Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

The lady of iron toughts (3)

GeschichteAbenteuer, Romance / P18 / Gen
Dis Fili Kili OC (Own Character) Thorin Eichenschild
04.04.2021
27.07.2021
15
66.583
18
Alle Kapitel
31 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
11.05.2021 4.171
 
Hallo zusammen :)

Tut mir Leid, dass ich am Wochenende nicht hochgeladen habe, aber ich hatte eine verflucht schlimme Woche und brauchte die zwei Tage zum Erholen.

Jetzt geht's aber weiter mit einer Person, die wir sicher alle sehr vermisst haben ;)
Und der... wenn ich mich recht erinnere... immer da war, wenn irgendetwas... passierte *hust* *hust*

Viel Spaß beim Lesen ;)
CasseyCass *-*

-----------------------------------------------------------------------

Cain
Der Erebor baute sich vor ihm auf, die Spitze versank in den tiefhängenden Wolken. Er war seit über einem Jahr nicht mehr hier gewesen und hatte vergessen, wie imposant der Berg sein konnte. Kalt und spitz und abweisend nach außen hin, im Innern jedoch warm und hell und freundlich. Cain lächelte etwas. Er hatte nur Kili von seiner Ankunft erzählt und freute sich auf die überraschten Gesichter der anderen. Vor allem auf Judys Gesicht. “So groß habe ich ihn mir gar nicht vorgestellt”, gestand Solveig neben ihm leise. “Es ist ein Berg, Liebste-” “Dennoch!” Cain grinste. Sah zu seiner Partnerin mit den langen, gold-roten Haaren, die sie nur locker zusammengeflochten hatte. Sie war etwas jünger als er, war nun zum ersten Mal außerhalb der Eisenberge und betrachtete alles mit dem neugierigen Blick eines kleinen Kindes. Solveig war nicht naiv, nur… unerfahren. Das, was sie kannte und worin sie gut war, tat sie wiederum mit einem stoischen Selbstbewusstsein. Wie das Musizieren zum Beispiel. “Und sie werden sicher nicht wütend sein, dass wir hier einfach auftauchen?”, fragte Solveig nun. Ihre blauen Augen trafen auf seine und Cain nickte. “Definitiv. Ich habe meinem Cousin Bescheid gegeben und für die anderen soll es ja eine Überraschung werden.” “Aber Cain… er ist der König!” Erneut musste er grinsen. “Thorin ist auch nur ein Zwerg wie du oder ich. Hab keine Angst-”

“Nun… Es ist alles etwas ungewohnt. Wir sind seit drei Wochen in einer Partnerschaft-” “Aber wir kennen uns schon seit Ewigkeiten, Solvi. Du hast Thorin schon hunderte Male gesehen, dieses Mal darfst du auch mit ihm reden.” “Vater sagte, er sei distanziert.” Ja… das traf gut zu. “Er ist aber nicht böse, in Ordnung? Vertrau mir. Selbst wenn er einen schlechten Tag hätte, gibt es auch noch Judy. Wenn jemand die Laune des Königs hochhält, dann sie. Sie würde ihn vor versammelter Mannschaft in Grund und Boden stampfen, sollte er mies drauf sein und dich deshalb nicht adäquat behandeln.” “Humpf-” Solveig brummte etwas Unverständliches. Würden sie nicht hoch zu Ross sein, würde sie vermutlich die Arme verschränken. Ihre Hufe klapperten laut im Gästestall wieder, als sie einritten. Cain war froh, noch vor dem großen Regen, der sich an den Wolken ankündigte, im Berg angekommen zu sein. Die vergangenen Nächte waren so schon kalt genug gewesen, den Regen hätte er Solveig nicht auch noch antun wollen. Er half seiner Freundin vom Pferd und strich ihr eine lose Haarsträhne aus dem Gesicht. Fuhr über den leichten Bartflaum, der kaum sichtbar war, weil sie noch so jung und ihre Haare so hell waren. “Du hast es geschafft”, lächelte er. “Willkommen im Erebor.” Sie biss sich voller Vorfreude auf die Unterlippe und Cain gab ihr einen kleinen Kuss.

“Oh, junge Liebe”, ertönte es da seufzend, “wie rührend-” Cain sah auf. “Kili!” Dieser lehnte im Durchgang zum Berg, mit verschränkten Armen und grinsend von einem Ohr zum anderen. “Na Cousin. Soll ich gleich nochmal wiederkommen?” Doch Cain ging bereits auf ihn zu und zog ihn in eine feste Umarmung. Lachend klopften sie einander auf den Rücken. “Gut dich zu sehen, Kili.” “Und dich erst, Cain.” “Darf ich dir Solveig vorstellen? Meine Partnerin-” Cain winkte sie heran und Solveig lieferte einen ziemlich perfekten Knicks ab. “Eure Majestät-” “Kili, bitte-” Kili nahm ihre Hand in seine und drückte sie. “Wie lange läuft das schon?” Sein Finger sprang von Cain zu Solveig. “Nun…”, Cain legte einen Arm um Solveigs Schulter, “offiziell ist es seit ein paar Wochen, aber wir… sind uns schon eher etwas näher gekommen-” Solveig lächelte und lehnte sich an ihn. “Na, dann kommt mal mit, ich habe Judy in die Eingangshalle holen lassen. Wenn wir nicht da sind, wird sie zetern wie ein Rohrspatz.” “Beschäftigt wie immer, hm?” “Du hast ja keine Ahnung.” Sie folgten Kili also zur Eingangshalle. “Aber”, redete Kili weiter, “sie wird sich kaum noch einkriegen vor Freude. Du warst ein Jahr nicht hier-” Er blickte fast anklagend über die Schulter zu ihm. “Das ist wohl auch etwas meine Schuld”, gestand Solveig, deren Augen neugierig durch die Halle strichen.

Cain tat es ihr gleich und sah den Wehrgang hinauf, den Judy damals nach dem Aufstand in Auftrag gegeben hatte. Er war fast fertig und Dank der feinen Architektur wirkte er weniger wie ein Objekt des Krieges und mehr wie eine Flaniermeile. Feine Rosenranken webten die Säulen empor, es gab mehrere kleine Balkonartige Nischen und das Geländer sah aus wie ineinander gedrehte Marmorstränge. Wirklich schön. “Oh bei Durin, da ist sie!”, wisperte Solveig aufgeregt und klammerte sich an Cains Hand, der amüsiert auf sie hinabblickte. “Was sage ich zu ihr?” “Mach dir darum keine Gedanken, Liebes”, gab er zurück, “Judy redet genug für uns alle-” “Kili, ich hoffe, du hast eine gute Ausrede, mich von Circe wegzuholen”, ertönte Judys Stimme, noch bevor Cain sie sah. “Die beste überhaupt, namad”, erwiderte der Zwerg, “und ich wette, du wirst mir gleich dankbar um den Hals fallen-” “Achja?” “Ich verspreche es dir.” Kili tat einen Schritt zur Seite und es vergingen zwei Sekunden, in denen Judys neckender Gesichtsausdruck, Überraschung und dann unverhohlener Freude wich. “CAIN!” Cain lachte, ließ Solveig vorsichtig los und breitete die Arme aus. Mit einem Schrei, der einer Königin nun wirklich nicht ebenbürtig war, stürzte Judy sich in seine Arme.

“Was tust du denn hier?!”, schrie sie außer sich vor Freude. “Bin auf der Durchreise, aber- wie geht es dir?!” “Fantastisch und dir? Lass dich ansehen, OH MAN! Du bist ein richtiger Krieger geworden!” “Ich?! Sieh dich an, du bist richtig aufgeblüht!” “Wie konntest du mich ein Jahr lang hier versauern lassen, ehrlich!” “Du hättest ja auch in die Eisenberge kommen können!” Sie redeten durcheinander, stellten sich parallel die gleichen Fragen und lachten regelmäßig etwas hysterisch auf. Kili stand nur da und schüttelte den Kopf. “Und ich soll chaotisch sein”, brummte er. “Moment, warte, warte-” Cain hob eine Hand und grinste aufgeregt. “Judy, ich muss dir jemanden vorstellen-” Er griff nach Solveig und zog sie vor sich. Die junge Zwergin sah Judy aus übergroßen Augen an und knickste mit zitternden Beinen. “Das ist Solveig”, sagte Cain sanft, “meine Partnerin.” “Eure Ho-Hoheit”, wisperte Solveig. “Oh, bitte, nenn mich Judy!” Judy umarmte die überrumpelte Zwergin fest. “Partnerin?”, wiederholte sie. “Wie in-” “Ja, wir sind… in einer offiziellen Verbindung”, nickte Cain und grinste schief. Wie erwartet, freute sich Judy für ihn wie kein anderer. “Wobei ich etwas enttäuscht bin”, ließ Cain verlauten, “ich hatte gehofft, dich in wallenden Roben und einem hübschen Diadem zu sehen und nun siehst du aus wie eine Schenkwirtin…”

“Cain!”, Solveig klang entsetzt. “Eure Hoheit, das meint er nicht so… Die Reise war lang- Er wollte sicher nicht seine Königin beleidigen…” Judy lächelte amüsiert, konnte jedoch nichts erwidern, weil eine andere, deutlich männlichere Stimme erklang: “Nun, Ihre Hoheit weiß, dass Sir Cain Recht hat, weshalb sie nichts dagegen einwenden sollte.” Thorin samt einer Parade an Soldaten erschien und nun verbeugte Cain sich wie es das Protokoll verlangte, ehe er dem König die Hand reichte. “Eure Majestät-” “Hallo Cain. Und-” “Solveig”, sprang Judy ein, “seine Partnerin.” “Es ist eine Freude Eure Bekanntschaft zu machen. Sie sehen momentan viel eher nach einer Königin aus als die eigentliche Königin.” Solveig wurde rot und Cain grinste. “Die eigentliche Königin ist nur Regentin und sie wollte weder ihr Diadem verlieren noch ihr Kleid einsauen, während sie auf allen vieren den Boden wachst”, warf Judy spitz ein. “Und ich denke, es ist dir zu viel Arbeit gewesen, es anzuziehen”, entgegnete Thorin trocken, doch die Art und Weise, wie er Judy an sich heranzog zeigte, dass er nicht wirklich böse auf sie war und sie nur neckte. “Jemand hat vergangene Woche Projekt Circe zerlegt”, sagte Kili erklärend zu Cain. “Was?!” Baff sah er zu Judy, die nur leicht die Schultern hob. An ihrem Gesicht konnte er sehen, dass es sie noch immer mitnahm.

“Das war Ihr Zentrum, nicht wahr, Eure Hoheit?”, fragte Solveig. “Ja. Es ist es noch immer, wir… müssen nur erst wieder aufräumen.” “Weiß man, wer es war?”, fragte Cain. “Zwei unserer Soldaten”, antwortete Thorin. “Eine der Ehefrauen war bei Judy vorstellig geworden und wollte die Scheidung. Der Noch-Ehemann fand das nicht so toll und hat Judy ziemlich deutlich gemacht, dass nicht jeder hier ihr Projekt unterstützt.” “Ist jemand zu Schaden gekommen?” “Glücklicherweise nicht, nein.” Judy biss sich kurz auf die Unterlippe. “Wollt ihr es trotzdem sehen?” “Judy, es gleicht einer Bruchbude-”, seufzte Thorin. “Ja, ja, meiner Bruchbude! Also?” Sie sah Cain und Solveig so bittend an, dass sie schlecht ablehnen konnten. “Wollen Sie mitkommen, Mister Brummbär?!”, wandte sie sich an Thorin. “Nein, ich verzichte. Ich bin auch eigentlich auf dem Weg zu Sir Salysan, habe euch hier gesehen und dachte, kurz Hallo zu sagen.” “Und dafür danke ich dir-” Thorin gab Judy einen zärtlichen Kuss, etwas, das vor einem Jahr noch nicht möglich gewesen wäre. Solveig betrachtete die beiden neugierig. “Bis heute Abend, Amrâlimé”, verabschiedete sich Thorin. “Viel Spaß in der Bruchbude”, sagte er an Cain und Solveig, ehe er nach links zu den Treppen abbog. “Und war das so schlimm?”, fragte Cain Solveig leise, die ihm heimlich den Ellbogen in die Seite rammte. “Sei bloß leise.”

Auf den Weg zu Circe, übernahm Kili selbstverständlich Solveigs Arm mit den Worten: “Mit Cain an deiner Seite stürzt du eher die Treppen herunter-” Dieser hatte sich neben Judy eingereiht. “Dir und Thorin scheint es sehr gut zu gehen”, sagte er und blickte sie von der Seite her an. Sie trug sich erhabener, weniger distanziert und verzweifelt, wie zum Anfang ihrer Regentinnen-Zeit. Auch wenn ihr Kleid etwas zerschlissen und dreckig war und ihre Haare zu einem sehr zerzausten Dutt geknotet waren, sah man ihr ihre Position an. Cain glaubte kaum, dass irgendwer ihr trotz ihres Aussehens heute, den Befehl verweigern würde. “Sehr gut sogar”, gestand Judy lächelnd. “Wir… hatten unsere Stolpersteine am Anfang, aber mittlerweile sind wir ein richtig gutes Gespann geworden.” “Das freut mich. Nach allem, was ihr durchgemacht habt ihr es euch verdient.” Judy lächelte ihn breit an. Er wollte es nicht denken, aber er konnte sich nicht dagegen wehren. Sie war einfach die hübscheste Frau, die er kannte- “Und du und Solveig?”, hakte nun Judy nach, wippte neckend mit den Augenbrauen. “Seit wann läuft das schon?” “Noch nicht lange”, sagte Cain wahrheitsgemäß. “Wir kennen uns schon seit Ewigkeiten, aber… wir sind erst jetzt zusammengekommen.” “Wieso?” “Nun, wir beide… haben eigentlich deutlich tiefere Gefühle für jemand anderen und haben uns… darüber gefunden.”

“Oh.” Mehr machte Judy nicht. “Sie ist die Tochter eines Edelmannes in den Eisenbergen”, redete Cain einfach weiter, “wir sind faktisch miteinander aufgewachsen. Sie war für einige Zeit mit einem anderen Zwerg zusammen, der jedoch die Beziehung auflöste. Es… ist normal, das Zwerge, deren Liebe nicht erwidert wird, sich… finden. Wir verstehen das Gefühl und wissen damit umzugehen, verstehst du, dass… man… keine Ahnung, nur der Notnagel ist.” “Oh, Cain bitte, das kann ich mir nicht vorstellen”, sagte Judy heftig. “Du bist niemanden Notnagel! Ich bin der Meinung, selbst wenn ihr Zwerge nur einmal lieben könnt, ihr könnt dennoch sehr tiefe, Liebes-ähnliche Gefühle hegen und wenn das bei euch beiden der Fall ist, ist das genauso gut. Du bist talentiert und mutig und gütig und so vieles mehr, das dich so liebenswert macht. Mach dich nicht kleiner, als du bist.” Cain verzog etwas das Gesicht. “Wie Ihr wünscht, Eure Hoheit-” Sie lachten etwas. Wenig später bogen sie in den Gang, der zu Circe führte und bereits der Stapel Hölzer vor der Tür zeigten, dass hier was im Umbau war. “Ich entschuldige mich im Voraus für das Chaos”, sagte Judy zähneknirschend. Vorsichtig stieß sie die Tür auf und Cain pfiff anerkennend durch die Zähne. Als er damals abgereist war, war das Projekt noch nicht fertig gewesen, aber selbst damals hatte es nicht so ausgesehen.

Die Schlafkammer musste Judy wohl gerade am Wachsen gewesen sein, als Cain und Solveig eingetroffen waren, denn der Raum war komplett leer geräumt und vor dem Durchgang stand ein Schild mit der Aufschrift Bitte nicht betreten. Dafür stapelte sich alles andere in den anderen beiden Räumen. Begonnen bei Papierstapeln, über Küchenutensilien bis hin zu zwei Matratzen. Der Anmeldetresen stand schief und die Wände waren fleckig, zwei Gläser, aus denen Ecken gebrochen waren, standen auf einer Art Regal - oder dem, was davon übrig geblieben war. “Sie haben vor einer Woche alles zerlegt”, seufzte Judy. “Es brauchte uns allein Tage, um alles irgendwie zu sortieren und herauszufinden, was man noch gebrauchen konnte und was nicht. Naja… die Sachen sind alle noch in Auftrag. Gibt natürlich keine Schreinerei im Berg, die genug Kapazitäten hat, um von jetzt auf gleich Circe auszustatten.” “Hattet ihr Frauen hier?” “Nicht in dem Moment, nein. Und momentan kommt eh niemand her, selbst diejenigen nicht, die wir schon seit einem Jahr betreuen…” Das war natürlich nicht gut. “Wie viele Frauen hattet ihr bisher hier?”, fragte Solveig schüchtern. “Du meinst, die etwas länger geblieben sind?” “Ja oder auch nur für ein Gespräch kamen.” Amüsiert sah Cain, dass sie etwas rot geworden war bei ihrer Frage.

“Hm, so um die zwölf?”, antwortete Judy nachdenklich. “Wir haben vier Frauen, die wir in Langzeit betreuen, deren Männer nicht mehr in ihrem Leben sind und die versuchen das Erlebte zu verarbeiten. Und dann haben wir immer mal wieder Frauen, die herkommen, weil sie eine Auszeit brauchen, aber noch nicht bereit sind, ihren Mann zu verlassen oder Frauen, die befürchten, ihr Mann könnte in irgendeiner Form missbräuchlich werden und wissen wollen, wie sie weiter vorgehen sollen. Und andere bringen einfach nur ihr Kind her, damit es ein paar… ruhige Stunden erlebt.” Das war eine ziemliche Bandbreite an Frauen. “Auf jeden Fall machen Judy und ihre Frauen eine großartige Arbeit”, warf Kili ein. “Wir alle sind stolz auf sie.” Judy lächelte ihn an. “Das glaube ich Euch”, nickte Solveig, “eine Regentin, die sich so um Ihre Frauen bemüht- Also nicht, dass Seine Majestät der König das nicht getan hätte! Ich bin mir sicher, er war genauso bemüht, er ist ja schließlich ein guter König-” Sie brach ab und wurde knallrot, weil sie sich selbst so verhaspelt hatte. Kili grinste etwas. “Einigen wir uns darauf, dass jeder sich bemüht”, meinte Cain, bevor seine Freundin vor Scham noch im Erdboden versinken würde. “Wie lange habt ihr vor zu bleiben?”, fragte Judy da und Cain hob die Schultern. “Wie gesagt, wir sind nur auf der Durchreise, Solveig’s Tante lebt im Ered Luin und hat uns eingeladen-” “Aber sie sagte nicht, wann sie uns erwartet”, schob Solveig hinterher. “Wir sind zeitlich recht ungebunden.”

“Wieso?”, wollte Cain wissen. “Oh, sie will euch ausbeuten”, sagte Kili trocken, “nur deswegen hat sie euch hier herunter geführt, wo alles noch aussieht wie ein Saustall.” “Nein”, sagte Judy betont, “ich wollte Solveig fragen, ob sie mit mir einen meiner Hausbesuche morgen macht. Und ich will ihr Tess vorstellen, vielleicht können wir einen Mädelsabend machen.” “Mädelsabend?”, wiederholte Solveig verdutzt. “Also ich denke, so zwei Wochen können wir hier einplanen”, sagte Cain, “dann könnt ihr euch kennen lernen und wir ruhen uns etwas, ehe es weitergeht in den Ered Luin.” “Ich habe euch auch ein hübsches Zimmer herrichten lassen”, warf Kili ein. “Euch wird es nicht schlecht ergehen, Miss.” “Wir wollen nur keine Umstände bereiten”, sagte Solveig. “Tut ihr nicht, absolut nicht. Ich finde es großartig, dass ihr hier seid und je länger ihr bleibt, desto schöner.” Judy lächelte Solveig und Cain breit an und sie alle mussten es erwidern. Bei so viel Freundlichkeit würde sicher auch Solveig bald ihre Scheu ablegen.

###


Da Judy und Kili natürlich noch eine Menge Arbeit vor sich hatten, beschloss Cain Solveig den Berg zu zeigen. Als es gen Abendbrot ging, wurde die junge Zwergin aber zusehend müde und bezog ihr Gemach, während Cain Bofur und Nori begrüßen ging und anschließend die Bibliothek aufsuchte. Er war neugierig gewesen, was sich hier nicht noch verändert hatte - nebst Circe und dem Wehrgang und allem. Auch die Bibliothek erstrahlte in einem ganz neuen Licht. Die Regale waren alle fertig und eingeräumt, auf der Empore stand mittig eine Art Rednerpult mit einem dicken Buch darauf, wo man all die Werke suchen konnte, die in der Bibliothek standen. Cain drehte sich einmal um sich selbst und griff in seine Wamstasche, um ein Stück Schokolade herauszuholen. Knirschend biss er auf eine Haselnuss. Durch riesige Fenster fiel das Dämmerlicht von draußen und ein Zwerg mit lockigen Haaren ging herum und zündete all die dicken Lampen an, sicher verschlossen hinter hellem Glas. Cain drehte sich zur Tür um und tatsächlich hing über dem Tor wieder der Wandteppich, blau und golden und rot und vor allem sauber. “-noch heute genutzt?”, ertönte eine wohlbekannte Stimme aus einer der unteren Ebenen. Cain ging zum Geländer und blickte herunter.

“Weniger, Eure Hoheit, aber man könnte sich theoretisch noch auf sie berufen.” “Ihr Zwerge und Eure Tradition-”, seufzte Judy. “Ich sagte theoretisch, Eure Hoheit. Ich bezweifle stark, dass die Gesetze in der Praxis noch Anwendung finden.” “Da wäre ich mir nicht so sicher, Haldur-” Die beiden standen etwa drei Stockwerke unter ihnen und Judy hielt einen Pergamentbogen in der Hand, der älter aussah als jedes andere Schriftstück, das Cain je gesehen hatte. Erneut biss er auf eine Nuss und das Knirschen hallte erstaunlich laut wieder. Judy und der Zwerg namens Haldur sahen auf. “Cain, wenn du Schokoflecken an meine Bücher bringst, hatte Solveig die längste Zeit einen Partner”, rief Judy warnend hinauf. “Hm, schon klar, Eure Hoheit. Hier, fang-” Er warf ihr ein Stück Schokolade zu und sie fing es gekonnt auf. “Oh, die ist lecker”, stellte Judy fest, die das Pergament an Haldur weitergegeben hatte. Sie legte ihm dankbar eine Hand an die Schulter, dann kam sie die Treppe hinauf. “Das ist keine zwergische Schokolade”, sagte sie, als sie bei Cain angekommen war. “Nein, von Menschen hergestellt. Habe sie einem Händler abgekauft, kurz bevor wir losgeritten sind. Da sind ganze Haselnüsse drin.” “Hm und die sind echt hart-” Auch bei ihr knirschte es laut, als sie in die Schokolade biss.

“Wo ist Solveig?”, fragte Judy. “Im Bett. Ich habe ihr den Erebor gezeigt und sie mit einer Kleinigkeit zu essen ins Gemach begleitet. Sie war sehr erschöpft-” “Verständlich. Sie ist ja auch noch etwas jünger, nicht wahr?” “Ja, Anfang 20 in menschlicher Rechnung.” Judy nickte verstehend. “Hast du schon gegessen?”, fragte sie ihn. “Du meinst bis auf die Tafel Schokolade?” “Ja”, grinste sie. “Nein.” “Lust was zu kochen?” Da musste sie ihn nicht zweimal bitten. Zusammen pilgerten sie in die kleine Küche, wo die Familie unter sich kochte und wo noch Reste vom Mittagessen herumstanden, die sie sich fix zusammen auf den Teller warfen. Grinsend sah Cain zu, wie Judy ohne zögern das Hähnchenbein in die Finger nahm und abbiss. “Ich habe heute morgen gefrühstückt und bin seitdem zu nichts mehr gekommen”, entschuldigte sie sich nuschelnd. “Oh, keine Sorge, ich beschwere mich nicht”, lachte Cain, “im Gegenteil. Ich bin froh, dass sich manche Dinge wohl nie ändern werden-” Judy grinste. “Du isst immer noch Fleisch?”, fragte er und nickte zu dem Hähnchen. “Ja”, seufzte sie. “Wenn ich richtig hunger habe, ist es nur halb so schlimm, aber die meiste Zeit ist es jetzt nicht gerade eine Freude.” “Und wieso tust du es dann weiterhin? Ich dachte Thorin hatte dich nur aufpeppeln wollen.”

“Und das hat er. Aber weißt du, in meiner Welt Vegetarierin zu sein, ist etwas anderes, als hier eine zu sein. In meiner Welt werden Tiere bis zu ihrem Tod gequält und es gibt genug Alternativen für mich, dennoch satt zu werden und alle wichtigen Nährstoffe zu bekommen. Hier hat jedes Hühnchen ein tolles Leben, bevor Dis es einem Schlachter weitergibt. Naja und mein Körper funktioniert noch immer etwas anders als eurer. Ich kann hier nicht nur mit viel Gemüse wieder wett machen, was mir durch das Fleisch fehlt. “Verständlich”, nickte Cain kauend. Schluckte seine Kartoffel herunter. “Also verdrückst du jetzt wöchentlich ein Kalb ja?” “Oh, Cain!” Judy schlug ihn empört mit ihrer Serviette und er grinste. “Wie geht es Velvet?”, fragte er stattdessen. “Sehr gut. Du musst ihn in den nächsten Tagen besuchen, er ist großartig. Ich und Kili sind vergangene Woche in eine Schlacht verwickelt worden und er hat richtig brav auf mich gewartet-” “Eine Schlacht?”, wiederholte Cain. Seit wann verwickelte sein Cousin Judy in Schlachten? “Oh, das ist eine lange Geschichte”, seufzte Judy. “Wo fange ich an… Oh am besten mit der Tatsache, dass Kili Tess einen Heiratsantrag gemacht und sie abgelehnt hat-” Cain fiel beinahe sein Hühnchen aus dem Mund. “WAS?!” Das hatte dieser hinterhältige Zwerg vorhin nicht mit einem Wort erwähnt!

“Ja, naja, du kannst dir denken, wie er das aufgenommen hat”, redete Judy weiter, “er war komplett durch den Wind. Wollte raus, ein paar Aussichtsposten abchecken. Ein Unbekannter hatte ihm gesagt, dass ein Spähtrupps Orks da wäre und… nun die waren da. Aber Kili in seinem Selbstmitleid hatte die Möglichkeit eines Hinterhalts etwas unterschätzt und als die Orks schließlich aus ihrem Versteck kamen, ist er auf sie los, statt zu verschwinden.” “Und du hast dich eingemischt, hm?” “Was hätte ich denn tun sollen? Ihn allein gegen fünf Orks kämpfen lassen?” “Er hätte gewonnen, er ist gut. Aber vielleicht wäre er gehörig auf die Schnauze gefallen und hätte daraus gelernt.” “Das werde ich mir das nächste Mal zu Herzen nehmen, wenn du testosteron-gesteuert in eine Dummheit reitest”, meinte Judy und lüpfte eine Augenbraue. Dann schüttelte sie jedoch den Kopf und ließ ihren abgenagten Knochen fallen. “Ich war danach für Tage durchgefroren und selbst jetzt habe ich manchmal noch das Gefühl, als wäre nicht alles okay-” “Du meinst, dir ist noch immer kalt?”, fragte Cain nach. “Ja das und… ich weiß nicht, es ist eher ein Bauchgefühl. Irgendetwas stimmt nicht. Die Orks, dann Circe-” “Das eine hat mit dem anderen sicher nichts zu tun, Judy”, warf Cain beruhigend ein. “Vielleicht doch-”

“Sieh-”, er ließ sein Hühnchen Hühnchen sein und fixierte die Regentin fest. “Bauchgefühl ist immer gut. Es warnt dich in einer Schlacht vor einer Gefahr. Aber du darfst keine Ereignisse miteinander verbinden, die nichts miteinander zu tun haben. Sonst lenkst du dich vom Ziel ab-” “Ja, schon klar…” Sie piekste eine Karotte an. “Haben sich Tess und Kili dann wieder vertragen?” Um mal an den Anfang dieser kuriosen Konversation zu kommen. “Ja. Stellte sich heraus, dass Kili wohl eine Selbstfindungsphase durchlebt und sich als kompletter Versager fühlt, den Tess sicher bald verlassen wird-” Bei Durin. “Er hat ihr einen Antrag gemacht, weil er Angst hatte, sie würde ihn verlassen, weil er denkt, er sei ein Versager?” “Ja.” Cain schüttelte den Kopf. “Das geht mir zu tief in die männliche Psyche-” “Das muss dir Angst machen, hm?”, neckte Judy. “Ja. Ich verstehe meine eigene Psyche schon nicht, geschweige denn die anderer-” Sie lachten etwas. Judy wischte sich die Fettfinger ab. Eben noch haute sie rein wie ein gefräßiger Drache und dann war sie nach zwei Bissen pappsatt. “Du solltest zu Solveig”, sagte sie leise und lächelte etwas. “Eure erste gemeinsame Nacht im Erebor, ich bin mir sicher, das wollt ihr genießen-”

Cain grinste. “Das tun wir so oder so. Nur… ruhiger.” Judy hob eine Augenbraue. “Ich dachte, ihr wärt schon etwas länger zusammen.” “Ja, das schon, aber wir… wir…” Cain sammelte sich kurz. “Sie ist noch unerfahren in solchen Dingen.” Nun verstand sie. “Alles klar.” “Ich meine… wir machen Kleinigkeiten. Aber sie ist noch nicht bereit für mehr und das respektiere ich natürlich. Naja und du hast Solveig ja kennen gelernt, sie lässt sich so schnell so einschüchtern-” “Tess war früher auch so. Vor dem Krieg meine ich. In der Nähe eines Durins bleibt man nicht lange zurückhaltend oder schüchtern.” Vermutlich weniger. “Dann genießt euren Aufenthalt hier eben ruhig”, sagte Judy. “Werden wir, Eure Hoheit-” Er überlegte kurz. “Weißt du, ich bin noch nicht müde. Wenn du nicht zu Thorin willst - wollen wir noch etwas backen?” “Du hast mir nie dein Liebslingsrezept für das Brot gegeben!” “Genau daran dachte ich nämlich auch gerade. Also, wie wär’s? Noch etwas backen? Ich wette wir haben uns noch eine Reihe mehr zu erzählen und wenn wir beide noch nicht müde sind-?” Er ließ den Satz unbeendet. “Okay”, nickte Judy. “Absolut, ja. Thorin wird es verstehen, ich habe dich vermisst und ehe ich ihm die Ohren volljammere-” “Du jammerst dem König etwas von einem anderen Mann vor?”, ulkte Cain. “Ohje, ohje.”

“Er ist sehr tapfer”, grinste Judy. Dann stand sie auf und räumte ihre Teller zusammen. “Was brauchen wir, Wächter-lein?”, fragte sie. “Wächter-lein?”, wiederholte Cin pikiert. “Ehrlich?” Sie warf ihm einen Blick aus blitzenden Augen zu und er seufzte. “Wir brauchen Mehl”, sagte er noch immer kopfschüttelnd. “Damit fangen wir an-” Er würde sich heute Abend von Wächterlein zumindest noch zu Koch-lein mausern.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast