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Lucifer - Der tiefe, tiefe Fall

GeschichteMystery, Übernatürlich / P12 / Gen
Amenadiel Chloe Decker Ella Lopez Lucifer Morningstar Mazikeen OC (Own Character)
05.04.2021
08.04.2021
2
8.835
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08.04.2021 4.255
 
2. Kapitel Highway out of Hell?

( 52. Kapitel der fortlaufenden Geschichte )

Das Auffallendste war das warme Licht, das von ihm ausging. Ich habe ihn nie wieder gesehen, aber wann immer ich dieses anheimelnde Gefühl bekomme, weiß ich, daß er mir nah ist.

Ingrid Herrera

Hellbound


Starlight
Now it's the time
Now I will try
To realise my desire
To strike back

Tonight
I'm prepared for this time
To kill demons of crime
I will fight

Fight for my right
For many years
I've been under a curse

I swear... I've been under a spell
The time is right
I will flee from this hell
Ooh everywhere I see
Ghosts all around
I'm hellbound!

Moonlight
I'll take my weapon
Of attack
(And) without fear
Of death I wait
Midnight
I feel ghosts
Are all around
(but) I hold my ground
To survive

Fight, fight, fight
I will fight
Fight for my right
For many years I've been
Under a curse

I feel, I've been under a spell
The time is right
I will flee from this hell
Oh, everywhere I see
Ghosts are all around
I'm hellbound!
I'm spell-bound!
I'm hellbound!
I'm spell-bound!

Warlock

Chloe runzelte mißtrauisch die Stirn, weil sie nicht wußte, wer dieser Fremde war. Gebranntes Kind scheut eben das Höllenfeuer. Der Fremde trug ein Gewand wie in einem dieser Bibelfilme.
 Auf Lucifers Antlitz breitete sich jedoch schlagartiges Erkennen aus und er grinste breit, bereute es aber zugleich. Er verzog das Gesicht, weil seine Wunde dort sich bemerkbar machte.
 «Azzkaeel!» rief er nach kurzer Erholung dann dem Neuankömmling entgegen. Er hatte ihn ewig lang nicht mehr gesehen, mindestens zehntausend Jahre nicht und doch schien es ihm so, als sei es erst gestern gewesen. Azzkaeel war einer der ersten natürlich gezeugten und geborenen Dämonen, der ersten Generation angehörig, nachdem Lucifer und seine Geschwister diese als Spezies überhaupt erst in Synergie erschaffen hatten. Das würden die Menschen der Postmoderne wohl Gentechnik nennen — nur eine der übernatürlichen Art. Weil diese Wesen "widernatürlich" waren, also nicht von Vater "angehaucht", besaßen sie keine Seele, niemand von ihnen. Was nicht nur Lucifer bedauerte, sondern Maze insbesondere. Wie oft hatte sie betont, daß, wenn sie stürbe, sie mangels Seele definitiv für immer im Nichtsein begriffen wäre.
Apropos, das Sterben. Lucifer hatte noch nicht Zeit gehabt, um über ausreichend Muße zu verfügen und so darüber zu sinnieren, daß er schon wieder tot gewesen war. Für seinen ganz persönlichen Geschmack starb er neuerdings zu oft, zweimal, zweimal zuviel. Er zog die Flügel ein, die ihm nun im Weg waren.
 Azzkaeel war ein sehr loyaler Bediensteter von Lucifers Palast gewesen, ihm selbst unterstehend, niemandem sonst. Er hatte all seine Tugenden geschätzt, Härte, Intelligenz, bedingungsloser Rückhalt und noch viel mehr. Außerdem war er Lucifers erster männlicher Liebhaber überhaupt.
 Witzigerweise waren jedoch die Sterblichen nicht die einzigen Lebewesen im Universum, die Spiritualität in allen möglichen Ausprägungen lebten. Eine Handvoll Dämonen hatte eben vor zehntausend Jahren eine Bewegung gegründet, die genügsam und asketisch leben wollten, nur dem Streben als Historiker verpflichtet, die die Chronologie der Hölle aufzeichneten. Damals konnte Lucifer Azzkaeel und seine Motive nicht verstehen, ließ ihn aber mit einem gewißen Bedauern ziehen. Natürlich war diese Gruppe unauffällig im Auge behalten worden und sie war Lucifer nach wie vor sehr ergeben.
 Jetzt wußte er auch wo er war. In der Trockenwüste von Gehenna, wenn auch nicht den exakten Punkt, weil diese riesig war.
 «Verzeiht mir, mein Lord Lucifer, wenn ich verblüfft bin, euch so unverhofft und unerwartet hier anzutreffen. Ihr scheint verletzt zu sein und in Begleitung eines lebenden hier leiblich anwesenden Menschen.» Etwas mißbilligend und mißtrauisch sah er nun Chloe an. Chloe blieb abwartend und vorsichtig, auch wenn Lucifer und Azzkaeel sich sehr gut zu kennen schienen. Dieser Azzkaeel sah fast wie ein Mensch in Chloes Augen aus, wenn, tja, wenn da nicht seine riesigen roten Hörner gewesen wären. Ein bißchen wie Hellboy, grinste sie im Geiste, nur war Azzkaeels Haut nicht rot. Er sah seltsam alterslos aus.
 «Ich bin tatsächlich verletzt, habe am ganzen Körper massive Prellungen und Hämatome, und wohl eine Verstauchung meines Fußes. Ich kann mich kaum bewegen. Und was diesen Mensch angeht», dabei sah er mit Wärme und sehr liebevoll Chloe an, «sie ist mehr als nur ein Mensch, weit mehr!» Chloe dachte zu glühen, so sehr ging ihr das nahe. «Das ist Chloe!»
 Nun lächelte Azzkaeel. «Ah! Es ist die berühmte Chloe! Alles klar! Lord Lucifer, Ihr könnt nicht hierbleiben! Nicht halbnackt und so sehr verletzt! Und Chloe als Mensch braucht regelmäßiger Essen und Trinken als wir!» Chloe war wirklich sprachlos und verblüfft. Gab es eigentlich jemanden in den anderen Sphären, der sie nicht kannte? Hatte sich ihre große Liebe schon überall herumgesprochen? Nach allem, was schon vorgefallen war, sollte sie sich eigentlich über nichts mehr wundern.
 «In der Nähe gibt es ein Portal, um die Wegstrecke zu meinem Quartier massiv abzukürzen. Ich werde euch tragen!»
 «Aber ...», wollte Lucifer schwach protestieren.
 «Keine Widerrede! Es geht nicht anders, Mylord!» Chloe stand auf und sah zu, wie Azzkaeel sich niederkniete, Lucifer unter seinem Nacken und seiner Lendenwirbelsäule nahm, sehr vorsichtig sowie behutsam, um ihn dann hochzustemmen. Lucifer zog scharf die Luft ein, stöhnte leise und sein Gesicht war verzerrt von den zweifellos starken Schmerzen. Das weckte bei Azzkaeel nostalgische Reminiszenzen, als sie das Bett geteilt hatten. Aber Azzkaeel hatte schon lange einen Gefährten, den er sehr liebte. Mylord würde sich wundern, wer das wäre.
 Chloe blieb dicht neben den beiden. Sie hielt Lucifers rechte Hand. Ihr gefiel nicht, wie er aussah, so bleich und er schien schon wieder halb besinnungslos zu sein.
 «Chloe, wenn Ihr Mylords Hand nicht loslaßt, könnt Ihr problemlos im Portal mitreisen», erläuterte Azzkaeel.
 Die Schmerzen waren in ihrer Summe tatsächlich unerträglich, befand Lucifer. Es war schon bizarr. Er hatte Dutzende Millennia gar keine Schmerzen gespürt und nun erlebte er geballt in einem komprimierten Zeitraum mehr Pein, als für fünf Engelleben reichte. Er war ungemein froh, daß Dämonen so immens körperlich stark waren, sodaß er getragen werden konnte. Er bekam all das Umgebende wie durch einen betäubenden Schleier mit. Er spürte Chloes Hand und ihre Aura, aber ebenso, daß sein Puls raste und sein Herz zu schnell schlug. Sein Atem ging nicht tief, weil das seinen geprellten Rippen nicht behagte, so keuchte er mehr abgehackt.
 Das Portal war keine dreihundert Meter entfernt. Azzkaeel sprach Lilim und das Tor tat sich auf. Diese Elektrizität lud mal wieder die Luft auf. Chloe fand ihr aufgeladenes  Haar nur lästig, während Lucifer von dem Kribbeln ein verstärktes Gefühl des Schmerzes bekam, was ihn ächzen ließ.
 Die unangenehme Prozedur dieser Art des Reisens war schnell vorüber und Chloe staunte nicht schlecht. Ein viktorianisch aussehendes Stadthaus, singulär, mitten in dieser Wüste, die wie die Schwester der Gobi aussah. Ja, die Hölle war nicht die Erde — in jeglicher Hinsicht.
 Lucifer hatte die Augen geschlossen und schien nun wirklich bewußtlos zu sein. In der Innenausstattung unterschied sich das Haus auch nicht von einem irdischen Interieur. Hübsch! dachte Chloe. Sie ließ Lucifers Hand los, als Azzkaeel voranschritt, die Treppen hinauf, sie blieb dichtauf.
 «Ich bringe ihn ins Gästezimmer», erklärte er ihr.
 Der Raum war großzügig geschnitten. Ein breites Bett mit vier Pfosten ohne Himmel dominierte. Er legte Lucifer wie zerbrechliches Porzellan ab.
 «Ich kann alles zur Verfügung stellen, verschiedenste Kleidung, nur keine feminine, fürchte ich», zuckte er bedauernd mit den Schultern. «Essen und Trinken gibt es reichlich. Ich habe all die gängigsten modernen Medikamente von der Erde, alle frisch. Ich bin gleich wieder da, Ihr müßt extrem durstig sein», sagte Azzkaeel und ging.
 Chloe begab sich an Lucifers Seite. Sie legte ihre Hand auf seine Schulter.
 «Lucifer?» sprach sie ihn leise an. Keine Reaktion. Ihre Finger betasteten seine Stirn. Er hatte Temperatur. Fieber? Ihr Herz krampfte sich zusammen. Sie blickte sich orientierend um. Die nächste Tür führte in ein sehr modernes Badezimmer, mit fließendem Wasser, Toilette, Badewanne und Strom. Ihr fielen Lucifers Worte ein, daß nur, weil man in der Hölle war, deswegen nicht im Mittelalter lebte. Ja, warum sollten Dinge, die einem das Leben erleichterten, außen vor bleiben? Sie trank Wasser, wusch sich die Hände und das Gesicht. Sie feuchtete mehrere Waschlappen an und kehrte zu Lucifer zurück. Eines ließ sie auf seiner Stirn.
 Dann begann sie sehr vorsichtig sein Gesicht, Arme, Brustkorb und Füße zu säubern. Lucifer stöhnte leise. Deswegen hielt sie immer wieder inne, denn sie wollte nicht sein Leid verstärken.
 Es klopfte und dann öffnete sich die Tür. Höflich, dieser Azzkaeel, dachte Chloe. Er brachte Mineralwasser, Obst, diverse Kleidungsstücke und eine ganze mobile Hausapotheke mit. Chloe war ehrlich verblüfft. Erst trank Chloe begierig, dann aß sie zwei Äpfel.
 «Ich möchte gerne Lucifer bis auf die Unterwäsche entkleiden», verkündete sie.
 «Ok!» Gemeinsam sorgten beide mit äußerster Geduld und Behutsamkeit dafür, daß Lucifer nur noch seine schwarzen Boxershorts trug. Er stöhnte fast ununterbrochen.
 Hektisch sah Chloe die Medikamente durch. Antibiotikum bräuchte er vielleicht, Fiebersenker, sehr gut, Morphium in Tablettenform, hervorragend, aber auch für die Spritze. Ja, unter normalen Umständen und bei ihrer Abwesenheit waren Medikamente, Alkohol, Drogen bei ihm wirkungslos. Aber sie war anwesend, also mußten wohl die Medikamente wirken. Immerhin hatte er sich in ihrer Gegenwart ebenso erfolgreich betrunken gemacht.
 Ihre zwei Semester Medizin und ihr Praktikum im Hospital kamen ihr nun entgegen. Sie wußte, wie man korrekt Spritzen setzte, auch intravenös. Sie nahm die Aderpresse
und legte sie ihm an. Sie zog die zulässige Dosis Morphium auf und spritzte sie ihm, nachdem sie seine Armbeuge desinfiziert hatte. Ein tiefes Seufzen erklang aus Lucifers Kehle und sein Antlitz war wesentlich friedlicher, nicht mehr so angespannt. Jetzt konnte er endlich schmerzfrei schlafen. Und weiß der Teufel, er brauchte die Erholung.

Azzkaeels Auftauchen und sein sich um Lucifer kümmern, triggerte uralte Erinnerungen im Höllenfürsten. Zehntausend Jahre. Annähernd ca. 334 Generationen Mortaler. Für ihn jedoch so, als ob es erst gestern gewesen wäre.
 Azzkaeel war damals noch nicht sehr lang in seinen Diensten. Schnell war er durch seine erwiesene Tüchtigkeit in den innersten Kreis der Bediensteten Lucifers aufgerückt.
 Lucifer saß am Klavier in seinen Privatgemächern. O ja! Sämtliche Instrumente gab es schon, bevor der Mensch sie "erfunden" beziehungsweise "entwickelt" hatte.
 Er hatte einen kreativen Schub und wieder ein neues Lied geschrieben. Was in ferner, ferner Zukunft die Erdlinge nicht wissen konnten, war, daß «Woodstock» von Joni Mitchell von ihm stammte, komponiert und geschrieben. In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts würde er sie kennenlernen und ihr das Lied überlassen, daß sie sich als Urheberin ausgeben konnte. Aber unter der Hand kassierte er einen Teil der Tantiemen dafür. Sie hatte den Text so weit abgeändert, daß die Woodstock-Passagen darin auftauchten. Hier aber nun in der Hölle, zehntausend Jahre vor unserer Zeit, sang Lucifer das Original. Seine Finger fingen an, die Tasten zärtlich zu streicheln und die ersten Akkorde wurden akustisch vernehmbar. Dann setzte Lucifers Stimme ein:

«I came upon a child of Dad
He was walking along the road
And I asked him where are you going
And this he told me
I'm going on down to Redemption road
I'm going to join a star above the sea
I'm going down with a heavy soul load
I'm going to try and get my soul free

We are stardust
We are golden
And we've got to get ourselves
Back to the garden

Then can I walk beside you
I have come here to lose the sadness
And I feel to be a cog in something turning
Well maybe it is just the time of year
Or maybe it's the time of man
I don't know who I am
But you know life is for learning

We are stardust
We are golden
And we've got to get ourselves
Back to the garden

By the time we got to Hell
We were endlessly strong
And everywhere there was song and celebration
And I dreamed I saw the heavens
Flying in the sky
And we were turning into butterflies
Above our abyss

We are stardust
Billion year old carbon
We are golden
Caught in the devil's bargain  
And we've got to get ourselves
back to the garden.»

Sein kraftvolles, mit Emotionen aufgeladenes Timbre beeindruckte Azzkaeel, der eingetreten war. Lucifer hatte ihm das ausdrücklich erlaubt, ohne daß er vorher anklopfen mußte. Mylord spürte ohnehin seine Anwesenheit.
 Wie verhext und betört war er nun von Lucifers traumhafter Stimme. Diese hatte etwas Hypnotisches, äußerst Sinnliches. Er war ganz verzückt, hin und weg.
 Azzkaeel bewunderte diesen wunderschönen gefallenen Engel. Einmal durfte er seine reinweißen Flügel sehen, die von innen heraus zu strahlen schienen. Er empfand Ehrfurcht, tiefen Respekt und bedingungslose Liebe. Aufrichtig, alles an ihm, wenn er sprach, seine Physiognomie und Mimik, seine schwarzen Haare und Augen, seine perfekt proportionierten Muskeln, seine Agilität und Virilität. In dessen Gegenwart wurde Azzkaeel immer ganz warm. Woran das wohl lag?
 Lucifer ließ sich von seiner offen zur Schau getragenen Bewunderung nicht irritieren und lächelte sogar. Azzkaeel erwiderte dieses. So wunderschön, verführerisch und begehrenswert ... Er seufzte innerlich. Sein Herr trug eine schwarze Seidentunika und dunkelblaue Leinenhosen. Azzkaeel ein hellblaues Leinenhemd und gleichfarbige Batistbeinkleider.
 Lucifer spielte den letzten Akkord und versenkte seinen Blick erwartungsvoll in Azzkaeels Augen.  
 «Habe ich heute komponiert. Wie findest du das Stück?»
 «Hinreißend schön! Daß wir alle Sternenstaub sind, ist herrlich poetisch, aber Melancholie schimmert durch», entgegnete der feinsinnige Dämon. Lucifer schätzte außerordentlich an ihm, daß er immer ehrlich war, und nicht versuchte ihm zu Kreuze zu kriechen.
 «Das liebe ich so an dir! Du hast einen scharfen, analytischen Verstand und verstehst es auch, dich eloquent auszudrücken.»
 «Das haben die anderen und ich nur euch zu verdanken. Ihr habt schließlich bestimmt, daß alle Dämonen höhere Bildungsweihen erhalten dürfen.»
 «Natürlich! Was haben meine Geschwister und ich von ungebildeten Analphabeten? Gar nichts! Und was das Melancholische betrifft, ja, ich gebe es zu. Ich bin einsam.» Lucifer schenkte nicht vielen tiefstes Vertrauen, aber Azzkaeel hatte sich als sehr würdig erwiesen.  
 Lucifer fühlte sich so einsam und verstoßen, wie einst nach seinem Sturz aus dem Himmel. Lilith hatte ihn in die Liebe eingeführt, ihn entjungfert. Seitdem war er mit Dutzenden Dämoninnen im Bett gewesen, aber wilder, hemmungsloser Sex ersetzte auf Dauer nicht die ersehnte Nähe.
 Der Herr sah auf einmal so bedrückt aus, daß es Azzkaeel ins Herz stach. Damals, in der Schule, war er von so manch einem geschnitten worden, weil er so undämonisch empathisch war. Aber das kümmerte ihn nicht, weil er so ein wertvoller Ratgeber des engsten persönlichen Stabes des Fürsten der Hölle geworden ist.
 Lucifer stand auf und bewegte kreisend die Schultern. Er verzog das Gesicht.
 «Kann ich etwas für euch tun, Mylord?» fragte Azzkaeel besorgt.
 «Ich habe derart blöd geschlafen und bin nun total verspannt», lächelte Lucifer müde und traurig.  
 «Darf ich euch massieren? Ich kann das sehr gut. Habt Ihr Öl für diesen Zweck?»
 «Ja, dort auf der Anrichte», er zeigte in die Richtung, zog sich das Oberteil aus und legte sich in diesem seinem saalartigen Raum mit dem Bauch auf sein Bett.
 Azzkaeel schluckte, als er das Öl holte. Das war eine ganz besondere, erhebende Auszeichnung und Ehre, daß er seinen Herrn massieren durfte. Er setzte sich zu ihm, wärmte etwas Öl in seinen Händen auf und berührte behutsam Lucifers modulierte Rückenmuskulatur. Er knetete und streichelte ihn geschickt und gekonnt. Hingebungsvoll. Was für samtige und seidige Haut. Nicht daß er gleich Feuer fing ...
Er strich fest über seinen Körper. Er war in der Tat verspannt und er würde die Blockaden seiner Faszien lösen.
 Er entlockte Lucifer tiefe und wohlige Seufzer. Das tat ihm einfach höllisch gut. Azzkaeel würde alles für seinen Lord tun, ganz und gar freiwillig, ohne Druck, Drohung oder Zwang. Er schätzte es sehr, daß Lucifer nie das Bedürfnis verspürte, auch nur einen Dämonen versklaven zu wollen. Dafür erntete er Hochachtung und konsequente Loyalität. Er huldigte ihm mit seinen langen Fingern.
 Süße, träge Hitze ergriff Besitz von Lucifer, die sich wie ein Flächenbrand in ihm ausbreitete. O ja! Ein kehliges Brummen stieg aus seiner Kehle auf. Seine Flanken wurden auch verwöhnt und versehentlich berührte Azzkaeel seinen Hintern. Lucifer erregte das unerwartet heftig. Hoppla! Holla, der Walddämon! dachte er erfreut. Meine Libido reagiert ja ebenso auf Männer ausgesprochen positiv.  
 Unerwartet für Azzkaeel drehte sich Lucifer blitzschnell auf den Rücken. Azzkaeel bekam etwas Angst, weil er annahm, etwas falsch gemacht zu haben. Lucifer hingegen lächelte ihn lasziv an, sodaß ihm die Knie butterweich wurden. Eine noch unausgesprochene Aufforderung blitzte in Lucifers glitzernden Opalaugen auf.
 «Ich bin in der Tat sehr einsam und mein Bett ist zwar groß, aber kalt. Möchtest du mit mir schlafen? Ich kann verstehen, wenn du nein sagst. Ich halte von Zwang gar nichts», seine Stimme klang rau.
 Azzkaeels Herz machte einen freudigen Hüpfer. Sein Verlangen brannte lichterloh. Er würde sich ihm vollkommen hingeben. Er taumelte etwas, als er sich zu ihm begab.
 «Nie hätte ich zu hoffen, nicht einmal zu träumen gewagt ... Ich verehre und begehre euch schon so lange!»
 «In Ordnung. Dann ziehen wir uns doch aus!» grinste Lucifer. Azzkaeel würde seinem Herrn mit jeder Faser seines Seins huldigen. Schwupps! Lucifers Hose glitt auf den Boden und er trug nichts darunter. Jetzt schwitzte Azzkaeel erst recht. Was für ein Gemächt! Azzkaeel staunte.
 Lucifers Luken zur Seele weiteten sich ebenso verblüfft, als er Azzkaeels entblößte Pracht wahrnahm. Seine Hörner waren dem Dämon nicht im Weg, als er sich zu ihm legte, um ihn zu küssen. Er umfaßte Lucifers pulsierende Hitze. Lucifer ächzte in Azzkaeels Mund. Er bewegte seine Hand an Lucifers edelstem Teil gekonnt auf und ab.
 Ihre Zungen umgarnten sich. Wie ungeheuer sinnlich. Es wurde ungestüm. Vor allem, als Azzkaeel Lucifer überall feucht küßte. Er keuchte seufzend, sein sexy Herr.
 Quälend aufreizend und gemächlich widmete sich Azzkaeel Lucifers Mitte. Mit seinem Mund, Lippen und Zunge.
 Eine Supernova baute sich in Lucifer auf, ein Flattern in seinem Inneren, sein Herz und Puls rasten, sein Atem ging schneller und zunehmend keuchender. Es war unerträglich schön und sein Körper schmerzte von der orgiastischen Lust. Stöhnend schloß er seine Augen und sah Sterne.
 Azzkaeel befand, daß dieser Engel erlesen schmeckte, nach allen möglichen intensiven Gewürzen und er nahm dankbar an, was ihm Lucifer beim zuckenden Höhepunkt schenkte. So wäre sein Herr für immer ein Teil von ihm. Raserei befiel sie beide.
 Welche Wonne, als er Lucifers Brust und seine Knospen sich wie Blüten ihm darbietend, ausgiebigst liebkoste. Der Teufel erbebte und knurrte rau. Seine Augen schimmerten minutenlang im wunderbarsten Rubinrot. Lucifer ließ Azzkaeel filigrane Handarbeit angedeihen und verrieb dann das ergiebige Ergebnis auf dessen und seinem eigenen Bauch.
 Lucifer war schon wieder mehr als bereit. Er drehte Azzkaeel auf die linke Seite, legte sein rechtes Bein über seines, und umfaßte mit beiden Armen von hinten seinen mächtigen Brustkorb. Lucifers aufrechter Zepter klopfte pochend an Azzkaeels intimster Pforte. Er konnte es kaum erwarten einzutreten. Das tat er dann auch. Er gab ihm jeden einzelnen Inch seiner ganzen vollständigen Liebe.
 Azzkaeel ächzte voller Wollust. Lucifer war nicht sein erster männlicher Liebhaber. Er bevorzugte immer die passive Position, weil ihm das ungemeine Befriedigung verschaffte. Er hätte vor Euphorie und Ekstase in Ohnmacht fallen können, als er Lucifer in sich spürte, diese schwüle Hitze, die Reibung, seine Länge und Umfang. Wie erfüllt er von ihm doch war. Mit einem Engel vereint!
 «Höllenfeuer! Bist du glühend! Ich verbrenne gleich!» hauchte er Azzkaeel ins Ohr, daß dieser von köstlichen Schauern überzogen wurde. Heftig und wild bewegte sich Lucifer in ihm, bis er entfesselt kam. Das war das erste Mal mit einem Mann für den Höllenfürsten und der berauschendste Orgasmus seit langem. Ihm war nicht bewußt gewesen, daß er geschrien hatte.
 Lucifer tauchte ermattet und ganz langsam aus dem Abyssus des Eroticons wieder auf. Ermattet drehte er Azzkaeel zu sich um und sank erschöpft an dessen Brust.
 «Azzkaeel!» skandierte er. «Azzkaeel, Azzkaeel, Azzkaeel! Welch schöner Name!» Azzkaeel fühlte sich davon tief berührt. Er hielt ihn einfach nur, sie kuschelten eng aneinandergeschmiegt. Ihre Atemfrequenzen kamen von ihren Plateaus herunter, allmählich. Azzkaeel empfand die ganze Situation so, als ob er eine Seele besäße und diese nun Lucifers durchdrang. Ewiglich und losgelöst von sämtlichen Umständen. Auf eine bestimmte Art und Weise blieben sie immer verbunden, selbst wenn sie getrennte Wege gingen.
 Für Lucifer war der Sex phänomenal gewesen, aber der Austausch von Zärtlichkeiten war das Nonplusultra. Er brauchte, benötigte die Wärme und Nähe, konnte mit ihm über alles Mögliche reden, genoß seine meisterlichen Küsse. Er lernte sogar noch Feinheiten von ihm. Deswegen bedauerte er es sehr, als sich Azzkaeel nicht lange danach dieser Bruderschaft angeschlossen hatte. Er mochte ihn nämlich.

Diese Reminiszenzen trudelten durch Lucifers Kopf, während der tiefe Schlaf, den das Morphium induziert hatte, ihn umfangen hielt. Ähnliches spukte in Azzkaeels Gehirn herum, als er mit seinem geliebten Gefährten in seinem Bett drei Zimmer weiter lag. Aber ohne Zorn, Wehmut oder schmerzlicher Sehnsucht, sondern nur mit großer Wärme.
 Chloe behielt Lucifers Vitalzeichen im Auge. Sie fragte sich, warum Lucifer sich nicht in einer heilenden Trance befand. War sie auch dafür verantwortlich? Das belastete sie immens und die Abwesenheit Trixies. Es tat ihr furchtbar weh von Trixie getrennt zu sein. Dan würde sich große Sorgen machen und Trixie wäre von Kummer und Angst zerrissen. Tränen flossen lautlos über ihr Antlitz.
 Lucifer öffnete die Augen. «Chloe?»
 «Lucifer, ja, ich bin hier!» entgegnete sie aufgeregt. «Hast du große Schmerzen?»
 «Sie sind gedämpft. Du hast mir etwas gegeben?»
 «Ja. Morphium intravenös. Daß ich dich vulnerabel mache, ist doch zu etwas gut, wenn wenigstens Medikamente bei dir wirken», lächelte sie traurig. Er streckte ächzend die Hand aus und sie nahm sie.
 «Wieso fühle ich mich so heiß?» stöhnte er. Sie legte ihre Hand auf seine Stirn und maß dann im Ohr seine Temperatur mit dem Thermometer. 38,5, gar nicht gut. Sie drückte eine fiebersenkende Tablette aus der Blisterpackung und stützte seinen Kopf, als er diese mit Mineralwasser herunterwürgte. Danach schlief er umgehend wieder ein.
 Sogar Chloe nickte in ein Schläfchen weg, trotz all ihrer bedrückenden Sorgen. Sie träumte wirr und konnte sich nicht mehr an diese später erinnern. Sie ruhte direkt im Sessel neben Lucifer, der wie ein Stein schlief.
 Die Helligkeit der Morgendämmerung streichelte Chloes Gesicht. Das merkte sie jedoch nicht. Aber Lucifers drängende, verängstigte Stimme ließ Adrenalin in ihr rauschen, wie eine Invasionsarmee sie hinterhältig überfallen.
 «Chloe!» keuchte er desperat. Sie eilte zu ihm und nahm seine zitternde Hand. Seine Blicke schweiften ziellos umher.
 «Chloe, ist es hell?»
 «Ja, Lucifer. Der Morgen ist bereits hell», versicherte sie ihm.
 «Aber alles ist finster um mich herum! Chloe, ich kann dich nicht sehen! Ich kann überhaupt nichts sehen! Ich bin blind!» schrie er panisch. Chloe schluckte heftig.
Was war hier nur los? bemächtigte sich die kriechende Angst ihres Herzens, ihrer Seele, ihrer Psyche sowie ihrer Ratio.
 
 

Übersetzungen:

Höllengebunden


Sternenlicht
Nun ist die Zeit
Nun werde ich versuchen
Meine Sehnsucht zu verwirklichen
Und zurückzuschlagen

Heute abend
Bin ich für diesesmal vorbereitet
Dämonen des Verbrechens zu töten
Ich werde kämpfen

Für mein Recht kämpfen
Viele Jahre
War ich einem Fluch ausgesetzt

Ich schwöre... Ich war unter einem Bann
Die Zeit ist richtig
Ich werde aus dieser Hölle fliehen
Ooh überall sehe ich
Geister um mich herum
Ich bin höllengebunden!

Mondlicht
Ich werde meine Waffe
Der Attacke nehmen
(Und) ohne Angst
Vor dem Tod warte ich
Mitternacht
Ich fühle, daß Geister
Überall um mich herum sind
(Aber) ich verteidige meinen Standort
Um zu überleben

Kämpfen, kämpfen, kämpfen
Ich werde kämpfen
Für mein Recht kämpfen
Für viele Jahre war ich verflucht.

Ich spüre, daß ich unter einem Bann stand
Die Zeit ist gekommen.
Ich werde aus dieser Hölle fliehen
Oh, überall sehe ich
Geister überall
Ich bin höllengebunden
Unter einem Bann

Warlock ( Hexenmeister )

Stardust ( Sternenstaub / Lucifers eigenes Original des späteren "Woodstock" von Joni Mitchell, berühmter in der Version von Matthews Southern Comfort )

Ich begegnete einem Kind meines Dads
Er ging die Straße entlang
Und ich fragte ihn wohin gehst du denn
Und das sagte er mir
Ich gehe zur Straße der Erlösung
Ich werde mich einem Stern über dem Meer anschließen
Ich werde mit einer schweren Seelenlast untergehen
Ich werde versuchen meine Seele zu befreien.

Refrain:
Wir sind Sternenstaub
Wir sind golden
Und wir sollten uns selbst
In den Garten zurückbringen

Kann ich denn dann dich begleiten
Ich bin hierhergekommen, um meine Traurigkeit zu verlieren
Und ich fühle mich wie ein sich drehendes Zahnrad
Nun vielleicht ist es diese Zeit des Jahres
Oder eventuell das Zeitalter des Menschen
Ich weiß nicht wer ich bin
Aber weißt du, das Leben ist zum Lernen da

Refrain

Zur Zeit als wir in die Hölle kamen
Waren wir endlos stark
Und überall gab es Lieder und Feiern
Und ich träumte die Himmel zu sehen
Am Horizont fliegend
Und wir verwandelten uns in Schmetterlinge
Über unserem Abgrund

Wir sind Sternenstaub
Milliarden Jahre alter Kohlenstoff
Wir sind golden
Gefangen in des Teufels Angebot
Und wir sollten uns selbst
In den Garten zurückbringen
 
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