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The lady of iron toughts (3)

GeschichteAbenteuer, Romance / P18 / Gen
Dis Fili Kili OC (Own Character) Thorin Eichenschild
04.04.2021
13.06.2021
9
38.940
17
Alle Kapitel
17 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
11.04.2021 4.638
 
Hola meine Lieben! :)

Wow, schon 12 Sternchen, Wahnsinn! Vielen Dank dafür (und natürlich auch für die Revis) :)

Ansonsten geht es nun weiter mit der Story - und alles was ab jetzt passiert wird noch wichtig werden :D

Einen schönen Start in die Woche und viel Spaß beim Kapitel!
CasseyCass *-*

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Judy
Ich fand es immer wieder erstaunlich, wie schnell sich die Umgebung hier wechselte. In dem einen Moment ritten wir über grüne, saftige Wiesen, im nächsten Moment wechselte es in eine staubige, grau-braune Steppe und dann klapperten die Hufe der Ponys über Geröll und Schutt. Ich sah links an den letzten Ausläufern des Erebor hinauf. “Wo kommt der Ost-Gang raus?”, fragte ich Kili. Er folgte meinem Blick. “Weiter vorn, wo das Gefälle nicht so stark ist”, sagte er. “Wieso?” “Nun, ich dachte gerade nur, wie Tess und die anderen Thorin auf einer Bahre hier hätten hinunter schaffen sollen.” “Hier gar nicht, da gebe ich dir recht. Aber weiter vorne wäre es möglich gewesen.” Nicht, dass ich darauf spekulierte den Gang noch einmal nutzen zu müssen. Ich war bloß neugierig. Wir ritten über eine kleine Kuppe und vor uns erschien der Nordfluss. Er entsprang irgendwo in den Grauen Bergen und bestand im Grunde nur aus Schmelzwasser, weshalb er arschkalt war. Und Dank der vielen Regenfälle in den vergangenen Tagen stand der Pegel momentan recht hoch. Ich würde ihn nicht als reißend bezeichnen, aber er floss schon recht schnell. “Hat der Fluss eine Brücke?” “Er hatte mal eine, aber die ist schon vor einiger Zeit weggerissen worden”, sagte Kili. “Sie wurde auch nie wieder aufgebaut. Wenn man von den Eisenbergen kommt, muss man den Fluss zwar überqueren, aber deutlich weiter im Süden, wo der Strom nicht so reißend ist und es eine Furt gibt.”

Irgendwie beruhigte mich der Gedanke. Wir mussten Orks ja nicht noch den Übergang erleichtern. Vorsichtig lenkten wir die Ponys über den matschigen und rutschigen Boden. Am Ufer stiegen wir ab. Ich knotete Vs Zügel an den Sattelknauf, dass er zwar den Kopf senken konnte, aber nicht auf die Bänder treten konnte. Vorsichtig lugte ich vom Ufer aus in den Fluss. Grau, sprudelnd und eisig. In den Fluss wollte ich nicht fallen. Kili sah zum Berg und dann zum Fluss. “Irgendwo hier mussten einst Wachposten gestanden haben”, sagte er. Marschierte den Fluss aufwärts. Ich zog mein Stirnband fester. Irgendwie war es echt kälter als erwartet. Die Kälte kroch mir richtig tief in die Knochen- Zögerlich folgte ich Kili. Das Gebiet hier war beschissen einzusehen, wie irgendwie alles im direkten Umfeld des Erebors. Hügel, Gesteinsbrocken, kleine Oasen knochiger Bäume - es gab dutzende Möglichkeiten für den Feind sich hier zu verstecken und uns zu attackieren, ohne dass wir die Attacke würden sehen können. Kili ging ein paar Meter vor mir in die Hocke und untersuchte etwas auf dem Boden. Als ich zu ihm aufgeschlossen war, konnte ich Holzsplitter erkennen und eine Art Baumstumpf. “Hier stand auf jeden Fall einer der Posten”, murmelte er.

“Das Holz sieht morsch aus”, sagte ich. “Er wird bei irgendeinem Sturm umgerissen worden sein und wurde vom Fluss weggespült.” “Vermutlich schon. Aber wir haben unsere Posten immer zwischen 80 und 100 Metern Entfernung zueinander aufgestellt. Wenn wir Glück haben, steht der nächste Posten dort hinter der Anhöhe-” Also sammelten wir die Ponys ein und führten sie entlang des Flusses über die Anhöhe. Hier lösten sich Steine und Wellen des Erebors in eine graue Ebene auf, die links in der Ferne gen Graue Berge verschwand. Und tatsächlich stand rechterhand der zweite Aussichtsposten. Er hatte etwas von einem Hochsitz im Wald, nur größer und stabiler. Zwergische Bauart eben. Testend ruckelte Kili an einem der Beine und spähte nach oben. Wie hoch war das Ding? Sechs Meter? “Nein-”, ich hielt Kili zurück. “Das eine Bein hat schon Risse. Das Ding wird genauso morsch sein wie der andere.” “Ich würde mir gerne mal einen Überblick machen, das ist alles.” “Überblick über was? Mehr Einsicht zur Ebene kannst du nicht haben.” “Hm.” Langsam wurde mir Kilis Verhalten suspekt. DIe Zwerge waren vor sechs Jahrzehnten aus dem Berg vertrieben worden - es war doch abzusehen gewesen, dass ein hölzerner Aussichtsposten nur noch Schrott wäre. Was wollte Kili hier draußen auch erspähen?!

“Sag mal, wieso sind wir wirklich hier, Kili?”, fragte ich misstrauisch. “Sagte ich doch. Die Orks kamen von Gundabad, ich überlege die Posten hier zur Eben hin, wieder aufzubauen.” “Ja, von mir aus. Und wieso da hoch klettern? Wie weit willst du sehen können?” “So weit wie eben möglich.” Ich rieb fröstelnd die Hände aneinander. Kili bedachte mich mit einem Stirnrunzeln. “Friert dich? Wir haben sicher 15 Grad.” Ja, aber es war feucht und windig und ich hatte nur eine Weste und keinen Umhang an wie er. “Ich denke”, sagte ich ohne auf seinen Einwurf einzugehen, “dass uns drei oder vier Posten ausreichen. Wenn wir alle mit zwei Männern ausstatten, hätten wir acht Soldaten hier draußen, selbst bei einem Angriff, wären sie zumindest so gut aufgestellt, um dem Erebor Bescheid zu geben.” “Oder wir statten den nächsten Aussichtsposten mit einer Feuerschale aus”, meinte Kili, “die man vom Berg aus sehen kann.” “Dann müssten wir erst einmal dort ein Fenster ausheben und mit einem Posten versehen.” “Bei einem Angriff können Sekunden zählen und du hast die Warge selbst gesehen. Sie holen ein Pferd mit Leichtigkeit ein, der Bote könnte nur knapp vor den Angreifern im Berg ankommen. Mit der Warnung durch die Feuerschale könnte der Berg schon deutlich eher Vorbereitungen treffen.”

“Wieso gerade jetzt?”, fragte ich. “Wir sind seit zwei Jahren hier, wieso fangen wir erst jetzt mit diesen Posten an? Wieso überhaupt? Die Orks aus Gundabad sind in der Schlacht doch fast nahezu ausgelöscht worden.” “Orks vermehren sich wie Ratten, das weißt du doch, Jiji-” “Gut, das tun sie. Dennoch. Warum jetzt?” Kili blieb stehen und zögerte kurz, ehe er sich zu mir umwandte. “Ich habe eine Benachrichtigung erhalten, dass ein Trupp Orks hier gesichtet wurde. Zwischen dem zweiten und dritten Aussichtsposten.” “Eine Benachrichtigung? Wann und von wem?” “Vor zwei Tagen. Sie war mit einem mir unbekannten Kürzel unterzeichnet.” “Achja-?” “Ja. I.L. Ist ja auch egal. Thorin meinte, die Notiz sei nicht wichtig und hat gesagt, ich solle nicht eingreifen-” “Du warst bei Thorin und er hat dir verboten einzugreifen und dennoch sind wir jetzt hier?!” Langsam wurde ich unruhig. Thorin war einer der besten Strategen, den ich kannte und wenn er es für falsch gehalten hatte, der Notiz nachzugehen hatte das seine Gründe. “Du kennst den Absender nicht und Thorin hat es verboten und trotzdem sind wir hier?”, hakte ich erneut nach. “Scheiße Kili, was ist, wenn das ein Hinterhalt ist, huh?!” “Ist es ja ganz offensichtlich nicht. Wurden ja nicht angegriffen-” Bisher nicht. “-Und ich wollte ehrlich die Außenposten einmal ansehen, also-” “Thorin sagte-”

“Thorin kann auch mal falsch liegen, ja?!”, rief Kili wütend aus und breitete die Arme aus. Verblüfft sah ich ihn an. “Thorin ist König, aber nicht allwissend und, tut mir Leid, aber er ist auch nicht mehr der Jüngste. Er kann sich irren und er kann an irrigen Vorstellungen festhalten, die überholt sind und wenn niemand ihm das Gegenteil beweist, wird er immer daran festhalten, bis irgendetwas geschieht. Es nicht in Ordnung, dass wir nicht die Werkzeuge aus den Eisenbergen bestellt haben, es ist nicht Ordnung, diese Notiz zu ignorieren und es ist nicht in Ordnung, dass Tess nicht heiraten will-” Kili brach ab. Fluchte auf Khuzdul und fuhr sich durch die Haare. Darum ging es also wirklich. “Weißt du”, flüsterte er schließlich, “manchmal sitzt er da und hört dir zu und nickt und tut so, als würde er dich verstehen können, aber er tut es nicht, weshalb er am Ende doch sein Ding macht. Nur weil sein Leben so beschissen verlief, muss meines es ja nicht auch, richtig? Ich bin nicht er! Ich will heiraten und eine Familie und ich muss mein Leben nicht über Schlachten und Kriegen definieren. Aber das versteht Thorin nicht-” Ich schwieg kurz und wartete, ob sein Ausbruch vorbei war. Was offensichtlich der Fall war, denn er blieb stumm. Atmete nur schwer, die Hände in die Seiten gestemmt und starrte auf den verschlammten Boden.

“Willst du wissen, was ich glaube?”, fragte ich schließlich leise. Kili hob die Schultern. “Mir haben in den vergangen Tagen fünf Leute fünf unterschiedliche Sachen gesagt, auf eine mehr oder weniger kommt es nicht drauf an.” Aha. “Ich denke, Thorin versteht dich sehr gut”, sagte ich ruhig, “und ich glaube, er liebt dich bis zum Umfallen.” Kili schnaubte abschätzig. “Sieh, Kili, als er in deinem Alter war, wollte er genau die gleichen Dinge wie du. Er wollte den Thron nur im Notfall übernehmen, schließlich war Thror noch sehr agil und Thrain erst Recht. Er wollte heiraten und eine Familie und wusstest du, dass er einen Meister im Schmuckschmieden hat?” “Ja”, brummte Kili. “Es war egal, dass Breeda noch ein Kind war, als er ihr versprochen wurde, er hatte ja sein ganzes Leben vor sich liegen. Doch dann kam Smaug und der Berg wurde ihm genommen. Und dann Thror und dann Thrain und plötzlich musste Thorin feststellen, dass er diese Dinge nicht haben konnte - nicht in naher Zukunft. Er gab sie für sich auf, damit Fili und du sie später haben könntet-” “Woher willst du das wissen?” “Er hat es mir gesagt.” Nun war Kili überrascht. “Echt?” “Ja. Als es um die Werkzeuge aus den Eisenbergen ging. Ich bin auf deiner Seite, das weiß er auch, die Sachen sind etwas leichter in der Handhabung, aber das ist nicht Thema. Dein Onkel ist eben stolz ohne Ende…” Ich winkte ab.

“Auf jeden Fall sind wir genau auf dieses Thema gekommen. Dass du und Fili manche Dinge vielleicht noch nicht versteht, weil ihr noch jung seid. Versteh mich nicht falsch, manchmal sind seine Ansichten natürlich überholt, aber meist sieht er das rechtzeitig ein und passt sie an, richtig?” Kili hob ein weiteres Mal die Schultern. “Du und Fili ward die Kinder, die er nie haben konnte und es würde ihn in Stücke reißen, wenn euch etwas geschehen würde, weshalb er dir verbat, heraus zu kommen. All unsere Soldaten sind momentan mit allem möglichen Kram beschäftigt und du solltest nicht allein raus reiten, falls es sich um eine Falle gehandelt hätte… Oder hat er gesagt, deine Idee mit den Aussichtsplätzen wäre Unsinn?” “Nein”, grummelte Kili. “Na siehst du. Er liebt dich und will dich sicher wissen, das ist alles. Naja und was Tess angeht… Ich sagte ihm, er solle den Mund halten, aber ich hatte nicht angenommen, dass er sich an meinen Rat hält- Thorins Ehe zu Breeda war arrangiert, Kili, er hatte nie die Möglichkeit zu wählen. Er weiß nicht, wie es ist jung und voller Ideen zu sein, mit der perfekten Partnerin an der Seite. Und jetzt ist es nicht mehr wichtig…” “Wieso hat sie Nein gesagt?”, fragte Kili leise und mit unverhohlenem Schmerz in der Stimme. “Wieso sagt sie immer Nein?”

“Weil auch sie dich liebt, Kili”, antwortete ich sanft. Versuchte seinen Blick einzufangen und legte ihm eine Hand auf den Rücken. “Du denkst, eine Hochzeit bedeutet nur ein Versprechen zu sein, das mit einem Ring besiegelt wird. Aber wir wissen beide, dass es etwas mehr ist und… sowohl in unserer Welt als auch hier an Ansprüche geknüpft sind. Du sagtest eben selbst, du wollest eine Familie. Tess weiß das sicher - hast du sie mal gefragt, was sie davon hält?” “Ja, sie will auch eine… später.” “Genau. Weil sie sich fürchtet. Mutter sein ist echt ‘nen Ding, allein die Schwangerschaft und Geburt. Und dann die Erwartungen an eine Frau in einer Ehe! Ihr Zwerge seid da keine Ausnahmen, vielleicht will sie sich dem noch nicht beugen-” “Vielleicht hätte eine Ehe aber nicht nur negative Seiten, hm?”, knurrte Kili. “Wenn mir was zustößt, wäre sie abgesichert. Ihr Anspruch oder der unserer Kinder ans Königshaus könnte nie untergraben werden. Sie hätte Verbündete und Freunde in allen Königreichen, sie wäre sicher und sie wäre bei mir und…” Seine Worte verloren sich. “Ich liebe sie und für mich ist es deshalb nur ein Versprechen, das mit einem Ring besiegelt wird, weil dieses Gefühl alles andere aussticht. Die Angst und die Einschränkungen und was nicht alles- Sie soll einfach nur wissen, dass sie die einzige Frau für mich ist-”

“Das weiß sie auch so, Kili, das verspreche ich dir. Hm?” Ich rieb ihm kurz über den Rücken, ehe ich ihn in eine feste Umarmung zog. “Glaub mir, wenn sie dich nur heiratet, weil sie ein schlechtes Gewissen hat und sich gedrängt fühlt, hilfst du niemanden.” Er nickte etwas. Erwiderte die Umarmung immer stärker und grub irgendwann das Gesicht an meinem Hals. “Und gib Thorin eine Chance”, flüsterte ich. “Er vermisst Fili, auch wenn er es nie ausspricht und er will dich nicht wegen ein paar Unstimmigkeiten verjagen.” “Hm.” “Nicht hm. Sondern Ja, namad.” “Ja, namad.” “Geht doch. Nimm ihn für den nächsten Trip mit. Weißt du, alte Männer wollen sich manchmal auch nur nützlich fühlen-” Nun lachte Kili etwas. “Wie du meinst-” Ich rempelte ihn etwas an. “Lass und bitte zurückreiten”, bat ich, “mir wird nämlich echt, echt kalt.” “Natürlich. Wo sind unsere Ponys abgeblieben?” “Dort auf der Kuppe. Unsere Diskussion hat sie offenbar ermüdet.” “Mich auch.” Wir schlenderten auf die Kuppe und die Ponys zu. Arjax graste etwas abseits, während Velvet sich am Ufer nach ein paar Grashalmen umsah. “Du bist so verfressen”, schalt ich ihn und griff nach den Bändern am Sattel. Da fiel mein Blick auf den Boden und ich raufte die Stirn. Das waren ja komische Schuhabdrücke.

Meine waren schmaler und Kilis deutlich größer und… diese hier sahen eher so aus, als würde jemand barfuß herumlaufen. Barfuß mit ein paar sehr hässlicher Füße- Da machte es mit einem Mal Klick. Die Kälte in meinen Knochen, die Notiz, die Fußabdrücke- “KILI!” Ich fuhr herum. Die Abdrücke waren frisch. Die Orks waren noch in der Nähe. Er fuhr zu mir herum und nur das rettete ihm vermutlich das Leben. Der Pfeil zischte derart knapp an seinem Ohr vorbei, dass mir ein Schrei entfloh. Ein weiterer Pfeil flog und jetzt konnte ich den Schützen ausmachen - hinter einem der großen Felsbrocken, so gut getarnt, dass ich ihn beinahe für einen Stein selbst gehalten hatte. Ich zog mich auf Velvet. Wir mussten hier weg, wer wusste schon, wie viele dieser Viecher- “Nein, KILI! NICHT!” BOAH! MÄNNER UND IHR TESTOSTERON! Kili war mittlerweile auch auf dem Pony, doch statt gen Berg zu reiten, preschte er genau auf den Ork zu. Fluchend wendete ich V und folgte. Zog mein Schwert und balancierte mich aus. Thorin und Dwalin hatten mich gut trainiert, ich würde mich irgendwie durchmurksen können. Als hätte ich es geahnt, sprangen hinter zwei weiteren Geröllhaufen weitere Orks hervor. Es waren nur fünf, aber dennoch genug. Sie hatten die Überraschung auf der Seite. Kili kümmerte sich um den Bogenschützen, ich griff die beiden vordersten Orks an, die lange, gekrümmte Äxte mit sich trugen.

Den ersten erwischte ich ganz gut, der Zweite jedoch konnte ausweichen. Ich wendete Velvet, der auf dem nassen Grund gefährlich schlingerte, sich jedoch halten konnte. Das wäre ein weiterer Grund gegen diese Schlacht gewesen, verdammt. Ein Zischen ertönte und in der Annahme einen weiteren Schützen begegnet zu sein, fuhr ich herum. Doch es war einer der Orks, der den Geröllhaufen als Schanze nutze, um mich vom Pferd zu stoßen. Ich konnte seine Axt abblocken, immerhin. Doch wir krachten ziemlich unsanft auf den harten Boden. V scheute und machte einen Satz nach vorn. Mit all meiner Kraft drückte ich beide Unterarme über Kreuz an den Griff der Axt, deren Schneide nur ein paar Zentimeter über meinem Gesicht schwebte. Ein Stein bohren sich von hinten in meine Rippen und die nasse Erde drang durch meine Bluse. Ich keuchte, das sabbernde, gackernde Ork-Gesicht über mir. Was hatte Thorin mir gesagt, wenn man am Boden lag? Schwachstellen ausfindig machen, das Gewicht über einem los werden, möglichst in eine Richtung, die der Feind nicht erwartete… Das war noch einfacher gewesen, als Thorin dieses Gewicht gewesen war. Er hatte mir nicht wehgetan und war meinen Versuchen ihn abzuschütteln schon fast freiwillig nachgekommen. Ich verzog das Gesicht. Erinnerte mich blitzartig an den Übergriff. Verdrängte den Gedanken wieder und versuchte mich zu fokussieren.

Ich sammelte meine Kraft, drückte mit nur einem Arm gegen die Axt und fingerte mit der anderen nach einem meiner Messer. Langsam schlossen sich meine Fingerspitzen um den Griff, ich zog es heraus, griff nach und stach zu. Erst in die Rippen des Viechs dann in seinen Hals. Zwang den Ork auf den Rücken und stach nach, während ich nach Luft rang. Kilis Schwert sang rechts von mir, er kümmerte sich um Ork drei und vier. Der Bogenschütze lag geköpft vor seinem Versteck. Also blieb nur noch- Ein Tritt in den Rücken traf mich und ich flog nach vorn. Knallte erneut auf den Boden, versuchte dieses Mal jedoch, mich nicht festnageln zu lassen. Ich rollte mich weg, sprang wieder auf und wich dem Schwerthieb von Nummer Fünf aus. Wo war mein Schwert?! Irgendwo verloren gegangen, als ich vom Pferd geflogen war… Ich duckte mich ein weiteres Mal. Endlich sah ich das Eisen blitzen und hechtete auf mein Schwert zu. Erneut war der Ork ein größerer Gegner als Dwalin oder Thorin es je gewesen waren. Natürlich, er wollte mich töten. Mein Mann wollte das eher weniger. Dennoch schaffte ich es dem Kerl beizukommen und ihm das Schwert in die Brust zu rammen. Kili erledigte sich ebenfalls seinem letzten Gegner. Gut. Das war geschafft. Schwer atmend stützte ich mich auf den Knien ab.

Dieses Arschloch hatte mich geschnitten, stellte ich fest und tastete vorsichtig nach meiner Wange. Kili strich sich eine nasse Haarsträhne aus dem Gesicht und sah zu mir. “Bist du okay, Jiji?” “Ja-” Ich nickte. “Zumindest lebe ich noch.” Boah, wie wir aussahen. Klatschnass und schlammig. “Musste das sein?”, fragte ich Kili. “Sie wären abgehauen und hätten Bericht erstattet, also ja”, sagte er. “Wir lassen sie liegen, sie sollen allen eine Warnung sein.” “Sie werden wilde Tiere anlocken.” “Glaub mir, namad, die rührt kein Tier an-” Na wenn er meinte. Ich drückte die Hand in meine Seite. “Lass uns die Ponys einsammeln und zurück in den Erebor”, bat ich. “Ich bin ziemlich am Ende meiner Kräfte-” Kili kam mir entgegen und zog seinen Umhang aus. Der war außen zwar nass, aber innen noch trocken. Ich bekam ihn um die Schultern gelegt, ehe wir die Ponys suchten und Kili mir auf Velvet half. “Du bist eiskalt, Jiji”, murmelte er besorgt. “Ja… Das sind die Orks… Bring mich zu Thorin, der kriegt das wieder hin…” “Mein Onkel bringt mich vor allem um”, flüsterte er. “Ich habe gegen seinen Befehl gehandelt und dich auch noch mitgenommen und in Gefahr gebracht-” “Ich denke, er wird uns beide umbringen”, brummte ich, “aber mich wird er wiederbeleben, weil er mich liebt.” “Danke, Jiji, das hilft nicht wirklich…” “Hör mal, Kili, könnten wir uns einfach beeilen? Weil wir uns nebst der Gardinenpredigt auch noch eine Lungenentzündung holen werden, wenn wir so nass bei diesen Temperaturen draußen sind.” “Na klar.” Er gab seinem Pony die Hacken und wir legten etwas an Geschwindigkeit zu. Meine Güte, würde Thorin uns zusammenscheißen…

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...Eine Stunde später polterten wir in den Stall und Kili half mir vom Velvet. Mir tat alles weh. Training oder hin, draußen zu kämpfen war eine komplett andere Geschichte. “Eure Majestät! Eure Hoheit!” Mehrere Soldaten kamen auf uns zugestürzt. “Sind Sie in Ordnung?” “Ja, aber Ihre Hoheit braucht einen Arzt und ein Bad und frische Kleidung.” “Seine Majestät der König sucht seit Stunden nach euch. Er wird sehr erleichtert sein, Euch wohlbehalten zurück zu haben-” “Ja, fragen Sie mich mal”, murmelte ich. “Velvet-” “Es wird sich um ihn gekümmert werden, Eure Hoheit”, versicherte einer der Soldaten und nahm mir die Zügel ab. “Machen Sie sich keine Sorgen.” “Danke.” Es tat mir Leid, aber ich hatte keine Kraft mehr, geschweige denn Gefühl in den Fingern. Ich schlotterte richtig vor Kälte... Mit Kilis Arm im Rücken wankte ich in die Eingangshalle. Man spürte, dass hier irgendetwas schief gelaufen war, Soldaten rannten aufgeregt hin und her und eine Frau begann aufgeregt zu schreien, als sie uns erkannte. “Wir hätten ihm Bescheid sagen sollen”, meinte Kili und ich nickte. “Ja.” Und als hätte er uns gehört, stürmte in diesem Moment Thorin die Treppe von der Bib herunter und auf uns zu. Er trug keinen Überwurf, nicht einmal seine Krone, nichts. Ich streifte Kilis Arm ab und ging auf Thorin zu. Ich schlang die Arme um seinen Hals und wurde kurz von der Umarmung von den Füßen gehoben.

“Oh bei Durin, Amrâlimé”, wisperte er an meinem Ohr. Drückte die Lippen gegen die empfindliche Haut. “Tu das nie wieder. Ich bin tausend Tode gestorben.” “Tut mir Leid”, gab ich zurück. “Tut mir Leid, es kommt nie wieder vor, Liebster-” Thorin nahm mein Gesicht in seine Hände und fuhr mir über die dreckigen Wangen, ehe er mir mehrere zärtliche Küsse auf die Stirn und die Wangen und die Lippen gab. “Du brauchst ein Bad und Tess…” “Der Schnitt ist nicht tief-” “Dennoch.” “Onkel, ich-” Kili räusperte sich kurz. “Ich muss um deine Vergebung bitten, ich hatte nicht das Recht-” “Nein, hattest du nicht, aber das besprechen wir nicht hier”, unterbrach Thorin ihn ruhig, aber mit einer sehr dunklen Stimme. Das große Donnerwetter würde noch kommen. “Wir gehen jetzt in unsere Privatgemächer. Schickt nach Miss Tess”, befahl Thorin ein paar Soldaten, “und schickt eine Zofe direkt ins Gemach von Ihrer Hoheit. Wir brauchen ein Bad und etwas zu essen.” “Thorin, bitte, nicht so viel Aufwand-” “Oh doch. Nun komm, bevor ich meinem Neffen vor versammelter Mannschaft in den Boden ramme wie einen ungespitzten Pfosten.” Okay… Ich sah zu Kili, der den Blick senkte und sich erst weit hinter uns einreihte. Ich musste mich auf Thorins Arm stützen. Ich fühlte mich, als würde ich von Innen heraus erfrieren. Der flotte Ritt zurück im kühlen Wind hatte die Sache auch nicht besser gemacht.

“Mir ist so kalt, Thorin”, wisperte ich, damit die Soldaten es nicht hörten. “So kalt war mir seit Gurag nicht mehr-” “War ein Schwert in der Nähe?” “Nicht, dass ich wüsste-” Er griff mich fester, zog mich dicht in seine Arme. Im Zimmer wirbelten bereits mehrere Zofen umher und knicksten hektisch, als wir eintraten. Tess kam uns aus dem Schlafzimmer entgegen. “Ach du liebes bisschen”, schnappte sie, als sie uns sah. Dann stürzte sie jedoch auf Kili zu und umarmte ihn fest. “Wo wart ihr nur?”, fragte Tess und strich ihrem Mann die dreckigen Haarsträhnen aus dem Gesicht. Gab ihm einen zärtlichen Kuss. Thorin half mir aufs Sofa und zog mir vorsichtig mein Hemd aus der Hose. “In Durins Namen…”, wisperte er, als er die blauen Flecken sah. “Keine Groß-ße S-Sache”, sagte ich schnatternd. “T-Tess bekommt d-das w-wieder hin, mach dir k-keine S-S-Sorgen.” Es klopfte und Dwalin trat ein, gefolgt von Dis und Niko. Der Hund sprang winselnd an Kili hoch, der auf die Knie ging und ihm über die Schlappohren strich. “Was ist bei euch passiert?”, fragte Dis und sah abwechselnd mich und Kili an. “Wir waren ausreiten”, sagte Kili. Über Thorins Gesicht huschte ein gefährlicher Schatten. Ich drückte beruhigend seine Hand. “Und dann seid ihr zu den Schweinen in den Schlamm gesprungen?”, knurrte Dwalin.

Tess und die Zofe kamen mit zwei Schüsseln warmen Wassers zurück sowie mehreren Decken. “Die Badewanne braucht noch etwas”, sagte sie entschuldigend. “Das kommt nicht vom W-Wetter”, flüsterte ich und nickte gen Bauch, damit sie verstand, dass ich auf das Mal anspielte. “Ich weiß. Dennoch müssen wir dich aufwärmen, hm? Thorin hilfst du ihr aus den nassen Sachen?” “Natürlich.” Während Tess mir Schuhe und Socken auszog und meine Füße in die eine Wasserschüssel stellte, schälte Thorin mich aus Umhang, Weste und Hemd. Ich wurde in die Decken gewickelt und meine Hände, die unter den Handschuhen dennoch rot und eisig waren, vorsichtig in die zweite Schüssel gelegt. Ich schloss die Augen. Hoffentlich schirmten die vielen Personen im Raum mich etwas gegen die Kälte ab. Ich war seit gut einem halben Jahr ohne Beschwerden gewesen. Und damals war es nur ein Viertel so schlimm gewesen wie heute… “Also, was ist nun geschehen?”, fragte Dis erneut und verschränkte die Arme vor der Brust. “Wir haben einen Spähtrupp Orks gesehen”, wisperte ich. “Und satt umzukehren, seid ihr ihnen gefolgt”, beendete Thorin eisig den Satz. Er erhob sich und drehte sich zu Kili, der fest die Lippen zusammenpresste. “Liege ich richtig?”, fragte Thorin. “Ja”, murmelte Kili. Er räusperte sich. “Meine Absicht war es nie, Judy in Gefahr zu bringen-” “Und doch ist es geschehen.”

“Thorin-”, setzte ich an. “WIE KONNTEST DU ES WAGEN?!” Ich fuhr etwas zusammen. “Du hast meine Frau in Lebensgefahr gebracht! Und sie wäre tot, könnte sie nicht kämpfen und wäre sie nicht eine der mutigsten Personen, die ich kenne!” “Ich weiß, Thorin”, murmelte Kili. “Was würdest du tun, würde ich mir Tess schnappen und sie in Gefahr bringen? Wissentlich? Wenn sie zurückkommen würde, verdreckt, eiskalt, verletzt?!” Kili schloss die Augen. “ANTWORTE VERFLUCHT!” Kili schluckte angespannt. “Thorin, es tut mir Leid. Ich hätte weder deine Befehle ignorieren noch Judy in eine Schlacht führen dürfen, die nicht ausgekundschaftet war. Aber es wäre ein Fehler gewesen die Botschaft nicht ernst zu nehmen-” Erneut zuckte ich zusammen, als Thorin vor Wut gegen den Sofatisch trat und eine Karaffe mit Wasser scheppernd auf den Boden knallte. “Thorin”, mahnte auch Dis. “Wäre sie nicht zurückgekommen…. wärst du nicht zurückgekommen, Neffe… Weil du ein hitzköpfiger Angeber bist und deinen Frust über den Zwist mit Tess auslassen musstest und dabei in Kauf genommen hast, dass Judy verletzt wird… Du hättest mir das Herz gebrochen auf… hunderte verschiedene Weisen. Ganz zu schweigen von Tess’.” Kili sah zu meiner Freundin, die das Gespräch beunruhigt beobachtete und immer wieder zu mir blickte.

“Denk darüber nach”, murmelte Thorin, “vielleicht handelst du das nächste Mal eines Prinzen entsprechend und nicht eines Welpens, dem man auf dem Schwanz getreten ist. Und nun ruh’ dich aus, wir sehen uns morgen früh bei der Sitzung.” Kili blickte zu mir, dann zu Tess und ging ohne einen weiteren Blick aus dem Zimmer. Die Tür knallte ins Schloss und Niko bellte nervös. “Das war harsch, Bruder”, sagte Dis leise. “Es war notwendig”, knurrte Thorin. “Kili denkt als zweiter in der Rangfolge, könnte er sich alles erlauben und das Leben eines normalen Zwerges leben. Nun - dem ist nicht so. Er ist erwachsen geworden in den vergangenen Jahren, nun muss er endlich Verantwortung als Prinz übernehmen.” Er drehte sich wieder zu mir und setzte sich neben mich aufs Sofa. “Tess, schaust du bitte mal?” “Natürlich.” Tess legte mir die Hände an die Seiten. Warm wenn auch zwickend und zwackend durchströme mich ihre Macht und ich seufzte etwas auf. Auch wenn Thorin nur stumm neben mir saß konnte ich spüren, wie er litt. Dass er Kili so angegangen war und weil ich Schmerzen hatte. Er hatte Angst um mich gehabt und um Kili- “Das waren nur leichte Prellungen”, sagte Tess, “du hattest Glück im Unglück. Und der Schnitt an der Wange ist auch nicht tief.” “Mir macht die Kälte mehr Sorge”, brummte Thorin. “Es waren normale Schwerter”, sagte ich leise, “und nie im Leben würde ein einfacher Spähtrupp so wertvolle Reliquien mit sich tragen.” “Das muss nicht heißen, dass keines der Schwerter in der Nähe war”, warf Dwalin ein.

Das stimmte wiederum. Die Wange zwickte etwas, als Tess sie heilte. “Du legst dich jetzt ins Bett”, befahl Thorin, “und wärmst dich auf. Hattest du noch irgendwelche Termine?” Ich schüttelte den Kopf. “Gut. Ich werde meine absagen.” “Nein, Thorin-” “Keine Widerrede. Du brauchst mich hier gerade mehr.” Er fuhr mir über die Wange, die nun wieder heil war. “Ich bleibe”, wiederholte er fest. Vermutlich war das tatsächlich eine gute Idee. Mir war arschkalt und ich wusste nicht, ob eine simple Badewanne das wieder gut machen würde.
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