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Kill My Mind

GeschichteLiebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Harry Styles Louis Tomlinson
01.04.2021
03.06.2021
11
24.404
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Dieses Kapitel
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24.04.2021 1.891
 
„Du willst spielen? Dann lass uns spielen!“

Auch wenn kein Name dahinterstand, wusste er das die Nachricht von Harry war. Zwei Tage waren vergangen, seit er sie in der Cafeteria erhalten hatte. Zwei Tage, in denen er weder geantwortet noch eine weiter Nachricht von Harry erhalten hatte.
Frustriert wirft Louis sein Handy neben sich ins Bett und stöhnt anschließend lange und ausgiebig in sein Kissen. Was hatte er sich nur dabei gedacht Harry so zu provozieren? Seinen Freunden und auch Eleanor hatte er nichts von der Nachricht erzählt. Ging auch schlecht, ohne dass er ihnen alles andere auch erzählen musste. Doch je mehr Zeit verging, desto größer wurde sein Bedürfnis sich jemandem anzuvertrauen. Zwar hatte Harry ihm nicht mehr geschrieben und auch in der Schule hatten sie kein Wort mehr gewechselt, dafür hatte Harry eine neue Taktik entdeckt Louis zu zermürben.

Er starrte.

Wann immer Louis sich zu ihm umdrehte, erwischte er Harry dabei, wie dieser ihn unumwunden ansah. Egal wo. Im Unterricht. In den Pausen. Auf dem Schulflur. In der Cafeteria. Das eine mal sogar auf der fucking Toilette. Es wäre eine Sache, wenn Harry dabei wie ein plüschiges Glitzer-Einhorn aussehen würde, welches mit ihm gemeinsam den Regenbogen entlang reiten wollte. Aber neiiinnnn. Harry sah ihn lieber mit einem Blick an, bei dem Louis sich nicht ganz sicher war, ob dieser gerade plante ihn auf dem nächsten Tisch durchzuvögeln oder doch eher im nächsten Wald zu verscharren, wo ihn niemand finden würde. Zumindest nicht lebendig.

Was auch immer von Beiden Harry vorhatte, es jagte ihm einen ordentlichen Schreck ein. Der Mut, der Louis am Montag in dieser dunklen Abstellkammer gepackt hatte, hatte ihn schon längst sang und klanglos wieder verlassen. Verräter! Louis fühlte sich mit jedem Tag mehr wie eine kleine Maus, die von der Katze in die Ecke gedrängt wurde. Und er hasste dieses Gefühl. Mehr als alles andere. Er war unglaublich wütend und gleichzeitig ohnmächtig, weil er keine Ahnung hatte was er tun sollte. Würde Harry wenigstens den nächsten Schritt machen, könnte er sich der Herausforderung stellen. Doch so war er, in ständiger Alarmbereitschaft, zum Warten verdonnert. Einfach nur ätzend.

Natürlich wirkte sich seine Angespanntheit, wegen Harry, auch auf andere Bereiche auf. Er war unkonzentriert in der Schule, hörte seinen Freunden nur mit halbem Ohre zu, während er den Raum nach Harry absuchte. Zu seiner Schande, hatte er es auch immer noch nicht geschafft sich um einen Job zu kümmern. Was äußerst problematisch wurde. Nachdem er gestern die eine Ratenzahlung für das Haus getätigt hatte, musste er dringend an Geld kommen. Andernfalls würde es Lottie auffallen und er wollte nicht, dass sie sich noch mehr sorgen machte.

Die Einzige, der aufgefallen war, dass er sich seltsam verhielt, war Eleanor. Was kein Wunder war, da er ihren Kontakt fast ausschließlich auf die Schule beschränkte. Louis fühlte sich, seit der Sache mit Harry, einfach unglaublich unwohl in ihrer Nähe. Es hatte niemals Geheimnisse zwischen ihnen gegeben, weswegen dieses eine, nun umso stärker zwischen ihnen gewichtete. Natürlich war ihr daher die Veränderung an Louis und zwischen ihnen aufgefallen. Sie spürte, dass es etwas gab, dass zwischen ihnen stand. Etwas, dass Louis ihr nicht erzählte. Doch solange sie ihn nicht genauer nach diesem Etwas fragte und er sie damit beschwichtigen konnte, dass es zu Hause einfach gerade nicht so lief, konnte er sich damit nicht weiter befassen. Kreisten seine Gedanken doch ständig nur um Harry.

Louis griff nach seinem Handy. Zum wiederholten Mal las er sich die kurze Nachricht durch. Hätte Harry seine Nachricht auf einen Zettel geschrieben, wäre dieser vermutlich schon ziemlich abgegriffen, so oft wie er sich diese zwei Sätze durchgelesen hatte. Es war immer dasselbe. Louis legte sein Handy bei Seite, nur um zwei Minuten später erneut danach zu greifen und sich die Nachricht durchzulesen.
Verärgert über sich selbst schloss er sein Handy wieder und setzte sich auf. Das war doch idiotisch. Es wurde Zeit, dass er sein Kramm wieder auf die Reihe und Harry aus seinen Gedanken bekam. Und mit ersterem würde er gleich jetzt anfangen.
Es war erst früher Nachmittag, als noch genug Zeit sich bei einigen Geschäften zu bewerben. Seine Bewerbungsmappe in einen Rucksack gestopft, zog er sich unten seine alten Vans über. Kurz gab er den Zwillingen noch Bescheid, bevor er sich draußen auf sein Rad schwang. Lottie wollte sich mit ein paar Freundinnen treffen, also musste er sich keine Sorgen machen, dass sie etwas erfahren würde. Denn sollte sie herausfinden, dass er neben der Schule noch arbeitete, würde sie, ohne mit der Wimper zu zucken, sich ebenfalls nach einer Stelle umschauen. So war sie nun mal. Sie hatte sich nie damit zufriedengegeben, Arbeit anderen zu überlassen oder sich überhaupt auf anderen auszuruhen.

***

Drei Stunden später, kam er niedergeschlagen wieder zu Hause an. Neben dem Daily hatte er sich bei vier weiteren kleinen Shops, einer Videothek, einem Kino und einem Bäcker beworben. Fast ausschließlich hatte er dort nur mitleidige Blicke bekommen, zusammen mit einer freundlichen Ablehnung oder der Vertröstung, dass sie gerade niemanden suchten, sich aber bei ihm melden würden, sollte doch noch eine Stelle frei wären.

Seufzend öffnete er die Haustür. Seine Stimmung war im Keller, er wollte nur noch duschen und sich dann in seinem Bett verkriechen. Lautes Gelächter drang aus der Küche zu ihm herüber. Er runzelte die Stirn. Langsam lief er zu dem Raum, aus dem die lauten Geräusche kamen.
Überrascht riss er die Augen auf, als er Niall und seine Schwestern entdeckte. Schmatzend waren sie über Pizzapackungen gebeugt und redeten wild durch einander.

„Was ist denn hier los?“ unterbrach Louis sie. Vier Augenpaare richteten sich auf ihn.

„Louis, da bist du ja endlich!“ rief sein bester Freund und kam auf ihn zu. Immer noch verwundert umarmte er seinen Freund zur Begrüßung.

„Versteh mich nicht falsch, ich freu immer mich dich zu sehen, aber was machst du hier?“ fragte Louis.

„Hast du es etwa vergessen?“ Niall sah ihn überrascht an.

„Was habe ich vergessen?“

„Wir hatten uns zum Zocken verabredet, weißt du nicht mehr?“

Louis runzelte die Stirn. Dachte angestrengt nach, wann das gewesen sein könnte. Dann viel es ihm wieder ein. Erst heute beim Mittag hatte Niall ihn zu sich eingeladen, doch er hatte nur halb zu gehört, weil Harry in dem Moment die Cafeteria betreten hatte.
Louis schlug sich die Hand vor die Stirn.

„Oh Gott, es tut mir so leid. Ich habe es voll verdrängt.“ Entschuldigte Louis sich.

„Kein Ding.“ Niall drückt beruhigend seine Schulter. „Ich habe mir nur Sorgen gemacht. Als du nicht an dein Handy gegangen bist, bin ich rübergekommen, um nach dir zu sehen. Lotti hat mir aufgemacht, aber sie wusste auch nicht wo du bist und irgendwie bin ich dann hier hängen geblieben. Naja, und dann hatten die Zwillinge Hunger, also habe ich für uns alle Pizza bestellt. Ich hoffe das war okey?“

Das Essen, wie hatte er das nur vergessen können?! Das schlechte Gewissen versetzte ihm einen Stich. Sie hatten seit Tagen nichts mehr und eigentlich hatte Louis sich fest vorgenommen heute einzukaufen. Er sah zu Lotti. Sie war ungewöhnlich still. Aber er sah die Enttäuschung in ihrem Blick. Ihm war bewusst, dass sie ihm nur nicht die Leviten las, weil Niall da war.

„Das ist mehr als nur okey. Ich schulde dir was, echt!“ sagte Louis zu Niall.

„Ach schwamm drüber. Komm setz dich zu uns und erzähl einfach wo du dich so rumgetrieben.“ Winkte Niall ab und setzte sich wieder neben Lottie an den großen Tisch.

„Ähm...also eigentlich bin ich nur etwas durch die Gegend gefahren. Den Kopf frei kriegen, wisst ihr.“ druckste Louis und drückte den Zwillingen zur Begrüßung einen Kuss auf den Kopf. Er nahm sich seine Pizza und setzte sich zu den anderen an den Tisch. Ein Blick zu Niall und Lottie verriet ihm, dass sie ihm nicht ein Wort abgekauft hatten. Argwöhnisch hatten sie beide die linke Augenbraue hochgezogen und sahen ihn an. Zu seinem Glück fragten sie jedoch nicht weiter nach und ließen ihn damit durchkommen.

***

Nachdem Essen brachte er Niall zur Tür.

„Danke nochmal, wegen der Pizza und allem anderen.“ Murmelte Louis.

„Das habe ich gerne gemacht, wirklich. Du bist mein Bruder Lou, ich würde jeder Zeit alles für dich und deine Familie machen. Das weißt du doch?“ sagt Niall ernst und sah ihn durchdringlich an.

Hinter Louis Augen drückte es und er blinzelte heftig. Fest nickte er mit dem Kopf. Was würde er nur ohne ihn machen. Fest schloss er Niall in die Arme, auch wenn er sich dazu leicht auf die Zehenspitzen stellen musste.

„Danke, lad.“ Flüsterte Louis mit brüchiger Stimme.

Niall klopfte ihm zur Antwort verstehend auf den Rücken. Dann lösten sie sich von einander und Niall lief die Einfahrt herunter zu seinem Auto. Louis schloss die Tür und lief zurück in die Küche. Lottie erwartete ihn bereits. Mit verschränkten Armen lehnte sie an der Kücheninsel und sah mit gerunzelter Stirn auf den Fußboden. Die Essenreste hatte sie bereits weggeräumt.
Sobald sie seine Schritte hörte blickte sie auf.

„Lottie...“ setzte Louis an, wurde aber mit einer Hand von ihr zum Schweigen gebracht.

„Es ist mir egal, Louis. Ich will deine Ausreden nicht hören. Es kümmert mich nicht im Geringsten, ob du durch die Stadt hurst, dich betrinkst oder heimlich Drogen nimmst.“ Sie seufzt schwer und streicht sich über die Stirn. Louis schluckt gegen den Kloss in seinem Hals, der einfach nicht verschwinden wollte. „Es ist mir wirklich scheiß egal, was du in deiner Freizeit treibst. Du kannst machen was du willst, solange du deine Aufgabe in dieser Familie erledigst. Ich muss mich darauf verlassen können, dass du da bist. Das bedeutet auch, dass das Abendessen für die Zwillinge da ist und das nicht erst irgendwann gegen neun, sondern spätestens gegen sieben, damit beide um acht im Bett sind. Haben wir uns verstanden.“ Müde sah Lottie ihm in die Augen. Ähnlich einem geprügelten Hund nickte er mit dem Kopf.

„Du kannst dich auf mich verlassen. Sowas wie heute wird nie wieder passieren. Ich schwöre es!“ Um Vergebung bittend sah er seine Schwester an.

„Worte oder Versprechen haben keine Bedeutung für mich. Denn noch ehe man sich versieht werden sie wieder gebrochen.“ Sagte Lottie verbittert. Die Lippen zu einem schmalen Strich zusammengepresst. Automatisch ging er auf sie zu, wollte sie tröstend in den Arm zu nehmen. Doch sie drehte sich leicht von ihm weg und verschränkte die Arme abwehrend vor der Brust. Autsch. Verletzt zog er seine Arme, welche er bereits nach ihr ausgestreckt hatte, zurück und umschlang seinen eigenen Oberkörper.

„Sei einfach da und zeige was du meinst. Mehr verlange ich nicht.“ Flüsterte Lottie. Den Blick, welchen sie ihm dabei zu warf, erinnert ihn so sehr an ihre Mutter, dass es ihm schlagartig die Tränen in die Augen trieb.

Ohne ein weiteres Wort wandte sie sich ab und verließ die Küche. Gequält kniff Louis die Augen zusammen. Er wusste, dass er dieses Mal richtig scheiße gebaut hatte. Seine Schwester war zurecht enttäuscht von ihm, was nicht hieß das es weniger schmerzte, wenn sie es ihn auch spüren ließ. Heiß quoll eine Träne zwischen seinen Wimpern hervor. Benetzte seine Wange und tropfte anschließend auf sein Shirt. Zitternd atmete er aus und rieb sich entschieden die Augen. Tränen halfen ihm jetzt auch nicht mehr. Was geschehen war, war geschehen. Er konnte nur versuchen Lottie zu beweisen, dass er nicht wie ihr Dad war, dass er sie nicht im Stich lassen würde.
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