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Trafen sich ein Werwolf und ein Vampir, bei Vollmond unterm Kirschblütenbaum...

KurzgeschichteLiebesgeschichte / P16 / MaleSlash
03.04.2021
03.04.2021
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Wichtelprojekt: Happy Spring Time
Beitrag für BillsVampirbraut.

Ich hoffe dir gefällt die Geschichte und ich konnte deine Vorgaben nach deinem Geschmack erfüllen. Frohe Ostern und viel Spaß beim Lesen!


Lg Katty
___________________


Jake besah im Spiegel argwöhnisch die zwei roten Punkte an seinem Hals. Wenige Stunden nach dem Biss waren sie fast verheilt. Solange er kein menschliches Blut trank, heilten seine Wunden nur sehr langsam, dennoch eindeutig schneller wie bei Menschen. Zumindest hatte ihm das der dämliche Wichser erzählt, der ihn in einen Vampir verwandelt hatte. Aber da Jake überhaupt keine Lust hatte, sich etwas vorschreiben zu lassen, vor allem wenn es darum ging Menschen zu töten oder auch nur ihr Blut zu trinken, beließ er es dabei.
Jakes Freund Eddy lief zeitgleich, wie ein Fuchs im Käfig, im Raum umher. Er war ebenfalls vor Kurzem verwandelt worden – in einen Werwolf. Sein erster Vollmond stand kurz bevor und er hatte tierische Angst vor dem Prozess und den Schmerzen, die ihn erwarteten. Seine Knochen würden sich dann knackend verschieben und ihm ein dichtes Fell sowie eine lange Schnauze wachsen.
„Beruhig dich Ed, du machst mich ganz nervös“, sagte Jake etwas genervt und fahrig. Sie hatten schon einiges in ihrer Beziehung erlebt, aber das übersteig alles bisher Dagewesene. Aber was blieb ihnen anderes übrig? Gerade jetzt mussten sie doch zusammenhalten. Jake gab keinen Fick auf andere Vampire oder Werwölfe, diese verrückte Bande von glitzernden Blutjunkies und großen Schoßhündchen konnte ihm gestohlen bleiben. Er hatte nicht darum gebeten verwandelt zu werden und seine größte Sorge galt Eddy, wie dieser mit der neuen Situation klarkommen würde. Und es machte bereits den Anschein, als würde er ganz und gar nicht klarkommen. Jake fasste Eddy am Arm und zog ihn aufs Bett, damit dieser einmal in Ruhe durchatmete.
„Besser?“
„Ich will nicht“, jammerte Eddy zur Antwort.
Jake nahm das Gesicht seines Liebhabers in seine Hände und zwang ihn, ihn anzusehen.
„Mach dir keine Sorgen. Ich werde bei dir bleiben. Mein neues Dasein als Vampir, hat zumindest den Vorteil, dass du mich nicht ernsthaft verletzen kannst, wenn deine neuen Wolfsinstinkte mit dir durchgehen.“ Jake zwang sich zu einem sanften Lächeln, in der Hoffnung, dass es Eddy etwas mehr beruhigen würde.
„Ich will dich nicht verletzten müssen, selbst wenn du dich heilen kannst. Aber dafür muss du doch Blut trinken, wie willst du denn darankommen?“ Eddy konnte seine Verzweiflung und Panik nicht abschütteln, im Gegenteil, seine Atmung beschleunigte sich.
Jake seufzte. Er überlegte, wie er seinem Freund den Abend des Vollmondes, angenehmer gestalten konnte, bis er eine Idee hatte.
„Du erinnerst dich doch noch an das Frühlingsfest, bei dem wir letztes Jahr waren? Wo alles noch normal war.“ Jake lächelte bitter. „Dieses Fest findet wieder statt, und ich dachte… Vielleicht könnten wir dahin gehen, also natürlich nachts, und uns im Vollmondlicht die Kirschblüten anschauen?“
„So etwas Romantisches würdest du mit einem Monster wie mir unternehmen?“, fragte Eddy niedergeschlagen.
„Rede nicht so einen Schwachsinn. Du bist kein Monster, zumindest nicht mehr als ich.“ Jake rollte mit seinen Augen und zog Eddy in eine Umarmung.
„Ich würde das gerne machen“, flüsterte Eddy gegen Jakes Brust.
„Siehst du, geht doch“, lachte Jake mit einem schiefen Grinsen im Gesicht und hauchte Eddy einen zarten Kuss auf die Lippen. In dem Moment schoben sich Jakes Fangzähne heraus. Er hatte bisher keine Kontrolle über sie, und ein Blutstropfen ran Eddys Lippen hinab.
„Hey!“ Erschrocken zuckte Eddy ein wenig zurück, wischte sich das Blut von den Lippen und starrte auf seine rote Fingerkuppe. Dann blickte er Jake ins Gesicht und sah darin einen seltsamen Ausdruck. Jakes Pupillen waren stark geweitet, wie bei einem Drogensüchtigen. In seinen blau-grauen Augen blitze ein rötlicher Schimmer und Eddys Nackenhaare stellten sich auf.
Jake versuchte gegen den Drang anzukämpfen Eddy das Blut vom Finger zu lecken oder ihn gar zu beißen. Erschrocken über sich selbst wich er zurück und schüttelte sich, in der Hoffnung dadurch einen klareren Kopf zu bekommen.
"Tut mir leid", sagte er kleinlaut. "Ich geh mal vor die Tür", meinte er abwesend und ließ einen verwirrten Eddy in der Wohnung, hinter sich, zurück.
Was sollte er jetzt tun? Er hatte keine Lust, jemanden zu verletzen. Missmutig lief er zu einem Supermarkt. Ob ihm rohes Fleisch oder Blutwurst helfen könnte, um dieses neue Verlangen in ihm zu unterdrücken? Der Aufenthalt in dem Markt, umgeben von gewöhnlichen Menschen, begann ihn jedoch schnell zu quälen. Er nahm alle Gerüche deutlich intensiver wahr und während selbst das frischste Gemüse für ihn nun seltsam verdorben roch, intensivierten sich die Gerüche, die von den Menschen ausgingen zu etwas Köstlichem. Schnell warf er Blutwurst und ein paar Sachen für Eddy in den Einkaufskorb. An der Fleischtheke verlangte er nach rohem, leicht blutigem Fleisch und Innereien. Der Gedanke daran, so etwas zu essen, ließ in fast würgen. Als normaler Mensch hätte man ihn niemals dazu bringen können so etwas zu essen, doch jetzt durfte er nichts unversucht lassen. Lieber Innereien, als einen Menschen zu verletzen, dachte er. Ihm kamen Gedanken in den Sinn, in einer Blutbank einzubrechen, doch das fand er genauso verwerflich. Auf keinen Fall wollte er andere Vampire dazu befragen, mit ihnen wollte er nichts zu tun haben.

Wieder zuhause angekommen, probierte er zuerst die Blutwurst. Davon wurde ihm jedoch so schlecht, dass er sich, mit den letzten Resten von menschlicher Nahrung in seinem Magen, übergeben musste.
"Alles okay?", fragte Eddy besorgt aus dem Nebenzimmer. Jake hatte ihn gebeten, sich ihm nicht weiter zu nähern, bis er seinen Blutdurst gestillt hatte.
Jake wischte sich angewidert seinen Mund ab. "Ja geht schon."
Als Nächstes widmete er sich dem Fleisch. Widerwillig probierte er ein kleines Stück, ohne es vorher zu kochen. Zu seinem Erstaunen schmeckte es einigermaßen in Ordnung. Besser verhielt es sich mit einem Stück Leber und einem Stück Rinderherz. Er unternahm noch einen Versuch, es vorher zu kochen, doch auch da überkam ihn Übelkeit. Also musste das Fleisch möglichst roh, blutig und frisch, aber nicht in irgendeiner Weise verarbeitet oder gekocht sein, dachte er. Er spürte, dass es ihm etwas besser ging. Vermutlich würde er nicht so viel Kraft haben wie ein Vampir, der frisches Menschenblut trank, doch Hauptsache es reichte zum Überleben.
"Du kannst wieder reinkommen", rief er Eddy zu, der so gleich zu ihm kam. Auch er probierte etwas von dem Essen, doch obwohl er ein Werwolf war, vertrug er das rohe Fleisch nicht. "Vermutlich kann ich so etwas nur in meiner Wolfsgestalt essen, sonst kann ich weiterhin von normalen Lebensmitteln leben", teilte er Jake mit.
"Das wird ja ein romantisches Picknick unter Kirschblüten werden. Mit rohem Fleisch und Innereien", meinte Jake zynisch.
"Wieso? Es gibt doch nichts Romantischeres als gemeinsam ein frisches Herz zu verspeisen." Eddy grinste und musste dann lachen. Es tat gut und ein Teil seiner Angst vor der Verwandlung fiel von ihm ab.
"Trafen sich ein Werwolf und ein Vampir, bei Vollmond unterm Kirschblütenbaum..." Jetzt brach auch Jake in Gelächter aus, über diese komplett bizarre Situation, in der sie sich gemeinsam befanden.
"Aber den traditionellen Sake kannst du noch trinken, oder?", fragte Eddy absolut ernst, nachdem sie sich wieder beruhigt hatten. Statt eine Antwort zu geben, musste Jake wieder über die Ernsthaftigkeit dieser so zufällig erscheinenden Frage lachen.

~*~


Drei Tage waren nach Jakes Verwandlung vergangen. Mit rohem Fleisch und Innereien kam er ganz gut zurecht. Er glaubte eher weniger, dass er dadurch ein besonders starker Vampir werden würde, wie jene, welche frisches Menschenblut tranken. Hauptsache er konnte irgendwie überleben, ohne zu großen Schaden anzurichten.
Diese Nacht würde es so weit sein, dass Eddy sich zum ersten Mal verwandeln würde. Aber Jake gelang es ihn mit den Vorbereitungen für ihr nächtliches Picknick genug vor seiner Angst abzulenken. Im Prinzip mussten sie nur eine Decke, rohes Fleisch, anderes Essen und Sake mitnehmen, doch Jake gelang es, die Vorbereitungen noch aufwendiger zu gestalten.
Eddy blickte nervös aus dem Fenster, als bereits langsam die Sonne unterging. Dann gingen sie hinaus in einen abgelegenen Park, wo sie sich unter den Kirschblütenbäumen ein gemütliches Lager errichten. In einigen Bäumen hingen noch Laternen und sorgten mit ihrem sanften Schein, für ein schönes Ambiente. Sie sogen diese in sich auf, solange sie vor Jakes Verwandlung Zeit hatten. Sie tranken Sake aus kunstvollen Porzellan Schälchen. Dazu aß Jake frische Innereien und Eddy Sandwiches auf Tellern, die farblich zu den Kirschblüten passten. Abwesend betrachteten beide dabei die wunderschönen zartrosa Blüten, die in kurzer Zeit wieder verblühen würden. Schließlich überlagerte das Licht des aufgehenden Vollmondes, dass der Laternen und sie wussten, es wurde Zeit.
Jake nahm Eddys Hand.
"Ich bin bei dir", sagte er ernsthaft. Dann umarmte er seinen Liebsten ein letztes Mal, bevor dieser sich auszog, von ihm entfernte und die Verwandlung begann.
Eddy schrie und jaulte vor Schmerz. Allmählich wandelten sich seine menschlichen Laute in tierische. Seine Knochen knackten, alles an seinem Körper verschob sich. Sein Körper wurde mit dichtem Fell bedeckt, bis er nichts Menschliches mehr an sich hatte. Nun war er nur noch eine Bestie in der Gestalt eines großen Wolfes.
Jake starrte seinen Geliebten erschrocken an. So würde es jetzt jeden Monat sein, bis zum Ende seines Lebens?
Eddy ließ ein schauerliches Heulen erklingen und kam dann auf Jake zu. Der blieb wie erstarrt während Wolf-Eddy an ihm schnupperte, dann den Picknickkorb umstieß und das gesamte restliche Fleisch gierig hinunterschlang. Blut klebte an seinem Maul. Er starrte Jake an und knurrte, dann rannte er davon.
"Hey Eddy warte, wohin willst du?", rief Jake ihm nach. Dann besann er sich darauf, dass er doch selbst mittlerweile übernatürliche Kräfte besaß.
"Ob ich mich in eine Fledermaus verwandeln kann?", überlegte er laut, doch er entschied sich für rennen. Er wollte keine Zeit mit Experimenten verbringen. Erstaunt über seine neue Geschwindigkeit, rannte er Eddy hinterher. Solange bis er ihn eingeholt und fast neben ihm herrennen konnte.
"Du kannst hier nicht einfach so rumrennen! Was wenn dich jemand sieht?" Zur Antwort bekam Jake nur ein tiefes, schauerliches Knurren zu hören. Dann hörte er ein Heulen. Vermutlich war er auf dem Weg zu anderen Werwölfen, dem Rudel, dessen Alpha Eddy verwandelt hatte.
„Verdammt! Ihr Arschlöcher bekommt meinen Eddy nicht!“, fluchte Jake und folgte seinem Geliebten. Es fiel ihm schwerer, mit ihm mitzuhalten, während er durch Dornenbüsche und anderes Gestrüpp hinein in einen Wald lief, der nach dem Park begann und sich dann, um und auf einem Berg, mehrere Hektar weit erstreckte.
Dornen und Äste kratzten Jakes Beine auf, doch er hörte nicht auf zu rennen, bis Eddy schließlich an einer Lichtung zum Halten kam. Dort hatten sich bereits, um die sechs andere Wölfe versammelt. Jake blieb hinter einem Baum stehen und beobachtete sie. Kein normaler Wolf kam an die Größe dieser Bestien heran. Der größte von ihnen mit grauem Fell und einem braunen Streifen, der sich von Kopf bis Schwanzspitze, über seinen Rücken zog, musste der Anführer des Rudels sein. Sie verständigten sich mit Lauten, welche Jake nicht verstand. Dann umkreisten sie Eddy und jaulten. Jake verstand nicht, was dort vor sich ging und am liebsten hätte er versucht, Eddy freizukämpfen, doch es hatte keinen Sinn. Er allein konnte nichts ausrichten und wie es schien, gehörte Eddy nun zum Rudel. Jake fühlte sich ausgeschlossen und war wütend auf die Werwölfe, Vampire und sich selbst. Niedergeschlagen machte er sich auf dem Weg zurück zum Park. Er konnte seine Frustration immer noch in dem Sake ertränken, während er wartete, dass Eddy zu ihm zurückkehrte.
Doch so weit sollte es nicht kommen. Als er sich umdrehen wollte, fixierte ihn auf einmal der Alpha mit seinem Blick. Auch wenn Jake nicht zu den Werwölfen gehörte und ihren Hierarchien unterworfen war, lief ihm ein eisiger Schauer über den Rücken und er konnte sich für einen Moment nicht bewegen. Die anderen Wölfe wandten sich ihm ebenfalls zu und knurrten bedrohlich. Das Eddy gemeinsam mit ihnen auf der anderen Seite stand, sorgte für ein Stechen in Jakes Brust. Einen Moment dachte er darüber nach, wie seltsam es war, dass er - eigentlich doch tot und im Grunde nicht mehr menschlich - trotzdem zu solchen Gefühlen und körperlichen Reaktionen fähig war.
Die Wölfe setzten an und Jake rannte um sein Leben. Seine Kratzwunden von den Sträuchern, die durch die kürzliche Mahlzeit aus Leber bereits langsam heilten, wurden bei der Hetzjagd wieder aufgerissen. Tatsächlich fühlte es sich so an, wie eine Hetzjagd und er war das Reh.
„Ich will kein verdammtes Reh sein!“, fluchte Jake, blieb abrupt stehen und drehte sich herum. Die Wölfe rannten fast in ihn hinein, da sie bei der Geschwindigkeit nicht so schnell bremsen konnten.
„Ihr seid doch Menschen, erinnert ihr euch in eurer Wolfsform nicht mehr daran?“, fragte Jake.
Die älteren Wölfe starrten sich an.
„Ja schon, aber wir sind auch Wölfe“, antwortete der Alpha in einer überraschend weichen, angenehmen Stimme.
„Und wir hassen Vampire!“, meinte ein anderer. Alle, außer Eddy nickten. Dann ließen sie ein lautes Knurren hören, in das nun auch Jakes Geliebter einstimmte.
Jake rollte mit den Augen.
„Ich habe keinen Bock darauf ein Vampir zu sein, ich habe nicht darum gebeten, genauso wie Eddy nicht darum gebeten hat ein Werwolf zu werden! Außerdem, weshalb kann er nicht sprechen?“
„Du hast unser geheimes Wolfstraining unterbrochen! Wie soll er so schon sprechen lernen?“, sagte der Alpha beleidigt.
„Macht Sinn.“ Jakes Stimme triefte nur vor Sarkasmus, anders konnte er diese komische Situation aus sprechenden Wölfen kaum aushalten.
Etwas änderte sich auf einmal. Die Wölfe schauten sich irritiert um und wackelten mit ihren Ohren.
„Vampire!“, rief der Alpha.
Drei fette Fledermäuse, eher Flughunde, landeten auf einem Ast in der Nähe. Nach einer Verwandlung landeten zwei Männer und eine Frau, alle in Mode gekleidet nach dem Motto „17. Jahrhundert trifft moderne Geschäftsleute“, elegant auf dem Waldboden.
„Ich wusste es doch! Vampire können sich doch in Fledermäuse verwandeln!“, rief Jake enthusiastisch aus, räusperte sich dann aber, schließlich hatte er sich vorgenommen so wenig Vampir wie möglich zu sein.
Die drei Vampire warfen ihm einen abschätzigen Blick zu.
„Warum hat Baltasar diesen Menschen überhaupt verwandelt?“, fragte die Frau ihre Begleiter verächtlich.
„Vermutlich fand er ihn süß und zu schade um ihn durch schlichtes Blut trinken zu töten“, meinte einer von ihnen mit einem Schulterzucken.
Der Alphawolf machte mit einem Knurren auf sich aufmerksam, so dass die Vampire ihren Blick von Jake abwandten.
„Was wollt ihr hier?“ Zum Unterstreichen seiner Worte knurrte sein Rudel ebenfalls.
„Ihr habt einen neuen Wolf, wir einen neuen Vampir. Wir wollen nur sichergehen, dass das Gleichgewicht zwischen uns weiterhin Bestand hat“, sagte der dritte Vampir mit der versnobtesten Stimme, die Jake je gehört hatte.
„Bei uns musst du dir da keine Sorgen machen, passt lieber auf euren Meister auf“, knurrte einer der Wölfe, der dem Alpha in Autorität kaum nachstand.
„Wagt es nicht unseren Meister zu beleidigen ihr dreckigen Köter sonst-“ Weiter kam er nicht, da sprangen die Wölfe auf ihn los und ein heftiger Kampf entbrannte.
„Zeit sich zu verpissen“, murmelte Jake vor sich hin. Doch da war immer noch Eddy, der wohl ganz dem Gemeinschaftsgefühl des Rudels verfallen war. Nichts an ihm erinnerte an den nervösen jungen Mann, der panische Angst vor dem Verwandeln gehabt hatte. Durch das Blut, welches immer noch an seiner Schnauze klebte, wirkte er nur noch wie ein wildes Tier. Jake war sich gar nicht mehr so sicher, ob ihre Beziehung, dass überstehen konnte. Werwölfe und Vampire konnten sich noch nie leiden, es waren wie zwei Wesen aus ganz unterschiedlichen Welten.
Plötzlich ging die Vampirin auf Eddy los, mit so einem heftigen Schlag, dass Jake nicht mehr nur zusehen konnte. Blitzschnell stand er neben seinem Freund, er wusste er verfügte nicht annähernd über ihre Kraft, doch er konnte nicht zulassen, dass sie Eddy noch mehr verletzte. Er war einige Meter nach hinten geschleudert worden und jaulte jämmerlich wie ein getretener Hund.
„Lass ihn zufrieden du Schlange“, fauchte Jake und bleckte zum ersten Mal bewusst seine Fangzähne. Er ging auf sie los, doch sein Schlag steckte sie mit einem höhnischen Lachen weg.
„Ist das alles was du kannst? Wer kein Menschenblut trinkt ist ein Schwächling!“
Im hohen Bogen flog er gegen einen Baum.
„Scheißdreck“, fluchte er hustend. Er rappelte sich auf und humpelte zu Eddy, der sich ebenfalls gerade aufrichten wollte. Zögerlich hielt Jake einen Moment seine Hand über seinem Fell und streichelte ihn dann. In dem Moment blickte er Jake zum ersten Mal so an, wie als würde er ihn erkennen.
„Lass sie uns fertig machen“, meinte Jake mit einem schiefen Grinsen auf den Lippen. Dieser Blick hatte ihm wieder etwas mehr Zuversicht gegeben. Mit etwas Training, bei welchem Eddy auch in seiner Wolfgestalt seine Menschlichkeit nicht vollkommen verlor, würde das schon werden.
Angriffslustig rannten sie gleichzeitig, mehr schlecht als recht, auf die Vampirin zu. Ihr Lachen blieb ihr ihm Halse stecken, als beide sie mit voller Kraft zu Boden wrestlten. Beide waren ziemlich mitgenommen und deshalb konnte sie sich leicht wieder befreien, doch es war ein erster, kurzer Triumph, den sie gemeinsam als Vampir und Werwolf erringen konnten. Wieder landeten beide einige Meter weiter bei einem der Bäume. Trotz der Schmerzen musste Jake lachen und Eddy jaulte in einer wölfischen Version eines Lachens.
„Das reicht jetzt!“, unterbrach eine tiefe Stimme das Kampfgeschehen. Alle hielten für einen Moment inne. Der Vampir, der Jake verwandelt hatte, erschien. Die drei Vampire gingen augenblicklich vor ihm auf die Knie.
„Ihr müsst euch nicht herausreden“, ging er dir drei an, bevor sie etwas sagen konnten.
„Mir egal wer schuld ist, ihr sollt keine unüberlegten Kämpfe eingehen, wie oft soll ich euch das noch sagen? Das ist doch barbarisch! Schluss jetzt!“ Er warf Jake einen kurzen aufreizenden Blick zu, dann verschwanden sie.
„Das sollte für heute genug sein“, gab auch der Anführer der Wölfe bekannt. Er wandte sich Eddy zu, den er mit verschiedenen Lauten etwas zu sagen schien. Dieser beugte seinen Kopf, dann trottete er an Jakes Seite zurück zum Park.
Kurz bevor sie den Kirschbaum erreichten, begannen seine Knochen zu knacken und aus ihm wurde wieder ein Mensch.
Jake zog ihn in seine Arme.
„Autsch“, sagten beide fast gleichzeitig.
„Was für eine komische Nacht“, murmelte Eddy. „Es fühlt sich so an als wäre alles ein Traum gewesen, doch ein sehr realer, aber gleichzeitig noch unwirklicherer. Mein Wolfbewusstsein ist irgendwie…anders.“
Sie legten sich bei ihrem, etwas verwüsteten Picknickplatz, auf die Decke unter den Kirschbaum. Sie lagen eine Weile so dort und betrachteten gedankenverloren die Blütenpracht über ihnen, bis Sterne und Mond langsam dem Licht der Morgenröte wichen.
„Vielleicht sollten wir langsam nach Hause gehen“, meinte Eddy und fröstelte. Er hatte ganz vergessen, sich seine normale Kleidung anzuziehen. Mühsam erhob sich Jake. Er war immer noch völlig fertig, Eddy hingegen schien es außer, dass ihm kühl war, deutlich besser zu gehen.
„Weißt du ich hatte eine Überlegung…“, begann Eddy zögerlich mit einem roten Schimmer auf den Wangen. „Da ich scheinbar auch in meiner menschlichen Form schneller heile als du und du auch viel stärker sein könntest, wenn… wenn du Blut trinkst. Vielleicht besteht die Möglichkeit, dass du…dass du mein Blut trinken könntest? Nur ein bisschen damit es dir schneller besser geht.“
„Auf keinen Fall!“
„Aber das ist wirklich nicht schlimm, ich halte das aus.“ Mutig richtete Eddy sich auf. Er streckte Jake demonstrativ sein Handgelenk hin.
Mürrisch umfasste er es sanft mit beiden Händen.
„Bist du dir wirklich sicher?“, fragte er ernst.
„Ja! Es ist einfach besser und ich vertraue dir.“ Dagegen konnte Jake nichts mehr sagen. Er ließ seine Fangzähne länger werden und setzte sie zögernd an Eddys Handgelenk.
„Wehe du stirbst!“, sagte er, bevor er hineinbiss. Das Blut floss langsam in Jakes Mund. Es schmeckte süß und so viel besser als Innereien. Eine Kraft und ein Verlangen fingen an, ihn zu durchströmen. Alles schob sich wieder an den richtigen Platz, während er schnell heilte. Er war kurz davor, dass ihn ein seltsames Gefühl zu übermannen schien, was ihn davon abhalten, würde Eddy loszulassen. Ein Durst so schlimm, wie er ihn noch nie gespürt hatte. Ein Durst nach Blut und danach zu töten. Schlagartig riss er sich von Eddy los. Er fauchte. Seine Pupillen waren stark geweitet und er wirkte weniger menschlich.
Eddy wich erschrocken zurück und hielt sein Handgelenk festgedrückt. Das Blut troff zu Boden, bevor sich die Wunde langsam schloss und es versiegte.
Langsam gewannt Jake an Fassung wieder.
„Das… Das darf nicht zu oft passieren. Es fällt mir schwer diese neuen Vampirinstinkte zurückzuhalten.“ Jake leckte sich das restliche Blut von den Lippen, kurz durchfuhr in abermals das seltsame Gefühl, doch kurz darauf hatte er sich wieder unter Kontrolle.
„Du mit deinen Vampirinstinkten, ich mit meinen Wolfsinstinkten… Keine Sorge wir werden uns schon daran gewöhnen. Schau die Wunde hat sich bereits geschlossen und du bist auch geheilt.“ Eddy hielt ihm den Arm hin, doch Jake schreckte zurück.
„Ich habe keine Angst vor dir, und auch keine Angst mehr davon was ich bin und was du bist. Naja, ehrlich gesagt vielleicht doch noch ein bisschen, aber ich möchte das wir es gemeinsam durchstehen“, sagte Eddy sanft.
„Zieh dir endlich etwas an, sonst kann ich dich nicht ernst nehmen“, schimpfte Jake.
„Geht doch“, grinste Eddy und schnappte sich seine Klamotten. Sie sammelten alle Reste des Picknicks ein, dabei hob Eddy einen heruntergefallenen Zweig auf. Daran waren einige Kirschblüten, jedoch auch einige Knospen zu sehen. Zuhause würde er den Zweig in eine Vase stellen, um etwas von der Schönheit des Kirschblütenbaumes zu bewahren.
Im Licht der aufgehenden Sonne traten sie, gemeinsam Händchen haltend, den Rückweg an.
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