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Allianz im Osten

GeschichteSci-Fi, Historisch / P12 / Gen
05.04.2021
20.04.2021
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05.04.2021 706
 
Es war der zehnte Jahr der Meiji-Periode,  nach westlicher Zeitrechnung dass Jahr 1877 des gregorianischen Kalenders.  In weniger als 30 Jahren hatte Japans Gesellschaft massive Umwälzungen erlebt, die den meisten Leuten zu Beginn des Jahrhunderts noch unvorstellbar gewesen waren. Mehr als 250 Jahre lang hatte die feudale Militärregierung des Tokugawa-Shogunat von Edo aus die Geschicke Japans gelenkt, während die in Kyoto residierenden Kaiser zu machtlosen Galionsfiguren und politischen Geiseln reduziert worden waren.

Bereit von der Frühzeit der Tokugawa-Herrschaft zu Beginn des 17. Jahrundert an, war eine Politik des weitgehenden Isolationismus über Japan verhängt worden, um jegliche ausländische Einflüsse fernzuhalten, welche das herrschende System unterminieren könnten. Dazu zählte namentlich das Christentum, welches  portugiesische  und spanische  Missionare während  der Bürgerkriege im 16. und 17. Jahrhundert mit einigem Erfolg verbreitet hatten und welches den göttlichen Herrschaftsanspruch des Kaisers (sowie des Shogun als sein "treuer Diener") heraus forderte. Die sogenannte Sakoku-Politik machte es nun grundsätzlich für jeden Ausländer ohne Sondererlaubis illegal den Boden Japans zu betreten, während japanische Bürger ebenfalls nur noch mit Autorisierung der Regierung das Ausland bereisen durften.  Darüber hinaus wurde der Außenhandel auf fünf Partnernationen über vier ausgewählte Handelsorte beschränkt: Mit den niederländischen und chinesischen Kaufleuten auf der künstlichen Insel Dejima in der Bucht von Nagasaki, mit dem Königreich der Ryūkyū-Inseln über das südliche Satsuma-Fürstentum, mit Korea über die Insel Tsushima und mit den Ainu-Volk von Ezo über das nördliche Matsumae-Fürstentum.  Diese Politik war tatsächlich stark von der Qing-Regierung in China beeinflusst, welche in  dieser Zeit ebenfalls starke Restriktionen über Außenhandel und Küstenbesiedlung zum "Schutz vor schädlichen ausländischen Einflüssen" durchsetzten. Zwar wurde diese Politik teilweise durch Schmuggel unterminiert, aber zumindest in Japan schränkte es über 200 Jahre lang das Einsickern kultureller Einflüsse aus dem Ausland merklich ein. Zudem war es eher nachteilig für die Entwicklung von Wirtschaft und Innovation, was sich vor allem in China ab dem 19. Jahrhundert sehr schmerzhaft auswirkte.

Indessen war die Tokugawa-Ära keinesweges eine reine Ära der Stagnation für Japan. Die neue Zeit von Frieden und Stabilitär nach Jahrhunderten der Bürgerkriege ließ endlich die Bevölkerung wieder wachsen und im ganzen Land nahmen die Städte nun an Anzahl und Größe zu. Die Wirtschaft konnte sich erholen, der allgemeine Bedarf an Konsumgütern stieg und soziale Klasse der Kaufleute gewann an Einfluss gegenüber dem so lange dominierenden Kriegeradel der Samurai. Bestehende Technlogien in Handwerk und Produktion wurden weiter entwickelt. Dies war die Zeit, welche günstige Grundbedingungen für spätere Industrialiserung von Japan schuf.

Verständis über die Konzepte von Schwarzpulver und Handrohre waren bereits durch  Kontakte mit China bekannt, aber während des Bürgerkrieges waren es die seefahrenden Kaufleute der Portugiesen, welche in der Mitte des  16. Jahrhundert die Arkebusen nach Japan brachten. Tatsächlich hatten wenige Jahrzehnte später japanische Handwerker deren Technologie vollends gemeistert, dass von da an eigene und teilweise sogar weitentwickelte Versionen (namentlich die berühmten Tanegashima-Arkebuse) in großer Zahl und effektiv auf den Schachtfeldern der japanischen Bürgerkriege eingesetzt wurden.  Nach dem Ende des Bürgerkrieges jedoch wurde die weitere Produktion und Entwicklung von Feuerwaffen durch das Shogunat systematisch unterdrückt, da dies die Rolle des Kriegeradels im Militär hinfällig gemacht hätte.

In der Tat  war die Tokugwa-Ära ständig geprägt von den  Bemühungen  der Regierung das etablierte feudale Klassensystem des Shinōkōshō unter allen Umständen aufrecht zu halten, in welchem die Samurai als Schwertadel die wahre Macht ausübten. Der Kaiser und sein Hofstaat waren nur dem Namen nach Herrscher. Die tatsächlichen  Entscheidungen trafen der Shogun als faktisch oberster Befehlshaber  des Militärs, die Daimyō als seine regionalen Vasallen-Fürsten  und  die Samurai geringerer Ränge als Aufseher über die zivile und militärische Verwaltung auf allen Leveln. Im eigentlichen Militär waren die Samurai wiederum gespalten in die gut gerüstete und ausgebildete Kaste  von Offizieren und Elitetruppen  adeliger Geburt (den Samurai nachdem späteren  Verständis im 20. Jahrhundert) und den schlechter gestellten Fußsoldaten aus einfacheren  Verhältnissen, den sogenannten Ashigaru.

Die jahrhundertelange Rolle der Samurai als Rückgrat des japanischen Militär und ihr daraus resultierender Machtanspruch wurden grundlegend in Frage gestellt, als im Jahr 1853 die Schwarze Flotte von  Commodore Perry in der Bucht von Edo eintraf...
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