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Everything That Matters In This Moment

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
04.04.2021
04.04.2021
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Hier saß sie nun. Einsam und allein an dem Treffpunkt, an welchem sie sich treffen wollten, doch er würde nicht auftauchen. Nicht mehr. Er war gegangen, fort und sie war nun allein. Dabei war er doch der einzige der ihr etwas bedeutet hatte. Wieso konnte er nicht vorsichtiger sein? Wieso musste er auch immer ein Risiko eingehen. Hätte er nur auf sie gehört. Sie würden dann zusammen hier sitzen, unter dem schönen Sternenhimmel, würden liebevolle Küsse austauschen, lachen und die Zweisamkeit genießen. Das alles ging nun nicht mehr, denn er war einfach so gegangen, ohne sich zu verabschieden, ohne sie zu warnen, ohne einen letzten Kuss und das schlimmste, sie erinnerte sich nicht mehr an seine letzten Worte. Es machte sie traurig, aber am meisten jedoch, machte es sie wütend. Wie konnte er nur? Er wusste, dass sie seit dem Tod ihrer Mutter nur noch am seidenen Faden hing und jetzt war er auch gegangen und sie fragte sich was der Sinn war. Der Sinn des Lebens hatte sie verlassen und sie wusste es würde keinen Ausweg geben. Sie war verloren und niemand konnte sie mehr retten. Ihre Mutter würde jetzt sagen, sie solle sich selbst retten, fehlte ihr aber die Kraft dafür. Sie war schon immer schwach gewesen, zu schwach für das Leben, die Hindernisse, die jedem bevorstanden und am wenigsten stark war sie für Menschen, die sie liebte, gingen diese, so auch ein Teil ihrer Seele und ihres Herzens. Sie war an einem Punkt in ihrem Leben angelangt, an dem es ihr egal war, was passierte, an dem es egal war ob man nun leben sollte oder nicht. Sie fühlte nichts, selbst die Trauer und die Wut hatten nachgelassen. Dumpf, so würde sie ihren derzeitigen Zustand beschreiben, anders konnte man es auch nicht definieren. Nur noch dumpf nahm sie auch die Schönheit ihrer Umgebung wahr, kaum noch Energie, die sie hatte und nicht wissend was nun kommen sollte, starrte sie Gedankenverloren in den Nachthimmel. Wie leicht es wäre einfach zu gehen. Konnte sie das? Konnte sie sich einfach das Leben nehmen? Sie hatte nie darüber nachgedacht, nach dem Tod ihrer Mom hatte sie nicht einmal die Zeit darüber nachzudenken, war schließlich ständig eine Person bei ihr, weder die Chance noch den Mut hätte sie gehabt es zu tun. Und jetzt? Sie hatte nichts und niemanden zu verlieren, waren sie alle schon längst fort. Irgendetwas hielt sie jedoch davon ab. Es war der Gedanke, was sie verpassen könnte. Sie war noch jung und ihr standen viele Möglichkeiten und Türen offen, ihre derzeitige Gefühlslage sagte allerdings etwas anderes. Ein Wrack, eine Seelenlose Hülle war sie und nichts zeugte mehr von einer Regung der Gefühle. Ihr Gesicht ausdruckslos und blass, ihre Haare, die sie einfach in einen Dutt gebunden hatte und ihre mehr als zu großen Klamotten müssten beweisen, unter welch einem Zustand sie litt. Ein Flüstern unterbrach ihre Gedanken. Was war das? Wurde sie jetzt auch noch verrückt? Spielte ihr Verstand ihr einen Streich oder war dort tatsächlich jemand? Sie hörte nichts mehr, bekam jedoch das Gefühl nicht los, jemand verfolgte sie, wie eine Katze ihre Beute. Langsam drehte sie sich um, nichts und niemand war dort zu sehen und sie fragte sich wirklich was das sollte. Reichte es nicht, dass sie darüber nachdachte sich umzubringen, musste ihr Verstand sie jetzt auch noch verrückt machen? War sie nicht genug gestraft? So viele Schicksalsschläge, die sie erleiden musste, irgendwann war doch auch genug oder nicht? Hatte sie das alles verdient? Wenn ja, wieso? Was in Gottesnamen hatte sie getan, um so etwas zu verdienen?                                                
Während sie den Weg zurückschritt ließ sie ihre Umgebung nicht aus den Augen. Wer weiß, vielleicht war sie doch nicht verrückt und jemand war hier. Kopfschüttelnd dachte sie, nein niemand war hier, war es doch mitten in der Nacht und alle waren zu Hause. Und bei ihr? Sie hatte kein zu Hause mehr, denn würde sie dieses nicht als Ort, sondern als Gefühl beschreiben. Zu Hause war für sie das Gefühl zu lieben und geliebt zu werden, bei Menschen zu sein die ihr etwas bedeuteten und nicht ein Domizil, an welchem sie ihre Schläfchen verbrachte. Plötzlich hörte sie wieder etwas, ein Knacken, so als wäre jemand auf einen Ast getreten. Ein Schatten! Diesmal war sie sich sicher, da war jemand. Ihr Verstand war noch klar. Schnell lief sie der Person hinterher, was sich als ziemlich schwierig gestaltete, war diese nämlich unheimlich schnell. Als sie gegen etwas festes stieß merkte sie erst, die Person war stehengeblieben. Es war definitiv ein Mann, es war- oh nein.
„Habe ich dir nicht gesagt du sollst mich in Ruhe lassen!?“
„Oh ja das hast du und das nur zu deutlich, aber nachdem was passiert ist kann ich dich erst recht nicht allein lassen, wer weiß, nicht das du dir was antust.“, unentwegt blickte er ihr in die Augen, während er so ernst sprach und sie sich hörte fassungslos an, was er gesagt hatte.
„Was antun? Sag mal, was denkst du eigentlich von mir?“, zugegeben, sie hatte darüber nachgedacht, allerdings wusste sie sowieso, dass sie es niemals getan hätte. Der Mut und die Stärke fehlten ihr dafür, war es aber wirklich so schlecht? Bewies sie damit nicht eigentlich stärke? War es nicht so, dass-
„Ich denke vieles und gleichzeitig nichts von dir, aber du hast schon so viel miterleben müssen, ich weiß nicht ob ich das könnte, sie wären unglaublich stolz auf dich.“                                            
Unwillkürlich schossen ihr Tränen in die Augen, der letzte Satz hatte das Fass zum überlaufen gebracht, alles brach über sie herein, der Schmerz, die Trauer, die Einsamkeit und ohne das sie es bemerkt hatte, fand sie sich an seiner Brust wieder und schluchzte so herzzerreißend, wie noch nie in ihrem Leben. Er sagte nichts, brauchte er das auch nicht, Worte waren in diesem Fall überflüssig, sie würden nichts bringen und darauf hoffen das alles besser werden würde, konnte sie eh nicht. Nein, er sagte nichts, er war für sie da, hielt sie fest und ließ sie sich ausweinen. Ließ zu, dass seine Kleidung nass wurde, war nachts in einem Wald, obwohl er hätte zu Hause in seinem Bett liegen und schlafen könnte. Nein, er war hier bei ihr und sie hatte ihn noch nie so sehr geschätzt, wie in diesem Augenblick.
--Ende--
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