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Blutjagd

von J Sparrow
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16 / Gen
Nscho-Tschi Old Shatterhand Sam Hawkens Winnetou
04.04.2021
09.05.2021
3
3.600
2
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
15.04.2021 882
 
Sternenklare Nacht und tief dunkler Himmel. Ach schön.

Guten Abend!
Ich entschuldige mich für meine Abwesenheit und liefere mal schnell ein neues Kapitel. Ich muss gestehen, ich bin hier auf vollkommenem Neuland und habe bisher nur Krimi/Thriller geschrieben und kein Western. Ich hoffe auf Feedback ;)
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Ich blickte an Tokvi-kava vorbei, als plötzlich weitere Indianerkrieger, aus dem Schatten der Felsen, auftauchten. Es dauerte nur Sekunden, bis nach Winnetou, auch ich die Krieger einem Stamm zuordnen konnte. ...

Mit einem zornigen Ächzen, blickte Winnetou erst Tokvi-kava und darauffolgend den Häuptling der Sioux erzürnt an. Hong-peh-te-keh war in eine schwarze und unbeschmückte Lederjacke gehüllt und trug die schwarze Haut einer Schlange um den Oberarm gebunden. Es war das Zeichen seines Stammes. Hong-peh-te-keh trat nun neben Tokvi-kava und musterte Winnetou herablassend: „Lange nicht gesehen, Winnetou.“ Auch in der Stimme des Sioux lag Verachtung und Beleidigung. „Hong-peh-te-keh.“, erwiderte der Apache nur und senkte den Kopf leicht zur Begrüßung, wusste seine Wut hinter fälschlicher Höflichkeit zu verdecken. Doch Winnetous Körper war angespannt. Die beiden Häuptlinge wollten definitiv nichts gutes und die Krieger, die hinter ihnen standen, belegten ihren Blutdurst. Eine böse Vorahnung darauf, was die Indsmen hier her verschlagen hatte, musste meinen Blutsbruder und mich bereits beschlichen haben.

Ich sah, dass Winnetou jede Bewegung der Feinde verfolgte, stets bereit zu parieren. Und seine Anspannung, versetzte mich in Alarmbereitschaft. „Du bist verletzt.“, stellte Hong-peh-te-keh fest und wies auf den cremeweißen Verband, der um den Oberkörper des Jüngeren gebunden war. Undefinierbar war Hong-peh-te-kehs Ausdruck. Wir aber verstanden, was der Sioux uns damit sagen wollte: Winnetou war ihm unterlegen. Und so widerstrebend es schien, diese Feststellung stimmte sogar. Winnetou und ich waren in der Unterzahl und hatten gegen die, mindestens ein Dutzend, Krieger der feindlichen Stämme keine Chance.

„Was treibt die Sioux und die Comanchen hier her? Was wollt ihr in den Plains der Apachen?“, warf Winnetou ihnen ernst entgegen und durchbohrte die Beiden mit seinen stechenden Augen. Obwohl der Apachenhäuptling mehrere Jahre weniger zählte, als die beiden anderen Häuptlinge, war er ihnen in keinster Weise nachgestellt. So schlau und überlegt, doch gleichermaßen schnell und kräftig wie Winnetou, war kein Indianer gewesen, den ich bisher kennengelernt hatte und ein jedes Gegenüber, wusste das.

Stille erhöhte die Spannung unglaublich. Ich umfasste meinen Henrystutzen fester und wartete auf das Unvermeidbare. Der großgewachsene und muskelbeschmückte Comanchenhäuptling lachte plötzlich laut und typisch auf, bis seine tiefe Stimme das Lachen ablöste. Mit einem finsteren Grinsen sagte er, antwortend auf Winnetous Frage: „Dich.“, und ergriff im nächsten Sekundenbruchteil sein Messer! Sowohl Winnetou als auch ich hatten den Angriff kommen sehen und so parierte Winnetou das Messer seines Erzfeindes, welches ihm erst vor Kurzem so gefährlich geworden war. Der Kampf entbrannte und es dauerte nur wenige Sekunden, bis die Krieger der Häuptlinge sich zu ihnen gesellten.

Wir kämpften Seite an Seite, parierten die Gegner Rücken an Rücken. Die Schlauheit und Flinkheit, von der wir dabei Gebrauch machten, kam uns im Kampf ungemein zu gute, doch lange konnten wir die Eindringlinge dennoch nicht abwehren. Es waren einfach zu viele. In wenigen Sekunden passierte alles gleichzeitig: Ich wurde von mehreren Kriegern überrannt und gefesselt. Mein Henrystutzen landete unerreichbar im Sand und ich war wehrlos von mindestens sieben Kriegern bewacht. Der Ruf Winnetous erreichte mich: „Hyiâ!“, schrie er wutentbrannt und wehrte sich unentwegt. Doch die Feinde wussten den Apachen zu packen und mit dem nächsten Wimpernschlag, legte sich der Lauf meines eigenen Gewehrs auf meine Stirn. Die unmissverständliche Drohung damit präzise und tödlich platziert. Hass und Wut legte sich auf Winnetous Antlitz und feurige Blitze schienen aus seinen, nun fast schwarzen, Augen zu schießen.

Ich teilte seinen Zorn, doch galt der Meine auch mir selbst, denn ich hatte Winnetou in diese missliche Situation gebracht. Winnetous Blick glitt zu mir und ich schüttelte verneinend mit dem Kopf. Doch Winnetou hob die Hand kapitulierend, gab sich den Kriegern, die um ihn herum standen widerstandslos hin. Sein Leben gegen das Meine, ohne, dass ich da irgendein Wort mitzureden hatte. Im nächsten Augenblick wurde der Apache brutal zu Boden geschlagen und von unerbittlicher Schwärze bemächtigt. Er blieb bewusstlos im heißen Sand liegen. Ich bäumte mich in meinen Fesseln auf und versuchte die Gegner abzuwehren, doch erfolglos.

Ich besah mir den jüngsten der anwesenden Häuptlinge und konnte nicht verhindern, dass Sorge sich meiner bemächtigte. Noch ruhte die tiefe Wunde blutlos unter dem Verband, aber eine solch rüde Behandlung beschwor ein erneutes Aufbrechen des Schnittes nur so herauf. Winnetou musste nach wie vor starke Schmerzen haben und war dementsprechend geschwächt. Wie sehr verfluchte ich, dass ich ihm nicht hatte helfen können, nein schlimmer noch, es erst soweit hatte kommen lassen.

Es war ein Spiel mit dem Feuer, welches wir hier wagten. Und doch kam uns die Gefangennahme gelegen, denn sie schaffte Ablenkung.
Tokvi-kava kniete sich zu dem bewusstlosen Apachen: „Du solltest damit aufhören bei jedem Kampf besinnungslos im Sand zu landen, Apache.“, lachte er dreckig und hob den Jüngeren alsdann vom Boden. Wir wurden rigoros mitgenommen.

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-- FORTSETZUNG FOLGT --

Danke fürs Lesen!
Wer sich jetzt fragt, weshalb das Kapitel "Schwarze Schlangen" heißt: Sioux bedeutet Schlange und Hong-peh-te-keh trägt bei mir schwarzes Leder.
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