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Kill My Mind

GeschichteLiebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Harry Styles Louis Tomlinson
01.04.2021
13.05.2021
8
16.142
 
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03.04.2021 2.220
 
„Louis bist du da drin?“
Eleanor. Seine Freundin.
FUCK!

*****

„Ja, komme rein.“ Rief Louis laut genug, dass sie es hören konnte.

Müde rieb er sich über das Gesicht. Diese Nacht lies ihn um Jahre altern. Die Tür wurde einen Spaltbreit geöffnet. Als Eleanor ihn auf dem Boden sitzen sah, eilte sie bestürzt zu ihm.

„Oh Gott, geht es dir gut?“ besorgt strich sie ihm die Haare aus der Stirn, die braunen Augen huschten über sein Gesicht auf der Suche nach einer Verletzung.

„Mir geht es gut, El.“ Sagte er und nahm ihre Hand in seine.

„Sicher? Nachdem der Neue alleine runter gekommen ist, hatte ich kurz Sorge, er könnte dir etwas angetan haben.“

Normalerweise wäre ihm ihr führsorglichen Verhalten unangenehm gewesen, doch jetzt verstärkte es nur das schwere Gefühl der Schuld in seiner Magengegend. Wie hatte er bloß zulassen können, was Harry getan hatte – es sogar genießen können – ohne auch nur für eine einzelne Sekunde an Eleanor zu denken. Seit einem Jahr war er nun schon mit ihr zusammen und noch viel länger waren sie befreundet. Trotzdem war ihm ihr Name in den vergangenen Minuten nicht einmal in den Sinn gekommen. Er war ein furchtbarer Mensch. Betrog ohne zu zögern seine Freundin. Niemals hätte er gedacht dazu überhaupt in der Lage zu sein und jetzt wo es passiert war, wusste er nicht wie er damit jemals umgehen sollte. Kurz spielte Louis mit dem Gedanken, es ihr einfach zu erzählen. Sie hatten so viel zusammen erlebt, hatten eine Menge Scheiße zusammen durchgestanden. El jetzt so zu verletzten, nachdem sie ihm immer zur Seite gestanden hatte, erschien ihm nicht richtig, also verwarf er den Gedanken wieder.

„Dieser Loser braucht schon etwas mehr um mich zu erledigen.“ Sagte er stattdessen empört.

„Und dennoch sitzt du hier oben alleine, während unten eine Party steigt.“ Sie zog eine ihrer perfekt gezupften Augenbrauen nach oben und sah ihn abwartend an.

„Ich war müde.“ Gab Louis beleidigt zurück.

„Aber natürlich.“

Er schnaubte verärgert und entzog ihr seine Hand. Seufzend setzte Eleanor sich neben ihn und legte ihren Kopf auf seiner Schulter ab. Kurz schmollte er noch etwas, bevor er seinen Kopf sacht auf ihren betete.

„Warum hasst du ihn eigentlich so?“ fragte sie schließlich und er wusste, dass sie von Harry sprach.

„Du weißt wieso.“

„Ich weiß er ist reich, aber das ist noch lange kein Grund jemanden zu hassen. Zumal ihr euch gerade mal seit gut zwei Wochen kennt. Nialls Familie ist auch reich und ihr seit dem Kindergarten befreundet.“

Louis schwieg. Noch gut konnte er sich an den ersten Schultag, vor zwei Wochen erinnern. Frisch aus den Sommerferien, hatte er sich gerade mit seinen Freunden ausgetauscht was sie so in den letzten Wochen getrieben und erlebt hatten, als er das Klassenzimmer betreten hatte. Im ersten Moment war ihm Harry gar nicht aufgefallen, bis ihre Klassenlehrerin sie alle um Ruhe gebeten hatte. Selbstbewusst in seinen teuren Markenklamotten hatte er dort vorne gestanden und sie, die ganze Klasse, mild angelächelt. Als wüsste er mehr als sie alle. Mit den schulterlangen Locken, dem Hemd – das definitiv ein paar Knöpfe zu weit aufgeknöpft war für eine Schule – der schwarzen Skinny Jeans und den Chelsea Boots hatte Harry so gewirkt, als wäre er direkt vom Laufsteg zu ihnen herab gestiegen. Die Mädchen in seiner Klasse hatten aufgeregt getuschelt, die Wangen leicht gerötet vor Verzückung. Da hatte Louis es zum ersten mal gesehen. Den Hauch eines Arroganten Lächelns auf Harrys Lippen, während er die Mädchen geringschätzend betrachtete. Als wäre er sich seiner Wirkung auf das andere Geschlecht nur zu bewusst und deren Reaktion äußerst überdrüssig.
Louis war daraufhin ein abwertendes Schnauben entwichen, das Harrys Aufmerksamkeit auf ihn gezogen hatte. Stumm hatten sie sich angestarrt, bis die Lehrerin Harry einen Platz einige Reihen hinter ihm zu geteilt hatte. Bis zu dem Zeitpunkt hätte er ihn vielleicht noch tolerieren können, wäre es nicht zu dem Vorfall in der Cafeteria gekommen. Als Harry vor Louis Freunden deutlich gemacht hatte, was er von Menschen hielt die nicht genug Geld hatten um sich ein Mittag zu leisten. Es war ihm nie peinlich gewesen, dass seine Familie nicht viel Geld besaß und es zum Ende des Monats manchmal vorkam das sie nicht genug übrig hatten, als das er sich in der Cafeteria hätte etwas kaufen können. Doch Harrys Worte ließen in ihm ein Gefühl der Minderwertigkeit aufkommen und den Glauben, dass es etwas schlechtes war weniger Geld zu besitzen als der Rest seiner Freunde.

„Ich hasse ihn nicht wegen seinem Geld, sondern wegen seiner Arroganz. Ich könnte ihm vielleicht seinen Stolz verzeihen, hätte er den meinen nicht so sehr verletzt.“ Flüsterte Louis schließlich in die Stille des Zimmers.

Eleanor hob ihren Kopf und sah ihn an. Er spürte ihre Neugier und doch konnte er sie nicht ansehen. Sich nicht mit ihren Fragen auseinander setzen. El war schon immer unglaublich freundlich und Harmonie bedürftig gewesen. Eigentlich ein Wunder, dass sie nicht schon früher versucht hatte die Wogen zwischen ihm und Harry zu glätten. Doch das würde niemals passieren. Auch der heutige Abend, würde daran nichts ändern. Wenn überhaupt hasste er Harry sogar noch mehr als vorher. Nur seinetwegen hatte er Eleanor betrogen. Jeden anderen Gedanken konnte Louis nicht zulassen.

„Lass uns nach Hause fahren.“ Sagte Louis und erhob sich. Nachdenklich sah Eleanor zu ihm herauf. Beinahe schien es als wollte sie noch was sagen, nur um es wieder zu verwerfen.

„Bist du dir sicher, dass du noch fahren kannst?“ fragte sie schließlich und ließ sich von ihm aufhelfen.

„Ich denke schon. Mein letztes Bier hatte ich vor über einer Stunde.“ Beruhigte Louis sie. Er nahm sie bei der Hand und gemeinsam liefen sie nach unten.
Während El ihre Jacken holte, suchte er seine Freunde um sich von ihnen zu verabschieden. Dabei hielt er Ausschau nach Harry, doch er entdeckte ihn nirgends mehr. War er ebenfalls schon gegangen? Es dauerte nicht lange und Louis fand ein äußerst sturzbetrunkenen Niall auf dem Wohnzimmertisch. Als dieser Louis entdeckte kam er schwankende zu ihm herunter.

„Looouuuiiii!“ lallte Niall und viel ihm um den Hals. Amüsiert fing er seinen Freund auf.

„Hey Nialler, El und ich machen einen Abflug.“ Brüllte Louis ihm gegen die laute Musik ins Ohr. Niall lehnte sich zurück und bildete eine traurige Schnute.

„Jetzt schon? Es ist doch noch viel früüüühhhh.“

„Ja, El ist müde und hat Kopfschmerzen.“ Log er. Nüchtern hätte Niall sofort gemerkt, dass Louis ihn anlog, so nickte er einfach nur mit dem Kopf und lehnte sich kichernd gegen ihn. Das brachte sie beinahe beide Zufall. Liebevoll verdrehte Louis die Augen und gab ihm zum Abschied noch einen Schmatzer auf die Schläfen. Niall würde morgen mit Sicherheit einen Mordskater haben, aber Louis gönnte seinem besten Freund ja den Spaß.
Liam fand er lauthals schnarchend in einem Sessel, die Bierflasche immer noch in der Hand. So konnte er ihn unmöglich hier lassen. Kopfschüttelnd nahm er ihm erst die Flasche aus der Hand, bevor er seinen Freund sacht aufweckte. Wann war das nur passiert, dass Louis der vernünftigste von ihn Dreien geworden war. Früher war Liam immer der Daddy gewesen, welcher darauf geachtet hatte, dass sie nicht zu viel scheiße bauten. Niall und er hatte ihn definitiv versaut.

„Komm schon Li, lass uns nach Hause fahren.“ Drängte er und schlang einen Arm um den Oberkörper seines Freundes. Murrend schlug Liam seine Augen auf, ließ sich aber von Louis aufhelfen. Ihm entwich ein ächzten, als Liam sich mit seinem vollen Körpergewicht auf ihn stützte.

„Du musst aufhören, so viel Pizza zu essen, lad.“ Keuchte Louis und lief mit ihm zur Eingangstür.

„Ich bin nicht fett!“ jammerte Liam und schniefte laut. Du meine Güte!

„Ich hab nicht gesagt, das du dick bist Li.“

„Doch, du hast gesagt ich bin fett.“ Heulte Liam und rieb sich mit einer Hand unkoordiniert die Tränen aus dem Gesicht. Das er sich dabei kein Auge ausstach war ein Wunder. „Du sagst immer so gemeine Sachen zu mir.“

„Das stimmt doch gar nicht.“ Unter nahm Louis den sinnlosen Versuch seinen Freund zu beruhigen.

„Doooch! Ich weiß, dass du mich hasst.“

„Ich hasse dich nicht. Das könnte ich gar nicht, Li.“

„Doooooch! Du hast misch nicht lieb.“ Laut heulte Liam auf.

Louis stieß einen Seufzer aus der aus der tiefe seiner Seele zukommen schien. Er liebte seine Freunde, wirklich, doch betrunken raubten sie ihm manchmal seinen letzten Nerv, vor allem wenn er selbst nahezu nüchtern war.
Eleanor wartete draußen schon auf sie. Beim Anblick des verweinten Liam, zog sie verwirrt eine Augenbraue hoch.

„Loouuu hat misch nisch mehr lieb.“ Jammerte Liam sofort und Eleanor warf Louis einen fragend Blick zu.

„Frag nicht.“ Warnte er müde.

„Das hatte ich auch nicht vor.“ Sagte sie und hob abwehrend die Hände.

„Könntest du mir vielleicht mit ihm helfen.“

„Natürlich.“ Eleanor schlang sich Liams anderen Arm um die Schulter und zu dritt schafften sie es irgendwie zu Louis seinem Auto. Nachdem sie es geschafft hatten Liam sicher auf den Rücksitz zu verfrachten und anzuschnallen – ein Unterfang, welcher sich als überraschend schwierig herausstellte – stiegen sie beide vorne an.  Noch während sie sich anschnallten drang von hinten ein leises Schnarchen an ihr Ohr. Verwundert drehten sie sich nach hinten. Liam war erneut eingeschlafen. Eleanor kicherte leise. Mit einem Schmunzeln auf den Lippen startete Louis den Motor und fuhr los.
Die Stille im Wagen wurde nur durch die leise Musik aus dem Radio und Liams Schnarchen unterbrochen. Eleanor starrte während der gesamten Fahrt auf ihr Handy. Louis fragte sich mit wem sie so intensiv schrieb. Natürlich hätte er sie fragen können. Sie hätte ihm sicher geantwortet, stattdessen nutzte er den Moment um gelegentlich zu ihr herüber zu schauen und sie heimlich zu beobachten.
Sie hatte sich für heute Abend extra leichte Locken in ihre hüftlangen braunen Haare gemacht. Bestimmt hatte sie gehofft, dass er ihr ein Kompliment dafür machen würde. Was Louis nicht getan hatte. General gab er ihr nur äußerst selten Kompliment, wenn er so darüber nach dachte. Er sagte ihr nie wie wundervoll ihre vollen Lippen oder wie niedlich ihre kleine Stupsnase aussah. Wie sehr er es liebte, wenn sich eben jene leicht kräuselte, wenn sie wie jetzt über etwas nachdachte. All das sagte er nie, einfach weil es sich falsch anfühlte. Fast sechs Jahre lang waren sie befreundet gewesen, sie hatte ihn durch seine dunkelsten Stunden begleitet, bevor sie es auf einen Versuch hatten ankommen lassen. Deshalb erschien es Louis auch so falsch ihr nun Komplimente für unwichtige Äußerlichkeiten zumachen. Immerhin war er weder mit ihr befreundet, noch mit ihr zusammen gekommen, weil sie gut aussah. Nein, das war nicht der Grund gewesen. Der Grund war und ist, das Eleanor einfach der reinste und freundlichste Mensch war den er kennen gelernt hatte. Sie war ein unglaublich guter Freund für ihn in den letzten Jahren gewesen. Er hatte es nie bereut, dass sie es als Paar versucht hatten. Warum hätte er auch, bevor Harry in sein Leben getreten war, hatte es dazu nie einen Grund gegeben.
Doch nachdem was heute Nacht passiert war, war er sich dessen plötzlich gar nicht mehr so sicher. Denn zum ersten mal war er sich bewusst geworden, dass alles was ihre Beziehung ruinieren könnte auch eine Ende ihre Freundschaft bedeuten könnte. Und als guten Freund wollte er sie um keinen Preis verlieren.
Er atmete schwer aus, als er den Wagen vor Liams Haus hielt. Louis drehte sich nach hinten um seinen Freund zu wecken. Nur um fest zu stellen, dass dieser bereits Wach war und ihn eindringlich ansah. Louis zuckte etwas zusammen, beruhigte sich aber damit, dass Liam unmöglich wissen konnte, was er innerhalb der letzten viertel Stunde gedacht hatte.

„Gute Nacht“ murmelte Liam, immer noch mit dem unheimlichen Blick in seine Richtung, bevor er aus dem Auto ausstieg und die Auffahrt hinauf taumelte. Erst als die Haustür hinter ihm ins Schloss viel und er sich sicher war, dass sein Freund gut zu Hause angekommen war fuhr er weiter.
Von dort war es nicht weit bis zu El’s Haus, weshalb er nur wenige Minuten später erneut hielt. Louis schnallte sich ab und begleitete seine Freundin noch bis zur Wohnungstür. Die Hände in den Hosentaschen vergraben beobachtete er sie dabei, wie sie in ihrer Tasche nachdem Haustürschlüssel suchte.

„Hast du zufällig Harrys Nummer?“ fragte er sie aus dem nichts. Verwundert blickte sie ihn an, den Schlüssel in der Hand.

„Nein, aber ich glaube Maya. Wieso?“

„Ach nicht so wichtig. Deine Haare sahen heute Abend übrigens sehr schön aus.“ Flüsterte Louis. Ihre Augen weiteten sich erstaunt und im schwachen Licht der außen Beleuchtung konnte er die leichte Röte auf ihren Wangen sehen.

„Ich dachte es wäre dir nicht aufgefallen.“ Wisperte sie und das schlechte Gewissen versetzte Louis einen Stich.

„Natürlich ist es das.“ Er strich ihr die Haare auf der einen Seite hinters Ohr und legte seine Hand auf ihre Wange. Vertrauensvoll lehnte sie sich gegen ihn und schloss erwartungsvoll die Augen. Doch bevor sich ihre Lippen berührten, tauchte Harrys Gesicht vor seinem geistigen Auge auf. Seine grünen Augen, die ihn so vereinnahmt hatten. Kurz entschlossen hauchte er ihr zum Abschluss stattdessen ein Kuss auf die Stirn.

„Schlaf gut, El.“ Murmelte Louis, bevor er ohne sich noch einmal umzudrehen zurück zum Wagen ging. Sich nur zu bewusst, dass sie ihm verwirrt hinter her sah. Das letzte was er von ihr sah, war wie sie in seinem Rückspiegel immer kleiner wurde, während er nach Hause fuhr.
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