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Chimärenjagd

von Hopy1x2y
GeschichteSci-Fi, Liebesgeschichte / P12 / Het
03.04.2021
13.04.2021
41
65.042
3
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08.04.2021 2.041
 
Chloe

Das helle Sonnenlicht, das in den Raum fiel, weckte mich auf. Ich benötigte einige Augenblicke, bis ich registrierte, wo ich mich befand. Dann fiel es mir wieder ein: Ich war in der Nacht zu einem Wolf ins Bett gekrochen! Genau der sah mich in diesem Moment an.

»Guten Morgen!«, sagte er, während ich mich hastig aus seiner Umarmung befreite.

»Morgen ... tut mir leid ...«

»Mir eigentlich nicht.«

Ich konnte nicht anders und begann zu lachen, als mir die absurde Situation bewusst wurde. »Das gibt es doch nicht ... ob so etwas schon mal vorgekommen ist?«

»Es ist doch nichts passiert«, sagte er. »Bei allem, was wir in den letzten Tagen erfahren haben und was dir zugestoßen ist, da ist es doch nur verständlich, wenn man sich gegenseitig ... tröstet.«

»Zwischen Wolf und Katze? Frag doch mal deine Rudelchefin, ob sie von sowas schon mal gehört hat.«

Nun lachte auch Bryson. »Ich denke, das Thema werde ich mal lieber nicht ansprechen.« Er schwang sich vom Sofa und verschwand in Richtung Küche. »Ich mach uns mal Frühstück.«

»Für mich bitte einen extrastarken Kaffee!«, rief ich ihm nach. 'Den werde ich brauchen, dachte ich noch, bevor ich ins Badezimmer ging.

Lange brachte ich dort nicht zu. Dafür war später noch genug Zeit. Die Kaffeemaschine röchelte bereits und der Duft von frisch gebrühtem Kaffee durchzog die Räume, als Brysons Handy sich meldete. Ich achtete nicht weiter auf das Gespräch, sondern stellte mein Frühstück zusammen, als mein Gastgeber auch schon in der Küche erschien. Er sah reichlich verwirrt aber gleichzeitig auch erfreut aus.

»Gaiden ist wieder aufgetaucht«, sagte er und hielt das Handy in die Höhe, als ob ich so die Neuigkeit ablesen könnte. »Er ist bei Luna.«

»Dann konnte er fliehen? So wie ich?«

»Anscheinend.« Er nahm sich eine Schnitte Brot, platzierte eine Scheibe Wurst darauf und goss sich eine Tasse Kaffee ein. »Ich muss gleich los und mit ihm reden, bevor ich zum Dienst gehe.« Er deutete mit der Kaffeetasse auf mich. »Und du denk daran, was ich dir gesagt habe. Bleib in der Wohnung.«

»Natürlich, mein Gebieter.«

»Du weißt genau, warum ich dir das sage. Gestern ist es noch einmal gut gegangen, aber so viel Glück haben wir bestimmt nicht immer.« Er nahm sich einen der Behälter vom Wohnzimmertisch. »Ich werde Gaiden fragen, ob er so etwas dort gesehen hat, wo man ihn festgehalten hat.«

»Wahrscheinlich trägt er jetzt so ein Ding in sich«, sagte ich. »Du solltest ihn von Stephen untersuchen lassen.«

»Ich spreche mit Luna darüber.«

Er hastete ins Bad und tat das, was man eigentlich eher jemandem wie mir nachsagte: Er vollführte eine Katzenwäsche. In großer Eile zog er sich an, murmelte einen Abschiedsgruß und war schon verschwunden, bevor ich noch etwas sagen konnte.
*****
Ich machte mich nützlich und wusch ab, bevor ich das Bettzeug von unserem gemeinsamen Nachtlager wegräumte. Es roch nicht nur nach mir, sondern auch intensiv nach Wolf. Noch vor ein paar Wochen hätte ich den Geruch kaum ertragen können, aber bei ihm war es etwas anderes. Hatte ich mich bereits daran gewöhnt? War das denn normal? Zu schade, dass ich niemand fragen konnte und ich hatte arge Zweifel, ob ich im Internet etwas darüber finden würde.

Plötzlich sträubten sich meine Nackenhaare. Gefahr! Es war eine Art sechster Sinn, der mich warnte. Waren da Schritte im Hausflur vor der Wohnung? Es gab mehrere Wohneinheiten auf dem Stockwerk, daher wäre es kein Grund gewesen, sich Sorgen zu machen. Dennoch zog ich mich in das Badezimmer zurück und ließ die Tür einen Spalt offen. Die Trittgeräusche erstarben und ich hörte stattdessen leise Geräusche, die sich so anhörten, als ob jemand einen Schlüssel ins Türschloss schieben würde. Bryson war es nicht, also konnte es sich nur um Einbrecher handeln. Waren es Mitglieder seines Rudels? Wollten Sie mich einfangen?

Die Haustür schwang auf und ich sah von meinem Versteck aus zu, wie zwei Männer die Wohnung betraten. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Es waren Menschen, keine Wölfe. Einer von ihnen schloss die Tür, während sich der andere im Flur umsah.

»Scheint ’ne kleine Bude zu sein, Alex. Sollte nicht schwer werden, hier etwas zu finden.«

»Dann fang an zu suchen. Ich nehm mir das Wohnzimmer vor, du beginnst im Flur und Bad.«

Das war mein Stichwort. Ich zog mich leise von der Badezimmertür zurück und stellte mich so, dass ich von der geöffneten Tür verdeckt wäre. Lange musste ich nicht warten, bis die Tür aufgedrückt wurde und das Deckenlicht aufflammte. Der Kerl schob sich in den Raum und drehte mir dabei den Rücken zu - meine Chance. Wieselflink sprang ich ihn an, und ehe er einen Ton sagen konnte, hatte ich bereits den Arm um seine Kehle gelegt und drückte ihm die Luft ab. Hilflos fingerte er an meinem Unterarm herum und versuchte, sich aus dem Griff zu befreien. Doch sehr schnell ging ihm die Luft aus und er verlor das Bewusstsein. Als seine Gegenwehr vollends erstorben war, ließ ich ihn vorsichtig zu Boden gleiten und untersuchte oberflächlich die Kleidung.

»Hast du was gefunden, Greg?«, hörte ich den zweiten Kerl rufen. »Ich denke, ich habe hier einen Teil von dem, was wir suchen ... Greg? Antworte gefälligst!«

Währenddessen hatte ich die Waffe seines schlafenden Kumpels an mich gebracht. Zwar waren meine Kenntnisse arg begrenzt, was Schusswaffen anging, aber man konnte den Kolben sehr gut als Schlaginstrument verwenden.

»Verdammt, was ist los mit dir?«, rief der Typ noch einmal.

Ich warf noch einen letzten Blick auf den schlafenden Kerl, bevor ich aus dem Badezimmer trat. »Du musst noch etwas warten, bevor du mit ihm reden kannst.«

Er stand da wie erstarrt und die Zeit nutzte ich aus. Mit zwei schnellen Schritten war ich bei ihm, und als er in die Tasche griff, um wohl seine Waffe daraus hervorzuholen, traf ihn bereits der Kolben meiner Pistole am Kopf. Mit einem Röcheln stürzte er zu Boden, während sein Blut aus einer Platzwunde herausströmte. Auch der Knabe würde erst einmal schlafen. In aller Eile suchte ich in der Wohnung nach Utensilien, mit denen ich die zwei verhinderten Einbrecher fesseln konnte. Es dauerte nicht lange, bis ich fündig wurde, und nach kurzer Zeit lagen die beiden Männer hübsch verpackt im Wohnzimmer vor dem Tisch. Ich hatte sogar die Platzwunde des einen Kerls versorgt, weniger aus Sorge um sein Wohlergehen, sondern damit das Blut nicht den Teppich versaute.

Den Typen, den ich im Badezimmer schlafen gelegt hatte, holte ich mit einer Dusche kalten Wassers ins Leben zurück. Er schüttelte den Kopf und bemerkte recht schnell, dass seine Bewegungsmöglichkeiten recht eingeschränkt waren.

»Was ist los? Was soll das? Bind mich gefälligst los!« Sein Ärger wich der Angst, als er sah, dass ich mit einer Waffe auf ihn zielte. »Was hast du vor?«

»Ich will mit dir plaudern, Greg. Das ist doch dein Name, oder?«

Er nickte. »Aber ...«

»Ich stelle hier die Fragen. Was habt Ihr hier zu suchen?«

»Wir ... sind Freunde von Bryson und sollten etwas für ihn abholen.«

Ich nahm seine Brieftasche zur Hand und entnahm ihr einen Ausweis. »Greg Gillespie«, las ich. »Sie sind also FBI-Agent.«

»Das ist korrekt und Sie bekommen mächtig viel Ärger, wenn Sie uns nicht sofort losbinden!«

»Das Risiko nehme ich in Kauf.« Ich nahm den Becher mit dem monströsen Ding vom Tisch, den Gregs Kumpan dort abgestellt hatte, bevor er unschöne Bekanntschaft mit meiner Waffe gemacht hatte. »Was ist das hier?«

»Woher soll ich das wissen? Ich habe es nicht mitgebracht.«

Ich nickte nur, als würde ich ihm glauben, bevor ich den Behälter abstellte und Greg eine gewaltige Ohrfeige verpasste. Sein Kopf flog zur Seite, und als er mich hasserfüllt anblickte, da sah ich mit Genugtuung, wie ihm Blut aus dem Mund floss.

»Sie arbeiten ganz bestimmt nicht für das FBI, sondern für die Verbrecher von NESOM!«

Immerhin flackerte bei ihm so etwas wie Angst in den Augen auf. »Ich weiß nicht, wovon Sie reden.«

Klatsch! Eine zweite Ohrfeige brannte nun auf seiner Wange. »Wir können dieses Spiel gerne den ganzen Tag weitertreiben. Ich habe viel Zeit.«

»Sie sind verrückt, völlig durchgedreht!«

»Aller guten Dinge sind drei!«, sagte ich und schlug ihn zum dritten Mal. Diesmal hatte ich auch seine Nase erwischt, denn nun floss auch daraus das Blut. »Zeit, mit den Spielchen aufzuhören!« Drohend holte ich wieder aus, doch dieses Mal ballte ich die Hand zur Faust. Das schien Greg dann doch zu reichen.

»Ist gut, hören Sie auf! Was wollen Sie wissen?«

»Was ist in den Ampullen drin, die Sie so dringend suchen.«

»Ich weiß es nicht, wirklich!«, sagte er hastig, weil ich erneut ausholte, als seine Antwort auf sich warten ließ. »Wenn die Flüssigkeit mit Chimärenblut in Kontakt kommt, entwickeln sich diese Viecher - keine Ahnung, wie und wieso.«

»Was bewirken sie?«

»Ich kenn nur Gerüchte. Angeblich kann man damit eine Chimäre unter Kontrolle halten.«

»Hat man Gaiden ein solches Ding eingepflanzt?«

»Wem?«

Ich schlug erneut zu. Gregs Gesicht leuchtete mittlerweile in allen Farben und der letzte Schlag trieb ihm das Wasser in die Augen. »Ich meine den Wolf, den ihr in der Wohnung versteckt gehalten habt, wo wir die Kapseln gefunden haben.«

»Ach den ... wahrscheinlich, ich weiß nicht genau ... wir hatten nur den Auftrag, ihn aufzuspüren, auszuschalten und ins Hauptquartier zu bringen ... das ist alles, ich schwöre es Ihnen!«

»Wie läuft das genau ab? Wie teilt man diesen ... Dingern mit, was das arme Schwein, in dem sie eingepflanzt sind, zu tun hat?«

»Über standardisierten Code, die man in ein speziell entwickeltes Gerät eingibt. Es hat aber nur eine begrenzte Reichweite und man kann nur eine Handvoll Befehle eingeben.«

Allmählich hatte ich so eine vage Vorstellung, was NESOM plante. Jedenfalls sollte sich mein Wölfchen vorsehen. Eigentlich ging es mich ja nichts an, aber ...

»Sei nicht albern!«, sagte ich zu mir. »Natürlich geht es dich etwas an!«

Ich musste ihn erreichen, ihn warnen ... aber wie? Sein Handy! Er hatte mir die Telefonnummer für Notfälle gegeben und jetzt war ein solcher eingetreten. Ich eilte zum Telefon in der Diele, kramte den Zettel aus der darunterliegenden Schublade, wählte die Nummer ... und hörte das Klingelsignal aus dem Wohnzimmer kommen. Mit einem leisen Fluch knallte ich den Hörer auf die Gabel. Sollte ich das Hauptquartier der Wölfe anrufen? Aber wen? Versuchen musste ich es.

Ich verbrachte über eine viertel Stunde damit, die Telefonnummer herauszufinden und rief schließlich dort an. Wen ich auch immer dort in der Leitung hatte, es war kein besonders freundlicher Kerl. Jedenfalls sagte er nur immer wieder, dass eine Feierlichkeit im Gange sei und er niemanden erreichen könne.

Ich kehrte ins Wohnzimmer zurück. Mittlerweile war auch der Typ, dem ich die Platzwunde verpasst hatte, zu sich gekommen.

»Was ist ...«, begann er, aber ich unterbrach ihn direkt.

»Klappe halten, oder du schläfst gleich wieder ein!«

Er war wohl nicht der Dümmste, denn er hielt sofort den Mund und störte mich nicht mehr beim Überlegen. Sollte ich es auf sich beruhen lassen und abwarten, oder ... die Alternative schien mir reichlich gewagt zu sein, aber ich musste etwas unternehmen. NESOM oder die Wölfe - beide waren mir unsympathisch, aber wenn sie mit Gaiden etwas gegen das Rudel planten, war auch Bryson in Gefahr, und das gab schließlich den Ausschlag.

Ich raffte jedes Kleidungsstück zusammen, das mir Wölfchen besorgt hatte, und ging ins Badezimmer. Dort rieb ich mich äußerst großzügig mit Parfüm ein, sprühte Deo auf jeden Fleck meines Körpers und benutzte außerdem noch Haarwasser, das ich im Badezimmerschrank fand. Als ich zehn Meilen gegen den Wind nach einem Potpourri aus verschiedenen Duftnoten stank, zog ich mir zwei Lagen der Kleidung übereinander und gurgelte anschließend noch mit Mundwasser. Wenn mich jetzt noch jemand am Geruch als Katze identifizieren würde, dann wäre es ein Wunder.

Schließlich bestellte ich mir ein Taxi, täuschte einen weiteren Anruf vor und wandte mich ein letztes Mal an die ungebetenen Gäste im Wohnzimmer. »Ich werde jetzt gehen. Vor der Wohnung werden gleich ein paar Mitglieder meines Rudels wachen. Sollten sie auch nur einen Muckser von euch hören, dann solltet Ihr besser euer Testament gemacht haben. Haltet also die Klappe, wenn Ihr noch etwas weiterleben wollt, klar?«

Die beiden Kerle sahen mich zwar nicht freundlich an, nickten aber zum Zeichen ihres Einverständnisses. Mehr erwartete ich auch gar nicht. Zwei Minuten später klingelte der Taxifahrer, und nachdem ich den Typen noch einen warnenden Blick zugeworfen hatte, verließ ich in einer gewaltigen Duftwolke die Wohnung.
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