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The lady of iron toughts (3)

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Romance / P18 / Gen
Dis Fili Kili OC (Own Character) Thorin Eichenschild
04.04.2021
24.11.2022
42
196.807
23
Alle Kapitel
93 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
24.11.2022 6.236
 
Ihr Lieben - vielen Dank für die Glückwünsche! :)

Ich habe schön gefeiert (im Taunus ist es richtig, richtig kalt und winterlich, weshalb ich mich natürlich auch gleich erkältet habe :D). Und wieso sollte man, während man erkältet ist, die Sofa-Zeit auch mit Uni verschwenden, wenn man dabei viel lieber tippt?

Heißt: CasseyCass prokrastriniert lieber, was euch ein neues Kapitel schenkt. Yippie!

Viel Spaß beim Lesen!
CasseyCass *-*

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Judy
Salia brachte mich zurück zum Gemach. Ich war todmüde, der Nachmittag bei Circe war für mein Befinden heute zu anstrengend gewesen. Vor allem, da Amira mich die ganze Zeit angesehen hatte, als wüsste sie, was vorgefallen war- Ich nickte der Wache vor unserem Gemach zu und wandte mich dann Salia zu. “Du bist für heute entlassen, Salia. Ich danke dir für alles.” “Eure Hoheit-” Er verbeugte sich etwas. “Sagen Sie seiner Majestät, dass ich bereit zu Bett gegangen bin, wenn er kommt”, sagte ich zu der Wache und wollte ins Zimmer gehen, doch der Zwerg räusperte sich. “Seine Majestät ist bereits da, Eure Hoheit.” Ich hielt in meiner Bewegung inne. “Was?” “Seit geraumer Zeit schon, wenn ich mich recht erinnere.” Meine Augen huschten zu Salia, der offenbar auch nicht wusste, ob er gehen  oder lieber noch bleiben sollte, aber ich gab ihm ein Zeichen zu verschwinden und auch wenn er etwas verunsichert aussah, ging er. “Danke”, sagte ich zu der Wache, ehe ich nach der Türklinke griff. Ich ahnte, wieso Thorin bereits hier war und ich war dafür eigentlich gar nicht bereit, weshalb meine Hand über dem Griff gefährlich zu zittern begann.

Nur mit größter Mühe gelang es mir die Tür zu öffnen und einzutreten. Zu meiner großen Erleichterung war Thorin nicht direkt im Wohnraum, sonst wäre ich vermutlich gleich wieder umgedreht und weggerannt. Aber so schaffte ich es richtig einzutreten und die Tür hinter mir zu schließen - und abzuschließen. Möglichst leise legte ich meine Sachen auf die Anrichte und ging ganz langsam in Richtung von Thorins Arbeitszimmer. Er würde ja wohl nicht im Bad auf mich warten. Nein, nein… Er würde sich bereits richtig gut vorbereitet haben und sich entweder rausreden oder so gut entschuldigen können, dass es mir schwer fallen würde, irgendetwas dagegen zu sagen. Und das, wo ich nicht einmal wusste, was ich tun sollte. Geschweige denn würde. Ich sah noch einmal auf meine Finger, die unentwegt zitterten. Ich wollte dieses Gespräch nicht führen- Doch irgendwie kam ich beim Arbeitszimmer an, irgendwie legte sich meine Hand an die Holztür und irgendwie drückte ich sie nach innen auf. Sie quietschte etwas und dotzte dann leicht hinten an die Wand, wo wir bereits wollene Vierecke angebracht hatten, um uns den Stein nicht zu zerhauen. Thorin stand vor dem Fenster und drehte sich um, als ich in der Tür erschien.

Durch das fahle Gegenlicht konnte ich seine Gesichtszüge kaum erkennen, doch ich versuchte mir einzubilden, dass er genauso litt wie ich. Obwohl ich mir fest vorgenommen hatte, nicht zu weinen, spürte ich bereits die ersten Tränen hinter den Lidern brennen. “Ich weiß nicht, was ich sagen soll, Amrâlimé”, flüsterte Thorin und machte einen Schritt nach vorn. Das Licht veränderte sich etwas und mit einem Mal sah ich nicht die Silhouette eines Königs, sondern das Gesicht eines zutiefst verzweifelten Mannes. Ich antwortete nichts. Ich wusste ja noch immer nicht was… Wie er, wie es schien. Offenbar hatte Thorin doch keine Liste. “Ich denke, ich sollte mich entschuldigen”, redete Thorin einfach weiter, “aber ich bin mir ziemlich sicher, dass keine Entschuldigung dieser Welt wieder gut machen kann, was ich kaputt gemacht habe.” Nein, die gab es mit Sicherheit nicht. “Trotzdem tut es mir so, so Leid, Judy, ich… Ich… Es tut mir Leid.” Seine Stimme zitterte gefährlich und spürte, wie mir meine Träne aus dem Augenwinkel rann. Ich wünschte, seine Worte würden irgendetwas bei mir auslösen. Aber sie fielen einfach in ein riesiges, schwarzes Loch in meiner Brust.

“Könntest du vielleicht etwas sagen?”, fragte Thorin da und kam einen weiteren Schritt näher. Doch diesmal wich ich genau diesen Schritt wieder zurück. Ich wollte ihn nicht in meiner Nähe haben. “Ich weiß nicht, was ich sagen soll”, wisperte ich mit dünner Stimme. Ich schloss die Augen, weil mich eine Welle des Schmerzes überrollte. Das war doch Nonsense. Ich wusste nicht, wie wir in diese Situation gekommen waren und ich wusste nicht, wie ich dort wieder herausfinden sollte. Und ich wusste nicht, ob Thorin das jemals wieder gerade briegen könnte- “Tut mir Leid, ich kann das jetzt nicht.” Ich drehte mich wieder um und floh aus dem Büro. Ich würde die Nacht bei Circe verbringen. Genau dafür hatte ich es ja gegründet. “Nein, Judy- Judy!” Thorin eilte mir hinterher und sprintete an mir vorbei vor unsere Eingangstür. “Wir reden da jetzt drüber, sonst werden wir es nie-” “Nein.” “Ich werde dich nicht hier heraus lassen, bis wir darüber geredet haben!” “Das ist meine Entscheidung”, fauchte ich und schlug die Hand fort, mit der er mich daran hindern wollte, aus der Wohnung zu rauschen. “Du hast entschieden, uns in einen richtigen Scheißhaufen zu reiten, ich entscheide, ob ich da überhaupt drin stecken will! Ob ich einen Sinn darin sehe, mich mit dir dort hinauszukämpfen-”

“Du bist hier, also siehst du einen Sinn.” Ich schüttelte den Kopf. “Nein. Nein, ich weiß nicht, wieso ich hier bin. Vielleicht bin ich hier, weil ich dein Gesicht sehen musste, um meinen eigenen Wert wiederzuerkennen. Denn ich hätte gehen sollen, als ich euch dort gesehen habe. Ich hätte meine scheiß Sachen packen und verschwinden sollen!” “Aber du hast es nicht getan.” “Ja. Schön doof, wie ich bin.” Ich schlug erneut seine Hand weg. “Fass mich nicht an. Ich renne schon nicht weg.” Um meine Worte zu unterstreichen, setzte ich mich auf die Couch und ließ den Kopf in die Hände sinken. “Was kann ich tun, damit du dich besser fühlst?”, fragte Thorin leise und setzte sich auf die andere Seite des Sofas. “Oh, ich weiß nicht, vielleicht nicht mit deiner Ex-Verlobten ins Bett steigen”, keifte ich. “Das bin ich nicht”, murmelte er und stand sofort wieder auf. Stemmte die Hände in die Hüfte. “Auch wenn du mir das vielleicht nicht glaubst, aber ich habe nicht mit ihr geschlafen.” Das glaubte ich tatsächlich nicht. “Ich war betrunken und sie hat mich verführt und beides ist keine Entschuldigung, das weiß ich.”

“Das war wegen mir, nicht wahr?”, murmelte ich. “Wir hatten zwar Sex, aber es hat dir keinen Spaß mehr gemacht, ich war zu… verspannt und langweilig-” “Nein-” “Also bist du zu Breeda. Die vermutlich als einzige hier im Berg noch sehr genau weiß, was du magst…” Thorin fuhr sich durch die Haare und drehte sich wieder um. “Nein”, wiederholte er fester. “Ich habe kein einziges Mal mehr mit ihr geschlafen, seit wir zusammen sind, Judy, und gestern Abend war der einzige Abend, der eskaliert ist. Ich weiß, ich habe dich über Monate hinweg belogen, aber gestern Abend war ein Ausrutscher.” Ich schwieg, weil ich ihm immer noch nicht glaubte. Aber das würde ich vermutlich für eine sehr lange Zeit nicht mehr. “Judy?” Thorin ging vor mir in die Hocke und griff nach meinen Händen. “Amrâlimé, bitte-” “Nenn mich nicht so”, flüsterte ich und zog die Hände fort. Fuhr mir über das Gesicht, weil mir ein paar Tränen über die Wange rollten. Ich atmete zitternd ein und wieder aus und versuchte nicht allzu erbärmlich zu wirken, aber wie gesagt, ich durchlief seit Stunden immer die gleichen Emotionen und jetzt waren wieder die Tränen dran. Ich legte mir die Hand vor den Mund, um meine Schluchzer zu unterdrücken, die Augen geschlossen, weil ich Thorin nicht dabei ansehen konnte.

Ich hatte immer versucht, die Nerven zu behalten. Natürlich kannten Thorin und Tess mich auch in einer anderen Verfassung, aber grundsätzlich versuchte ich, nicht zu einem heulenden Wrack zu werden. Ich glaubte, das letzte Mal, als ich so fertig war mit den Nerven, war der Tag als Thorin von dem Übergriff erfahren hatte. Glaubte ich. Doch während er mich damals in den Arm genommen hatte, hockte er jetzt bloß vor mir, die Hand auf meinem Knie und schwieg. Damals war ich auch verletzt, wenn auch auf eine ganz andere Art und Weise und damals hatte Thorin mir Halt gegeben. Jetzt hatte ich das Gefühl, riss seine Anwesenheit mir laufend den Boden unter den Füßen weg. Und diese Hilflosigkeit machte mich richtig wütend. Ich ließ die Hand sinken und atmete keuchend ein. “Du hattest kein Recht mir so weh zu tun”, wisperte ich. “Wieso auch immer du bei ihr warst, du wusstest, was du mir damit antun würdest und du hattest absolut kein Recht dazu. Wenn ich dir als Ehefrau schon nicht genug bedeutete, dann doch zumindest als Königin oder nicht?” “Ja”, murmelte Thorin nur, ohne mich anzusehen. Mahal, ich würde ihn gerade am liebsten über die Balkonbrüstung werfen…

Für eine Weile saßen wir einfach nur stumm da, beide in unseren Gedanken gefangen. Hatte Tess doch Recht? War ich einer toxischen Beziehung, aus der ich von selbst nicht herausfand? Irgendwie wollte ich das nicht so richtig glauben. Wann immer Thorin Scheiße gebaut hatte, hatte er das eingesehen und seine Reue war immer echt gewesen. Weshalb ich auch der Meinung war, dass wir hier nicht einfach einen Cut machen sollten. Nicht, weil ich mich komplett der Illusion hingeben wollte, dass wir etwas total Besonderes waren und das wir es als Paar wert waren, gerettet zu werden. Sondern weil Ehen nun mal beschissen verlaufen konnten und die Ehepartner nun mal beschissene Entscheidungen trafen. Dass es bei Thorin und mir nicht das verflixte siebte Jahr war, sondern gleich zu Beginn unserer Ehe passiert war… Tja, was sollte ich dazu sagen? Auf jeden Fall sollten wir nicht einfach gehen. Wir konnten das wieder gerade biegen. Irgendwie…

Ich atmete tief ein und riss Thorin damit aus seinen Gedanken, denn er zog seine Hand von meinem Bein zurück und stand auf. “Ich werde jetzt meine Sachen in mein Schlafzimmer räumen”, sagte ich leise, aber deutlich gefasster als noch vor ein paar Minuten. “Etwas räumlicher Abstand wird uns gut tun.” “Du kannst auch zu Circe, wenn du willst-” “Nein. Das ist zu auffällig. Sobald der Berg weiß, dass wir Probleme haben, muss ich nicht nur mich von dieser zweiten Chance überzeugen, sondern hunderte Zwerge. Das schaffe ich nicht.” Er nickte nur. Dann: “Judy, ich weiß, wie schwer das sein muss-” “Nein, tust du nicht”, knurrte ich und stand endlich selbst auf. “Und versteh mich nicht falsch, ich tue das nicht aus Nächstenliebe. Ich hasse dich für das, was du uns hier antust, vor allem, weil du mir nicht einmal eine logische Erklärung liefern kannst. Aber ich denke auch, dass wir zumindest probieren sollten, wieder zueinander zu finden. Wenn wir das nicht tun, werden wir uns das immer vorhalten. Wir würden nie herausfinden, ob es noch funktioniert hätte.  Also: Ich werde umziehen und wäre dir für ein paar Tage auf Abstand dankbar, damit ich mich selbst erst einmal sammeln kann. Dann sehen wir weiter.”

Zum ersten Mal heute sahen wir uns direkt in die Augen. Es war als würde ich in eine Spiegel blicken. Thorin litt genauso wie ich, er wollte uns genauso flicken, aber er würde - ebenfalls wie ich - die Reißleine ziehen, ehe wir uns weiter zerrieben. “Hast du es ernst gemeint?”, fragte ich. “Was?” “Dein Ehegelübde. Du sagtest damals, dass… dass nicht der Erebor deine Bestimmung und dein Leben gewesen sei, sondern ich. Und dass du immer bei mir bleiben würdest, dass ich nie einsam sein würde und ich nicht nur deine Ehefrau wäre, sondern auch deine Freundin. Hast du das alles ernst gemeint?” Sein Blick wurde zärtlich und hätte ich ihn nicht bereits 1.000 Mal heute von mir gestoßen, hätte er mich jetzt mit Sicherheit berührt. So nickte er bloß ein weiteres Mal und sagte: “Jedes einzelne Wort.” “Gut”, sagte ich leise, “dann beweis es.”

Kili
“Und, wie gefällt es dir?” Aufgeregt beobachtete Kili seine Frau, wie sie sein mitgebrachtes Päckchen auspackte. Es waren kleine Spielzeuge, Tiere und Kutschen und Figürchen aus gutem Holz, die Nori, Ori und Dori angefertigt hatten. “Meine Güte sind die hübsch”, wisperte Tess, die nach und nach alle Figuren ansah. “Ist das Bombur?”, fragte sie und hielt eine Figur hoch, die etwas fülliger aussah, als die anderen. “Ja, in der Tat”, lachte Kili. “Sieh, das ist unsere Gemeinschaft. Hier ist Bofur mit seinem lustigen Hut und hier… ist mein Bruder, das erkennst du an den Zöpfen, die sie reingeschnitzt haben-” “Und hier sind wir”, sagte Tess und hielt die einzige Figur hoch, die zwei Personen darstellte, die sich in den Armen lagen. Kili lächelte etwas und streckte die Hand aus, um Tess über den Kopf zu streichen. “Ja, das sind wir.” Er bekam einen liebevollen Blick aus ihren hellblauen Augen zugeworfen und Kili beugte sich für einen Kuss vor. “Und wenn das Kleine da ist, machen sie uns noch eine Figur, die sie oder ihn darstellt.” “Sehr schön.” Kili legte die Hand auf ihren Bauch und spürte die Bewegungen des Babys.

“Es ist bald vorbei”, sagte er. “Dann gehen die Schmerzen auch vorüber.” “Ich wünschte, ich könnte mir zumindest etwas von meiner Macht stibitzen… Ich bin Schmerzen nicht mehr gewöhnt-” Und sie würden noch mehr werden, sobald die Wehen einsetzten. Auch wenn Tess ihm versicherte, dass alles in Ordnung war und das Baby richtig lag, Kili wusste, dass während der Geburt noch immer etwas passieren konnte. Was wäre, wenn ihre Abtreibung doch irgendwelche Schäden verursacht hatte, die sie jetzt noch nicht absehen konnten? Nein, darüber durfte er nicht nachdenken… Er sah, wie Tess ihr Figürchen zwischen den Fingern hin und her drehte. Sie hatte Angst. “Ich werde keine Sekunde von deiner Seite weichen”, versprach Kili und legte die Arme um ihren Oberkörper. Zog sie fest an sich und drückte die Lippen gegen ihre Schläfe. “Ich weiß”, flüsterte Tess tapfer. “Ich werde nachher an der Arbeit etwas von meinen Überstunden einreichen, dann bin ich häufiger hier-” “Du bist jetzt schon laufend hier, Kili.” “Gehört sich ja auch so”, sagte er neckend, “ich werde schließlich Vater und muss mich um euch kümmern.” “Aber du bist auch ein Prinz und hast Verpflichtungen.”

“Mein Liebling… Meine liebe, süße Givashel… Noch bevor ich ein Prinz bin, bin ich dein Mann und ich liebe dich ohne Maß. Meine einzige Verpflichtung bist du. Du und er oder sie.” Kili nickte auf ihren Bauch. “In Ordnung?” ”Ja”, wisperte Tess und lächelte ihn fast schon schüchtern an. “Sofern du das dann überhaupt aushältst. Das wird kein schöner Anblick.” “Ich habe schon Schlimmeres hinter mir.” “Na wenn du das sagst-” Kili beugte sich vor und griff sich seinen Becher und die Wasserkaraffe. Während das Wasser hinein floss, setzte sich Tess etwas anders hin. “Kili?” “Ja?” Er spähte über die Schulter in ihre Richtung. “Wenn ein Zwerg jemanden liebt, so richtig liebt… Würde er dann fremdgehen?” Überrascht stellte Kili die Karaffe ab. “Wieso fragst du das? Du denkst doch nicht etwa, dass ich-” “Nein, Quatsch”, wiegelte Tess sofort ab. “Ich könnte dir nicht einmal böse sein, schließlich habe ich etwas von einem Fass…” Er grinste und setzte sich wieder. “Einem wunderschönen Fass”, verbesserte er. “Aber erzähl, was soll diese kuriose Frage?” “Nun eine Freundin ist erst seit Kurzem verheiratet und hat nun herausgefunden, dass ihr Mann eine Affäre hat. Dabei sagt er ihr ununterbrochen, er würde sie lieben.”

“In Ordnung?” “Naja ich dachte immer, wenn ein Zwerg liebt, liebt er uneingeschränkt. Und… Ach, ich weiß auch nicht-” “Also zuerst einmal: Ja, wir lieben bedingungslos. Aber wir sind nicht unfehlbar. Niemand ist das. Und auch die Liebe ist es nicht. Stell dir vor, ein Vater sperrt seine Tochter ihr Leben lang ein, weil er Angst hat, ihr könnte etwas geschehen. Er liebt sie. Aber würdest du diese Art von Liebe als gut oder richtig bezeichnen? Ich denke nicht.” “Aber man heiratet doch nicht, um ein paar Monate später mit einer anderen Frau etwas anzufangen.” Nein tat man eigentlich nicht. “Verlässt sie ihn?”, fragte Kili. “Vorerst nicht, nein.” “Denkst du, das sollte sie tun?” “Ich denke”, murmelte Tess, “dass jede Beziehung es verdient, dass man um sie kämpft. Aber nicht um jeden Preis. Ich meine… ich… ich weiß nicht, was ich tun würde, wenn du-” Sie schüttelte den Kopf. Wenn sie diese Affäre derart mitnahm, war das nicht irgendeine Freundin. Sie stand Tess nahe und Kili war sich ziemlich sicher, dass er alle von Tess’ nahestehenden Freundinnen kannte. “Givashel, über wen reden wir hier?”, fragte er. “Oh, ich… das kann ich dir nicht sagen, ich musste es ihr versprechen.” Auch das hatte er befürchtet. “In Ordnung. Aber es nimmt dich sehr mit und ich würde behaupten es hilft dir, wenn du mit mir darüber reden würdest. Richtig darüber reden würdest.”

Tess wich seinem Blick aus. “Nicht jetzt, Kili-” Er nickte etwas. Wie sie wollte. “Nur um das klar zu stellen”, sagte er und zog sie wieder in seine Arme, “ich werde mich bemühen, dass uns sowas nicht geschieht. Ich weiß, keine Beziehung ist da total gegen gefeit, aber ich werde mein Bestes geben.” “Ich auch”, wisperte Tess und schmiegte sich eng an ihn. Kili streichelte ihr über die samtigen Haare und ließ seinen Kopf an ihrem ruhen. Er hatte das Thema nie wieder angeschnitten, aber nie war das Bedürfnis, diese Frau zu heiraten, größer gewesen als gerade jetzt in diesem Augenblick. Er würde sich gedulden, bis Tess bereit dafür war, keine Frage. Und ihre Freundin war ebenfalls verheiratet gewesen, als ihr Mann fremd gegangen war, aber Kili wollte ihr Sicherheit geben. Die Sicherheit, dass er für sie da war, egal, was auch geschehen mochte. “Hast du eigentlich an Cain und deinen Bruder geschrieben?” “Ja. Sie werden rechtzeitig zu deiner Babyfeier hier sein.” Sie hatten die eigentlich schon viel früher machen wollen, doch Tess war bis zuletzt zu unsicher gewesen, ob sie das Baby nicht doch noch verlieren könnte. Andererseits wollte sie die Feier unbedingt haben und langsam rann ihnen die Zeit davon. Sie hatten das Beisammen-Sein schon jetzt auf zwei Stunden beschränkt, weil sie dann zu erschöpft wäre-

“Ich freue mich drauf”, sagte Tess. “Ich werde am Abend zwar kollabieren oder wer weiß, vielleicht löst diese Party auch meine Wehen aus, aber ich freue mich drauf.” “Bitte nicht, dafür bin ich seelisch und moralisch noch nicht gewappnet”, meinte Kili. “Du wappnest dich seit neun Monaten, Liebling.” “Ohne Erfolg.” Sie lachte etwas. “Okay, ich werde mich hüten, an der Party das Baby zu bekommen.” “Danke.” Kili gab ihr einen Kuss. “Gut, reden wir mal über das wirklich wichtige Thema: Was gibt’s bei der Feier zu essen?”

Judy
Ich war so erschöpft, dass ich fast den gesamten nächsten Tag verschlief. Manchmal erschreckte es mich, wie mich ein müder Kopf auch körperlich Schachmatt setzte. Aber das war einfach so. Thorin hatte meine Bitte nach etwas Abstand akzeptiert und mir nur gestern geholfen, die Sachen in mein Zimmer zu schleppen - seitdem hatte ich ihn nicht noch einmal gesehen. Gut. Es waren auch erst ein paar Stunden vergangenen, in denen ich nur geschlafen hatte. Aber vielleicht fühlte es sich bereits so lange an, weil ich sonst auch neben ihm gelegen hatte. Jetzt war die eine Hälfte des Bettes leer, ich lag eher mittig in den Kissen und der Samt über mir war nicht dunkelblau, sondern in einem hellen Rot. Erst als ich aus der Tür trat, kam ich irgendwie mit Thorin in Berührung. Vor meiner Zimmertür stand nämlich ein kleines Glas, wirklich nur zehn Zentimeter hoch, mit einer einzelnen Sonnenblume drin, daneben lehnte ein ebenso winziger Zettel. Ich hockte mich hin und klappte das Papier auf. Ich liebe dich. Mehr stand da nicht. Brauchte es vielleicht auch nicht.

Ich starrte das Papier an und stellte es wieder fort, weil ich einfach nicht wusste, was ich damit anfangen sollte… Momentan empfand ich nicht wirklich irgendetwas was meine Beziehung zu Thorin anging. Es war mal wieder Zeit der Gleichgültigkeit. Spätestens in einer Stunde wäre ich wütend und dann würde ich heulen wie ein Schlosshund. Diese Stimmungsschwankungen waren echt schlimm. Ich öffnete die Wohnungstür und lächelte Salia an, der bereits wartete. Wie machte er das nur immer? Ich gönnte ihm nicht wirklich viel Schlaf. “Eure Hoheit.” “Guten Morgen, Salia.” Ich zog mir meine Handschuhe über. “Soll ich Euch irgendwohin begleiten?”, fragte er “Ja, ich… Ich… bräuchte dich für eine Angelegenheit, die sehr diskret behandelt werden müsste-” “In Ordnung…?” Ich zuppelte ein letztes Mal an dem Handschuh, ehe ich Salia ansah. “Wie du mit Sicherheit bereits gemerkt hast, haben ich und Seine Majestät aktuell ein paar… Differenzen. Nun Grund für diese Differenzen ist eine Gefangene in unserem Verlies.” Salia neigte etwas den Kopf. “Ich verstehe.” “Dann verstehst du sicher auch, dass kein Gefangener eine solche Macht über den König haben sollte. Und im weiteren Sinne über dessen Familie und… Ehe.” “Gewiss.”

“Gut. Wie gesagt, es muss diskret behandelt werden und wenn du dir dieses Geheimnis nicht aufbürden möchtest-” “Eure Hoheit.” Salia unterbrach mich ruhig und hob eine Augenbraue. “Wir sollten los, meinen Sie nicht auch?” Meine Lippen verzogen sich zu einem kleinen Lächeln. “Ja, sollten wir.” Eigentlich war Salia eher der ruhige Begleiter. Er sah viel, er hörte viel, aber er kommentierte es nicht. Doch heute hatte ich das Bedürfnis, mich mit ihm zu unterhalten, weil ich nervös war. Nervös vor dem Treffen, was mich jetzt gleich erwartete. Aber worüber konnte ich mich mit ihm unterhalten? Friga war der Boss, mit ihm unterhielt ich mich immer über die Wehrposten, die Ausbildung seiner Männer und und und. Cain war der Gesprächige und wenn er mal hier war, tauschten wir uns natürlich über all das aus, was in den Monaten, wo er in den Eisenbergen gewesen war, erlebt hatte. Aber Salia war so regelmäßig an meiner oder Thorins Seite, er wusste von Allem, was hier geschah. Aber… nun, bis auf die Tatsache, dass er auch zur Geheimgarde gehörte, wusste ich nichts über ihn. “Salia, was ist eigentlich deine Geschichte?”, fragte ich deshalb. “Ehm… Wie meinen Sie das, Eure Hoheit?” “Nun, wurdest du in den Blauen Bergen geboren oder noch vor Smaug hier im Erebor? Und wolltest du schon immer Soldat werden?”

Der Zwerg war über die Frage nicht sehr begeistert, aber er würde mir die Antwort nicht verweigern. Dafür war er zu sehr Soldat und zu loyal. “Ich stamme ursprünglich aus den Eisenbergen, dort wurde ich geboren.” Ach. “Aber meine Eltern zogen in die Blauen Berge, als ich noch recht jung war. Ich sehe mich also weniger als Eisenfaust und mehr als Langbart, also den Durins zugehörig. Und ob ich schon immer Soldat werden wollte? Nein. Eigentlich.. wollte ich Koch werden.” “Koch?”, wiederholte ich verdutzt. “Ich mache den besten Apfel-Auflauf im Reich, Ehrenwort.” Ich grinste. “Wieso bist du dann hier an meiner Seite, statt mein Abendessen vorzubereiten?” “Weil es besser bezahlt wird.” Ich schwieg. “Mein Vater starb, als ich gerade in der Ausbildung war, mein Gehalt aus der Küche reichte nicht für mich, meine Mutter und meine Schwester. Ich musste umsatteln.” Das war traurig. “Tut mir Leid”, murmelte ich. Salia schwieg. “Dann sollte ich dich vermutlich freistellen, damit du endlich das tun kannst, was du wirklich tun willst, hm?” “Nein! Nein, Eure Hoheit, ich wollte Euch damit nicht zu nahe treten! Ich bin sehr dankbar für meine Stellung und ich mache meine Arbeit gerne. Bitte, meine Worte sollten keine Beschwerde darstellen.”

“Beruhige dich, Salia”, grinste ich. “Ich feuere dich schon nicht. Ich will nur, dass du glücklich bist.” “Bin ich, Eure Hoheit. Nur weil man einen Traum nicht ausleben darf, heißt das nicht, dass hinter einer anderen Ecke ein neuer Traum wartet. Und in der königlichen Garde aufgenommen worden zu sein, war eine der größten Ehren, die mir zuteilen wurden.” “Gut, gut, ich höre auf, dich zu triezen. Du magst deinen Posten behalten.” Nun umspielte auch Salias Lippen ein kleines Lächeln, fast schon schüchtern. “Aber ich will diesen Apfel-Auflauf probieren”, schob ich hinterher. Jetzt lachte er sogar. “Das wird sich einrichten lassen, Eure Hoheit.” Den restlichen Weg zum Verlies legten wir wieder schweigend zurück. Vor allem auch deswegen, weil wir uns echt konzentrieren mussten, die abgetretenen Stufen nicht hinunter zu stürzen. Es wurde Zeit, dass ich diese Stufen erneuern ließ. Je weiter hinunter kamen, desto kälter wurde es und ich verschränkte die Arme vor dem Bauch.

Ich wusste, dass ich mich kaum gegen dieses Treffen hätte wappnen können, weshalb ich es einfach sofort hinter mich bringen wollte. Doch jetzt, wo ich vor ihrer Zelle stand, huschten wieder die Bilder vor meinem inneren Auge entlang und ich musste die Lider schließen, weil ich befürchtete, in Tränen auszubrechen. Wie gerne würde ich sie einfach aus ihrem Fenster hinausstoßen. Ich würde zusehen wie sie fiel und ich würde nichts, rein gar nichts, außer Genugtuung fühlen. Ehe ich mir für den Rest meines Lebens Vorwürfe machen würde. Weshalb ich genau das nicht tun würde. Ich würde sie auf andere Weise zur Rechenschaft ziehen müssen- “Eure Hoheit?” Ich öffnete wieder die Augen und sah zu Salia. “Weiß Seine Majestät, was Sie tun?” Ich blinzelte etwas und presste wütend die Lippen aufeinander. Nein, er wusste nichts davon. Weil er es mir versucht hätte, auszureden. “Heute Abend weiß er es”, flüsterte ich. “Ich werde es ihm höchstpersönlich sagen und wehe, er wird auch nur eine Silbe dagegen sagen.” Mit diesen Worten nickte ich dem Wärter zu, der die Zellentür aufschloss und aufstieß.

Der Raum war nur mäßig erleuchtet und das, was leuchtete, war überwiegend Breedas Haar. Sie saß in einem Sessel und las und sah dabei wahnsinnig anmutig aus. Ich buckelte mich immer auf den Polstern herum, aber sie? Sie könnte sofort zu einer zwergischen Modeschau. Das war doch echt nicht fair- Breeda sah auf. “Welch hoher Besuch”, murmelte sie gelangweilt, “womit kann ich Ihrer Hoheit dienen?” Dieses verlogene… Noch nie hatte ich jemanden dieses Ihre Hoheit derart zynisch aussprechen hören. Und nicht, dass mir die Anrede wichtig war. Mir war der Respekt wichtig, der damit einherging. Seit zu wenig Respekt mich fast umgebracht hatte, war ich da etwas empfindlich geworden… Meine Augen wanderten durch ihr Zimmer. Über das hübsche Bett mit der dicken Decke und einem kuscheligen Kissen, über das kleinen Bücherregal, das fast überquoll vor Papier und Büchern, zu ihrem Schminktisch, auf dem eine vergoldete Bürste lag. “Hat es dir die Sprache verschlagen?” Breeda ließ ihr Buch sinken, weil sie mein Schweigen offenbar nicht einordnen konnte.

Doch ich ignorierte sie weiter und ging stattdessen langsam durch das Zimmer. Salia stand wie eine Statue neben der Tür. Ich konnte mich noch gut daran erinnern, wie ich damals mit Cain hier stand. Breeda hatte uns erzählt, wie man sie schikaniert hatte und Cain war mich angegangen, weil ich ihr nicht die nötigen Sympathien entgegen gebracht hatte. Würde er das noch immer so sehen, wüsste er, dass sie meinen Mann verführt hatte? Nochmal: Das konnte in jeder Beziehung passieren, egal wie lange man schon zusammen war, egal ob man Kinder hatte oder nicht, ob man regelmäßig miteinander schlief oder, oder, oder. Es machte keinen Unterschied, niemand würde mir eine Gleichung nennen können, die sowas verhinderte. Niemand. Aber ich war mir sicher, dass Cain nicht mehr so ruhig wäre, wie einst. Ich blieb vor Breedas Schreibtisch stehen. Dort lagen Briefpapier, ein Füller, Siegel und Siegelwachs. Eine Kerze. Und ein ganzer Stapel Briefe. Breeda schien langsam zu ahnen, dass hier irgendetwas nicht stimmte und setzte sich etwas gerader hin.

Ich erkannte die Handschrift, die auf dem Kuvert des obersten Briefes prangte, sofort. Am liebsten hätte ich jeden einzelnen aufgerissen und gelesen, aber das würde mir nicht gut tun. Ich sollte mich nicht auch noch selbst fertig machen. “Was ist los?”, fragte Breeda. “Wieso bist du hier, wenn du sowieso nicht mit mir redest?” Weil du mich anwiderst, dachte ich, deshalb. “Die Decke”, murmelte ich da, “das Kissen, ein Buch, die Bürste oder… einen Brief.” Ich hob Thorins letzten Brief hoch und wedelte damit durch die Luft. “Entscheide dich.” Breeda runzelte die Stirn. “Was soll das? Ist das irgendeines deiner Psychospielchen?” Ohja, das war es. Ich sah zu Salia und nickte ihm zu. “Miss Breeda, Sie haben sich bereits vor geraumer Zeit des Verrats schuldig gemacht, des versuchten Mordes, der Verschwörung und nun haben Sie abermals bewusst versucht, dem Königshaus zu schaden.” “Was?” Breeda stand auf und sie spielte ihre Verwirrung so gut, dass ich beinahe selbst zu zweifeln begann, ob ich die Richtige geschnappt hatte. “Auf diese Straftaten steht der Tod, doch das Königshaus zeigt sich erneut gnädig und wird nur Ihre Haftstrafe verschärfen. Also bitte treffen Sie eine Entscheidung.”

“Die Decke”, wiederholte ich, “das Kissen, ein Buch, die Bürste oder einen Brief. Entscheide dich.” Ich stellte mich direkt vor sie und sah sie so eisig an wie es nur ging. “Entscheide dich oder ich tue es für dich.” “Ich habe keine Ahnung, was du von mir willst-” “Miss, Ihre Hoheit bittet Sie sich zu entscheiden. Sie dürfen einen der von ihr genannten Dinge mitnehmen. Die Decke, das Kissen, ein Buch, die Bürste oder einen Brief.” “Mitnehmen wohin?” “In Ihre neue Unterkunft.” Etwas Angst blitzte in Breedas Augen auf und als sie mich diesmal ansah, lächelte ich lieblich. “Keine Sorge”, sagte ich, “es wird keine Kiste sein.” Auch wenn mir das, nebst dem Stoß in die Tiefe, als Zweites eingefallen war. “Wie wird es dort sein? Wie soll ich das entscheiden, wenn ich nicht weiß, wo es hingehen wird?” “Das ist der Witz dieses… Psychospielchens”, sagte ich. Hob vielsagend eine Augenbraue. “Ich weiß es nicht”, flüsterte Breeda. “Dann entscheide ich wohl-” Was würde ihr wohl am wenigsten nützen? Die Bürste, das stand fest. Der Brief würde sie an Thorin erinnern und ihr womöglich weiteren Unsinn in den Kopf setzen, die Bücher förderten ihren Intellekt und hielten sie beschäftigt- Nein, eine Art sie mürbe zu bekommen, war ihr ihre Beschäftigungen zu nehmen. Und die zweite Art definitiv ihre Decke und ihr Kissen. Das eine hielt sie warm, das andere machte ihr die neue Unterkunft nur unnötig bequem.

“Ich denke wir sollten-” “Die  Decke.” Breeda schluckte hart. “Ich nehme die Decke.” Schade. Ich hätte sie gerne mit der Bürste umziehen lassen. “Gut. Willst du dir noch etwas Bequemeres anziehen?” Nun wurde Breedas Atmung etwas hektischer. Sie ahnte offenbar, dass der Ort, wo ich sie hinbringen würde, nicht ganz so privilegiert sein würde, wie diese Zelle. “Nein, das passt schon”, flüsterte sie. “Gut. Dann nimm deine Decke, wir müssen los.”  Ich hatte heute auch noch anderes zu tun, als nur hier unten herum zu hängen. Breeda packte ihre Decke. “Ich… Was ist mit… Unterwäsche? Mit Lebensmitteln? Mit-” “Sie dürfen eines der von Ihrer Hoheit genannten Dinge mitnehmen”, wiederholte Salia. “Ich denke das beantwortet die Frage”, sagte ich und drehte mich um. Salia führte Breeda hinter mir ab, während ich links in den Gang abbog. Hinten bei den Schwerverbrechern wollte ich sie nicht einsperren. Sie hätte es verdient, keine Frage, aber die Wände waren nicht schalldicht und Breeda hatte zu gute Kontakte, als dass die Konspirationen dort nicht weitergegeben würden. Also in die andere Richtung. Hier hinten gab es nur Einzelzellen, die meisten davon verstaubten, dann ein paar Abstellkammern und eine kleine… nun in Deutschland würden wir “Kaffeeküche” sagen, für die Wärter. Es war kühl und unbequem und womöglich der verlassenste Ort im ganzen Berg.

Ich führte die beiden bis zum letzten Raum, der hintersten Zelle. Ein kleines Fenster direkt unter der Decke, eine dünne Matte zum Schlafen, ein Holzteller mit Besteck und ein Becher zum Essen, sowie zwei Eimer, der eine leer, der andere mit Wasser gefüllt. “Willkommen”, sagte ich zu Breeda und trat zur Seite, “in deinem neuen Fünf-Sterne-Hotel.” Beim Anblick der spartanischen Zelle wurde Breeda so bleich, dass ich fast befürchtete, sie würde ohnmächtig werden. “Oh nein”, wisperte sie, “nein, nein, nein-” Sie wollte rückwärts zurück weichen und flüchten, doch Salia stand in ihrem Weg. “Bitte gehen Sie in Ihre neue Zelle, Miss”, bat er ruhig aber bestimmt und deutete in den Raum. “Das kannst du nicht machen”, zischte Breeda mir zu. “Thorin, wird es nicht zulassen.” Bevor ich mich zurückhalten konnte, schnappte ich mir Breeda am Kragen und knallte sie gegen den Türrahmen, meinen Unterarm gegen ihre Kehle gedrückt. “Nun hör mal zu, du Natter”, zischte ich zurück, “wenn es nach mir gehen würde, hätte ich dir bereits vor einiger Zeit den Kopf abgeschlagen, zermahlmt und unseren Schweinen zum Fraß vorgeworfen. Doch wie es das beschissene Schicksal willst, bist du hier und der Zeitpunkt dafür ist leider verstrichen.”

Breeda keuchte unter meinem Druck und riss mit ihren Fingern an meinem Arm herum. “Du bist ein Fluch”, wisperte ich und konnte nicht verhindern, dass mir Tränen der Wut in die Augen stiegen. Diese Frau hatte so viel Frustration in mein Leben gebracht. “Ich sehe dich, wenn ich einschlafe und aufwache. Ich sehe dich in jedem Glas Rosenwasser, das beim Essen ausgeschenkt wird. Ich rieche dein elendes Parfüm und ich höre dein Lachen, wann immer es still um mich wird. Du bist mein persönlicher Alptraum. Also lass dir gesagt sein, dass ich nun der deine sein werde. Hier kommen nur Speisen hinein, die ich abgesegnet habe, du wirst nicht einmal eine mickrige Nachricht auf einer Serviette zugesteckt bekommen, die ich nicht vorher gelesen habe. Du willst frische Unterwäsche? Nur mit meiner Erlaubnis. Du willst eine Brotscheibe mehr? Nur mit meiner Erlaubnis. Du willst deinen Toiletten-Eimer einmal mehr geleert bekommen? Nur. Mit. Meiner. Erlaubnis. Du wirst nur wegen mir existieren. Und du solltest beten, dass ich nicht eines Morgens aufwache und wenn beschließe, dass du meinen Atem nicht mehr wert bist.” Ich ließ sie los und stieß sie in den Raum. Breeda taumelte, die Decke schleifte etwas auf dem Boden. Eine Träne lief ihr über die Wange. "Und wehe du nennst noch einmal seinen Namen in meiner Gegenwart." “Du bist ein Monster”, wisperte sie. “Dann bin ich ja in bester Gesellschaft”, erwiderte ich.

Ich nickte Salia zu, der auf Breeda zuging. Im Gegensatz zu Cain sah er keineswegs beunruhigt gegenüber meinem kleinen Wutausbruch aus. “Miss, gehen Sie bitte bis zur Wand”, sagte er, “ich muss Ihnen die Fessel anlegen.” “Eine… Eine Fessel?”, wiederholte Breeda stammelnd. “Ja.” Es war nur eine Fußfessel. Es sollte verhindert, dass sie sich eine Waffe bastelte mit der sie den Wärtern oder wer auch immer durch diese Tür treten könnte, auflauern könnte. Die Kette würde Breeda gut einen Meter vor der Tür stoppen. “Sei froh, dass ich dir nicht alle vier Gliedmaßen festsurre”,  knurrte ich. Salia legte ihr den Gurt um den Knöchel und zog ihn fest, bis er eng, aber nicht zu eng saß. “Alles erledigt, Eure Hoheit.” “Danke, Salia.” Dann: “Es gibt dreimal am Tag essen, einmal am Tag werden die Eimer geleert und aufgefüllt, einmal in der Woche kommt jemand, der dir etwas vorliest. Es wird immer jemand anders sein, du wirst keinerlei Kontakte knüpfen können und ich werde in unregelmäßigen Abständen nach dir sehen, dass du dich brav an die Regeln hältst. Ich hoffe du weißt, dass das deine letzte Chance ist, Breeda.” Sie starrte mich mit zitternden Lippen an, doch statt unterwürfig oder gar verständnisvoll, sah sie wütend aus. Fast schon hasserfüllt.

“Hast du einmal daran gedacht, dass es nicht von mir ausging?”, rief sie, als ich mich zum Gehen wandte. “Dass er den ersten Brief geschrieben hat? Dass er mit mir essen wollte? Dass er es war, der unbedingt mit mir das Bett teilen wollte?” Ich biss die Zähne zusammen und war dankbar, dass Salia einfach weiterging und mich aus der Tür leitete. “Was bist du eigentlich für eine miserable Ehefrau, dass dein Mann sich nach nicht einmal zwei Jahren eine neue Spielgefährtin sucht, huh? Er bereut es, dich geheiratet zu haben. Er bereut alles, Judy, er hat es mir gesagt. Du denkst, die Nacht, als du uns gesehen hast, sei das einzige Mal gewesen, als ihm die Nerven durchgedreht sind? Wir treffen uns seit Monaten! Und seit Monaten muss er sich bei mir Erlösung suchen. Du bist eine schlechte Königin und eine schlechte Ehefrau und eine schlechte Zwergin! Du bist-” Breedas hasserfüllter Redefluss brach abrupt ab, als Salia die Tür endlich schloss und vor allem verschloss. Erst da traf mich ein besorgter Blick von der Seite. “Sind Sie in Ordnung, Eure Hoheit?” Ich schloss die Augen und versuchte all die Worte, die Breeda mir hinterher geworfen hatte, zu vergessen. Was kaum ging. Mein Gesicht verzog sich von einem aufkommenden Schluchzer und ich legte die Hand vors Gesicht. Ich spürte, wie Salia mir leicht eine Hand auf die Schulter legte.

“Ich vermute einmal, dass Ihnen das nichts bringt, aber das ist nicht Ihre Schuld.” “Ja, die Leute sagen mir das immer wieder, aber irgendwie glaube ich das niemanden-” Salia schwieg, reichte mir ein Taschentuch und gab mir einfach noch ein paar Augenblicke für mich. “Sie hat Recht, weißt du”, wisperte ich. “Irgendetwas muss falsch gelaufen sein, sonst wären wir jetzt nicht hier. Und nebst der Tatsache, dass sie… es ist und gerade diese Sache passieren musste, nagt an mir am meisten, dass ich nicht weiß, was falsch gelaufen ist. Ich weiß es einfach nicht…” “Manche Dinge haben keine Auslöser, Eure Hoheit. Manche Dinge passieren ohne dass irgendetwas oder irgendjemand sie angestoßen hat. Manchmal handelt es sich nur um eine zufällige Verkettung von unglücklichen Ereignissen.” “Ja, manchmal”, flüsterte ich. Wischte mir erneut über die Wangen. “Salia, ich erinnere dich noch einmal daran, dass diese Angelegenheit sehr diskret behandeln werden muss. Ich kann mir keinen weiteren Tratsch erlauben.” Er räusperte sich und legte mir eine Hand auf den Rücken, um mich zurück zur Treppe zu geleiten. “Ich habe keine Ahnung, welche Angelegenheit Sie meinen, Eure Hoheit.”
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