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Ein neuer Anfang

von MrsLivi
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Ben Beckman der Rote Shanks
03.04.2021
21.04.2021
12
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07.04.2021 1.554
 
Wäre Ben von der Tatsache, dass der Bürgermeister etwas bewusst verschwiegen hatte, nicht so misstrauisch geworden, dann hätte er sich über das Gespräch zwischen ihm und Shanks amüsiert. Doch so raste sein Verstand und grübelte, was er wohl noch alles verschwiegen hatte. „Ben, lass gut sein. Du hast doch gehört, dass er sich auch nicht sicher ist, woher Liv kommt. Timo hat sie einfach vor ungefähr einem Jahr mit an Land gebracht und gesagt, sie wäre wohl eine Schiffbrüchige. Er hat auch schon versucht herauszufinden, von welchem Schiff, aber da gab es nichts.“ „Also hat er es einfach gelassen und lässt eine Fremde, die vielleicht auch zur Marine gehören könnte, einfach so hier herumspazieren?“ Ben zweifelte quasi von jetzt auf gleich an jeder Aussage des Bürgermeisters, doch Shanks wank ab. „Ich glaube nicht, dass sie zur Marine gehört. Immerhin wohnt sie schon seit einem Jahr bei Timmothy und der nimmt niemand bei sich auf, von dem er glaubt, dass da auch nur eine entfernte Beziehung zu den Weißröcken besteht.“, versuchte der Rothaarige die Gedanken seines Vize zu beruhigen. „Aber ich gebe dir Recht. Wir sollten mit Timo reden. Jetzt.“ Ben nickte und gemeinsam machte sich die beiden mächtigen Piraten am frühen Abend auf den Weg zu dem alten Fischer.
Dieser war über den unerwarteten Besuch mehr als überrascht. „Shanks, Ben. Was führt euch denn zu mir?“, wollte er wissen, als er die Tür geöffnet hatte. Auch wenn er ihnen eine Frage stellte, so bat er sie doch mit einer Geste herein. „Timo, wir haben eine Frage an dich.“, begann der Kaiser, doch griff der Alte vor. „Es geht um Liv, richtig?“ Der Rothaarige nickte nur, während Ben schwieg. Stattdessen blickte sich der Vize aufmerksam um, musterte jedes noch so kleine Detail und würde sich je Geste merken. „Wer ist sie? Der Bürgermeister hat uns nichts von ihr erzählt und Ben war entsprechend überrascht, als er sie heute im Buchladen angetroffen hat. Noch dazu, weil sie offenbar hier wohnt und sich auch um Mia kümmert.“, begann Shanks. „Ich habe vorhin den Bürgermeister noch einmal angerufen und explizit nach ihr gefragt, aber er schien sich auch nicht so sicher, was er von ihr halten soll. Er hat mir nur gesagt, dass du sie mit an Land gebracht hast und sie eine Schiffbrüchige ist. Du weißt, dass das nicht stimmt. Ich will wissen wo sie herkommt, wer sie ist.“ Mit einem schweren Seufzer ließ sich Timo auf einen Stuhl fallen. „Ich kann … nein ich werde es dir nicht sagen.“, erklärte er matt und gab den beiden mächtigen Männern zu verstehen, dass er noch nicht fertig war. „Genau weiß ich auch nicht wo Liv herkommt, aber sie ist nicht gefährlich für euch oder die Bewohner. Ich weiß nicht, in wie weit es stimmt, was sie mir gesagt hat, aber ich glaube ihr. Sie hat für alles, was ich von ihr wissen wollte eine Erklärung. Auch wenn es mir mitunter schwerfällt diese zu glauben, so lügt sie nicht. Ich werde ihr sagen, dass ihr zwei hier wart und nach ihr gefragt habt. Und auch, dass ihr mehr über sie erfahren wollte, weil sie eben im letzten Jahr noch nicht hier war. Du bist unser Schutzpatron und daher solltest du wissen, wer hier neu ist und wer nicht.“ Doch nicht der Kaiser antwortete, sondern Ben. „So wie du es eben formuliert hast, klingt es so, als wäre sie gar nicht da.“, stellte er neutral fest und blickte dem Alten direkt in die Augen. Dieser konnte dem durchdringenden Blick der hellen Augen nicht standhalten und sah weg, bevor er antwortete. „Ja, sie und Mia sind gemeinsam einen Spaziergang machen. Ich vermute, sie sind im Wald unterwegs. Liv weiß viel und bringt der Kleinen einiges bei. Und wenn ich vorhin richtig gesehen habe, dann hat sie auch ihre Armbrust dabei. Ich hoffe, dass die zwei erfolgreich sind, dann haben wir wieder leckeres Wildfleisch auf dem Tisch.“ Ben und Shanks sahen sich an. „Sie kann jagen?“, wollte Shanks wissen und er hielt ein kurzes Auflachen als Antwort. „Ja, sie kann auch jagen. Liv ist eine ganz passable Kämpferin und weiß, wie sie ihre Waffen einzusetzen hat. Und ich meine damit nicht nur Armbrust oder Schwert. Sie kann auch ohne Waffen ganz gut austeilen, wenn es darauf ankommt.“ „Ich habe sie heute im Buchladen gesehen. Sie sieht nicht so aus, wäre sie sonderlich erfahren. Immerhin zeigt ihr Körper das sehr deutlich.“, warf Ben ein und brachte Timmothy zum Lachen. „Ach Ben, was weißt du denn schon. Du hast sie erst einmal gesehen und noch nicht ein Gespräch mit ihr geführt. Verrate mir eines: was schätzt du, wie alt ist Liv.“ Fragend blickte er zu dem Schwarzhaarigen auf, doch dieser schwieg mit undurchschaubarer Miene. „Ich würde vermuten, dass sie vielleicht um die zwanzig ist.“, meinte Shanks. „Ben hat mich heute Nachmittag auf sie aufmerksam gemacht, doch da waren wir weiter weg.“
Noch bevor ein weiteres Wort zwischen den drei Männern gefallen war, hörte man, wie die Tür geöffnet und geschlossen wurde und nur einen Augenblick später stürmte die kleine Mia mit zwei toten Fasanen in den Raum. „Opa, Opa schau mal. Wir haben Fasane gefangen und Liv hat mir versprochen, dass sie mir aus der schönsten Feder eine richtige Schreibfeder macht.“ Mit leuchtenden Augen blickte sie zu ihrem Urgroßvater auf, der ihr mit einem liebevollen Lächeln durch die Haare fuhr. „Das habt ihr aber gut gemacht.“, lobte er, „Aber dann darfst du die Vögel auch nicht so rumschleudern, sonst gehen die Federn kaputt. Leg sie vorsichtig hinter ins große Waschhaus. Ich kümmere mich gleich darum.“ Mit einem kurzen „Ja.“ rannte die Kleine wieder aus dem Raum. „Liv? Du hast Besuch.“, rief Timo und nur einen Lidschlag später tauchte die junge Frau in der großen Wohnküche auf. „Guten Abend Timo.“, begrüßte sie den Hausherren, bevor sie sich mit einem freundlichen, wenn auch zurückhaltenden, Lächeln Shanks und Ben zuwandte. „Guten Abend.“ Ben nickte nur, ohne den Blick von ihr zu nehmen, während Shanks sie freundlich begrüßte. „Guten Abend. Ich hoffe es stört nicht, wenn wir hier sind. Es hat uns ein wenig überrascht, dass er Bürgermeister uns verschwiegen hat, dass wir ein neues Gesicht auf der Insel haben.“, meinte der Rothaarige und deutete an, dass sich die junge Frau doch dazu setzen sollte. Doch diese verneinte. „Nein, Entschuldigung, aber ich muss mich erst um Mia kümmern. Irina hat sie mir anvertraut und ich möchte sie nicht enttäuschen.“, erklärte die Schwarzhaarige. „Geh nur Liv. Ich denke, es stört dich nicht, wenn ich Shanks und Ben zu Abendessen einlade?“ Nur ein Kopfschütteln war die Antwort, dann verschwand die junge Frau. „Ich muss schon sagen“, begann der Kaiser und blickte ihr hinterher, „sie ist wirklich außergewöhnlich, in ihrer ganzen Ausstrahlung. Und was hat sie eigentlich grade angehabt?“, fragend blickte Shanks erst zu Ben und dann zu Timmothy. „Das war ihre Jagdkleidung. Die hat sie hier zusammen mit unserer Schneiderin entworfen. Sie sieht nicht nur gut aus, sondern ist auch sehr praktisch.“ Erst jetzt erhob Ben wieder seine Stimme. „Hat man gesehen, sie hat in den Schlaufen und kleinen Taschen Wurfdolche gehabt – vier Stück auf jeder Seite, wenn ich richtig gezählt habe.“ Der Alte nickte nur, während Shanks bei dieser Situation wieder bewusst wurde, wie verdammt aufmerksam sein bester Freund eigentlich war.

„Liv, Liv, hast du gesehen war da ist?“, wurde die Schwarzhaarige im Waschhaus von Mia in Empfang genommen. „Der Rote Shanks und sein Vize Ben. Ich hab sie noch nie aus der Nähe gesehen. Hat man gemerkt, dass ich nervös war? Und hast du gesehen wie groß Ben ist?“ Die Augen des Mädchens funkelten aufgeregt und wurden bei jeder Frage größer. „Ja, ich habe sie gesehen. Und nein, man hat nicht gemerkt, dass du aufgeregt warst.“, lächelte die junge Frau sanft. „Komm, suchen wir dir eine hübsche Feder aus.“, lenkte Liv die Aufmerksamkeit des Mädchens auf etwas Anderes. „Wenn ich deine Schreibfeder fertig habe, dann kann ich dir ja zeigen, wie man aus alten Zeitungen ein neues Buch macht.“, schlug die Schwarzhaarige vor und erntete ein wildes Nicken. In Gedanken war sie jedoch bei ihren Besuchern, die wohl noch länger zu bleiben gedachten. Es dauerte eine Weile, doch schließlich hatte sich Mia für eine Feder entschieden. Gemeinsam suchten sie noch eine für ihren Großvater aus, denn der hatte ja bald Geburtstag, und dann machten sie zusammen Abendbrot. Erst als Mia Liv erzählt hatte, was sie alles von Shanks wissen wollte durfte die Schwarzhaarige wieder gehen. Die Neugier des Mädchens, welches bisweilen wie ein Wasserfall reden konnte, war unbändig und so hatte sie ihr vom Abendessen über das Baden bis hin zum ins Bett bringen fast ohne Pause erzählt, was sie alles wissen wollte und was sie schon alles über den Kaiser gehört hatte.
Als die Kleine im Bett war, machte sich Liv in ihrem Bereich des Hauses ein wenig frisch und zog sich etwas Bequemeres an. Sie atmete noch einmal tief durch und betrat dann die große Wohnküche erneut. „Da bin ich wieder.“, meinte sie mit einem freundlichen Lächeln, welches ihre Nervosität nahezu perfekt verbarg. Diese Situation fühlte sich so an, wie vor einem großen Turnier. Jede Faser ihres Körpers war angespannt und sie war extrem nervös. Doch versuchte sie, ein ruhiges und entspannteres Äußeres aufrecht zu erhalten und dazu gehörte auch dieses Lächeln. Ein Blick zu Ben Beckmann verriet ihr jedoch, dass er sie schon durchschaut hatte.
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