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Escape

GeschichteAbenteuer, Drama / P16 / Het
OC (Own Character)
06.04.2021
30.04.2021
10
27.217
2
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Dieses Kapitel
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06.04.2021 3.076
 
Andere Menschen würden mich vielleicht für verrückt erklären, aber der heutige Tag interessiert mich schon seit längerem nicht mehr. Es ist meine fünfte Ernte, jedes Mal ist es das gleiche aufs Neue, jedes Mal ist das einzige, das wir zurück bekommen ein trostloser Sarg mit einer Leiche. Es ist beinahe so als wolle das Kapitol sich über die Schwäche eines Kindes lustig machen. Eines unschuldigen Kindes, das brutal dem Tod ausgesetzt wurde. Fast schon wünsche ich mir, dass ich gezogen werde. Ich könnte einen Menschen vorm Tod bewahren und mir selbst würde es auch nicht sonderlich schaden. Nicht, dass ich mich für besonders stark halte und denke, dass ich gewinnen würde. Es ist nur so, dass mein Leben hier keinen Sinn ergibt. Ich werde nie etwas erreichen und am Ende sterbe ich ohne wirklich gelebt zu haben. Es mag übertrieben wirken, aber ich arbeite Tag für Tag an Uniformen für Friedenswächter. Immer wieder das gleiche. Ich bin einfach müde vom Leben. Im Kapitol würde ich wenigstens etwas erleben. Auch wenn ich dann sterbe, das ist es mir wert.

Ich seufze und lege eine weitere fertige Uniform zusammen. Mittlerweile fühle ich mich wie eine Maschine. Anfangs hat es mich ermüdet immer wieder dasselbe zu tun, aber jetzt interessiert es mich einfach nicht mehr. Leera, ein Mädchen aus meinem Sektor, lächelt mir leicht zu und nimmt mir die Uniform ab.

»Das waren alle für heute«, sagt sie und dreht mich an den Schultern um. »Geh, mach dich hübsch. Du weißt, was heute ist.«

Ich schaue sie über die Schulter an und lächle sie matt an. Sie ist so lieb, manchmal wirkt sie wie ein Engel. Es tut mir im Herzen weh, wenn ich daran denke, dass sie heute genauso gut gezogen werden kann.

Ohne ein Wort zu sagen, verlasse ich die Fabrik und trete auf die Straße. Industriequalm, Fabriken und heruntergekommene Mietshäuser. Distrikt 8 ist unglaublich hässlich.

Als ich meine Wohnung erreiche, wartet bereits meine Mutter auf mich. Sie hält ein hübsches Kleid in den Händen. Wo sie das aufgetrieben hat, will ich gar nicht wissen. Legal war es sicher nicht.

»Das kann ich nicht annehmen, Mum«, sage ich und streiche über den schwarzen Stoff. Ich kann ihn nicht zuordnen, aber es scheint ein edler Stoff zu sein. Er fühlt sich so leicht und seidig an.

»Nimm es bitte.« Mum hält mir auffordernd das Kleid entgegen. Ihr Blick sagt mir, dass ich es besser einfach nehmen sollte. Widerworte wird sie nicht dulden.

Also nehme ich es an und verziehe mich ins Schlafzimmer, um mich umzuziehen. Wir haben nur eines und teilen es uns zu viert. Mum, Dad, meine Schwester und ich. Für mehr reicht das Geld nicht.

Zuvor hatte ich das Kleid schon echt schön gefunden, aber jetzt wo ich mich im Spiegel betrachtete, finde ich es noch schöner. Es geht mir bis zur Mitte der Oberschenkel, hat dünne Träger und wird zur Taille hin schmaler. Der Stoff spielt locker um meine Beine und lassen sie lang und schlank wirken. Für das Kapitol ist es vermutlich nichts besonderes, doch in Distrikt 8 ist es wertvoll und das obwohl in unseren Fabriken wunderschöne Kleidung liegt. Nur leider ist sie nicht für uns. Klauen ist unmöglich. Ich habe es selbst nie ausprobiert, doch ich kenne Leute, die bei dem Versuch ihr Leben gegeben haben.

Ich entscheide mich dafür meine Haare heute einfach offen zu tragen. Es schmeichelt meinen Gesichtszügen einfach am meisten. Mein Gesicht wirkt schmaler und meine blauen Augen stechen hervor.

Die Tür öffnet sich quietschend und Mum kommt herein, um mich zu betrachten. »Möchtest du dir nicht lieber eine hübsche Frisur machen?«, fragt sie mich.

Ich schüttle den Kopf und sie zuckt bloß mit den Schultern.

»Es steht dir echt gut.«

»Danke.«

Damit ist das Gespräch beendet. Es ist nicht so, dass wir uns nicht gut verstehen, aber irgendwie sind wir schon immer so wortkarg gewesen. Es ist eben alles gesagt, was gesagt werden sollte.

»Wann kommen Dad und Cathleen?«, frage ich irgendwann und schaue zu Mum herüber. Sie hat sich ebenfalls ein schwarzes Kleid angezogen und ist gerade dabei sich einen strengen Dutt zu machen.

»Oh, sie sind bereits auf dem Platz«, sagt sie geistesabwesend.

Überrascht ziehe ich die Augenbrauen hoch. »Ja? Warum haben sie nicht gewartet?«

Mum lässt von ihren Haaren ab und sieht mich genervt an. »Cat hat sich bei einer Freundin fertig gemacht und dein Dad hat sie nach der Arbeit dort abgeholt.« Sie greift wieder zu der Bürste und ich antworte lieber nicht darauf. Ich will keinen Streit provozieren, nicht heute.

»Gut, können wir los, Bella?« Mums Stimmt reißt mich aus meinen Gedanken und ich erhebe mich schnell.

»Natürlich, ich bin fertig.«

Kritisch betrachtet Mum noch einmal meine Haare und ich sehe sie herausfordernd an. »Passt dir irgendetwas nicht?«, frage ich sie und sie seufzt bloß und schüttelt dann den Kopf.

»Ist ja deine Sache, komm jetzt.«

Sie hält mir dir Tür auf und ich laufe an ihr vorbei, ohne mich zu bedanken. Ich weiß nicht warum, aber ihre Anwesenheit stört mich. Vermutlich liegt es an diesem Tag. Der angespannten Stimmung.

Die Straße ist überfüllt, aber trotzdem ist es verdammt still. Ich kann kein einziges Gespräch hören, alle laufen mit starrem Blick in Richtung Ernteplatz. Ich kann es ihnen nicht verübeln, mir ist gerade auch nicht nach Reden zumute.

Mitten in der Menschenmasse kann ich Leera sehen und ich drängle mich schnell zu ihr durch. Sie lächelt, als sie mich sieht und ich erwidere das Lächeln. Sie sieht wunderschön aus in ihrem orangen Kleid und mit den hochgesteckten, blonden Haaren.

Schweigend laufen wir nebeneinander her, bis wir den Platz erreichen und uns wie gewohnt in den Finger stechen lassen, um unsere Anwesenheit zu überprüfen. Die Friedenswächter schieben mich in die Reihe für die 16-jährigen Mädchen und trennen mich dabei von der 18-jährigen Leera.

Als ich mich umsehe, kann ich niemanden entdecken, den ich kenne und zu dem ich mich stellen könnte, also bleibe ich neben einem blonden Mädchen stehen und warte auf den Beginn der Ernte.

Die diesjährige Betreuerin betritt die Bühne und begrüßt uns mit quietschender Stimme. Sie sieht genauso schrecklich aus wie die Letzte. Knallpinke lange Haare, gerader Pony, übertriebenes Make-up und das viel zu kurze, pinke Kleid. Bei dem Gedanken in diesem Outfit zu stecken, wird mir schlecht.

»Wir ihr wisst, ist dies das vierte Jubeljubiläum und wenn ihr mich fragt, ist das ein Grund zum Feiern. 100 Jahre Hungerspiele!« Sie strahlt uns freudig an und klatscht in die Hände. Dass ihr Publikum nicht in Feierlaune ist, scheint sie nicht im geringsten zu interessieren.

»Also.« Sie räuspert sich und holt einen kleinen Zettel hervor, vermutlich um nicht zu vergessen, was sie sagen muss. »Dieses Jahr sind die Hungerspiele etwas ganz besonderes. Wie gesagt, es muss gefeiert werden! Also hat das Kapitol sich etwas Tolles für euch ausgedacht. Das wird sensationell!« Sie wartet ab und als die gewünschte Reaktion ausbleibt, redet sie einfach weiter. »Dieses Jahr werden 24 Tribute gezogen, die in verschiedenen Arenen in Zweierteams gegeneinander antreten müssen. Nach dem Einzeltraining wird entschieden, wer am besten zueinander passt und ein Team bilden wird! In jeder Arena ist es das Ziel, die Tore zur nächsten Arena zu finden, allerdings werden die Tore mit jeder Arena immer weniger. Einfach gesagt: Das heißt, dass immer ein paar Tribute zurückbleiben müssen. Bedauerlich...« Man sieht ihr sogar von meinem Standpunkt aus an wie falsch ihr bedrückter Gesichtsausdruck ist. Es wird ihr Spaß machen zu sehen, wie die zurückbleibenden Tribute verzweifeln.

»Am Ende wird es wie immer nur einen Sieger geben. Nach jedem Tor werden die Teams wieder durchgemischt und es ist egal, ob ihr miteinander auskommt. Wer seinen Teampartner tötet, wird bestraft und das wird besonders amüsant, meine Lieben, das sag ich euch!« Sie lacht schrill und klatscht wieder begeistert. Mir läuft ein Schauer über den Rücken, als ich daran denke, dass diese Frau sich am Tod unschuldiger Kinder amüsiert. Krank.

»Gut, kommen wir zur Ziehung der Tribute.« Sie stöckelt zu einer Kugeln und zieht einen Zettel heraus. Unglaublich langsam öffnet sie ihn und liest den Namen mit einem Lächeln vor.

»Bella Crawford.«

Alle Blicke liegen auf mir. Kurz bin ich tatsächlich geschockt. Ich stehe da und weiß nicht, was ich fühlen oder denken soll. Es fühlt sich beinahe an wie ein Traum, der außer Kontrolle gerät und die Macht über meinen Körper an sich reißt. Ich hab keine andere Wahl, als jetzt auf diese Bühne zu gehen. Egal, was ich jetzt mache, jedes erdenkliche Szenario endet damit, dass ich auf dieser Bühne stehe und als die  diesjährige Tributin für Distrikt 8 präsentiert werde. Ich weiß, dass der endgültige Schock, wenn ich es realisiere, noch auf sich warten lässt. Stattdessen lenke ich mich jetzt mit dem Gedanken ab, dass ich aus diesem trostlosem Distrikt verschwinden werde und es macht mir ein wenig Mut und betäubt das Entsetzten. Ich versuche möglichst gefasst zu wirken und trete aus der Menge hervor.

»Komm schon her, meine Liebe.« Die Betreuerin winkt mich zu sich. Das macht es eigentlich sehr viel weniger schmackhaft auf die Bühne zu treten, aber da komme nicht drum herum. Also erklimme ich die Stufen und stelle mich neben sie.

»Gut, gut, Bella.« Sie tätschelt meine Schulter und ich entziehe mich ihren Händen. Sie macht sich nichts draus und geht zur Kugel mit den Jungennamen.

Sein Name lautet Cameron. Er ist fünfzehn Jahre alt und ein manches Mädchen hätte ihn als außerordentlich attraktiv bezeichnet. Ich kenne ihn nicht, doch mein Herz schmerzt als ich die Träne sehe, die über seine Wange läuft. Ich will nicht, dass er sterben muss.

»Bella und Cameron, die diesjährigen Tribute von Distrikt 8. Applaus für diese mutigen beiden Kämpfer«, sagt die Betreuerin feierlich, als Cameron neben mir steht. Sie schiebt uns näher zusammen, damit wir uns die Hände geben und klatscht übertrieben, als ich schließlich seine Hand kurz drücke. Damit ist sie die einzige. Niemand teilt ihre Freude.

»Einen Moment noch, wir werden noch kurz unsere diesjährige Mentorin für die beiden hier vorstellen«, fährt sie fort und deutet zur Treppe. Eine braun gebrannte, junge Frau betritt die Bühne und streicht langsam durch ihre langen, schwarzen Haare. Sie ist sehr hübsch und hat eine positive Ausstrahlung, die sie sofort sympathisch wirken lässt. Ich kenne sie, jeder tut das. Sie ist die einzige lebende Gewinnerin aus Distrikt 8.

»Mein Name ist Safara Reed. ich bin die Gewinnerin der 43. Hungerspiele und werde die Mentorin für Bella und Cameron sein. Seid euch sicher, dass sie in guten Händen bei mir sind«, sagt sie und streicht und kurz über die Schultern. Ich sehe zu ihr auf und sie lächelt mir sanft zu, bevor sie die Bühne verlässt.

Die Betreuerin sagt noch etwas, das ich nicht verstehe, dann werden wir von den Friedenswächtern von der Bühne geleitet.


Cameron und ich werden getrennt und in unterschiedliche Räume geführt. Seine Anwesenheit neben mir zu spüren, fehlt mir irgendwie. Ich fühle mich wieder allein und den Friedenswächter ausgeliefert. Sie dürfen mir nichts tun, doch allein schon diese Kälte, die von ihnen ausgeht, macht mich nervös, sodass ich mich ungemein auf den Raum, in den gesteckt werde, freue.

Das erweist sich als Fehler. Der Raum ist wunderschön, prächtig und alle möglichen Verzierungen sind aus Gold. Trotzdem strahlt der Raum etwas unangenehmes aus und der Gedanke, dass Friedenswächter vor den schweren Türen stehen und darauf achten, dass ich nicht abhaue, ist beängstigend. Ich fühle mich gefangen. So als ob ich etwas verbrochen hätte.

Es ist eine Erleichterungen als die Türen geöffnet werden und meine Schwester Cathleen hereinstürmt und mir in die Arme fällt. Sie weint fürchterlich, schluchzt gegen meine Schulter und drückt mich fest an sich. Ich streichle ihr beruhigend über den Rücken und über das weiche Haar.

»Ich will nicht, dass du gehst«, sagt Cathleen weinerlich. »Was sollen wir denn ohne dich machen?«

»Ihr schafft das«, flüstere ich in ihr Haar und schiebe sie an den Schultern sanft von mir. »Ihr schafft das.«

Cathleen schüttele den Kopf. Tränen strömen ihre Wangen herunter. Ich hebe die Hand und verwische mit meinem Daumen eine Träne, die sich einen Weg ihr Kinn hinab sucht.

»Doch, Engel, du bist stark. Und du hast Mum und Dad. Ihr schafft das. Wirklich, Cat, ihr schafft das auch ohne mich.« Ich lege meine Hand auf ihren Hinterkopf und drücke sie wieder an mich. Sie schlingt ihre Arme sofort um meine Taille und krallt sich in meinem Kleid fest. So bleiben wir eine gefühlte Ewigkeit. Vielleicht ist es das letzte Mal, dass wir uns sehen und berühren können. Ziemlich wahrscheinlich sogar und das wissen wir beide, auch wenn wir es nicht wahr haben wollen.

Auch als die Friedenswächter die Türen öffnen und Cathleen heraus bitten, löst sie sich nicht von mir. Im Gegenteil. Ich spüre wie sie ihre Finger fast schon schmerzhaft in meinen Rücken krallt  und sich noch enger an mich drückt.

»Ich will nicht, dass du gehst«, flüstert sie gegen meine Schulter.

Die Friedenswächter interessieren sich nicht für den Schmerz den wir fühlen, als sie Cathleen gewaltsam von mir ziehen und aus den Raum schleifen. Sie wehrt sich, schreit und weint fürchterlich. Ruft, dass ich sie nicht verlassen soll. Ich kann ihren Schmerz verstehen, auch wenn es vielleicht nicht so wirkt, weil ich ihn nicht so sehr nach außen trage, aber dennoch fühle ich ihn. Mein Herz zerreißt fast als die Türen zufallen und mich für immer von meiner kleinen Schwester trennen.

Ich lasse mich auf das samtige Sofa fallen und vergrabe meinen Kopf in meinen Händen. Der Gedanke sie nie wieder zu sehen, lässt mich verzweifeln und auch ich lasse den Tränen jetzt freien Lauf. Es ist doch egal, ich muss nicht stark wirken. Ich werde nicht lange überleben, warum sollte ich also stark wirken? Am Ende wird es dann eher peinlich für mich. Jeder denkt ich könnte es weit schaffen und am Ende bin ich die erste, die stirbt. Wie würde das schon wirken? Aber vielleicht sollte ich jetzt, in diesem Moment, stark sein. Für meine Eltern. Ausgerechnet jetzt, wo ich es wirklich sollte, kann ich es nicht.

Die Türen öffnen sich erneut und die Friedenswächter schieben Mum und Dad herein. Mum tippelt auf mich zu und zieht mich in ihre Arme, während Dad langsam zu uns kommt und traurig lächelt.

»Du schaffst das schon, mein Schatz«, sagt Mum, als sie sich von mir löst. »Schau dich an, du bist ein starkes, junges Mädchen, du kannst das wirklich schaffen.«

Ihr zur Liebe reiße ich mich zusammen. »Ja… Ja, ich weiß, ich kann das schaffen«, sage ich und beiße mir auf die Lippe, um die Tränen zurückzuhalten. Was für eine Lüge. Ich kann es nicht schaffen. Aber das jetzt zu sagen, würde alles nur noch schmerzhafter, realer und schlimmer machen. Das kann ich Mum und Dad nicht antun, auch wenn sie es eigentlich selbst wissen.

Mum streicht mir noch einmal kurz über die Schulter und lächelt mich an, dann tritt Dad vor und bleibt kurz vor mir stehen.

»Deine Mutter hat Recht, du wirst gewinnen, Bella. Glaub daran.« Er verzieht sein Gesicht, vielleicht zu einem Lächeln, und zieht mich dann an den Schultern sanft zu sich. Ich umarme Dad nicht oft und sehen, tu ich ihn auch fast nie. Eigentlich kenne ich ihn kaum. Dennoch fühlt die Umarmung sich unglaublich familiär und vertraut an und ich bin einfach nur glücklich ihn zu haben. Überhaupt einen Vater zu haben, im Gegensatz zu so vielen anderen. Ob Cameron wohl Familie hat? Ich verdränge den Gedanken an Cameron und lehne mich gegen Dad.

Nach ein paar Sekunden schiebt er mich sanft von sich und lächelt mich ein letztes Mal an. »Wir lieben dich, Bella. Denk daran, okay?«

Ich nicke und schaue zu Boden. »Ich euch auch, ehrlich. Kümmert euch gut um Cat, sie braucht es.«

Mum und Dad versprechen es und ich glaube ihnen. Dann gehen sie zur Tür und lassen sich von den Friedenswächter heraus geleiten.

Das war‘s dann jetzt. Ich werde meine Familie nie wieder sehen, das waren die letzten Worte, die ich mit ihnen gewechselt habe. Erneut lasse ich mich auf das Sofa fallen, ziehe meine Beine an und lasse meinen Kopf dagegen sinken. Es ist mir egal, was die Friedenswächter denken, wenn sie mich so sehen.

Ich bleibe eine gefühlte Ewigkeit so sitzen und versuche krampfhaft nicht an meine Eltern und Cathleen zu denken. Ich lasse meine Gedanken erneut zu Cameron wandern und frage mich, was er gerade wohl macht. Vielleicht verabschiedet er sich noch von seiner Familie oder seinen besten Freunden. Vielleicht sitzt er hier genauso wie ich und wünscht sich, dass der Schmerz aufhören würde. Dabei ist das doch gerade Mal der Anfang.

»Verdammt«, fluche ich und springe auf. »Verdammt, verdammt, verdammt!« Ich schreie, weine und schlage gegen die nächstbeste Wand. Plötzlich kann ich mich nicht mehr auf den Beinen halten und rutsche bitterlich weinend an dieser viel zu wertvollen Wand herunter. Ich hasse das Kapitol. Ich hasse Distrikt 8. Ich hasse mein verdammtes Leben hier. Alles wäre anders, wenn ich woanders leben würde, außerhalb von Panem. Ich könnte glücklich sein. Etwas erreichen. Aber es wird mir verwehrt bleiben, ich kann an meinen Lebensumständen nun Mal leider nichts ändern. Vor allem jetzt nicht, wo es klar ist, dass ich sterben werde.

Ich höre wie die Tür sich öffnet. Vermutlich die Friedenswächter, die mich zum Zug bringen werden. Ich habe nicht die Kraft mich zu erheben und im nächsten Moment werde ich unangenehm hochgezogen und einfach mitgeschleift. Irgendwann schaffe ich es meine Füße nebeneinander zu setzen und laufe einfach neben dem Friedenswächter her. Ich kann nicht sehen, wo ich bin, meine Haare nehmen mir die Sicht, aber eigentlich interessiert es mich auch nicht. Ab jetzt werde ich eh vom Kapitol gesteuert und darf nicht mehr selbst entscheiden, was ich tun und lassen will.



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Hallöchen!
Wenn du das hier liest, freue ich mich sehr, dass du auf meine Fanfiktion gestoßen bist und das erste Kapitel gelesen hast!
Das ist die erste Fanfiktion, die ich seit langem hier hochlade und ich hoffe, sie findet zumindest etwas Anklang. Die Idee ist nicht super originell und auch nichts Neues, aber ich hatte Lust auch mal so etwas zu schreiben. Über Feedback würde ich mich natürlich sehr freuen :)
Ich muss sagen, ich bin schon immer unbegabt darin gewesen ansprechende Kurzbeschreibungen zu schreiben, also vielleicht hat da jemand einen Verbesserungsvorschlag. Jetzt gerade bin ich damit nämlich nicht sehr zufrieden :D
Das war's dann jetzt aber auch von mir, ich hoffe es finden sich ein paar Leser, die meine Story verfolgen!
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