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Old scars

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
02.04.2021
16.01.2022
55
351.844
17
Alle Kapitel
156 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
03.10.2021 7.087
 
Heeeey ihr Lieben,

euch allen einen tollen Tag der deutschen Einheit ... blöd nur, dass er an einem Sonntag ist ... Haha

Kleiner Tip: Schaut mal bei Wattpad vorbei. Dort startete vor 2 Tagen unser Kinkytober. Alle Links und Infos findet ihr dazu auf Facebook.com/JuliHoernchen oder auf Instagram.com/juli_hoernchen ... wir würden uns freuen, von euch zu hören <3

Und nun viel Spass. Heute wirds echt eklig. Wie fies so manche Menschen doch sein können ...

Küsschen
Juli & ihr Hörnchen


35. Eskalation


Freitag, 02. Dezember 2016

Keegan, der mit Sid und Blaine im Wohnzimmer saß, las die Nachricht ebenfalls. “Also ... jetzt bin ich wirklich sprachlos!”, sagte er keuchend.

“So viel zum Thema wir denken heute nicht an den Spinner.” Sid rieb sich die Augen. Die Handys hatten alle geklingelt, also mussten sie schauen, was los war. Das Elias die Gelder eingesteckt hatte, war ein Schock für alle.

Blaine schüttelte nur den Kopf. “Ich glaubs einfach nicht. Ist er da?”

“Vermutlich oben in seinem Zimmer. Ich will jetzt nicht in seiner Haut stecken.”

“Ich auch nicht in deiner, Kee. Du musst das mit ihm klären.”

Keegan legte den Kopf zurück und schloss die Augen. “Das darf alles nicht wahr sein.”

Langsam stand er auf und sah zu seinen Freunden. Natürlich wollte niemand tauschen. Seufzend machte er sich auf den Weg nach oben zu den Zimmern. “Elias?” Er klopfte an der dunklen Holztür. “Ich bins, Kee.”

Der saß auf seinem Bett, das Tablett vor der Nase, nicht wissend, warum ihm die Tränen über die Wangen liefen. Weil er wütend war? Weil sein Geheimnis entlarvt war? Weil er das Versprechen, welches er seinen Eltern gegeben hatte, nun Geschichte war? Der sonst so knallharte Elias war maßlos überfordert.

Keegan öffnete die Tür. “Kann ich rein?”

“Sicher”, sagte Elias leise, ohne den Kopf zu heben.

Keegan trat ein und setzte sich neben Elias aufs Bett. Das dieser weinte, war ein weiterer kleiner Schock.

Es dauerte Minuten, bis Elias aufstand, das Tablet beiseitelegte und Keegan ein kleines Büchlein gab. Schweigend. Darin waren Daten, Zahlen ... Summen. Er hatte jeden Cent aufgeschrieben. Einen kleinen Teil hatte er bereits zurückgezahlt, mit einem Job, von dem niemand etwas wusste. Aber es war längst noch nicht alles.

Schweigend las Keegan und rieb sich die Augen. “Warum?”

Elias trat ans Fenster und zündete sich eine Zigarette an. “A weiß scheinbar doch nicht alles”, sagte er leise.

“Erkläre es mir. Elias, das sind große Summen.”

“Ich bin pleite. Also ... nicht ich, meine Familie ist pleite. Mum und Dad haben alles verloren. Haus, Geld ... alles. Ich habe das Stipendium, ja. Auch, wenn A der Meinung ist, dass ich es nicht verdient habe. Aber das beinhaltet natürlich nicht die Unterkunft, Essen und so weiter. Als Mum sagte, sie können mir nichts mehr geben, haben wir gerade den Marathon gemacht. Im Februar. Ich wusste mir in dem Moment nicht anders zu helfen. Durch das Training und die Uni blieb kaum Zeit, einen Job zu suchen. Ich hatte die Wahl: Training reduzieren und damit das Stipendium gefährden oder ... Geld abzweigen. Ich zahl es zurück. Ich tu es schon, nur ... so schnell schaff ich das nicht, Kee.” Elias schaute ihn hilflos an.

“Man Elias … warum redest du nicht mit uns?”

“Ich habs Mum versprochen, Keegan. Ich habs ihr ... versprochen. Ich arbeite schon. Es ist nicht viel, aber ein Teil des Geldes geht schon in die Kasse zurück.”

“Was machst du?”

Der sonst so knallharte Elias wurde rot. “Muss ich dir das sagen?”

Keegan hob die Augen. “Tu es lieber, sonst denke ich das falsche.”

“Babysitten”, murmelte er beinahe lautlos.

“Babysitten?” Keegan schmunzelte unbewusst. Sein Blick glitt über Elias Statur. Das konnte er sich null vorstellen.

“Lach nicht!” Elias rieb sich das Gesicht. “Es ist Geld. Und es passt zu den Trainingszeiten. Kee, bitte sag es keinem!”

“Mach ich nicht, aber besser wäre es, wenn du es erzählst. Die sind da unten ziemlich sauer. Kann dir Joe nicht helfen? Er hat Geld.”

Elias schnaubte. “Joe ist ... okay, aber er erkennt den Ernst nicht. Für ihn ist alles ... oberflächlich. Für ihn ist man schnell ein Loser oder ein Weichei. Soll ich ihm sagen, dass ich mein Geld damit verdiene, weil ich auf zwei kleine Mädchen aufpasse, während ihre Eltern arbeiten, um über die Runden zu kommen? Er hat so viel Geld, dass er doch keinen Bezug zur Realität hat.”

“Er ist dein bester Freund oder? Manchmal denke ich, dass wir ihm unrecht tun. Er ist vielleicht weicher als wir denken. Vielleicht würde er dir helfen.”

“Und wie? Dann hab ich Schulden bei ihm. Es würde doch nichts ändern. Kee ... wirst du es melden?”

“Das muss ich gar nicht. Der Dekan bekommt alle Nachrichten.” Keegan seufzte frustriert. Das Thema mit dem Geld hatte er mit Sid genauso geführt. Gleiches Thema, gleiches Resultat.

Elias schloss die Augen. “Sag es ihnen. Aber ... nicht, was ich mache, okay? Also den Job. Ich zahl alles zurück. Ich gebe dir das Geld und die Kasse sowieso. Dann kannst du es kontrollieren. Ich habe seit zwei Monaten nichts mehr rausgenommen.”

“Kann ich dir irgendwie helfen?”

“Nur, indem du schweigst. Ich ...” Elias lächelte leicht. “Ich mag die beiden, auch, wenn sie mir auf der Nase rumtanzen. Kaum zu glauben, ich kann mich nicht gegen zwei kleine Mädchen durchsetzen.”

“Ich kann  mir gar nicht vorstellen, wie du Babysittest. Das passt optisch null”, lachte Keegan leise. “Ich dachte, du arbeitest mit Sid zusammen.”

“Oh Gott, nein! Ich könnte das nicht, ich würde nur lachen. Sex zu zweit, zu dritt, Orgie, alles gern ... aber nicht vor einer Kamera.”

“Gott sei Dank.” Keegan klopfte ihm auf die Schulter.

“Kee?” Elias schaute ihn an, als dieser schon an der Tür war. Er zog seine Schuhe an, denn vielleicht hatte Keegan Recht. Vielleicht sollte er Joe um Hilfe bitte.

“Ja?”

“Es tut mir leid. Sehr sogar.”

“Ich weiß.” Keegan lächelte ihn an. “Komm runter, wenn du willst. Wir sitzen im Wohnzimmer.”

“Danke, aber ich werde mit Joe reden gehen.” Er lächelte schief.

Gemeinsam gingen sie hinunter, und während Keegan in der Küche stand, verließ Elias das Haus.

“Was für eine Scheiße.”

“Und?”, fragte Sid.

Keegan holte sich zuerst einen Kaffee. “A tut alles dafür, dass wir ihn hassen. Zum Beispiel falsche Wahrheiten loszutreten, oder besser gesagt Halbe Wahrheiten.”

“Hat er das Geld nicht genommen?”

“Doch.” Keegan nickte langsam und setzte sich.

“Dann ist es die Wahrheit.”

“Die halbe. A sagt, dass Elias in Geld schwimmt. Tut er aber nicht. Was er getan hat, geschah aus Verzweiflung und unnötigem Scham. Seine Familie hat Anfang des Jahres ihr ganzes Geld verloren. Er versprach seiner Mutter, nichts zu sagen und wusste sich nicht anders zu helfen, um über die Runden zu kommen. Kann ich insofern verstehen, dass unser Trainingsplan wirklich heftig ist und so kaum Zeit für anderes lässt. Sacken seine sportlichen Leistungen ab, kann er das Stipendium verlieren. Also trainiert er härter, aber leben muss er auch.”

Sid seufzte. “Scheiße.” Er legte den Kopf zurück. Warum mussten so viele Geldprobleme haben, während andere darin schwammen?

Einen Moment schwiegen die Freunde und Mitbewohner.

“Wie kommt er denn jetzt zu Geld? Also ... will er es zurückzahlen?”, fragte ein Josh Laspar, ein junger Mann aus dem letzten Jahrgang.

“Er zahlt es bereits zurück. Elias hat einen Job, der mit einem Training gut vereinbar ist.”

Sid hob die Augenbrauen, als Dandy Clarkson Sid wissend ansah. “Wir wissen ja, wie hier das Geld verdient wird.”

“Na zumindest verdiene ich mein eigenes und sitze nicht auf Mamis Tasche”, sagte Sid schulternzuckend.

“Elias dreht keine Pornos und Sid steht hier nicht zur Debatte. Halt dich zurück, Clarkson!”

“Wozu sollte ich? Wir wollen sowas nicht hier in der Verbindung!”

“Wir?” Blaine schaute ihn provozierend an. “Wer ist wir?”

“So ziemlich alle, außer eurer kleinen Perversengruppe.”

Keegan atmete tief durch, schwieg jedoch.

“Die Perversengruppe sind dann wohl Elias, Sid, du und ich”, sagte Blaine zu Kee, schaute dann aber die anderen an. “Ich muss das mal kurz wissen, nur, damit ich weiß, wer böse und wer gut ist: Wer gehört noch dazu?”

“Eure ganze Truppe, du scheiß Mobber.”

“Jessy? Marek?” Blaine stand langsam auf.

“Blaine!” Sid zog ihn zurück. “Er ist es nicht wert.”

“Ich will’s nur wissen. Zählst du den Verräter Sinova auch dazu?”

“Blaine! Es reicht jetzt! Geh doch darauf nicht ein!”

Blaine starrte Clarkson an, dann setzte er sich wieder. “Er zittert, der Spinner.” Kopfschüttelnd schaute er zu Sid. “Mein Freund ist kein Perverser.”

“Wo ist dein Freund eigentlich?”

“Oben. Stein hat ihm ganz schön zugesetzt.”

“So schlimm? Du hast ihn gerettet.”

Blaine schaute Sid einen Moment an. “Okay, können wir die Versammlung dann auflösen? Los, verschwindet. Ihr haltet es doch ohnehin nicht in unserer Nähe aus!”

Es dauerte fast eine halbe Stunde, bis sie allein waren. “Erzähl.”

“Scheinbar hat Mr. Kenneth ihn dazu gebracht, auszusagen. Jess war bei der stellvertretenden Unileiterin. Stein musste vorhin packen. Als er an der Tür war, ist Jessy gerade zurückgekommen. Ich dachte, er tötet ihn mit seinem Blick, nannte ihn eine Schlampe und einen Lügner. Stein darf an der Uni bleiben, allerdings ist er auf Bewährung. Er ist aber aus der Verbindung geflogen.”

“Er darf bleiben? Warum? Er hat versucht ihn zu vergewaltigen!”

“Ich weiß nicht genau. Jessy sagte, er hatte glaubhaft beteuert, dass dies nicht das Ziel war. Und sein Vater hat viel Geld dafür bezahlt, dass er bleiben darf.”

“Was für ein Wichser.” Sid seufzte. “Wie gehts ihm?”

Blaine schaute auf seine Finger. “Er wollte allein sein. Ich glaube, dass ich meinen Verdacht geäußert habe, macht ihn noch zusätzlich fertig. Er kann mir kaum in die Augen sehen.”

“Geh zu ihm. Ihr dürft euch jetzt nicht auseinanderleben.”

“Tun wir nicht.” Blaine stand auf und ging in die Küche. Dort bereitete er Jessys Lieblingskaffee zu und ging langsam die Treppe hoch. Einen Moment zögerte er, doch dann trat er ein, ohne anzuklopfen. “Hey.”

Jessy saß in seinen Mal-Klamotten auf dem Boden, eine große Leinwand an der Wand gelehnt und zeichnete. “Hey”, sagte er leise. Die Katzen spielten mit Jessys Stiften und Pinseln neben ihm.

“Ich hab was für dich.” Er hockte sich neben ihn und stellte die Tasse vor dessen Füße. “Wie geht es dir?”

“Besser.” Jessy sah runter zur Tasse. “Danke. Den brauche ich jetzt.”

Blaine schaute auf das Bild. Das war sein Freund. Es wirkte düster mit Schatten. Aus seinem Kopf flogen Raben heraus und etwas kleineres. “Sind das Motten?”

“Ja.” Jessy nickte. “Ich weiß nicht ob ich es schwarz weiß machen soll oder farbig.”

“Ich bin für Schwarz - Weiß.”

“Mh … vielleicht mit einem dunklen Blau.”

“Dann aber mit Übergang ins Nachtblau.”

“Mal schauen.” Jessy trank einen Schluck und nahm Lucky seinen Stift weg.

“Es sieht düster aus”, sagte Blaine und setzte sich aufs Bett.

“Anders als meine anderen Bilder, hm? Ja, ich versuche mich mal an was Neues.”

“Und ... passt es gerade? Also ... zu deiner Stimmung.”

“Ja.” Jessy seufzte. “Warum darf er bleiben?”

“Weil Daddy mehr Macht hat, als der Dekan. Er wurde überstimmt.”

“Das ist unfair!”

Blaine nickte langsam. Einen Moment beobachtete er Jessy. “A hat sich gemeldet. Elias war dran. Hast du es gesehen?”

“Ja. Aber weißt du was? Mich interessiert das alles nicht mehr. A wird alles öffentlich machen. Wir können es nicht verhindern.”

“Nein. Ich dachte nur, es interessiert dich vielleicht, dass Elias’ Geschichte so nicht ganz stimmt. Aber ja ... ist am Ende alles egal.” Blaine lehnte sich ans Bettende und schaute aus dem Fenster. Er fand das alles keineswegs egal.

“Ich weiß, dass Elias ein guter Mensch ist. Er hat einen Fehler gemacht. Aber das ändert nichts daran, wer er ist.”

Blaine sagte nichts dazu. Details interessierten Jessy ja doch nicht. “Ich geh duschen. Ich muss danach noch Hausaufgaben machen.”

“Heute ist Freitag.”

“Ja, ich weiß. Aber der Aufsatz für Kenneth ist mir zu kompliziert. Der muss Montag fertig sein.”

“Wenn du Hilfe brauchst, sag Bescheid.” Jessy sah ihn an. Warum waren sie sich gerade so fern?

“Hast du ihn denn schon?”

“Grob ja. Ich muss nur noch ins Detail gehen.”

Blaine, der die Spannung zwischen ihnen auch spürte, seufzte leise. “Magst du mitkommen zum Duschen?”

Kurz sah Jessy zu seinem Bild. Eigentlich wollte er es heute fertig machen, aber er wusste, dass sie Zeit gemeinsam verbringen sollten. Er legte den Stift weg und stand auf. Dann würde er später eben nochmal duschen müssen. “Komme.”

“Und wenn wir zurück sind, haben die Kater die Stifte gefressen.” Blaine sammelte sie auf und legte sie in Jessys Schublade zurück. Dann nahm er Jessys Hand.

Jessy lächelte leicht, weil Lucky und Sam empört aufmaunzten. Womit sollten sie denn jetzt spielen?

“Ihr könnt mit duschen kommen”, sagte Blaine grinsend.

“Nein, das machen wir allein.” Jessy zog Blaine mit zum Bad.

Blaine zog Jessy schweigend aus, so, wie der es bei ihm tat. Erst, als sie unter dem heißen Wasserstrahl standen, sprach Blaine wieder, während er Jessys Rücken wusch. “Diese Gesamtsituation ist sehr belastend für dich, nicht wahr? Stein und A und dazu mein Verdacht ...”

“Es ist zu viel auf einmal.”

“Es tut mir leid, Jess. Wirklich. Ich liebe dich und es tut mir weh, zu wissen, dass ich kaum etwas tun kann. Ich bin für dich da.”

“Darf ich dich etwas fragen?”

“Natürlich.” Blaine griff nach dem Haarwaschmittel und schaute ihn an.

Jessy sah ihm in die Augen. “Hast du Gefühle für James?”

“Gefühle?”

“Romantische Gefühle.”

Blaine lächelte ganz leicht. “Ein wenig, ja. Ich habe sehr schöne Erinnerungen mit ihm. Manchmal denke ich, dass ich damals etwas verknallt in ihn war. Nie so, wie in dich, aber ... irgendwas war da. Ich glaube, er ist ... ein wenig so, wie du es warst. Mein bester Freund. Mit dir bin ich zusammen und glücklich. Er ist nur mein Freund. Aber ... ja, ein paar Gefühle sind auch da. Ich hab ihn wahnsinnig gern”, sagte er ehrlich.

“Carter sagte, dass James starke Gefühle für dich hat.”

Blaine biss sich auf die Lippe. “Ich weiß”, sagte er leise und träufelte das Shampoo auf seine Hand.

“Ich habe Angst”, sagte Jessy ehrlich.

Blaine wusch entschlossen das Shampoo von den Händen und drehte Jessy zu sich um. “Das musst du nicht. Ich liebe dich. Ich würde Lügen, wenn ich sage, dass ich nicht an ihn denke, aber ... nein, ich liebe nur dich. Ich habe auch Angst. Dass das, was immer am Ende herauskommen wird, uns beide zu sehr belastet.”

“Ich will nicht, dass uns irgendwas trennt.”

“Das will ich auch nicht.” Blaine küsste ihn und legte seine Stirn an Jessys. “Ich gehöre nur dir.”

“Und ich dir.” Jessy legte die Arme um Blaine und küsste ihn.

Einen Moment küssten sie sich nur zärtlich, doch Blaine hatte das tiefe Gefühl, Jessy klarmachen zu müssen, dass er jedes Wort ernst meinte.

Er neigte den Kopf, zog Jessy fester an sich und vertiefte den Kuss, während seine Finger sich in dessen Pobacken krallten.

Leise stöhnte Jessy in den Kuss und presste sich an ihn. Seine Hand verkrallte sich in Blaines dunklem Haar.

“Ich will dich ... hier und jetzt”, wisperte er. Dass er kein Kondom hatte, interessierte ihn nicht und dass sie es noch nie pur getan hatten, dass es das war, was sie Jared vorgeworfen hatten, entfiel ihm. Er dachte nur an Jessy und daran, in ihm zu sein. Schwungvoll hob er ihn hoch und presste sich stöhnend an ihn.

Jessy konnte gar nicht verhindern, dass er ihn in sich aufnahm, als sich Blaines Erektion an seinen Eingang drückte. Er klammerte sich an ihm fest und stöhnte leise auf. Was zum Teufel taten sie? Sie hatten es nie in der Dusche getan und vor allem nie pur!

Hart keuchend biss Blaine ihm in den Hals, atmete schwer an dessen Ohr, als er sich in ihm bewegte. Gott, er hatte nicht gewusst, wie gut es war.

Sid hob die Augenbrauen, als er vom Nebenzimmer das Stöhnen hörte. Er hörte die Dusche, doch eindeutig auch stöhnen. Grinsend sah er zu Keegan. “Die kenne ich doch.”

Der lächelte. “Sie liebe sich, egal, was da kommt. Da bin ich sicher. Und sollte es tatsächlich Jared sein, wird Jessy seinen Freund brauchen.”

“Ja. Ich kann mir nicht vorstellen, wie schlimm das für ihn sein muss.” Sid legte seinen Kopf auf Keegans Bauch.

Langsam nickte Keegan und seufzte leise. “Das wird ein verdammtes Inferno. Das sage ich dir.”

Blaine schaute Jessy stöhnend in die Augen, als er kam. Noch immer hatte er nicht registriert, was genau anders war, als sonst. Er genoss nur das extrem heiße Gefühl in sich.

Ähnlich erging es Jessy. Er spürte die Hitze in sich, keuchte laut, als er kam und starrte in Blaines Augen. Er konnte gar nichts sagen. Sein Kopf war gerade herrlich leer.

Wild küssten sie sich erneut, als es plötzlich an die Tür hämmerte. “Boah, fickt woanders, ihr Perversen! Das Bad ist für alle da!”, brüllte die aggressive Stimme von Connor Cleary.

Keegan runzelte die Stirn. “Homosexualität war hier nie ein Thema. Und nun kocht es hoch”, sagte er und schob Sid sanft von sich, um die Tür zu öffnen. “Hey, was soll denn der Mist!”

“Halt die Fresse, Schwuchtel! Die sollen woanders ihre Perversität ausleben, aber nicht im Bad!”

“Alter, was stimmt plötzlich nicht mit euch? Das hat dich sonst nie interessiert!”, fragte Keegan verärgert.

“Da habe ich nicht gewusst, wie ekelhaft ihr wirklich seid! Ihr verbreitet eure Krankheiten untereinander und lügt ohne rot zu werden! Geh zu deiner Schlampe und halt die Fresse.”

“Darf ich dich daran erinnern, dass ich dich melden könnte? Also pass gut auf, was du von dir gibt’s.”

“Ich kann dich auch melden, Summer. Wegen Machtmissbrauch und Zurschaustellung. Verpiss dich. UND IHR KOMMT RAUS!” Connor hämmerte weiter an der Tür.

Blaine, der sich ein Handtuch umgebunden hatte, öffnete die Tür und hatte prompt die an die Tür hämmernde Faust im Gesicht. “Fuck!”, rief er und taumelte zurück. “Hast du sie noch alle, Cleary?”

“Verpiss dich!”

“Verpiss du dich! Du bist doch gestört, du scheiß Freak!”, keifte Blaine und nur Jessys Hand hielt ihn davon ab, zurückzuschlagen.

Was dann passierte, konnte keiner aufhalten. Connor stürzte sich auf Blaine und prügelte auf diesen ein, während weitere Verbindungsmitglieder die Treppe hochkamen. Sie waren alle verdammt wütend und Jessy hatte einen Moment das Gefühl, dass irgendwas mächtig schief ging. Sie hatten was verpasst. Als nächstes klebte er, genau wie Keegan und Sid am Boden.

Es dauerte eine gute halbe Stunde, bis die Vier sich losreißen konnten und plötzlich einer Front gegenüberstanden, mit der sie niemals gerechnet hatten.

Worte wie Mobber, Nutte, Pornoflittchen, Ehebrecher, Lügner, Freak und Perverser prasselten auf sie ein.

“Was geht denn da oben ab?”, fragte Marek, der mit Sandro nach Hause gekommen war. Sie waren im Kino gewesen und hatten die Zeit zu zweit sehr genossen.

“Keine Ahnung. Lass uns schauen.” Sandro ging hoch und war schockiert. Die vier Freunde sahen mitgenommen aus, Jessy weinte sogar.

“Was geht denn hier ab?”, fragte Marek schockiert.

“Halts Maul und verpiss dich”, sagte Chuck Freasher.

“Verpiss du dich! Was soll er Mist? Lasst die vier in Ruhe und geht nach unten”, sagte Sandro. Er hatte Sids blutige Lippe gesehen.

“Du hast hier einen Scheiß zu sagen. Du gehörst nicht zu uns!”, sagte Clarkson feindselig. “Raus hier und nimm den da mit!” Er deutete auf Marek.

Sandro knurrte. “Marek, ruf die Unisecurity.”

“Das wird nichts ändern”, sagte Chuck. “Wir werden den Antrag stellen, dass ihr aus der Verbindung fliegt!”

Keegan lachte trocken auf. “Vorher fliegt ihr wegen Diskriminierung, du Vollpfosten!”

Connor lächelte. “Wohl kaum. Ihr seid gar nicht in der Lage irgendwas zu sagen.” Er mache einen Schritt auf Jessy zu, der zusammenzuckte.

“Alter, ich vergesse mich gleich richtig”, knurrte Blaine aggressiv und trat vor seinen Freund.

“Was willst du tun, hm? Zum Dekan gehen?” Connor lächelte überheblich. “Ich mach dich Schwuchtel fertig. Dich und deine kleine Nutte.”

Während Marek etwas beiseitetrat und sein Handy herausholte, schüttelte Keegan den Kopf. “Wann hat das Theta Pi - Verbindungshaus nur so sehr das Niveau verloren. Geht jetzt beiseite. Die beiden sollten sich wenigstens etwas anziehen können!”, knurrte er.

“Nein.” Connor gab ein Zeichen. Sie wollten diese Freaks nicht hier haben, vor allem aber auch nicht ungestraft davonkommen lassen. Walter war einer von ihnen gewesen. Carlos trat auf Marek zu, und bevor Sandro reagieren konnte, nahm dieser Marek das Handy ab. “Na na. Wen willst du denn anrufen, Kleiner?”

“Deiner Mutter. Ich will ihr sagen, wie bescheuert du bist.” Marek hatte Schiss, aber zeigen musste er denen das nicht. Er trat einen Schritt zurück.

Dandy Clarkson nickte Toby zu, der zu Carlos ging. “Mitchell, sorg dafür, dass Tibian da stehen bleibt.”

Mitchell O’Neill war ein Bulle von Mann, wenn auch nicht sonderlich groß. Alles, was er an Zeit erübrigen konnte, steckte er in seine Muskeln. Blaine hatte mal gesagt, dass er mehr Muskeln als Hirn besaß und damit hatte er nicht ganz Unrecht. Mitchell war naiv und einfältig.

Jessy schluckte. Er zitterte heftig. “Bitte … wir wollen uns doch gar nicht streiten. Wir wollen einfach nur in unsere Zimmer.”

Blaine schirmte Jessy so gut es ging ab. “Zieh dich an”, sagte er zu ihm.

Jessy griff nach seiner Shorts, die er sich schnell anzog, abgeschirmt von seinen Freunden.

Connor lachte. “Ist ja süß. Er ist niedlich, wenn er sich schämt.”

Leider waren Jessys Shorts das einzige, was in der Prügelei aus dem Bad geschleudert worden war. Im Flur stehend fing Blaine langsam an zu frieren.

“Okay, was genau soll jetzt passieren? Stehen wir jetzt hier den Rest der Nacht?”, fragte Keegan und schaute zu Marek, der an die Wand gedrückt worden war, nachdem sie ihm sein Handy abgenommen hatten.

“Ihr werdet dafür sorgen, dass Walter wieder ins Verbindungshaus kommt. Jessylein wird seine Aussage zurücknehmen und sagen, er hätte sich die Scheiße ausgedacht, was ja auch so ist.”

Fassungslos starrten die sechs Connor an.

“Walter Stein ist ein wertvolles Mitglied dieses Hauses, nicht zuletzt dank der Spenden seines Vaters”, fügte Clarkson hinzu.

“Hast du einen Vollschaden? Er wollte ihn vergewaltigen!”, rief Blaine wütend.

“Wollte er nicht. Dein Betthase hat sich das ausgedacht, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Walter könnte jeden haben, den er will.”

“Dir ist schon klar, dass er auch eine Schwuchtel ist?”, fragte Keegan verwirrt. “Ein Perverser, wie du uns ja nanntest.”

“Er tut solche Dinge aber nur in seinem Zimmer.” Connor sah Keegan angeekelt an. “Also, Jessy. Du gehst das richtig stellen!”

Sandro knurrte. “Ihr spinnt doch! Warum nehmt ihr diesen Idioten in Schutz?”

“Schwuchtel und Taub. Es geht uns um das Geld.”

Carlos schaute zu Marek. “Der Kleine zittert richtig!”

“Jessy wird die Aussage nicht zurücknehmen, nur weil ihr geil auf Steins Kohle seid. Macht’s wie jeder andere und arbeitet für euer Geld”, knurrte Sid. “Lass Marek los!”

“Du meinst Beine breitmachen? Mann, deine Mutter ist bestimmt derbe stolz auf dich”, sagte Clarkson. “Und ehrlich, ich will eine Antwort von Jessy, nicht von euch. Jones, komm hinter deinem Stecher vor!”

Blaine schüttelte den Kopf und hielt Jessy hinter sich. “Du willst was von ihm? Dann musst du an mir vorbei!”

Als Clarkson einen Schritt vor machte, stellte sich Sid ihm in den Weg. “Verpiss dich. Fass ihn an und ich brech dir deine Finger.”

Chuck und Connor traten neben ihren Freund.

“Antworte Jones”, sagte Connor deutlich.

“Ich … ich bleibe bei meiner Aussage”, sagte Jessy leise.

Sandro nickte und versuchte Mitchell abzuwehren, und es machte ihn rasend, dass er ihm kaum etwas entgegenzusetzen hatte. “Richtig so. Und du lass Marek in Ruhe!”, sagte er zu Carlos.

“Fresse. Du hast hier nichts zu melden. Du solltest von allen am stillsten sein!”

“Leck mich, du Pisser!”

“Na solchen Schwuchtelkram macht mal lieber unter euch aus.”

Marek versuchte, ihn wegzudrücken, wobei dessen Arm auf seinen Hals rutschte. “Ich krieg ... keine Luft!”

“Carlos, mach entspannt, du sollst ihn nicht umbringen”, sagte Connor.

Sandro sah rot. Sein Freund wurde gerade gewürgt! Er duckte sich unter Mitchells Arm durch und warf sich gegen Carlos. “Verpiss dich!”

Gemeinsam polterten die Männer die Treppe hinunter.

“SANDRO!”, schrie Marek erschrocken

Als wäre das ein erneuter Startschuss, ging das Ganze von vorn los. Connor griff sich Sid, drückte diesen hart an die Wand, während die anderen auf die Freunde losgingen.

Blaine war das nur Recht. Er griff sich Clarkson, dem er einen harten Kinnhaken verpasste. Alle prügelten aufeinander ein und Blaine war es herzlich egal, wie brutal er sich gerade gab.

Marek war mit Toby im Schlepptau die Treppe hinuntergestolpert, doch auch dort war es nicht besser. Sandro und Carlos wälzten sich auf dem Boden.

“MAREK! HOL HILFE!”, rief Sandro und schlug Carlos gegen das Kinn.

Für einen Moment klammerte sich Toby an ihm fest, doch Marek trat nach ihm, stürzte auf das dunkle Parkett, dann kroch er auf die Tür zu, nachdem er Toby am Kopf erwischte und dieser zu Boden ging.

Er rannte aus dem Haus. Blind stürmte er über die Straße und riss ein Pärchen fast um. “Holt den Sicherheitsdienst oder die Polizei. Bitte!”, keuchte er schwer atmend.

Im Haus knallte Blaine mit dem Kopf gegen die Wand. “Jessy, lauf weg!”, stöhnte er auf und presste seine Hände an seinen ungeschützen Schritt, nachdem Clarkson beinahe auf seinen Penis getreten war.

Jessy wimmerte leise. Die Tränen liefen ihm über die Wangen, als er über den Boden krabbelte, Richtung Treppe. Er musste Hilfe holen!

Die kam in dem Moment, wo Clarkson festgestellt hatte, dass Blaine vollkommen ungeschützt war und in ihm in die Mitte trat.

“RUNTER! Alle auf den Boden!”, brüllte ein Polizist in das Gewusel hinein.

Sid stöhnte erleichtert auf. Sein Kopf dröhnte schmerzhaft. “Scheiße … Kee… wo bist du?”

“Hier, alles gut”, sagte er leise. Keegan schaute auf und lehnte sich geschafft an die Wand, während zwei Polizisten Clarkson und Connor vom Boden hochrissen und sie an die Wand drückten. “Sid, wie geht es dir?”, fragte er leise.

“Ich habe Kopfschmerzen, aber sonst ist alles gut. Blaine?”

“Hm ...”, nuschelte der, zusammengekrümmt auf dem Boden liegend und heftig zitternd.

“Sir, brauchen Sie einen Arzt?”, fragte ein Polizist.

Unschlüssig zuckte Blaine die Schultern. Der Schmerz war gerade so allgegenwärtig, dass er kaum atmen konnte.

“Bitte holen Sie einen Arzt”, sagte Sid leise. Er wollte sich nicht bewegen. “Wo ist unser Freund? Blonde Haare … vermutlich nur in Shorts.”

“Er ist unten, ein Beamter ist bei ihm. Ich denke, es geht ihm gut. Einheit 23-10, eine Ambulanz bitte an unseren Standort. Oder schicken sie besser zwei”, sagte der Polizist in sein Funkgerät, während Connor und Chuck hinausgeführt wurden, allein um beide Gruppen zu trennen.

Sid seufzte leise und legte den Kopf an die Wand. “Dämliche Penner … ich hoffe die werden verknackt.”

Ein Polizist tauchte vor Sids Gesicht auf. “Wie heißen Sie?”

Erschrocken zuckte Sid zusammen. “Shit … machen Sie das nicht! Ich bin verletzt und Sie jagen mir einen Schrecken ein!”

“Entschuldigung. Wie heißen Sie?”

“Sidney Melling.”

“Mr. Melling, können Sie aufstehen? Mr. Jones ist unten, aber nicht aussagefähig. Können Sie uns sagen, was passiert ist?”

Sid sah vorsichtig zu Keegan. “Setzen Sie sich. Wird eine längere Geschichte.”

“Kommen sie doch mit nach unten.”

Keegan lächelte leicht. “Geh, Sid. Mir gehts gut. Ich komm gleich nach. Ich warte, bis ein Sanitäter bei Blaine ist.”

Sid brauche einen Moment, bis er aufstehen konnte. Der Kopfschmerz trieb die Übelkeit hoch, doch er schaffte es nach unten, wo er Jessy in seine Arme zog. “Schht … alles gut. Es ist vorbei.”

Der Beamte setzte sich ihnen gegenüber. “Also, was ist passiert?”

Sid zögerte, doch dann erzählte er. Von A, der sie alle stalkte, ihnen Nachrichten schickte und nun ihre Geheimnisse offen legte, von Walter Stein, der Jessy auflauerte, von den Verbindungsmitgliedern, die nun völlig durchdrehten. “Sir, wir haben uns nur verteidigt. Wir wollten zurück in unsere Zimmer, aber wir konnten nicht.”

Der Mann schrieb alles mit, schaute auf, als zwei Sanitäter einem Officer die Treppe hinauffolgte.

Marek trat auf Sandro zu. “Wie geht es dir?”, fragte er, während das zweite Sanitäterduo sich um Toby kümmerte.

“Geht schon. Ich fürchte nur, meine Schulter ist ausgekugelt. Wie gehts dir? Alles gut?”

Marek nickte. “Du solltest dich untersuchen lassen und wenn sie tatsächlich ausgekugelt ist, musst du ins Krankenhaus.”

Sandro nickte langsam. “Baby … du musst mit Blaine reden. Er hat Jessy nur verteidigt.”

“Darüber denke ich morgen nach. Heute geht es nur noch um dich.” Er warf einen Blick auf Toby, der so, wie die anderen Studenten verhaftet wurde. “Was für ein Abend.”

“Dabei war er anders geplant.” Sandro lachte leise, jedoch war der Schmerz in seiner Schulter gerade zu heftig. “Au …”

Blaine ließ die Untersuchung über sich ergehen. “Wie geht es Jessy ... meinem Freund, wie geht es ihm?”, fragte er matt.

“Ihren Freunden geht es soweit gut. Scheinbar hat es nur Sie und einen anderen erwischt.”

“Okay ...” Blaine bekam Schmerzmittel. “Mir ist furchtbar kalt.”

“Sie sind unterkühlt. Sie sollten ins Bett, sich aufwärmen. Am besten mit einer Heizdecke oder einer Wärmflasche.”

“Und einem Eisbeutel. Ist da unten alles okay?”

“Naja, es wird eine Weile wehtun. Vermutlich wird es einen Bluterguss geben und beim Urin lassen kann es wehtun, aber in ein paar Tagen sollte alles wieder normal sein.”

“Okay.” Blaine setzte sich mühsam auf.

Er nahm eine Decke entgegen, die ihm ein Polizist umlegte.

Marek fuhr mit Sandro mit, die sechs Studenten waren vorerst in Gewahrsam genommen worden, dann schloss sich die Tür. Blaine hatte sich warme Sachen angezogen und trat langsam und Schritt für Schritt die Treppe hinunter. “Fuck, ich glaube, ich bin jetzt ein Eunuch!”

“Na zumindest für die nächste Zeit”, sagte Sid leise. Jessy war in seinem Arm eingeschlafen. “Komm her, Bärchen.”

Blaine setzte sich vorsichtig neben Jessy. “Oh Mann, er bekommt ein Veilchen. Fuck”, flüsterte er. “Er braucht seine Bettdecke ... oder die zweite von da drüben. Er ist immer noch ganz kalt.”

“Ich durfte im kein Steak aufs Auge drücken. Er hat mich böse angesehen.” Sid hangelte nach der Decke und legte sie über Jessy. “Wie gehts euch?”

“Ich bin Eunuch ... und meine Augenbraue tut weh, aber Gott sei Dank kann Clarkson mit seinen Fäusten nicht umgehen. Kee?”

“Es geht. Connor hat meinen Magen getroffen, aber ich konnte mich revanchieren. Jungs, die werden nicht eingesperrt. Die werden wiederkommen.”

“Und was dann? Geht das wieder los? Seit wann sind die alle so?”

Blaine legte seinen Mund auf Jessys Kopf. Er wusste, dass es wegen ihm war.

Keegan zuckte die Schultern. “Seit A uns fertig macht.”

“Seit mein Geheimnis raus ist”, sagte Blaine.

“Ich denke nicht, dass es um dich geht, Blaine. Nicht um dein Geheimnis. Es ist wegen uns allen. Wegen A. Vielleicht haben sie Angst, dass über sie auch was geschrieben wird.”


Es dauerte fast zwei Stunden, dann kamen Marek und Sandro zurück. Jessy war wach, sie hatten die vier kleinen Kater runtergeholt, die völlig verängstigt wegen all dem Krach unter den Betten gesessen hatten.

“Sandro, wie geht es dir?”, fragte Keegan und musterte den Arm in der Schlinge. Er stand auf und trat auf ihn zu.

“Ganz gut. Schulter war ausgekugelt und muss jetzt still gehalten werden.” Sandro seufzte und musterte die anderen. “Und euch?”

“Sid geht es besser, mir auch, Blaine hat nie wieder Sex und Jessy taut langsam auf.” Keegan lächelte und deutete auf das kleine Sofa am Fenster. “Bitte.”

Sandro schaute Keegan einen Moment an, dann umarmte er ihn unbeholfen, was Keegan fast einknicken ließ. Ganz leise flüsterte er: “Ich hab dich lieb.”

“Ich dich auch”, gab Kee zurück und küsste ihn auf die Schläfe.

Dann setzten er und Marek sich. “Wird es wieder besser werden?”, fragte Sandro Blaine.

“Das will ich hoffen, sonst tut mir Jessy leid. Ich hab mich schon oft geprügelt, aber ich war dabei nie nackt”, sagte der schief grinsend.

“Jessy bekommt zu Weihnachten einen Dildo”, sagte Sandro schmunzelnd. “Sid hat bestimmt welche, die er dir schenken kann.”

Jessy schmiegte sich an Blaine. Ihm war nicht nach Scherzen. Sanft streichelte er Lucky auf seinem Schoß.

Blaine reichte Dean und Kappa zu Marek und schaute ihn seufzend an. “Ich war damals ein schrecklicher Idiot, aber ... das bin ich heute nicht mehr. Ich bin kein Mobber mehr”, sagte er frustriert.

Marek nahm die Tiere und kuschelte sich an Sandros Gesunde Seite. “Warum hast du das getan?”

Blaine zog Jessy fest an sich. “Weil ich dumm war. Ein Idiot mit Muskeln, der sich prügeln konnte. Und weil Macht so verdammt gut schmecken kann. Es ist nicht erklärbar und entschuldbar. Es tut mir unendlich leid, auch wenn es damals nicht jeder hören wollte.”

Sandro lächelte, als Jessy Blaine sanft auf die Wange küsste. Diese kleine Geste rührte ihn. Er wusste, dass Blaine nicht mehr so war. Sie kannten ihn nun schon über ein Jahr. “Und eben? Du warst sehr aggressiv.”

“Sie haben Jessy bedroht. Er stand da nackt und vollkommen ungeschützt. Würdest du wirklich anders reagieren? Oh warte ... du hast dich auf Carlos gestürzt, weil er Marek angegriffen hat.”

“Ja.” Sandro nickte und nahm Mareks Hand. “Ich hab ihn verteidigt.”

“Nichts anderes habe ich getan. Heute und gestern auch. Ich habe meinen Freund verteidigt.”

Sandro sah Blaine entschuldigend an. “Bitte verzeih mir.”

“Es gibt nichts zu verzeihen. War wohl generell ein ziemlicher Schock.”

Marek schaute Sandro an, dann Blaine. “Es tut mir leid”, sagte er leise.

Blaine lächelte ihn an. “Vergessen wir das bitte? Ich fürchte, die entspannten Zeiten hier sind vorbei. Wir müssen zusammenhalten.”

Die jungen Männer schwiegen eine ganze Weile und hingen ihren Gedanken nach.

“Ich will hier nicht bleiben”, flüsterte Jessy leise.

“Wie meinst du das?”, fragte Blaine.

“Sie werden uns fertig machen. Ich … ich will keine Angst haben, im Schlaf verprügelt zu werden.”

“Und ... wo sollen wir hin?”, fragte Blaine verwirrt.

“Weiß nicht … Jared … James … irgendwohin.”

Keegan schaute ihn an. “Dann würdest du aus der Verbindung austreten? Das sollten sie, nicht wir.”

“Das wird doch niemals passieren! Sie werden davon kommen!”

“Und wenn wir uns alle was neues suchen? Ein gemeinsames Haus”, sagte Marek nachdenklich.

“Wo nur schwule rein dürfen?”, fragte Sid an Keegan gelehnt.

Keegan lachte leise. “Das muss aber bis Montag warten. Dann gehen wir zur Studentenvereinigung. Die können uns da sicher helfen.”

“Und wenn sie vorher wiederkommen?”, fragte Jessy leise.

“Ich kann James fragen, ob wir bei ihm schlafen dürfen”, sagte Blaine.

“Wir können bestimmt auch zu Jared”, sagte Jessy leise.

“In die kleine Hütte?” Blaine nickte langsam. “Frag ihn.”

“Alle?”

“Na, ich glaub, das wird zu eng.”

Marek schaute zu Sandro. “Wir können zu dir.”

“Und ich könnte Todd anrufen, ob wir in seinem Haus schlafen können”, sagte Sid.

“Jemand sollte Elias Bescheid geben.” Blaine küsste Jessy auf den Kopf.


Eine Stunde später öffnete Jared die Tür des kleinen Strandhauses und sah Blaine und Jessy erschrocken an. Blaine war unglaublich blass und Jessy hatte ein böses Veilchen. “Was zum Teufel ist denn mit euch passiert?”

“Die Typen in unserem Haus haben festgestellt, dass sie Homohasser sind”, sagte Blaine trocken. “Sorry .... ich bin müde. Die Scherze kommen von allein, auch, wenn sie schlecht sind.”

“Kommt rein.” Jared hatte das Minisofa ausgeklappt für die beiden. Er machte ihnen Tee und Kaffee und setzte sich aufs Bett. “Okay, erzählt. Was ist passiert?”

Blaine schaute ihn einen Momentlang an. Fast wollte er ihn fragen, warum er das wissen wollte, wo er doch sonst über alles bestens informiert war. Aber er schluckte es hinunter.

“Ein paar Jungs kommen mit den Geschichten von A nicht klar. Ich bin der Mobber, Sid die Nutte, Kee der Ehebrecher und sie alle sehen uns als perverse und wollen uns raushaben. Zudem meinen sie, Jess hat sich den Übergriff von Stein nur eingebildet, weil sie scharf auf die Kohle seines Vaters sind. Sie wollen ihn zurückhaben. Es artete aus und sie griffen uns an.”

Jared war deutlich schockiert und nahm seinen Bruder in die Arme, als erneut Tränen in Jessys Augen glitzerten. “Scheiße … das tut mir Leid. Wurden sie verhaftet?”

Jessy nickte nur und Blaine bejahte es. “Aber sie werden sicher nicht im Gefängnis bleiben.”

“Was habt ihr jetzt vor?”

“Kee hat vorgeschlagen, die Studentenvereinigung um Hilfe zu bitten, damit wir ein kleines Haus mieten können.”

“Ja, das klingt gut. Ihr solltet da echt nicht mehr zurück.”

Blaine betrachtete das kleine Sofa. “Das wird eng. Jared hast du ein paar Eiswürfel?”

“Uff… ich muss mal schauen.” Jared küsste Jessy auf den Kopf, stand auf und ging zum Kühlschrank. “Sorry, dass es so eng wird. Aber ihr könnt auch im Bett schlafen. Carter ist heute nicht hier, dann nehme ich das Sofa.”

“Wo steckt er denn?”, fragte Blaine.

“Bei James.” Jared sah ins Tiefkühlfach. “Wofür brauchst du die Eiswürfel?”

“Clarkson hat sein Knie in meinem Schritt geparkt. Ich war nackt und ... so im Nachhinein bin ich froh, dass er mir nicht auf den Schwanz getreten ist.”

“Autsch.” Jared hielt ihm eine Packung Erbsen hin. “Ich weiß gar nicht, warum die hier sind.”

“Um meiner Eier zu kühlen.” Blaine legte sie sich auf den Schritt und nuschelte leise: “Halleluja ...”

“Sex ist dann wohl erstmal gestrichen.”


Elias war zu Joe gegangen. Hoffentlich war dieser überhaupt da. Er grüßte eine Gruppe Studenten auf dem Weg zu dessen Zimmer, wo er klopfte.

“Ist doch nicht wahr”, murmelte Joe und sah zu Daniel runter.

“Ist gerade ganz schlecht”, rief Daniel grinsend und spreizte die Beine etwas mehr.

Elias seufzte. “Ich suche Joe. Es ist wichtig, weißt du, wo er ist?”

Nun hob Daniel die Augenbrauen und schaute eben diesen fragend an.

Joe lachte leise. “Komm rein”, sagte er frech.

“Oh Joe!” Daniel schlug ihm auf den Hintern.

Elias rieb sich das Gesicht. “Schon gut. Ich geh ins Café. Kannst du nachher hinkommen?”

“Komm rein jetzt!” Joe zog sich zurück und deckte sich und Daniel zu.

Elias schaute ins Zimmer. “Hey, ihr wollt vögeln, das ist okay. Ich würde eh gern mit dir allein reden. Komm doch einfach danach ins Fairylight.”

“Gib mir eine halbe Stunde.”

“Alles klar.” Elias verschwand und setzte sich kurz darauf mit einem Kaffee in eine Ecke ans Fenster, wo er Ausblick auf die große Wiese vor dem Kunstbereich hatte.

Gut dreißig Minuten später kam Joe zum Café und setzte sich zu ihm. “Hey Großer.”

“Hey. Willst du etwas trinken?”

“Ne Cola.”

Elias holte sie, dann setzte er sich. “Hast du die neuste Meldung von A gelesen?”

“Nein. Ich war beschäftigt. Was kam denn?”

Schweigend schob Elias sein Handy rüber und lehnte sich zurück.

Joe las es und hob die Augenbrauen. “Aha?”

Elias schaute ihm in die Augen. “Es stimmt nur die Hälfte, Joe.”

“Dann erzähl mir doch die ganze Wahrheit.”

Mit der Hand fuhr sich Elias durch das dunkle Haar. Dann berichtete er leise von seiner Familie, was passiert war und welche Auswirkungen es auf sie alle gehabt hatte. “Ich habe angefangen, es zurückzuzahlen, aber das dauert natürlich ...”, schloss er langsam. Er konnte Joe nicht ansehen und schaute stur auf seine Tasse.

“Schaffst du es bis Ende des Jahres?”

“Es wird hart, aber ja. Ich habe einen Job, der gut mit dem Training zusammenpasst.”

Joe nickte langsam. “Warum hast du nichts gesagt?”

“Scham ... mein Versprechen ...”

“Das ist Blödsinn. Du kannst mir alles sagen.”

“Mag sein, aber es ging irgendwie nicht.” Elias seufzte. “Kee sagte vorhin, dass die meisten Menschen dich unterschätzen und vielleicht nicht gut genug kennen. Ich hatte Schiss, dass es für dich gar nicht geht, so zu leben. Für dich war Geld noch weniger ein Thema, als für mich.”

“Denkst du wirklich, dass ich so oberflächlich bin?”

Elias sah ihn beinahe liebevoll an. “War nie ein Thema zwischen uns, oder? Es tut mir leid, Joe.”

“Wir haben so viel zusammen gemacht. Für mich ist das völlig egal.”

Elias wusste nicht, was er sagen sollte. Das zu hören tat so unendlich gut. “Kannst ... kannst du mir helfen?”, fragte er leise.

“Wieviel brauchst du?”

“Um das Verbindungshaus auszuzahlen ... 3750 $.”

Joe nickte. “Bekommen wir hin.”

“Danke, ehrlich.” Elias holte tief Luft. “Ich hätte nicht gedacht, dass es mal ein Thema sein wird.”

“Ihr hattet Pech. Aber es wird auch wieder besser.” Joe lächelte. “Ich gehe mal davon aus, dass du es so schnell wie möglich brauchst. Der Dekan sollte keinen Beweis bekommen.”

“Der Dekan bekommt die Meldungen von A auch, also weiß er ohnehin alles.”

“Wenn das Geld da ist, kann er dir nichts.”

“Ja, das stimmt. Du bekommst es so schnell, wie es geht, wieder.”

“Weiß ich doch. Mach dir mal keinen Kopf. Irgendwann bist du ein berühmter Schwimmer. Dann schwimmst du in Geld.”

“Naja, Wasser wäre mir lieber. Nein, ich verdiene Geld und davon werde ich dir monatlich etwas zurückzahlen.”

“Okay.” Joe schmunzelte. “Komm her, Baby.”

Elias lächelte amüsiert und setzte sich neben ihn. “Ich danke dir, ehrlich. Das bedeutet mir sehr viel.”

“Gib mir einen Kuss, dann ist alles gut.”

Den bekam Joe. So, wie ein Elias eben küsste. “Wie war der Sex?”

“Gut. Etwas kurz.” Joe grinste. “Ich sollte Lukas mal wieder anrufen. Wie wär es?”

“Klar, warum nicht.” Elias nahm seine Tasse. “Morgen kann ich aber nicht.”

“Sonntag? Ihr kommt zu mir oder wir zu dir.”

“Zu mir, da haben wir mehr Platz.”

>>Hey Kleiner. Lust auf Elias und mich? ;) Sonntag? <<

>>Klar, aber nenn mich doch bitte nicht Kleiner, wenn du mich vögeln willst! xD <<

>>Sexy Biest?<<

>>Uh ja, das klingt gut. Wann und wo?<<

>>Sonntag bei Elias. <<

>>Schick mir noch eine Uhrzeit und ich bin da!<<

>>Sobald du wach bist ;) Wird ein guter Tag ^^ <<

>>Grrrr ... ^^<<

Elias las mit und lächelte, als sein Handy klingelte. “Hey ... morgen früh gl ... oh, ja klar. Ich bin um neun da. Gar kein Problem, ich hatte es sowieso eingeplant.” Elias lächelte und verabschiedete sich, bevor er auflegte.

“Wer war das?”

”Mein Job.”

“Sagst du mir, was du machst?”

“Du darfst nicht lachen, okay? Der Job ist mir wichtig. Ich will mich nicht blöd fühlen.”

“Sags schon.”

“Ich babysitte zwei kleine Mädels von zwei und drei Jahren.”

Joe grinste. “Awww … wie süß.”

“Mach dich ja nicht lustig. Wirklich, die Familie ist toll. Quentin und Mary arbeiten echt viel. Die meiste Zeit passen die Großeltern auf, aber das geht nicht immer. Drei Mal die Woche mach ich das. Morgen ist es eher außerplanmäßig. Am Wochenende macht Marys Mutter das, aber sie ist im Urlaub.”

“Ich finde es süß.” Joe küsste ihn amüsiert.

Elias zeigte ihm ein Bild der beiden Mädels. “Sie sind frech, sie würden selbst dich kleinkriegen.”

“Niemals. Ich bin ein ganzer Kerl.”

“Jap. Dachte ich auch.” Elias lächelte, dann schaute er Joe an. “Ich hab’s dir nie gesagt, aber ich lieb dich, ich hoffe, das weißt du.”

Joe sah ihm in die Augen und lächelte. “Ich dich auch. Du bist mein bester Freund, mein Liebhaber. Ich liebe dich.”

Fest umarmte Elias ihn. Ihm fiel ein riesen Stein vom Herzen.

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Das hat mal geknallt! Und es ist noch nicht vorbei ^^
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