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Vergessene Schrecken

GeschichteDrama, Krimi / P16 / Gen
OC (Own Character) Sophie Koch Sören Petersen Susanne Kaspary
01.04.2021
10.04.2021
3
5.436
1
Alle Kapitel
6 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
08.04.2021 2.057
 
Hallo ihr Lieben!

Weiter geht es mit Nummer 2 :). Ich hoffe, ich habe alle Rechtschreibfehler beseitigt, aber ein Teil des Kapitels ist heute Nacht entstanden, also bitte verzeiht mir, falls ihr doch noch welche entdeckt!

Ich wünsche euch wie immer ganz viel Spaß und einen erfolgreichen Donnerstag! (Kopf hoch, bald ist Wochenende ;))


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„Also Leonie, der Vollständigkeit halber muss ich nochmal deine Daten aufnehmen.“, erklärte die blonde Polizistin. „Dein vollständiger Name ist Leonie Louise Meiser, korrekt?“. Als sie meinen zweiten Vornamen ausspricht, verziehe ich kurz das Gesicht, den hab ich schon immer gehasst. „Korrekt.“, bestätige ich dann jedoch. „Und wann bist du geboren?“, will sie als Nächstes wissen. „22.05.2014 I.“, antworte ich, während sie eifrig mitschreibt. „Und deine Meldeadresse ist der Pfüllenweg 16.“ Der letzte Satz war mehr Feststellung als Frage, doch meine Mutter korrigiert die Kommissarin prompt: „Ähm, nein. Das stimmt nicht mehr.“ Verwundert sieht Frau Kaspary zu ihr hoch. „Aber als ich neulich Ihre Daten aufgenommen habe, haben Sie doch diese Adresse angegeben, oder irre ich mich da?“. „Nein, nein. Sie irren sich nicht. Aber unsere Adresse hat sich in der Zwischenzeit geändert.“, erklärt meine Mutter. „Wir wohnen jetzt in der Fröschengasse 31.“, fügt sie hinzu.
Nun schaltet sich der braunhaarige Sozialarbeiter ein, dessen Namen ich schon wieder vergessen habe. Diese Geschichte mit meinem Kurzzeitgedächtnis geht mir tierisch auf die Nerven!
„Aber das heißt ja dann, Sie sind umgezogen, während ihre Tochter noch hier im Krankenhaus war, oder?“, fragt er neugierig an meine Mutter gewandt. Diese nickt und schaut etwas betreten zu Boden. „Ja…ich weiß, das mag etwas seltsam erscheinen, aber jetzt wo mein Mann…“, ihre Stimme bricht und sie braucht einen Moment, um sich zu sammeln. Ein Stich fährt durch mein Herz, als ich sie so sehe. Ich selbst erinnere mich zwar nicht an meinen Vater, aber meine Mutter so leiden zu sehen tut verdammt weh. Die blonde Sozialarbeiterin, ich glaube ihr Name war Koch, hat ihre Hand mittlerweile auf der Schulter meiner Mutter und sieht sie mitfühlend an. „Jetzt wo mein Mann verstorben ist, kann ich mir das Haus nicht mehr leisten, ich arbeite ja momentan nur Teilzeit im Fitnessstudio.“, erklärt sie, nachdem sie sich wieder etwas gesammelt hat. „Außerdem hängen da zu viele Erinnerungen dran. Also hab ich für Leonie und mich eine hübsche Mietwohnung in der Nähe von Leonies Schule gesucht. Der Umzug ist zwar noch nicht ganz beendet, aber ich habe uns bereits umgemeldet. Und bis Leonie morgen entlassen wird, habe ich mit Sicherheit auch die restlichen Sachen aus dem Haus geholt.“, beendet sie ihre Erklärung.
Frau Kaspary nickt verständnisvoll. „Das verstehe ich natürlich. Es muss schwer sein, jetzt in ihr gemeinsames Haus zu gehen. Aber gut, dann weiß ich das ja, dann ändere ich das einfach in meinem Bericht. Fröschengasse 31 haben Sie gesagt, nicht wahr?“. „Ja, genau.“, bestätigt meine Mutter, die immer noch recht aufgelöst wirkt. Das scheint auch die Sozialarbeiterin zu merken, die sich nun einschaltet: „Frau Meiser, sollen wir vielleicht mal kurz raus gehen und uns ein bisschen unterhalten? Dann kann meine Chefin noch in Ruhe die Aussage Ihrer Tochter aufnehmen.“, schlägt sie vor. Meine Mutter schaut erst skeptisch zu mir, doch ich nicke ihr aufmunternd zu, ein paar Minuten an der frischen Luft würden ihr vermutlich gut tun. „Okay.“, murmelt sie also. Bevor sie den Raum verlässt, kommt sie noch einmal an mein Bett und drückt mir einen Kuss auf die Stirn, woraufhin ich leicht schmerzverzerrt das Gesicht verziehe. „Oh Gott, tut mir leid. Ich denke doch nie daran.“, reagiert meine Mutter sofort und fuchtelt panisch mit den Händen. Ich reibe mir über die Stirn und muss lachen. „Ist doch nicht schlimm. Fürs nächste Mal klebe ich mir ein Schild an den Kopf.“ Nun lachen wir beide. „Na gut, dann lass ich euch mal in Ruhe reden, bis später.“, verabschiedet sie sich und verlässt zusammen mit Frau Koch den Raum.
Der Sozialarbeiter (dessen Namen mir immer noch nicht einfällt) sieht mich freundlich an: „Das Verhältnis zu deiner Mutter ist ziemlich gut, oder?“, fragt er lächelnd. Ich nicke. „Ja, wir haben uns schon immer gut verstanden.“, antworte ich wahrheitsgemäß. „Tut mir leid, aber können Sie mir nochmal Ihren Namen sagen? Mein Kurzzeitgedächtnis ist immer noch ein bisschen im Eimer.“, erkläre ich verlegen. „Das macht doch nichts!“, antwortet er aufrichtig. „Ich heiße Sören Petersen, aber du kannst gerne Sören zu mir sagen.“, erklärt er. Dankbar lächle ich ihn an, bevor die Kommissarin sich wieder einschaltet: „Also Leonie, erinnerst du dich noch an den Unfall?“, fragt sie. Ich verziehe das Gesicht und schüttle entschuldigend den Kopf. „Nein, tut mir leid. Davon weiß ich gar nichts mehr. Das Erste, woran ich mich erinnern kann, ist wie ich hier im Krankenhaus aufgewacht bin.“, erläutere ich. „Und was ist deine letzte Erinnerung vor dem Unfall?“, will Frau Kaspary wissen. „Na ja, meine Mum und ich haben vor ein paar Tagen mit dem Arzt zusammengesessen und versucht, die Tage davor zu rekonstruieren, allerdings haben wir dabei festgestellt, dass mir knapp zwei Wochen fehlen.“, kläre ich mein Gegenüber auf.
Die Polizistin und auch ihr Kollege sehen mich daraufhin mit großen Augen an. „Zwei Wochen?“, wiederholt Sören schockiert. „Das ist aber eine ganz schön lange Zeit…Und du erinnerst dich wirklich an nichts, was in dieser Zeit passiert ist?“, fragt er ungläubig. Ich zucke mit den Schultern. „Ne, ist alles weg.“, antworte ich wahrheitsgemäß. „Ich weiß noch, dass ich in der Schule war und wir unseren letzten Schultag vor den Sommerferien hatten. Als Mama mir dann gesagt hat, dass das jetzt schon fast vier Wochen her ist, war ich erstmal ganz schön perplex.“, erkläre ich. Sören bläst die Backen auf und sieht mich mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Puh, das muss ganz schön krass für dich sein. Ich kann mir gar nicht vorstellen wie das ist, wenn einem auf einmal zwei ganze Wochen fehlen.“ Wieder zucke ich mit den Schultern. „Ja, ist schon irgendwie seltsam. Aber ich muss mich wohl erstmal damit abfinden.“, stelle ich fest.
Nun schaltet sich Frau Kaspary wieder ein: „Okay. Also du hast keine Erinnerung an den Unfall selbst und auch nicht an die zwei Wochen davor, ja?“. Ich nicke zur Bestätigung. „Gut Leonie, dann wars das eigentlich von meiner Seite schon. Ich werde das so in meinen Bericht aufnehmen und damit sollte das Thema für dich dann gehalten sein. Falls ich doch noch Fragen habe, weiß ich ja, wie ich dich erreiche. Hast du denn noch irgendwelche Fragen?“. Ich überlege einen Augenblick, schüttle dann jedoch den Kopf. „Nein, alles klar soweit.“. Daraufhin erhebt die Kommissarin sich und sieht mich lächelnd an. „Na gut, dann wünsche ich dir auf jeden Fall weiterhin gute Besserung und ich hoffe, dass du schnell wieder auf die Beine kommst. Ich würde mich dann erstmal verabschieden, mein Kollege bleibt noch ein bisschen hier, zumindest bis deine Mutter wieder da ist. Ist das in Ordnung für dich?“, fragt sie und sieht zwischen Sören und mir hin und her. Ich werfe Sören einen kurzen Blick zu und nicke daraufhin. Er ist mir recht sympathisch und gegen ein bisschen Gesellschaft habe ich nichts einzuwenden. So lange alleine im Krankenhaus zu sitzen ist ganz schön öde. Zum Abschied schüttle ich noch Frau Kasparys Hand, bevor sie das Zimmer verlässt. Zurück bleiben nur Sören und ich.
Eine Weile lang sieht er mich nachdenklich an, ich weiß nicht so recht, über was ich jetzt mit ihm reden soll, doch diese Entscheidung nimmt er mir ab: „Die ganze Situation muss ganz schön krass für dich sein, oder?“, fragt er mit aufrichtigem Interesse. Ich muss einen Moment darüber nachdenken. Bis jetzt hatte ich das nicht so wahrgenommen. „Also um ehrlich zu sein finde ich es gar nicht so krass. Nur irgendwie…seltsam.“, antworte ich schließlich. Fragend sieht er mich an. „Na ja, ich wache in einem Krankenhaus auf und erfahre, dass ich einen Autounfall hatte, an den ich mich aber nicht erinnern kann. Dann erfahre ich, dass mein Vater bei diesem Unfall gestorben ist und jeder spricht mir sein Beileid aus und behandelt mich wie ein rohes Ei. Ich weiß, eigentlich sollte mich sein Tod traurig machen, aber…das tut es nicht, auch wenn das jetzt vielleicht hart klingt. Ich weiß, dass es schlimm ist, seinen Vater zu verlieren. Aber ich erinnere mich nicht an ihn. Für mich ist es, als wäre ein Fremder gestorben. Natürlich bin ich traurig deswegen, aber es ist irgendwie…unpersönlich.“, fasse ich meine Gefühlslage zusammen. „Ergibt das irgendeinen Sinn?“
Sören denkt einen Moment darüber nach, nickt dann aber zustimmend. „Ja, das ergibt total Sinn.“, antwortet er schließlich. „Solange du dich nicht an deinen Vater erinnerst, ist sein Tod natürlich auch kein besonders emotionales Ereignis für dich. Auch wenn das im ersten Moment vielleicht komisch erscheint. Aber ich kann mir das schon ganz gut vorstellen.“ Eine Weile schweigen wir und meine Gedanken kreisen um das Gesagte. Doch am Ende komme ich wieder zum gleichen Schluss wie zuvor: Es fühlt sich seltsam an. Nicht wirklich gut, aber auch nicht wirklich schlecht, einfach nur seltsam. „Und wie sieht es sonst so mit deinen Erinnerungen aus? Also ich meine, fehlt dir nur das, was im Zusammenhang mit deinem Vater steht, oder noch mehr?“, durchbricht Sören schließlich die Stille. „Also die zwei Wochen vor dem Unfall sind wie gesagt komplett weg. Und dann eben alles, was meinen Vater betrifft. Ich hab gar kein Bild zu ihm, erinnere mich nicht an gemeinsame Urlaube oder so. Wenn ich versuche, an Früher zu denken, sind da immer nur meine Mutter und ich. Es ist, als wäre ich mein Leben lang ohne Vater aufgewachsen.“, versuche ich zu erklären, wie mein Kopf im Moment funktioniert. „Nur mein Bruder taucht ab und zu auf.“, füge ich hinzu.
Sören hebt aufmerksam den Kopf. „Du hast noch einen Bruder?“, fragt er. Ich nicke. „Ja, Tobi. Er ist ein paar Jahre älter als ich. Aber ich hab ihn schon lange nicht mehr gesehen. Er ist mit zwanzig zu Hause ausgezogen, hat sich mit unserer Mum zerstritten. Er wohnt zwar noch in der Stadt, aber wir haben eigentlich keinen Kontakt mehr. Ihm gehört jetzt auch unser Haus, also zumindest zur Hälfte. Keine Ahnung, ob er jetzt wieder zurück dorthin zieht.“, kläre ich den Sozialarbeiter auf. „Hm, ist ja blöd, dass dein Bruder und deine Mutter sich zerstritten haben. Wie war denn dein Verhältnis zu Tobi?“, will er wissen. „Also früher war es ganz gut, aber je älter er wurde, desto distanzierter wurde es, keine Ahnung wieso.“, erkläre ich. Als Tobi etwa sechzehn Jahre alt war, war er immer seltener zu Hause, trieb sich draußen rum oder was auch immer. Für mich war es eigentlich kein großer Unterschied, als er dann ausgezogen ist. „Hm okay…trotzdem keine einfache Situation denke ich.“, antwortet Sören. Als er erneut ansetzt um etwas zu sagen, wird er jäh unterbrochen als sich die Zimmertür öffnet. Meine Mutter tritt ein, gefolgt von Frau Koch.
„Hi Süße. Seid ihr schon fertig mit der Befragung?“, fragt sie verdutzt. Sie sieht besser aus als eben. Nicht mehr so traurig und irgendwie erfrischt. Ihre Haltung ist wieder aufrecht und sie strahlt die Stärke aus, die ich schon immer von ihr gewohnt bin. Es freut mich, dass es ihr wieder besser zu gehen scheint. „Ja, hat nicht lange gedauert. Ich hatte ja nicht wirklich viel zu erzählen.“, antworte ich grinsend. „Aber dafür haben wir uns ja noch gut unterhalten.“, stellt Sören fest, während er sich von seinem Stuhl erhebt. „Ich denke mal, wir verabschieden uns dann auch vorerst, oder?“, wendet er sich dann an seine blonde Kollegin. Diese nickt. „Ja, ich denke wir haben erstmal alles geklärt.“, sagt sie und schaut lächelnd zu meiner Mutter. „Leonie, falls irgendetwas sein sollte, oder du einfach nur reden willst, dann kannst du dich gerne bei uns melden, deine Mutter hat unsere Nummer.“, erklärt sie mir. „Und ansonsten sehen wir uns in ein paar Tagen nochmal bei euch zu Hause. Deine Mama hat uns gebeten, dass wir euch nach der Entlassung noch etwas betreuen. Ist das okay für dich?“, fragt sie lächelnd. „Ja klar, ist okay.“, erwidere ich ebenso freundlich. In erster Linie geht es mir dabei jedoch um Mum. Ich denke es ist gut, wenn sie außer mir noch jemanden hat. Immerhin hat sie der Tod meines Vaters wesentlich schwerer getroffen als mich. „Wunderbar, dann sehen wir uns bald. Machs gut, bis dann.“ Damit verabschieden die beiden sich und lassen meine Mutter und mich alleine zurück.
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