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A winding path

von Eulchen68
GeschichteDrama, Freundschaft / P12 / Het
James "Krone" Potter Lily Potter OC (Own Character) Peter "Wurmschwanz" Pettigrew Remus "Moony" Lupin Sirius "Tatze" Black
03.04.2021
15.06.2021
25
80.542
21
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09.05.2021 3.154
 
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„Ich verstehe nicht, wieso wir das nicht gemeinsam hinbekommen“, fluchte Remus und warf seine Feder vor sich auf den Küchentisch. Jolene hob den Kopf, den sie auf die Hände gestützt hatte, ein wenig an und warf ihm einen entschuldigenden Blick zu. Sie hatte nur äußerst selten wirklich ein schlechtes Gewissen wegen irgendwelcher Dinge, doch heute fühlte sie sich tatsächlich schuldig. Sie wusste, wie sehr er sich anstrengte ihr zu helfen.

„Ich bekomme das einfach nicht in meinen Kopf rein“, grummelte sie und seufzte. Seit Stunden saßen sie jetzt am Zauberkunststoff des letzten Schuljahres, aber irgendwie wollte der Inhalt einfach keinen Weg in ihr Gehirn finden. Sie waren es gefühlt hundert Mal durchgegangen, aber es hatte bis jetzt zu keinen Erfolg geführt. Es war zum Verzweifeln. Jolene hatte zum Schuljahresende wirklich gedacht, dass sie sich ein oder zwei Wochen hinsetzen musste und dann würde sie ihre Lücken schon gefüllt haben, aber ganz offenkundig war dies nicht der Fall. Sie hatte irgendwann im Frühjahr vollkommen den Anschluss verloren und alle darauffolgenden Unterrichtseinheiten schienen nun ein Buch mit sieben Siegeln zu sein.

„Lass uns für heute aufgeben“, bat Remus und vergrub selbst das Gesicht in den Händen, „in einer Stunde kommen meine Freunde und wenn ich bis dahin nicht irgendwas gemacht habe, was ansatzweise Spaß macht, werde ich Sirius oder James den Kopf abreißen.“

„Du gibst also zu, dass sie anstrengend sind“, feixte sie und begann, ihre Schulsachen wieder in ihrer Tasche zu verstauen.

„Ich gebe zu, dass sie anstrengend sein können“, korrigierte er sie und betonte das Wort ´können` ganz besonders, was sie dazu brachte, die Augen zu verdrehen. Statt etwas zu sagen, brummte sie nur etwas Unverständliches und griff nach der Kaffeekanne, die sie mit einem Wärmezauber belegt hatte. Es war heute schon die dritte Kanne, die sie gemeinsam leerten. Je frustrierter sie waren, desto schneller war auch die Kaffeetasse wieder leer.

„Willst du auch noch eine Tasse?“, fragte sie und schwenkte die Kanne ein wenig, um abzuschätzen, wie voll sie noch war. Zwei Tassen sollten sie noch herausbekommen, aber dann war auch mit dieser Runde Schluss.

„Es ist halb sechs am Abend“, stellte Remus entgeistert fest, doch dann nickte er, „ja, gib mir auch noch eine Tasse.“

Sie grinste und füllte ihre beiden Tassen. In dieser Hinsicht waren sie sich einig. Kaffee ging in jedem Moment, egal wie spät es war und egal in welcher Situation man sich befand. Etwas abwesend nippten sie beide an ihren Tassen und hingen jeweils ihren Gedanken nach. Seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, dachte er mal wieder an „sein pelziges Problem“, wie seine Freunde es nannten, weshalb sie sich räusperte, um ihn dort wieder herauszuholen. Etwas aufgeschreckt sah er zu ihr herüber. „Willst du Pizza in den Ofen schieben, bevor deine Freunde kommen?“

„Wir wollten eigentlich bestellen“, gab er zu, „willst du nicht einfach mitbestellen? Mum und Dad kommen erst spät.“

„Ja, ich weiß. Heute ist Beziehungsabend“, sagte sie und grinste, als er das Gesicht verzog, „was bestellt ihr?“

„Entweder Pizza oder Fish and Chips. Kommt ein bisschen drauf an, was die anderen wollen“, erklärte Remus, ohne auf ihren Kommentar zu seinen Eltern einzugehen. Er ignorierte jedes Mal, wenn die beiden ein Date hatten, auch wenn er irgendwann einmal zugegeben hatte, dass er sich für sie freute, dass sie noch immer eine glückliche Beziehung führten. Laut eigener Aussage wollte er nur nicht weiter darüber nachdenken.

„Bei Pizza würde ich eine mit Salami nehmen“, sagte Jolene schulterzuckend, „wenn ihr Fisch bestellt, mache ich mir später etwas anderes.“

„Du magst immer noch keinen Fisch“, stellte Remus grinsend fest und sie nickte lachend. Schon als kleines Kind hatte sie Fisch gehasst und seitdem hatte sich diese Abneigung nicht geändert.

„Sagt einfach Bescheid, wenn ihr euch entschieden habt“, meinte sie und schnappte sich ihre Umhängetasche, „ich bin oben in meinem Zimmer und gehe deinen Freunden aus dem Weg.“

„Du tust ihnen wirklich Unrecht“, versuchte es Remus sanft. Diese Unterhaltung hatten sie in den letzten Tagen, seit sie von Mary zurückgekehrt war, schon einige Male geführt. Offenbar war er der Meinung, er müsste zwischen ihr und seinen Freunden vermitteln, weil sie in den nächsten zwei Wochen gemeinsam in diesem Haus verbringen würden. Es hatte eine kleine Planänderung gegeben, weil Potters Eltern spontan in den Urlaub fahren wollten und Black und Potter nicht mitkommen wollten. Jetzt würden die vier Rumtreiber zwei Ferienwochen bei den Lupins verbringen und Jolene musste sich damit arrangieren. Ihr Plan war es gewesen, ihnen einfach zwei Wochen lang aus dem Weg zu gehen, aber Remus nutzte diesen Anlass, um sie seinen Freunden ein wenig näher zu bringen. Bis jetzt mit eher mäßigem Erfolg.

„Ich bin mir sicher, Potter und Black sind ganz liebe, brave Jungs“, spottete sie augenverdrehend.

„Jo, ernsthaft“, begann er ein weiteres Mal, „sie sind wirklich nicht so schlimm wie in den ersten Schuljahren. Du siehst es nur nicht, weil du immer noch die kleinen Drittklässler siehst, die Kessel in die Luft gesprengt haben, um Aufmerksamkeit zu bekommen.“

„Und kleine Slytherins verflucht haben“, startete sie ihre Aufzählung, wie jedes Mal, „und Streiche gespielt haben und keine Rücksicht genommen haben auf die Gefühle anderer und Menschen verurteilen, nur weil sie in einem anderen Haus sind...“

„Okay, okay, du kannst aufhören. Ich kenne deine kleine Liste schon auswendig“, unterbrach er sie, „aber glaub mir, wenn ich dir sage, dass sie sich verändert haben. Ich wünsche mir nur, dass du versuchst, es zu sehen.“

„Ich habe dich wirklich lieb, Rem“, sagte sie und legte ihm eine Hand auf die Schulter, „aber ich gehe jetzt nach oben.“

Bevor er die nächste Überzeugungsrunde starten konnte, schlüpfte sie durch die Küchentür und sprintete die Treppen nach oben. Ein Blick auf die Uhr sagte ihr, dass Remus Freunde in spätestens einer halben Stunde hier sein würden, und dann wollte sie am liebsten schon lange in ihrem Zimmer sitzen und Musik hören oder lesen.

Tatsächlich stand sie jedoch die ersten zehn Minuten einfach nur in ihrem Zimmer und starrte auf die Fotos, die sie vor einigen Tagen über ihrem Schreibtisch aufgehängt hatte. Die meisten davon waren in der Woche bei Mary entstanden, doch es hingen auch einige Bilder von Remus, Hope, Lyall und Jonathan dort. Somit hatte sie nun all die Menschen, die sie liebte, direkt in ihrem Blickfeld. Ihre Freunde und ihre Familie, verewigt auf ihrer Wand.

Seufzend entschied sie, dass sie auf ihren Roman verzichten würde, und stellte die Musikanlage leise an. Sie schleuderte ihr Zauberkunstbuch auf den Tisch und schnappte sich Feder und ein Notizbuch. Egal wie sehr Remus mit ihr lernte, sie kam so nicht weiter, weshalb sie nun zu härteren Waffen griff. Auf den ersten Seiten ihres Notizbuchs notierte sie alle Sprüche, Anleitungen und Informationen, die sie verstanden hatte, und ordnete sie in einer vernünftigen Reihenfolge. Leider brauchte sie nur neun Seiten, bis sie alles notiert hatte, was sie eindeutig verstanden hatte, während sie für den gesamten Schulstoff des letzten Jahres mindestens noch dreißig weitere Seiten füllen konnte. Vor ihr lag noch ein großer Berg Arbeit und in den nächsten zwei Wochen würde sie kaum Hilfe von Remus erwarten können und dann waren die Ferien auch schon fast wieder rum.

Grob überschlagen hatte sie also noch zwei Wochen alleine und drei Tage mit Remus, um diesen Stoff in ihr Gehirn zu bekommen. Eine Aufgabe, die ihr in diesem Moment nahezu unmöglich schien. Seufzend begann sie, den Text in ihrem Schulbuch zu lesen und sich die wichtigsten Informationen herauszuschreiben.

Es klopfte leise an der Tür und sie gab lediglich ein zustimmendes Brummen von sich, woraufhin sie hörte, dass die Zimmertür geöffnet wurde. Noch immer hatte sie ihre Augen fest auf die Notizen vor sich geheftet, doch sie hörte, dass jemand näher an den Schreibtisch herantrat.

„Wir bestellen Pizza.“

Nun hob Jolene doch den Kopf, denn neben ihr vor dem Schreibtisch stand nicht Remus, sondern Black. „Was tust du in meinem Schlafzimmer?“

„Dir Bescheid geben, dass wir jetzt gleich Pizza bestellen“, stellte er wenig geistreich fest.

„Remus weiß, was ich essen will“, erwiderte sie und wandte sich wieder ihren Aufzeichnungen zu.

„Zauberkunst?“, fragte er interessiert und sie nickte lediglich, während sie die Feder in ihr Tintenfässchen tunkte, „kommst du voran?“

„Nein“, grummelte sie genervt, „und jetzt lass mich lieber in Ruhe. Ich bin nicht in der Stimmung, um freundlich zu sein.“

„Brauchst du Hilfe?“

Etwas zu schnell hob sie den Kopf und starrte ihn an. Er starrte ungerührt zurück und wich seinem Blick nicht aus. Es dauerte eine ganze Weile, in der keiner von ihnen etwas sagte, dann wandte er sich ab und verließ kommentarlos das Zimmer. Schnaubend wandte Jolene sich wieder an ihrem Schreibtisch und stützte den Kopf auf ihre linke Hand. Was auch immer das gerade gewesen war, es hatte sie noch mehr frustriert. Vor Black zuzugeben, dass sie mit dem Stoff nicht klar kam, war demütigend genug, doch dass er sich einfach abgewandt und wieder verschwunden war, nagte zusätzlich an ihr.

Ein weiteres Mal wurde ihre Zimmertür aufgestoßen und sie wollte gerade zu einer Schimpftirade ansetzen, als Black einen Küchenstuhl vor ihrem Schreibtisch platzierte und sich darauf fallen ließ. „Okay, an welcher Stelle scheiterst du?“

Sie starrte ihn einen Augenblick einfach nur entgeistert an und schüttelte langsam den Kopf, doch dann fing sie sich wieder und drehte den Kopf wieder zu ihren Unterlagen.

„An allen“, erwiderte sie schnaubend, auch wenn sie wusste, dass diese Aussage absolut nicht hilfreich war, „du musst mir nicht helfen. Ich bekomme das schon hin.“

„Wie lange versuchst du jetzt, den Stoff zu verstehen?“, fragte er grinsend und am liebsten hätte sie ihm dieses Grinsen aus dem Gesicht geschlagen, aber sie musste ihm anrechnen, dass er hier saß und zumindest versuchte, ihr zu helfen. Sie sah ein, dass sie ausnahmsweise nicht wütend auf ihn direkt war, sondern auf die Situation. Er konnte nichts dafür, dass sie wochenlang nicht im Unterricht aufgepasst hatte und nicht einmal die Aufsätze geschrieben hatte. Einige Male hatten sogar Mary und Lily diese Aufgabe für sie übernommen, damit es nicht so sehr auffiel. Nun musste sie die Konsequenzen tragen und dafür konnte sie Black nicht die Schuld geben.

„Seit Beginn der Ferien“, gab Jolene unzufrieden zu und legte die Feder zur Seite, „aber ich habe ein bisschen zusätzliche Lektüre gekauft und arbeite mich jetzt da durch.“

„Du kommst nicht weiter, Burke“, stellte Black fest und zuckte mit den Schultern, „dann lass dir doch helfen. Ich bin nicht schlecht in Zauberkunst und in den nächsten zwei Wochen wird sich bestimmt Zeit finden, um ein wenig zu lernen.“

„Dein Ernst?“ Ihre Stimme klang sarkastischer, als sie es gewollt hatte, doch Black schien sich davon nicht beeindrucken zu lassen und nickte grinsend.

„Wieso nicht?“, fragte er schulterzuckend, „ein bisschen zusätzliche Übung hat auch mir noch nie geschadet.“

„Okay“, gab sie auf und schlug eine Seite in ihrem Schulbuch auf, „das hier ist der erste Punkt, den ich überhaupt nicht verstanden habe.“

„Gut“, erwiderte Black und als sie ihm einen tödlichen Blick zuwarf, versuchte er sich an einem beschwichtigenden Gesichtsausdruck, „ich meine, damit hast du das erste Drittel des Schuljahrs verstanden. Das ist doch ein guter Anfang.“

Sie grummelte etwas Unverständliches, doch als Black begann, ihr zu erklären, was das Schulbuch ihr mitteilen wollte und sie fleißig mitschrieb, besserte sich ihre Laune ein wenig. Black versuchte, sich so verständlich wie möglich auszudrücken, und immer, wenn sie nicht mehr mitkam, erklärte er es ein weiteres Mal, so lange, bis sie das Okay gab, dass sie weitermachen konnten.

Als es eine halbe Stunde später an der Tür klopfte, hatte sie zumindest ein halbes Kapitel verstanden und das war mehr, als sie in den letzten Tagen alleine oder mit Remus hinbekommen hatte. Remus war gut im Erklären, solange es nicht um Zauberkunst ging. Dieses Fach beherrschte er zwar einwandfrei, aber er schien selbst nicht so ganz verstehen, was er dort tat. Es war, als würde er ganz intuitiv verstehen, was er machen musste. Ein bisschen, als würde man jemandem erklären wollen, wie Lesen funktionierte, ohne dass man die Buchstaben erklären konnte.

Das Klopfen schreckte sie aus ihrer Konzentration und sie rief ein halbwegs freundliches „Herein.“.

„Die Pizza ist da.“ Remus streckte seinen Kopf ins Zimmer und grinste sie beide schief an. „Kommt ihr voran?“

„Langsam, aber ja“, erwiderte sie lächelnd, „Black ist kein schlechter Lehrer.“
Hinter ihr hörte sie ein schallendes Lachen, doch sie versuchte, es zu ignorieren, und schnappte sich stattdessen den Kapuzenpullover, der auf ihrem Bett lag. „Pizza?“

„Unten, du Vielfraß“, neckte Remus sie und deutete auf die geöffnete Zimmertür. Sie drehte sich zu Black herum und bedeutete ihm und Remus, das Zimmer vor ihr zu verlassen und als sie ihrer Anweisung Folge leisteten, verließ auch sie ihr Zimmer und zog die Tür hinter sich zu.
Unten im Wohnzimmer saßen Peter und Potter schon auf dem Sofa und vor ihnen auf den Couchtisch lagen die Pappschachteln des örtlichen Italieners. Breit grinsend trat sie an den Tisch und schnappte sich die Schachtel, auf der „Salami“ stand. Kurz sah sie sich im Wohnzimmer um und dachte darüber nach, einfach oben zu essen, doch dann ließ sie sich kurzerhand im Schneidersitz auf den Boden plumpsen und klappte ihren Pizzakarton auf.

Remus lachte leise, doch sie schaute ihn vernichtend an und schnappte sich das erste Stück ihrer Pizza, um es sich fast zur Hälfte in den Mund zu schieben. Das ganze Lernen hatte sie hungrig gemacht und das Essen schmeckte einfach hervorragend.

„Kommst du mit Zauberkunst voran?“, fragte Potter mit vollem Mund und er bekam direkt von vier Seiten tadelnde Blicke zugeworfen, weil er nuschelte. Jolene fühlte zusätzlich von der Frage an sich, angegriffen.

„Geht dich nichts an, Potter“, stellte sie fest und biss in ihre Pizza.

„Hey, das war eine ernst gemeinte Frage“, verteidigte er sich, „ich wollte dir eigentlich anbieten, dass wir nach dem Essen ein bisschen Praxis üben könnten. Peter braucht auch noch etwas Nachhilfe und uns kann die Übung auch nicht schaden.“

Kurz war es still im Wohnzimmer. Jolene dachte über das Angebot nach und in der Zwischenzeit schienen alle zu versuchen, sich nicht zu bewegen. Irgendwann gab sie einen zustimmenden Ton von sich und kaute den Bissen in ihrem Mund zu Ende. „Klingt nach einem guten Plan.“

Potter nickte ihr freudig zu und schnappte sich das nächste Stück Pizza aus dem Karton vor sich. Schweigend waren sie alle damit beschäftigt, in Ruhe zu essen, und das freute vor allem Jolene, die schon befürchtet hatte, dass die Jungs ihr innerhalb von drei Minuten auf die Nerven gehen würden.

Als sie alle ihre leeren Kartons zugeklappt und zur Seite gelegt hatten, stand Potter auf und deutete auf den Garten. „Können wir draußen üben oder gibt es Nachbarn, die das nicht sehen dürfen?“

„Die Hecken dürften hoch genug sein, damit man uns nicht sieht“, meinte Remus schulterzuckend und stand auf, um Jolene eine Hand entgegenzustrecken. Als sie sie ergriff, wurde sie auf die Beine gezogen. „Dann lasst uns anfangen.“

Die Temperaturen waren, nach dem heißen Tag, am Abend etwas abgekühlt und nun ließ es sich draußen auch wieder aushalten. Jolene schlüpfte aus ihrem Pullover und legte ihn auf einen der Gartenstühle.

„Womit fangen wir an?“, fragte sie neugierig und warf erst Black, dann Remus und Potter einen Blick zu. Peter hatte sich neben sie gestellt und schien genau so planlos zu sein, wie sie sich in diesem Moment fühlte.

„Zum Aufwärmen einen Aufrufezauber?“, schlug Black vor und sie und Peter nickten langsam.
Jolene machte den Anfang und rief zuerst die Schaufel zu sich, die an der Gartenhütte lehnte, direkt darauf folgte ein Eimer. Peter folgte ihrem Beispiel und versuchte, die Gartenschere vom Tisch zu sich zu rufen. Beim zweiten Versuch klappte es dann auch und er strahlte zufrieden in die Runde. Sie drehte sich zu ihm herum und streckte grinsend beide Daumen nach oben.

„Das klappt schon mal“, stellte Potter fest, „dann als Nächstes Schwebezauber am lebenden Objekt.“

„Mist“, grummelte Jolene leise und dieses Mal ließ sie wohlweislich Peter den Vortritt. Im Gegensatz zum Schwebezauber im ersten Schuljahr war es viel schwieriger, einen Menschen zum Schweben zu bringen. Peter schien damit jedoch weniger Probleme zu haben als sie, denn nach einigen erfolglosen Versuchen schwebte Remus einige Zentimeter über dem Gras.

„Sehr cool, Peter“, stellte Black fest und drehte sich dann zu Jolene, „jetzt du.“

Sie grummelte, doch dann hob sie den Zauberstab und versuchte es. Es klappte nicht. Weder beim ersten Versuch, noch bei den folgenden. Mit jedem Mal, bei dem es nicht klappte, wurde sie ungeduldiger, und als sie das Gefühl hatte, gleich losbrüllen zu müssen, senkte sie den Zauberstab. „Das klappt nicht.“

Black nickte und kam dann auf sie zu. Zu ihrer Entgeisterung lehnte er sich so weit nach vorne, dass sein Mund direkt neben ihrem Ohr war und flüsterte: „Versuch es bei mir. Stell dir vor, ich würde über dem Rasen schweben und wenn es dich motiviert, stell dir vor, wie du mich danach einfach fallen lässt. So als kleiner Ansporn.“

Dann trat er wieder zurück und ließ sie völlig perplex dort stehen. Es dauerte einen Moment, in dem sie nachdenken musste, bevor sie den Zauberstab wieder hob. Tatsächlich nutzte sie nun ihn als Zielobjekt, statt Remus, doch sie hatte nicht das Bedürfnis, ihn fallen zu lassen. Stattdessen war sie darauf bedacht, dass er schwebte, ohne sich zu verletzen, und als sie den nächsten Versuch wagte, klappte es tatsächlich. Triumphierend blickte sie ihn an und setzte ihn, so sanft sie konnte, wieder auf dem Boden ab.

„Das war eine sehr sanfte Landung“, kommentierte Black, doch er sah dabei nicht allzu belustigt aus.

Sie grinste schief und nickte. „Genau so war es geplant, Black. Ich hatte nicht vor, dich zu verletzen.“

Nun konnte sie sehen, wie sich ein kurzes Lächeln auf seinem Gesicht ausbreitete und im gleichen Moment wieder verschwand. Sie erwiderte es und nickte ihm kurz zu. Sie hoffte, dass er es verstanden hatte, denn sie hatte tatsächlich nicht darüber nachgedacht, ob sie ihm weh tun konnte. Egal wie sehr sie sich in den letzten Jahren an die Gurgel gegangen waren, er hatte ihr heute geholfen und als ihr Bruder verschwunden war, hatte er ihr auch Hilfe angeboten und das rechnete sie ihm hoch an.

„Okay, weiter geht es“, entschied Potter und schon diktierte er ihnen die nächste Aufgabe. Schon bald hatte sie ihre gesamte Konzentration wieder und versuchte, so gut wie möglich mitzuarbeiten. Ab und an bekam sie Hilfestellungen oder Tipps von ihren drei Lehrern und auch Peter machte Fortschritte. In einigen Aufgaben war sie besser, in anderen er, doch am Ende waren sie sehr ausgeglichen in ihrem Können.

Erst um zehn Uhr erlöste Potter sie endlich und sie verabschiedete sich von den Rumtreibern. Das Training hatte sie angestrengt und da die vier noch an irgendetwas arbeiten wollten, entschied sie, dass sie ins Bett gehörte. Der Tag war anstrengend gewesen und sie fühlte sich wie von einem Troll erschlagen.

In ihrem Schlafzimmer schlüpfte sie nur noch schnell in ein bequemes T-Shirt und eine Schlafanzughose und kroch dann unter die Bettdecke. Es dauerte nur ein paar Minuten, da war sie schon eingeschlafen.
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