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The lady of iron toughts (3)

GeschichteAbenteuer, Romance / P18 / Gen
Dis Fili Kili OC (Own Character) Thorin Eichenschild
04.04.2021
21.07.2021
14
62.061
18
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29 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
04.04.2021 4.438
 
Ihr Lieben, es ist so weit!
Der dritte Teil meiner Geschichte geht online!

Wie ihr dem Titel entnehmen könnt, ist gut ein Jahr seit dem Aufstand vergangen und so perfekt alles auch scheint, ich habe natürlich eine Menge Ups and Downs und Cliffhanger für euch parat.

Ich hoffe ihr hattet/habt schöne Ostertage und konntet etwas zur Ruhe kommen :)
Bleibt gesund!
Und nun - Trommelwirbel - Vorhang auf für Kapitel eins des dritten Teils!

Eure CasseyCass *-*

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Thorin
Thorin seufzte leise im Schlaf und tastete noch im Wach werden nach Judy, deren Kopf vermutlich seit Stunden auf seinem Oberarm ruhte. Sonst wäre er nicht eingeschlafen… Er drehte sich etwas auf die Seite und wickelte Judy in seine Arme, schnaufte in ihre duftenden Haare. Ein Jahr war vergangen seit… seit Allem. Dem Aufstand und seiner Vergiftung und Judys Krönung zur Regentin. Sie hatte den Titel nach Filis Abreise wieder angenommen und nie wieder abgegeben, obwohl er zwischenzeitlich geglaubt hatte, ihn ihr aberkennen zu müssen. Die Nachwirkungen dieser stressigen Zeit hatten ihr derart zugesetzt, dass sie kurzzeitig nicht regierungsfähig gewesen war. Aber sie hatte sich geweigert klein beizugeben und dann… war es besser geworden. Langsam aber stetig. Und mittlerweile waren sie das perfekte Regierungsgespann, weder geplagt von Albträumen noch von Aufständen oder sonst was. Thorin grub das Gesicht fester an Judys Nacken und grinste etwas. Daran würde er sich vermutlich nie gewöhnen. An diese Morgende, an denen er so glücklich aufwachte, dass er nicht noch glücklicher werden konnte. Es war einfach nicht möglich. Kein Zwerg konnte noch glücklicher sein als er in diesem Augenblick.

“Oh, Liebling, du erdrückst mich noch”, murmelte Judy da verschlafen und lockerte seine Hand an ihrem Bauch. “Und das wäre eine Schande”, brummte Thorin zurück. “Hm, für uns beide.” Er gab ihr einen Kuss ans Ohr. “Ich musste nur gerade daran denken, dass wir ein ziemlich turbulentes Jahr hinter uns haben. Und wir irgendwie sehr gut dabei rausgekommen sind.” Sie atmete tief ein und drehte den Kopf etwas. Offenbar ahnte Judy, dass er sie nicht mehr schlafen lassen würde. “Finde ich auch. Anstrengend, aber genauso schön. Viel schöner als anstrengender.” Definitiv. Thorin streichelte über ihren Bauch. Vermutlich hatte das Schicksal sich nur entschuldigen wollen. Es hatte sie beide durch so viele widrige Situationen geschickt, sie hatten ein Jahr voller Liebe verdient. Nichts anderes war es gewesen. Sie hatten ganze Wochenenden nur in ihrem Gemach verbracht und sich so viel Liebe gegeben, wie es für einen Menschen nur möglich war. Zugegeben, der Anfang war etwas holprig gewesen und Judy mochte es bis heute nicht, wenn Thorin ihre Arme über ihren Kopf streckte, wenn sie miteinander schliefen, aber das war okay. Man hatte ihr wehgetan und ihr stand alle Zeit der Welt zu, um zu heilen.

“Essen wir heute Abend zusammen?”, fragte Thorin leise und Judy nickte. “Hm.” Sie hatte die Augen schon wieder geschlossen und er musste ein weiteres Mal grinsen. “Amrâlimé, wir müssen aufstehen. Ich habe dich nicht geweckt, weil mir langweilig war.” “Du bist schrecklich. Entweder du weckst mich, weil wir arbeiten müssen oder weil du dich körperlich verausgaben willst, aber nie, weil du einfach mit mir kuscheln und reden willst.” “Das ist eine fiese Unterstellung. Du weckst mich auch regelmäßig für… körperliche Verausgabungen.” Judy lachte auf. “Genau das war mein Punkt, Liebster.” Thorin erwiderte ihr Lachen etwas und gab ihr endlich einen zärtlichen Gutenmorgenkuss. Judy zog sein Gesicht näher heran und schnurrte wie ein kleines Kätzchen. Hatte er schon erwähnt, dass er sich daran nie gewöhnen würde? Ja? Nein? Nun, doppelt hielt besser. Seine Hand, die von ihrem Bauch nun an ihren Rücken gerutscht war, drückte Judy nah an sich heran. “Okay, ich bin wach”, murrte diese nun, “was willst du von mir?” “Nur die alltägliche Unterstützung meiner liebreizenden Regentin.” “Ach Schreck, wenn du so anfängst, kann es nur schlimm werden.”

“Du bist in mancher Hinsicht einfach die bessere Regentin. Wie hast du letztens mein Gespräch mit den Elben genannt?” “Ein diplomatisches Desaster”, brummte sie. “Genau.” Sie hatte ihm zwar erst erklären müssen, was genau diese Diplomatie war, aber dann hatte Thorin ihr darin nur zustimmen können. “Oh nein”, machte Judy jetzt und drehte sich fassungslos auf den Rücken. “Oh, sag mir nicht, heute steht Teil Zwei dieses diplomatischen Desasters an.” “Genau deshalb, habe ich - zufällig versteht sich - einen anderen wichtigen Termin zur gleichen Zeit-” “Für mich.” “-für mich, damit du dafür Sorge tragen kannst, dass es kein diplomatisches Desaster bleibt.” Judy grub seufzend das Gesicht in den Händen und Thorin grinste. “Weißt du”, nuschelte sie, “manchmal frage ich mich, wieso ich nicht geflüchtet bin, als ich noch die Möglichkeit hatte.” “Die hattest du nie”, erwiderte Thorin trocken, “zumindest ist die Anzahl der Möglichkeiten drastisch gesunken, als du das erste Mal in meinem Gemach gelandet bist.” “DU bist in MEINEM Gemach gelandet. Und du bist auch noch immer hier, wenn ich das mal so feststellen darf.” Darüber hatte er nie nachgedacht. Natürlich schliefen sie auch mal in Thorins Gemach - und er arbeitete regelmäßig von da aus - aber Judys Gemächer waren viel eher ihre Residenz geworden.

“Hm”, machte er nachdenklich. “Nun, vielleicht sollten wir das ändern.” “Willst du eine Strichliste einführen, damit keiner unserer Gemächer sich benachteiligt wird?” Bei Durin, was konnte sie eine kleine, sarkastische Zicke werden, wenn sie auf etwas keine Lust hatte. “Nein”, antwortete Thorin, “ich dachte eher an eine Zusammenlegung.” Ihre Hände rutschten von Judys Gesicht und sie blinkte ihn verdutzt an. “Zusammenlegung? Du meinst wie in… zusammenziehen?” Thorin hob die Schultern. “Wieso nicht? Ich kann die Nächte, die wir nicht zusammen verbracht haben, an einer Hand abzählen. Es wäre nur noch ein formelles Anliegen und es würde vermutlich etwas Zeit beanspruchen, um eines unserer Zimmer adäquat zu erweitern, aber ansonsten…” “Geht das denn?”, fragte Judy. “Wir sind nicht verheiratet.” “Aber in einer offiziellen Verbindung. Das reicht aus.” “Aber Kili und Tess haben das nie formell… anmelden müssen.” “Ja, das sind noch immer die kleinen aber feinen Unterschiede zwischen einem König und dem Zweiten in der Rangfolge.” Kili und Tess waren nach ihrer Auszeit und ihrer Reise durch Mittelerde zusammengezogen - auch da Niko mittlerweile ein einjähriger, überaus tollwütiger Hund geworden war und den Platz brauchte. Judy seufzte ein weiteres Mal. “Das nächste Mal nehme ich auch den zweiten in der Rangfolge.”

Thorin warf ihr einen finsteren Blick zu, den sie grinsend erwiderte, ehe Judy sich umwandte und auf seiner Brust abstütze. Sie gab ihm einen kleinen Kuss und er zupfte an ihren Haaren. “Sieh das Treffen mit den Elben als deine gerechte Strafe auf diese Aussage an”, brummte er. Judy lachte etwas. Fuhr ihm über die Haare und legte schließlich den Kopf auf seiner Brust ab. “Tess und Kili haben deswegen Stress”, murmelte sie und zeichnete unsichtbare Muster mit dem Zeigefinger auf seine Brust. “Weshalb?”, fragte Thorin verwirrt. “Wegen einer potenziellen Hochzeit.” Oh Mahal. “Hat er sie schon wieder gefragt?” “Ja, aber diesmal war’s ihm ernst.” Thorin konnte ihn verstehen. Konnte er wirklich. Zwerge waren entweder das eine oder das andere Extrem. Sie konnten über Jahrzehnte liiert zusammen leben, Kinder bekommen und sich wieder trennen, ohne, dass irgendjemand etwas dagegen sagen würde. Doch sobald das Wort Liebe fiel, wurde es kompliziert und in 99 Prozent der Fälle heirateten diese Paare schneller als die Jahreszeiten hier im Norden wechseln konnten. Nicht weil sie zwangsläufig mussten, sondern weil sie es wollten. Da waren alle mit einem Mal voller Traditionsgeist.

Tess und Judy hingegen kamen aus einer anderen Welt und einer anderen Zeit, sie waren anders sozialisiert worden und hatten einen anderen kulturellen Hintergrund. Sie waren Menschen, keine Zwerge und das vergaß sein Neffe manchmal. “Hat Tess den Antrag richtig abgelehnt oder-” “Ja, so viel wie ich weiß. Sie hatte ja mal gesagt, dass eine Hochzeit frühestens nach einem Jahr Beziehung in Betracht kommt und Kili hat das genau nachgerechnet und… ja einen komplett durchdachten Antrag auf die Beine gestellt. Was zur Folge hatte, dass Tess sich etwas in die Ecke gedrängt gefühlt hatte. Nun schläft Kili auf der Couch, sie müssen aber die Tür zum Schlafzimmer offen lassen, da Niko nicht weiß, was er mit der miesen Stimmung anfangen soll und direkt im Türrahmen schläft, um es beiden recht zu machen.” “Schätze, in diesem Berg gibt’s mehr diplomatische Desaster, als ich dachte-” Judy lachte. “Scheint so, ja.” “Soll ich mit ihm reden?”, fragte er Judy. “Nein.” Das war eindeutig. “Wieso nicht?” “Weil die beiden das selbst klären müssen. Sie sind alt genug, es ist ihre Beziehung und nur die beiden können den richtigen Zugang zu diesem Thema finden.” “Die beiden reden nicht einmal mehr miteinander und sie sollen allein den richtigen Zugang finden?” “Ganz genau.”

Judy stützte sich wieder auf und fixierte ihn fest. “Sieh, Tess muss verstehen, wieso Kili die Hochzeit so wichtig ist, genauso wie er verstehen muss, wieso sie noch warten will. Und dann müssen beide lernen, dass keine ihrer Ansichten, etwas an ihrer Beziehung oder ihren Gefühlen füreinander ändert. Sie verliert nicht an Wert oder Intensität, nur weil sie nicht einer Meinung oder nicht verheiratet sind-” “Vielleicht sollte ich ihm den Rat aber ans Herz legen-” “Liebling… Ich weiß, dass Kili wie ein Sohn für dich ist, aber irgendwann sind die Söhne alt genug, dass du ihnen keinen Rat mehr geben musst. Du musst warten, bis sie auf dich zukommen und um Rat fragen, dann nehmen sie ihn auch richtig ernst. So wärst du nur der alte Sack, der ihm von oben herab einen vom Esel erzählt. Und bevor du fragst, woher ich das wissen will: Ich habe bereits ein Kind erzogen, ich weiß es.” Thorin atmete tief ein und wieder aus. “Wie du meinst.” “Ja, so meine ich.” Sie legte etwas den Kopf schief. “Ist das eigentlich für dich ein Thema?” “Was?” “Heiraten?” Er überlegte kurz. “Nein. Aber ich denke, das kommt durch mein Alter. Als ich in Kilis Alter war, war ich ähnlich von Idealen getrieben, aber mit der Zeit wird das alles relativ. Hochzeiten, Geburtstage, Kriege… Wenn wir beide uns in einem halben Jahr ansehen und feststellen, es wäre an der Zeit, ist das genauso gut, wie wenn es in zehn Jahren passiert. Oder nie. Es ändert nichts an uns.”

Ein kleines Grinsen flackerte in ihrem Gesicht auf. “Was würde passieren, wenn ich beim nächsten Bankett vor dir auf die Knie gehe, hm?”, fragte sie und Thorin lachte auf. “Ich wüsste die Folge: Viele alte Zwerge mit einem Herzinfarkt.” “Der Effekt wäre noch größer, wenn ich Tess einen Antrag machen würde.” “Vor allem, wenn sie ja sagen würde.” Sie lachten und Thorin fing Judys Lachen mit einem Kuss ab. Zärtlich schloss er sie in die Arme und streichelte ihre Wange und über ihr Ohr. “Hochzeit hin oder her, ich liebe dich”, wisperte er und Judy erwiderte seine Worte mit einem sanften Kuss. “Und ich dich.” Weitere süße, lockende Küsse folgten und Thorin rechnete im Kopf schnell nach, wie viel Zeit ihnen noch bis zur Sitzung blieb, doch Judy drückte ihn rigoros zurück. “Der Kalender sagt nein, Liebster”, erinnerte sie ihn und deutete auf den Kalender bei ihrer Spiegelkommode. Ja, sie hatte penibel ausgerechnet und mit blauen Kreuzen in den Kalender eingetragen, wann auf gar keinen Fall miteinander geschlafen werden durfte. Plus einen Tag vorher und nachher, einfach zur Sicherheit. “Ich hasse diesen Kalender”, brummte Thorin, als er sah, dass tatsächlich noch zwei Tage blau markiert waren. “Sollten wir jemals einen Weg zurück in meine Welt finden”, meinte Judy, “kaufe ich genug Kondome plus Pillen, die für die nächsten 80 Jahre reichen.” “Ich nehm’ dich beim Wort.”

Er gab Judy einen letzten Kuss, dann schwang Thorin die Beine aus dem Bett. “Sieh es so, Amrâlimé”, sagte er über die Schulter hinweg, “dafür hast du jetzt viel mehr Zeit, um dich auf die Elben vorzubereiten.” “Urgh-” Sie fiel zurück in ihr Kissen. “Isch hasche den Kalender auch!”, nuschelte sie in den Stoff und Thorin lachte. Das konnte er nun auch nicht mehr ändern.

Judy
Das diplomatische Desaster blieb aus. Nicht, weil die Elben das Treffen vergessen hatten, sondern weil Thranduil diesmal Sowuli geschickt hatte. Offenbar war nicht nur Thorin zu der Erkenntnis gekommen, dass das letzte Treffen desaströs gewesen war. Dabei ging es meines Erachtens nach um Kleinigkeiten. So wie Thranduil früher mit Esgaroth Wein und Fisch gehandelt hatte, handelte er nun mit Thal. Bard hatte eine riesige Herde Schafe herangezüchtet, deren Wolle derart weich und warm und einfach zu färben war, dass jeder sie haben wollte. Zugegeben, er und ich waren noch immer auf Abstand, aber die Kommunikation zwischen dem Berg und Thal hatte sich gebessert. Was für Thranduil dahingehend beschissen war, dass wir nun Wolle kauften, die er haben wollte. Ergo mussten wir irgendwie ein Abkommen schließen, dass alle zufrieden stellte, ohne dass einer von uns das Gesicht verlor. Meines Erachtens nach hatten ich und Sowi einen guten Kompromiss gefunden, dem der Gesandte aus Thal sofort zugestimmt hatte. Wenn Thranduil und Thorin nun auch darauf eingingen, wäre die Sache geritzt. Mit dem Pergament in der Hand steuerte ich durch den Berg zu Thorins Büro.

Ich hatte mich in dem vergangenen Jahr an den Erebor gewöhnt - ich kannte alle Wege und alle Gänge, mich irritierten die fehlenden Geländer nicht mehr, genauso wenig wie die anderen Zwerge, die knicksten und mir den Weg frei machten. Ich hatte mich an den Geruch nach Stein und Staub genauso wie an die vielen unterschiedlichen Lichtquellen gewöhnt. Der Berg war mein Zuhause geworden mit all seinen Macken und grölenden Zwergen und der Kälte im Winter. Vorwiegend natürlich wegen meiner Familie. Dis war genau die Art Frau, die ich mir immer als Mum gewünscht hatte. Mit ihr konnte ich über alle gängigen Frauenprobleme reden, genauso wie über die Arbeit. Wir waren letztens sogar in der Grotte schwimmen gewesen. Fili war seit seiner Abreise nur für den Geburtstag seiner Mum vorbeigekommen. Nie hatte ich geglaubt, der Berg könnte erschüttert werden, aber bei der Party, die für Dis’ 160. Geburtstag abging, hat er definitiv gebebt. Eine Woche lang wurde ununterbrochen gefeiert, ich war nur schlafen gegangen um sogleich weiter Party zu machen. In meinem Alter war das noch in Ordnung, keine Ahnung wie Thorin das ausgehalten hatte.

Ansonsten war unser lieber Thronerbe jedoch komplett in Moria geblieben, hatte die Mienen begonnen frei zu schaufeln und aufzuräumen und so viel wie wusste, gingen er und Tatjanah seit ein paar Wochen regelmäßig aus. Keine Ahnung, wie tief diese Partnerschaft bereits ging, aber ich freute mich für mich ihn. Er hatte es sich verdient. Genauso wie Tess und Kili sich eigentlich ein Leben in ewiger Zweisamkeit und Liebe verdienten. Die beiden waren nach ihrem Trip durch Mittelerde erholter und verliebter zurückgekommen, als sie es jemals zuvor gewesen waren und ich hatte echt kurzzeitig geglaubt, sie würden das Klischee bedienen, Kinder bekommen, eine Midlife-Crisis durchleben und schlussendlich heiraten, um alt und klapprig zu werden. Stattdessen hatte Tess vor Kurzem ein Buch über ihre Macht und ihre Heiler-Fähigkeiten geschrieben, das Balin ihr in Khuzdul übersetzte, und baute eine Schwestern-Schule auf. Wir brauchten nicht nur Krankenschwestern sondern auch Ärztinnen, Frauenärztinnen und Lehrerinnen, die all ihr Wissen in die anderen Königreiche brachten. Ja, so gesehen war Tess eine Botschafterin.

Kili unterstützte sie absolut in ihrem Vorhaben, so wie Tess ihn unterstütze. Kili koordinierte mittlerweile ein paar der großen Minenprojekte im Berg, sowie ein paar Bauprojekte, wo auch mein Wehrgang zählte, und besuchte einmal in der Woche die Zwerglinge in der Schule zum Zeichenunterricht. Ich hätte nie gedacht, dass unser Chaoszwerg so kinderfreundlich war, aber die Kids liebten ihn und er liebte die Kids. Vielleicht war seine Chaoszwerg-Ader das eigentliche Geheimnis. Er war selbst noch innerlich so sehr Kind, dass er und die Zwerglinge sich einfach verstehen mussten. Nicht umsonst war eines seiner Herzensprojekte das Bällebad bei den Kleinsten gewesen… Hm. Ich raufte etwas die Stirn. Womöglich wollte Kili nicht nur heiraten, weil er traditionsverbunden war und Tess liebte. Vielleicht liebäugelte er mit der Idee eine Familie zu gründen und wollte die richtige Basis dafür schaffen… Nicht, dass Tess bei dem Thema Nachwuchs relaxter reagieren würde als beim Thema Heirat, aber das mussten die beiden ausfuchsen. “Eure Hoheit, warten Sie!” Ich hatte gerade bei Thorin anklopfen wollen, doch Haldur steckte den Kopf aus der Bib und winkte hektisch. “Was ist los?” Ich ließ von dem Arbeitszimmer ab und folgte ihm in die Bibliothek. Er war ein großartiger Bibliotheksmeister geworden, auch wenn Haldur überall erzählte, die Bib würde mir gehören-

“Sehen Sie, wir haben fünf Truhen voller Pergamente bekommen!”, rief er aus und deutete auf die Kisten, sorgfältig aufgebahrt auf der Empore. So wie Kili sein Bällebad liebte, liebte ich meine Bibliothek, die nur noch vom Trinity College in Dublin getoppt werden konnte- Jetzt jedoch hatte ich kaum Augen für die Bibliothek und mehr für die Pergamente und Bücher in den Truhen. “Oh!”, seufzte ich und ging vor der ersten Truhe in die Knie. Vorsichtig nahm ich eines der Bücher heraus und schlug es auf. Das Papier war so dünn, dass man hindurch sehen konnte und die Tinte so verblasst, dass sie kaum mehr lesbar war. “Oh, Haldur, die sind wunderschön! Woher kommen die?” Ich fuhr über den brüchigen Lederrücken. “Sie wurden uns gespendet. Aus Gondor persönlich, könnt Ihr Euch das vorstellen?! Offenbar hörten sie von der grandiosen Bibliothek des Erebor und wollten ursprüngliche Schriften, die dem Zwergenvolk angehören, zurückführen-” Wahnsinn. “Das muss der König sehen, los hol ihn”, befahl ich, ehe ich nach einer Pergamentrolle griff. Mein Khuzdul reichte mittlerweile für einfache Bücher, ich verstand es besser als ich es sprechen konnte. Aber so alt wie diese Schriften waren, war auch die Sprache darin. Die Runen sagten mir allesamt nichts…

“Ist etwas passiert?” Thorin kam in die Bibliothek gestürmt und sah auf die Truhen. “Was ist das?” “Spenden aus Gondor”, erwiderte ich. “Oh, Thorin sieh dir die Schriften an! Die müssen sicher über sechshundert Jahre alt sein und sie sind noch immer erhalten!” Ich seufzte erneut, roch an einem anderen Buch. Allein der Duft des Leders und des Papiers. Thorin nahm eines der Werke andächtig in die Hand. “Selbst ich verstehe ich die Runen nicht”, murmelte er. “Mein Alt-Khuzdul ist seit Jahren eingerostet.” “Ich finde jemanden, der uns die Bücher übersetzt, sobald sie restauriert sind”, versprach Haldur. “Diese Bücher sind ein Schatz, der eigentlich in unsere Schatzkammer gehört”, murmelte ich. “Sie müssen wertvoller sein als deine Krone, Liebling.” “Nicht ganz-”, grummelte Thorin und ich grinste ihn an. Fast schon zärtlich legte ich die Rollen wieder zurück. “Haldur, ich betraue dich mit der Restauration, ja? Und ich werde bei den Schreinern sogleich eine neue Glasvitrine in Auftrag geben. Die wertvollsten Werke werden ausgestellt werden.” “Gewiss, Eure Hoheit.” “Und du Thorin, musst einen Brief an Gondor verfassen und herausfinden, wie wir uns bedanken können. Nie im Leben können wir dieses Geschenk einfach annehmen…”

“Dafür sind Geschenke da, Amrâlimé…” “Nein, sind sie nicht. Ich möchte nicht behaupten, dass Gondor einen Hintergedanken hatte, aber des guten Willens wegen, müssen wir unsere Dankbarkeit zeigen. Also sei kein Geizhals und frage nach.” Sein Blick wurde etwas finster. “Ich bin kein Geizhals-” “Manchmal schon.” Ich zog mich auf die Beine und strich ihm über die Wange, hinein in die dunklen Haare, die noch genauso seidig und weich waren wie bei unserer ersten Begegnung. Er trug ein paar mehr Zöpfe, vermutlich um das Grau zu verbergen, das sich langsam aber sicher Bahn brach. Thorin gab mir einen Kuss auf die Stirn. “Bitte”, sagte ich ein letztes Mal, “tu es für mich.” “Mahal”, seufzte Thorin und sah zu Haldur. “Wenn sie so anfängt, habe ich verloren-” “Eure Majestät, ich denke doch, dass Euch die Entscheidung nur halb so schwer fällt, wie Ihr zugeben wollt-” “Oh ja”, bestätigte ich leise und wurde in die Seite geknufft. “Willst du mir nicht sagen, was bei den Verhandlungen herausgekommen ist?”, wechselte Thorin bewusst das Thema. “Ohje. Und wie ich das will Liebling”, säuselte ich übertrieben. Ich hob die Hand in Haldurs Richtung. “Halt mich auf dem Laufende, ja?” “Gewiss, Eure Hoheit.” “Und du weißt, dass du mich duzen kannst!” “Das sagt Ihr mir seit einem Jahr. Es wird nichts ändern-” “Nun und ich werde nicht mit meiner eigens begonnen Tradition brechen. Auf Wiedersehen Haldur.” “Auf Wiedersehen, Eure Hoheit.”

Grinsend folgte ich Thorin hinaus. “Ich habe mit Sowi einen guten Kompromiss gefunden”, sagte ich und gab Thorin die Papiere weiter, “du musst nur noch unterschreiben, ebenso Thranduil.” “Kannst du mir eine Zusammenfassung geben?” “Nun, die Elben sind zahlenmäßig mehr als wir, leben jedoch in wärmeren Gefilden. Wir konnten uns einigen, dass Thranduil das Deckhaar für seine Roben und Zeug haben kann, während wir das dicke Unterfell der Tiere für unsere Mäntel und Schals und so nutzen können.” “Wir stellen das Land, Am-” “Ich weiß, Thorin, das habe ich nicht vergessen. Du liegst mir seit Wochen damit in den Ohren. Weshalb ich kurzerhand einen Pachtvertrag mit Thal aufgestellt habe unabhängig der Schafe. Bard darf sich entscheiden ob er mit Gold oder anderen Ressourcen handeln möchte, damit hätten wir Thranduil aus der Gleichung. Vor allem weil ich stattdessen eine Kooperation unserer Apotheker mit dem Waldlandreich angeleiert habe. Ich denke die beiden Zünfte können voneinander lernen und auch wenn es dir nicht gefällt - die Orangen aus dem Waldlandreich sind nun mal geiler als unsere. DIe genauen Preise und Absprachen stehen hier in der Mappe, ich habe auf jeden Fall versucht, dass alle Parteien gleichmäßig behandelt werden-”

Thorin konnte sich nicht ganz entscheiden, ob er sauertöpfisch oder zufrieden aussehen sollen, weshalb ich kurzerhand die Hände an seine Wangen legte und ihn liebevoll küsste. “Du bist mit Abstand die beste Regentin, die sich dieser Berg wünschen kann”, murmelte Thorin. “Bist du zufrieden, ja?” “Absolut. Du bist für diese Position geboren worden.” “Nicht ganz, aber als Journalistin habe ich ja auch eine… Art Scharnier zwischen verschiedenen Gruppen dargestellt. Würdest du mich in meinem eigentlich Beruf sehen, wärst du erst Recht beeindruckt.” “Ist das der zehnte Wink mit dem Zaunpfahl diese Woche, über diese Zeitung nachzudenken, ja?”, seufzte Thorin und nahm mir die Papiere ab. “Na, keine Zeitung eher ein… Flugblatt!” EreborNews herauszugeben wäre Wunschdenken, aber allein einen Artikel pro Woche schreiben zu können- Und hier wimmelte es von Geschichten! “Amrâlimé, sobald meine Männer verstanden haben, wie dieser… Buchdruck funktioniert, dürfen die Diskussion gerne wieder aufnehmen. Bis dahin-” “Ich schreibe es mit der Hand!” “Ja? 500 Flugblätter mit der Hand?” Ich wusste, dass das idiotisch war, aber ich vermisste meinen Job zunehmend. Je besser es mir ging, je besser ich mich im Berg einlebte, desto lieber würde ich mich hinter meinen iMac klemmen und schreiben.

Aber mein Verständnis über den Buchdruck war sehr rudimentär. Ich wusste ungefähr wie die Setzmaschinen im 15. und 16. Jahrhundert funktioniert hatten, aber die Technik dahinter… Wieso hätte ich mir damit näher beschäftigen wollen. “Irgendwann”, sagte ich abschließend, “werde ich im Großen Saal stehen und die erste Ausgabe von EreborNews vorstellen, du wirst schon sehen.” Weiteres Seufzen seinerseits. “Was immer du willst-” Er drückte mir einen Kuss auf die Schläfe. “Ich muss weitermachen, bis nachher.” “Mach eine Pause!”, warnte ich. “Lüften, etwas Bewegung und Obst!” Thorin war Krieger und mir war schon letztes Jahr aufgefallen, dass die viele Büroarbeit ihm nicht gut tat. Er hielt sich fit, keine Frage, aber die schlimme Vergiftung hatte natürlich Schäden hinterlassen, weshalb ich ihn vermehrt zwang, Obst und Gemüse zu essen, regelmäßig zu lüften und auch mal eine halbe Stunde Pause einzulegen um einen kleinen Lauf zu unternehmen oder wenn er erschöpft war, sich hinzulegen. Manchmal sammelte ich ihn auch ein, damit er es nicht vergaß, schwänzte oder allein machen musste. “Ich verspreche es dir”, erwiderte Thorin. “Ich werde einer der wenigen Zwerge sein, die älter als 300 werden, weil meine Frau mich derart hegt und pflegt-” “Genau so”, grinste ich. “Bis nachher, Liebster-”

Thorin verschwand wieder in seinem Arbeitszimmer, während ich den Weg zu den Ställen einschlug. Velvet war meine Auszeit von meinem Leben als Regentin geworden. Alle zwei Tage versteckte ich mich gut zwei Stunden im Stall und ignorierte alles um mich herum. Es musste schon ein Erdbeben, einen Orkangriff oder einen Drachenangriff geben, dass ich mich während dieser Zeit dann um königliche Angelegenheiten kümmerte. Zu meiner Überraschung fand ich Kili im Stall vor, wie er seinem Pferd Arjax den schweren Sattel auflegte. “Hey Chaoszwerg, was geht?”, begrüßte ich ihn und umarmte ihn kurz. “Du hast ja gute Laune”, brummte er. “Nun, ich habe erfolgreich den Elben-Zwerg-Konflikt um die heißbegehrte Schafwolle aus Thal beigelegt und anschließend fünf Truhen voller alter Pergamente bekommen… Das ist ein sehr, sehr guter Tag für mich gewesen.” “Na dann.” Ich wusste, dass er wegen Tess etwas wortkarg war, weshalb ich ihm sein Grummeln nicht übel nahm. “Wohin geht’s denn?”, fragte ich. “Nach Norden raus, zum Nordfluss. Wir hatten da mal Aussichtsposten gehabt zu den Grauen Bergen hin. Schließlich konnten die Orks aus Gundabad ohne gesehen werden vor zwei Jahren einfach so passieren.”

“Kann ich mitkommen?” Kili hielt im Festsurren der Sattelbänder fest und musterte mich misstrauisch. “Ist das ein Versuch mit mir über Tess zu reden?” “Nein? Ich war noch nie dort oben, ich bin nur neugierig.” “Hm. Gut von mir aus, aber du brauchst noch eine Waffe.” “Zum Glück haben wir beim Trainingsplatz eine große Waffenkammer”, entgegnete ich trocken. “Ich hole mir nur V.” “Alles klar. Lass uns in zehn Minuten beim Gatter treffen.” Ich verschwand zu Velvet in die Box, der mich mit einer dicken Portion Heu im Maul begrüßte. Selbst sein Wiehern klang, als hätte er sich etwas zu viel zugemutet. “Los, kau mal aus”, sagte ich zu ihm und legte ihm das Halfter um. “Wir gehen ausreiten, du wirst fett-” Er schnaubte nur, als wäre er damit vollkommen okay. Vermutlich war er das auch. Er war schließlich ein zwergisches Pony, richtig? Ich band ihn an, putzte ihn zügig über und warf ihm den Sattel auf. Ich war richtig stolz auf mich, dass ich ihn wieder so gut hinbekommen hatte, dass er sich selbst im Gelände gut reiten ließ. Was wäre es für eine Verschwendung gewesen, ihn einzuschläfern. Wir machten noch einen Abstecher bei der Waffenkammer. Wir gingen nie unbewaffnet raus, aber so viel wie ich wusste, war der Norden noch etwas tückisch und ich wollte nicht nur ein Messer dabei haben.

Zum Glück hatte ich kein Kleid an. Mit dem konnte ich zwar genauso gut reiten mittlerweile, aber die Schwerter verhedderten sich immer in dem Stoff, weshalb meine Lederhose und die Bluse deutlich angenehmer waren. Ich zog mir noch eine Fliesjacke drüber und ein Stirnband - so warm war es nun doch noch nicht - und ritt dann zu Kili rüber, der bereits am Gatter wartete und derweil einen Apfel verdrückt hatte. “Bereit, Eure Hoheit?”, fragte er und warf den Stumpf weg. “Absolut. Und Sie, Eure Majestät?” “Ebenso.” Wir grinsten uns an und ritten los.
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