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The Last Of Us 2 - Fortsetzung Teil II

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P18 / Mix
Abby Anderson Ellie
03.04.2021
05.05.2021
36
57.639
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03.04.2021 2.172
 
Ellie öffnete die Augen. Dina schien sich bereits rausgeschlichen zu haben. Hatte sie gestern Abend doch versprochen, Michael und John Kleidung in ihrer Größe zu besorgen. Konzentriert atmete Ellie ein und aus, drehte sich auf die Seite und sah in den Raum. Sonnenlicht versuchte einen Weg durch die Oberlichter in die Garage zu finden. Ellie erkannte John, der scheinbar noch schlief. Neben dem Sofa hatte Michael seine Matratze gelegt, doch auch er hatte sich vor wenigen Augenblicken noch einmal umgedreht. Dann sah sie hinüber zum anderen Bett. Abby hatte bereits die Augen geöffnet und blinzelte zu Ellie herüber. Sie lächelte. Dann entdeckte Ellie das braune Armbändchen an ihrem Handgelenk, dass Dina ihr scheinbar noch in der Nacht umband.
Ellie wollte sich aufsetzten, doch sie fand ihr Shirt nicht. Irgendwo musste es doch liegen. Sie suchte erst im und dann neben dem Bett. Dann sah sie wieder zurück zu Abby. Ohne etwas zu sagen, zeigte sie auf ihr Shirt neben dem Sofa. Dina hatte versucht es auf Michael zu werfen. „So fies“, gähnte Ellie, während Abby aufstand, das Shirt holte und sich auf Ellies Bettkante setzte.
„Gut geschlafen?“
„Glaub mir, noch nie so gut wie diese Nacht.“
„Schätze, ich wäre regelmäßig schweißgebadet aufgeschreckt. Nach alldem, was du durchmachen musstest.“
„Mein Körper brauchte den Schlaf mehr als mein Gehirn die Aufbereitung der Ereignisse. Hoffentlich kommt es nicht später.“
„Überleg mal, wo du noch vor vierundzwanzig Stunden warst.“
„In dieser scheiß Zelle. Oder bereits auf dem Weg zum Hafen.“ Ellie dachte an Portland. Eine absolute Horrorvorstellung, wenn sie dort nochmal hinmüsste.
„Hier ist dein Shirt. Wie es bei Michael gelandet ist, sollte ich besser nicht fragen?“ Abby grinste.
„Dinas fiese Tricks. Manchmal muss man da wohl durch.“ Ellie überlegte, wann sie das Shirt in Michaels Richtung geworfen haben könnte. Sicherlich war es heute Morgen. Heute Abend wird sie sich rächen. So ein Kindergarten.
„Auch so einen Bärenhunger wie ich?“ Abby hielt sich die Hand vor ihren Bauch.
„Und wie.“ Ellie zog sich das Shirt an. „So gut, dass du da bist.“
Abby lächelte: „Kannst du dich an unser erstes Frühstück hier erinnern? Mein erster Morgen in Jackson?“
Ellie nickte. „Verrückt, wie du in dieser kurzen Zeit nicht nur zu einem wichtigen Teil meines Lebens, sondern auch der Gemeinschaft geworden bist. Ich hab definitiv länger gebraucht.“
„Moment, aber warst du nicht auch fünf Jahre jünger?“
„Genauso reif wie heute.“ Ellie grinste und schob sich über die Bettkante.
„Brauchst du Hilfe?“
„Ich werd mich ja wohl noch selber anziehen können.“
„Nicht, dass du es in der letzten Woche verlernt hast.“ Abby grinste.
„Du würdest auch darüber lachen, wenn ich einen Arm verloren hätte, oder?“
„Irgendwie muss man dich ja bei Laune halten.“ Abby lächelte.
Ellie berührte mit ihrer Hand Abbys Wange und strich über ihre Wangenknochen. „Ich brauch das. Wir brauchen das beide.“ Dann stand sie auf und schlich zum Schrank. „Gott, meine Knochen. Als hätt ich sieben Tage auf Beton geschlafen.“

Dina trat in die Garage und warf abgenutzte, aber saubere Kleidung auf den Tisch vor dem Sofa.
„Schlafen die immer noch?“
„Was war das mit meinem Shirt?“, fragte Ellie, die gerade in eine frische Jeans schlüpfte.
„Heute Nacht treffe ich.“ Dina grinste.
Ellie wandte sich ab und konzentrierte sich auf JJ, der sich am Türrahmen festhielt. „Oh JJ, guck mal wer wieder da ist.“ Sie ging vor ihm in die Knie und küsste seine Stirn. JJ erkannte sie und stieß ein kindliches Kreischen heraus.
Abby gab Ellie ein warmes rotes Holzfällerhemd. „Ist kalt draußen.“
„Kann mir einer wieder hochhelfen?“ Ellie lachte, da sie sich wirklich abmühte, sich mit dem Türrahmen nach oben zu ziehen.
Ellie zog die Jacke an, knöpfte sie sich bis oben zu und trat hinaus. Kalte Luft drang in ihre Lungen. Seit Tagen war es unglaublich kalt. Vermutlich würde es nicht lange dauern, bis auch der erste Schnee fiel. Bis dahin sollten sie unbedingt ihre Versorgungsstrategie für die Monate bis März absprechen. Sonst würde es in Jackson bald sehr ungemütlich.

„War wohl nichts, gestern?“, flüsterte Dina Ellie ins Ohr, während sie JJ wieder auf den Arm nahm.
„Kann mich nicht erinnern.“
„Weil du sofort eingeschlafen bist.“ Dina grinste.
„Sorry.“
„Dafür doppelt heute Abend.“
„Doppelt heute Abend?“ Abby drehte sich um.
„Doppelt Abendessen. Guck sie dir doch mal an. Nichts dran an dem Mädchen.“ Dina grinste. Auch Abby grinste. Natürlich wusste Abby, dass es sicher nicht ums Abendessen ging.
„Sollte nicht jemand John und Michael die Stadt zeigen? Oder übernimmt das Lev?“ Ellie dachte an die beiden, die gleich vermutlich orientierungslos in der Garage aufwachen würden.
„Steven holt sie ab. Sagte er mir zumindest.“ Dina schob ihre Hand in Ellies Gesäßtasche.
„Was hab ich eigentlich in Jackson verpasst, in den letzten Tagen?“ Ellie sah Dina an.
„Man spürte, dass sich die Stimmung wieder entspannte, als die Plünderer aus Bondurant aufbrachen. Teilweise hatte man das Gefühl, dass sie dir dafür danken wollen. Der Brief hat sich herumgesprochen.“
„Die Heldin Jacksons, also.“ Abby drehte sich wieder um und sah Ellie an. „Nach krassen Superkräften siehst du jetzt aber nicht aus.“
„Dann wünscht die Heldin Jacksons heute keine Party im Diner.“ Ellie hasste Tanzveranstaltungen. Hat sie noch nie gemocht.
„Ach Ellie. Wir müssen das feiern.“ Dina verzog die Miene. „Wenigstens kurz.“
„Vielleicht kurz.“

Nachdem Maria noch vor dem Diner erst Ellie und dann Abby in den Arm nahm und ihnen einen guten Morgen wünschte, traten die drei Frauen und JJ ein. Zu dieser fast späten Frühstücksstunde war wenig los. Bill, Joe und Javier sind sicher schon auf Patrouille. Dina erklärte, dass „Patrouille“ nun eher eine Jagd ist und die Räucherkammern hinter dem Diner an ihre Auslastungsgrenze kamen. Ebenso platzte das Lager in den Hinterräumen des Diners aus allen Nähten, nachdem die Kutschen mit Vorräten von Mr. Taylors Farm verstaut worden sind. Eigentlich klang es fast zu gut. Doch wenn nicht in den nächsten drei Monaten noch weitere Vorräte dazukamen, könnte Jackson ab Februar erste Engpässe erleiden. So konzentrierte sich jeder Berufstätige auf die Vorbereitungen für den Winter. Auch Ellie plante eigentlich, die Wände ihrer Garage zu verstärken. Nur mit großen Mühen schaffte sie es in den letzten Jahren zusammen mit Joel die kleine Garage ausreichend zu beheizen. Vielleicht würde ihr ja noch etwas einfallen. Helfende Hände hatte sie mit Michael, John und Abby sicherlich.
John und Michael betraten das Diner, gefolgt von Steven. Michael kniete sich auf den Boden, nachdem er sah, dass JJ auf ihn zustolperte.
„Kaum vierundzwanzig Stunden hier, schon hat Michael seinen ersten Kumpel.“ Dina lächelte. John setzte sich zu Ellie, als Seth das Frühstück auf den Tisch stellte. Auch Maria trat ins Diner und setzte sich zu Abby, Dina und Ellie.
„Maria, wie können wir helfen?“, fragte Abby, während Ellie ihre Wangen voller Brot hatte und aufsah.
„Ruht euch erstmal auf. Und wenn ihr so weit seid, sprechen wir drüber.“
„Wir sind bereit.“ Abby sah zu Ellie. Sie nickte nur mit vollem Mund. Auf jeden Fall war sie nicht bereit.
„Ihr hab doch das Auto, oder?“ Maria sah zu Abby. „Dann fahrt auf den Highway nördlich von uns.“ Sie zog eine Karte auf ihrer Brusttasche und zeigte auf den Highway 191 nördlich von Jackson. „ Auf dem Highway allerdings noch viele Trucks mit Vorräten. Das war eine wichtige Versorgungsstraße zum Yellowstone Nationalpark. Nehmt Kanister für Diesel mit. Und vor allem: Atemmasken. Möchte nicht wissen, was in den Trucks in den letzten Jahrzehnten so angesammelt hat.“
„Ich begleite euch“, sagte John.
„Zu dritt reicht völlig, schließlich braucht ihr Platz für hoffentlich viele Vorräte. Ich drücke euch die Daumen. Ausrüstung gibt es wie immer am Stall. Und ja, Abby: du bekommst ein neues Gewehr. Hör auf unsere Sachen einzutauschen.“ Maria grinste sie an.
Abby lächelte, hatte sie ihr Gewehr in Portland doch für einen Weg in die Quarantänezone eingetauscht. Maria stand auf und begab sich Richtung Ausgang.
„Wie du immer um deinen Hausarrest herumkommst, Ellie“, hörte Ellie Maria noch sagen, ohne dabei zu ihr zurückzuschauen.
Michael setzte sich auf den freigewordenen Platz, JJ auf seinem Schoß. Dina sah die beiden an.

„Was brauchen wir noch?“, fragte Abby.
„Brecheisen, wenn wir die Auflieger aufbrechen müssen“, sagte John.
„Was ist mit mir?“, fragte Michael, der vom Gespräch nichts mitbekommen hatte.
„Maria hat sicher eine Aufgabe. Oder bleib bei Dina und JJ.“ Abby stand auf. „Das sind nur vierzig Meilen. Heute Nachmittag sind wir wieder zurück.“
Michael schaute zu Dina. Sie nickte.
Dann stand auch der Rest der Gruppe auf, bedankte sich bei Seth, der an der Theke Geschirr abspülte.
„Wehe, du sagst Michael nur ein Wort über gestern Abend.“ Ellie ließ sich hinter die Gruppe fallen, die das Diner verließ und blieb bei Dina.
„Wovor hast du Angst?“ Dina grinste.
„Ich habe keine Angst.“
„Abwarten.“ Dina hob JJ auf ihren Arm, bevor sie auf die Straße traten.
Dann erhöhte Ellie ihr Tempo, um mit Abby Schritt zu halten. Ihr Körper glich einem einzigen Muskelkater. Aber sich jetzt wieder ins Bett zu legen, würde es auch nicht besser machen. Rasch holten die nötigsten Sachen aus der Garage, besorgten John ein paar Handschuhe und begaben sich zum Stall für die restliche Ausrüstung.



„Gott, hier stinkt`s“, lachte Abby, als sie die Wagentür des verrosteten, weißen Geländewagens öffnete.
„Echt jetzt, Abby?“ Ellie musste mitlachen, obwohl das eigentlich alles andere als witzig war.
„Ich zieh dich doch nur auf“, sagte sie und schwang sich auf den Fahrersitz. John nahm auf der Rückbank Platz, während Ellie sich auf den Beifahrersitz setzte.
„Brecheisen, Funkgerät, Taschenlampen, Gewehre, Munition, Karte, Schlauch, Kanister und haufenweise müder Knochen. Ihr seid bereit?“
„Fahr schon los, Abby.“ Ellie wusste, dass sie nicht wirklich bereit war.






„Ellie! Maske auf“, rief ihr John zu.
„Sorry.“ Ellie zog ihre Maske und sah zu Abby. Sie zuckte grinsend die Schulter.
„Warte mal. Du warst doch unverwundbar, oder?“ John schleppte das schwere Brecheisen hinter sich her.
„Würd` ich jetzt nicht behaupten. Aber gegen Sporen und Bisse immun.“ Ellie lächelte.
„Das meine ich. Dann, tu mir den Gefallen und setz die Maske dennoch auf. Schimmel kann in diesen geschlossenen Ladeflächen ähnlich fies wirken.“
„Du hast Recht.“
John setzte das Brecheisen an und hebelte mit aller Kraft die Tür auf.
„Also gut, was haben wir hier?“ John sah hinter die erste geöffnete Tür des Trucks. „Haufenweise Kartons.“
Ellie sah, wie sich Abby am Tank des Fahrzeugs zu schaffen machte und den ersten Schluck Diesel auf den Boden spuckte. „Ist das eklig. Jedes Mal.“ Dann tauchte sie den Schlauch in den Kanister und ließ den Diesel hineinlaufen, während sie sich den Mund mit Wasser ausspülte.
„Ich werde reinklettern“, sagte Ellie und schob sich an John vorbei. Sie zog ihre müden Knochen nach einem zweiten Versuch auf die Ladefläche des Trucks. Gut, John hatte von hinten geschoben, aber sie hätte das auch allein geschafft. Sie schaltete die Taschenlampe an und leuchtete in den Raum hinter den ersten Kisten.
„Nur noch mehr Kisten“, rief Ellie aus dem finsteren Auflieger.
„Was ist drin?“, fragte John.
Ellie zog ihr Klappmesser und öffnete den ersten Karton und hob einen Stapel Werbeflyer heraus. „Spitzenangebote von Walmart. So eine Scheiße. Ob es sich lohnt, die anderen Kartons auch zu öffnen?“
„Mach Stichproben.“
Ellie öffnete zehn weitere Kartons. Überall Werbeflyer. Dann entdeckte sie vier weitere Kartons, die eine rote Aufschrift hatten. „Sieh an.“
„Was?“
„Probierpackungen Tütensuppen. Vier Kartons. Ist sowas noch gut?“
„Schieb mal raus.“
Ellie schob den ersten Karton mit der roten Aufschrift mit dem Fuß zum Ausgang. John zog eine Handvoll kleiner Tüten heraus.
„Und?“ Ellie wollte sicherstellen, dass sich lohnt, auch die anderen Kartons zu besorgen.
„Glaube nicht, dass sowas schlecht werden kann, wenn es nicht feucht geworden ist.“
„Also rein ins Auto!“
Ellie schob die weiteren Kartons zum Ausgang, während John sie in den Kofferraum lud. Auch Abby hatte bereits einen halben Kanister Diesel gesammelt.
„Den Truck dort vorne öffnen wir nicht.“
„Warum?“ Ellie hatte sich von dem langen, weißen Truck viel versprochen. Doch erst jetzt erkannte sie eine Schneeflocke als Aufdruck auf der Seitenwand.
„Ist ein Kühltransporter. Hat sicherlich Lebensmittel geladen. Nur die Kühlung ist seit Jahrzehnten ausgefallen. Wenn du möchtest, kannst du es probieren.“ Er reichte Ellie das Brecheisen, doch sie lehnte dankend ab.

Ellie konnte es kaum glauben, als sie sich einige Stunden später zwischen ein paar weiteren Kartons Tütensuppen und Konserven, zwei vollen Kanister Diesel und einigen Kartons mit unbenutzten Klemmbausteinen in den Geländewagen quetschten. Zudem hatte sie hunderte verpackte Zahnbürsten gefunden, von denen sie drei über den gesamten Heimweg nicht mehr aus der Hand gab.
„Mehr Diesel als Wasser getrunken, heute“, lachte Abby, die sich für den halbstündigen Rückweg mit Abby auf die Rückbank setzte.
„Ich glaub, ich bekomm ne Blase an der Hand, so viele Kartons hab ich heute aufgeschnitten.“
„Ernsthaft, Ellie?“
„Ok, ok. War schonmal schlimmer.“ Ellie schenkte Abby ein Grinsen und sah wieder in ihre Handflächen. „Aber definitiv besser als in Jackson untätig dem Winter entgegenzuschlafen. Wie seid ihr in Seattle durch die Winter gekommen?“
„Hatte ja erzählt, dass wir innerhalb des Stadions unsere Gärten hatten. Daher war unsere Lebensmittelproduktion nie gefährdet. Dennoch: Jeden Winter wurde es knapp, aber irgendwie hat man es immer geschafft.“ Abby nahm einen letzten Schluck aus ihrer Wasserflasche.
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