn.

Shinji fühlt sich noch ein wenig berauscht, als er die Augen öffnet. Kaworus Kopf ruht auf seiner Schulter. Er kann den Atem des Älteren hören, der sich noch nicht ganz wieder beruhigt hat. Er hebt seine Arme und schlingt sie um dessen schlanken Rücken. Seine Haut ist ganz warm und ein wenig verschwitzt. Eine Hand gleitet ein wenig höher, bis seine Finger die Haarspitzen des Älteren berühren und er dessen Nacken streicheln kann. Shinji spürt, wie Kaworu sein Gewicht ein bisschen mehr auf ihn verlagert. Um Shinjis Lippen spielt ein zaghaft beschämtes Lächeln. Er hat tatsächlich mit Kaworu geschlafen und es war wunderschön gewesen! Alle Gedanken, die ihn vorher noch gequält haben, scheinen sich in Luft aufgelöst zu haben. Er ist nicht allein. Er hat jemand ganz besonderen gefunden. Kaworu ist bei ihm. Und zum ersten Mal braucht er keine Scheu haben, sich jemandem ganz zu öffnen. Shinji verfestigt seine Umarmung. Sie sind einander ganz nah. Haut an Haut. Herz an Herz.

»Ist alles ok, Shinji-kun?« Kaworu richtet sich ein Stück auf und streift mit seiner Hand über das brünette Haar.

»Ja«, nickt dieser mit geröteten Wangen.

»Dann ist gut.« Der Grauhaarige gibt ihm einen Kuss auf die Stirn, bevor er von Shinji herunterrollt und nach der Bettdecke greift, um sie beide damit zuzudecken. »Komm her. «

Als Shinji sich auf die Seite dreht, um den Älteren anschauen zu können, rückt dieser ganz dicht an ihn heran und umarmt ihn.

»Morgen ist ein langer Tag«, lächelt Kaworu sanftmütig. »Lass uns jetzt schlafen.«

»Ja ...« Der Brünette lehnt seinen Kopf an dessen Brust. Tatsächlich fallen ihm jetzt bereits schon fast die Augen vor einer angenehmen Müdigkeit zu.

»Gute Nacht, Shinji-kun.« Shinji spürt, wie Kaworu ihn auf den Haaransatz küsst und ihm über den Kopf streichelt.

»Gute Nacht, Kaworu-kun ...«

Eine himmlische Ruhe umfängt ihn, als er sich in Kaworus Arme sinken lässt und die Augen schließt. Er wird jetzt endlich friedlich schlafen können. Ganz sicher und geborgen. Wie in den Armen eines Engels.
 
 
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