Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Blutjagd

von J Sparrow
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16 / Gen
Nscho-Tschi Old Shatterhand Sam Hawkens Winnetou
04.04.2021
09.05.2021
3
3.600
2
Alle Kapitel
10 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 
04.04.2021 1.295
 
In dieser, nun aufgefassten Geschichte, die wie ich  sicher bin, mehr als einen Abend zu lesen einnehmen  wird, werde ich euch in eines der Abenteuer entführen, die mein Blutsbruder und ich erlebt haben.

Endete der letzte Roman bei der Trennung Winnetous und mir von den zwei Weißen und unserem guten Freund Sam, so findet diese Reise ihren Beginn an dem selben Ort und zur selben Zeit. Wir würden den feindlichen Indsmen entgegentreten und damit ein gefährliches Ablenkungsmanöver starten. Wie üblich für diese, die meinen Bücher, schreibt sich die Geschichte aus meiner Sicht. So ist es mir verwehrt euch über alle Sachverhalte und Geschehnisse aufzuklären, zumaßen jene, die den guten Sam Hawkens und die beiden Eheleute Jamie und Claire Fraser betreffen.

Doch glaubt mir, wenn ich euch sage, dass alleine das Abenteuer meines treusten und wertvollsten aller Freunde und mir, euch den Atem rauben wird.
Nun aber zurück zu der gefährlichen Situation mit unserem Feind.




Die Hufe meines treusten Gefährten während all meiner Zeiten im Westen, schlugen auf dem sonnengetrockneten Boden auf. Wir folgten den, in die Erde gestampften, Hufspuren der Reiter. Knorrige tote Bäume ragten in den wolkenlosen Himmel auf und warfen skurrile Schatten auf den ausgedörrten Prärieboden. Der späte August hatte den Sommer noch immer nicht enden lassen wollen und es war weiterhin brühend heiß in Arizona. Winnetou lenkte seinen Mustang geschickt durch das hügelige Gelände, dicht gefolgt von Hatatitla, mit mir auf dem Rücken. Wir befanden uns am nördlichsten Rande der Apachengebiete, mit dem atemberaubenden Blick auf den Nugget Tsil Mountain, den die Apachen als Beschützer ihres Landes ansahen.

Jedoch hatte ich dafür heute kein Auge übrig. Der Westen wurde unruhiger und mittlerweile waren es nicht mehr nur die Anfeindungen zwischen weiß und rot, die mir Sorge bereiteten. Sondern eben auch jene zwischen den unterschiedlichen Indianerstämmen. Einstige Verbündete wurden zu Feinden und Bedrohungen von allen Seiten stiegen in Rauchzeichen empor. Die Sioux befanden sich auf dem Kriegsfuß und ihre Drohung lag unmissverständlich in der Luft,
ritt drohend über den Boden.

Ob es tatsächlich die Sioux waren, dessen Spur wir verfolgten würde sich noch herausstellen. Doch wie ich befürchtet hatte, hielt es Winnetou für angemessen, die Grenze im Auge zu behalten und die Gegner kommen zu sehen. Denn alles was sie wollten, war Winnetou selbst. Befand Winnetou sich nicht in Dorfnähe, würde sein Stamm in Sicherheit bleiben und das war sein oberstes Ziel. Die Apachen mussten gewarnt werden und genau diese Aufgabe hatte der Apachenhäuptling Sam Hawkens und den beiden weißen Eheleuten Jamie und Claire Fraser aufgetragen. Wir würden indes die vermuteten Feinde ablenken und versuchen eine Hetzjagd durch die Prärie abzuwehren.

Plötzlich zügelte Winnetou seinen Iltschi und hob die Hand, ich verstand augenblicklich und hielt neben dem Häuptling. Unweit von uns waren Gestalten zu sehen, die aus dieser Entfernung jedoch lediglich kleinen schwarzen Punkten glichen. „Glaubst du das sind Sioux?“, fragte ich den Indianer neben mir und sah in die Ferne. Der Apachenhäuptling beschattete mit seiner linken Hand seine Augen und blickte mit Adlerblick in die Richtung: „Es scheint mir so.“, erwiderte er und trieb seinen schwarzen Mustang wieder an. Mit Unbehagen erkannte ich, dass Winnetou genau in die Richtung der schwarzen Punkte ritt. Da mir die Möglichkeit ihn aufzuhalten nicht gewährt war, folgte ich ihm.

Näher und näher kamen wir den Gestalten am Horizont und ich erkannte, dass es mindestens sechs Personen mit Pferden sein mussten. Mir war mulmig zu mute, ja ich war sogar alarmiert. Ich spürte, dass etwas bedrohliches in der Luft lag und ein Blick zu meinem indianischen Freund bedeutete mir, dass Winnetou es ebenfalls spürte, wenn nicht sogar sicher wusste. Doch Winnetou wollte der Quelle der Gefahr auf den Grund gehen und sie aus der Welt schaffen. So hielt er nicht an.

Wenige hunderte Meter trennten uns von den Fremden, die durch das Apachenland streiften. Große Steinbrocken, die umgeben von dichtem Gebüsch waren, lagen unweit der sechs Eindringlinge und ich ahnte, dass es Hinterhalt war. „Winnetou.“, zischte ich mit belegter Stimme und fügte mit einem ernsten Blick und warnendem Ton hinzu: „Das könnte ein Hinterhalt sein.“ Die dunkelbraunen Augen des Angesprochenen legten sich für einen Moment auf mich und ich erkannte in ihrem Ausdruck, dass Winnetou keineswegs einen Zweifel daran hegte. Es war eine Falle. Längst hatten uns die Fremden, die unverkennbar Indianer sein mussten, bemerkt, schließlich ritten wir ihnen auf offenem Feld entgegen. Nach wie vor konnte ich nicht sehen, um welchen Stamm es sich handelte und ob es tatsächlich die feindlichen Sioux waren, die einen Angriff versprochen hatten.

Als wir soweit heran geritten waren, dass der große heilige Berg der Apachen in unserem Rücken lag, zügelte Winnetou endlich sein Pferd. „Das sind keine Sioux.“, sagte er an mich gewandt, doch meine Erleichterung blieb aus, denn Winnetous Ausdruck, zeigte mir, dass er dennoch beunruhigt war. Kontrovers und beinahe gruselig ruhig führte er mit tiefer Stimme seine Beobachtung zu ende aus: „Das sind Comanchen.“ Mich durchzog ein Schauder. Winnetou war vor wenigen Tagen mit Tokvi-kava, dem Häuptling der Comanchen gefährlich aneinandergeraten. Ein heftiger Kampf war entbrannt und nur um Haaresbreite war Winnetou den ewigen Jagdgründen seines Volkes entgangen. So trug ich die Besorgnis um meinen Blutsbruder, nach wie vor im Herzen und sie war es, die mich zusätzlich nervös machte. Die tiefe Schnittwunde, die Winnetou vom Kampf getragen hatte, erlaubte wohl allen Grund zur Sorge. Er konnte nun unmöglich vorhaben, den Feinden bloßgelegt in die Arme zu laufen! Winnetou stieg von dem Rücken seines Pferdes und überwand die letzten Meter zu Fuß. In dem Moment wurde mir gewahr, dass er ganz genau das vor hatte. Und ich konnte nicht verstecken, dass mir sein Plan nicht gefiel. „Winnetou, apreo (halt)!“, appellierte ich an ihn, doch erlangte nicht mehr seine Aufmerksamkeit. Ich kam Winnetous Aktion nach und stieg ebenfalls von meinem Hengst, schritt neben meinem Blutsbruder den Comanchen entgegen.

Die tiefe Stimme des Comanchenhäuptlings flog uns bereits entgegen, bevor wir gänzlich bei ihnen angekommen waren: „Na wen haben wir denn da?“ Winnetou hob arrogant sein Haupt und gebot dem Schmach seines Erzfeindes Einhalt. Doch so einfach ließ, der mindestens fünfzehn Jahre ältere Häuptling Tokvi-kava sich nicht einschüchtern. Begleitet von einer prüfenden Musterung, spuckte er aus: „Tokvi-kava hatte dich für tot gehalten. Haben die Krieger der Comanchi dich doch elendig verreckt im Sand liegend aufgefunden!“ Ein ekelhaftes Grinsen legte sich auf das Gesicht des Comanchen und mir wurde heiß vor Wut. Winnetou verschwendete keine Worte an die derben Anspielungen seines Gegenübers und blickte den Comanchen lediglich stark an. Auch ich beließ es dabei still zu bleiben, denn ich ahnte, dass die Situation jederzeit zu eskalieren drohte.

Das Kriegsbeil war zwischen den beiden Häuptlingen schon seit Jahrzehnten ausgegraben. Bereits als Winnetou, damals noch Sohn des Häuptlings Intschu Tschuna, den Comanchen das erste Mal traf, entbrannte eine Anfeindung zwischen dem Comanchenhäuptling und dem damals jugendlichen Häuptlingssohn. Und diese war weitaus brutaler und kräftiger, als die allgemeine Gegnerschaft zwischen den Stämmen selbst. Die Apachen und die Comanchen waren seit unzähligen Zeiten Feinde, doch Winnetou und Tokvi-kava hegten eine viel wütendere und explosivere Feindschaft. Das letzte Mal, als sie ihre Messer gegeneinander erhoben, war Winnetou gefährlich verletzt worden und konnte nur aus reinstem, zufälligem Glück gerettet werden. Ich blickte an Tokvi-kava vorbei, als plötzlich weitere Indianerkrieger, aus dem Schatten der Felsen, auftauchten. Es dauerte nur Sekunden, bis nach Winnetou, auch ich die Krieger einem Stamm zuordnen konnte.



--~--~--~--~--~--~--~--~
Hallo erstmal! Ich wage hier gerade wirklich viel. Diese Geschichte hier ist (Überraschung) ein Zweiteiler. Während Teil 1 bereits geschrieben ist, habe ich jedoch beschlossen Teil 2 zuerst hier hochzuladen. Denn die Backstory zu den Anspielungen dort oben, hat eher weniger mit dem herkömmlichen Winnetou zu tun. Ich hoffe auf Feedback und bedanke mich fürs Lesen. ;)  

Fröhliche Ostern an Alle!
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast