Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Familiensache

GeschichteRomance, Thriller / P18 / Gen
05.04.2021
11.04.2021
5
5.453
7
Alle Kapitel
12 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
08.04.2021 1.252
 
Als die Schlampe, dicht gefolgt von ihm, auf die Terrasse kam, zwang sich Priska zu einem strahlenden Lächeln.
Hier sind die Getränke – ich hoffe dir schmeckt mein Eistee, Priska“, brabbelte das dämliche Gör drauf los.
Doch Priska blieb höflich. „Oh, ganz sicher – auch wenn es nicht wie normaler Eistee aussieht?“, hakte sie zuckersüß nach, denn die Brühe war nicht schwarzbraun, sondern rot und Erdbeerscheiben schwammen darin herum.
Das kleine Luder warf ihm einen nervösen Blick zu, bevor es erklärte: „Ja, das ist Hagebuttentee, er ist sehr gesund, enthält viel Vitamin C, genau wie Erdbeeren, und zum Süßen nehme ich Birkenzucker, das hat weniger Kalorien bei gleicher Süßkraft, wie normaler Zucker!“
Priska ballte unter dem Tisch ihre Hände zu Fäusten.
Das Miststück war doch einfach nur unerträglich! Wer trank schon Hagebuttentee freiwillig? In den paar Wochen, die Priska mit sechs im Kinderheim verbracht hatte, nachdem ihr drogenabhängiger Vater ihre drogenabhängige Mutter totgeprügelt hatte, gab es das Zeug jeden Abend und sie hatte es gehasst!
Und Birkenzucker zum Süßen? Was war das überhaupt?
Priska fiel dazu nichts mehr ein.
Oh, dann bin ich ja sehr gespannt“, erwiderte sie jedoch, noch immer freundlich lächelnd.
Die kleine Schlampe wirkte erleichtert, als sie ihm bedeutete den Wein-Pokal mit dem Gebräu zu füllen, der an Priskas Platz stand.
Priska kannte die kristallenen Weinpokale, mit denen die Tafel bestückt war; sie hatte sie zusammen mit Primus ausgesucht, damals, als sie dieses Haus gebaut und bezogen hatten.
Doch warum deckte das dämliche Gör den Tisch mit Weinpokalen ein, wenn es keinen Alkohol gab?
Priska hatte keine Lust darüber nachzudenken; dafür war sie zu nüchtern.
Stattdessen nahm sie vorsichtig einen Schluck des roten Gesöffs und musste sich leider eingestehen, dass es gut schmeckte, auch wenn es durch einen Schuss Wodka sicher noch besser geworden wäre.
Hmm, himmlisch!“, verkündete Priska und hätte sich fast ob des glücklichen Lächelns der kleinen Schlampe übergeben.
Was fand Primus nur an so einem Pippi-Mädchen, wenn er ein Prachtweib wie Priska haben konnte?
Klar, ihre Beziehung hatte in den letzten Jahren einige Höhen und Tiefen gehabt, doch Priska arbeitete daran, machte immer brav die Beine breit, wenn Primus Lust auf Sex hatte, versuchte ihre Stimmung abends durch Alkohol aufzuhellen.
Doch anscheinend wusste er ihre Bemühungen nicht zu würdigen.
Ich bin so froh, dass es dir schmeckt, Priska! Oh, Schatz, bring doch bitte die Salate, das Brot, die Soßen, Kräuterbutter und das Grillgut aus der Küche – ich denke nicht nur Priska und ich, sondern auch die Jungs sind hungrig!“, meinte sie noch immer so ekelhaft glücklich lächelnd;
zu allem Überfluss erwiderte Primus das Lächeln.
Und was noch schlimmer war, Cyril und Vyvyan stürmten genau in diesem Augenblick zum Tisch, nachdem sie sich an Schaukeln und Klettergerüst ausgetobt hatten.
„Oh, ja, Tante Thalia macht immer lecker Essen!“, verkündete auch schon Vyvyan.
Diese Aussage versetzte Priska einen Stich.
In den letzten Monaten hatte sie ihre Jungs oft vernachlässigt, für sich das gekocht, was sie mochte (wie blutige Steaks, frischen Fisch und knackiges Gemüse), während Cyril und Vyvyan mit Tiefkühl-Pizza, Dosen-Ravioli sowie Pommes und Fischstäbchen vorlieb nehmen mussten, wenn sie aus der Schule kamen.
Anscheinend hatte die kleine Schlampe an den Wochenenden, wenn die Jungs bei ihm waren, ihre kulinarischen Künste offenbart und Vyvyan und Cyril für sich gewonnen.
Zumindest Vyvyan, denn Priska entging nicht Cyrils reserviertes Lächeln.
Auf ihren kleinen Löwen, der die blonden Locken seines Papas geerbt hatte, war Verlass.
Er war immer für sie da, kümmerte sich um sie, schaltete den Fernseher aus, spülte ab, wenn Priska abends vor dem Fernseher einschlief, half Vyvyan beim Baden, schmierte für sich und seinen kleinen Bruder die Pausenbrote, wenn Priska ihren Rausch ausschlief.
So? Was kocht Thalia denn für euch?“, fragte Priska nun ganz unschuldig, als sich ihre Jungs an den Tisch setzten.
„Spaghetti Bolognese, Frikadellen mit Kartoffelbrei und Möhren, Hähnchenkeulen mit Curry-Reis und Erbsen, Mama!“, krakelte Vyvyan drauf los. Priska spürte einen Krampf in der Magengrube.
Vyvyans Lieblingsessen waren Hähnchenkeulen, Cyrils Frikadellen, beide Jungs mochten Spaghetti Bolognese.
Früher hatte sie diese Gerichte regelmäßig gemacht, zusammen mit Lasagne und Sauerbraten – Primus‘ Lieblingsgerichten.
Doch nach der Trennung…
In diesem Moment klingelte es.
„Oh, ich geh schon aufmachen, Schatz! Kümmere du dich um das Essen“, flötete Thalia und tänzelte davon.
Fragend sah Priska ihn an.
„Ihr habt noch jemanden eingeladen?“, hakte sie mit hoch gezogener Augenbraue nach.
Primus wurde doch tatsächlich rot und wich ihrem Blick aus.
Oh, ähm, ja. Thalias Zwillingsbruder. Er ist ganz nett, du wirst ihn mögen“, murmelte er.
Priska bezweifelte es.
Wenn er der Zwillingsbruder von diesem kleinen Luder war, war er sicher genauso unerträglich wie sie.
„So, jetzt sollte ich aber wirklich mal das Grillgut und die Salate holen – Vyvyan, Cyril, mögt ihr mir helfen?“, wandte er sich an die Jungs, die sich gerade rechts und links neben Priska gesetzt hatten.
„Oh, ja!“, rief auch schon Vyvyan aufgeregt und sprang so hastig auf, dass sein Stuhl umfiel.
„Vyvyan!“, fuhr sie ihren Jüngsten an, der sowohl seine Haar- als auch seine Augenfarbe von ihr geerbt hatte.
„Tut mir leid, Mama“, nuschelte der Kleine geknickt, während sein großer Bruder den Stuhl aufhob und Vyvyan an die Hand nahm, bevor die beiden ihrem Vater ins Haus folgten.
Priska seufzte.
Es würde wohl ein langer Nachmittag werden…
„...und das hier ist die Mutter der kleinen Rabauken – Priska!“, plapperte das Miststück gerade drauf los, während sie einen ziemlich kleinen Mann mit dunkelblonden Locken in den Garten führte.
Er sah aus wie ein Trottel, in seinem hellblauen Anzug, dem weiß-hellblau gestreiften Hemd und der gelben Fliege, die er wohl passend zu seiner gelben Weste gewählt hatte.
Oh, na das ist ja eine Überraschung! Freut mich Sie kennen zu lernen!“, kicherte der Trottel und hielt ihr seine Hand hin, die Priska gelangweilt schüttelte, während sie sich eine Bemerkung verkniff.
„Oh, und Priska, das hier ist mein Zwillingsbruder, Vergil“, stellte die Schlampe den Trottel vor.
„Freut mich auch, Vergil“, sagte Priska noch immer gelangweilt, bevor sie sich wieder ihrem Eistee zuwandte.
Der Trottel kicherte erneut, bevor er Priska gegenüber Platz nahm.
„Na, so was, da lerne ich doch endlich die bezaubernde Mutter von Vyvyan und Cyril kennen – die Jungs haben mir ja schon soviel von Ihnen erzählt“, sprudelte er unaufgefordert hervor.
Diese Auskunft weckte dann doch Priskas Interesse.
„Sie kennen meine Söhne demnach ziemlich gut? Komisch, von Ihnen haben die beiden mir nie etwas erzählt, da frage ich mich doch warum“, warf Priska ein.
Nun kicherte das Luder nervös. „Priska, bitte nicht böse sein, aber mein Bruder hilft Vyvyan und Cyril samstags immer mit den Hausaufgaben, wenn sie hier sind… Die Jungs meinten, dass es dir oft nicht gut gehe und sie dich damit nicht belasten wollten“, verriet die Schlampe.
Priska lehnte sich ein wenig vor und stützte die Arme auf der Tischplatte ab, wodurch ihr üppiges Dekolletee betont wurde.
Der Trottel ließ seinen Blick doch tatsächlich kurz dahin gleiten.
„Oh, ja? Das tut mir leid. Meine Söhne sind ja so rücksichtsvoll… Aber warum kann Primus ihnen denn dann nicht helfen? Es ist doch nicht nötig, dass so ein netter junger Mann seinen Samstagnachmittag mit Nachhilfe für ihm völlig fremde Kinder verbringt“, erklärte Priska und zwinkerte dem Trottel kurz zu.
Dieser wurde doch tatsächlich noch röter.
„Oh, so jung bin ich auch nicht mehr – im September werde ich siebenundzwanzig. Und außerdem bin ich angehender Lehrer“, gestand er verlegen lächelnd.
„Oh, wirklich? Wie aufregend!“, bemerkte Priska, ohne es so zu meinen.
Ein Lehrer also.
Das erklärte auch den Trottel-Aufzug.
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast