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A winding path

von Eulchen68
GeschichteDrama, Freundschaft / P12 / Het
James "Krone" Potter Lily Potter OC (Own Character) Peter "Wurmschwanz" Pettigrew Remus "Moony" Lupin Sirius "Tatze" Black
03.04.2021
15.06.2021
25
80.542
21
Alle Kapitel
82 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
02.05.2021 3.544
 
Huhu

Jetzt sind wir schon wieder bei Kapitel 12 angekommen und ich freue mich, dass so viele von euch meine Geschichte verfolgen! Nach so kurzer Zeit schon so viele Favoriteneinträge und Sternchen! Ihr glaubt ja nicht, wie glücklich mich das macht :D Dankeschön dafür und auch für die Reviews und einfach nur dafür, dass ihr lest, was ich hier so schreibe.

Am kommenden Dienstag kommt das neue Kapitel vermutlich deutlich später, zumindest wenn alles so läuft, wie ich mir das wünsche. Ich soll am Dienstag und Mittwoch meine schriftlichen Abschlussprüfungen für meine Ausbildung schreiben, weshalb ich ein bisschen im Stress bin zur Zeit.
Ich freue mich trotzdem über jede Review, ich beantworte sie aber vermutlich erst nach den Prüfungen. Jetzt grade lerne ich, bis ich umfalle ;)

Liebe Grüße
Die Eule

12. Zerbrochene Vase


Die erste Ferienwoche verbrachten Remus, seine Eltern und Jolene als Familie. Sie frühstückten zusammen im Garten, machten Spaziergänge in der Umgebung und gingen in den nahegelegenen Restaurants gemeinsam Essen. Über das Flohnetzwerk reisten sie am Donnerstag in den tropfenden Kessel, um von dort aus in das Naturkundemuseum zu gehen. Jolene war genauso fasziniert wie Remus von den Ausstellungsstücken. Sie verbrachten fast ihren ganzen Tag damit, sich alles über Kräuter, Fossilien und Dinosaurier anzuschauen und das dazugehörige Planetarium zu besuchen. Remus spottete, dass sie ja Astronomie wiederholen konnten, wenn sie schon einmal hier waren, doch stattdessen genossen sie es einfach, sich die Sterne gemeinsam von Nahem anzusehen. Sie zeigten sich gegenseitig unterschiedliche Sternbilder und freuten sich über die Hintergrundinformationen, die nicht in ihren Schulbüchern standen. Erst spät am Abend machten sie sich auf den Weg nach Hause, obwohl sie am liebsten noch vier weitere Tage geblieben wären. Hope und Lyall hatten über so viel Lerneifer nur den Kopf schütteln können.

Jolene genoss diese eine Woche sehr. Wieder einmal wurde ihr klar, wie sehr sie die Lupins als ihre Familie sah, auch wenn sie Jonathan gegenüber ein schlechtes Gewissen hatte. Sie vermisste ihren Bruder und sie freute sich darauf, wenn er endlich zu Besuch kam, doch sie wollte nicht zu ihm zurückziehen. Bei den Lupins fühlte sie sich wohl und sicher und sie hatte nicht ständig das Gefühl, dass ihr wichtige Dinge verschwiegen wurden. Hope und Lyall waren immer ehrlich zu ihr und Remus. Sie behandelten sie nicht, als wären sie kleine Kinder, sondern gingen mit ihnen um, wie mit Erwachsenen. An einigen Abenden saßen sie zu viert im Wohnzimmer und sprachen über das aktuelle politische Geschehen, ohne dass die beiden ein Blatt vor den Mund nahmen. Sie beantworteten Fragen gleichermaßen, wie sie sich Jolenes und Remus Ansichten anhörten und diese mit ihnen diskutierten.

Am ersten Sonntag in den Ferien war es endlich so weit. Jonathan kam zum Abendessen und den ganzen Tag war Jolene aufgeregt und unausstehlich. Remus scheuchte sie irgendwann in ihr Zimmer, damit sie ihm nicht mehr auf die Nerven ging. Trotz der ganzen Aufregung war es ein schöner Abend mit ihrem Bruder. Er blieb bis weit nach dem Abendessen und hatte eine Menge zu berichten. Jolene war fasziniert davon, wie offen ihr Bruder war, seitdem er wiederaufgetaucht war. Er berichtete von seinem Job, den er nun auch ganz offiziell ausführte und nicht mehr als verdeckter Auror, und davon, dass er versuchte, eine kleine Wohnung zu finden. Auch ihm schien das Haus, in dem er noch immer wohnte, nicht zu gefallen, aber er fragte Jolene auch nicht, ob sie zurück zu ihm ziehen würde. Sie war ihm dankbar dafür, denn sie hätte abgelehnt.

Als er sich auf den Weg nach Hause machen wollte, brachte sie ihn noch zur Tür. „Danke, dass du vorbeigekommen bist.“

„Nur weil du jetzt wo anders wohnst, bin ich immer noch dein Bruder“, stellte Jonathan lächelnd fest und nahm sie in den Arm, „und als dein Bruder muss ich regelmäßig schauen, ob es dir gut geht und dir sagen, dass ich dich lieb habe.“

„Ich habe dich auch lieb“, erwiderte sie und legte die Stirn an seine Schulter, „ich bin froh, zu sehen, dass es dir besser geht.“

„Was meinst du?“, fragte er verwirrt und schob sie ein Stück von sich weg.

„Du wirkst viel glücklicher als früher“, erklärte sie lächelnd, „du sprichst mehr, lachst öfter und zeigst deine Gefühle. Das hast du früher nicht gemacht.“

„Ich war ein verschlossener, wütender Griesgram.“

„So hätte ich es nicht gesagt“, meinte sie schulterzuckend und schwieg. Die andere Hälfte dieses Satzes sprach sie nicht laut aus, aber sie sah, dass Jonathan sie auch so verstanden hatte.

„Das waren nicht meine Worte, sondern die von Maurice“, erwiderte er und zwinkerte ihr zu, „und ich habe mir selbst versprochen, dass ich das ändern will, als ich in diesem Keller festsaß.“

„Ich würde jetzt sagen, dass es dann zumindest etwas Gutes hatte, aber das wäre sehr gemein, weshalb ich so etwas niemals sagen würde“, sagte sie grinsend und er schlug ihr sanft gegen die Schulter.

„Dann bin ich froh, dass du es nicht sagst“, meinte er schlicht und zog sie noch einmal in seine Arme, „wir sehen uns in ein paar Wochen. Ich komme auf jeden Fall noch, bevor du wieder in die Schule musst.“

„Pass bis dahin auf dich auf“, forderte Jolene liebevoll, während sie ihm die Tür öffnete, und er nickte, „ich habe dich lieb.“

„Ich dich auch, Kurze“, erwiderte er und trat nach draußen in die Dunkelheit. Noch einige Sekunden war er zu sehen, dann war er appariert. Sie schloss die Haustür und stieg die Treppen nach oben. Hope und Lyall waren schon ins Bett gegangen, als Jonathan sich verabschiedet hatte und auch Remus schien auf sein Zimmer gegangen zu sein. Somit entschied sie, dass es auch für sie Zeit zum Schlafen war.

Sie lag noch einige Minuten wach und kuschelte mit dem Stoffhasen, für den sie eigentlich schon zu alt war, dann nickte sie weg. Ihr Schlaf war traumlos und erholsam. Seit Jonathan wieder da war, schlief sie deutlich besser.

***

Als sie wieder wach wurde, hatte sie den Hasen noch immer im Arm und die Sonne fiel durch die halb geöffneten Vorhänge auf ihr Bett. Lächelnd drehte sie sich so, dass die Sonnenstrahlen auf ihr Gesicht fielen, als es im Untergeschoss laut polterte. Irritiert kletterte sie aus ihrem Bett und warf sich einen Kapuzenpullover über. Lyall und Hope mussten schon auf der Arbeit sein und sie war sich ziemlich sicher, dass Remus noch nicht aufgestanden sein konnte. In den Ferien mutierte er immer zum Langschläfer, obwohl er in Hogwarts immer einer der Ersten beim Frühstück war.

So leise sie konnte, schlich sie die Treppe nach unten. Entweder Remus war ausnahmsweise doch früh wach oder aber, und das war leider wahrscheinlicher, jemand Fremdes befand sich im Haus. Den Zauberstab hatte sie vorsichtshalber in der Hand und zu aller Sicherheit hatte sie schon einen Schutzzauber um sich gelegt.

Als sie ins Wohnzimmer trat, zog sie zischend die Luft ein und senkte ihren Stab. Direkt vor dem Kamin standen Potter und Black und schauten auf die zerbrochene Vase auf dem Teppich. „Was, bei Merlin, tut ihr hier?“

„Wir wollten Remus besuchen“, erklärte Potter und blickte noch immer unglücklich auf die Scherben. Jolene hob den Zauberstab wieder und sprach einen Reparo. Kopfschüttelnd ließ sie die Vase in ihre Hände schweben und beachtete die Jungs nicht weiter. Stattdessen untersuchte sie, ob noch irgendwo Risse in dem dunkelblauen Porzellan zu sehen waren, doch sie konnte nichts entdecken, weshalb sie die Vase zurück auf den Kamin stellte.

„Remus schläft noch“, erklärte sie, ohne sie anzublicken, „und ich brauche dringend Kaffee.“

Ohne auf eine Reaktion zu warten, trottete sie in die Küche und stellte die Kaffeemaschine an. Zufrieden löffelte sie Kaffeepulver hinein und füllte den Wassertank auf. Wenn Potter und Black nach oben gegangen waren, würde Remus in ein paar Minuten selbst einen starken Wachmacher brauchen, um seine Freunde nicht zu ermorden. Sie kannte ihn gut genug, um zu wissen, dass er unausstehlich war, wenn man ihn einfach so weckte. Ihr ging es in solchen Situationen nicht anders und auch sie brauchte dann dringend einen Kaffee oder zumindest einen sehr starken schwarzen Tee.

Tatsächlich dauerte es nur fünf Minuten, dann stand Remus in der Küche und blickte sie vorwurfsvoll an. „Warum hast du sie nach oben gelassen?“

„Bin ich ihr Babysitter?“, stellte sie die Gegenfrage und reichte ihm seine Tasse.

„Du hättest mich schützen können“, sagte er theatralisch und nippte an seinem Kaffee. Hinter ihm lehnten Black und Potter im Türrahmen und wirkten äußerst zufrieden mit der Situation. Remus und Jolene waren beide noch im Schlafanzug und schlürften aus ihren Tassen.

„Ich habe Hopes Vase repariert“, erklärte sie schulterzuckend, „das war meine gute Tat für diesen Tag. Mehr kannst du nicht von mir erwarten.“

„Ihr habt Mums Vase zerstört?“ Remus wirbelte zu seinen Freunden herum, die nun nicht mehr so glücklich aussahen.

„Sie ist heruntergefallen, als wir angekommen sind“, versuchte Black sich zu erklären, doch seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, sah Remus nicht so aus, als würde es helfen. Jolene konnte Remus Gesicht nicht sehen, aber sie konnte es sich annähernd vorstellen. Wie oft sie selbst diesen Blick zugeworfen bekommen hatte, konnte sie schon nicht mehr zählen und auch ihre Reaktion darauf war ähnlich, wie der der beiden Jungen. Kopf einziehen und hoffen, dass man heil aus der Sache wieder herauskommt. Egal wie ruhig Remus in den meisten Fällen war, wenn er wirklich wütend war, musste man sich in acht nehmen.

„Lass sie am Leben“, warf sie in einem nebensächlichen Tonfall ein, „die Vase ist wieder so gut wie neu. Kein Grund, sich die Hände schmutzig zu machen.“

„Du rettest uns das Leben!“ Black sah wirklich dankbar aus, doch Jolene zuckte mit den Schultern und trank einen großen Schluck ihres Kaffees.

„Nein, ich rette Remus vor Askaban. Ihr seid mir dabei vollkommen egal“, stellte sie sachlich fest. Potter blickte sie belustigt an, kommentierte es jedoch nicht und Black schien ein wenig beleidigt zu sein. Mit einem enttäuschenden Blick in ihre Tasse griff sie zur Kaffeekanne und goss sich nach. Das Problem an Kaffee war eindeutig, dass er immer viel zu schnell leer war. Remus drehte sich zu ihr herum und hielt ihr seine eigene Tasse entgegen, damit sie auch ihm nachschenkte.

„Setzt du eine zweite Kanne auf, während ich mir etwas anderes anziehe?“, wollte er bittend wissen.

„Dir ist aber aufgefallen, dass ich selbst noch im Schlafanzug bin?“, fragte sie und blickte an sich herunter. Neben dem roten Kapuzenpullover, den sie sich eben nur übergeworfen hatte, trug sie eine schwarz-rot-karierte Schlafanzughose und flauschige schwarze Socken, die sie vor einigen Jahren zu Weihnachten bekommen hatte. Nicht unbedingt der Aufzug, in dem man die Freunde seines Ziehbruders hütete, „aber passt schon. Zieh dich um, ich mache neuen Kaffee.“

„Pass bitte auf, dass die beiden nicht noch mehr kaputt machen“, bat er sie und deutete auf Potter und Black, die nun aus dem Türrahmen heraustraten und sich an den Küchentisch setzten.

„Wir sind keine Kleinkinder, Moony“, sagte Black und funkelte seinen Kumpel beleidigt an.

„Aber ich verhaltet euch wie welche.“ Bevor eine Diskussion beginnen konnte, war Remus aus der Küche geflüchtet und hatte Jolene mit seinen Freunden alleine zurückgelassen. Sie versuchte, keinem von beiden ins Gesicht zu sehen, und holte stattdessen Toast und Marmelade aus dem Schrank, um sich Frühstück zu machen. Ein Blick auf die Küchenuhr sagte ihr, dass es gerade einmal neun Uhr war. Ein Grund mehr, sich nicht von Potter und Black stressen zu lassen.

Während der frische Kaffee durchlief, schmierte sie sich ein Toast und schob sich die erste Hälfte in den Mund. Nebenbei warf sie einen Blick in den Tagespropheten, der auf der Küchenzeile gelegen hatte, doch abgesehen von weiteren Vermisstenmeldungen gab es nichts Neues zu lesen. In der Quidditchliga hatte sich alles so entwickelt, wie sie und Marlene es schon vorausgesagt hatten, und die Politik schien mit den Vermisstenfällen nicht wirklich umgehen zu können, doch das war nichts, was sie nicht auch ohne die Zeitung gewusst hätte. Schon seit Monaten zeichnete sich genau dieses Bild ab und nach und nach beunruhigte Jolene das, doch im Moment hatte sie andere Probleme, mit denen sie sich beschäftigen musste. Ihren Schulabschluss zum Beispiel, damit sie in einem Jahr aktiv als Aurorin helfen konnte, solche Vermisstenfälle zu verhindern.

„Wirst du uns jetzt so lange ignorieren, bis Moony wieder da ist?“, fragte Black nach einigen Minuten der Stille und Jolene hob ihren Blick von der Zeitung. Im oberen Stockwerk konnte sie Wasser rauschen hören. Offenbar hatte Remus entschieden, dass er ruhig in Ruhe duschen gehen konnte, während sie auf seine Freunde aufpasste.

„Möchtest du mir irgendwas Interessantes erzählen, Black?“, fragte sie in einem möglichst gelangweilten Tonfall, „andernfalls wüsste ich nämlich nicht, wie ich euch bespaßen könnte.“

„Du könntest uns auch etwas zum Frühstück anbieten“, erwiderte er grinsend. Potter warf ihm einen mahnenden Blick zu, doch er wurde einfach ignoriert.

„Könnte ich“, sagte sie und zog eine Augenbraue nach oben, „aber ihr seid nicht meine Gäste, sondern die beiden nervigen Idioten, die mich um kurz vor neun aus dem Bett geholt haben, indem sie die Einrichtung zerdeppert haben.“

„Hast du noch geschlafen?“, fragte Potter und er hatte den Anstand, zumindest ein wenig zerknirscht auszusehen.

„Ich habe zumindest noch im Bett gelegen und genossen, dass ich heute nicht früh aufstehen muss“, erwiderte sie schulterzuckend, „also verzeiht mir, wenn ich nicht der beste Gastgeber bin. Ich wollte schließlich keine Gäste haben.“

„Das Leben ist kein Wunschkonzert“, kommentierte Black grinsend.

„Stimmt, deswegen ignoriere ich deinen Wunsch nach Frühstück“, entgegnete Jolene und biss ein weiteres Mal in ihr Toast, bevor sie nach der Kaffeemaschine sah, die ihren Job zu Ende gebracht hatte, weshalb sie sich eine dritte Tasse Kaffee genehmigen konnte.

„Sie schlägt dich mit deinen eigenen Waffen, Tatze“, stellte Potter fest und als sie ihn ansah, zwinkerte er ihr sogar belustigt zu. Sie lachte kurz auf und nickte ihm zufrieden zu. Für einen kurzen Moment empfand sie sogar so etwas wie Sympathie für ihren Teamkapitän.

„Leben alle noch?“ Remus betrat die Küche und blickte sie alle der Reihe nach an. „Offenbar schon.“

„Ich habe deinen Dad versprochen, dass er niemanden im Garten verscharren muss“, sagte Jolene trocken und trank einen großen Schluck Kaffee. Black sah aus, als würde er wirklich glauben, dass dies der einzige Grund war, warum sie ihn nicht an Ort und Stelle verfluchte, doch sie kommentierte seinen Gesichtsausdruck nicht. Stattdessen drückte sie Remus seine Kaffeetasse in die Hand und nickte ihm zu. „Ich gehe jetzt Duschen.“

„Viel Spaß!“, meinte Remus grinsend.

„Darf ich mitkommen?“, rief Black ihr hinterher und als sie sich entgeistert zu ihm umdrehte, wackelte er mit den Augenbrauen.

„Die einzige Tätigkeit, die uns beide und Wasser umfasst, wäre, wenn ich dich ertränke“, erwiderte sie und warf ihm eine Kusshand zu, „wenn du daran Interesse hast, sag ruhig Bescheid.“

„Sie mobbt dich“, stellte Potter lachend fest, als die Tür hinter Jolene ins Schloss fiel. Ob Black noch etwas darauf erwiderte, konnte sie nicht mehr hören, denn sie machte sich auf den Weg nach oben.

In ihrem Schlafzimmer schnappte sie sich eine Leggins und einen großen Kapuzenpullover, den sie vor ein paar Jahren von Remus geklaut hatte, dann machte sie sich auf den Weg ins Badezimmer und drehte das heiße Wasser der Dusche auf. Während es warm wurde, zog sie sich aus und warf ihre gebrauchten Klamotten in die Wäschetonne.

Seufzend stieg sie unter den warmen Wasserstrahl und fuhr sich mit den Händen durch die Haare. Mit jeder Minute, die sie duschte, fühlte sie sich entspannter und als sie eine viertel Stunde später, eingewickelt in ein Handtuch, vor dem Spiegel stand, war sie frisch und zufrieden. Lächelnd summte sie vor sich hin und kämmte sich die Haare, um sie zumindest von den gröbsten Knötchen zu befreien. Normalerweise freute sie sich darüber, dass sie so dichtes Haar hatte, doch immer, wenn es ans Kämmen ging, verfluchte sie es genauso sehr.

Etwas später hatte sie sich endlich angezogen und wollte gerade das Badezimmer verlassen, als sie hörte, dass es unten an der Tür klopfte. Etwas irritiert sprang sie die Treppen nach unten, aber irgendjemand hatte die Tür schon aufgerissen, denn sie hörte Stimmen aus dem Flur. Die eine gehörte eindeutig zu Black und auch die andere Stimme kannte sie nur zu gut.

„Hey, Jonathan“, grüßte sie ihren Bruder fröhlich, als sie in den Hausflur trat, „was machst du hier?“

„Gegenfrage: Was macht Sirius Black hier?“, fragte Jonathan und deutete auf Black, der sich sichtlich unwohl in seiner Haut zu fühlen schien.

„In erster Instanz besucht er Remus, in zweiter Instanz geht er mir auf die Nerven“, erklärte sie schulterzuckend, „komm doch rein.“

„Ich bin nur auf dem Sprung“, erklärte ihr Bruder ihr grinsend, „ich habe einen Auslandseinsatz und bin die nächsten zwei Wochen in Frankreich.“

„Und da wolltest du noch eben vorbeischauen, damit sie dir nicht den Kopf abreißt, wenn du wiederkommst“, stellte Remus hinter ihr fest und als sie sich zu ihm umdrehte, nickte er ihrem Bruder gerade grinsend zu. Es war immer wieder erstaunlich, wie gut die beiden sich verstanden, obwohl Jonathan neun Jahre älter war. Wenn Jolene nicht mit ihrem Bruder klar kam, war es immer Remus gewesen, der zwischen ihnen vermittelt hatte, als sie noch jünger gewesen waren.

„Ja, so kann man es auch ausdrücken“, stimmte Jonathan ihm lachend zu, „ich wollte nur eben Bescheid geben, damit du dir keine Sorgen machst, wenn du in den nächsten zwei Wochen nichts von mir hörst.“

„Ich weiß Bescheid“, sagte Jolene lächelnd, „wann musst du los?“

„Vor zehn Minuten“, antwortete er ehrlich und lehnte sich nach vorne, um ihr einen Kuss auf die Wange zu drücken, „wir sehen uns in zwei Wochen.“

„Du bist ein Spinner“, stellte sie fest, „aber danke, dass du eben vorbeigekommen bist.“

„Immer gerne“, sagte er und hatte dabei schon die Türklinke in der Hand. Sie nickte ihm auffordernd zu und schon war er durch die Tür geschlüpft und schon auf der Haustreppe appariert.

„Er hat gestern vergessen, dass er dir Bescheid geben sollte“, stellte Remus fest und Jolene drehte sich zu ihm herum und lachte, „deswegen war er hier, um es noch rechtzeitig wieder geradezubiegen.“

„Genau das wird der Fall gewesen sein“, stimmte sie ihm zu und zuckte mit den Schultern, „er übt das mit dem Bruder sein noch.“

„Sollte er das nicht können, nachdem er schon seit siebzehn Jahren ein großer Bruder ist?“, fragte Potter verwirrt.

„Du hast keine Geschwister, was Potter?“, fragte Jolene lachend und schob sich an ihm und Remus vorbei ins Wohnzimmer.

„Sirius ist mein Bruder“, sagte Potter und grinste schief.

Jolene drehte sich zu ihm herum, sparte sich dann aber jeglichen Kommentar. Offenbar hatte Jonathan Recht damit gehabt, dass Black nun bei der Familie Potter lebte, nachdem er von seiner Familie geflüchtet war. Sie hatte nicht unbedingt das Recht, darüber zu urteilen, schließlich lebte sie auch nicht bei ihrer leiblichen Familie, sondern bei den Lupins.

„Okay, Jungs, ich lass euch dann Mal in Ruhe“, sagte sie stattdessen, „ich verziehe mich in mein Zimmer und wer ungefragt reinkommt, wird im Garten vergraben.“

„Ich glaube, diese Drohung geht an dich“, sagte Remus mit Blick auf Black, der jedoch einfach nur mit den Schultern zuckte.

„Ich mache Fehler nicht zweimal“, kommentierte er und schaute Jolene dabei direkt an, „aber deine Musiksammlung interessiert mich trotzdem.“

„Ja, vielleicht zeige ich sie dir irgendwann“, erwiderte Jolene, „aber bestimmt nicht heute.“

Er sah ein wenig enttäuscht aus, doch er sagte nichts mehr dazu, was für sie das Stichwort war, schnellstmöglich zu verschwinden. Immer zwei Stufen auf einmal nehmend sprintete sie die Treppe nach oben und schlüpfte in ihr Schlafzimmer. Einfach nur, weil sie wusste, dass es Black ärgern würde, stellte sie ihre Anlage an und drehte die Musik ein wenig lauter. Vor sich hingrinsend suchte sie nach ihren Schulsachen und sortierte sie auf ihrem Schreibtisch. Sie würde sich heute um ihre Zauberkunstnote kümmern hatte sie entschieden. Remus hatte ihr versprochen im Laufe der Woche mit ihr zu lernen, aber es würde nicht schaden, wenn sie es bis dahin alleine versuchte und den Stoff noch einmal durchging.

Das Klopfen an der Tür hörte sie erst überhaupt nicht, doch als Remus den Kopf ins Zimmer steckte, winkte sie ihn hinein und drehte die Musik leiser. „Wie kann ich dir helfen?“

„Ich wollte dir nur Bescheid geben, dass ich heute Abend nicht zuhause bin“, sagte er und Jolene warf einen kurzen Blick auf ihren Kalender, was ihn zum weitersprechen animierte, „ja, es ist Vollmond.“

„Also willst du in irgendeinen abgelegenen Wald“, vervollständigte sie seinen Gedankengang und er nickte. Sie warf ihm einen Blick zu, der gleichzeitig Mitleid und Bewunderung ausdrückte, „ich bin wirklich froh, dass du so verantwortungsvoll bist.“

„Bitte sag einfach nichts weiter dazu“, bat er sie und sie nickte, „ich versuche die meiste Zeit, es einfach auszublenden.“

„Ich weiß, Rem“, sagte sie liebevoll, „deswegen werde ich jetzt nichts mehr sagen und stattdessen weiter Zauberkunst lernen, während du dich mit deinen Freunden herumschlagen kannst. Sag mal, warum ist Peter eigentlich nicht hier?“

„Weil er mit seinen Eltern in Spanien im Urlaub ist“, erklärte Remus, „ihn kannst du immer noch am besten leiden, oder?“

„Wenn man dich nicht mit einberechnet, ja“, stimmte sie ihm zu, „er ist ruhig, höflich und geht mir nicht auf die Nerven.“

Kopfschüttelnd deutete er auf die Tür und als sie nickte, verschwand er wieder aus ihrem Zimmer und ließ sie mit ihrem Schulchaos wieder alleine. Seufzend wandte sie sich wieder an ihr Schulbuch und lehnte ihren Kopf auf ihre Hand.
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