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Allianz im Osten

GeschichteSci-Fi, Historisch / P12 / Gen
05.04.2021
20.04.2021
10
7.603
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09.04.2021 498
 
Für den durchschnittlichen Japaner war die gezwungene Öffnung der Nation zum Rest der Welt die erschreckende Realisierung dass ihre Heimatinseln mittlerweile auf allen Seiten von Haien umkreist wurden.  Der Beginn des New Imperialism hatte eine neue Ära eingeläutet, in der die westlichen Großmächte sich nicht länger mit Handelsposten in Asien begnügten. Nun wurden in einem fieberhaften Wettlauf immer mehr Territorien übernommen, um deren Ressourcen uneingeschränkt zu kontrollieren und deren Bewohner zu Untertanen der europäischen Monarchen zu machen. Die Niederländer und die Spanier hatten sich bereits vor Jahrhunderten auf dem Malaiischen Archipel festgesetzt und verschärften ihr Kontrolle dort immer weiter. Die Briten expandierten auf dem gleichen Archipel und der angrenzenden Halbinsel bis nach Burma.  Die Franzosen arbeiteten eifrig darauf hinaus die Königreiche der sogenannten Indochina-Region zu einer großen gemeinsamen Kolonie umzuwandeln. Selbst die Russen rückten Richtung Süden in die chinesisch kontrollierten Gebiete von Turkestan, der Mongolei und der Mandschurei vor, wo sie mit  Wladiwostok ihre wichtigste Bastion gründeten. Derweil wurde China, über 1000 Jahre lang der Hegemon Asiens, von all diesen Mächten durch Ungleiche Verträge und das Herausschneiden von Gebieten durch die Europäer und Amerikaner immer mehr zu einem machtlosen Spielball gedemütigt.

Nicht wenigen Japanern, Traditionalisten und Reformen gleichermaßen, schien die Übernahme dieses westlichen Imperialismus und Kolonialismus in die eigene Außenpolitik als der einzig realistische Weg um Japans Sicherheit und Wohlstand in Zukunft garantieren zu können. Militärposten auf dem Festland als Schutzschild für die Heimatinseln, neue Rohstoffquellen und Märkte für wirtschaftlichen Wohlstand sowie politisches  Prestige für Verhandlungen mit dem Westen. Doch bereits ab den 1850er Jahren hatte Gelehrte in Japan, China und Korea damit begonnen eine Grundidee zu formulieren, die ab Ende des Jahrhunderts als Panasien-Ideologie bekannt werden sollte. Die Details variierten zwischen den Theoretikern, aber der gleiche Ansatz war dass die Völker und Nationen von Asien ein starkes Bündiss gegen die vorrückenden westlichen Kolonisatoren bilden müssten, um diese in ihre Schranken zu weisen und eines Tages hoffentlich wieder zurück zu drängen. Vor allem eine regionale  Allianz aus den noch unabhängigen Monarchien von China, Korea, Ryukyu und Japan schien aufgrund der von Buddhismus und Konfuzianismus geprägten kulturellen Gemeinsamkeiten logisch.  Manche Verfechter dieser Idee hofften ehrlich auf eine echte Allianz aus gleichgestellten Partnern, wie man sie durch die lange chinesische Hegemonie über das System der sogenannten Tribut-Staaten seit Jahrhunderten nicht mehr in Ostasien gesehen hatte. Andere wiederum interpretierten diese Ideen  im Sinne des Sinozentrismus oder des japanischen Nationalismus, wonach ihre jeweiligen Heimatnation natürlicherweise die klar Führungsrolle in so einer Allianz übernehmen und möglichst auch den Rest Asiens an ihre eigene Kultur angleichen sollten.  Letztere Einstellung wurde natürlich dafür kriserte die asiatischen Völker in der Praxis mehr zu spalten als zu vereinen.

Gewisse Historiker vetreten die Ansicht, dass der japanische Panasianismus entscheidend in eine liberale Richtung beeinflusst wurde, nachdem Ōkubo Toshimichi in Folge des gescheiterten Attentats auf seine Person im Jahr 1878 radikale Maßnahmen in die Wege leitete, um die sogenannte "Samurai-Nostalgie" in Japan langfristig auszumerzen.
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