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Ein neuer Anfang

von MrsLivi
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Ben Beckman der Rote Shanks
03.04.2021
21.04.2021
12
17.641
 
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07.04.2021 1.474
 
Am Anfang war es schwierig für Liv. Bis auf den alten Timmothy, der lieber Timo genannt werden wollte, gab es kaum jemand, der mit ihr sprach. Die meisten waren skeptisch, insbesondere, weil niemand von einem verunglückten Schiff oder einen Sturm, bei dem Menschen über Bord gegangen waren, gehört hatte. Doch nach und nach wurden die Leute aufgeschlossener und versuchten, etwas über sie herauszufinden und sie kennenzulernen. Ihr Wissen über diese Welt besserte sich nicht zuletzt auch dadurch, dass sie am Anfang fast jede freie Minute im Buchladen von Timos Enkel Rocco verbrachte und alle möglichen Bücher las. Letztlich half sie auch dort regalmäßig mit aus und wurde letztlich zur ersten Angestellten von Rocco. Liv wohnte mittlerweile fest mit in dem großen Haus von Timo, in dem auch seine Enkel mit Familie genügend Platz fand. Irina, die Frau Roccos, hatte in dem großen Garten eine Rosenzucht und stellte auch Parfum, Seife und Öl aus den Blumen her. Seine kleine Tochter Mia war grade 7 Jahre alte und ging zu Schule, doch klebte sie an Liv, sobald sie wieder zu Hause war. Die Schwarzhaarige mochte das kleine Mädchen und half ihr regelmäßig bei den Hausaufgaben. Sie bildeten eine gute Gemeinschaft und die Nachbaren waren auch nicht mehr so misstrauisch.

Es verging fast ein Jahr und Liv war in dieser Zeit ein fester Bestandteil im Leben der kleinen Hafenstadt geworden. Vor allem ihre Arbeit im Buchladen hatte das Vertrauen der Leute gefördert. Eines Tages im Hochsommer stand Liv im Buchladen und sortierte eine neue Buchlieferung in die Regale, als sich die Türklingel bemerkbar machte. Erschrocken weiteten sich ihre Augen, als sie erkannte, wer da eben eingetreten war. Niemand geringerer als Ben Beckmann, der Vize des Roten Kaisers Shanks, einem der mächtigsten Piraten die es gab und der Schutzpatron dieser Insel, stand da und blickte die junge Frau überrascht an. Ganz offen musterte der Schwarzhaarige ihre Erscheinung, von oben bis unten. Liv trug dünne Turnschuhe, eine sehr kurze Jeans und ein bauchfreies Trägershirt und zeigte so ihre Tätowierungen wie auch die Narben, die sie in ihrem vergangenen Leben gesammelt hatte. Doch so offen wie er sie musterte, so offen betrachtete die junge Frau den Piraten. Schon auf seinem Steckbrief fand sie ihn extrem attraktiv, was vor einiger Zeit Timmothy mit einem seiner seltenen Lachen quittiert hatte. „Was denn Liv, hast du dich jetzt in Beckmann verguckt?“, hatte er damals gelacht, was Liv nur mit einem leichten Kopfschütteln quittiert hatte. „Nein, ich meine nur, dass er gut aussieht. Aber das beste Aussehen bringt nichts, wenn der Charakter beschissen ist.“, hatte sie ihm erklärt und ein zustimmendes Nicken erhalten. „Ich hätte nichts dagegen, Ben ist ganz in Ordnung und ihr zwei passt bestimmt gut zusammen.“, hatte der Alte daraufhin nur gesagt und für ungläubige Blicke bei Rocco, Irina und Liv gesorgt. „Pa, Ben würde sich nie an eine Frau binden, er ist so frei wie der Wind und so ungezähmt wie das Meer. Ich glaube nicht, dass sich daran etwas ändern würde.“, meinte Rocco. Noch bevor jemand etwas sagen konnte erklang die Stimme der kleinen Mia. „Die Mama von Rita macht sich immer ganz fein, wenn der rothaarige Pirat in der Stadt ist. Und sie bleibt manchmal über Nacht weg. Rita sagt, ihre Mama unterhält sich mit ihm und seinen Männern. Liv kann sich doch auch mal mit den Piraten unterhalten, sie sind ganz nett.“ Unschuldig blickte das Mädchen in die überraschten Gesichter der Erwachsenen. „Nein, Mäuschen“, begann Liv mit einem liebvollen Lächeln, „für so etwas bin ich nicht zu haben. Immerhin muss ich ja früh aufstehen.“
Kurz huschte ein kleines Lächeln über die Züge der jungen Frau, doch verschwand es eben so schnell wieder. Mit einer routinierten Bewegung steckte sie das Buch, welches sie grad in der Hand hatte, ins Regal und wand sich ihrem Kunden zu. „Hallo, kann ich helfen?“, fragte sie freundlich und stellte sich an die Kasse. Der mächtige Pirat sagte nichts, er betrachtete sie nur eingehend. Fragend blickte die junge Frau zu ihm und legte den Kopf dabei leicht schief, sodass ihr eine Strähne ins Gesicht viel. „Ich suche den Besitzer.“, erklärte der Pirat schließlich neutral. „Rocco ist heute nicht da. Er ist mit seiner Frau unterwegs. Übermorgen sollte er auch wieder mit hier sein. Soll ich etwas ausrichten?“ „Nein. Ich komm dann einfach noch mal.“, erklärte Ben und verließ das Geschäft. Liv konnte jedoch sehen, dass er davor stehen blieb und sich einen Zigarillo anzündete. Was sie nicht sah war die kleine Mia, die grade aus der Schule kam und fast jeden Tag zusammen mit der jungen Frau ihre Hausaufgaben machte. „Hallo Ben.“, lachte sie fröhlich und wank dem großen Mann, bevor sie in den Laden kam. „Hallo Liv. Hilfst du mir wieder?“ Das breite Grinsen des Mädchens erwiderte die Schwarzhaarige. Die herzliche Umarmung zur Begrüßung war bei den beiden ein festes Ritual geworden, genauso wie die heiße Schokolade vor den Hausaufgaben. Das Ben die beiden aufmerksam beobachtete fiel niemandem auf. Tatsächlich hatte er einfach nicht damit gerechnet einer jungen Frau in Roccos Buchladen zu begegnen. Und dann noch eine, die SO aussah. Es hatte ihn schlicht und ergreifend völlig überrascht und in diesem Moment auch überfordert. Doch noch mehr wunderte es ihn, dass der Bürgermeister nichts von ihr erzählt hatte. Noch eine ganze Weile warf er immer wieder unauffällig einen Blick in den kleinen Laden geblickt und die fremde Frau beobachtet.
„Dafür, dass du eigentlich Bücher kaufen wolltest, siehst du recht … irritiert aus.“, klang die Stimme seines besten Freundes und Kapitäns an seine Ohren. Dieser hatte etliche Geschenke im Arm und eine Gruppe von Frauen, die ihm folgte. Als sich der Vize jedoch anschloss und mit seinem Käpt’n zurück zur Red Force lief, blieben diese stehen. „Ja, das bin ich auch ein wenig.“, gestand er, wohlwissend, dass Shanks es so oder so bemerken und ihn immer weiter löchern würde. „Der Bürgermeister hat uns doch erzählt, dass es nichts neues auf der Insel gibt und alles so ist, wie immer.“, begann er mit gedämpfter Stimme. „Ja, das hat. Er meinte, es gäbe keine besonderen Vorkommnisse und natürlich, dass wir so lang bleiben können, wie wir wollen.“ Ben nickte. „Tust du mir einen Gefallen? Verschieb die Party auf morgen. Ich möchte wissen, ob du meine … Beobachtung auch so irritierend findest wie ich.“, bat der Schwarzhaarige. Nach kurzem Zögern nickte Shanks. „Nun gut, verschieben wir die Party. Die Jungs können sich ja auch ohne uns amüsieren. Wir zwei holen das einfach nach. Aber was genau ist denn eigentlich passiert?“ In der Zwischenzeit waren die beiden Freunde auf ihrem Schiff angekommen und standen an der Reling. Doch noch bevor der Schwarzhaarige etwas sagen konnte, tauchten einige der Männer auf. „Hey, Boss. Wann geht es denn heute los?“ „Ja und wohin geht es?“ Mit einem Lächeln erklärte Shanks seinen Männern, dass die Party auf morgen verschoben wurde, weil Ben etwas aufgefallen war, was der Bürgermeister verschwiegen hatte und dem wollten sie auf den Grund gehen. Verstehend nickten sie und verschwanden. Es dauerte tatsächlich nicht lange, als Ben mit einem leisen „Da.“ die Aufmerksamkeit des Rothaarigen auf die kleine Mia und die Fremde lenkte. „Das ist doch Mia, die Urenkelin von Timo, wenn ich mich nicht täusche. Himmel ist sie groß geworden.“, stellte der Rothaarige fest, bevor er der jungen Frau, um die die Kleine mit Begeisterung herumhüpfte. „Wer auch immer die junge Frau ist, sie sieht recht gut aus, findest du nicht?“ Eigentlich hatte der Kaiser mit einem Augenrollen oder so gerechnet, doch sein bester Freund nickte nur leicht. „Sie ist tätowiert und ihren Körper zieren viele Narben. Doch ihr Gesicht, ihre Augen … sie hat zwei unterschiedlich farbige Augen, Shanks. Eines eher blau und das andere eher grün. Und sie hat eine ziemlich große Narbe im Gesicht. Neben ihrem rechten Auge beginnend, über die Wange, ihre Lippen bis auf den linken Kiefer. Tätowierungen sind überall auf ihrem Körper; Symbole, die ich nicht kenne, Shanks.“, meinte der Schwarzhaarige leise und ohne den Blick von der jungen Frau zu nehmen. „Und woher…?“ „Sie stand mir im Buchladen plötzlich gegenüber. Rocco war gar nicht da. Ich wusste überhaupt nicht, was ich sagen sollte, ich hatte in keinster Weise mit ihr gerechnet.“, erklärte Ben. „Und sie hat gesagt, dass Rocco mit seiner Frau unterwegs ist und wahrscheinlich erst übermorgen wieder da ist. Sieh dir doch mal an, wie sie mit Mia umgeht. Die beiden kennen sich scheinbar schon länger, doch als wir letztes Jahr da waren, da war sie definitiv noch nicht auf der Insel.“ Shanks nickte bestätigend. „Ja und so wie es aussieht wohnt sie mit bei Timo. Schau, sie hat einen Schlüssel.“ Die beiden Männer beobachteten Liv und Mia, bis sie im Haus verschwunden waren. „Ich denke, wir rufen den Bürgermeister noch einmal an und fragen nach, wer sie ist und woher sie kommt.“, erklärte der Rothaarige und machte sich auf den Weg ins Schiffsinnere zu seiner Kajüte.
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