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Hermines achtes Schuljahr

KurzgeschichteAllgemein / P18 / Het
Hermine Granger Severus Snape
01.04.2021
11.10.2021
15
65.811
51
Alle Kapitel
53 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
03.07.2021 4.259
 
***Bitte entschuldigt die elend lange Wartezeit seit dem letzten Kapitel, es tut mir schrecklich Leid. Aber Sommer, Sonne, Urlaub und so weiter hat mich davon abgehalten, weiterzuschreiben und ich kann nicht veröffentlichen, bevor ich nicht wirklich zufrieden bin.

Wir nähern uns dem Ende der Geschichte, ein Kapitel folgt noch, diesmal sehr viel früher, wie ich hoffe und ich freue mich, dass so viele mitgefiebert und kommentiert haben :)

Nächste Woche Donnerstag veröffentliche ich eine neue Severus/OC-Geschichte, vielleicht mag der ein oder andere ja mal reinlesen.

Und jetzt viel Spaß mit dem Kapitel :) ***



Für Severus Geschmack vergingen die nächsten Wochen viel zu schnell, aber sie waren seiner Ansicht nach perfekt. Tatsächlich lief alles so perfekt, dass er begonnen hatte sich zu fragen, wie lange es noch so gut sein konnte, bevor alles unweigerlich auseinander fallen musste.

Die Freitage nutzten sie für das Brauen notwendiger Basistränke, unnötige Wiederholungen von relevanten Prüfungstränken (Hermine war seiner Ansicht nach mehr als gut vorbereitet, aber sie war trotzdem nervös) und sie unterhielten sich über alles Mögliche. Unter der Woche schlich Hermine sich ebenfalls regelmäßig mit dem Tarnumhang oder einem Desillusionierungszauber in den Kerker, um die Nacht bei ihm zu verbringen.

Diese Nächte, die Hermine in seinem Bett war, waren die Schönsten. Oft lag er noch lange wach, betrachtete sie und fragte sich, wie er so viel Glück hatte haben können. Er hätte sich an Hermine in seinem Bett gewöhnen können. Sie war warm und er fühlte sich geborgen und zufrieden.  

Doch immer wenn sie am nächsten Morgen wieder weg war und alles was zurück blieb der süße Blumenduft auf dem Kissen war, machte er sich erneut klar, dass sie nicht zu ihm gehörte und es nie würde. Er durfte sie nicht zu sehr in sein Herz lassen und doch hatte er das Gefühl, dass es dafür schon viel zu spät war. So sehr Hermine also die Prüfungen und das Ende des Schuljahres herbeisehnte, so sehr graute ihm vor ebendiesem, war er sich doch bewusst, dass das Ende des Schuljahres unweigerlich auch das Ende seiner Verbindung zu Hermine bedeuten würde. Bedeuten musste.


Doch wie das nun mal so ist, wenn man die Zeit am liebsten anhalten wollte, flog sie umso schneller vorbei und schon standen die Prüfungen vor der Tür.

Am Freitag vor der Prüfungswoche verbrachte Hermine eine letzte Nacht bei ihm. Sie waren sich darüber einig geworden, dass sie sich in der folgenden Woche auf die Prüfungen konzentrieren musste und abends nicht zu ihm kommen würde.

So sah Severus Hermine nur bei den Mahlzeiten in der Großen Halle und zwischendurch kurz zufällig im Flur. Da er weder die Fünftklässler noch die Siebt- und Achtklässler in dieser Woche unterrichten musste und nur Prüfungen für die anderen Stufen zu halten hatte, hatte er viel zu viel Zeit an der Hand, die er damit zubrachte sich mit Tränke brauen abzulenken und an Hermine zu denken.

Am Freitag fand die Zaubertränkeprüfung statt. Er sah Hermine beim Mittagessen entspannt mit ihren Freunden lachen, was bedeuten musste, dass die Prüfung wohl gut gelaufen war und sie guter Dinge war für die praktische Prüfung am Nachmittag.

Doch die Sehnsucht war groß und er wollte am liebsten persönlich mit ihr reden, vor allem da er wusste, dass sie am Abend nicht in sein Labor kommen würde, weil am kommenden Montag die Verwandlungsprüfung stattfinden würde und Hermine sicher das Wochenende damit zubringen würde, alles zu wiederholen, was sie je über Verwandlungen gelernt hatte.

Als er also während des Essens ihren Blick auffing und sie ihm ein kleines, unauffälliges Lächeln schenkte, sandte er einen deutlichen Blick in ihre Richtung, stand auf und verließ die Halle. Und wie er gehofft hatte, deutete sie seinen Blick ganz richtig und folgte nur wenige Minuten später.

Sie ging den Gang in Richtung Mädchenklo entlang und sah sich immer wieder suchend um und gerade als es so aussah, als ob sie beschlossen hätte seinen Blick falsch gedeutet zu haben, kam sie an der Nische vorbei, in der er wartete.

Eine schnelle Bewegung, ein kleiner Zauber und schon hatte er sie gegen die Steinmauer gepresst und seinen Mund hungrig auf den Ihren gelegt. Sie zögerte keine Sekunde sondern erwiderte seinen Kuss sofort.

Seine Hände wanderten durch ihre Haare, über ihren Körper zu ihrer Hüfte. Er zog sie etwas enger an sich, bevor er schließlich den Kuss schwer atmend wieder löste und seine Stirn gegen ihre presste.

„Hallo auch an dich.“, sagte sie außer Atem.

Er grinste verlegen. „Entschuldige den Überfall, aber du – “ Er zögerte. Was er eigentlich sagen wollte war, dass sie ihm gefehlt hatte, aber in seinem Kopf klang er bedürftig und peinlich und er befand, dass er es nicht aussprechen durfte. „Eine Woche ist eine lange Zeit.“, schloss er schließlich lahm. Er ließ sie los und trat einen kleinen Schritt zurück.

„Finde ich auch.“, sagte Hermine, sah lächelnd zu ihm hoch und fuhr ihm mit beiden Händen durch die Haare. Er bekam immer eine Gänsehaut, wenn sie das tat.

„Wie war deine Prüfung?“ Er fand, seine Stimme klang zu atemlos und eine Note zu hoch und er hoffte, dass es ihr nicht auffiel.

„Sehr gut. Ich bin guter Dinge, tatsächlich ein Ohnegleichen geschafft zu haben und wenn nicht, dann doch zumindest ein Erwartungen übertroffen. Aber der praktische Teil fehlt ja noch.“

„Damit wirst du keine Probleme haben.“, versicherte Severus ihr und stellte erleichtert fest, dass er es geschafft hatte seiner Stimme wieder den gewohnten Klang zu verpassen. „Du kannst sämtliche prüfungsrelevanten Zaubertränke im Schlaf brauen.“

Sie strahlte ihn an und nickte. „Ich muss los, die anderen denken ich bin auf der Toilette. Aber – vielleicht sollte ich heute Abend doch vorbeikommen?“

„Nein.“, sagte Severus hastig. Das letzte was er wollte war, sie von den Prüfungen abzulenken und dafür verantwortlich sein, dass sie nicht die Noten erhielt, die sie verdiente. Außerdem stand das Ende des Schuljahres bevor und er sollte sich langsam wieder daran gewöhnen, alleine zu sein. „Nach Verwandlung am Montag bist du durch.“

„Ja.“, seufzte sie. „Vielleicht hast du Recht.

Sie spielte nachdenklich mit einem Knopf an seinem Umhang. Er hätte alles gegeben zu wissen, was sie gerade dachte. Dann sah sie auf und lächelte. „Dienstag bin ich nicht im Schloss, ich habe ein Vorstellungsgespräch im Ministerium.“

„Oh.“, sagte Severus überrascht. Das kam plötzlich. Und früh. Ihre Prüfungen waren noch nicht mal beendet. „Welche Abteilung?“

„Führung und Aufsicht magischer Geschöpfe und Magisches Transportwesen. Tatsächlich habe ich eine Eule von jeder Abteilung erhalten und mich vorerst für diese beiden entschieden.“

„Du bist gefragt.“, stellte Severus fest und fragte sich gleichzeitig, warum ihn das erstaunte. War das nicht absehbar gewesen?

„Ja, mal sehn. Ich schätze ich habe die freie Auswahl.“, sagte sie mit einem schiefen Grinsen, das Severus nicht deuten konnte. „Ich muss zurück.“

Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und hauchte ihm noch einen Kuss auf die Lippen.

„Wir sehen uns.“

Mit einem letzten Blick zurück schlüpfte sie aus der Nische und machte sich zurück auf den Weg in die Große Halle.

Severus blieb zurück und starrte nachdenklich an die Wand. Hermine schien nach wie vor keinen wirklichen Plan zu haben, was sie mit ihrer Zukunft anfangen wollte, aber er war sich sicher, dass sie großartige Dinge vollbringen würde. Seufzend berührte er seine kribbelnden Lippen und fragte sich ob es ein Fehler gewesen war, sich überhaupt auf sie eingelassen zu haben. Wie sollte er sie jemals wieder aus dem Kopf kriegen? Wie sollte er jemals eine Frau finden, die sich mit einer Hermine Granger messen konnte?


Eine Woche nach der letzten Abschlussprüfung fand der offizielle Abschlussball der Siebt – und Achtklässler statt.

Die Große Halle war herrlich geschmückt worden, Minerva hatte zur Feier des Anlasses die nach wie vor berühmten Schicksalsschwestern gebucht, es gab ein Buffet und eine große Tanzfläche.

Nach einer feierlichen Zeremonie, in deren Folge Minerva McGonagall den Abschlussschülern ihre Zeugnisse überreichte und eine sentimentale Rede hielt und dabei einige Tränchen verdrückte, stürmten die Schicksalsschwestern die Bühne und aus der sentimentalen Stimmung wurde eine losgelöste, feierliche Stimmung. Immerhin war das der letzte Abend der Schüler und Schülerinnen der Siebten und Achten Klasse in Hogwarts. Danach würden sie hinaus in die Welt ziehen und ihr Glück machen. Aber diesen einen Abend hatten sie noch an ihrer vielgeliebten Schule, die Schauplatz so vieler wundervoller, aber auch so vieler schrecklicher Dinge war.

Hermine stand mit einem Glas Elfenwein neben dem Buffet und beobachtete belustigt, wie Lavender mit Ron tanzte.

Die Feier war wunderbar und obwohl sie etwas melancholischer Stimmung war, weil das hier das Ende ihrer Zeit in Hogwarts bedeutete, war sie auch glücklich ihre Schulzeit endlich hinter sich gebracht zu haben und so viele Leute, die ihr wichtig waren, glücklich und losgelöst tanzen zu sehen.

Harry tauchte plötzlich vor ihr auf, nahm ihr das Glas aus der Hand und stellte es auf einen Tisch in der Nähe.

„Komm tanzen.“, befahl er und zog sie auf die Tanzfläche.

Sie lachte laut über seinen unbeholfenen Versuch, einen Walzer mit ihr zu tanzen und sie hatten viel Spaß, bis plötzlich jemand von hinten Harry auf die Schulter tippte.

„Darf ich ablösen.“, fragte Severus.

„Aber sehr gerne.“, strahlte Harry, trat zur Seite und verschwand mit einem frechen Grinsen in der Menge.

Hermine errötete, als sie Severus warme Hand ergriff. Er zog sie etwas enger an sich, als für den Tanz nötig gewesen wäre und legte die andere Hand an ihren unteren Rücken.

„Hältst du das für klug?“, murmelte Hermine und ließ ihren Blick über ihre Mitschüler schweifen um die Reaktionen zu sehen, aber keiner schenkte ihnen einen zweiten Blick.

„Ich habe bereits mit mehreren Schülerinnen und Minerva und Pomona getanzt. Ich denke nicht, das ein Tanz mit meiner besten Schülerin besonders auffällig ist.“, sagte Severus und erlaubte sich ein kurzes, warmes Lächeln, bevor er sein Gesicht wieder in eine unbewegte Miene verwandelte.

„Tanzt du jedes Jahr beim Abschlussball?“, wollte Hermine belustigt wissen.

Er schnaubte. „Nein.“

„Mh, ich fühle mich geschmeichelt.“

"Das solltest du.", sagte er mit einem frechen Lächeln. "Ich konnte nicht widerstehen. Du siehst einfach bezaubernd aus."

Hermine spürte, wie sie errötete.

"Das kann ich nur zurückgeben.", murmelte sie.

Eine Wiele tanzten sie schweigend. Er war ein guter Tänzer und führte sie problemlos über die Tanzfläche und immer wenn sie seinem feurigen Blick begegnete, lief ein angenehemer Schauer über ihren Körper.

„Ich habe dich diese Woche kaum zu Gesicht bekommen.“, sagte sie dann, immer noch so leise, dass nur er sie hören konnte. Tatsächlich hatte sie ihn seit der kurzen Zusammenkunft am vergangenen Freitag nur bei den Mahlzeiten gesehen. Sie hatte schon das Gefühl bekommen, dass er ihr aus dem Weg ging.

„Ich hatte zu tun.“, sagte er ausweichend. Er begegnete ihrem Blick nicht und wieder bekam sie dieses ungute Gefühl, dass etwas nicht ganz in Ordnung war. „Wie war dein Vorstellungsgespräch?“

Sie verzog das Gesicht und seufzte. „Beide Abteilungen wollen mich, um jeden Preis.“

„Das sind doch gute Neuigkeiten.“

„Sie wollen mich, weil ich ein Teil des Goldenen Trios bin, nicht weil sie tatsächlich mich wollen oder von meinen Qualitäten überzeugt sind. Ich habe das Gefühl, sie wollen mich als eine Art Aushängeschild benutzen. Pressetermine und Interviews wären in meinem Arbeitsvertrag als Notwendigkeit geregelt.“

„Oh.“, sagte Severus überrascht. „Nun…“

„Ich habe nicht vor den Pressehamperl für das Ministerium zu spielen.“, sagte Hermine angesäuert. „Ich denke nicht, dass ich das Angebot annehmen werde. Tatsächlich hat sich etwas anderes ergeben, dass mein Interesse geweckt hat und worüber ich gerade nachdenke.“

Sie lächelte zu ihm hoch.

Er wartete, bis klar wurde, dass sie nicht mehr dazu sagen würde. Er seufzte und ließ sich auf ihr Spielchen ein.

„Was denn?“

„Ich denke, das behalte ich erst Mal noch für mich, bis ich mir sicher bin.“, sagte sie mit frechem Grinsen.

An ihr vorbei tanzte Harry mit McGonagall, was ihre Aufmerksamkeit beanspruchte. Sie musste lachen, als sie sah, wie McGonagall Harrys Füßen auswich.

„Du willst mir deine weiteren Pläne nicht verraten?“, fragte Severus nach.

„Ich will mir sicher sein.“, sagte Hermine ausweichend. „Aber meinen unmittelbaren weiteren Pläne sehen eine Auslandsreise vor. Harry hat gefragt, ob ich mit ihm nach Italien reise und wenn ich nicht im Ministerium anfange sehe ich keinen Grund, nicht zu gehen. Es wäre gut, etwas Abstand zu bekommen und den Ministeriumseulen zu entkommen. Ich habe heute schon wieder eine Eule bekommen, von der Abteilung für Magische Spiele und Sportarten. So ein Unsinn.“

„Eine Auslandsreise ist sicher vorteilhaft.“, sagte Severus. Sein Gesicht verriet Hermine nichts über seine Gedanken darüber. Sie überlegte gerade, ob jetzt ein guter Zeitpunkt wäre, um ihre gemeinsame Zukunft anzusprechen, als Minerva McGonagall um Aufmerksamkeit bat, um den offiziellen Teil des Abends zu beenden.

Severus ließ Hermine los und verneigte sich knapp vor ihr.

„Ich komme nach der Party zu dir.“, murmelte Hermine. Er nickte knapp und verschwand dann durch die Menge. Ein kleiner Seufzer entwich ihr, als sie beobachtete, wie er verschwand. Sie hätte ihn zu gerne geküsst.

Die Siebt- und Achtklässler drängten nun ebenfalls aus der Halle. Sie hatten beschlossen die inoffizielle Party nicht im Gemeinschaftsraum, sondern draußen am See abzuhalten, wo magische Lampions in der Luft schwebten und ein Tisch mit Pappbechern und Alkoholischen Getränken bereit stand.

Hermine genoss den lauen Sommerabend mit ihren Freunden in vollen Zügen. Sie trank zu viel, hielt sich von dem Wahrheit oder Pflicht Spiel fern, tanzte mit Ginny und lachte viel.

Alle schmiedeten Pläne für ihre Zukunft außerhalb von Hogwarts, verabredeten sich zu Feiern und Geburtstagen in den nächsten Monaten und schworen sich gegenseitig sich nicht aus den Augen zu verlieren, was erfahrungsgemäß leeres Gerede war, aber die Hoffnung bestand dennoch.

Irgendwann ließ sich Hermine beschwipst am See nieder, legte sich auf den Rücken und betrachtete die Sterne über sich. Die Welt drehte sich etwas zu schnell.

Rechts und links von ihre ließen sich Harry und Ron nieder und sie verschränkten alle drei ihre Hände ineinander.

„Eine Ära geht zu Ende.“, seufzte Hermine leise.

„Und eine neue beginnt.“, sagte Harry. „Und es wird großartig.“

Hermine tauschte ein Lächeln mit ihm und drückte seine Hand. Sie war sich sicher, dass sie ihre engsten Freunde nicht aus den Augen verlieren würde. Sie würden immer an ihrer Seite sein, ganz egal was die Zukunft bringen würde. Dann drehte sie den Kopf zu Ron.

„Was machst du als nächstes, Ron?“

„Ich besuche mit Lavender zusammen Charlie in Rumänien. Im Herbst kann ich die Aurorenausbildung beginnen, wenn ich will. Ich habe mich noch nicht entschieden, ob ich das tatsächlich machen will. George könnte meine Hilfe im Laden brauchen.“

„Was auch immer du tust, hauptsache du bist glücklich.“

„Bist du denn glücklich, Mine?“, wollte Ron wissen. „Ich meine, abgesehen von deinen außerordentlichen Noten, was absehbar war. Noch immer weiß niemand, wer dein geheimnisvoller Liebhaber ist.“

„Wer sagt denn, dass es einen gibt?“

„Man sieht es dir an. Du strahlst richtig seit einer Weile schon. Harry weiß es, oder?“

Ron grinste. „Ich bin nicht ganz so doof, wie ihr denkt. Aber ich dachte, du sagst es mir schon, wenn es so weit ist.“

„Ich bin glücklich, Ron. Und ich würde es dir gerne sagen, aber du verstehst es vielleicht nicht.“

Ron zuckte die Achseln. „Wenn er dich glücklich macht, bin ich auch glücklich. Aber lass uns das verschieben.“ Er schloss die Augen. „Mir ist schwindlig.“

Hermine drückte beide Hände. „Versprecht mir, dass wir für immer beste Freunde bleiben, ja? Ganz egal was passiert.“

„Für immer.“, bestätigte Harry.

„Und ewig.“, fügte Ron hinzu und grinste.


Wenig später hauchte Hermine Harry einen Kuss auf die Wange und machte sich auf den Weg ins Schloss. Die Party war noch immer in vollem Gange und das Lachen und Gläser klirren folgten ihr den ganzen Weg zum Schloss, bis sie durch das Eichenportal in die leere, dunkle Eingangshalle trat.

Sie sah sich kurz um, dann ging sie auf leisen Sohlen in den Kerker bis zu Severus Wohnung und klopfte leise, nachdem sie sich erneut umgesehen hatte. Die Tür ging fast sofort auf, als ob er auf sie gewartet hätte. Kaum war sie eingetreten zog er sie in seine Arme und küsste sie. Er schmeckte nach Whiskey und zufrieden seufzend ließ sie sich gegen ihn sinken.

„Ich dachte schon du kommst nicht mehr.“

„Sorry.“, murmelte Hermine zurück. „Ich wollte mich ungesehen wegstehlen.“

Ohne viel Zeit zu verlieren schob Severus sie in sein Schlafzimmer und drückte sie aufs Bett. Seine Küsse und seine wandernden Hände hatten etwas Drängendes, Ungeduldiges. Vielleicht, weil so viel Zeit vergangen war, seitdem sie das letzte Mal so zusammen gewesen war, oder vielleicht weil sie beide wussten, dass nach dieser Nacht sich alles ändern würde und sie nicht genau wusste, inwiefern es sich ändern würde. Wie würden ihre Zusammenkünfte wohl in Zukunft aussehen? Wie oft, wann und wo würden sie sich sehen können?

Aber dann umschloss sein warmer Mund ihre Brustwarze und sie hörte auf, weiter nachzudenken und ließ sich einfach fallen.

Und als er sich wieder mit ihr vereinigte konnte sie nichts anderes denken, als dass es perfekt war und sie nie wieder etwas anderes spüren wollte, als das.

Erschöpft und verschwitzt lagen Hermine danach in seinen Armen und gab sich Mühe, ihre Augen offen zu halten.

Severus war völlig still und sagte kein Wort. Gerade als Hermine sich fragte, was er wohl dachte, war sie schon eingeschlafen.


„Hermine. Aufwachen.“

„Noch 5 Minuten.“, murmelte sie verschlafen.

„Nein, du musst aufwachen.“

Sie spürte wie jemand sie sanft an der Schulter rüttelte und öffnete mühsam die Augen. Severus saß neben ihr auf dem Bett, vollständig bekleidet und mit einem seltsamen Gesichtsausdruck.

Er hielt ihr einen Zaubertrank hin. „Nimm das. Du musst in fünf Minuten beim Frühstück sein.“

„Schon?“, fragte Hermine, gähnte und setzte sich auf. „Ist es schon so spät?“, fragte sie dann erschrocken.

„Ja.“

„Warum hast du mich nicht eher geweckt?“

„Du hast so friedlich geschlafen.“, sagte er achselzuckend und drückte ihr den Trank in die Hand. „Beeil dich.“

Er verließ das Schlafzimmer und Hermine tat wie geheißen, schluckte den Trank, zog sich hastig die frischen Klamotten an, die sie wie üblich in der Nacht mitgebracht hatte, damit niemand merkte, wenn sie mit der Kleidung vom Vortag durch das Schloss lief und ging kurz ins Badezimmer, um sich frisch zu machen.

Dann ging sie ins Wohnzimmer, wo Severus im Lesesessel saß und ein Buch las.

Er hatte einen seltsamen Gesichtsausdruck, als er aufstand.

Für einen Moment standen sie einfach da und sahen sich an und keiner schien zu wissen, was er sagen sollte.

„Denk an die Desillusionierung, wenn du durch den Kerker gehst.“, sagte er schließlich mit Blick zur Tür.

„Immer.“, sagte Hermine. „Hör zu, ich weiß wir haben nicht mehr viel Zeit, aber …“ Sie fummelte nervös an ihrem Ärmel herum. „Ich...“

„Es ist in Ordnung Hermine, wir müssen nicht darüber reden.“, sagte Severus schnell und schnitt ihr damit das Wort ab.

Sie runzelte die Stirn. „Aber –

„Du musst jetzt gehen.“, drängte er. „Bevor jemand deine Abwesenheit bemerkt. Außerdem wird der Zug bald abfahren.“

„Aber ich werde nächste Woche das Land verlassen und ich weiß nicht genau, wann ich zurück sein werde.“

„Und das solltest du auch. Du sollst los ziehen und neue Erfahrungen sammeln und die Welt erobern.“

„Ja – aber ich werde dich vermissen. Wann werde ich dich wiedersehen?“

Er schloss für einen Moment die Augen und als er sie wieder öffnete, lächelte er ein seltsames, schiefes Lächeln, dass nicht seine Aiugen erreichte.

„Du wirst mich schon bald vergessen haben. Und das ist gut so, keine Sorge. Die Welt ist voller junger, intelligenter Männer, die du kennen lernen kannst.“

Hermine starrte ihn verwirrt und mit großen Augen an. War das seine Art zu sagen, dass das hier das Ende war? „Ich – aber – was ist mit uns?“

Das seltsame Lächeln verstärkte sich noch etwas und jetzt sah sein Gesicht aus wie eine Grimasse. Als hätte er zahnschmerzen.

„Du weißt, dass es kein Uns gibt. Und nie geben wird. Es war schön, so lange es angedauert hat, aber wir hatten immer ein Ablaufdatum.“

Hermine blinzelte, einmal, zweimal. „Das muss es aber nicht.“, war alles was sie herausbrachte.

Wollte er sie etwa nicht wiedersehen? Wollte er nicht, dass sie zu ihm zurückkommen würde? Hatte ihm das alles nicht so viel bedeutet, wie es ihr bedeutet hatte?

„Doch, das muss es. Du weißt, dass wir in erster Linie nie damit hätten anfangen dürfen und wir haben Glück, dass wir nicht erwischt wurden. Und jetzt musst du da raus gehen und der Welt zeigen, was für eine brilliante junge Hexe du bist.“

„Aber ich – “ Sie wollte es sagen. Sie wollte sagen ‚Ich liebe dich‘ aber sie wollte es nicht als Argument sagen, dass sie sich wiedersehen sollten. Und sie hatte das komische Gefühl, dass er ihr nicht glauben würde. Hielt er sie noch immer für ein Kind, das nicht wusste, was es wirklich wollte? „Warum reden wir nicht darüber, wenn ich wieder zurück bin?“, fragte sie schließlich und unterdrückte all die Dinge, die sie eigentlich hatte sagen wollen. Sie wollte nicht wie ein gefühlsduselige Idiotin klingen, wenn er so ruhig und abweisend vor ihr stand und überhaupt keine Gefühle mehr z haben schien. „Ich werde dir schreiben und dich wissen lassen, wenn ich zurück bin.“

„Das musst du nicht.“

„Doch, das muss ich.“, bestimmte Hermine und starrte ihn an. „Was ist los mit dir? Ich meine – hat dir all das überhaupt nichts bedeutet? War ich nur ein zeitvertreib für dich?“

Okay, jetzt klang sie doch wie ein gefühlsduseliger Idiot und sie biss sich auf die Lippe, um nicht auch noch in Tränen auszubrechen und ihm den Beweis zu liefern, was für ein erbärmlich sentimentales Schulmädchen sie doch war.

„Natürlich nicht und das weißt du.“, sagte er, aber er sah defintiv nicht so aus, als meinte er es auch so. „Ich habe das nie erwartet und es war – wundervoll. Aber alle guten Dinge müssen irgendwann enden und das ist das Ende. Du musst gehen und ich will nicht, dass du zurück siehst. Und jetzt geh – bitte. Du kommst zu spät.“

Ihn jetzt so zu verlassen war das letzte was Hermine wollte, aber alles was ihr einfiel, was sie noch hätte sagen können, ließ sie nur erbärmlich klingen.

„Wir müssen das nicht beenden.“, sagte sie schließlich. „Wir können außerhalb der Schule herausfinden, wohin das führen kann.“

„Das können wir nicht.“, sagte er mit einer Macht in der Stimme, die sie erschreckte. „Du solltest nicht mit mir in Verbidnung gebracht werden Hermine und ganz sicher solltest du das nicht wollen. Sei nicht dumm, hermine. Die Welt würde das niemals akzeptieren. Niemand würde das.“

„Geht es hier darum? Hast du Angst was andere sagen könnten?“

„Verdammt nochmal Mädchen! Hast du eine Ahnung was die Zeitungen mit mir machen würden, wenn sie etwas davon erfahren würden? Und wofür? Du wirst bald genug erfahren, dass du die Wahl hast. Du willst nicht mit mir verbunden werden. Also bitte – geh jetzt. Schau nicht zurück. Geh.“

„Aber – Severus – ich…“

„Geh!“, seufzte er. „Geh einfach. Mach es nicht so schwer. Geh.“

„Ich will nicht.“

„Du musst.“

„Du bist ein sturer Idiot, weißt du das?“

„Das weiß ich.“

„Was wenn es mir egal ist, was die Zeitungen sagen?“

Etwas Seltsames blitzte in seinen Augen auf. Etwas, das sie nicht deuten konnte. Schmerz? Wut? Resignation?

„Das würde dich zu einem Dummkopf machen, und das bist du nicht. Also bitte, Hermine, geh einfach. Du fehlinterpretierst was wir hatten als etwas, das wir niemals haben können. Vielleicht siehst du es jetzt noch nicht, aber das wirst du, glaub mir. Ich wünsche dir nur das Beste.“

Er presste einen Kuss auf ihre Stirn, der sie überrumpelte und im nächsten Moment fand sie sich vor seiner Wohnungstür wieder, die vor ihrer Nase ins Schloss fiel.

Als sie ihre Überraschung überwunden hatte hob sie die Faust, um an seine Tür zu klopfen und Einlass zu verlangen. Aber sie wusste instinktiv, dass er nicht öffnen würde, nicht mal, wenn sie das ganze Schloss zusammenschreien würde.

Er hatte sich entschieden, da war sie sich sicher und das ärgerlichste war, dass er auch für sie entschieden hatte, ohne ihr wirklich die Möglichkeit zu geben, seine Entscheidung zu hinterfragen.

Seufzend warf sie einen letzten sehnsüchtigen Blick auf seine Tür, bevor sie sich desillusionierte und den Weg zur Großen Halle antrat um ein letztes Mal mit all ihren Freunden zu frühstücken, bevor sie Hogwarts verlassen würden.


Hermine saß im Zug, starrte aus dem Fenster und lauschte nur halbherzig dem Geschnatter ihrer Freunde.

Sie und Harry hatten aus dem Fenster der Kutsche heraus beobachtet, wie Hogwarts langsam aus ihrem Blickfeld verschwunden war und es hatte sich angefühlt, als würde sie nicht nur Hogwarts zurücklassen, sondern auch ihr Herz.

Je öfter sie die Unterhaltung mit Severus in ihrem Kopf wiederholte, desto deutlicher wurde eine Sache. Er hatte nie gesagt, dass er sie nicht wollte. Was er gesagt hatte war, dass die Zaubererwelt das nicht wollte und dass sie selbst es nicht wollen würde. Aber da irrte er sich. Sie wollte es und es machte sie wütend, dass er für sie entschieden hatte. Woher wollte er denn wissen, was sie wollte.

Sie konnte sich vorstellen, woher seine Worte kamen. Es war nicht nur der Altersunterschied und dass er ihr Lehrer war und dass die magische Gemeinschaft solch eine Beziehung vielleicht verurteilen würde. Es war noch mehr als das und das hatte oft genug aus seinen Worten und Taten gesprochen in den letzten Monaten.

Er hatte nicht das Gefühl, sie zu verdienen. Er hatte es sogar einmal fast genau mit diesen Worten gesagt.

Warum ich, hatte er gefragt. Warum nicht, hatte sie geantwortet und nicht bemerkt, wie unsicher er gewesen war.

Sie würde ihm beweisen müssen, dass er es war und kein anderer. Sie würde ihm beweisen müssen, dass sie es ernst meinte und dann würde er nicht mehr Nein sagen können.
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