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Wenn sie lacht

GeschichteFamilie / P16 / Gen
Alexandra Rietz Gerrit Grass
02.04.2021
18.04.2021
20
43.459
2
Alle Kapitel
30 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
08.04.2021 2.243
 
Hallo ihr Lieben,

Der erste Dank geht wie immer an meine liebe Zuckerschnute und ihre Reviews.

Aber auch euch anderen: Danke für jetzt 770 Views.

Ganz herzlichen Dank auch noch an sidewalk-downtown für deinen Favo.

Und jetzt viel Spaß mit Gerrit, Gwen und den anderen.

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Es dauerte noch lange, bis Gwen etwas zur Ruhe kam. Alex kam zwischendurch leise ins Vernehmungszimmer und stellte zwei Saftflaschen auf den Tisch. Weinen machte durstig. “Danke”, flüsterte Gerrit ihr sanft zu. Das machte sein großartiges Team aus. Sie passten aufeinander auf und sorgten sich umeinander. Er lächelte Alex dankbar an. “Du bist ein Schatz.” Alex lächelte zurück. Gerrit war schon sehr süß. Es stimmte wohl, was manche sagten: Kinder machten Männer attraktiv. Gerrit würde sich bald vor Angeboten nichtmehr retten können. Den Stich in ihr eigenes Herz bei dem Gedanken ignorierte Alex gekonnt. Diese Eifersuchtsanfälle kannte sie schon. Welche beste Freundin kannte die auch nicht. Freundschaften zwischen Männern und Frauen bargen diese Tücke.  

Als Gwen sich beruhigt hatte, saßen sie noch eine ganze Weile stumm vor dem Aquarium im Vernehmungszimmer. Gerrit hatte gerade das Gefühl, dass jedes Wort das falsche sein könnte. Schließlich fing Gwen an zu reden: “Muss ich jetzt weg? In das Gefängnis? Jetzt wo du weißt, wie böse ich bin?” Gerrits Herz krampfte sich zusammen. “Gwen, Nein. Du warst nicht böse. Sie haben dich dazu gezwungen. Du konntest doch garnicht anders.” Gwen sah ihn groß an: “Du bist mir nicht böse?” “Nein, mein Schatz, ich bin dir nicht böse. Ich weiß, doch dass du nicht böse bist.” “Auch wenn ich dich gehauen habe?” “Das wolltest du ja nicht, also ist alles gut. Es soll nur nicht wieder passieren. Sonst bekomme ich noch eine Kartoffelnase.” Gwen sah ihn entrüstet an und lachte. Gerrit lachte auch. Der Scherz brach das Eis. “Na komm, gehen wir zu den anderen. Vielleicht haben die ja auch Lust auf ein Eis.”



Gwen leckte an ihrem Eis. Michael lachte. “Ihr Kinder”, Robert und Gwen hatten beide dick Schokoeis verschmierte Münder. Gerrit besah die Szene stumm. Gerade wirkte Gwen ruhig, aber er ahnte schon, dass die Nacht grausam werden würde. Eis wirkte Wunder. Eis machte alles wieder gut. Naja, nicht ganz. Vielleicht ein bisschen erträglicher. Er erzählte Alex davon, Michael, der mitgehört hatte, hatte eine Idee und nach Feierabend tobten 4 Kommissare mit dem Kind wild Footballspielend durch den Park. Sie wollten das Kind müdespielen. So war selbst Michael über seinen Schatten gesprungen, einen Ball, der kein Ball war, in die Hand zu nehmen statt mit dem Fuß zu kicken. Erst als sie alle vollkommen durchgeschwitzt und außer Atem waren, gingen sie zu Gerrit nach Hause und Gerrit schickte Gwen ins Bad. Normalität herstellen. Alex und Robert verabschiedeten sich. Sie hatten Morgen wieder Frühschicht und mussten sauber und ausgeschlafen im Büro erscheinen. Michael sah Gerrit an: “Kumpel, wie geht es dir?” Gerrit lehnte sich zurück. “Puh, Micha...keine Ahnung. Ich denk grad fast nur an das Mädel und hoffe, dass sie das hier alles irgendwie verpackt. Das heute war echt heftig für sie.” “Soll ich dableiben?” Gerrit sah überrascht auf. “Du willst dableiben?” “Naja, wollen”, grinste der Freund, “aber die Veilchen sollten vielleicht halbwegs regelmäßig aufs Team verteilt sein.” “He, Gwen ist nicht gewalttätig.” “Ich weiß, Kumpel, ich weiß”, beschwichtigte Michael, “aber sei mal ehrlich. Du machst dir schon Gedanken, was ist, wenn sie Panik bekommt.” Reumütig nickte Gerrit. Er hatte es nicht zugeben wollen, aber irgendwo war diese Sorge gewesen. Auch, was passieren könnte, wenn Gwen ihn in Panik so erwischte, dass er sie nichtmehr von Dummheiten abhalten konnte. “Ich hab ne Tasche im Auto” erklärte Michael. “Jaja, die Date-Tasche.” grinste Gerrit. Eigentlich war diese Tasche ja eher dafür gedacht, nach einem harten Einsatz Wechselklamotten zu haben, wurde aber auch gerne genutzt, um nach einem Date nicht in zerknitterter Kleidung vom Vortag aufzutauchen, beziehungsweise kurzfristig bei der aktuellen Flamme übernachten zu können. Er ging zu Gwen, half ihr, sich bettfertig zu machen und brachte sie in ihr Zimmer. Er erzählte ihr noch eine kurze Pixi-Geschichte, dann sag er ihr Nachtlied. Als er sich umdrehte, um sie schlafen zu lassen, sah er Michi im Türrahmen lehnen. “Ich wusste garnicht, dass du singen kannst”, grinste der. “Darf ich bei dir duschen? Die Schlammschlacht eben muss noch beseitigt werden. “Klar.” Michael besetzte das Bad, Gerrit räumte noch die Küche auf und richtete für Michael das Sofa her, dann tauschten sie. Als Gerrit zurückkam hatte Michael schon zwei Flaschen auf den Couchtisch gestellt. “Kein Bier für mich. Die Kleine.” erinnerte Gerrit. “Ist nur ein Radler. Und ich kenne dich. Du wirst davon nicht unzurechnungsfähig.” Gerrit seufzte, setzte sich dann aber doch dazu und stieß mit seinem besten Freund an. “Vater sein ist ziemlich happig, hm?” “Oh ja.” Gerrit nahm einen tiefen Schluck. “Ich weiß noch, als Mikey geboren wurde. Das war schon heftig...und Gwendolin ist eine ganz andere Hausnummer.” “Manchmal denk ich, ich bin völlig überfordert.” Michael gegenüber konnte Gerrit sich jede Schwäche eingestehen. Sie kannten sich schon so lange und immerhin hatte Michael schon ein Kind. Naja, zumindest hatte er Mike in Teilzeit erzogen und wusste, wie es war, auf ein Kind aufzupassen. Nach dem gemeinsamen Getränk legten Gerrit und Michael sich auch gleich schlafen.  

Jedoch nicht lange, denn Gwens markerschütternde Schreie rissen sie aus dem Schlaf. Gerrit schaltete das Licht an und trat vorsichtig an das Bett. “Gwen. Gwendolin, he, alles gut, wach auf.” Er streckte seinen Arm aus und stieß sie leicht an die Schulter. Doch Gwen wachte nicht auf. “Gwenny, he, Gwen. Wach auf.” sie begann, um sich zu schlagen. Gerrit nahm ihren Arm und rief immer wieder Gwens Namen. Michael kam dazu und half Gerrit, das tobende Kind “unter Kontrolle” zu halten, wobei er jedoch einen kräftigen Schlag aufs Auge abbekam. Schließlich gelang er Gerrit, Gwen soweit wach zu bekommen, dass die ihn wahrnahm. Er zog sie fest in seine Arme, die kleinen Fäuste trommelten auf seine Schulter gegen den Widerstand von Michaels Händen an, langsam ebbten die Schreie ab. Aus den Schreien wurden Schluchzer und Gerrit brachte das Kind ins Wohnzimmer aufs Sofa. Er ließ sie einfach weinen.  

Die Türklingel unterbrach. Ein Blick. Michael ging zur Tür und kam kurz darauf mit zwei Streifenbeamten herein. “Hallo Gerrit”, “hallo Jörg.” Michael Erklärte: “Dein Nachbar mal wieder.” Gerrit seufzte: “Naja, besser er ruft an und man schaut nach, als dass wirklich was im Busch wäre.” Jörg sah Gerrit ernst an: “Ja, dein Nachbar besteht darauf, dass man das Jugendamt einschaltet.” “Dann richtet ihm doch bitte aus, dass das Jugendamt schon eingeschaltet ist. Gwendolin hat die Hölle durchgemacht und schläft deshalb nicht. Sie ist bei mir, weil sie unter Polizeischutz steht.” Erklärte Gerrit den Streifenbeamten verzweifelt. Was wenn das Jugendamt mitbekam, dass Gwen den Nachbarn missfiel? Würde man ihm das Kind dann wegnehmen? “Keine Sorge, Gerrit, ich sprech mal mit dem Herrn.” erklärte Michael und verließ mit den Streifenbeamten die Wohnung.

Auf dem Flur traf er auf den Nachbarn. “Naseband, Kriminalpolizei”, stellte er sich vor. “Na endlich wird mal was gegen den Lärm hier unternommen. Der Kerl da drinnen, der hat seit letzter Woche jede Nacht solchen Lärm und ein Kind. Ein Kind, hier in unserem friedlichen Haus. und ich glaube, der schlägt sein Kind auch. Das Kind muss unbedingt weg hier.” “Herr Metzger. Beruhigen Sie sich bitte kurz. Herr Grass ist wahrscheinlich der erste Mensch auf diesem Planeten, der dieses Kind NICHT schlägt. Der Mann ist ein Kollege von mir und hat aktuell ein über viele Jahre misshandeltes Kind in Pflege. Das Mädchen hat eine Hölle hinter sich, die Sie sich wahrscheinlich nichteinmal vorstellen möchten. Sie hat Alpträume und ist dann schwer zu wecken, das ist alles.” erklärte Michael ruhig. Der Mann sah ihn entsetzt an. “Ja, aber...aber...und...meine Nachtruhe?” “Auf die verzichte ich auch gerade-dem Kind zuliebe. Wenn Sie die nächsten Wochen die Zeitung im Auge behalten, werden Sie sicher 1 und 1 zusammenzählen können und verstehen, was mit dem Kind los ist...und wenn sie ein bisschen ein Herz haben, lassen sie die beiden in Ruhe. Das Mädchen braucht jetzt Stabilität und Sicherheit und aus irgendeinem Grund hat sie beschlossen, meinem Kollegen Herr Grass zu vertrauen. Glauben Sie mir, ich habe selbst einen Sohn, ich würde niemals tolerieren, dass ein Kind verletzt wird. Es ist gut, dass Sie angerufen haben. Man weiß ja nie, was hinter verschlossenen Wohnungstüren passiert, aber in dem Fall sind Sie echt auf dem Holzweg. Die Kleine wird hier gut behandelt.”

Der Mann nickte schließlich, nachdem ihm Michaels Ansprache kurz durch den Kopf gegangen war: “Ich wollte ja nur schauen, nicht dass was ist...und hoffentlich beruhigt sie sich bald, dass man nachts hier auch mal wieder schlafen kann.” “Bestimmt,” erklärte Michael dem Herrn und Jörg bekräftigte: “Dem Kind geht es den Umständen entsprechend gut und es ist bei Herrn Grass in guten Händen. Machen Sie sich keine Sorgen, Herr Metzger.” Die Wege trennten sich und alle gingen ihrer Wege. Herr Metzger zurück in seine Wohnung, die Streife zurück ins Auto und Michael zurück zu Gerrit und Gwen. Das kleine Mädchen war inzwischen wieder auf Gerrits Arm eingeschlafen. Gerrit danke Michael leise: “Ich nehme das Kind mit zu mir.” Michael nickte und öffnete ihm die Tür. Da Gwen Gerrit nicht loslassen wollte, musste Michael ihm noch helfen, die beiden zuzudecken.  “Schlaf schön, Kleiner Kommissar”, neckte Michael noch, “Gute Nacht, Gwen.” Dann verzog er sich wieder aufs Sofa.

Morgens wachte er von seinem Handy auf, das klingelte. “Morgen Alex.” “Hei Michi, du hast seit ner halben Stunde Dienst.” “Ach Scheiße. Ja, sorry, ich komm so schnell ich kann.” Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass es gleich halb 11 war. Besaß sein Kumpel keinen Wecker mehr oder was? Gequält stöhnte Michael auf. Dieses Sofa gehörte in eine Folterkammer- oder er wurde einfach zu alt. “Du stöhnst so, bist du bei ner Frau im Bett?” “Ne, auf Gerrits Sofa.” “Du bist noch bei Gerrit?” “Ja. Und war gut so. Die Kleine hatte heute Nacht einen Panikanfall.” als Michael sich das Auge rieb wurde ihm schmerzhaft bewusst, dass man die Folgen der Nacht wohl sehen würde. “Man, hat der Kollege keinen Wecker mehr oder was?” stöhnte er gequält. “Du pass auf, mach dir keinen Stress. Warten sowieso nur die Akten auf uns. Und...der KTU-Bericht zum Fall Gwendolin.” “Der würde mich schon interessieren.” Michael mühte sich ab, sich einhändig seine Jeans anzuziehen, während er mit Alex telefonierte. “Komm einfach, wenn du so weit bist. Hast ja genug Überstunden.” “Ja, mach ich, bis dann Chiao.”

Michael legte auf und machte klopfte an die Schlafzimmertür. “Gerrit? Bist du wach?” Ein Murren von drinnen ließ ihn grinsen. Typisch Gerrit- die Schlafmütze. Er öffnete die Tür und sah Gerrit mit dem Kind auf der Brust verschlafen aus der Wäsche schielend. “Morgen. Sag mal hast du keinen Wecker oder gehen hier die Uhren anders?” Gerrit deutete auf das Kind. “Gwen verträgt keine Wecker. Die machen ihr Angst.” “Die ist eindeutig verwandt mit dir.” Gerrit lachte auf und schob das Kind von sich herunter. Gwen griff nach seiner Hand. “Na komm, Süße, wird langsam Zeit zum Aufstehen.” Gwen gähnte herzhaft und kroch aus dem Bett. “Hast du Alex auch auf dem Sofa gequält?” Gerrit grinste und kratzte sich am Hinterkopf. “Ähm ja...äh...nein.” Er wurde rot und Michael lachte: “Solang du meiner Alex nicht wehtust werde ich euch nicht im Wege stehen, Junge, das weißt du.” er stieß Gerrit die Fingerspitze vor die Brust. Gerrit winkte ab. “Du weißt doch. Freunde.” Michael beließ es dabei, auch wenn Gerrit ein klein wenig geknickt aussah. Es war nicht der richtige Zeitpunkt für Sprüche, das merkte auch der manchmal etwas unsensibel wirkende Rheinländer. “Frühstück?” fragte Gerrit. “Frühstück”, bestätigte Michael. Gerrit legte Michael zu seinem Frühstücksteller noch eine Ibuprofen-Tablette und einen Kühlpack. “Danke, Kumpel.” Michael nahm die Tablette und hielt sich die wohltuende Kühle an die Schläfe. Gwen kam an den Frühstückstisch und besah sich die Szene vorsichtig. “Setz dich, Gwen. Frühstück.” befahl Gerrit sanft. Das Mädchen setzte sich und nahm sich schnell ein Brot. Gwen sah schief zu Gerrit, der auch gleich anhob: “Gwen, du weißt ja,” “langsam essen”, murmelte Gwen schüchtern dazwischen. Michael grinste: “Genau, Mädchen. Langsam essen dir nimmt niemand was weg.” Gwen lächelte den Glatzkopf schüchtern an, und druckste herum: “Tut...tut das sehr weh?” Michael lächelte sie schief an: “Es geht, Mäuschen. Du hast echt einen guten Schlag drauf, aber das ist schon in Ordnung. Ich bin ja quasi in deine Hand gelaufen.” Gwen schluckte und schaute traurig zu Boden: “Ich will doch nicht hauen, aber ich kann nicht anders als böse sein. Das hat Obi auch immer gesagt.” “Quatsch”, kam es einstimmig von den beiden Kommissaren, “Das war doch nicht böse von dir. Würde mich jemand nachts so festhalten, würde ich auch um mich schlagen so gut ich kann. Das ist doch nicht böse.” erklärte Michael. Gerrit nickte bekräftigend dazu und erklärte: “Es ist wirklich alles gut. Wir wissen alle, dass du uns nie was Böses wolltest.” Gwen schluckte schwer: “es tut mir leid.” Michael grinste: “Das ist das Wichtigste, Gwen. Es ist wirklich alles in Ordnung. Irgendwann wird das alles auch besser. Du musst keine Angst mehr haben.” Er streckte ihr die Hand hin. “Freunde.” Gwen zögerte kurz, dann schlug sie ein. “Tapfere Maus.” lachte Michael, dann aß er fertig und stand auf: “Ich fahr dann mal ins Büro. Wenn was ist, ruft an.” Gerrit nickte mit vollem Mund und hob zum Gruß die Hand.
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