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Relationships take effort

KurzgeschichteDrama, Romance / P16 / MaleSlash
Alexander "Alec" Lightwood Clarissa "Clary" Fray Isabelle "Izzy" Lightwood Jace Wayland / Jonathan Christopher Herondale Magnus Bane
06.04.2021
12.04.2021
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08.04.2021 2.940
 
Herzlich Willkommen zurück!

Das Wetter ist furchtbar, also wird der Tag mit etwas Malec Action besser gemacht. Jetzt kommt wenigstens etwas Schwung ins Geschehen, hehe.

Vielen Dank an Tiffi für das liebe Review!

~ Juros

*********


Die nächsten zwei Tage sehen sich Alec und Magnus kaum, da der Hexenmeister alle Hände voll zu tun hat und auch Alec ist im Institut vollauf beschäftigt. Trotzdem haben die beiden sich für heute zum Abendessen verabredet. Dieses Mal allerdings ganz klassisch bei Magnus im Loft und nicht irgendwo im Ausland.

Aber als Alec gerade dabei ist einige Unterlagen zu sortieren, die sich die letzten Tage angestaut haben, klingelt sein Handy. Verwundert sieht er, dass es Magnus ist, der ihn gerade anruft.

„Hey, was gibt’s?“, fragt er mit einem Lächeln.

„Alexander, es tut mir leid. Das mit heute Abend wird nichts“, erwidert Magnus und das Lächeln kippt Alec schlagartig aus dem Gesicht.

„Und das fällt dir eine Stunde vorher ein?“, entgegnet er verärgert und hört den Hexenmeister gequält seufzen.

„Es tut mir leid, es kam etwas Wichtiges dazwischen. Ich mach es wieder gut, ja?“

Mit diesen Worten legt Magnus auf und Alec starrt sprachlos sein Handy an. Den ganzen Tag hat er sich auf diese Verabredung gefreut und jetzt das! Er presst die Lippen zusammen. Was ist denn so wichtig, dass Magnus einfach ihren geplanten Abend absagt? Bisher hatte er immer den Eindruck, der Hexenmeister würde alles stehen und liegen lassen, um ihn glücklich zu machen.

Mach dich nicht lächerlich!, weist er sich gedanklich zurecht. Magnus hat noch ein Leben außerhalb von dir. Es kann sich nicht alles um dich rotieren.

Dennoch- Wer oder was könnte ihn dazu bewegt haben, das Abendessen abzusagen? Noch nie hat Magnus ihn ohne weitere Erklärung abgewiesen. Er war immer ehrlich zu ihm.

In Alec breitet sich immer mehr Unruhe aus, weswegen er kurzerhand das Büro verlässt, und beschließt seine Verärgerung im Training abzubauen. Das hat bisher immer seine Wirkung erzielt. Zwar hat er gerade niemanden, mit dem er trainieren kann, aber das ist ihm recht. Er hat keine Lust, irgendwelche Fragen zu beantworten.

Doch lange hat er nicht seine Ruhe, als er eine Gestalt am Rande wahrnimmt. Offenbar hat Clary ihn die letzten Minuten beobachtet und kommt nun näher, als er innehält.

„Wer oder was hat dich verärgert?“, fragt sie besorgt, worauf Alec auf schnaubt.

„Niemand!“

Darauf verdreht die Rothaarige die Augen. „Klar, das sieht man auch.“

Herausfordernd blickt sie Alec an. Manchmal erstaunt sie ihn immer noch. Schon damals, als sie neu dazu gestoßen ist, hat sie sich nicht von ihm einschüchtern lassen. Dabei hat Alec das Talent durch bloße Blicke Leute zum Schweigen zu bringen. Doch bei Clary hatte es noch nie richtig Wirkung erzielt. Vielleicht kommt da in ihr der Morgenstern Anteil durch.

„Es geht um Magnus, oder?“, fragt sie und reißt Alec somit aus seinen kurzen Grübeleien. Abrupt fährt er herum und kann es nicht verhindern, dass er ertappt, rot anläuft.

„So offensichtlich?“ Verunsichert dreht er eine Klinge in seinen Händen und weicht Clarys Blick aus.

„Eigentlich habe ich nur geraten. Was ist bei euch los? Vor ein paar Tagen war doch noch alles in Ordnung“, erwidert Clary und legt den Kopf schief. Immerhin kommt es selten vor, dass Alec Lightwood so dermaßen durcheinander ist und in ihr macht sich Mitleid breit. Das den dunkelhaarigen Schattenjäger etwas beschäftigt, ist deutlich.

Einen Augenblick zögert Alec. Manchmal ist er immer noch unsicher, was dieses Mädchen betrifft. Doch letzten Endes hat Clary sich oft genug als loyal gegenüber ihm und den anderen bewiesen. Somit beginnt er zu berichten. Von Catarina und Magnus auf der Terrasse und der abrupten Absage von erst.

Clary hört geduldig zu und zieht schließlich die Stirn kraus. „Vielleicht gibt es eine ganz logische Erklärung dafür.“

„Die da bitte wäre?“, entgegnet Alec genervt. „Du hast die beiden nicht gesehen!“

„Du vertraust ihm doch, oder? Glaubst du wirklich, dass Magnus dich einfach so hintergehen würde?“

„Was würdet du denn tun, wenn Jace plötzlich mit Isabelle flirtet?“, faucht Alec zurück und Clary beginnt lauthals zu lachen, ehe sie sich zurückhalten kann.

„Ein besserer Vergleich fällt dir nicht ein?“

„Vorsicht, Fairchild, ich bin gerade nicht sonderlich gut gelaunt“, warnt Alec sie und hebt die Klinge. Hastig versucht Clary sich wieder zu beruhigen.

„Ich verstehe schon, was du damit sagen wolltest. Aber Magnus liebt dich. Und du liebst ihn. Das reicht doch.“

Mitleidig schüttelt Alec den Kopf. „Du lebst immer noch nach diesen verdammten, irdischen Idealen. Dabei solltest du längst bemerkt haben, dass in der Schattenwelt die Dinge wesentlich komplexer sind.“

Aufgebracht stemmt Clary die Hände in die Seite. „Hey, ich bin nicht komplett auf den Kopf gefallen! Und es ist sehr wohl ähnlich. Ähnlicher, als du vielleicht denkst.“

Verächtlich verzieht Alec das Gesicht und wendet sich ab. Clary scheint zu realisieren, dass das Gespräch beendet ist und will gehen. Doch sie dreht sich noch einmal um.

„Du hast Angst ihn zu verlieren und nach allem, was vorgefallen ist, kann ich das verstehen. Trotzdem solltest du ihm vertrauen“, sagt sie leise.

Alec wirbelt herum und greift instinktiv nach dem Messer, dass auf dem Tisch neben ihm lag.

„Ich habe keine Angst!“, ruft er wütend und ohne nachzudenken, wirft er das Messer in Richtung Clary. Sie kann aber noch rechtzeitig ausweichen und so steckt die Waffe nun in der hölzernen Wand. Genau an der Stelle, an der Clary vor einigen Sekunden noch stand.

Schockiert sieht diese jetzt zu Alec, der sich resigniert durch die Haare fährt.

„Verdammt, es tut mir leid“, sagt er kleinlaut und zieht vorsichtig das Messer wieder heraus, um es achtlos zur Seite zu werfen. „Irgendwas ist da gerade in mir durchgedreht.“

Vorsichtig tritt Clary näher und legt eine Hand an seinen Arm.

„Ich weiß, für dich sind Emotionen nur Ablenkung, aber manchmal sollte man sie zulassen. Rede mit Magnus darüber. Du tust dir keinen Gefallen, wenn du alles in dich verschließt“, sagt sie sanft und Alec ringt sich ein Lächeln ab.

„Bist du okay?“

„Hey, es ist nicht das erste Mal, dass ich angegriffen werde“, versichert Clary und grinst schwach. „Jace und Izzy erfahren kein Wort davon. Das bleibt unter uns, versprochen.“

Mit diesen Worten verlässt sie endgültig den Raum und Alec weiß, was er jetzt zu tun hat.

Entschlossen öffnet Alec die Tür zu Magnus‘ Loft. Falls der Hexenmeister nicht da sein sollte, wird er warten. Er muss mit ihm reden, denn Clary hat Recht. Magnus und er waren sich einig, dass sie in ihrer Beziehung ehrlich zueinander sind und wenn in Alec Skepsis wächst, dann wird er das ansprechen.

„Magnus? Hallo?“ Suchend streift er durch die Räume, als er ein Lachen hört, welches von oben kam. Entschlossen steigt Alec die Treppe hoch und öffnet die nächstbeste Tür, hinter der er das Geräusch vermutet hat. Was er sieht, kann er im ersten Moment nicht fassen.

„Was soll das werden, wenn es fertig ist?“, entfährt es ihm, worauf Magnus und Catarina erschrocken auseinanderfahren.

„Alexander! Was machst du hier?“, will der Hexenmeister schockiert wissen.

„Ich weiß, du hast gesagt, dass mit heute Abend wird nichts. Aber ich habe dir geschrieben, dass ich trotzdem vorbeikommen werde, weil ich mit dir reden muss“, erklärt Alec und runzelt die Stirn.

Catarina hebt abwehrend die Hände. „Wir können das erklären.“

Doch Alec sieht sie vernichtend an, sodass Magnus ihn sanft, aber bestimmt aus dem Raum schiebt. „Ich bin gleich bei dir“, sagt er leise und schließt die Tür hinter sich. Fassungslos schüttelt der Schattenjäger den Kopf. Er hat mit vielem gerechnet, aber nicht damit.

Als Magnus nach draußen tritt, verschränkt Alec die Arme vor der Brust. „Ich warte immer noch auf eine Erklärung. Wieso hast du sie geküsst?“

Doch Magnus geht wortlos an ihm vorbei und verschwindet nach unten. Wütend folgt Alec ihm und hält den Hexenmeister schließlich am Arm fest. „Habe ich was falsch gemacht?“

Darauf schüttelt Magnus den Kopf. „Du hast nichts falsch gemacht, Alexander.“

„Wieso hast du sie dann geküsst? Was sollte das?“

Langsam spürt Alec, wie seine Wut Überhand nehmen will. Er muss sich halten seinen Freund nicht an den Schultern zu packen und zu schütteln, denn wie es scheint, wird er keine zufriedenstellende Erklärung von ihm erhalten.

„Magnus, was sollte das?“, wiederholt er nachdrücklich und der Hexenmeister reibt sich mit einer Hand über die Stirn.

„Nichts, was dich zu sorgen hätte.“

„Nichts, was mich zu- Hörst du dir eigentlich zu? Du hast sie geküsst!“, ruft Alec aufgebracht und Magnus hebt die Augenbrauen.

„Und du bist unangemeldet hier aufgetaucht.“

„Ich bin nicht unangemeldet aufgetaucht! Hättest du auf dein Handy gesehen, wüsstest du, dass ich vorbeikommen wollte“, verteidigt sich Alec, während Magnus sich abgewendet hat.

„Und ich warte immer noch auf eine Erklärung!“

„Es gibt nichts zu klären“, entgegnet Magnus tonlos und Alec entkommt ein entgeisterter Laut.

„Nichts zu klären? Wir haben einiges zu klären. Wieso hast du Catarina geküsst?“ Mittlerweile klingt seine Stimme fast schon verzweifelt. Aber Magnus sieht ihn nur regungslos an und geht raus auf die Terrasse.

„Ich dachte, wir waren uns einig, dass wir mit offenen Karten spielen“, sagt Alec und er kann es nicht verhindern, dass er enttäuscht klingt. Von Magnus kommt nur ein leises Lachen.

„Was wäre eine Beziehung denn ohne ein paar Geheimnisse?“

Alec tritt neben ihn und sieht ihn entsetzt an. Ist das gerade sein Ernst? Er versucht sich zur Ruhe zu zwingen, auch wenn alles in ihm schreit Magnus aus Frustration anzubrüllen oder in Tränen auszubrechen. Gerne auch beides, aber das erscheint Alec gerade zu dramatisch.

„Ich will einfach nur wissen, was da gerade los war. Das sah mehr als Freundschaft aus und sag mir jetzt nicht, dass das ein übliches Ritual unter Hexenmeistern ist!“, stellt er klar und schluckt hart.

Jetzt wendet Magnus sich endlich dem Schattenjäger zu, der Ausdruck in seinen dunklen Augen ist schwer zu deuten. „Alexander, wie ich es dir bereits gesagt habe: Du musst nicht alles wissen.“

Normalerweise liebt Alec es, wenn sein Freund ihn beim vollen Namen nennt, aber in diesem Moment versetzt es ihm einen Stich. Noch nie klang Magnus so abweisend und er ballt die Hände zu Fäusten, um nicht völlig die Fassung zu verlieren. Ohne das er es verhindern kann, kommen ihm die Worte seiner Mutter in den Sinn, die ihn einst vor Magnus warnen wollte. Damals, als sie noch abgeneigt gegenüber Magnus war und Alec von dessen zweifelhaften Ruf erzählt hat. Magnus Bane lebt alles andere als zurückhaltend.

Als würde der Hexenmeister seine Gedanken erraten, bahnt sich ein zynisches Lächeln über sein Gesicht und er will sich zum Gehen wenden, aber Alec hält ihn entschlossen zurück.

„Ich würde es trotzdem gerne wissen wollen“, sagt er schnell, „damit ich es verstehen kann.“

„Du wusstest von Anfang an, worauf du dich einlässt. Tut mir leid, wenn es nicht deinen Erwartungen entspricht“, erwidert Magnus kühl.

„Ich will doch einfach nur wissen, warum du sie geküsst hast!“, ruft Alec und seine Stimme bricht am Ende ein wenig. Er fühlt sich langsam immer unverstandener. Wieso sagt Magnus nicht, was passiert ist? Läuft da etwa nebenbei was mit Catarina? Nein, Magnus würde sowas nie tun! Vielleicht hat er schon ein ganzes Maß an Beziehungen hinter sich, aber er würde ihn nie so hintergehen. Magnus ist einer der loyalsten Personen, die er kennt.

Magnus entringt sich dem Griff des Schattenjägers und zuckt mit den Schultern.

„Ich will einfach ein paar Geheimnisse für mich behalten, Alec.“

Resigniert lässt dieser den Kopf hängen und beißt sich auf die Unterlippe. Er könnte genauso gut eine Wand ausfragen, die ist ebenso auskunftsfreudig. Warum kann Magnus ihm nicht sagen, was passiert ist?

„Offenbar haben wir unterschiedliche Vorstellungen, was Vertrauen und Ehrlichkeit angeht“, sagt er leise und schluckt.

„Offenbar. Und wenn man sich im Offenbaren nicht einig ist, sollte man es lassen“, antwortet Magnus ruhig und Alecs Kopf fährt ruckartig auf, um seinen Gegenüber entsetzt anzusehen.

„Das soll es also gewesen sein? Einfach so?“, flüstert er, während seine Augen anfangen zu brennen. Doch er hält die Tränen krampfhaft zurück. „Das meinst du nicht ernst!“ Flehentlich sieht er den Hexenmeister an, der keine Miene verzieht.

Alec macht einen Schritt zurück, ohne den Blick von Magnus zu nehmen. Innerlich hofft er, dass sein Freund ihm nacheilt, anfängt zu lachen und diesen Spuk beendet. Aber nichts der Gleichen geschieht. Langsam geht Alec zur Wohnungstür, wo er sich nochmal zur Terrasse umdreht. Ohne es zu merken, ist Magnus lautlos nach drinnen gekommen und steht ihm nun einige Meter gegenüber.    

„Deine Eltern hatten Recht. Unsere Welten gehören nicht zusammen“, sagt Magnus leise und Alec fühlt sich so, als hätte er ihm diese Worte ins Gesicht geschrien. Er tastet nach der Klinke und öffnet die Tür, ehe er nach draußen stürmt. Erst unten auf dem Gehweg hält er inne und versucht zu Atem zu kommen. Im selben Moment spürt er die Tränen, die über seine Wangen fließen. Verärgert fährt er sich mit dem Handrücken über das Gesicht, was aber nichts bringt. Als hätte jemanden den Knoten in seinem Hals gelöst, kommen immer wieder neue Tränen nach.

Alec hat keine Ahnung, wie er es zum Institut geschafft hat, als er aber endlich angekommen ist, rennt er, ohne auf jemanden zu achten, sofort hoch in sein Zimmer. In der Hoffnung, dass ihn jetzt keiner stört. Er schnappt nach Luft und unterdrückt ein Schluchzen. Er hat absolut keine Ahnung, was Magnus mit seinem Verhalten bezwecken wollte. Ihn verletzen? Ja, das hat er definitiv geschafft.

Eigentlich ist Alec kein sonderlich emotionaler Mensch, doch wenn es um die geht, die ihm viel bedeuteten, dann sieht die Sache schon anders aus. Vor allem Magnus ist sein wunder Punkt. Er weiß einfach nicht, was in seinen Freund gefahren ist, dass er sich so fragwürdig aufführt. Hat er etwas falsch gemacht? Liebt Magnus ihn nicht mehr? Erschöpft sinkt Alec auf sein Bett und verbirgt das Gesicht hinter den Händen. Seine Tränen wollen immer noch nicht stoppen und das wird sich wohl nicht so schnell ändern.

Er hat ja schon vieles erlebt, aber noch nie so eine absurde Situation. Vor ein paar Tagen war noch alles in Ordnung zwischen Magnus und ihm und jetzt soll es plötzlich vorbei sein? Das macht doch keinen Sinn!

In dem Moment wird die Tür geöffnet und Alec wischt sich hastig über die Wangen, allerdings ist es nur Isabelle, die hereingekommen ist und sich besorgt umsieht. Als sie ihren Bruder erblickt, seufzt sie erleichtert auf. „Ah, hier bist du! Mir haben einige gesagt, dass du zum Institut hereingerannt gekommen bist. Wurdest du von Dämonen verfolgt?“

Isabelle hätte wahrscheinlich weitergeredet, wenn ihr in dem Moment nicht der Zustand ihres Bruders aufgefallen wäre. „Bei den Engeln, was ist denn passiert?“, entfährt es ihr erschrocken und sie schließt die Tür hinter sich.

Alec sieht mit Tränen in den Augen auf und will zum Wort ansetzen, aber dann schüttelt er nur den Kopf und spürt, wie seine Tränen wieder über die Wangen laufen. Zögernd setzt Isabelle sich neben ihn, ehe sie nach seiner Hand greift. „Alec, was ist los?“, fragt sie leise und mustert ihren Bruder eingehend.

Es ist selten, dass Alec so dermaßen aufgelöst ist wie jetzt. Isabelle hat ihren älteren Bruder nun schon in vielen Launen erlebt, aber sehr selten weinend. Eigentlich so gut wie nie und das überfordert sie gerade ein wenig.

„Geht es um Magnus? Ist was zwischen euch passiert?“, fragt sie vorsichtig und Alec beißt sich auf die Unterlippe, ehe er nickt. Dann entringt sich ihm doch ein ersticktes Schluchzen und Isabelle zieht ihn sofort in eine Umarmung.

Ein wenig ist es Alec unangenehm, dass er ausgerechnet vor seiner jüngeren Schwester die Fassung verliert. Doch er weiß, dass Izzy ihn nicht verurteilen und so lange warten wird, bis er sich etwas gefangen hat. Und außerdem braucht er gerade einfach jemanden, der ihn festhält. Eigentlich fällt es Alec recht leicht seine Gefühle hintenanzustellen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, aber nachdem, was gerade passiert ist, gelingt es ihm einfach nicht.

Geduldig wartet Isabelle ab, bis sich ihr Bruder wieder beruhigt hat, was einige Zeit dauert. In Gedanken überlegt sie fieberhaft, was wohl passiert sein könnte. Alec ist eigentlich nicht der Typ, der so leicht durcheinander zu bringen ist.

Irgendwann lässt das Zittern von Alecs Körper nach und Isabelle drückt ihn ein Stück von sich, um ihn ansehen zu können. Doch ihr Bruder wendet sich ab, worauf Isabelle ihn entschlossen zu sich herumdreht. Sorgenvoll sieht sie in Alecs Gesicht.

„Ich weiß, du hasst es darüber zu sprechen, was dich beschäftigt. Aber bei den Engeln, rede mit mir Alec! Ich kann nicht einfach hier dasitzen, ohne zu wissen, was passiert ist. Ist Magnus was zugestoßen? Hat er dir was angetan? Habt ihr euch gestritten?“, platzt es aus ihr heraus und sie holt tief Luft.

Alec presst die Lippen zusammen, während neue Tränen in seinen Augen brennen. Er hasst es so schwach zu sein, aber gleichzeitig hat er keine Kraft mehr jemanden vorspielen zu müssen, dass er okay ist.

„Ich weiß es nicht“, sagt er schließlich mit belegter Stimme. „Magnus und ich… wir hatten eine Art Streit.“

Damit beginnt er seiner Schwester zu erzählen, was sich bei Magnus im Loft abgespielt hat und mit jedem Wort wird Isabelles Miene verwirrter.

„Das kann doch nicht sein Ernst sein!“, entfährt es ihr schließlich fassungslos, während Alec die Nase hochzieht und seine neuen Tränen wegwischt. In diesem Moment erinnert ihn Isabelle sehr an einen kleinen Jungen und es bricht ihr fast das Herz, ihren sonst so starken Bruder so zerbrochen zu sehen. Hat Magnus überhaupt eine Ahnung, was seine Worte angerichtet haben?

„Alec, das macht doch alles keinen Sinn. Wieso würde Magnus dich so sehr verletzten? Was bezweckt er damit?“, grübelt Isabelle laut vor sich hin und Alec hebt mutlos die Schultern.

„Ich weiß es nicht. Im Moment weiß ich gar nichts mehr.“
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