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Abschied

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie / P12 / Gen
Katharina Strasser Markus Kofler Mia Steiner
02.04.2021
17.09.2022
18
46.520
16
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02.04.2021 3.180
 
Also mich hat das Staffelfinale der 12.Staffel einfach nicht los gelassen und ich musste etwas dazu schreiben. Das erste Kapitel meiner Kurzgeschichte spielt im Präsens. Alle weiteren dann wie gewohnt in der Vergangenheitsform. Eigentlich wollte ich nie im Präsens schreiben, aber irgendwie fühlte sich alles andere nicht richtig an.
Viel Spaß beim Lesen.
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Katharina PoV:

Der Augenblick war gekommen, vor dem ich die letzten paar Tage die meiste Angst hatte. Mia war gerade mit Lorenz vom Hof gefahren, um in Zürich auf ein Internat zu gehen. Sie hatte uns verlassen, ist gegangen ohne uns, ohne ihre Eltern. Es fühlt sich an, als würde meinem Herzen ein Teil entnommen worden sein, als wäre es nur noch zur Hälfte da. Es schmerzt so sehr sie gehen zu lassen. Unser kleiner Wirbelwind wird in Zürich ihren Traum Architektin zu werden ein Stück näher kommen, indem sie, zu unserem Leidwesen, eine Schule besucht, die mehrere Stunden von der Ramsau entfernt liegt. Mia wird nicht jeden Tag in unser kleines Häuschen zurückkehren und sich über die Schule beschweren. Sie wird auch nicht mehr laute Musik in ihrem Zimmer hören. Nein, Mia wird ihren nächsten Lebensabschnitt in Zürich verbringen, einer viel zu großen Stadt für ein viel zu kleines Mädchen.  
Ich hab keine Ahnung wie ich das aushalten soll. Auch wenn Mia nicht meine leibliche Tochter ist, so hat sie ihren Platz in meinem Herzen gefunden und das nicht erst seitdem Markus und ich zusammen sind. Sie war schon immer etwas Besonderes für mich, neben Markus mein Lichtblick am Ende des Tunnels in der schwersten Zeit meines Lebens. Wir beide teilen ein Schicksal des Verlusts der Mutter. Aber meine kleine Mia ist auch in ihrer Persönlichkeit so, wie ich es mir für mein Sternenkind gewünscht hätte, was sie noch wichtiger für mich macht. Der kleine Wirbelwind entspricht in ihrem Wesen der perfekten Vorstellung meiner eigenen Tochter, die ich leider viel zu früh verloren hatte.
Nun stehe ich hier, an Markus gelehnt und denke, warum muss ich das ein zweites Mal durchstehen. Warum verlassen mich alle Menschen, die mir etwas bedeuten, so früh. Erst Andreas, dann Thomas mit unserem Sternenkind und jetzt auch noch Mia. Wie oft soll ich das noch ertragen. Ich muss hier weg. Die traurigen Blicke der anderen auf dem Hof halte ich nicht mehr aus. Sie machen den Schmerz nur noch schlimmer und ich weiß nicht, wie lange ich mich noch beherrschen kann. Schnell befreie ich mich aus Markus‘ Umarmung und renne unter aufkommenden Tränen in unser kleines Häuschen. Die Reaktion der anderen ist mir in diesem Moment egal und ich will auch gar nicht wissen, wie diese ausfällt. Meinen Schmerz muss nicht jeder sehen, auch wenn ich mir im Klaren bin, dass mein Verhalten nicht unbemerkt bleiben wird.
Im Inneren des Hauses erinnert mich jeder Winkel an Mia. Wie sie vor nicht einmal einer Woche betrübt in der Küche saß und Angst vor ihrem Mathetest hatte oder als sie ihrem Mitschüler die Schulter ausgekugelt und mir in ihrem Zimmer den wahren Grund dafür erzählt hatte. Ich vermisse sie so. Meine Tochter war weg, hatte sich für ein Leben ohne uns entschieden, allein an einer neuen Schule, allein in einer neuen Stadt. Ihr leiblicher Vater Lorenz wohnt zwar auch in Zürich, aber er kennt Mia noch nicht mal ein Jahr. Er weiß nicht, dass es Mia total bedrückt, wenn andere über sie oder ihre Familie lästern, dass sie nicht damit umgehen kann, wenn jemand schlecht über ihren Papa Markus redet. Er weiß nicht wie es ist, einen aufmüpfigen Teenager auch mal in die Schranken zu weisen. Lorenz hat kein Gespür dafür, wenn Mia ihre besonderen Tage hat oder wenn sie sich eigentlich total über etwas freut, aber Angst hat es wirklich zu zeigen. Markus und ich kennen sie und das macht die ganze Sache nicht einfacher. Im Gegenteil. Zu wissen, dass ich ihr nicht helfen, nicht beistehen kann oder ihre Freude teilen kann, bricht mir das Mutterherz. Ich habe das Gefühl einen wichtigen Abschnitt in ihrem noch jungen Leben zu verpassen und dabei möchte ich doch so gern Teil des Ganzen sein. Sie gehört zu meiner kleinen Familie, wie Markus auch und selbst wenn die Trennung nicht für ewig ist, scheint es, als wäre es endgültig, scheint es als würde Mia nicht wieder kommen.  
In diesem Moment brauche ich irgendwie ihre Nähe, auch wenn sie nun leider nicht mehr bei uns wohnt. Gedankenverloren laufe ich unter Tränen die schmale Treppe zu Mias Zimmer hinauf. Das Bett ist ordentlich gemacht und auch sonst wirkt der Raum, als würde Mia nur in der Schule sein und am Nachmittag zurückkehren. Ich nehme langsam auf ihrem Bett Platz. Ich ziehe die Beine an mich ran und fühle mich zwar meinem kleinen Mädchen näher, aber spüre auch erneut den Verlust meiner beiden Töchter. Mia hatte mir so sehr über den Tod meines Sternenkindes hinweg geholfen, mit ihrer fröhlichen und aufgeweckten Art, aber wer hilft mir jetzt? Mia ist weg und in mir schmerzt es wie tausend Nadelstiche. Ich hab kaum Luft zum atmen und jede Träne, die meiner Wange herab fließt, erinnert mich daran, dass unser kleiner Wirbelwind fort ist. Wir haben sie verloren und Markus hat mir noch nicht einmal die Möglichkeit gegeben mit Mia und ihm einen gemeinsamen Weg zu finden. Ich weiß, mein Freund hatte Mia selbst die Entscheidung überlassen, aber ich fühle mich in gewisser Weise übergangen. Wie als dürfte ich eigentlich nicht so trauern, aber ich leide und das nicht zu wenig. Mein Herz zerbricht darüber, dass das Mädchen einfach so aus der Ramsau weg wollte, ohne es mit mir durchgesprochen zu haben. War ich nicht genauso ein Elternteil wie Markus und sollten wir nicht solche Entscheidungen alle gemeinsam fällen?  
Mias Entschluss brennt mir erneut wie Feuer im Herzen, zwingt mich regelrecht tief durchzuatmen, damit ich nicht auf der Stelle umkippe. Ich schaffe es kaum noch mich aufrecht zu halten und das Atmen fällt mir immer schwerer. Kurz bevor ich zusammenbreche, schließen sich zwei starke Arme um meinen Körper und fangen mich auf. Mein Unterbewusstsein weiß sofort wer mich da vor dem Umfallen gerettet hat. Behutsam hebt mich Markus an und setzt mich direkt auf seinen Schoß. Sanft streichelt er mir über den Rücken und spendet mir Wärme und Zuversicht. Meine Tränen versiegen langsam und ich schaffe es ihn in seine eisblauen Augen zu schauen. Doch was ich darin sehe, lässt mich abermals anfangen zu weinen. Auch er ist den Tränen nahe und scheint genau so zu leiden wie ich. Warum hatte ich nur gedacht, dass es nur mich so schwer mitnahm, dass Mia nicht mehr da war. Leise schluchze ich in seinen Armen und spüre, dass auch er einige Tränen verliert.
Eine Zeit lang bleiben wir so sitzen. Es tut gut, seine starken Arme um mich zu spüren und langsam beruhige ich mich wieder. Sanft löse ich mich von ihm und schaue Markus dankbar an. „Es tut so weh. Es tut so verdammt weh“, war das Einzige was ich gerade so noch hervorbringen kann, bevor eine neue Welle der Traurigkeit über mich hinweg stürzt. Markus sagt nichts darauf. Er weiß genau wie ich fühle und Worte wären jetzt zu viel. Allein die Anwesenheit des anderen gibt uns die Kraft, die nächsten Sekunden, Minuten und Stunden zu überstehen.

Markus PoV:

Als das Auto vom Hof fährt, bleibt die Zeit für mich stehen. Innerlich fühle ich mich gerade, als hätte ich meine beste Freundin Carola betrogen, sie im Stich gelassen. Ich hab ihr ein Versprechen am Sterbebett gegeben, gut auf Mia aufzupassen und was tat ich hier? Ich ließ ihre Tochter, die mittlerweile zu meiner Tochter geworden war, einfach ziehen. Natürlich hatte ich Mia die Entscheidung überlassen, aber es tat einfach verdammt weh. Tief in mir hatte ich gehofft, dass sie sich gegen Zürich entscheiden würde, aber sollte ich ihr diese einmalige Chance nicht von ganzem Herzen gönnen? In meinem Hals bildet sich ein dicker Kloß. Sie war keine drei Minuten weg und ich vermisste meinen kleinen Wirbelwind wie die Luft zum Atmen. Ich kann mir im Moment gar nicht vorstellen, wie leer unser kleines Häuschen ohne Mia sein wird. Ein bisschen werde ich sogar die laute Musik und ihre Nörgeleien vermissen. Jede Zelle meines Körpers wünscht sich meine Tochter zurück, dass sie wieder mit dem Auto um die Ecke biegt und mir freudestrahlend berichtet, dass sie es sich anders überlegt hat. Leider ist das nur ein Wunschdenken und tief in mir drinnen weiß ich, dass ich meiner Tochter bei diesem Lebensabschnitt nicht im Weg stehen darf. Mia würde es bereuen, es nicht versucht zu haben, auch wenn es bedeutet, geliebte Menschen zurück zulassen.  
Katharina bewegt sich in meinen Armen. Ein kurzer Blick in ihre Augen verrät mir, dass es zu viel für sie wird. Schnell verschwindet meine Freundin im Haus. Ich verstehe genau warum sie es so eilig hat in unsere kleine Hütte zu gehen. Die Blicke der anderen hält sie nicht mehr aus und auch mir fällt es in diesem Moment schwer, diesen stand zu halten. Das Mitleid der anderen brennt sich wie Feuer in mein Herz und erinnert mich schmerzhaft daran, was gerade passiert ist. Meine wohl einzige Tochter hat mich verlassen. Der einzige Mensch, bei dem ich mir sicher sein konnte, ihn immer in meiner Familie zu haben, ja ihn überhaupt Familie nennen zu dürfen. Mia war weg und ich kann es immer noch nicht so ganz verstehen. Meine Trauer lässt mich kaum einen klaren Gedanken fassen und dass Katharina zudem die Flucht ergriffen hatte, gibt mir den Rest.
Auch ich sehe jetzt keine andere Möglichkeit des Entkommens. Die anderen sollen nicht sehen, wie ich zusammenbreche, wie meine Welt aufhört sich zu drehen. Ich brauche jetzt nur noch eine Person. Und genau dieser Person ging es keinen Augenblick früher genauso wie mir. Sie ist ebenso vor meinen Augen unter dem Verlust zerbrochen. Nie hätte ich es für möglich gehalten, dass meine Freundin so darunter leiden würde, dass meine Tochter sich für Zürich entschieden hatte. Natürlich wusste ich, dass Katharina für Mia eine wichtige Bezugsperson war, aber dass auch Mia für Katharina eine richtige Tochter war, wurde mir jetzt erst schmerzlich bewusst. Was hatte ich getan? Ohne meine Freundin in die Entscheidung zu integrieren, hatte ich es Mia freigestellt sich zu entscheiden. Ich hätte ebenfalls mit Katharina darüber reden, sie mit einbeziehen sollen. Oh man, was war ich für ein Idiot. Ich kann mir kaum vorstellen, welche Gedanken gerade in ihrem schönen Köpfchen herum spuken. Für sie muss es sich jetzt wahrscheinlich anfühlen, als hätte sie wieder einen geliebten Menschen verloren, zum zweiten Mal eine Tochter.
Dieser Moment macht mir klar, dass wir beide nun dieses traurige Schicksal teilen. Wir sind eine Familie und Familien halten zusammen. Mit diesem Gedanken mache ich mich auf den Weg in unser kleines Häuschen. Ich muss meine Freundin finden und mich um sie kümmern, auch wenn es mir im Moment selbst schwer fällt meine Gefühle beieinander zu halten. Ohne die anderen noch eines Blickes zu würdigen laufe ich zu unserem kleinen Haus.
Dort angekommen höre ich bereits im Flur Katharinas Schluchzen. Es dauert eine Weile bis ich sie endlich in Mias Zimmer gefunden habe und ihr Anblick bricht mir das Herz. Zusammengekauert sitzt sie auf Mias Bett und ihr ganzer Körper bebt vor Aufregung. Behutsam nehme ich sie in die Arme und ziehe sie auf meinen Schoß. Auch mir steigen die Tränen in die Augen und als mich Katharina traurig anblickt, kann ich mich nicht mehr zurückhalten. Ich ziehe meine Freundin noch etwas näher zu mir und lasse meinen eigenen Emotionen freien Lauf. Wir hatten gemeinsam eine Tochter verloren, nicht nur ich. Ein weiteres Mal trifft mich die Erkenntnis, dass Katharina genauso ein Teil unserer kleinen Familie ist, wie Mia oder ich und meine Freundin erneut einen geliebten Menschen gehen lassen musste.
Es dauert eine Weile bis sich Katharina von mir löst und sagt: „Es tut so weh. Es tut so verdammt weh.“ Ich weiß was sie meint. Der Gedanke, dass Mia nun nicht mehr jeden Abend mit uns an einem Tisch sitzt und mal mehr oder weniger von ihrem Tag erzählt, sticht mir im Herzen und ich weiß Katharina geht es ebenso. Abermals werden wir beide von unseren Emotionen überrollt. Die Nähe des anderen ist nun das Einzige, was unsere Herzen beieinander hält.
Nach einer gefühlten Ewigkeit trennen wir uns voneinander und gehen schweigend nach unten in unsere Küche. Katharina, die vor mir läuft, bleibt abrupt stehen. Ihr Körper fängt abermals heftig an zu zittern und ich kann sie gerade so noch in meine Arme schließen, bevor sie wieder von ihren Gefühlen überwältigt wird. Der Grund dafür steht auf dem Küchentisch. Dort erblicke ich ein Bild von Katharina, Mia und mir. Schlagartig wird mir bewusst, dass Mia für uns vor ihrer Abreise eine Kleinigkeit vorbereitet haben muss. Vor dem Foto liegt ein kleiner weißer Briefumschlag, auf dem „Für Markus und Katharina“ steht. Langsam geh ich ,mit Katharina im Arm, auf den Tisch zu. Wir setzen uns gemeinsam auf einen Stuhl, meine Freundin dabei auf meinem Schoß. Katharina nimmt das Bild in ihre Hände und streichelt sanft darüber. Wir beide wissen sofort, wann das Foto aufgenommen wurde.
Letzten Sommer hatten wir eine Wanderung zum Stoderzinken gemacht. Mit Decken und einer deftigen Jause bepackt, hatten wir es uns dann schließlich auf einer großen Wiese gemütlich gemacht. Mia hatte nach einiger Zeit ihr Handy aus der Tasche gezogen und lauter Selfies von sich gemacht. Ein Bild war dabei entstanden mit Mia in der Mitte und Katharina und mir an je einer Seite, wie wir sie gerade auf jeweils eine Wange küssen. Und genau dieses Foto hatte nun Katharina eingerahmt in ihrer Hand. Dieser Tag war einer der schönsten im letzten Jahr. In diesen besonderen Stunden spielte kein Lorenz eine Rolle und auch die Bergrettung und Katharinas Arbeit im Hotel waren nebensächlich. Unsere kleine Familie war das Einzige gewesen, was wirklich gezählt hatte. Damals waren wir alle glücklich einander zu haben und dieser Tag sollte noch lange in Erinnerung bleiben.
Zurück in der Gegenwart greife ich um meine Freundin herum und hole mir den Brief vom Tisch. Katharina schaut mich traurig an. Natürlich kann der Brief nur von Mia sein und langsam beginne ich ihn zu öffnen. So, dass wir ihn beide lesen können, lege ich ihn vor uns.

Lieber Papa, Liebe Mama (Ja Katharina zu bist gemeint),

Wenn ihr diesen Brief gefunden habt, bin ich schon auf dem Weg nach Zürich. Ich weiß, ihr seid jetzt unendlich traurig, dass ich nicht mehr da bin, aber ich muss das einfach tun. Mir fällt es auch total schwer euch zu verlassen, vor allem da ihr mir gezeigt habt, was es heißt eine Familie zu haben. Ihr seid meine Eltern und werdet es auch immer bleiben, so wie meine Mama im Himmel immer meine richtige Mama bleiben wird.
Katharina, du bedeutest mir allerdings mittlerweile so viel, dass ich dich zu Recht Mama nennen möchte. Deine Herzlichkeit mir gegenüber ist wunderbar und jedesmal wenn du mich in den Arm nimmst, fühlt es sich gut an. Du bist meine weibliche Bezugsperson, die Person der ich alles anvertrauen kann (dir natürlich auch Papa). Ich hab mich immer gefreut mit dir Zeit zu verbringen und du gibst mir jede Minute das Gefühl, dass ich wirklich ein Teil von dir bin. Ich fühle mich als deine Tochter und das ist so ein schönes Gefühl, da ich weiß, dass da nicht nur mein Papa ist, der jetzt leider unendlich traurig ist, sondern auch du. Ich hoffe nur, dass du jetzt nicht schon wieder das Gefühl hast, eine Tochter verloren zu haben, denn das hast du nicht. Ich bleibe deine Tochter (natürlich nur, wenn du das überhaupt willst) und irgendwann bin ich wieder bei euch. Ich hab dich ganz sehr lieb, Mama Katharina.
Und Papa, du weißt, dass ich dich auch unendlich lieb habe. Als kleines Kind hab ich mir immer so einen Papa wie dich gewünscht. Es tut mir umso mehr weh, dass ich dich jetzt schon wieder gehen lassen muss. Lorenz ist zwar mein leiblicher Vater, aber du bleibst für immer mein Papa im Herzen und der Einzige den ich wirklich Papa nennen möchte. Auch wenn unser Start etwas holprig war, denke ich mit Freude an jeden Tag zurück. Du hast mir beigebracht, dass Geld nicht alles ist im Leben und dass man manche Dinge einfach selber in die Hand nehmen muss, damit sie funktionieren. Deine Umarmungen und Gespräche werde ich vermissen, ja sogar deine Versuche mir Grenzen zu setzen. Du hast mir so viel Liebe gegeben, obwohl ich nicht deine leibliche Tochter bin und dafür möchte ich dir danken. Fast von Anfang an, fühlte ich mich dir verbunden, wie als wären wir wirklich Vater und Tochter. Für mich macht es jetzt keinen Unterschied mehr, ob leiblich oder nicht, du bist mein Papa und ich deine Tochter. Und wie du immer sagst, so schnell wirst du mich nicht mehr los. Papa, ich liebe dich vom ganzen Herzen.
Leider bin ich nun nicht mehr bei euch und ich würde am liebsten in diesem Moment einfach hier bleiben. Ich weiß allerdings auch, dass ich es bereuen würde, es nicht wenigstens in Zürich versucht zu haben. Ich muss diesen Weg jetzt einfach gehen, leider ohne euch und ich finde es so schade, dass wir jetzt nicht mehr am Wochenende gemeinsame Ausflüge machen können oder am Abend ein schönes Spiel spielen können. Das wird mir in Zürich echt fehlen, auch wenn mir Lorenz schon die ein oder andere Spielrunde in Aussicht gestellt hat. Allerdings ist er nun mal Lorenz und keiner von euch. Ich glaube auch, ihr zwei könnt besser verlieren als Lorenz.
Ich vermisse euch schon jetzt und eins ist klar, wenn ich Ferien habe, müssen wir alle Ausflüge nachholen, die ich nun leider verpassen werde. Und mindestens ein Spieleabend ist auch schon gebongt. Ich freu mich auch schon sehr, wenn ich euch dann endlich wieder richtig umarmen kann.
Also seid nicht mehr allzu traurig, die nächsten Ferien kommen schon bald.

Ich liebe und vermisse euch ganz sehr.
Eure Mia

(P.s.: Papa, hast du Katharina nun endlich schon gefragt?)


Erzähler PoV:

Katharina und Markus schauen sich etwas fassungslos an. Ihre kleine Mia hatte ihnen ein ganz besonderes Abschiedsgeschenk gemacht und so sehr wie ihre Herzen auch gerade schmerzten, hatte es ihre Tochter geschafft ihnen Zuversicht zu vermitteln. Sie war zwar bereits auf den Weg nach Zürich, aber mit ihrem Brief doch wieder ganz nah bei ihnen.
Natürlich würde die Trauer noch eine Zeit lang präsent sein und ihnen die ein oder andere schwere Stunde bereiten, aber immer wenn die Sehnsucht zu groß werden würde, würden sie sich Mias Brief erneut durchlesen. Ihre Tochter hatte sie nicht verlassen. Sie war lediglich in eine Richtung gegangen, die eine Zeit lang nicht mit ihrem Weg parallel verlief. Mit Mia waren sie eine Familie und auch wenn der kleine Wirbelwind eine Weile nicht bei ihren Eltern lebte, war sie doch immer im Herzen bei ihnen.  

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Und hiermit ist der erste Teil auch schon vorbei. Lasst mir doch gern wieder ein Feedback zukommen, wie ihr meine Geschichte fandet.
Und denkt daran, es geht noch weiter.
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