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Hermines achtes Schuljahr

KurzgeschichteAllgemein / P18 / Het
Hermine Granger Severus Snape
01.04.2021
15.09.2021
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15.09.2021 5.164
 
Die folgenden Wochen waren wundervoll.

Severus hatte natürlich viel zu tun in der Schule, aber er schaufelte so viel Zeit für Hermine frei, wie er konnte. Jede freie Nacht verbrachte er am Grimmauldplatz. Meist kochte er ihnen etwas, sie hatten Sex und lagen danach ineinander verschlungen, lesend und plaudernd in Hermines Zimmer.

An manchen Abenden spielten sie Karten und tranken Whiskey mit Harry.

Es war erstaunlich einfach mit Harry zurecht zu kommen. Er war auf eine lässige Art und Weise humorvoll, die Severus stark an James im Umgang mit seinen engsten Freunden erinnerte. Aber er war auch freundlich und rücksichtsvoll und zog sich immer zurück, wenn er das Gefühl hatte, sie bräuchten etwas Ungestörtheit. Manchmal traf es Severus völlig unvorbereitet, wie ähnlich Harry Lily war.

Ihn mit Hermine zu beobachten war manchmal etwas beunruhigend. Die beiden verband ganz offensichtlich eine sehr enge Beziehung mit jeder Menge Intimität, Insiderwitzen und jeder Menge Liebe. Aber nichts daran war sexuell und je mehr Zeit er in ihrer beider unmittelbaren Nähe verbrachte, desto mehr entspannte Severus sich und akzeptierte dieses Band einfach.

Er war froh, dass Hermine jemanden wie Harry hatte, der sich offensichtlich sehr um sie kümmerte und dem ihr Glück so wichtig war.

Dennoch zog Severus jene Abende vor, an denen Harry nicht da war und er die Zeit mit Hermine alleine genießen konnte.

Er hatte Gefallen daran gefunden für Hermine zu kochen. Er hatte immer gerne gekocht aber für sich alleine war es ihm einfach meist unnötig erschienen und in Hogwarts musste er das sowieso nicht tun.

Aber es war schön für jemanden zu kochen und es war schön zu sehen, wie sehr sie es mochte.

Sie selbst war keine besonders gute Köchin, aber sie saß gerne auf dem Hocker neben ihm, beobachtete ihn beim Schneiden und Werkeln und erzählte Geschichten von ihrer Zeit auf der Suche nach Horkruxen, wenn sie versucht hatte etwas essbares praktisch aus dem Nichts heraus zu zaubern.

Manchmal hüpfte sie von ihrem Stuhl, um sich bei ihm einen Kuss zu stehlen, manchmal ließ sie ihre Hand einfach irgendwo über seinen Körper gleiten, wenn er an ihr vorbei ging. Jede Berührung, ganz egal wie flüchtig sie war, weckte sofort wieder ein Feuer in ihm und er fragte sich, ob sich das jemals ändern würde.

Manchmal sah sie einfach so liebenswert und niedlich aus, wie sie da auf ihrem Stuhl saß und ihn neugierig beobachtete, dass es sein Herz mit einer absurden Menge an Freude füllte, sie einfach nur da sitzen zu sehen und manchmal verlor er sich so sehr in ihren Küssen, dass er das Essen anbrennen ließ.

Dann ging Hermine los und besorgte ihnen Take Away, welches sie auf dem Teppich vor dem Sofa verspeisten, auf dem sie sich das erste Mal geliebt hatten und das noch viele Male mehr taten.

Harry hatte einen Fernseher gekauft und Hermine hatte Filme gekauft, von denen sie fand, dass Severus und Harry die Filme unbedingt gesehen haben mussten. Beide hatten in ihrer Kindheit nicht viel fern gesehen und so verbrachten sie auch viel Zeit verschlungen auf dem Sofa und sahen sich gute, schlechte und sehr schlechte Filme an und knutschten, zumindest an jenen Abenden, an denen Harry nicht daneben saß.

Severus liebte es. Er liebte jede Sekunde davon. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er Hermine einfach in seinen Umhang eingewickelt und hätte sie in dieser sicheren kleinen Blase, in der es nur sie beide gab, eingesperrt und das Haus niemals wieder verlassen.

Auch Hermine schien zufrieden zu sein. Manchmal erwähnte sie am Rande, dass es nett wäre auch mal auszugehen, in ein Restaurant oder ins Kino, vor allem als sie erfuhr, dass Severus noch nie im Kino gewesen war.

Er wechselte stets das Thema, wenn sie darauf zu sprechen kam. Er wollte nicht kaputt machen, was sie hatten. Er wollte nicht, dass irgendjemand es herausfinden würde und das wundervolle Gefühl zerstörte.

Er war glücklich. Warum also etwas ändern?


Hermine wusste, dass Severus noch nicht bereit war, ihre Beziehung öffentlich zu machen. Wann immer sie auch nur am Rande erwähnte, auszugehen, machte er sofort zu und zog sich in sich zurück.

Es war frustrierend. Sie verstand seine Sorge, auch wenn er nicht darüber redete und sie wusste, dass er Recht hatte, dass die magische Gemeinschaft die Beziehung zu Beginn nicht gutheißen würde. Aber das war ihr egal. Sie wusste, dass die Menschen, dir ihr wichtig waren, ihre Verbindung akzeptieren würden, früher oder später zumindest und mehr brauchte sie nicht.

Es machte sie traurig, dass Severus so wenig von sich hielt und noch immer seine Vergangenheit sein Leben bestimmen ließ, aber sie drängte ihn nicht. Sie hoffte nur, dass er irgendwann so weit sein würde, sich darauf einzulassen. Denn so schön es war, die Zeit mit ihm zu verbringen, wollte sie das nicht für immer vor der Welt verbergen. Sie wollte mit ihm aus der Haustür treten können, ohne sich darum zu Sorgen wer sie sehen könnte oder ob ein heimliches Treffen am folgenden Tag in der Presse zerrissen werden können.

Für den Moment jedoch gab sie sich damit zufrieden. Sie war glücklich.

Die einzigen Diskussionen, die sie führten, war die Frage was sie essen wollten und wenn sie sich über eine der zahlreichen Zaubertranktheorien nicht einig werden konnten. Darüber konnten sie stundenlang diskutieren, was Harry an den Rand des Wahnsinns trieb und ihn immer veranlasste, entweder das Haus zu verlassen oder sich in sein eigenes Zimmer zu flüchten.

Bis zu einem Abend Ende Oktober.

Severus hatte ihnen ein wundervolles Essen gezaubert, das köstlich gewesen war und Hermine lehnte sich pappsatt in ihrem Stuhl zurück.

„Ich muss noch mit dir reden.“, sagte Hermine und sofort war Severus entspannte Haltung einer angespannten gewichen und sein Gesicht drückte überhaupt nichts mehr aus. Er setzte sein Weinglas mit einem lauten Klonk auf dem Tisch ab und sah sie fast schon trotzig an, als würde er mit dem Schlimmsten rechnen.

Hermine seufzte innerlich und fragte sich, ob sich das jemals ändern würde. Er zog immer voreilige Schlüsse und erwartete ständig nur schlechte Neuigkeiten.

Sie wusste, dass er sich noch immer nicht erlauben wollte zu glauben, dass er wirklich glücklich sein durfte und dass er auch deshalb so eine Panik davor hatte, dass jemand davon erfuhr. Sie hatte manchmal das Gefühl, dass er nur darauf wartete, dass seine Welt um ihn herum zusammenbrach.

„Nichts Schlimmes. Nicht allzu schlimm zumindest.“, versicherte sie. „Ich reise nächste Woche für ein paar Wochen nach Amerika. Ich komme voraussichtlich Anfang Dezember wieder zurück.“

„Nach Amerika?“, fragte Severus sofort stirnrunzelnd. „Warum?“

„Ich habe einen Verwandlungsmeister gefunden, der zugestimmt hat, mich zu unterrichten und mir die Meisterprüfung abzunehmen.“

„Warum gehst du dafür nicht auf die hiesige Universität?“

„Weil das über ein Jahr in Anspruch nehmen würde und ich wäre gerne schneller fertig. Ich bin auch längst bereit dafür, ich habe in den letzten Wochen ständig dafür gelernt und Minerva will ungern noch ein ganzes Jahr warten. Und ich auch nicht.“

„Was bitte hat das mit Minerva zu tun?“, fragte Severus irritiert.

Hermine nahm nervös einen Schluck von ihrem Wein. Das war ein elementarer Teil ihrer Zukunftspläne, über die sie mit ihm noch nicht gesprochen hatte, weil sie nicht wusste, wie er reagieren würde.

„Du weißt sicher, dass sie nach einem Ersatz für sich sucht, da es zunehmend schwierig wird, ihre Tätigkeit als Schulleiterin mit ihrer Tätigkeit als Verwandlungslehrerin unter einen Hut zu bekommen. Sie ist ja auch nicht mehr die Jüngste. Sie hat mich gefragt, ob ich Interesse habe als Verwandlungsprofessorin zurück nach Hogwarts zu kommen und ich habe zugesagt. Aber ich will vorher meinen Meister.“

Ihr Lächeln verblasste, als sie Severus Gesicht sah. Er sah nicht so begeistert aus, wie sie gehofft hatte, andererseits hatte sie fast damit gerechnet, dass ihm das zunächst nicht gefallen würde.

„Was denn? Freust du dich nicht? Wir würden uns öfter sehen.“

„Tust du das wegen mir? Wegen uns? Ich hätte dich nicht für so dumm gehalten.“

Hermine klappte der Mund auf.

„Wie bitte?“

„Entschuldige, aber du hast so viel Potential! Du kannst alles tun was du willst, du könntest überall hingehen! Du könntest die ganze Welt regieren, wenn du dir das als Ziel machen würdest und stattdessen willst du Lehrerin werden?“

„Willst du sagen, dass ich damit mein Potential nicht ausschöpfe?“

„Ja!“, rief er aus.

„Nur weil ich jetzt Lehrerin werde heißt das doch nicht, dass ich das für immer sein werde. Oder dass ich nebenher nichts anderes tun kann. Wenn ich mich recht entsinne arbeitet ein recht genialer Zaubertränkemeister als Lehrer in Hogwarts und schafft es dennoch, nebenher zu forschen.“

Severus presste die Lippen zu einem Strich zusammen, dann stand er abrupt auf, sammelte mit verbissener Miene das Geschirr zusammen und stellte es klappernd in die Spüle.

„Sev.“, seufzte Hermine. „Warum ist das so schlimm?“

Er fuhr zu ihr herum. „Ich wusste, dass das alles ein Fehler ist. Ich wollte nie, dass du dich meinetwegen zurückhältst, ich wollte, dass du alles tust, was du willst. Durch die Welt reisen, leben, lieben, die ganze Welt erobern! Du könntest erfolgreich sein, aber weil ich ein selbstsüchtiger Idiot bin, wirfst du all das weg, um Lehrerin zu werden? Das ist dumm, Hermine!“

Hermine biss sich nun ihrerseits auf die Lippe, um ruhig zu bleiben.

„Hast du schon mal daran gedacht, dass ich vielleicht Lehrerin sein will? Dass diese Entscheidung überhaupt nichts mit dir zu tun hat? Ich liebe Hogwarts und ich würde sehr gerne unterrichten! Die Tatsache, dass ich dich dann jeden Tag zu sehen bekomme, ist nur das I-Tüpfelchen, nicht der Grund für meine Entscheidung!“

Er lachte kalt. „Natürlich. Und hast du dir auch mal überlegt, wie wir das –“ Er gestikulierte wild zwischen ihnen hin und her. „weiter geheim halten wollen, wenn du an der Schule arbeitest und wir täglich miteinander umgehen müssen? Denkst du nicht, andere würden etwas merken?“

„Und?“ fragte Hermine leise. „Wäre das wirklich so schlimm?“

Er stöhnte genervt auf, drehte sich von ihr weg und fuhr sich durch die Haare.

„Warum sagst du mir das erst jetzt? Du reist bereits in einer Woche? Wie lange weißt du davon?“

„Seit heute, Severus. Ich habe heute die Eule bekommen mit der Bestätigung. Ich wollte es dir erst erzählen, wenn ich sicher bin. Ich hatte gehofft, du würdest dich darüber freuen.“

Sie hörte ihn seufzen und konnte beobachten, wie seine Schultern zusammensackten.

„Ich will dich nicht zurückhalten, Hermine.“

Sie rutschte von ihrem Stuhl, kam um den Tisch herum und schlang ihre Arme von hinten um seinen Körper und legte ihr Kinn zwischen seinen Schulterblättern ab. Höher kam sie nicht und so hoch auch nur, weil er gebückt an der Arbeitsplatte stand.

„Du hältst mich nicht zurück, Severus. Ich habe diese Entscheidung unabhängig von dir getroffen und hätte sie auch so getroffen, wenn das zwischen uns nicht passiert wäre. Und es ist keine Schande, Lehrer zu sein, Severus. Lehrer sind wichtig. Es ist etwas Gutes.“

„Ich weiß … denke ich. Aber du bist so brillant, du könntest so viel mehr erreichen.“

„Das bist du auch und dennoch hast du dich entschieden, nach Hogwarts zurückzukehren.“

Seufzend drehte er sich um und legte sein Kinn auf ihrem Kopf ab.

„Ich wusste schlicht nicht, wohin ich sonst gehen soll oder was ich anderes tun soll. Hogwarts ist mein Zuhause und ich habe den Großteil meines Lebens dort verbracht. Ich fühle mich dort wohl, trotz der Geister der Vergangenheit.“

„Willst du für immer Lehrer bleiben?“, fragte sie. Sie wünschte sie könnte sein Gesicht sehen, aber sie wusste wie schwer ihm solche Dinge fielen und dass er sie lieber nicht ansehen wollte. Stattdessen beobachtete sie, wie sein Adamsapfel hüpfte, als er schluckte.

„Ich mag Veränderungen nicht.“, murmelte er. „Es macht mich unsicher und das vermeide ich für gewöhnlich.“

„Das konnte ich mir längst denken.“, sagte sie schmunzelnd. „Ich werde nicht für immer an der Schule bleiben, Sev. Aber jetzt im Moment fühlt es sich richtig an, als wäre das genau der richtige Platz für mich. Nicht nur wegen dir. Es ist auch mein Zuhause. Ich fühle mich dort zu Hause und ich könnte noch so viel mehr lernen und den Schülern beibringen, was ich weiß. Ich kann einen Unterschied machen in dem Leben von jungen Hexen und Zauberern und vielleicht könnte ich daran arbeiten, die Hauspolitik zu verbessern und am Lehrplan mitwirken. Ich fand immer die Abwesenheit von allem Muggeldingen unsinnig. Auch Zauberer und Hexen sollten Dinge wie Mathematik oder englische Literatur kennen, um besser mit der Muggelwelt kooperieren zu können.“

Sie spürte, wie sein Körper leicht bebte, als er lachte und atmete erleichtert aus.

„Natürlich planst du bereits, die ganze Schule umzukrempeln.“

Grinsend lehnte sich Hermine ein Stück zurück und sah zu ihm hoch.

„Wir werden sehen. Wir könnten zusammenarbeiten. Wir könnten gemeinsam forschen. Wär das nicht schön?“

Sie strich ihm die Haare aus dem Gesicht und er lächelte vorsichtig.

„Du willst das wirklich?“

„Ja! Ich denke Hogwarts ist im Moment der richtige Ort für mich. Ich will nicht für ein Ministerium arbeiten, dass mich nur benutzen will, weil ich berühmt bin. Vielleicht werde ich eines Tages dort arbeiten und einige Dinge verändern können, die dringend verändert werden sollten. Aber nicht jetzt. Ich will nicht ihr Gesicht werden und so tun, als wäre alles wunderbar, wenn es das noch immer nicht ist. Harry will das auch nicht. Sie haben ihm angeboten Auror zu werden, einfach so ohne Training und Ausbildung. Sie wollen ihn nur als berühmtes Gesicht. Das ist so dumm, ernsthaft. Sie lernen es einfach nicht.“

Severus schmunzelte.

Hermine küsste ihn zärtlich. „Ich komme nicht wegen dir zurück nach Hogwarts, du musst nicht glauben, dass du mich zurückhältst oder einschränkst. Wenn überhaupt hast du mir gezeigt, dass ich alles tun kann, was immer ich will. Okay?“

„Okay.“, seufzte er und presste seine Stirn gegen ihre. „Ich will einfach nur, dass du tun kannst was du willst.“

„Ich tue das, was ich tun will, Sev. Ich bin, wo ich sein will. Ich bin glücklich. Du machst mich glücklich. Ich liebe dich, okay?“

Er seufzte erneut und schloss die Augen, wie immer, wenn sie das sagte. „Okay.“

Hermine grinste und ließ ihre Hände anzüglich über seinen Oberkörper gleiten. „Gut. Kann ich dann jetzt mein Dessert haben?“

„Du bist wirklich unersättlich.“

„Mmmmh.“, seufzte sie grinsend. „Das muss an dir liegen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich jemals genug davon bekomme.“

Sie küsste ihn.

„Oder davon.“

Sie ließ ihre Hände unter sein Shirt gleiten, wo sie spürte wie sich seine Muskeln unter ihrer Berührung zusammenzogen und sein Körper erschauderte.

„Oder davon.“

Sie küsste die Stelle an seinem Hals, wo die Schlange ihre Zähne hineingeschlagen hatte und wo sie wusste, dass er empfindlich war.


Severus packte ihre Arme, bevor sie ihre Erkundungen fortsetzen konnte und starrte ihr in ihre honigfarbenen Augen, die ihn frech anfunkelten.

Da war ein rasendes Hämmern in seiner Brust, als er den Mund öffnete. Aber nichts kam heraus. Er konnte es nicht sagen. Er wollte es sagen, die Worte lagen ihm praktisch auf der Zunge. Aber sie wollten diese nicht verlassen.

Er starrte sie an und fragte sich, warum er es nicht sagen konnte. Es war nicht so schwer, es waren nur drei kleine Worte. Ganz einfach. Und er wusste, dass es wahr war. Es konnte sich nicht so anfühlen und nicht Liebe sein. Aber das hier war unbekanntes Terrain. Lieben. Geliebt zu werden. Es war über alle Maßen erschreckend.

Und sie ließ es so einfach erscheinen. Vielleicht war es das auch…für sie. Für ihn nicht.

Er erwartete noch immer jeden Tag, dass sie aufwachte und erkannte, dass er ihr nicht viel bieten konnte. Nach wie vor konnte er nicht fassen, dass das hier real war. Schon in Hogwarts war es ihm unwirklich erschienen und dann war sie zu ihm zurückgekommen und noch immer erschien es ihm wie ein Traum.

„Du bist wundervoll.“

Da. Drei Worte. Aber nicht die Worte, die er hatte sagen wollen. Sofort schämte er sich und fühlte sich wie ein Feigling. Angst vor drei kleinen, dummen Worten.

Aber sie lächelte nur, als ob sie es verstünde. Und vielleicht tat sie das tatsächlich. Sie küsste ihn erneut.

„Ich weiß.“, murmelte sie in sein Ohr und er wusste nicht ob sie sich auf das bezog, was er gesagt hatte oder auf das, was er im Begriff gewesen war zu sagen.


Sie verließ das Land eine Woche später, ohne dass er sie zuvor nochmal sehen konnte. Er starrte auf die Uhr in seinem Klassenzimmer zu dem Zeitpunkt, an dem Hermine von einem Portschlüssel aus seiner Reichweite weggeholt wurde und er wusste er würde einen Monat warten müssen, bis er sie wiedersehen konnte und fragte sich, wie er das schaffen würde. Schon jetzt war seine Laune auf dem Tiefpunkt.

Sie schickte ihm eine Woche später einen Brief, um ihn wissen zu lassen, dass sie sicher angekommen war, dass sie sich schon gut eingewöhnt hatte, viel zu tun haben würde und ihn bereits jetzt vermisste.

Dieses Mal beantwortete er ihren Brief, aber er bekam keine Antwort mehr und auch auf seine folgenden Briefe kamen keine Antworten. Für sehr lange drei Wochen wusste er nicht, wo sie war, was genau sie tat und ob es ihr überhaupt gut ging.

Draco erwähnte bei einem zufälligen Treffen am Rande, dass es Harry, der mit Hermine zusammen nach Amerika gereist war, gut ging und er sich dort das Land ansah. Also ging Severus einfach davon aus, dass es ihr gut ging. Harry würde schon dafür sorgen.

Aber jeder weitere Tag, der verging, ließ sein Stresslevel weiter steigen und noch mehr als der Tag, an dem die beiden wieder hatten zurückkehren sollen, kam und ging, ohne Nachricht von ihr.

Er apparierte bei nächster Gelegenheit zum Grimmauldplatz, aber niemand antwortete auf sein Klopfen. Das Haus war still und leer.

Er überlegte, zu Draco zu flohen, wusste aber nicht, wie er unauffällig mehr Informationen aus ihm herauskitzeln konnte, ohne ihn misstrauisch zu machen. Nicht viele Leute wussten wo Hermine hingegangen war und er wollte nicht, dass gerade Draco misstrauisch wurde, woher gerade Severus davon wusste. Und warum er unbedingt wissen wollte, wann sie wiederkam.

Fast eine ganze Woche lang machte er sich Sorgen und schaffte es zeitweise sogar, sich selbst davon überzeugen, dass sie endlich gemerkt hatte, dass er ihr nichts zu bieten hatte und sie mit Harry davongelaufen war.

„Hallo Professor Snape.“

Gerade trat er gedankenverloren aus dem Kerker in die Eingangshalle, als der Übeltäter aus seinen rasenden Gedanken praktisch aus dem Nichts vor ihm auftauchte und er beinahe in ihn hineingerannt wäre und ihn aus seinen Gedanken riss.

„Mr. Potter?“

Seine Gedanken überschlugen sich. Harry war wieder da. Hieß das, Hermine war auch zurück? Aber hätte sie dann nicht geschrieben?

„Wie er leibt und lebt.“, lachte Harry.

„Sie sind also wieder im Land?“

„Offensichtlich. Hat Hermine denn nicht gesagt, dass wir wieder zurück sind?“

Severus Herz begann wie verrückt zu klopfen allein bei dem Gedanken, wieder auf dem gleichen Boden zu wandeln wie Hermine.

„Nein.“, brachte er hervor.

„Oh, na sowas. Ich hätte gewettet, dass sie Ihnen sofort schreiben würde. Naja, sicher ist ihre Eule schon unterwegs.“

„Seit wann sind Sie wieder da?“

„Heute Morgen per Portschlüssel angekommen.“

„Und was tun Sie hier?“

„Ich bin für ein Gespräch mit der Schulleiterin hier. Sie will mich für den Posten des Lehrers für Verteidigung gegen die Dunklen Künste.“

„Oh.“, sagte Severus nur.

„Ja, deshalb muss ich los, ich bin schon etwas zu spät dran und eine Minerva McGonagall lässt man lieber nicht zu lange warten. Bis demnächst Professor Snape.“

Und damit rannte er an ihm vorbei die Steinstufen hoch und verschwand.

Mit wirbelnden Gedanken ging Severus hinaus in die kalte Winterluft. Er musste seinen Kopf frei bekommen und seine Panik in den Griff bekommen.

Warum hatte sie ihm nicht gesagt, dass sie wieder zurück war? Warum hatte sie sich nicht mit ihm in Verbindung gesetzt? Warum hatte sie ihm wochenlang nicht geschrieben?

Hatte sie ihn doch abgeschrieben?

Er hatte gerade begonnen zu glauben, dass es für sie beide vielleicht wirklich eine Zukunft geben könnte, als sie abgereist war. Nur ein Monat, hatte er gedacht, das war nicht besonders lange. Im Sommer war sie länger weg gewesen. Aber im Sommer hatte er immer gewusst, wo sie war und was sie tat, obwohl er nie geantwortet hatte. Dieses Mal wusste er rein gar nichts, hatte nicht mal gewusst, dass sie wieder zurück war.

Die Sonne war gerade am Untergehen, als er auf den Verbotenen Wald zusteuerte. Es war eiskalt und in der Luft war bereits der kommende Schnee wahrzunehmen. Ein Spaziergang in der Dunkelheit und Einsamkeit würde ihm sicher helfen. Das half immer.

Am Waldrand stolperte er fast über eine Katze mit buschigem Fell, die im Halbdunkeln praktisch mit dem Boden verblendete.

Sie mauzte ihn vorwurfsvoll an. Konnten Katzen überhaupt vorwurfsvoll mauzen?

„Was bist du denn für eine Hübsche?“, sagte Severus erstaunt. „Dich habe ich noch nie hier gesehen.“

Die Katze sah ihn mit großen intelligenten Augen an und mauzte erneut. Severus ging in die Hocke und streckte ihr die Hand hin. Sofort presste sie sich schnurrend gegen seine Hand und strich um seine Beine.

Er lachte leise. Katzen mochten ihn scheinbar immer, was ihn immer wieder wunderte, denn hieß es nicht, dass gerade Katzen das wahre Wesen eines Menschen erkennen konnten?

Er streichelte eine Weile das herrlich weiche Fell, bevor er sich wieder aufrichtete, sich von der Katze verabschiedete und sich in den Wald begab. Doch die Katze blieb nicht zurück, wie Katzen es normalerweise taten. Sie waren zu klug, um sich in den Wald zu begeben. Diese hier scheinbar nicht. Sie folgte ihm.

Er drehte sich zu ihr um und scheuchte sie weg, aber sie blieb einfach stehen und sah ihn an.

„Geh zurück du dummes Ding. Hier ist es nicht sicher für dich.“, erklärte Severus und wunderte sich gleichzeitig, warum er sich überhaupt die Mühe machte. Sie konnte ihn kaum verstehen.

Er drehte sich um und ging wieder einige Schritte, aber noch immer folgte die Katze ihm.

Er seufzte und hob die Katze hoch. „Was bist du doch für ein stures Ding.“

Er zögerte kurz, aber dann ging er kurzerhand wieder raus aus dem Wald und setzte die Katze dort auf den Boden. „Bleib hier. Dort drin ist es zu gefährlich.“, befahlt er ihr und begab sich erneut in den Wald. Als er zurücksah, saß die Katze noch immer dort und so begab er sich schließlich zufrieden auf seinen Spaziergang. Doch eine halbe Stunde später spazierte das elende Vieh plötzlich einfach direkt vor ihm auf den Weg. Er fluchte.

Hastig schnappte er sich das dumme Biest. Sie schnurrte und kuschelte ihren Kopf an seinen Hals und widerwillig musste er lachen.

„Ganz schön anhänglich.“

Er ging schnurstracks wieder aus dem Wald, denn gerade Thestrale mochten Katzen ganz gerne, soweit er wusste und wer wusste was hier noch alles lauerte.

„Wie sieht es aus Kätzchen, willst du mit zu mir kommen? Dort ist es warm und kuschelig.“

Sie schien keine Vorbehalte haben, also nahm er die Katze mit zu sich in den Kerker, entzündete ein Feuer und ließ sie wieder auf den Boden.

Er schenkte sich einen Whiskey ein und holte eine Schüssel Wasser für die Katze. Als er sich in seinem Sessel niederließ sprang sie sofort in seinen Schoß, kringelte ich sich ein und schnurrte.

„Bedürftiges kleines Ding hm?“, sagte er lachend, kraulte ihre Ohren und schloss für einen Moment die Augen.

Doch die Gedanken an Hermine ließen ihn natürlich nicht in Ruhe und so stand er schließlich auf, setzte die Katze zurück auf den Sessel und ging in die kleine Küche, um sich noch einen Tee zu machen.

Als Severus aus der Küche kam hätte er das Tablett mit dem heißen Tee beinahe fallen lassen. Auf seinem Lesesessel saß nicht mehr die kleine hübsche Katze, sondern eine nicht ganz so kleine, mindestens genauso hübsche, junge Frau und blickte ihm schmunzelnd entgegen. Und jetzt wusste er auch, warum ihm die Augen der Katze so seltsam bekannt vorgekommen waren. Es waren die gleichen Augen, die ihn jetzt anblickten.

Er war so überrascht, dass er einige Sekunden lang brauchte zu verstehen, dass sie wirklich gerade in seinem Wohnzimmer stand.

Dann machte Freude der Überraschung Platz und im nächsten Moment – Wut. Sollte das witzig sein? Machte es ihr vielleicht Spaß ihn wochenlang in der Luft hängen zu lassen?

„Du bist also wieder da.“, presste er hervor.

Sie hob beide Augenbrauen. „Und wieder einmal nahm ich falsch an, dass du dich mehr freuen würdest.“

Er runzelte die Stirn. „Sollte das vielleicht eine Retourkutsche sein dafür, dass ich deine Briefe im Sommer nicht beantwortet habe?“

„Was? Natürlich nicht! Ich habe deine Briefe erst gestern erhalten. Ich durfte mit niemandem kommunizieren, während ich dort war, nicht mal mit Harry. Um ehrlich zu sein hatte ich gehofft, Harry würde dir das mitteilen.“

„Hat er nicht.“, brummte Severus missmutig, aber der Ärger verließ seinen Körper so schnell, wie er gekommen war und machte Erleichterung und erneuter Freude Platz. Und jetzt fühlte er sich albern und kindisch.  

„Solltest du nicht inzwischen wissen, dass ich dich nicht einfach so im Dunkeln lassen würde?“, seufzte sie. „Ich hab dir den ganzen Sommer über geschrieben obwohl ich keine einzige Antwort bekommen habe. Es ist tatsächlich etwas befriedigend zu wissen, dass dich der Mangel an Briefen genau so verunsichert hat wie es mich damals verunsichert hat.“

„Hat es das?“

„Natürlich! Ich dachte immer wieder du wolltest mich einfach nicht. Ich musste mich ständig selbst davon überzeugen, dass du nur nicht antwortest, weil du es für das Richtige hieltst, nicht weil du nicht interessiert warst. Aber immer wieder habe ich das bezweifelt. Ich glaube ich habe Harry damit ziemlich in den Wahnsinn getrieben.“

„Das wusste ich nicht.“, murmelte Severus leise. „Ich wusste nicht, dass du so unbedingt von mir hören wolltest.“

„Natürlich wollte ich das du Dussel. Ich war da schon schrecklich verliebt in dich und ich hatte Angst, dass du nicht das Gleiche willst wie ich. Aber ich musste immer wieder daran denken was du an unserem letzten Tag gesagt hast und das gab mir Hoffnung, dass du mich durchaus willst. Du warst nur nicht bereit, es zu akzeptieren.“

Severus merkte erst jetzt, dass er noch immer das Tablett in der Hand hielt und stellte es auf der nächsten freien Oberfläche ab, bevor er den Raum rasch durchquerte und Hermine in seine Arme zog.

Er presste sie an sich und küsste sie heftig, mit all der Sehnsucht der vergangenen Wochen, mit all der Angst, sie verloren zu haben. Er küsste sie, bis er glaubte an Atemnot zu sterben und sie ebenso atemlos zurückblieb.

Severus konnte aber nicht aufhören. Er senkte seine Lippen auf ihren süßen Hals, saugte und neckte und wollte nie wieder aufhören sie zu schmecken. Sie stieß Geräusche aus, die dem Schnurren ihrer Katzenform sehr nahekamen. Aus der Freude darüber, sie wiederzusehen, wurde der Drang, sie zu berühren, jeden Zentimeter ihres Körpers.

Gierig kostete er ihre Haut, schob seine Hände unter ihren Pullover und schob sie zum Sofa. Er hielt sich nicht weiter damit auf, sie oder sich komplett zu entkleiden, dankte nur den Göttern, dass sie einen Rock trug den er hochschieben konnte, bevor er sich zwischen ihren Beinen versenkte und sie nach so langer Zeit endlich wieder eroberte.

Sie schlang ihre Beine um ihn und ihre Hände in seine Haare, wie sie es immer getan hatte und wie er es immer noch liebte.

Es dauerte nicht sehr lange, bis sie fast simultan aufschrien, dann legte Severus erschöpft und glücklich den Kopf in ihrer Halsbeuge ab und spürte ihre Lippen an seiner Stirn.

„Wieso hast du nicht gesagt, dass du wieder da bist?“, murmelte er und genoss ihre sanften Finger, die über seinen Rücken strichen.

„Ich wollte dich überraschen.“

„Das ist dir gelungen.“, schnaubte Severus, dann hob er den Blick und sah sie durchdringend an. „Ich habe vorhin Potter getroffen.“

„Ach … was für ein Zufall.“, sagte sie mit einem zuckersüßen Unschuldstonfall der deutlich machte, dass sie überhaupt nicht unschuldig war. Er stöhnte, ließ den Kopf wieder sinken und vergrub sich an ihrer weichen Haut.

„Das war ein Trick. Und ich bin schon wieder darauf reingefallen.“

Ihre Brust vibrierte unter seinem Kopf, als sie lachte.

„Es war Harrys Idee, er fand das lustig.“

„Ich mag mir kaum vorstellen, was das für ein Spaß werden wird, euch beide als Lehrer im Schloss zu haben.“, brummte Severus und schauderte, während Hermine noch lauter lachte.

Es war himmlisch, ihre warme Haut wieder zu spüren und ihren süßen Geruch in sich aufzunehmen. Sie hatte die Beine immer noch um ihn geschlungen und er verharrte mehr als zufrieden an Ort und Stelle.

„Ich habe deine Briefe beantwortet. Jeden Einzelnen.“, murmelte er schließlich. „Ich habe sie nur nie abgeschickt.“

„Warum nicht?“

Er seufzte und rieb gedankenverloren eine ihrer Haarsträhnen zwischen ihren Fingern, während er sich zu erinnern versuchte, was genau ihn daran gehindert hatte, die Briefe abzuschicken.

„Ich dachte, du würdest sowieso bald weiterziehen. Ich wollte, dass du mich vergisst. Ich wollte, dass du … frei bist und siehst, was die Welt dir alles bieten kann.

Sie nahm sein Gesicht in die Hände und zwang ihn praktisch dazu, ihr in die Augen zu sehen.

„Alles was ich will, ist hier.“, sagte sie mit Nachdruck.

Wieder einmal spürte Severus diese absurd beängstigenden Wunsch ihr sein Herz auszuschütten. Sie hatte sowieso bereits sämtliche Macht über ihn, es konnte doch nicht schaden, es ihr auch mitzuteilen. Oder?

Aus ihrer ernsten Miene wurde ein freches Grinsen.

„Im Übrigen wusste ich gar nicht, dass du Katzen so gerne hast, Severus.“

Er blinzelte verwirrt, dann zog er seine Augenbrauen zusammen und blickte sie finster an, spürte aber, wie sein Gesicht warm wurde. „Biest.“

„Hast du diese Briefe noch?“

„Die, die ich nicht abgeschickt habe? Natürlich.“

„Kann ich sie lesen?“

„Oh … sicher. Warum nicht.“

Widerwillig wand er sich zwischen ihren Beinen hervor, packte sich wieder ordentlich ein, bevor er zum Schreibtisch ging und den Stapel Briefe hervorholte, während Hermine das Tablett zum Sofa holte und ihnen Tee einschenkte.

Er setzte sich neben sie und sah zu, wie sie die Brief für Brief las. Er war fasziniert davon wie ihre Augen über das Papier huschten und ihre Lippen sich zu einem Lächeln verzogen, wenn sie etwas las, dass ihr gefiel und er ärgerte sich jetzt, dass er sie zuvor nicht ausgezogen hatte.

Als sie den letzten Brief gelesen hatte platzierte sie den Stapel ordentlich auf dem Couchtisch, bevor sie sich lächelnd zu ihm umdrehte.

„Ich wünschte du hättest sie abgeschickt. Ich hätte mich besser gefühlt, wenn ich gewusst hätte, wie gern du meine Briefe gelesen hast.“

„Es tut mir leid. Ich wollte nicht, dass du dich meinetwegen schlecht fühlst.“

Sie lächelte breiter.

„Willst du zu Harrys Sylvester Party gehen? Ich weiß, dass er dir eine Einladung geschickt hat.“

Severus Hochgefühl verschwand und sein Magen rutschte einige Stockwerke tiefer.

„Zusammen?“, fragte er gepresst.

„Also … ja. Ich würde unsere Beziehung gerne offiziell machen, Severus. Denk einfach drüber nach, okay? Wir müssen das nicht jetzt sofort entscheiden.“

„Ich … ich denke darüber nach.“, murmelte er und ließ zu, dass sie ihn küsste, aber seine Gedanken wanderten schon wieder an andere Orte und er spürte die altbekannte Furcht aufsteigen bei der Vorstellung, dass bald jeder Bescheid wissen würde.
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