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The lady of iron toughts (3)

GeschichteAbenteuer, Romance / P18 / Gen
Dis Fili Kili OC (Own Character) Thorin Eichenschild
04.04.2021
13.06.2021
9
38.940
17
Alle Kapitel
17 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
18.04.2021 3.988
 
Hallo ihr Lieben :)

Es geht weiter in der Story und da ich gerade am Arbeiten bin, wünsche ich euch auch nur viel Spaß beim Lesen!

Schönes Wochenende noch!
CasseyCass *-*

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Tess
Wir brachten Judy in die Wanne und nachdem ich noch einen warmen Eintopf in der Küche bestellt hatte, ließ ich die beiden allein. Thorin hatte schon Recht, sie brauchte Körperwärme und jemanden, der sie abschirmte. Ich ging rüber zu Kilis und meinem Gemach, Niko neben mir, der sich sofort auf sein neues Spielzeug stürzte, nachdem er das letzte in etwa 5367 verschiedene Einzelteile zerfetzt hatte. Seine Zähne waren eben nicht mehr weich und rund sondern ziemlich spitz geworden. Im Bad rauschte noch das Wasser und ich wartete geduldig, bis es aufhörte. Erst dann klopfte ich an. “Kili?” “Ja-” Ich trat ein und lächelte knapp, als er das Handtuch um seine Hüfte schnürte. “Ist Judy in Ordnung?”, fragte er leise. “Ja. Sie legt sich gleich hin und Thorin wird sich den Abend freinehmen. Mich interessiert es gerade aber mehr, wie es dir geht-” “Gut.” “Kili-” “Ich bin nicht verletzt, Tess. Ein paar blaue Flecken, mehr nicht.” Ich biss mir auf die Unterlippe. Ich wusste, dass er wütend auf sich war. Naja und verletzt, weil ich ihn eine Abfuhr verpasst hatte. Wir hatten die vergangenen Tage kaum miteinander geredet und langsam zehrte die Situation an meinen Nerven.

“Kili… Kann ich dich dennoch kurz abchecken, bevor du nur einen auf dicken Macker machen willst?” Er biss die Zähne zusammen. Sah mich kurz an. “Von mir aus.” “Danke.” Ich trat endlich ins Bad und ging auf ihn zu. Wir hatten nicht nur wenig geredet, wir hatten auch kaum Zärtlichkeiten ausgetauscht und ich vermisste die Nähe, die ich von Anfang zu Kili hatte. Während meine Hände über seine Arme fuhren, musste ich kurioserweise an unsere Reise in die Blauen Berge denken: “Weißt du noch, als ich dich im Ered Luin heilen musste, weil du von einer Ansammlung alter Holzfiguren erschlagen wurdest?”, fragte ich grinsend. Kili verdrehte die Augen und schmunzelte. “Ja… Ich hätte mir denken können, dass das Regal morsch war.” Er hatte mir sein altes Zimmer gezeigt, wozu ein Regal gehört hatte, auf dem er selbstgeschnitzte Holzfiguren gelagert hatte. Pferde und Bogenschützen, Schachfiguren, kleine Bücher und so weiter. Allerdings war das Gemach verstaubt und das Regalbrett morsch gewesen, weshalb ihm die gut 50 Figuren mit Holter und Gepolter auf den Kopf gefallen waren. Eine Figur von Thror samt Krone hatte ihm eine Platzwunde zugefügt, die ich kaum hatte heilen können, weil die Gesamtsituation mit von einer Lachsalve in die nächste gejagt hatte.

“Du hast geflucht wie ein Rohrspatz”, grinste ich, nun mit den Händen an seiner Brust. Er hatte Recht gehabt, die Ork-Prügelei hatte nur ein paar Blaue Flecken und Kratzer verursacht und da es Kili immer kitzelte, wenn ich diese heilte, ließ ich es bleiben. Stattdessen ruhten meine Hände einfach an seiner Brust. “Weißt du, was ich in dem Moment gedacht habe?”, wollte ich wissen. “Dass du einen ziemlich dummen Freund hast?!” “Nein. Das denke ich auch ab und an, aber nicht in dieser Situation-” “Danke, Tess.” “Ich dachte in diesem Moment”, redete ich weiter, “dass ich mich verdammt glücklich schätzen konnte, einen Mann an der Seite zu haben, der mich so zum Lachen bringen kann.” Kilis Augen ruckten zu meinem Gesicht. “Ich meine… wir können über so viele Dinge reden, auch wenn wir aus verschiedenen Welten kommen, wir akzeptieren einander, wir lachen zusammen, wir lieben uns und alles… ist so perfekt, verstehst du? Als wären wir zwei Puzzleteile die zusammengehören. So einfach.” “Und dennoch hast du den Antrag abgelehnt”, murmelte Kili, dessen Stimme bitterer klang, als er selbst vermutlich geplant hatte. “Ja, das habe ich. Weil ich nicht verstehe, wieso du mich heiraten willst und wieso es dir so wichtig ist, dass ein nein meinerseits uns für Wochen in unterschiedliche Betten drängt-”

Kili schob meine Hände von seiner Brust und griff sich seine Tunika. “Wenn du das tatsächlich nicht verstehst, empfinden wir vermutlich unterschiedlich tief.” DAS war seine Schlussfolgerung?! Also ehrlich. “Das ist Bullshit und das weißt du auch”, sagte ich verärgert. “Ich liebe dich genauso wie du mich und ich denke, dass das über das vergangene Jahr ziemlich offensichtlich war-” “Weshalb ich nicht begreifen kann, wieso dieser kleine Schritt-” “Es ist KEIN kleiner Schritt, Kili! Es ist einer der größten Schritte in deinem Leben! Wie die Geburt eines Kindes oder… dein Erstes Mal! Stell dir vor, ich wäre bis jetzt noch nicht bereit gewesen, mit dir zu schlafen, würdest du dann auch wütend durch den Berg poltern und mir an den Kopf werfen, ich würde dich nicht genug lieben, um mit dir das Bett zu teilen?” “Natürlich nicht-” “Na siehst du. Ich verstehe nicht, wieso du mich zu etwas drängen willst, wozu ich noch nicht bereit bin und es so darstehen lässt, als wäre es meine Schuld. Ich bin noch nicht bereit zu heiraten, Kili und das nicht, weil ich dich nicht liebe, sondern weil mein ganzes Leben sich um 180 Grad drehen würde, verstehst du?”

“Tess, es ist nur ein Versprechen!”, rief Kili aus und breitete die Arme aus. “Ein Versprechen an die Welt, ich… ich will hinausposaunen, dass du zu mir gehörst! Alle sollen wissen, was ich für dich empfinde und ich will… vor die auf die Knie gehen, weil ich mich dir so nah fühle, dass mir manchmal richtig schwindelig wird. Ich will dir mein Herz und meine Seele darlegen, ich will dir und mir und allen zeigen, dass uns nichts auseinanderbringen kann.” Er war auf mich zugekommen und nahm mein Gesicht in die Hände. Nachdem er mich so auf körperlichen Entzug gesetzt hatte, wurden mir bei so viel Zärtlichkeit die Beine schwach. Ich wusste doch, wovon er sprach. Zu einhundert Prozent-! “Es ist nur ein Versprechn an uns Ghivashel, aber ein so mächtiges, dass nichts und niemand es zerstören kann-” “Ich weiß, Kili, und glaub mir, wäre es nur dieses Versprechen… Ich würde dich hier und jetzt heiraten und gleich darauf noch einmal. Aber dein Leben würde anschließend ganz normal weiterlaufen, während meines komplett über den Haufen geworfen würde-” “Das ist Unsinn, Tess-” “Nein, ist es nicht. Warst du einmal bei den Ehevorbereitungskursen, die angeboten werden?” Er raufte die Stirn. “Nein, warst du es etwa?” “Ja.”

Überraschung huschte über sein Gesicht. “Ich weiß, was ich dir vor einem Jahr gesagt habe, okay?”, fuhr ich fort. Kili wich etwas zurück, aber nur, um sich endlich eine Hose anzuziehen und seine Haare trocken zu rubbeln. “Ich weiß, dass ich sagte, nach einem Jahr Beziehung über eine Heirat nachzudenken und das habe ich getan, weshalb ich zu diesem Kurs bin…” “Ich dachte die seien nur für junge Zwerginnen, die in die Gesellschaft eingeführt werden, um jemanden zu heiraten, der einen sozialen Aufstieg möglich macht”, brummte Kili. “Ja, ist er auch, aber ich dachte es sei nicht falsch mal hinzugehen, schließlich ist ja der Anspruch an eine Ehefrau relativ ähnlich, egal in welcher sozialen Schicht du festhängst. Wie auch immer. Ich war nur einmal da, es war grauenvoll.” “Worüber haben sie geredet? Wie man einem alten Zwerg im Bett entgegen kommen kann?”, grinste Kili. Ich funkelte ihn wütend an. “Nein. Es ging darum, wie frau möglichst erfinderisch in der Küche ist, wann frau die Kinderplanung beginnen sollte und wie frau kreativ Arbeit und Haushalt unter eine Decke bekommt.” Man bemerke die Betonung des Wortes Frau… Kilis Grinsen wurde breiter. “Haben sie dich Sachen gefragt? Ich hörte, in diesen Kursen werden Frauen einen Einstiegstest unterzogen, um herauszufinden wie viel Arbeit man in ihre Vorbereitung stecken muss…” “Ja-” Ich grummelte. “Und?” Neugierig drehte Kili sich vom Spiegel aus zu mir um.

“Nun, als sie fragten, wie ich unsere Wäsche sortieren würde, sagte ich Gar nicht, denn du seist nicht farbenblind und könntest das selbst-” Kili lachte schallend auf. “Das ist nicht witzig!”, rief ich empört aus. “Doch ist es. Aber weißt du, was ich irgendwie noch komischer finde? Dass du ehrlich glaubst, ich würde von dir verlangen, meine Socken zu sortieren. Oder mir… jeden Abend ein fünf Gänge Menü vor die Nase zu stellen.” “Nein, du verlangst das nciht, Kili, aber die Gesellschaft, in der wir uns bewegen, tut es. Du unterstützt mich in allem, was ich tue und ich bin dir dafür so, so dankbar, einfach weil es mir so viel Kraft gibt, dich auf meiner Seite zu wissen. Aber wenn wir den Tatsachen mal ins Auge blicken, war das nur möglich, weil wir nicht verheiratet waren. Sobald ich deine Frau werde, werde ich zurückstecken müssen. Du nimmst mich zur Frau, nicht andersherum und es wird kein Jahr vergehen, dann werden die Rufe nach einem königlichen Nachfolger laut und wenn ich für eines nicht bereit bin, dann für Kinder.” Um ehrlich zu sein, war ich echt panisch dem GEdanken gegenüber. Ich hatte aufgehört zu zählen, wie viele Kinder ich ihren Müttern nur noch tot hatte in die Arme legen können… Es war schrecklich. Eine zwergische Mutter zu werden, war schlichtweg schrecklich.

Kurz schwiegen Kili und ich. Ich meinte sogar, er würde mich etwas nachvollziehen können, immerhin hatte er zu lachen aufgehört. Ich wollte ihn heiraten. Ich wollte seine Frau werden und ich wollte, wie er, laut in die Welt posaunen, dass ich nur zu ihm und er nur zu mir gehörte. Aber nicht, wenn ich dafür mein Leben aufgeben musste. Ehe und Kinder waren in meiner Welt schon kompliziert und weit verbreitet dem Irrglauben unterlegen, die Frau sei emanzipiert, bis auf ihr Eheleben und das sei so in Ordnung. In dieser Welt würde es noch krasser ausfallen- “Ich verstehe dich”, sagte Kili da leise und nachdenklich. “Ich würde mein Leben in den Minen oder als Soldat auch nicht aufgeben wollen, um deine Wäsche zu sortieren-”, na dann, “-aber ich denke, du tust mir Unrecht, dass ich das zulassen würde. Im Gegenteil, du machst eine so wertvolle Aufgabe im Berg, viel wertvoller als meine Arbeit, wo es sich nur um Steine und Schutthaufen dreht. Ich würde keine Sekunde zögern, dir alles abzunehmen. Und ich denke, das weißt du, weshalb ich eigentlich ziemlich erstaunt und auch enttäuscht bin, dass du daraus nicht Nutzen ziehst.” Nutzen? “Wir könnten der Welt beweisen, dass beides möglich ist, richtig?”, fragte Kili. Löste sich vom Waschbecken und kam auf mich zu. Strich mir lächelnd eine blonde Haarsträhne hinter die Ohren.

“Wir, oder vielmehr du, könntest allen hier beweisen, dass Kind und Beruf zusammen funktionieren und dass eine Partnerschaft auf Gleichberechtigung so viel ertragreicher ist, als eine auf Unterwürfigkeit. Du sagst, du brauchst keine Gesellschaft um dich herum, die dich zu etwas zwingt, was du nicht willst. Aber vielleicht braucht die Gesellschaft dich, um sie zu verändern, hm?” Ich schluckte etwas. Das war irgendwie sehr rührend und ich hatte bereits ähnlichen Trotz in mir verspürt, genau deswegen zu heiraten, aber… wäre das nicht ebenso der falsche Grund für eine Hochzeit? Es sollte nur um mich und Kili gehen, nicht um irgendeine andere Person um ich herum und noch weniger für ein höheres, gesellschaftliches Wohl. “Ich liebe dich, Ghivashel”, wisperte Kili und seine Augen folgten seinen Fingern, wie sie Wellen über mein Gesicht zeichneten. “Und ich gebe dir alle Zeit der Welt, so lange du eben brauchst. Du hast Recht, ich will dich nicht zu etwas nötigen, wozu du nicht bereit bist. Versteh nur bitte, wenn ich dennoch verletzt bin. Denn in meinen Augen sticht das Gute, was wir beide in einer Ehe für uns tun könnten, alles andere um Längen aus. Ich will dich deinetwillen heiraten, weil ich dich liebe und weil du mich liebst. Alles andere sollte uns ziemlich egal sein…” Kili gab mir einen sanften Kuss auf die Stirn.

“Ich muss zu den Baumeistern wegen der Aussichtsposten”, murmelte er, “wir sehen uns beim Abendessen.” Stumm und in einen inneren Konflikt zwischen schlechten Gewissen und Trotz, verharrte ich im Bad, während Kili seinen Überwurf anzog und verschwand. Auch wenn ich das Gefühl hatte, dass wir die Wogen geglättet und die schlimmsten Missverständnisse aus dem Weg geräumt hatten, fühlte ich mich noch schlechter und unsicherer als zuvor. Heiraten, weil ich Kili liebte?! Natürlich absolut! Heiraten, weil er mir deshalb ein schlechtes Gewissen gemacht hatte? Niemals. “Wieso musstest du mich auch fragen, Chaoszwerg?”, flüsterte ich zu mir selbst und nahm sein nasses Handtuch vom Boden, um es zum Trocknen über die Wanne zu hängen. Wieso nur, musste er so ungeduldig sein?!

Judy
Ich beobachtete Thorin, wie er sich eine Schmuckschließe einflocht. Ich war kaum aus der Wanne gestiegen, schon war ich im Bett gewesen und hatte bis heute Morgen durchgeschlafen. Nun saß ich angelehnt in einem Berg von Kissen, nippte an einem Tee und beobachtete meinen Mann, der einfach so gestern eine Delegation aus den Eisenbergen hatte sitzen lassen. Für mich. Weil ich fror. Ich grinste und bekam eine hochgezogene Augenbraue im Spiegel geschenkt. “Was ist?”, fragte Thorin und knotete eine hauchdünne Strähne um die Geflochtene, damit der Zopf hielt. “Nichts. Ich find’s niedlich wie du auf meinem Hocker sitzt und dir die Haare flechtest, bevor du zu einem Haufen Zwerge gehst, den du gestern einfach so hast sitzen lassen-” “Nicht einfach so”, warf Thorin ein, stand aber auf und setzte sich stattdessen neben mich auf die Bettkante. Ich stellte meine Teetasse zur Seite und griff nach seinen Haaren. “Uh, du riechst gut.” “Ich komme aus der Dusche, Amrâlimé, das ist das Resultat-” “Haha.” Ich fuhr durch die langen schwarzen Strähnen und gab ihm einen Kuss an den Kopf. “Danke, dass du bei mir warst-” Ich hatte es gestern nicht zugeben wollen, aber seine Anwesenheit hatte mich beruhigt. Ich ängstigte mich manchmal selbst…

Thorin griff nach meiner Hand und drückte sie fest. “Du bleibst heute noch hier und ich versuche zum Mittagessen vorbei zu kommen”, sagte er ruhig. “Und wenn du zwischendurch Sehnsucht nach mir hast, schreist du einfach und ich komme ebenfalls.” “Ich habe immer Sehnsucht nach dir”, wisperte ich neckend. “Oh, ich soll also gleich hier bleiben?” “Es würde es einfacher machen. All die Treppen-” Thorin lachte leise und drehte das Gesicht so, dass wir uns bequem in die Augen sehen konnten. Er streckte die Hand aus, legte sie an mein Kinn und zog mein Gesicht für einen Kuss heran. “Ich würde alles für dich tun. Ein wenig mit dir abends zu kuscheln, ist das Geringste.” Ich lächelte und erwiderte den Kuss. “Lass dich nicht vergiften, Liebling-” Weiteres Lachen seinerseits. “Ich arbeite dran.” Er griff sich seinen Umhang und sein Schwert, fuhr mir noch meine noch ungekämmten Haare und ging aus dem Schlafzimmer. Ich würde auch am liebsten runtergehen, gescheit frühstücken und mich in die Arbeit werfen, aber ich brauchte noch einen Tag Pause. Mir war nicht mehr so eiskalt wie gestern, ich war aber auch noch nicht wieder komplett aufgewärmt und dann sollte ich nicht durch den Berg rennen.

Es war doch eigentlich pervers, dass wir bis heute nicht wussten, was mit meinem Mal abging. Bisher schien niemand mit meiner Hilfe zu Informationen über den Berg und seine Bewohner gekommen zu sein, die uns schaden könnten. Und ich merkte noch immer, wenn jemand aus meiner Familie in Schwierigkeiten steckte. Das war die guten Nachricht. Die schlechte Nachricht war, dass mich die Nähe zum Bösen weiterhin Schachmatt setzte. Fünf Orks hatten gestern bewirkt, dass ich fast zur Eisstatue geworden war. Was könnte Gurag mit seinem Schwert anrichten? Neben dem Frieren, hatte ich außerdem Albträume und regelmäßig das dringende Bedürfnis irgendjemanden den Kopf abzuschlagen. Ich hatte manchmal so viel Wut und Frustration in mir, dass ich Amok laufen könnte… Meist schlug ich auf irgendetwas im Trainingsraum ein, da kam niemand zu Schaden. Es war dennoch zum Verzweifeln. Jedes mal, wenn Gandalf mal vorbeischaute, hoffte ich auf Neuigkeiten und jedes Mal wurde ich enttäuscht… An manche Sachen musste man sich offenbar gewöhnen, auch wenn sie einen ankotzten. Ich hatte bloß Schiss, dass ich irgendwann jemanden verletzten könnte- Seufzend, weil mich diese Gedanken schon wieder richtig wuschig machten, stand ich auf, um zu duschen. Etwas Ablenkung konnte nie schaden und immerhin hatte so ein Tag Auszeit eine gute Sache: Zeit für Wellness.

Thorin sagte zwar immer wieder, es würde ihn nicht stören, doch ich fühlte mich rasiert wohler. Genauso wie ich meine Augenbrauen zupfen wollte und mich weiterhin mit Waldlandreich-Orangen-Creme einrieb. Sauber und gepflegt, machte ich mir eine kleine Schüssel mit Obst und Haferflocken und chillte mich auf die Couch, um das Buch weiter zu lesen, was ich gerade durcharbeitete. Es handelte von einem Zwerg, der - ähnlich wie Thorin und seine Leute - loszog, um ein Abenteuer zu bestreiten. Ich hatte noch nicht ganz begriffen, um was für ein Abenteuer es sich handelte, aber naja. Allerdings kam ich nicht sehr weit, denn es klopfte ziemlich vehement an der Zimmertür. Ich legte Buch und Schüssel zur Seite und stand auf. “Eure Hoheit-” Der Zwerg vor meiner Tür verbeugte sich. “Ich wurde von Sir Friga geschickt, es geht um einen Vorfall. Es sei dringend.” “Ich habe ärztliche Anweisung das Bett zu hüten, Sir, ich-” “Es geht um Circe.” Was?! “Was ist geschehen?”, fragte ich, sofort besorgt und alarmiert. Mein Projekt war gut aufgenommen worden, es hatte aber, wie jede gute Idee, Feinde. Und ich wollte keine meiner Frauen in Gefahr wissen. “Das sollten Sie sich selbst ansehen, Eure Hoheit”, sagte der Zwerg. Er verlagerte sein Gewicht unwohl von einem auf das andere Bein. “Ich komme sofort!”

Regentin hin oder her, ich musste sehen, dass alle okay waren. Also warf ich mir nur schnell einen Umhang über die Schultern und schlüpfte in meine Slipper, ehe ich zu dem Zwerg heraustrat und ihm durch die Gänge folgte. So viel wie ich wusste, hatten wir momentan keine Frau als Schutzsuchende gehabt, aber Amira kümmerte sich um den ganzen Papierkram und Peppy um das Essen… Sie waren auch bei Circe, wenn wir gerade niemanden dort hatten, abgesehen davon, dass man bei uns 24-7 Schutz finden konnte. Doch zu meiner großen Erleichterung standen beide draußen auf dem Gang, blass und geschockt, aber unversehrt. Die blonde Peppy, die mehr Haare auf dem Kopf besaß als jede andere Zwergin, die ich kannte und - zumindest laut Kili - wohl ein kleines Stelldichein mit Bombur am Laufen hatte. Daneben Amira, unsere Ex-Schwangere, die etwas von einer waschechten Spanierin hatte und deren Mann Rocko demnächst aus dem Knast frei kam, nachdem er am Aufstand gegen mich beteiligt gewesen war. Auf dem Arm trug sie ihre Tochter Penelope, die fest auf ihrer Puppe herum kaute und sabberte. “Bei Durin, ihr seid okay!”, rief ich aus und umarmte die beiden. “Was ist hier nur passiert?!” “Sieh’s dir an”, murmelte Peppy kopfschüttelnd, “es gleicht einem Schlachtfeld.”


Ich drehte mich zur Eingangstür von Circe um, die wir in einem weinrot gestrichen hatten und die nun schief in den Angeln hing. Vorsichtig drückte ich sie nach innen auf und konnte mir ein schmerzvolles Keuchen nicht entwehren. Es war nichts mehr übrig. Gar nichts mehr. Den Empfangsthresen hatte man mit einer Axt zerteilt, die Vorhänge in Fetzen geschnitten. Papier und Bücher lagen zerstreut, zerrissen, angekokelt auf dem Boden, das Büro, in dem sonst Amira arbeitete und wo wir für Penelope ein paar Kleinigkeiten zum Spielen gehabt hatten - alles zerstört. Die Lebensmittel aus der Küche lagen zerdrückt und zermatscht auf dem Boden, jemand hatte die Wände mit den Tomaten vollgesaut und Eier gegen die Zeichnungen an die Wände geschmiert, die Kili und Fili angefertigt hatten. Die Matratzen im Schlafzimmer waren aufgeschlitzt, das Füllmaterial schäumte durch den Raum, die Betten selbst - ebenfalls mit der Axt zertrümmert. Unser Fundus an Kleidung, die wir durch Spenden gesammelt hatten, hatte jemand in eine Tonne gedrückt und dem Geruch nach darauf uriniert. Zum Glück war niemand hier gewesen. Wer weiß, was die Täter gemacht hätten, wenn wir Frauen hier gehabt hätten. Ich wischte mir über das Gesicht, um meine Tränen los zu werden. Hier drin steckte all mein Herzblut.

Ich hatte bis tief in die Nächte hinein gestrichen, Nähen gelernt für die verfluchten Vorhänge, die Matratzen selbst gestopft, mit den Bauarbeitern diskutiert und wer weiß wie oft hier gesessen, mit den Frauen geredet, Amira im Büro geholfen, versucht seelsorgerisch zur Seite zu stehen. Dass jemand so viel Hass auf dieses Projekt haben könnte, war mir nie in den Sinn gekommen. Misstrauen und Ärger und verletzter Stolz? Natürlich. Aber Hass? Solch einen Hass?! Ich strich mir die Haare aus dem Gesicht und streckte die Schultern. Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitergehen. Zeit für Schritt drei. Ich ging zurück zu den anderen. “Okay… Zwei Dinge. Erstens: Wir müssen hier aufräumen, ich trommle ein paar Leute zusammen. Zweitens: Wer war das und wie können wir denjenigen bestrafen?” “Ich glaube es waren zwei”, sagte Amira. “Ich war ja hier unten, aber Penny konnte nicht schlafen und ich bin etwas hier auf und ab gegangen. Als ich zurückkam, waren die beiden Soldaten, die Circe bewacht hatten, verschwunden und der Raum sah so aus.” “Was bedeutet, dass sie es nicht auf die Leute hier abgesehen hatten”, sagte Peppy, “sonst hätten sie nicht gewartet, bis du gegangen bist.” “Ich war zehn Minuten fort, Judy, ehrlich! Peppy wollte mich ja jetzt ablösen-” Amira standen ebenfalls die Tränen in den Augen und ich strich ihr beruhigend über die Arme.

“Das ist nicht deine Schuld. Ich bin froh, dass niemand zu Schaden gekommen ist. Wie gesagt, wir räumen jetzt hier auf und dann sehen wir weiter. Du, liebste Amira, legst dich jedoch hin. Wenn du Nachtschicht und ein quengelndes Kind hattest, brauchst du Schlaf. Lass Penelope hier bei uns, ich habe ein Auge auf sie.” “Hattest du nicht gestern auch einen Zusammenstoß und bräuchtest noch Ruhe?”, fragte Peppy vielsagend. “Ja, weshalb der König erst hiervon erfährt, wenn er in drei Stunden zum Mittagessen nach mir suchen wird.” Ich wandte mich an den Zwerg, der mir die Nachricht überbracht hatte. “Geht bitte zu Bofur in die Musikwerkstatt und fragt, ob sie Kapazitäten haben zu helfen, fragt auch Seine Majestät den Prinzen, vielleicht kann er ein paar Minenarbeiter freistellen. Und sucht Nori, Ori und Dori und… Sir Dwalin- Und wer keine Zeit oder Lust hat, ist auch okay. Niemand soll sich gezwungen fühlen, aber wenn jemand Zeit und Muse hat-” Der Zwerg sah immer verwirrter aus, dass ich schließlich einfach abwinkte. “Holen Sie, wen Sie wollen…” “In Ordnung, Eure Majestät.” “Und du gib mir Penny”, sagte ich zu Amira. “Leg dich hin, hm?” “Sicher?” “Zu einhundert Prozent-” Ich winkte sie heran und übernahm das Baby.

“Hallo kleine Penny”, flüsterte ich und fuhr ihr über den leicht behaarten Kopf. “Hast du Mami wach gehalten, hm?” Amira winkte uns beiden zu, etwas unsicher, wie immer, wenn sie eigentlich todmüde war und gleichzeitig glaubte, keine Zeit zum Schlafen zu haben. Mütter eben. Ich folgte Peppy in die Räumlichkeiten. “Wo fangen wir hier an?”, fragte sie leise. “Tja”, seufzte ich. “Überall und nirgendwo. Wir brauchen erst einmal Schubkarren oder so, wo wir das Zeug reinwerfen können und Menschen die anpacken. Allein sind wir hier Stunden dran. Außerdem können wir Penny nicht hier herumkrabbeln lassen, sie tut sich nur weh.” “Vielleicht kriegen wir den Laufstall so weit geflickt, dass wir sie dort hineinsetzen können?”, schlug Peppy resigniert vor. Wir beide sahen zu dem Laufstall, dem zwei Räder fehlten und auf dessen Liegefläche jemand Sirup ausgeschüttet hatte. Außerdem waren mehrere Streben gebrochen… “Oder-”, erklang da eine ruhige Stimme von der Tür, “-wir nehmen einfach einen neuen Laufstall, hm?” Ich fuhr herum und lächelte. “Kili!” “Namad, ich wünsche mir einen Tag, an dem uns nicht ins Chaos stürzt. Hallo Peppy.” “Eure Majestät-” Peppy knickste.

Kili hatte tatsächlich gleich einen Laufstall von Nori mitgebracht. Die Spielzeugmacher hatten allerlei Kinderzeug rumstehen und dieser war nie abgeholt worden. Die Zwerge selbst würden gleich mit Karren hinterher kommen. Ich setzte Penelope vorsichtig in den Laufstall und gab ihr ein Bilderbuch, das den Wirbelsturm hier kurioserweise überlebt hatte. Ich fuhr ihr erneut über die Haare. Zum Glück waren sie und Amira nicht hier gewesen. Ich gab Penny einen kleinen Kuss und streckte den Rücken wieder durch. Krankschreibung hin oder her. Hier war zu viel zu tun, als dass ich heute Faulenzen könnte…
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