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Old scars

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
02.04.2021
16.01.2022
55
351.844
17
Alle Kapitel
156 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
24.10.2021 7.458
 
Hallöchen, ihr Lieben!
Happy Sunday und alles, was es sonst noch zu wünschen gibt ^^

Wünschen ... gutes Stichwort …

Zuerst mal wünschen wir unserer Susie24 den tollsten Geburtstag überhaupt. Lass dich heute feiern und alles Gute vom Juli Hörnchen – Team <3

Dann wünschen wir uns, dass all diejenigen unter euch, die Instagram haben, mal bei uns vorbeischauen: https://www.instagram.com/juli_hoernchen/ ... Naja, man kann den Wünsch äußern xD aber es lohnt sich bestimmt.

So, dann wünschen wir euch noch einen tollen Sonntag, schaut auch auf Wattpad vorbei beim Kinkytober, den poste ich auch gleich und dann …. Macht’s euch noch nett

Knuddelz
Juli & ihr Hörnchen


39. Zwischen Wut und Eifersucht


Montag, 12. Dezember 2016

Blaine hatte am Wochenende sein neues Zimmer eingerichtet. Noch immer war Jessy nicht zurück und er war nach unten gezogen. Nun hatte er ein Zimmer mit Terrasse. Mit Mareks Hilfe versorgte er Sam und Lucky, die in Mareks Zimmer lebten.

“Sid, wollen wir langsam mal das Haus schmücken?”, fragte er am Nachmittag. “Im Keller sind die Weihnachtskartons.”

“Ja, können wir machen. Ich glaube Sandro und Keegan wollten einen Baum holen.”

“Na los, lass uns die Kisten hochholen.” Gemeinsam gingen sie hinunter und räumten allerhand sommerliches Zeug beiseite. “Uff ... also die Lichterketten fummelt Marek auseinander. Der steht auf solches Knitterzeug.”

“Was machst du Weihnachten?”

“Nach Hause fahren. Ich freu mich auf meine Tante. Und auf Mum und Dad. Sie überlegen, ob wir nach Italien fliegen und dort feiern.”

“Grüßt meine Großeltern.”

“Ich glaube, sie leben auf der anderen Seite oder? Ganz unten?”

“Ganz unten in Lecce.”

“Da komm ich leider nicht vorbei. Meine Tante lebt in San Marino. Das liegt viel weiter oben.”

“Schade.” Sid lächelte und nahm eine der Kisten.

“Du bist bei Kee?” Blaine folgte ihm mit der zweiten Kiste.

“Wir haben noch nicht darüber geredet und ich bin unsicher, ob sein Dad mich da haben will. Er mag mich nicht besonders. Er hätte Kee gern bei seiner Ex.”

Blaine lächelte leicht. “Kee wird dich ganz bestimmt nicht hierlassen.” Er fing an, alles auszupacken, als Marek herunterkam. “Hey, was machst du an Weihnachten?”

“Sandro bleibt hier in Pokeena und seine Eltern kommen her. Das wird sicher schön. Ich nehme die Babys mit nach Hause. Mum freut sich sehr auf so viel Besuch.”

“Ihr feiert gar nicht zusammen?”, fragte Sid überrascht.

Marek lachte leise. “Sid, ich komme aus Pokeena. Schon vergessen?”

“Oh … es klang so komisch.” Sid murrte leise. “Ich hab ein Geschenk für Kee … “

Blaine sah ihn fragend an. “Und was?”

“Kommt mit.” Er ging mit den beiden nach oben und biss sich auf die Unterlippe. “Dreht euch zur Tür.”

“Zieht er sich jetzt aus?”, fragte Marek grinsend und drehte sich um, genauso, wie Blaine.

Sid setzte sich vor das Bett und zog die Kiste vor. Daraus nahm er eine kleine Schatulle und trat hinter sie. “Denkt ihr… er gefällt ihm?”, fragte er leise mit roten Wangen.

Blaine und Marek drehten sich um.

“Ohhh ...” Marek betrachtete den Ring. “Ein Verlobungsring?”

“Naja … er sagte mir, dass er mich eigentlich nicht heiraten will, aber da wollte er mir nicht sagen, dass er verheiratet ist. Ich hoffe … dass er mich irgendwann heiratet, wenn er geschieden ist.”

“Das ist so süß”, sagte Marek strahlend, während Blaine ihn sanft anlächelte und fest umarmte. “Halt ihn gut fest.”

“Mach ich. Er ist mein Mann. Ich würde ihn nie wieder gehen lassen.”

Blaine streichelte dessen Wange. “Gut so.”

Gemeinsam gingen sie wieder runter, nachdem Sid den Ring wieder verstaut hatte. Kaum waren sie unten angekommen, öffnete sich die Tür und Jessy kam herein.

Ihnen fiel direkt auf, wie fertig dieser aussah. Müde, blass, rote Augen. Sid seufzte. Das alles musste ihm heftig zusetzen. Nicht nur Jared. Auch die Sache mit Blaine. Warum konnten sie nicht einfach glücklich sein? Einen Moment hatte er echt überlegt seinen Ring in Blaines Namen an Jessy zu schicken. “Hey Jess.”

“Hey”, sagte dieser und nickte ihnen zu. “Was sind das für Kisten?”

“Weihnachtsdeko.” Marek ging auf ihn zu und umarmte ihn fest. “Wie geht es Jared?”

“Schlecht. Er spricht nicht mehr. Ich weiß nicht warum, aber … irgendwas macht ihm so sehr zu schaffen, dass er nur aus dem Fenster schaut und weint. Als Dad ihn eben mitgenommen hat, hat er sich heftig gewehrt und geschrien. Es war schrecklich.”

“Er spricht nicht mehr?”, fragte Marek erschüttert und schaute zu Blaine und Sid, bevor er sich Jessy zuwandte.

Blaine hörte zwar zu, schaute Jessy aber nicht an. Stattdessen fing er an, die Kisten auszuräumen.

“Nein, kein einziges Wort. Er hat drei Tage im Wald verbracht, bevor der Förster ihn fand und schon da sagte er nichts. Und er nannte sich Alex.”

Marek biss sich nachdenklich auf die Lippe. “Klingt, wie ein mentaler Schock. Sage mal, hat er den Tod seines Freundes Mattis eigentlich je verarbeitet? Also mit entsprechender Hilfe?”

“Er hat nie darüber geredet. Er war in einer Klinik, aber wegen seiner Magersucht und Suizidversuchen.”

Leise seufzte Marek. “Irgendwann wird er sich dem stellen müssen, was er getan hat, aber dafür ist jetzt nicht der Moment. Ich hoffe, sie können ihm helfen.” Er streichelte Jessys Wange. “Deine Babys sind bei ihren Brüdern in meinem Zimmer.”

Jessy sah ihn an und nickte. “Okay … Was machen sie bei dir?”

“Fressen, schlafen und das Zimmer auseinander nehmen. Zu viert sind sie ein echtes Dreamteam und ja, das war Sarkasmus.”

Er runzelte die Stirn. “Warum sind sie nicht in unserem Zimmer, was sie übrigens nie auseinander genommen haben.”

“Ähm ...” Marek schaute zu Blaine, dann zu Jessy. “Naja, es ist jetzt dein Zimmer. Und ich glaube ja, Kappa stiftet sie alle an.”

“Du hast sie weggeben?”, fragte Jessy Blaine.

Der hielt inne mit dem Ausräumen. “Nein, wir haben uns gemeinsam um sie gekümmert. Aber ich bin aus dem Zimmer ausgezogen und sie sollten nicht allein sein. Wir wussten ja nicht, wann du zurückkommst.”

“Und warum schlafen sie nicht bei dir?”

Leise seufzte Blaine. “Ich schlafe unten und ich wollte nicht, dass sie weglaufen über die Terrasse, wenn sie offen ist.”

“Dann lass sie zu. Du bist genauso ihr Daddy, wie ich.” Jessy schüttelte den Kopf und ging hoch. Die beiden wussten doch gar nicht, warum sie nicht da waren!

“Und lüfte nie wieder?”, fragte Blaine knurrend die anderen.

Marek seufzte und lief hinterher. “Hey, er war ganz oft bei ihnen.”

“Aber nicht über Nacht!” Jessy ging in das Zimmer. “Hey, Babys.”

Lucky tapste sofort auf ihn zu, während Sam den Kopf aus Mareks Pullover steckte und maunzte.

Sanft nahm Jessy Lucky auf den Arm, gab ihm einen Kuss auf den Kopf und setzte sich zu Sam. “Hey kleiner Räuber. Lässt du dich von Kappa anstiften?”

Lucky schmiegte sein Köpfchen an Jessys Gesicht, während Sam auf dessen Schulter kletterte.

“Ich habe euch vermisst…”

“Sie dich auch. Jessy, sei nicht böse auf ihn. Er hat ja nur die Schiebetür. Da wars ihm hier oben sicherer.”

“Mag sein … ich würde jetzt rüber gehen.”

“Ja, okay.” Marek hielt die Tür auf.

“Danke, dass du auf sie aufgepasst hast”, sagte Jessy leise und ging in sein Zimmer, welches unglaublich leer aussah ohne Blaines Klamotten und Bilder. Seufzend setzte er die Katzen auf das große Bett. “Oh Mann ...”

Marek brachte ihm das Katzenklo und die beiden Näpfe. “Jess?”, fragte er leise. “Wird das wieder bei euch?”

“Ich weiß es nicht”, flüstert er leise.

“Du musst nur runtergehen und ihn küssen. Er liebt dich doch.”

“Und trotzdem hat er das Schlimmste gemacht, was er hätte tun können.”

“Das wirst du ihm nicht verzeihen, oder?”

“Das kann ich nicht.”

Langsam nickte Marek. “Ich hoffe, ihr könnt irgendwie miteinander umgehen. Ihr wart ja nicht nur ein Paar. Er ist auch dein bester Freund.”

“Ich fürchte, ich habe beide verloren.”

Marek setzte sich neben ihn. “Er sagte, ihr habt viel gebrüllt und euch viele böse Sachen an den Kopf geworfen. Vielleicht müsst ihr in Ruhe reden. Jareds Zustand war ihm damals nicht bewusst. Vielleicht denkt er jetzt anders.”

“Aber jetzt ist es zu spät.” Jessy sah ihn traurig an. “Du hättest Jared sehen müssen. Er ist… nur noch ein Geist.”

“Jess, Jared ist doch nicht so, weil Blaine ihn angezeigt hat, oder?”

“Nein, aber es hätte ihn in den Knast und somit in den Tod führen können.”

Leise seufzte Marek. “Es ist schön, dass du wieder da bist.”

“Danke.” Jessy lächelte leicht. “Ich … werde mal umräumen.”

“Wenn du Hilfe brauchst, sag Bescheid. Ich hab Zeit. Ich hasse Schmücken und bin da vollkommen talentfrei.”

Das nahm Jessy an. Zwei Stunden rückten sie die Möbel hin und her und nie gefiel es ihm. Er hasste jede Veränderung. Frustriert wischte Jessy sich Tränen von den Wangen. “Das ist alles scheiße!”

“Du kannst es ändern. Du liebst ihn doch, oder?”, fragte Marek sanft und wischte ihm eine Träne von der Wange.

“Natürlich liebe ich ihn! Ändert aber nichts.”

“Naja ... doch. Ihr könnt reden.”

“Nicht jetzt.” Jessy seufzte und zog die Matratze vom Bett, legte diese vor das Fenster und ließ sich darauf sinken. “Ich bin gerade so durch.”

“Hm ... wenn du magst, mach ich dir etwas zu essen und dann schläfst du erstmal.”

“Ja … das klingt gut.”

Marek gab ihm einen Kuss auf die Wange und lief dann die Treppe hinunter, wo Sid und Blaine das Wohnzimmer schmückten. “Das sieht gut aus.”

“Da drüben ist ein Ball mit Lichterketten. Knotest du sie auseinander?”, fragte Sid grinsend.

“Euer Ernst?” Marek murrte. “Ich mach Jessy erst etwas zu essen, dann kümmere ich mich drum.”

“Wie gehts ihm?”

“Beschissen ... in so vielen Aspekten seines Lebens.”

“Ihr wart da oben ziemlich laut.”

“Jaah ... naja, er versuchte das Zimmer irgendwie einzurichten, aber er weint nur.”

Blaine zuckte zusammen und schloss die Augen. Verdammt.

“Das ist doch ... Blaine! Geh hoch und küss ihn!”

Traurig schaute Blaine die beiden an, dann ging er langsam die Treppe hoch. Er vermisste ihn schrecklich. Leicht klopfte er an die Tür.

Müde saß Jessy auf der Matratze auf dem Boden, die Arme in seinem Shirt gefangen. Er war frustriert, traurig und besorgt und es regte ihn massiv auf, dass er das Shirt nicht ausgezogen bekam. “Was?”

Blaine trat ein und stutzte. “Ähm ... Jess, brauchst du ... Hilfe?”

“Nein … ich bin schon groß!” Er knurrte und stöhnte frustriert auf. Er war zu müde für die einfachsten Dinge. Wenn er schon sein Shirt nicht ausbekam, wie sollte er seine enge Jeans ausziehen? Vielleicht sollte er in Klamotten schlafen.

Blaine seufzte leise und trat auf ihn zu. “Warte, der Verschluss von deiner Kette hat sich im Shirt verhakt.” Er versuchte der Verschluss von der Kette mit dem dünnen Lederband zu lösen. “Okay, jetzt.”

Jessy zog das Shirt aus und seufzte. “Danke”, sagte er leise und ließ sich nach hinten fallen. Das musste reichen.

Blaine nahm Sam hoch und gab ihm einen Kuss auf den Kopf, dann setzte er sich auf die Matratze. “Es tut mir leid”, sagte er leise.

“Was?”

“Alles. Dass wir uns so angebrüllt haben, dass es dir so schlecht geht, dass es Jared so schlecht geht. Es lag nie in meiner Absicht, dass er ins Gefängnis kommt und ich sagte das auch. Nur vielleicht nicht deutlich genug. Ähm ... wie auch immer, also ... es tut mir leid. Ich wollte die beiden auch nicht vernachlässigen, ich wollte nur vermeiden, dass sie weglaufen.”

“Ich weiß … ich bin einfach nur müde. Ich wollte dich nicht anzicken.” Jessy streichelte Sam. “Ich weiß, dass du sie liebst.”

“Das tue ich ...” So, wie dich, dachte er und schaute Sam zu, der sich fest an Jessy kuschelte.

Jessy schwieg einen Moment, in dem er Sam einfach nur streichelte. “Nimmst du die Anzeige zurück?”

“Kann ich nicht.” Blaine kratzte sich im Nacken. “Dein Dad hat sie aufgehoben. Ich hab nachgefragt.”

“Wofür nachgefragt?”

Blaine rieb sich das Gesicht. “Ich weiß es nicht. Ich war da und hab mich mit Deputy Smith unterhalten. Noch, während Jared weg war. James ist sauer, er will eine Neue. Ich war unsicher. Meine gibt es nicht mehr und als er mich fragte, ob ich eine neue stellen will, habe ich verneint. Ich sagte ihm, dass ich erst abwarten will, wie sich alles entwickelt. Ihr sagtet, Jared ist krank.”

“Ja, das ist er.”

“Dann wird er behandelt. Jessy, ich will ihn nicht ungestraft davonkommen lassen. In einem Punkt hatte er Recht. Wir müssen für unsere Taten geradestehen. Das haben wir alle. Ich damals auch. Auf welche Art und Weise er für seine Taten geradestehen wird, weiß ich nicht, aber er wird es. Vielleicht ... tut er es schon.”

“Sie lassen ihn einweisen. Auf unbestimmte Zeit.” Jessy sah ihn traurig an.

Blaine erwiderte den Blick. “Es wird ihm helfen.”

“Und wenn nicht? Er war schon mal in einer Klinik. Wenn James Anzeige durchgeht … “ Jessy bekam Tränen in die Augen.

So sehr Blaine ihn auch in den Arm nehmen wollte, er blieb sitzen. “James müsste sie neu stellen, Jess. Dein Vater hat alles abgewürgt.”

“Das geht doch gar nicht. Er kann sie höchstens aufschieben.”

“Ich kann nur sagen, was ich weiß. Vielleicht gab es Auflagen. Smith sagte, dass das keine kurze Entscheidung gewesen ist. Damals, bevor Jared weggelaufen war, hatte er sie nur auf Eis gelegt.”

Jessy schloss die Augen. “Das ist alles scheiße. Ein Albtraum. Ich wünschte, das wäre alles nicht passiert.”

“Wem sagst du das”, murmelte Blaine. “Ähm ... ich lass dich schlafen. Du siehst wirklich fertig aus.”

Jessy wollte etwas sagen, ließ es dann aber. Er war zu feige, um irgendwas zu sagen. Er hatte es nicht mal geschafft, Blaine von der Trennung zu erzählen. Vermutlich hatte er gehofft, dass Blaine das einfach ignorieren würde. Dass sie es schaffen würden.

Blaine sah ihn einen Moment nur an. Dann stand er auf. “Wenn ... also ... dein Zimmer sieht ziemlich wüst aus. Wenn du  Hilfe ... ähm ... nein, das ist ziemlich unpassend, denke ich. Vergiss es wieder.”

“Ich habe nichts gehört … vielleicht … nenne ich es kreatives Chaos.”

“Passt zu dir”, sagte Blaine lächelnd. “So, Kleiner. Du kuschelst dich jetzt an Daddy, okay? Und morgen früh kuschel ich euch auch wieder.”

Sam maunzte und schmiegte sich an Blaine.

“Ich weiß. Schlaf gut. Ihr müsst beide gut auf ihn aufpassen, ja?”

Sam schnurrte leise und leckte Blaine über die Hand.

“Ich hab dich lieb.” Er küsste ihn aufs Köpfchen, streichelte Lucky und setzte beide auf Jessys Bauch. “Schlaf gut”, sagte er leicht lächelnd und öffnete die Tür. Zu gehen fiel ihm wahnsinnig schwer, doch es musste sein.

Jessy sah ihm nach und seufzte leise. War seine Entscheidung richtig gewesen? Gerade vermisste er ihn unheimlich. Traurig schmiegte er sich an seine Katzen und zog die Decke über sich.

Dienstag 13. Dezember 2016

Blaine lag wach. In den letzten Nächten war Jessy nicht im Haus gewesen. Doch nun, wo dieser fast genau über ihm lag und schlief, bekam er kein Auge zu. Er warf einen Blick auf die Uhr und stand auf.

02:34 Uhr.

Nur in Shorts und Shirt schlich er auf nackten Füßen durch das dunkle Haus, die Treppe hinauf. Vor Jessys Zimmer stockte er jedoch. Zögerlich lauschte er. Die Katzen spielten scheinbar.

Leise drückte er die Klinke hinunter und öffnete die Tür. Es war dunkel und Lucky stand auf dem Bett, maunzte ihn an. “Schht!”

Der Kater streckte sich und legte die Pfoten an Blaines Beine.

“Ich hab Sehnsucht. Ist das doof, wenn ich hier bin?”, fragte er den Kater leise.

Er maunzte und schmiegte sich an ihn.

Blaine schaute auf die Matratze und kniete sich hin, bevor er sich langsam neben Jessy legte und dessen Gesicht musterte, welches im Mondschein lag.

Die Kater turnten auf Blaine rum. Ihr anderer Lieblingsmensch schlief wie eine tote Maus. Er hatte sich gar nicht bewegt, seit sie wieder wach waren.

“Still. Daddy braucht seinen Schlaf”, sagte Blaine amüsiert und hielt Lucky über sich in der Luft.

Maunzend sah dieser sich um. Das mochte er.

Schnell kuschelte Blaine ihn neben sich, schaute zu Sam, der vom Fensterbrett hinuntersprang und sich an Jessys Gesicht kuschelte. Vom Stuhl zog er die Tagesdecke und warf sie über sich. Viel besser.

In der Nacht rutschte Jessy an ihn, legte einen Arm um Blaine und hob verwirrt den Kopf. Er hatte niemanden neben sich erwartet. Sein Kopf war jedoch noch viel zu müde, so dass er ihn nur kurz ansah, sich dann aber an ihn schmiegte und weiterschlief.

“Träum süß”, flüsterte Blaine und schloss die Augen. Mit Jessy im Arm und ihren Babys an ihren Köpfen war eigentlich alles perfekt.


Am Morgen öffnete Sid die Tür, um Jessy zu wecken und stockte. Das Bild war unglaublich süß. “Kee!”, flüsterte er und winkte ihn zu sich.

Das Hemd schließend kam Keegan auf ihn zu und schaute an ihm vorbei. “Haben sie es überstanden?”, fragte er nachdenklich.

“Ich weiß nicht. Aber sie sind so süß. Sie halten sogar Händchen.”

“Lassen wir sie schlafen?”

“Unbedingt. Vielleicht passieren Wunder.”

Keegan schloss leise die Tür und grinste. “Da hatte Blaine wohl heftig Sehnsucht.”

“Kann ich verstehen. Ich würde auch einfach wieder in dein Bett krabbeln.”

Blaine seufzte leise und drehte sich auf die Seite, zog Jessy instinktiv - so wie er es immer getan hatte - fester an sich. Dessen Duft umnebelte ihn und es fühlte sich alles vollkommen richtig an.

Leise seufzte Jessy und kroch fast in Blaine, legte die Arme und ein Bein um ihn.

Das weckte Blaine und blinzelt schaute er an ihnen hinunter, bevor er Jessy musterte. Sanft küsste er ihn auf die Stirn.

Schnurrend schmiegte er sich fester an ihn und vergrub sein Gesicht an Blaines Hals. Der Geruch war so toll.

Zärtlich streichelte Blaine dessen Rücken und grinste leicht. Jessy trug noch immer seine Jeans.

Genießend ließ Jessy die Streicheleinheiten über sich ergehen. Er war irgendwo zwischen Tiefschlaf und Aufwachphase.

Blaine rührte sich nicht, bis auf seine streichelnde Hand. Er hatte Angst, dass Jessy ihn rauswarf ... “Lucky!”, flüsterte er tadelnd, denn der Kater lief über Jessys Gesicht und setzte sich.

Jessy murrte leise. Lucky schaffte es immer, ihn zu wecken. Das Fell in seinem Gesicht kitzelte. “Lucky…”, murrte er.

“Geh runter, Panther. Du kannst dich nicht immer auf Daddys Gesicht setzen.”

Das sah der Kater irgendwie nicht ein und sah zu Jessy runter. Frech stupste er ihn mit der Pfote an.

Blaine lachte leise und nahm den Kater runter, setzte ihn über Jessys Kopf aufs Kissen.

Leise seufzte Jessy, zog sich die Decke umständlich über den Kopf, als Lucky ihn weiter anstupste und kuschelte sich fester an Blaine. Verwirrt runzelte er die Stirn. War er nicht allein eingeschlafen? Er hob den Kopf und sah ihn an. “Morgen …?”

“Hi ...” Blaine sah ihn etwas zerknirscht an.

Jessy sah sich im Zimmer um. Nein, er lag immer noch auf dem Boden, das Zimmer sah noch immer aus wie ein Schlachtfeld und sie waren noch immer getrennt. Verwirrt sah er ihn an. “Bist du nicht gestern in … dein Zimmer gegangen?” Die Trennung der Zimmer war wirklich furchtbar.

“Meine Füße hatten etwas dagegen und sind wieder zurückgelaufen”, nuschelte er.

“Mh …” Jessy nickte und streichelte unbewusst Blaines Füße mit seinen. “Das hier ist auch dein Zimmer, Blaine.”

“Naja ... wir haben uns getrennt. Da wohnt man in der Regel nicht mehr zusammen.”

“Aber… wir sind doch auch beste Freunde.”

Blaine streichelte dessen Gesicht. “Sind wir das noch?”, fragte er leise.

Jessy schluckte. Blaine machte es ihm nicht einfach. Ihm so nahe zu sein und berührt zu werden, war Folter. “Das hoffe ich.”

Blaine nickte langsam und seufzte leise. “Es ist alles kaputt gegangen.”

“Das muss es nicht. Wir können nochmal anfangen”, flüsterte Jessy.

Langsam nickte Blaine, dann küsste er ihn auf den Kopf. “Na komm, aufstehen. Du hast letzte Woche schon genug verpasst.”

Jessy sah ihn murrend an. “Nein.”

“Warum nicht?”

“Ich will gerade nur liegen bleiben.”

“Hm ... okay, dann bring ich dir Aufgaben mit?”

“Wenn du zum Unterricht willst.”

“Ich muss. Ich muss einen Aufsatz abgeben, der Termin ist schon der Nachabgabetermin.”

“Okay …” Jessy lächelte leicht. Er ließ ihn langsam los.

Blaine lächelte und stand auf. “Kaffee?”

“Ja, gern.”

Blaine lief die Treppe hinunter und fand sich Sid vor, der aussah, als hätte er auf ihn gewartet. “Hi.”

“Und?”, fragte dieser fast schon aufgeregt.

“Und was?”

“Seid ihr wieder zusammen?”

Blaine lächelte schief. “Nein, nur Freunde.”

“Was? Warum? Hast du ihn nicht geküsst? Los! Geh hoch, küss ihn, habt Spaß und kommt zusammen!”

“Sid! Gib ihm Zeit. Er hat gerade ganz andere Sorgen.”

“Aber dabei könntest du ihm helfen. Er braucht doch gerade dich. Ohne dich kann er gar nicht.”

Blaine schob seine Hand in Sids Nacken und küsste ihn auf die Stirn. “Hab Geduld.”

“Das ist nicht meine größte Stärke. Blaine, ihr seid neben mir und Keegan mein Lieblingspaar und … vielleicht habe ich einen Comic angefangen mit euch und uns.”

“Warum nicht mit Sandro und mir?”, fragte Marek aus der Küche.

“Ähm…” Sid kratzte sich am Nacken. “Sie sind heißer”, nuschelte er.

“Hö?” Marek zog die Augenbrauen zusammen. “Gar nicht!”

“Doch. Für mich schon und die Menschen, die meine Kunst mögen. Ich habe alle von euch gemalt und die beiden haben die meisten Fans.”

“Blaissy ist auch toll”, sagte Blaine selig seufzend. “Aber Marek, ihr zwei seid auch sehr heiß. Und du malst uns und stellst es online mit unseren Gesichtern?”

Sid grinste. “Ja. Hätte ich euch fragen sollen?”

“Jaah!” Blaine lachte. “Ich bin zu selten auf deiner Seite.” Blaine nahm eine Tasse raus und musterte das weiße Porzellan. “Hatten wir nicht mal Porzellanstifte?”

“Müssten in der Schublade links sein.”

Blaine suchte und reichte Sid die Tasse und den schwarzen Stift. “Los, mal uns drauf!”

“Auf die Tasse?”

“Neeeein, auf Mareks Stirn!”

“Ja okay, aber was soll ich da draufmalen?”

“Hm ... Uns. Stirn an Stirn.

Sid nahm die Tasse und den Stift, dann setzte er sich an den Tisch. “Ich hab noch nie auf was Rundes gemalt. Vielleicht geht es schief.”

“Werden wir sehen. Du bist der Beste. Versuchs. Und hey, wenn’s klappt, kannst du das weiter machen und in deinem Shop verkaufen.”

“Hm…” Sid malte konzentriert. Blaine hatte seine Hand in Jessys Nacken gelegt, an der Hand einen Ring. Lächelnd gab er sie ihm.

“Oh Mann ...”, seufzte er leise. “Mit Ring?”, fragte er leise und stellte sie für zehn Minuten in den angeschalteten Backofen.

“Ihr wärt ein tolles Ehepaar.”

“Werden wir auch. Da bin ich sicher.”

Sid lächelte. “Bitte lass ihn nicht gehen. Kämpf um ihn.”

Blaine nickte und kochte Kaffee. “Okay, wo ist der Schokosirup? Jessy liebt den!”

“Ähm… irgendwo in den Schränken. Wir haben gestern umgeräumt und den Schrott der anderen Idioten aussortiert.”

Blaine wühlte die Schränke durch.

Am Ende hatte Blaine Jessys Kaffee in der neuen Tasse und ging die Treppe hoch. “Kaffee.”

Jessy war wieder eingeschlafen, lag auf dem Rücken und schnarchte leise, da Lucky über seinem Gesicht lag.

“Dann später.” Blaine stellte sie auf den Nachttisch und schlich wieder raus. “Er schläft. Ist heute jemand zu Hause?”

“Jap. Ich arbeite an meinem Abschlussprojekt”, sagte Sid. “Ich habe viel zu tun. Ich muss die großen Bilder malen.”

“Gut, dann ist er nicht allein. Zum Mittag bin ich da.” Blaine ging sich anziehen.

Sid seufzte. “Ich will, dass sie wieder zusammen sind.”

“Ganz ehrlich? Sie sind es und wissen es nicht, so wie du mit Kee zusammen warst und es auch nicht wusstest.”

“Oh ich wusste es. Er nur nicht.”

“Na, wie auch immer. Ich denke, sie sind es.”

“Aber sie küssen sich nicht und das ist scheiße.”

Marek lächelte. “Werden sie bestimmt bald wieder.”

“Hoffentlich.” Sid küsste Marek auf die Wange. “Ich geh hoch und fang an zu malen. Falls du mich suchst.”


Blaine klopfte an James Tür und steckte den Kopf ins Zimmer. “Hey.”

“Hey Baby. Komm rein.”

Blaine trat ein und lehnte sich an die Tür. James da sitzen zu sehen, mit der Erinnerung vom Wochenende. Blaine hatte geweint und war in James Armen schwach geworden. Oder war es James gewesen, der geschwächelt hatte? Er wusste es nicht. Er wusste nur, dass die Nacht mit James lang und wild und verzweifelt gewesen war. Denn seit dem Morgen, in dem Jessy in seinen Armen aufgewacht war, wusste er, dass es die letzte gemeinsame Nacht mit James gewesen war.

“Wie geht es dir?”, fragte er leise.

“Gut und dir?”

Langsam nickte Blaine. “Ich weiß nicht genau. Jessy ist wieder da.”

“Wie gehts dir damit?” Er lehnte sich zurück. Die Nacht mit Blaine war schön gewesen. Zu wissen, dass Jessy nun wieder da war, ließ seinen Magen etwas zusammenkrampfen. Er mochte Blaine. Er mochte ihn sehr.

“Nicht so gut. Ich hab mich heute Nacht in sein Zimmer geschlichen. Irgendwie hatte ich gehofft, er würde sagen, dass alles nur ein Missverständnis wäre und wir noch zusammen sind. Aber ... naja, er fragte, ob wir von vorn anfangen können, als Freunde. Ich bin nicht sicher, wie ich mit Jared umgehen soll, also mit dem Thema. Bin ich ruhig, damit Jessy nicht mehr böse auf mich ist oder ist da doch etwas Mitgefühl, dem Kerl gegenüber?”

“Hast du denn Mitgefühl?”

Blaine setzte sich auf den Stuhl vor dem Schreibtisch. “Ein Stückweit schon, denke ich. Er redet nicht mehr. Er ist ... völlig weg. Ich denke nicht, dass es gespielt ist.”

“Er will sich einfach nicht damit beschäftigen. Wenn er so tut als wäre er Gaga, wird er nicht vorgeladen.”

“Du bist wütend und das versteh ich. Und ich bin es auch. Doch dann sehe ich Jess und ...” Wieder seufzte er leise.

“Er hat dich abgeschossen, Blaine. Er will dein Freund sein. Wieso rennt ihr beide den Jones-Brüdern so nach?”

“Jessy ist nicht Jared. Er ist ganz anders. Er sorgt sich um seinen Bruder. Sid denkt, dass Jessy mir nicht lange standhalten wird. Vielleicht darf Jared einfach kein Thema zwischen uns sein.”

“Er wird immer ein Thema sein.”

Blaine lächelte leicht. “Ich liebe ihn. Jessy ist nicht böse oder gestört, James. Er ist nur ein Bruder.”

James seufzte. Er wusste, dass Blaine Recht hatte, aber das böse grüne Monster in ihm meckerte.

Blaine musterte ihn. “James?”, fragte er leise.

“Ja?”, fragte er leise.

“Hast du mich noch lieb, wenn ich zu ihm zurückgehe?”

“Natürlich.”

“Die Nacht mit dir ... Weißt du, was ich heute Morgen dachte?”

“Nein, was?”

“Ich dachte, dass es die beste und perfekteste Abschlussnacht war. Ich meine ... ich liebe dich, du bist ... einfach ein wunderbarer, toller Mensch und ... wow, ein irrer Liebhaber. Aber wir sind zwei Alphajungs. Wir brauchen beide jemanden zum Festhalten und beschützen.”

“Das kann ich bei dir.”

Blaine lachte leise. “Aber ich nicht bei dir.”

James lächelte schief. “Und nun?”

“Sind wir Freunde. So verdammt gute Freunde.” Blaine stand auf und ging um den Tisch herum. Liebevoll nahm er James Gesicht in die Hände und küsste ihn langsam und sanft.

James erwiderte den Kuss und seufzte. Perfekt.

“Ich liebe dich. Bitte vergiss das nie.”

James zog ihn fest an sich und schloss die Augen. Da verliebte er sich einmal…


Carter schaute auf den Tisch vor sich. Es war später Vormittag und irgendwie konnte er sich nicht auf die Klausuren konzentrieren. Seit ein paar Stunden, schon die ganze Nacht, fragte er sich, ob er Jared hätte besuchen sollen. Und er hatte niemanden, mit dem er reden konnte. James gegenüber durfte er den Namen nicht mal erwähnen. Frustriert warf er den Stift auf den Tisch und rieb sich das Gesicht.

Leise klopfte es an der Tür und Jessy steckte den Kopf rein. “Stör ich?”

“Hey ... nein gar nicht!”

“Kann ich reinkommen?”

“Ja, natürlich. Komm rein.” Carter rollte etwas zurück und lächelte.

Jessy kam rein und schloss die Tür hinter sich. Unschlüssig stand er im Raum. Sollte er Carter umarmen oder nicht?

Carter stand auf und trat auf ihn zu. Er zögerte nicht, sondern nahm ihn in den Arm. “Wie geht es dir?”

“Geht so. Es ist komisch, wieder im Verbindungshaus zu sein.”

Carter sah ihn an. “Wegen Blaine oder wegen den vielen Vorfällen?”

“Beides. Blaine ist ausgezogen, ist aber in der Nacht zu mir gekommen.” Jessy seufzte. “Es ist komisch zwischen uns.”

“Ausgezogen?”, fragte Carter und ging zum Sideboard, wo er zwei Tassen nahm und sie mit Kaffee füllte.

“Aus unserem Zimmer. Ich bin mit den Katzen allein.”

Carter gab ihm die Tasse und setzte sich wieder. “Da war er aber schnell.”

“Ja …” Jessy sah in seine Tasse. “Und dann stellt er mir eine Tasse ans Bett mit uns beiden draufgemalt.”

“Ehrlich? Das kann er?” Blaine erschien ihm immer etwas unbeholfen beim Zeichnen.

“Ich denke, Sid hat es gemalt.” Jessy zeigte ihm ein Bild von der Tasse.

Carter nickte anerkennend. “Sid hat es drauf, soviel steht fest. Ein paar Striche, aber ihr seid deutlich zu erkennen.”

Jessy rieb sich die Augen. “Ich vermisse ihn.”

“Was hält dich ab, Jessy? Nur Jared? Er ist nicht mehr da”, sagte er leise.

“Ich weiß. Ich … ich weiß auch nicht. Irgendwie ist es wie eine Blockade. Jared, James … er hat mir gesagt, dass da Gefühle für ihn sind und das ist in meinem Kopf.”

Carter schaute ihn an. Er wusste genau, was James und Blaine am Wochenende getan hatten. “Halt ihn fest, Jessy.”

“Wie meinst du das?”

“So, wie ich es sage. Er liebt dich und du ihn. Alles andere passt nicht.”

“Und wie kann ich mit ihm zusammen sein, wenn mein Kopf mich anschreit? Ich kann das mit Jared nicht ignorieren und seine Gefühle auch nicht.”

“Doch, das kannst du. Jared hat Scheiße gebaut. Ich liebe ihn, Jessy. Du hast keine Vorstellung, wie sehr. So sehr, dass ich ihn sofort heiraten wollte. Aber er hat Scheiße gebaut. Er hätte reden müssen. Er hätte nicht andere für den Mist bestrafen dürfen, den Adam verbrochen hat. Er hätte ihn anzeigen können. Er hätte irgendwas anderes tun können. Stattdessen sorgt er dafür, dass James’ Zukunft auf dem Spiel steht. James hat nie jemandem wehgetan, so wie Blaine. Sid hat niemals jemandem wehgetan, so wie Blaine. Oder Keegan. Es war scheiße und man kann es drehen und wenden, wie man will. Es bleibt scheiße. Blaine fühlte sich verraten. Er dachte nicht an dich. Blaine liebt dich, er würde dir niemals wehtun. Was da in unserer Wohnung passiert ist zwischen euch war schrecklich, aber ihr wart beide wahnsinnig verletzt. Jeder auf seine Art und Weise.” Er seufzte leise. Seine Worte taten ihm weh, auch wenn er dahinter stand. “Und was seine Gefühle angeht ... James ... Mann, ich liebe ihn. Er ist ... mein bester Freund, mein Bruder. Aber ... so sehr er auch an Blaine hängt, ich denke nicht, dass die beiden als Paar funktionieren.”

“Wenn du ihn liebst, warum hast du dann gesagt, dass du keine Gefühle für ihn hast?”, fragte Jessy aufgebracht. Erst durch diese Worte war Jared gegangen.

“Weil ich sie nicht hatte. Ich war taub ... geschockt. Ich habe es nicht wahrhaben wollen.” Carter seufzte leise. “Ich liebe ihn wirklich, aber gerade braucht er mich nicht. Er muss gesund werden.”

“Allein?”

“Ja. Er muss sich auf sich und seine Trauer konzentrieren. Er muss es für sich tun, nicht für uns oder mich. Das darf er nicht. Wenn er denkt, wir sind getrennt, dann tut er es für sich. Bin ich da, tut er es für uns und wird nicht gesund.”

“Das ist doch bescheuert! Carter, er ist selbstmordgefährdet! Er will nicht leben! Er fühlt sich allein und ungeliebt und du verlässt ihn!”

Carter zuckte zusammen. Hilflos schaute er Jessy an. “Er muss gesund werden. Jessy, ich denk darüber nach, okay? Ich ... muss das mit mir selbst ausmachen.”

Jessy schüttelte den Kopf und trank seinen Kaffee schweigend. Seine Gedanken gingen immer hin und her. Jared, Blaine, James … Fast eine halbe Stunde schwiegen sie. “Ist zwischen ihnen etwas passiert?”

Carter hielt mit der Tasse am Mund inne. Es dauerte einen Moment, bis er antwortete. “Frag Blaine selbst.”

“Sag es mir.”

“Das hab ich.”

Jessy schloss die Augen und rieb sich das Gesicht. Sie waren ein paar Tage getrennt … nur ein paar.

“Er ist da, bei dir. Er war nur eine Nacht bei ihm. Er ist bei dir. Sieh nicht James.”

“Wie kann ich das nicht? Sie haben Gefühle füreinander!”

Carter seufzte. “Nun ... ich denke, die Menge der Gefühle ist ausschlaggebend.”

“Sie lieben sich.” Jessy sah ihn traurig an. “Wie kann ich jetzt noch mit ihm zusammen sein?”

“Blaine liebt ihn nicht, nicht so, wie er dich liebt. Jessy!” Carter hockte sich vor dessen Stuhl und sah ihn an. “Das darfst du nicht denken.”

“Vielleicht nicht wie mich, aber er liebt ihn!” Jessy traten die Tränen in die Augen, als er ihn verzweifelt ansah.

Carter streichelte dessen Wange. “Dann zeig ihm, was er an dir hat.”

“Ich kann nicht! Ich kann ihm nicht so nahe sein. Und doch vermisse ich ihn. Das ist schrecklich!”

“Komm her”, sagte er und zog Jessy in seine Arme, nachdem er ihn hochgezogen hatte. “Du kannst das, da bin ich sicher.”

Jessy vergrub sein Gesicht an Carters Hals und umarmte ihn fest, während die Tränen liefen. Die heftige Sehnsucht nach Blaine tat weh, genauso wie die Nähe. Am Morgen war es wunderbar und furchtbar zugleich.

Carter küsste ihn auf die Schläfe. “Gebt euch Zeit. Ihr werdet wieder zueinanderfinden.”

“Ich bin mir nicht sicher. Ich … bin so wütend und enttäuscht. Wegen allem. Es ist so viel passiert …” Jessy weinte und vergrub das Gesicht an Carters Brust.

Sie schwiegen und standen einfach nur da und für einen Moment erinnerte sich Carter an sein aufkommendes Gefühl, welches ihn bei Jessys Anblick durchströmt hatte. Jessy war auf eine sehr maskuline Weise süß und frech und wahnsinnig anziehend. Er roch unwiderstehlich und Carters aufgewühlte Gefühlswelt wurde in diesem Moment auf eine harte Probe gestellt, als er seinen linken Arm fester um den schlanken Körper schloss und die andere Hand Jessys Nacken streichelte.

Nur langsam beruhigte Jessy sich und hielt die Augen geschlossen. Die sanfte streichelnde Hand in seinem Nacken beruhigte ihn massiv und löste eine heftige Gänsehaut aus. Er hob den Kopf und war Carters Gesicht damit wahnsinnig nahe. War es Verzweiflung und die süßen Gefühle, die er seit Anfang des Semesters verspürte? Er wusste es nicht, aber er stellte sich auf Zehenspitzen und küsste Carter einfach. Er wollte nicht nachdenken. Er wollte sich einfach nur geborgen fühlen und geliebt.

Und Carters Hand, die bereits in dessen Nacken lag schob sich in das kurze Haar, während er ohne zu überlegen den Kuss erwiderte und sogar vertiefte. Gott, das fühlte sich verflucht gut an.

Sanft spielte Jessy mit Carters Zunge und seufzte leise. Das fühlte sich verdammt gut an.

Schnell verfielen sie in einen heftigen Kuss, neigten die Köpfe hin und her und Carter presste Jessy fester an sich. Verdammt, wieso fühlte sich das so gut an?

Schnurrend legte Jessy die Arme um Carters Nacken und seufzte. Carter konnte verdammt gut küssen und dessen Geruch machte ihn gerade irre.

Als Carters Hände sich auf Jessys Hintern legten, grinste er. “Ist es schlimm, wenn ich dich jetzt gern in meinem Bett hätte?”

“Nein”, sagte Jessy leise und sah ihm in die Augen.

Carter biss ihm zart in die Lippe und setzte einen Kuss auf dessen Nasenspitze. “Magst du heute Abend mit mir essen? In der Hütte?”

“Sehr gern”, sagte er leise und küsste ihn nochmal. Warum war er nicht bei ihm geblieben?

“Gut. Ich besorge etwas ... vegetarisch, richtig?”

“Ja. Gut gemerkt.”

“Ich bin aufmerksam.” Carter schaute ihm in die Augen und küsste ihn noch einmal. Der Mund konnte einen echt verrückt machen.

Lächelnd erwiderte er den Kuss. Irgendwie machte es ihn glücklich, Carter so nahe zu sein.

Carter löste sich von ihm. “Ich muss die Klausuren korrigieren. Heute Abend um sechs an der Hütte?”

“Ja. Gibst du mir noch den Stoff der letzten Woche?”

“Na klar.” Carter reichte ihm eine Mappe, die er bereits zusammengestellt hatte. “Ende der Woche hätte ich sie gern wieder. Es ist nicht so viel. Schau, was du schaffst.”

“Alles klar.” Jessy lächelte. “Bis später. Soll ich was mitbringen?”

“Nur dich.” Carter schnurrte leise.

“Bekomme ich gerade so hin.” Jessy küsste ihn auf die Wange. “Bis später.”

“Nein, nicht auf die Wange.” Er schaute ihm in die Augen.

Jessy biss sich auf die Lippe. “Später”, sagte er sanft und verließ schnell das Büro. Hatte er gerade wirklich mit Carter geknutscht?

“Hey!” Carter lachte auf. “Frecher Kerl!” Murrend setzte er sich wieder und nahm sein Handy. >>Dein Mund ist Wahnsinn!<<

>>Tun wir das richtige? Andererseits… wir sind beide Single, richtig?<<

>>Richtig!<<

Jessy lief zum Verbindungshaus und biss sich auf die Lippe. >>Ich freue mich auf heute Abend. :) <<

>>Und ich mich erst. Du hast mich ohne Kuss sitzen lassen!<<

>>Dann hast du etwas, worauf du dich freuen kannst.<

>>Schnurr<<

Blaine sah auf, als Jessy ins Haus kam. “Hey, du bist wach ... und warst weg.”

Jessy sah vom Handy auf und hob die Akte. “Ich habe mir Arbeit geholt.”

Blaine lächelte. “Wenn du Hilfe brauchst, sag Bescheid.”

“Danke, aber das schaff ich allein.” Jessy sah ihn an und er spürte eine heiße Wut und Eifersucht im Magen. Er wusste, was er getan hatte! Jessy ging in die Küche und holte sich eine große Tasse mit Kaffee.

Blaine biss sich auf die Lippe und stand auf. “Jess?”

“Ja?”

“Ich bin heute mit kochen dran und ... naja, wir hatten immer viel Spaß. Hast du Lust mitzumachen?”

“Ich kann leider nicht. Ich bin heute Abend nicht da.”

Blaine schaute ihn überrascht an. “Oh ... okay.” Blaine zögerte. “Ähm ... du hast ... aber kein Date, oder?”

“Und wenn?” Jessy trank einen Schluck. “Ich denke, du solltest damit kein Problem haben.”

“Denkst du, ja?” Blaine vernahm den kühlen Ton. “Wenn du meinst. Viel Spaß.” Er wandte sich ab und ging auf die Terrasse. Er hatte aber sowas von ein Problem damit.

“Wohl nicht so viel Spaß, wie du mit James hattest, nur ein paar Stunden nach unserer Trennung!”

Blaine biss die Zähne zusammen. “Trennung, genau. Wir waren nicht zusammen und es war kein Date, sondern eine Verzweiflung nach einer Heulattacke. Aber schon gut, vergiss es. Ist scheinbar alles nicht mehr wichtig. Wir sind Freunde, nicht wahr? Also wünsche ich dir viel Spaß.”

Jessy sagte dazu nichts. Wie sollte das alles nur funktionieren? Freundschaft mit dem Ex? Er seufzte in seine Tasse. Warum konnte nicht alles wie früher sein?

Blaine betrat sein Zimmer durch die Terrassentür und schloss diese. Mit angezogenen Beinen saß er auf seinem Bett, ließ die Tränen laufen und nahm sein Handy. >>Jessy weiß von unserer Nacht. Woher nur? Jetzt ist er sauer und er hat ein verficktes Date. Es ist alles zerstört!<<, schrieb er James verzweifelt.

>>So schnell gibst du auf? Hätte ich jedes Mal so schnell aufgegeben, wäre ich noch nie bei jemanden gelandet<<

>>Mit wem er wohl ein Date hat? Ich meine ... wieso hat er plötzlich ein Date?<<

James seufzte. >>Weiß ich nicht. Aber wenn er es weiß… vielleicht mit Carter? Hat er es Date genannt? Vielleicht treffen sie sich nur.<<

Blaines Kopf schoss hoch und knallte an die Wand. “Au! Fuck.” Er rieb sich den Hinterkopf und starrte zur Tür. >>Bitte nicht!<<

>>Ich frage ihn später.<<

Blaine legte einen Arm über die Augen und ließ sich auf sein Kissen fallen. Dort blieb er einfach liegen.


Carter schloss kurz vor fünf seine Bürotür ab und sah auf die Uhr. Er sollte sich beeilen, wenn er noch etwas zu essen besorgen und seinen Hund holen sollte.

“Hey. Hunger?”, fragte James hinter ihm.

Carter zuckte zusammen. “Oh Mann. Erschreck mich doch nicht immer. Auch, wenn es dir Spaß macht, mich hüpfen zu sehen, das ist uncool!”

“Sorry. Also… Hunger?”

“Ja schon, aber ich bin verabredet.”

“Mit Jessy?”

Carter nickte. “Woher weißt du das?”

“Blaine sagte, Jessy hätte ein Date, nachdem er erfahren hat, dass er und ich eine Nacht hatten.”

“Verstehe.” Carter ging los, von James verfolgt. “Und nun?”

“Nimmst du dir nun den nächsten Jones?”

Carter seufzte und blieb stehen. “Was willst du, James? Jessy ist Single, genauso, wie ich. So, wie du und Blaine auch. Ich weiß gar nicht, was dein Problem ist. Blaine ist frei. Schnapp ihn dir.”

“Geht das nicht alles ziemlich schnell?”

“Vielleicht trösten wir uns nur. Wer weiß das schon.” Carter zuckte die Schultern und ging weiter. “Und ich will ihn nicht heiraten. Versprochen. Alles völlig unverbindlich.”

“Mit Jared ist komplett Schluss?”

“Vorerst ja. Ich weiß nicht, wie es weitergehen wird.”

James sah ihn nachdenklich an. “Mh … vergiss die Kondome dieses mal nicht.”

“Versprochen.” Carter lächelte leicht. “James, du liebst ihn doch, oder?”, fragte er leise.

“Ich … ja”

“Na dann nutze es. Hol ihn zu dir.”

“Er sagte, das zwischen uns würde nicht passen. Weil wir beide … Alphas sind und er was zum Beschützen braucht.”

“Was für ein Quatsch. Überzeuge ihn vom Gegenteil!”

James sah ihn an, dann nahm er sein Handy. >>Date?<<

Weinend schaute Blaine drauf. >>Wer?<<

>>Du und ich<<

Blaine seufzte und rief James an. “Hast du mit ihm gesprochen?”

“Ja. Er steht neben mir. Blaine, ja oder ja?”

“Hat er ein Date mit ihm? Er soll seine Finger von ihm nehmen.”

“Blaine … Sie sind Single.”

Blaine kniff die Augen zusammen und schluchzte leise. “Aber ... ich liebe ihn.” Blaine warf das Handy aufs Bett und stand auf. Nachdem er aus dem Zimmer geflitzt war, schaute er sich um. “Jessy? Jessy!”, rief er ihn.

“Was ist?” Jessy saß an seinen Aufgaben und sah verwirrt auf.

Blaine schoss zu ihm und nahm dessen Gesicht in die Hände. “Ich liebe dich. Bitte ... Jessy, ich liebe dich!”

Jessy seufzte. “Blaine … ich weiß nicht, was ich dir sagen soll. Du weißt, was passiert ist. Es ist … ein NoGo.”

“Ich hab’s doch verstanden. Ich machs nicht mehr. Bitte.” Blaine schluchzte auf und küsste Jessy.

Einen Moment erwiderte Jessy den Kuss, doch dann schob er Blaine weg. “Nein. Die Sache mit Jared … James … Du weißt, dass Francis mich betrogen hatte und nun machst du das gleiche!”

Blaine knurrte auf. Wenn er nur den Namen dieses Penners hörte. Erst hatte er Jessy an die imaginäre Leine gelegt und ihn dann nach Strich und Faden verarscht. Und damit verglich er ihn jetzt?

“Ich habe dich nicht betrogen. Und was soll das mit Carter werden? Zahlst du es mir jetzt heim?”

“Nein! Im Gegensatz zu dir vögel ich nicht sofort los! Wir treffen uns einfach. Was passiert, weiß ich nicht und es ist mir auch egal. Er und ich sind in einem Boot. Wir machen das gleiche durch! Dank euch beiden!”

“Dank uns beiden?” Blaine war hin und hergerissen zwischen Wut, Trauer und Eifersucht. “Ich vergaß, dass Jared lediglich das Opfer ist. Liebst du mich noch?”

“Natürlich! Aber manchmal reicht es nicht aus … oder es ist zu viel.” Jessy sah ihn traurig an. “Vielleicht ist es bei uns zu viel. Oder wir haben uns etwas vorgemacht…”

“Das stimmt nicht. Das haben wir nicht. Ich liebe dich, Jessy. Und es tut mir leid. Aber das spielt wohl keine Rolle mehr, oder?”

“Ich weiß es nicht! Ich weiß nichts, Blaine! Ich will gerade einfach nicht nachdenken müssen. Ich kann dich nicht ansehen, ohne James zu sehen. Ohne zu wissen, was passiert ist!”

“Dann wird es mir morgen so gehen, wie dir jetzt, nicht wahr?” Er sah ihn traurig an. “Aber mit dem Verlobten deines Bruders zu vögeln ... überleg dir das lieber. Jared kann fies werden, wenn er angepisst ist.”

“Du solltest zum Ohrenarzt. Und wag es nicht, mir ein schlechtes Gewissen zu machen! Dazu hast du kein Recht!” Jessy sah ihn wütend an. “Und zwischen den beiden ist es aus!”

“Na dann ... freie Bahn. Egal, was du sagst.” Blaine wandte sich ab. “Sorry Sid. Das wars wohl.”

Sid seufzte, als Jessy wütend aus dem Haus marschierte. “Ihr seid solche Idioten. Dümmere Menschen habe ich noch nie gesehen. Ernsthaft.”

“Was soll ich denn machen? Und glaubst du ehrlich, der legt sich heute nicht unter Kenneth?”

“Du solltest kämpfen! Du hast dich genauso unter einen anderen gelegt, Blaine. Du bist kein Unschuldslamm. Ihr seid beide zusammen und tut euch weh, weil ihr beide verletzt seid. Redet! Zeig ihm, wen er verpasst! Oder leg dich in dein Bett und weine und sieh zu, wie der Mann, den du über alles liebst, sich vielleicht in einen anderen verliebt, der kein Problem damit hat, zu zeigen, was er von deinem Mann will. Du kannst von Kenneth denken, was du willst, aber er zieht nicht den Schwanz ein.”

“Ach. Deswegen hat er Jared auch abgeschossen, wo der ja so sehr in Not ist. Und du hast es doch gehört. Dank James und mir ist Jared durchgedreht und deswegen sitzen Jessy und Carter im selben Boot. Der Minijones läuft hier Amok und wir sind die Blöden. Oh, armer Jessy.” Blaine trampelte in sein Zimmer, brüllte, sie sollen sich eine Pizza bestellen und knallte die Tür zu.

“Wie kann man nur so selten dämlich sein”, murmelte Sid und schüttelte den Kopf.

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Biiiiiiiiiiitte habt uns noch lieb, ja?

Das haben die blöden Jungs ganz allein beschlossen. Wir wollten das so nicht!!!
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