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Cut the rope

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Het
05.04.2021
05.03.2022
44
138.216
35
Alle Kapitel
99 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
05.04.2021 3.470
 
Hey und Hallo, vielen Dank fürs Reinschauen. Bevor ich euch weiterlesen lasse, eine ganz dringende Triggerwarnung. Diese Geschichte beinhaltet schwere häusliche Gewalt und auch sexuellen Missbrauch bzw. sexualisierte Gewalt. Ich gehe hier nicht (allzu sehr) in graphische Details, aber auch das kann dem einen oder anderen zu viel sein, deshalb die eindringliche Warnung.
Eine Bitte hätte ich noch, falls jemand ein oder mehrere Reviews hinterlassen möchte; solltet ihr Kritik haben, immer raus damit, aber notfalls bitte per PM. Nicht meinetwegen, ich kann mit Kritik umgehen. Aber ich möchte nicht, dass jemand verletzt wird, der vielleicht ebenfalls eine traumatische Vergangenheit hat. Also falls ihr unsicher seid, schreibt mir einfach eine Mail.
Für den unwahrscheinlichen Fall, dass irgendwem der Inhalt bekannt vorkommen sollte; die Geschichte war vor Jahren unter anderem Namen, in einem ganz anderen Bereich schon mal veröffentlicht. Zumindest teilweise. Es handelt sich hier also nicht um ein Plagiat, nur eine Überarbeitung meinerseits.
Nun aber genug von mir. Ich lasse euch jetzt Connor und Katherine kennenlernen :-)


*** ***

Kein steinern Bollwerk kann der Liebe wehren. Und Liebe wagt, was irgend Liebe kann.

(William Shakespeare)


Milde erstaunt ging Connor über das Gelände des Hotels, in dem an diesem Wochenende eine Convention stattfand. Erstaunt deshalb, weil er sich tatsächlich die Beine hatte vertreten können, ohne von Fans erwischt und belagert worden zu sein. Aber nach drei Tagen Trubel um seine Person hatte er eine Pause gebraucht. Eigentlich war die Convention so gut wie beendet, er war sogar fertig, aber Brady, sein Filmpartner und seit kurz nach Drehstart auch bester Freund musste noch seine Autogrammstunde abhalten und er wollte auf seinen Freund warten, aber vor allem darauf, dass die Fans das Hotel verließen und er ungehindert nach Hause fahren konnte.

Das war das Gute an einer Convention in L.A. Man bekam nicht nur schönes Wetter zu sehen, sondern auch das eigene Zuhause. Diesmal zumindest und das gleich für eine ganze Weile, bevor der Dreh der neuen Staffel begann, auf den er sich freute, auch wenn er vorher gerne noch mal nach Tennessee geflogen wäre, um seine Familie zu besuchen.

Plötzlich fiel etwas direkt vor seine Füße.
„Was…?“ Erschrocken machte er einen Schritt zurück und hatte das unbekannte Flugobjekt gerade als schwarze Reisetasche identifiziert, als noch etwas oder vielmehr jemand direkt neben der Reisetasche landete. „Was zur Hölle…?“, rief er aus. Die Frau, die direkt vor ihm gelandet war, musste von einem der Balkone über ihm gesprungen sein und sah ihn nun so verschreckt an, dass es an Angst grenzte.
„Tut mir leid“, wisperte sie. „Ich wollte nicht…“ Sie griff nach der Tasche und verzog sich unter den Balkon eines Zimmers im Erdgeschoss.

„Wo bist du?“, ertönte plötzlich eine tiefe Männerstimme über ihnen. Panisch sah die Frau Connor an.
„Bitte… Sagen Sie nicht, dass Sie mich gesehen haben.“
„Was…?“
„Bitte!“, unterbrach sie ihn flehend. Er war von der Situation vollkommen überrumpelt, aber irgendetwas in den großen blauen Augen, die ihn bittend ansahen, berührte ihn und er schlüpfte schnell mit unter den Balkon.
„Wovor laufen Sie weg?“, fragte er leise. Die Frau, deren dunkelblonde Haare zu einem lockeren Knoten in ihrem Nacken geschlungen waren, schüttelte leicht den Kopf.
„Er bringt mich um, wenn er mich findet. Bitte verraten Sie mich nicht.“
„Was ist hier…?“ Eigentlich los hatte er fragen wollen, doch die Männerstimme, die wieder über ihnen ertönte und diesmal direkt über ihren Köpfen, unterbrach ihn, was vor allem daran lag, dass die Frau ihre Tasche an sich drückte und sich selbst so dicht an die Wand drängte, dass er sich fragte, ob sie versuchte dahinter zu verschwinden.

Obwohl er nicht wusste, was er davon halten sollte und er eigentlich nur auf sein Zimmer wollte, konnte er nicht einfach gehen. Diese Unbekannte, deren Angst beinahe greifbar war, brachte seinen Beschützerinstinkt dermaßen in Wallung, dass er, ohne darüber nachzudenken, zu einem Seiteneingang deutete.
„Kommen Sie. Ich bringe Sie hier weg“, flüsterte er
„Nein, ich muss sofort aus diesem Hotel raus“, widersprach sie.
„Verschieben Sie das auf später, wenn…“ Er deutete vage nach oben. „…er weg ist.“
„Aber er wird das ganze Hotel auf den Kopf stellen, um mich zu finden.“
„Das kann er gerne versuchen, aber ich habe Zutritt zu einem abgesperrten Bereich, den nur wenige Personen betreten dürfen und er gehört nicht dazu. Es sei denn, er arbeitet im Hotel.“ Ihr Blick verriet ihm, dass das nicht der Fall war.

„Arbeiten Sie hier?“, erkundigte sie sich.
„Nicht direkt“, gab er vage zu und nahm ihr die Tasche ab, auch wenn sie für eine Sekunde versuchte sie festzuhalten. Doch irgendetwas musste ihr verraten haben, dass sie ihm vertrauen konnte, denn sie ließ ihn nicht nur die Tasche nehmen, sondern zog auch ihre Hand, nach der er griff, nicht weg. Unter dem Schutz der Balkone zog er sie hinter sich her. Nach ein paar Metern tauchte die Seitentür auf, die ihn in den abgesperrten Bereich des Hotels führte. Abgesehen von Frank, der als sein und Bradys Bodyguard fungierte, war der Flur leer.

Connor zog die Unbekannte weiter hinter sich her.
„Du hast uns nicht gesehen, falls jemand fragt“, raunte er Frank zu. Der nickte grinsend und Connor nahm an, Frank glaubte, er hätte gegen seine Gewohnheit ein Groupie aufgerissen. Aber er hatte keine Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, sondern wollte nur die verängstigte Frau wegbringen. Ihre Hand, die noch immer in seiner lag, fühlte sich eiskalt an und trotz der Enge, da seine Hand ihre weiterhin umschloss, fühlte er das Zittern ihrer Finger.

Sie hatten Glück, dass sich einer der Aufzüge sofort öffnete und stiegen schnell ein. Sein Zimmer lag im zehnten und damit obersten Stock und der Aufzug fuhr ohne Unterbrechung hinauf. Auch auf dem Flur war niemand zu sehen und er zog die Frau weiter hinter sich her.
„Wo bringen Sie mich hin?“, fragte sie, nachdem sie ihm bisher schweigend gefolgt war. Sie klang vollkommen verunsichert, um nicht zu sagen, zu Tode verängstigt.
„Erstmal in mein Zimmer. Dort sehen wir weiter“, antwortete er, blieb gleichzeitig stehen, denn sie hatten sein Zimmer erreicht und er öffnete die Tür mit seiner Keycard.

Die Veranstalter hatten richtig was springen lassen, denn die Darsteller hatten keine normalen Zimmer, sondern Suiten bekommen. Die waren nicht riesig, wie in manch anderem Hotel, boten aber den Luxus eines Schlaf- und eines Wohnzimmers, dazu ein Badezimmer mit Dusche und Badewanne und einen Balkon mit Blick auf den Pazifik.

Er stellte die Tasche neben der Tür ab und deutete auf das Sofa.
„Setzen Sie sich.“ Tatsächlich folgte die Frau seiner Aufforderung, aber sie setzte sich nur auf die Kante und sah aus, als würde sie jeden Moment aufspringen und wegrennen. Noch immer sah er in ihren Augen die blanke Angst, die kein Mensch so gut hätte spielen können und ließ die leisen Zweifel an dem, was er hier tat, verstummen. Stattdessen meldete sich wieder sein Beschützerinstinkt und das noch deutlicher als damals, als dieser Idiot seine Schwester auf dem Spielplatz gequält hatte. Er war nie jemand gewesen, der sich ständig prügelte, aber dem Typen hatte er eine Abreibung verpasst.

Langsam, um sie nicht zu verschrecken, ging er auf sie zu.
„Ich bin Connor“, stellte er sich vor, da er sich sicher war, dass es angenehmer war mit jemandem zu sprechen, dessen Namen man kannte. Zögernd sah sie auf und er erkannte, dass sie mit sich rang, ob sie ihm ihren Namen nennen sollte.
„Katherine“, erwiderte sie schließlich leise und er war sich sicher, dass sie ihm gerade keinen falschen Namen genannt hatte. Er setzte sich ans entgegengesetzte Ende des Sofas.
„Wer war der Kerl?“, fragte er vorsichtig. Wieder konnte er sehen, wie Katherine mit sich rang und ihr Blick huschte mehrmals zur Tür, so dass er glaubte, sie würde doch noch aufspringen und wegrennen. Aber wieder stellte es sich als Irrglaube heraus.
„Er ist mein Mann…“ Es wirkte beinahe verzweifelt, wie sie ihre Hände aneinander rieb. „Ich bin vor ein paar Tagen von Zuhause weggelaufen und jetzt hat er mich gefunden… Ich hätte die Kreditkarte nicht benutzen dürfen.“

Nicht wissend was er sagen sollte, starrte er die Frau neben sich an. Noch immer rieb sie die Hände aneinander und die Ärmel ihres schlichten, dunkelblauen Longsleeves rutschten dabei ein wenig nach oben. Entsetzt starrte er auf ihre Handgelenke, auf denen Flecken zu sehen waren, die teilweise nicht blau, sondern schwarz waren. Nun wusste er, warum sie das eigentlich zu warme Kleidungsstück trug.
„War er das?“, wollte er wissen und deutete auf die Handgelenke. Ertappt zog sie die Ärmel nach unten und sprang auf.
„Ich sollte gehen…“
„Nein.“ Er sprang ebenfalls auf und hoffte, dass sein Lächeln beschwichtigend war. Mit hinter dem Rücken verborgenen Händen stand sie vor ihm und sah aus wie ein verschrecktes Reh. Sein Blick blieb an dem Halstuch hängen, das sie trug und er fragte sich, was sich darunter verbarg.
„Du solltest die Polizei rufen, wenn er…“
„Nein!“, unterbrach sie ihn. „Keine Polizei.“
„Aber…“
„Nein, bitte… Keine Polizei“, flehte sie. „Der Ort, in dem wir leben ist so klein und… Manche der Polizisten sind seine Freunde. Sie werden mir nicht helfen.“
„Dann ruf hier die Polizei“, schlug er vor, doch auch dieser Vorschlag fand keinen Anklang.
„Nein, dann weiß er wo ich bin. Ich will einfach nur weg und… Ich werde die Kreditkarte einfach nie mehr benutzen.“

Connor wusste nicht, was er von all dem halten sollte, aber er wusste, dass er Katherine nicht einfach wegrennen lassen konnte. Obwohl er sie und ihren Mann nicht kannte, ihre Geschichte im Grunde auch nicht, sprach ihre Angst eine deutliche Sprache und er wollte nicht, dass sie ihrem Mann in die Arme lief.

„Möchtest du vielleicht was trinken?“, fragte er. Hauptsächlich um Zeit zu gewinnen, da er nicht wusste, wie er weiter vorgesehen sollte. Ohne ihre Antwort abzuwarten, öffnete er die Minibar, nahm ein Glas und eine kleine Wasserflasche heraus und schenkte ihr ein Glas Wasser ein, das er ihr reichte. Dankend nahm sie es entgegen und noch immer zitterten ihre Hände wie Espenlaub. Wieder drängte sich sein Beschützerinstinkt an die Oberfläche und er musste sich einen Moment setzen, um seine Gefühle in den Griff zu kriegen.

Ein Klopfen an der Tür ließ Katherine zusammenzucken.
„Schon gut“, beschwichtigte er sie, doch den Atem hätte er sich sparen können.
„Bitte“, flüsterte sie. „Bitte verrate mich nicht.“
„Er weiß nicht, dass du hier bist“, beruhigte er sie. „Das wird ein Freund von mir sein.“ Panisch sah sie sich im Zimmer um und blieb an der Tür zum Schlafzimmer hängen. „Geh da rein“, schlug er vor, auch wenn er sich idiotisch dabei vorkam. „Und mach dir keine Gedanken. Ich werde dich nicht verraten“
„Danke.“ Noch immer war ihre Stimme kaum mehr, als ein Flüstern, doch sie eilte zur Tür hinüber –das Glas noch immer in den Händen- und erst als sie im Schlafzimmer verschwunden war, öffnete er die Tür, an der es geklopft hatte.

Wie erwartet, stand Brady davor und grinste breit.
„Was brauchst du so lange? Musstest du erst die Hose hochziehen und die Hände waschen?“
„Was?“, hakte Connor nach, der zu abgelenkt von Katherine war, um Bradys Gedankengang folgen zu können.
„Hast du Pay TV geguckt?“, drückte Brady sich klarer aus und grinste noch breiter dabei.
„Nein, nein, habe ich nicht.“ Noch immer war Connor nicht in der Lage auf den Scherz einzugehen, was auch Brady nicht entging.
„Hast du einen Geist gesehen oder was ist los?“
„Komm erstmal rein“, forderte er sein Gegenüber auf.

Brady folgte der Aufforderung und sah fragend auf die schwarze Reisetasche hinunter, die er nicht kannte und von der er wusste, dass Connor sie beim Check in nicht dabei gehabt hatte.
„Was ist...?“ Er deutete auf das Gepäckstück. Connor wollte Katherine nicht in die Pfanne hauen, aber er musste mit irgendwem reden, deshalb bugsierte er seinen Freund auf den Balkon und unterrichtete ihn im Flüsterton über die Vorkommnisse. Die Augen seines Kumpels wurden immer größer, aber er hörte schweigend zu.

„Was soll ich denn jetzt machen?“, fragte er, als er seinen Bericht beendet hatte.
„Keine Ahnung.“ Ratlos schüttelte Brady den Kopf. „Aber du kannst sie nicht einfach alleine losschicken, wenn der Dreckskerl da draußen rumläuft.“ Zustimmend nickte er, auch wenn er noch immer nicht wusste, wie er Katherine helfen sollte. Was er aber tun musste, war sie aus dem Schlafzimmer holen, damit sie wusste, dass sie keine Angst zu haben brauchte und in ihrer Panik nicht aus dem zehnten Stock sprang.

Er winkte Brady hinter sich her ins Zimmer zurück und ging weiter zur Schlafzimmertür, die er vorsichtig öffnete. Katherine zuckte zusammen, als sie ihn sah und er lächelte ihr beschwichtigend zu.
„Keine Angst, du kannst rauskommen.“ Unschlüssig stand sie direkt vor dem Bett, folgte aber schließlich seiner Aufforderung. Wieder zuckte sie zusammen, als sie Brady sah, doch der lächelte sie beruhigend an.
„Das ist Brady, ein Freund von mir. Mach dir keine Sorgen, er wird nichts verraten.“
„Ich sollte jetzt gehen. Ich habe deine Hilfsbereitschaft genug ausgenutzt“, sagte sie so leise, dass es beinahe ein Flüstern war.
„Nein“, wehrte er ab, unterbrach sich dann aber selbst, weil er nicht wusste, was er weiter sagen sollte. Er tauschte einen Blick mit Brady, der so hilflos aussah, wie er sich fühlte.
„Bleib hier. Wir überlegen uns was, denn… Wo willst du jetzt hin? Vor allem, wenn dein Mann noch hier herumläuft?!“ Katherines Tatendrang fiel in sich zusammen, kaum dass ihr Mann erwähnt wurde und sie sah ihn einerseits hilflos und andererseits fragend an, als sie merkte, dass Brady offensichtlich Bescheid wusste. „Ich musste ihn einweihen“, entschuldigte er sich prompt. „Aber Brady wird dich nicht verraten.“ Ihr Nicken wirkte hilflos, doch sie stellte endlich das Glas ab, das sie noch immer in den Händen gehalten hatte.

Die Männer tauschten einen weiteren Blick, der ihre Hilflosigkeit verriet, aber auch deutlich machte, dass sie die verängstigte Frau nicht hängen lassen wollten. Connor setzte sich wieder auf seinen alten Platz auf dem Sofa, atmete tief durch und fasste einen Entschluss.
„Wir sollten dich erstmal aus dem Hotel rauskriegen. Allerdings müssen wir dafür eine dritte Person dazu holen. Brady und ich sind nicht gerade eine unauffällige Eskorte, deshalb…“ Katherines fragender Blick machte deutlich, dass sie keine Ahnung hatte, wen sie vor sich hatte.
„Brady und ich sind… nicht gerade unbekannt und vor allem hier im Hotel sind eine Menge Leute, die uns kennen, deshalb sollte dich jemand anders raus begleiten.“

Brady wusste sofort, dass er von Frank sprach. Der war für die Fans zwar kein Unbekannter, aber er war ein Bodyguard und wusste, wie man Katherine aus dem Hotel bekam und sie gleichzeitig schützte. Bevor sie protestieren konnte, holte Connor sein Handy aus seiner Hosentasche und rief Frank an.

Der stand fünf Minuten später vor der Tür und sah ihn fragend an.
„Was ist los?“ Er warf Katherine erst einen Blick zu, bevor er Frank antwortete.
„Ich kann dir das jetzt nicht erklären, aber du musst Katherine aus dem Hotel und zu meinem Wagen schaffen. Wir müssen sie ganz dringend hier wegbringen.“ Auch wenn Frank nicht alles verstand, vertraute er den beiden Schauspielern und wusste, wann er, ohne zu fragen, handeln musste. Zumal Katherine die blanke Angst ins Gesicht geschrieben stand und vermutlich selbst der gefühlloseste Mensch der Welt einen Beschützerinstinkt für sie entwickelt hätte.

Ich packe schnell meine Sachen und verschwinde auch“, sagte Brady. Connor nickte zustimmend.
„Ich packe auch und dann können wir auschecken.“
„Ich muss auch noch… auschecken.“ Katherines leise Stimme ließ die drei Männer zu ihr hinüberblicken.
„Das regeln wir beide schon“, versprach Frank und lächelte Katherine warmherzig an. Die erwiderte sein Lächeln und Connor fiel auf, wie es ihr verängstigtes Gesicht erhellte.

Brady nickte leicht in die Runde und verließ den Raum, um zu packen. Auch Connor begann, seine Sachen zusammenzusuchen, hielt aber inne, als Frank auf sein Basecap deutete, das er in seine Tasche hatte werfen wollen.
„Gib mir deine Mütze für Katherine. Was auch immer hier vor sich geht, ich habe das Gefühl, eine kleine Stilveränderung könnte nicht schaden.“ Er hielt Franks Idee für gut, reichte dem Bodyguard das geforderte Kleidungsstück und der trat auf Katherine zu, setzte ihr die Mütze auf und ignorierte ihren ängstlichen Gesichtsausdruck. Stattdessen wandte er sich erneut an Connor.
„Gib mir eins von deinen Hemden und eine Sonnenbrille.“ Er bekam, was er verlangte und reichte die Sachen an Katherine weiter.

Die schlüpfte gehorsam in das Hemd, das ihr viel zu groß war und ihre Hände zitterten noch immer so sehr, dass sie es kaum zuknöpfen konnte. Connor, der das sah, hätte ihr am liebsten geholfen, doch er nahm an, dass sie das nur noch mehr ängstigen würde. Körperkontakt und wenn er noch so klein war, schien nicht angebracht zu sein und wenn er an ihre Handgelenke dachte, ahnte er warum das so war.

Katherine schaffte es schließlich, das Hemd zu schließen und wollte hinterher die Sonnenbrille aufsetzen, wurde aber von Frank zurückgehalten.
„Setz sie erst auf, wenn wir das Hotel verlassen. Im Gebäude ist es zu auffällig. Selbst in L.A.“ Wieder wirkte es gehorsam, als Katherine nickte, die Sonnenbrille zusammenklappte und in der Hand behielt.

Connor hatte unterdessen gepackt und stellte seine Tasche neben Katherines.
„Ich nehme deine Tasche gleich mit zum Wagen“, teilte er ihr mit. „Je weniger bekannte Sachen du dabei hast, desto besser.“ Ihm fiel auf, wie gehorsam auch dieses Nicken Katherines aussah, mit dem sie antwortete. Er fing einen Blick von Frank auf, der ihm verriet, dass der Bodyguard ähnlich wie er empfand.

Zum dritten Mal klopfte es an der Tür und, wie erwartet, zuckte Katherine zusammen. Er ignorierte es, ging zur Tür und ließ Brady erneut eintreten. Der sah fragend in die Runde.
„Sollen Connor und ich zuerst auschecken? Sobald wir an unseren Autos sind, schreiben wir Frank, dass ihr nachkommen könnt“, schlug er vor. Die beiden Männer gaben ihr Einverständnis, während Katherine einfach nur dastand und schon wieder aussah, als würde sie jeden Moment die Flucht ergreifen. Damit das nicht wirklich passierte, nahm Connor das Gepäck, trat auf Katherine zu und sagte so leise, dass nur sie ihn hörte: „Wir kriegen das schon hin. Frank wird nicht zulassen, dass dir was passiert und wenn wir erst hier raus sind…“
„Danke“, wisperte sie und erwiderte zittrig das aufmunternde Lächeln, das er ihr schenkte.

Connor und Brady verließen das Zimmer und konnten nur Minuten später Frank informieren, dass er das Mädchen in Not retten sollte.

*** ***

Auffordernd lächelte Frank sie an. Der Mann war riesig und beinahe so breit, wie er lang war. Dazu kam ein Gesicht, das gestandene Männer in Angst und Schrecken versetzen konnte. Aber zu ihrer eigenen, beinahe grenzenlosen Überraschung hatte sie keine Angst vor ihm. Im ersten Moment natürlich schon, aber kaum hatte er sie angelächelt, war ihre Angst verstummt. Und keine Angst vor einem Mann zu haben, war für sie eine vollkommen neue Erfahrung.
„Dann wollen wir mal nach unten gehen“, sagte er. Sie atmete tief durch, zog sich die Mütze tiefer in die Stirn und trat neben den massigen, glatzköpfigen Mann, der aussah, als könnte er eine zweihundert Jahre alte Eiche umpusten.

Ungehindert kamen sie in die große Halle und erreichten auch die Rezeption.
„Ganz ruhig“, raunte Frank ihr zu, als sie sich unauffällig umsah. „Dir wird niemand zu nahe kommen.“ Sie nickte nur und wandte sich der Frau an der Rezeption zu, die sie fragend anlächelte. „Ich möchte auschecken“, teilte sie der Mitarbeiterin mit. „Zimmer 168.“

Es kam ihr vor wie eine Ewigkeit, bis sie endlich die Rechnung unterschreiben konnte. Bezahlt hatte sie bereits und das mit der verhängnisvollen Kreditkarte, die Jonathan auf ihre Spur gebracht hatte. Hinterher umfasste Frank unerwartet sanft ihren Arm und führte sie aus dem Hotel hinaus, auf den Parkplatz und weiter zu einem schwarzen Geländewagen, an dem Connor lehnte und auf sie wartete.
Wir sollten schnell verschwinden“, sagte er und stieß sich von seinem Wagen ab. „Brady ist von ein paar Fans entdeckt worden und lenkt sie von mir ab.“ Er ignorierte ihren fragenden Blick und reichte Frank stattdessen die Hand. „Danke für deine Hilfe, Mann.“
„Jederzeit“, wehrte der Bodyguard den Dank ab.
„Wir sehen uns dann in ein paar Tagen“, verabschiedete sich Connor.

Sie blickte dankbar zu Frank auf, der sie noch mehr überragte, als Connor und der war schon eine ganze Ecke größer, als sie es war.
„Danke für alles. Ich weiß nicht, wie ich das wieder gutmachen kann.“
„Das brauchst du gar nicht“, wehrte Frank auch diesen Dank ab. „Halt einfach die Ohren steif, kleine Lady.“ Erneut entlockte er ihr ein Lächeln, doch es schwand, als Connor ihr die Beifahrertür öffnete. Trotzdem stieg sie ein, als er sie dazu aufforderte.

Sie kletterte in den SUV, dessen Beifahrertür von Connor wieder geschlossen wurde. Der stieg nur Sekunden später auf der Fahrerseite ein und lächelte ihr aufmunternd zu.
„Das schlimmste hast du hinter dir.“ Da war sie sich nicht sicher. Da war sie sich absolut nicht sicher.

*** ***
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