Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Das Wochenwortwagnis

SammlungAllgemein / P12 / Gen
05.04.2021
22.07.2021
22
14.357
1
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
22.07.2021 730
 
Komm zu mir, mein Kind“, flüstert die Stimme in meinem Traum. „Du hast nach mir gesucht und ich sage dir, finde mich.“ Bilder von Bergen und Tälern blitzen in schneller Abfolge vor meinem inneren Auge auf, von scheinbar endlosen Plateaus, steilen Hängen und trügerischen Pfaden. „Komm zu mir!
Ich wache auf.

Das war jetzt die dritte Nacht in Folge, dass ich von diesem Drachentraum aus dem Schlaf gerissen wurde und mittlerweile glaube ich, mir aus der Flut von Bildern genug gemerkt habe, um die Orte wiederzuerkennen, wenn ich sie sehe. Vielleicht sollte ich diese Träume doch nicht einfach ignorieren, sondern mit Mnemos darüber reden – ich habe ihm am Anfang unserer Bekanntschaft ja erzählt, dass ich auf der Suche nach dem Ursprung meines drakonischen Erbes bin, dem Kupferdrachen Akambherylliax. Der Magier würde vermutlich verstehen, wenn ich ihn verlasse und den Träumen folge, würde bestimmt sagen, wie unhöflich es wäre, meinen Drachenahn warten zu lassen, wenn der nach mir ruft – für all die Verrücktheiten eines Menschen, der die meiste Zeit alleine in der Wildnis verbingt, legt der alte Mann unglaublich viel Wert auf Manieren und höflichen Umgang.
Jedenfalls bei anderen, die er für ihr schlechtes Benehmen schelten kann, nur um es im nächsten Atemzug noch selber zu übertreffen. Die Risiken einer langen Laufbahn als Magier und Jäger alter, oftmal vergessener Artefakte.

Aber Unhöflichkeit hin oder her, ich habe Mnemos nicht ohne Grund die letzten zwei Tage nichts von den Träumen erzählt. Ich habe nicht vor, mich einfach so wegschicken zu lassen, nicht wenn ich ihm stattdessen wie versprochen bei seiner aktuellen Suche helfen kann.
Was nichts mit Pflichtgefühl zu tun hat oder so – versprechen kann sich ja jeder mal – sondern viel mehr damit, dass es ein Abenteuer werden würde, gefährlich sein könnte und Mnemos mit all seiner Erfahrung, all seinem Wissen, der Meinung ist, dass ich tatsächlich eine Hilfe sein werde. Er belächelt mich nicht auf Grund meines geringen Alters, wie sie es zu Hause getan haben – was, ja okay, nicht ganz unverständlich ist, an den Maßstäben der Elfen gemessen bin ich wirklich noch sehr jung, aber mein Vater ist nun einmal menschlich, mein Alterungsprozess daher nicht so langsam und verdammt, hat es an meinen Nerven gezehrt, immer noch wie ein Kind behandelt zu werden.
Nein, es war eine gute Entscheidung, einfach loszuziehen statt immer wieder mit meiner Mutter zu diskutieren in der Hoffnung, sie würde irgendwann begreifen, dass ich schon erwachsen bin. Ja, ich habe noch einiges zu lernen, bevor ich ganz auf eigenen Beinen stehen kann, aber darum bin – war? – ich ja auf der Suche nach Akambherylliax. Und die letzten Tage unterwegs mit Mnemos hat er sich auch als guter (wenn auch eigenwilliger) Lehrer erwiesen – was ein weiterer Teil meines Problems ist. Soll ich nicht lieber hier bei ihm bleiben, wo mich sicher weitere Lektionen über Magie, Geschichte und das Leben in der Wildnis erwarten, statt darauf zu hoffen, dass mein Drachenahn mir wohlgesonnen ist?

Als ich Mnemos schließlich von den Träumen erzähle, ist das alles ganz einfach für ihn.
„Ich sehe da gar kein Problem“, sagt er. „Ich muss nur mal eben ein Simulacrum von dir erschaffen.“
Mal eben, pfft. Den Erzählungen über seine früheren Abenteuer nach ist das ein Zauber, den er erst vor ein paar Jahren gelernt hat – aus gutem Grund. Das ist kein Zauber für Novizen, nichts was man mal spontan heraushauen kann – von einem ganzen Tag der Vorbereitung hat er mal gesprochen.
„Das wird dann natürlich bei mir bleiben, es sollte schließlich dieselben Vorteile einer Halbelfe haben, dasselbe instinktive Wissen des Drakonischen, während du selbst zu deinem Drachen gehen wirst – es wäre doch sehr unhöflich, nur einen Stellvertreter zu schicken, statt selber zu erscheinen“, weist Mnemos an. „Keine Sorge, ich werde mich gut um dein Ebenbild kümmern.“
Er stößt ein gackerndes Lachen aus, das irgendwie beunruhigend wirkt, mehr noch durch das Echo, das von den Bergwänden zurückgeworfen wird.
Die Risiken einer Bekanntschaft mit einem Magier und Jäger alter Artefakte.


(654 Wörter)

Der Versuch, einen Teil der Vorgeschichte  von Lesyra, meinem neuen Charakter in einer DnD-Runde, mit dem Prompt der Woche zusammen zu bringen.
Bitte, lieber DM, ich will dir damit keine bösen Ideen einpflanzen.

Mnemos in Anlehnung an Mnemosyne, Göttin der Erinnerung, weil er vergessene Artefakte wieder in Erinnerung der Leute ruft

Titel "Echo",  weil Klone in Mando in einigen FFs Echos genannt werden


MiraM, 22.7.21
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast